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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Sonntag, 7. April ^929

Nummer 81 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig-

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. Ig Jahrgang

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Dramatisches Ringen in Paris

wie -ie Parteien Sie LteuermMonen streichen Zin zur Gretzen Aoalition

Fr«h,°hrsz°i«-» i Auspeitschung als Sühne

Reglerungsumbaute« und Lohnknse«. ' ' /

Scharfer Frost in Süd und West

Obst-, Wei», u. Blumenschädc« in Frankreich.

F. K

Paris, 6. April. (Eigener Drahtbericht.) Reicksbankpröstdent Tt Schacht hatte gestern nach der Sitzung mit oen Hauptgläubigern ge­trennte Unterhaltungen mit den Delegations­führern. denen der Konferenzvorsitzende Oven Young beiwohnte.. Die Presse-Nachrichten über diese geheimen Aussprachen sind mit Zurückhal­tung aufzunehmen. Die Presse ist zufrieden, daß nunmehr die so lange vermiedene Diskus­sion über die Ziffern einsetzt, da dadurch das Ende der Arbeiten näherrückt. Nach den In- formationen von Pertinax soll Oven Young vorgeschlagen haben: Zwei Annuitäten von 1,7 Milliarden, drei Anuitälen von 1,9 Milliarden und 32 Anuitäten von 2,1 Milliarden Goldmark. Nach 37 Jahren würden die Reparations­forderungen der Gläubigermächte erloschen sein. Vom 37. bkS 59. Jahre hätte Deutschland nur noch die alliierten Zahlungen an Amerikazu leisten. (!) Pertinax bezeich­net dieses Projekt als unbefriedigend. (!)

Paris, 6 April. (Eigener Drahibericht.) Die Kältewelle in Frankreich hat sich gestern bedeutend verschärft. Aus vielen Städten werden sehr starke Schneefälle gemeldet. In den Vogesen erreichte der Schnee eine Höhe von etwa 2540 Zentimeter. In Südfrank­reich ha» die Kälte der Wein- und Obsternte sowie den Blumeu-Anlagen sehr geschadet

Auch der Süden verschneit

Mailand, 6. April. (Eigener Drahtbericht) In ganz Oberitalien ist plötzlich starke Kälte eingetreten. Venedig wurde von Schneegestöber

dringend und unabweisbar Aufbesserungen der Eisenbahner im Vergleich zu den Indu­striearbeitern zu verfechten sind, so trostlos stellt sich die Kassenlage bei der Reichsbahn dar, die vom Reparationsmoloch jetzt dermaßen ze- schröpst wird, daß ihr nicht einmal die Mittel für den nötigsten Sicheiheitsausbau und den Schutz der Reisenden übrig bleiben Der ver- antwortungS- und zielbewußten Führung der murrenden Gewerkschaften ist es zuzuträuen daß sie ihre Klienten straff in der Hand behal­ten. auch wenn hier und da kleine Teilstreiks aufflackern sollten. Sehr töricht uud rigoros

eines bestraften Farmers.

Schmerzen zufüge, die sein Opfer erlitten ha­be. Dieses Urteil hat unter den Farmern in Südafrika riesiges Aufsxhen hervorgerufen Unverzüglich erfolgten Schritte bei dem Pre- mierminister. General Hertzog, und auS Pre­toria wurde angeordnet, die Auspeitschung bis zu einer werteren Untersuchung zu ver­schieben. Die Blätter heben hervor, daß dies das erste derartige Urteil ist und man be­haupte, daß weiße Geschworenen Gerichte in Fällen, bei denen das Vorurteil gegen Farbi­ge ins Gewicht siel, ungerechte Urteilssprüche gefällt hätten.

Total vernichtet

E alles meldet Sieg aus der ganzen Linie,

Rcwyork, 6. April. Wie aus Mexiko be­richtet wird, hat CalleS den Präsidenten ge­meldet, die Aufständischen befänden sich in völliger Auslösung. Die Regierungstruