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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Anzeigenpreise; Einheimische Geschästsanzeigen Ht mm-Seile 11 J, -nswSrtige Keschüf^ anäigen bi« inm-Zeile 11 .!, Samiüenanzeigen die mm=3eile 11 4. ftWvne Anzeige« au* Kassel da* Wort 7 A. auswärtige Kleine Anzeigen die inrn-ZeUe 11 A, Reklamen die mm«3eilc 45 4. Osscrigebübr 25 4 ihei Zustellung 85 4). Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen zahlbar. Siir die Richiigkeil aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen sowie für Aufnahmedare» und Plätze kann nicht garantiert werde« Sßr Aiuemen mit besonders schwierigem Satz IDü Prv^nt Ausschlag. Postscheckkonto Kranksur» a. M. 6380.

Nummer 86 Wochentags to Pfennig. Sonnabend, 13« April 1929 Einzelpreis- Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Schon das letzte Wort in Paris?

Keine Einreise für Trotzki — Litwinow will enthüllen — winister-Lrnennung erst So nnabend

Druck auf Loudon

Besuch tu Moskau und Bomben in Indien.

Bon Dr. Paul Kohrbach.

Eine Woche lang wurden die Engländer In Moskau mit Besichtigungen und Veranstal­tungen unterhalten. Dann erklärte plötzlich der Präsident der Sowjetbank, Pjatakow mti diesem Spiel sei es nun genug; wenn russische Aufträge nach England gegeben werden j ou­ten, so fei Vorbedingung dafür erstens Die Wiederherstellung bei diplomatischen Verkehrs, zweitens die Bewilligung langfristiger Kre­dite im Betrage von 100 bis 150 Millionen Pfund. Bei dieser bescheidenen Summe erin­nert man s'ch unwillkürlich an die Prophe­zeiung eines deutschen RußlandkennerS: Die Sowjetregierung werde nur solange zurück­zahlen, wie sie noch auf weiteren Kredit rechne; wenn ihr aber die Wasser an den Hals ain- Sietbe sie noch einmal einen ganz großen versuchen und diesen dann nicht mehr en. Ob die Dinge schon so weit sind mag dahingestellt bleiben.

Wozu die Russen die Kredite brauchen, ist kein Geheimnis. Das maschinelle Inventar ihrer Industrieanlagen ist heruntergewirtschai- tet und muh erneuert werden. Außerdem fürchten fie einen Angriff von Polen und möchten wieder rüsten. Dabei oer- suchen sie mit England ein gewagtes Spiel zu spielen. Am Tage vor der Ankunft der eng­lischen Handelsvertreter in Moskau erließ die Sowjetmacht einen Aufruf an daS indische Volk: „Arbeiter und Bauern, erhebt euch *um Kampfe gegen eure Unterjocher! Nieder mit dem britischen Imperialismus l Es lebe Die freie jüdische Sowjetrepublikl" Den Indiern wird geraten, mit ihrer bisherigen allzu wb men Opposition Schluß zu machen und die Führung der revolutionären Bewegung gegen England indischen Kommunisten anzuvertrau­en. Gleich nach der Offenbarung Pjatakow» an die Engländer in Moskau haben die indi­schen Kommunisten die erste blutige Probe ihres Gehorsams gegenüber der Moskauer In­ternationale abgelegt. Zwei Bomben und ein roteS Flugblatt dee „indischen sozialistischen republikanischen Armee*, d. h. des bolschewistischen Revolutionskomitees, flie­gen in den Saal der gesetzgebenden Bersamm- lung in Delhi, zertrümmerten einige Bankrei­hen und verwundeten den Finanzminister und eine Anzahl Parlamentsmitglieder. Daß es sich hier um eine Pression auf England han­delt. ist daraus zu ersehen, daß am Lage des Eintresfens der Engländer in Moskau das of­fizielle Organ der Sowjetregierung, die „Pra v- baN, den indischen Masten zujubelte mit jem Wink. Wenn ihr Engländer unS nicht entgegen- koninii, io haben wir eine Waffe gegen euch zur Hand!

Es ist unwahrscheinlich, daß der Bomben­wurf gegen den Willen Moskaus hat geschehen können. Die Organisatoren solcher Vorfälle sind jetzt in Indien ebenso russische Vertrau­ensleute aus Moskau, tote sie es vor einigen Jahren in China waren. In China zählten sie nach vielen Hunderten: auch in Indien wird sich keine kleine Zahl von ihnen insge­heim aufhalten. Die Werkzeuge sind stets einheimische Fanatiker. DaS Angebot an Eng­land heißt: Wenn ihr auf eurer ablehnenden und feindlichen Politik gegen unS beharrt so werdet ihr in Indien noch viel mehr erleben; zeigt ihr Entgegenkommen, ko sind wir im­stande, die „indische sozialistische republikani- fche Armee" — abzupfeifen

Man darf auch nicht vergesten.daß in Eng­land die Parlamentswahlen vor der Tüt ste­hen. Moskau ist natürlich alles voran gelegen daß im kommenden Parlament die Kon­servativen keine Mehrheit haben u daß die Arbeiterpartei so stark wie möglich wird. Gegenüber den Engländern wird ihre diesmalige Rechnung falsch fein Wer Eng­land zum Rachgeben bringen will, darf nicht drohen Durch den Versuch eines gewaltsa­men Drucks wird es die Iowjetregierung ihren halben und ganzen Freunden m Eng­land nur erschweren, ihre Geschäfte w befer- gen Es ist schon ein Symptom dafür, wenn in Den „Daily Retos" Berichte aus MoSkgu stehen, in Denen es heißt. Lebensrnittel müßten aus Moskau aufs Land geschickt werden: Tee. Kaffee und Weißbrot feien nur noch für Aus­länder da. der Lebenstnder steige von Tag in Tag und eine Arbeiterkarte für Nahrungsmit­tel mit Doppelrationen, stehe gegenwärtig aut fünfzig Schilling! Man braucht nicht viel nach­zudenken. um sich zu sagen, daß dies die schwache Seite in der Gesamtlage Rußlands ist.

Die vermißten Fernsiieger gesunden!

Die erste Hilfe aus der Luft.

Sidney, 12. April. (Funktelegramm.) Das Flugzeug Canberra, das noch dem am 31- März mit Pier Pastagieren zum Fernflug Australien. England gestarteten und bald darauf vermißten Flugzeug „Southern Croß" nachfarschte, meldet: „Wir haben Southern Croß gefunden. Alle find am Leben und wohl, wir haben Lebensrnittel abgeworfen.

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Amerikaflug im Juni?

Fitzmaurice will fünf Begleiter mitnehmen

Rewyork, 12. April. (Durch Funkspruch, Der Amerikaflieger Fitzmaurice hat in Worchc- fier erklärt, daß er im «uni einen Flug von Berlin nach Rewyork an Bord einer

Funkers-Maschine mit drei Pilote« und zwei Radio-Telegrafisten unternehmen werde

Roch einmal aus die Slaiiaiuche

Mailand, 12. April Dem Hilfexpeditions Komitee für die verschollene Ballongruppe des Luftschiffes „Italia" gehören u. a. die Sena­toren Revione und Crespi, Präsident des Auto- klubs, an. Zu der Sammlung hat auch der Papst 50 000 Lire gespendet. Die Expedi- tion will den bereits bei der letzten Hilfsexpe- bitten erprobten norwegischen Walfisch­fänger „Braganza" chartern. Die Nach- forschungen werden zwischen Spitzbergen und Dem Franz Jofephsland angesteUt, da es nicht ausgeschloflcn ist, daß die Schiffbrüchigen an der Küstc des Franz Josephsarchipels über- wintern konnten.

Die Pariser Rechnung fertig

Schacht ist eingeweiht. — Heute wird sie präsentiert.

Honen an.

größere Nachlässe bewilligen

müflen, so begnüge sich Belgien mit 1400 Mil­lionen für die Reparationen und für die Riick- erstattnufl des Wertes der in Belgien ausge­gebenen Kriegsnoten England werde nur noch von seinen vier Milliarden fordern. Auch Italien habe feine 60v-Millionen-Forde- rung ermäßigt und Die kleinen Mächte hätten sich ebenfalls zu Opfern bereiterklärt.

Das Blatt gibt dann als vermutliche An fangsannuitSt die Gefamtfumme von 1700 Millionen und als HSchstannuitSt 2 300 Mil-

liehen Reparationszahlungen über s^t^re ausdehnt und die reinen Schuldenzahl? ,^en. also diejenigen, di« 58 Sah re an dauern sollen, später beginnen laßt. Der Kapitaltoert der eigentlichen Reparationsforderunzen hatte sich auf etwa 19 Milliarden belaufen. Das hätte einschließlich der 80 Millionen für den Zinsendienst und der Tilgung der Dawesan- leihe bei einem Zinsfuß von 5 Prozent em« Jahreszahluna von etwa 1.^ Milliarden eigentliche Reparationen ergeben. Znzugltch Der veränderlichen Jahreszahluag für die Schulden, die sich schon im ersten Jahre auf 870 Millionen belaufen, hätten die deutschen Gefamtjahreszahlungen mit 2 300 M illio- nen beginnen muffen (!) um nach zehn Jahren aus mehr als drei Milliarden zu stei­gen und nach 37 Jahren aus 1700 Millionen zurückgehen. Owen ?)oung wollte aber die YA Milliardengrenze nicht überfteigen und Hobe Ermäßigungen gefordert und durchgesetzt.

Jedes Land habe solche bewilligt, und zwar in weitem Ausmaße. Die genannte Kapiial- stlmme von 19 Milliarden fei auf etwa 13 Mil­liarden gesunken. Jetzt seien noch die Annui­täten zu errechnen. Frankreich habe seine For­dern, <nen aus Rückerstattung der Wiederauf­baukosten von vorn herein auf die Hälfte t, aber auch diese Ziffer nicht

berabge,.T..----

aufrecht erhalten können; die gemachten Zu­geständnisse dürsten jedoch 20 bis 25 Prozent nicht überstetgen Di« anderen Delegierten hätten verhältnismäßig

Sie muffen sich bequemen

Starke Abstriche durch die Amerikaner. — Aber immer noch erschreckende Anfangs- und End zahlungen.

Paris. 12. April (Eig. Drohibericht., Einem Blatt zufolge besteht nur noch zwischen den Delegierten und Owen Nvung eine Differenz von 200 Millionen Mark, die man eventuell dadurch auSgleichen will, daß man die eigent-

PariS, 12. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ter Agentur Radio zufolge ist gestern abend zwischen den Alliierten eine prinzipielle Eini­gung zustande gekommen. In einer letzten Sitzung dürste heute dgS endgültige Ein­verständnis über die Forderungen an Deutsch­land erzielt werden. Dr, Schacht sei im übrigen durch Oven Uoung aus dem Lausenden gehalten worden, sodaß et keine Hebet- raschungen erleben werde, wenn ihm das Ergebnis heute nachmittag unterbreitet werde.

Paris, 12. April (Eigene Drahtmeldung.) Mnrend die Agentur Radio von einer teil­weisen Einigung unter den Alliierten spricht, behauptet die große JttformatlonSpresse fast durchweg, daß die Einigung eine voll­ständige fei.

Paris, 12. April. (Eig. Drahtbericht.) Zn Dem Pressebericht, daß Schacht bereits die Zif­fern der Alliierten als eine annehmbare Tis- kussionsbasis bezeichnet habe, bemerken die zu­ständigen deutschen Stellen: Die deutsche De­legation Hai Kenntnis von dem Ergebnis her Alliiertenberatungen durch die Presie erhalten. Sie kann also erst dazu Stellung nehmen, nachdem ihr das Ergebnis der Beratungen offiv.efl bekannt ist.

Paris, 12. April. (Eig. Drahtbericht^) Wie ein Blatt mitteilt, stellen die den Deutschen zu übergebenden Forderungen kein Ultimatum bar, doch dürften fie das letzte Wort der Alliierten bedeuten. DaS Wori habe fetzt Dr. Schacht. Owen Young soll die Auslassungen der Sachverständigen gebilligt haben.

Das Todesmahl im Tornado

Erschreckende Ziffern aus U. S. A. — Forlgewirbelie Bäume und Häuser.

Einen Tag später

Koch und die Ernennung des Zentrum-- Ministers.

Berlin, 12. April. (Eigener Informations­dienst.) Die Ernennung der neuen Zentrums- Minister dürfte, wie wir hören, voraussichtlich erst im Laufe des morgigen Sonnabend erfol, gen. Die Verzögerung scheint darauf zurückzu- führen zu sein, daß man dem zurückgetretenen Zustizminister Koch erst noch Gelegen­heit geben will, den von ihm vorgeschlagene« Dr. Bunike in fein Amt einzuführen. k

Das Zentrum wieder In einer Hand?

Berlin, 12. April. (Eig. Information-^ dienst). Nach der Ernennung SteaerwaldS zum Reichsverkehrsminister wird die Frage von Bedeutung, wer nunmehr Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Reichstages werde« soll. Der letzte Zentrums-Parteitag in Röln halte beschlossen, daß das Amt des Parteivov- sitzenden von dem des Fraktionsvorsttzende« in Zukunft getrennt fein falle. Nachdem der Konkurrent für das Amt des Fraktion-- Vorsitzenden die Würde eines Ministers über­nommen hat, ist eigentlich nur mehr der Par- teivorsitzends Abg. Dr. Kaas der Mann, der seiner Eignung wie feinem Alter nach für baS Amt des Fraktionsvorsitzenden in Frage käme. Zudem würde Kaas die einheitliche Linie ge­währleiste». Es ist deshalb nicht ausgefchlos- feu, daß man zu dem früheren Zustande 311- riickkehrt, wie er unter Marr war und die beiden Aemter in einer Hand vereinigt

Trotzki abgewiesen *

Auch Deutschland gestattet keine Einreise.

Berlin, 12. April. (Eigener Informations­dienst.) Wie wir erfahren, ist in der Frage der Einreifebewilligung für Trotzki eine Entschei­dung im Kabinett gefallen. Sie dürste dem Bernehmen noch ablehnend ausgefallen sein.

Roch ein Geheim-Abkommen

Litwinow will Polen-Rumänien entlarven.

London, 12. April. «Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet; Litwinow soll für die Ber- bandkungen der vorbereitenden Abrüstungskom- misfion Einzelheiten über ein angeblich geheim >»es Militärabkominen zwischen Polen und Rumänien mitbringen. Das Protokoll umfaßt u. a. Pläne für einen Angriff auf Som- jetrutzland und Litauen, für die «fr- trennung der Ukraine von Rußland und deren Aufteilung an Polen und Rumänien und soll eine Ergänzung des Militärvcrtrages von 1926 darstellen.

Bernstorfs Kurbett an /

Ein Abrüstungsbrief für Senf.

Senf, 12. April. (Eigene Drahtmeldung.) Der deutsche Abrüstungsdelegierte hat in einem Schreiben an den Präsidenten des Ausschusses, den holländischen Gesandten Loudon in Paris eine Reihe von grundsätzlichen Fragen über das Brbeitsprogramm des Ausschusses und des gc« samten Abrüstungsproblems überhaupt erörtert Diese Bemerkungen dürften alsbald veröffent­licht werden. Man erwartet in Genf außerdem auch noch Denkfchriften verschiedener neutraler Länder. Die Delegation der zweiten Interna­tionale unter dem belgischen Minister Broucksre, in der Deutschland durch den Gewerkschaftsfüh­rer Weis vertreten ist. wird einen Appell zur beschleunigten und tatsächlichen Durchführung der Abrüstung vortragen.

Rewyork, 12 April (Durch Funkspruch» Durch den Orkan im Staate Arkansas find nach den letzten Meldungen 66 Personen getötet, •200 verletzt und - wo eintausend obdachlos ge worden Elf Städte wurden heimgesucht. Die Bewohner wurden meist heim Mittag- essen vom Sturme überrasch. Der Orkan Hobe Häuser in die Lus,, entwurzelte Bäume und «rua fie oft mehrere Hunderte M? ter weil fort.

Wettrennen zwischen Zug und Tornado

IHttle Rock. 12 April (Durch Funkspruch i Ein Eisenbahnzug in Arkansas entging nach einem atemberaubenden Wettrennen mit dem

Tornado mit knappen Rot der Zerstörung. Der Lokomotivführer erblickte ce« heranbrausenden Tornado und sah bereits entwurzelte Bäume durch die Luft fliegen, doch gelang es ihm, rasch die Geschwindigkeit des Zuges ans 70 Meilen zu steigern, worauf c8 ihm innerhalb einer Hal freu Stunde glückte, dem Tornado zu ent kommen.

Sein erster und letzter Flug

Paris, 12 April, (öta Drahtberlcht) Bei Marseille ist ein Flugschüler, der zum ersten Male selbständig flog, mt8 10 Meter Höhe ub° gestürzt. Sein Apparat geriet in Brand. Ter Soldat kam ums Leben.

Ein unliebsamer Besuch

Mussolini läßt Englunds Airchenfürst nicht nach Jerusalem reifen.

London, 12. April. Die Absage des Besuche« es Erzbischofs von Canterbury in Jerusalem wird von einem diplomatischen Korresponden­ten auf die Unterredung zwischen Chamberlain und Mussolini zurückgeführt. Der Batikan hab« zu verstehen gegeben, daß der Patriarch von Je­rusalem durch den Besuch in gewisse Sorge ver­setzt worden fei, da es zum ersten Male feit der Reformation gewesen sein würde, daß ein englischer Kirchensürst nach Jerusalem kommt.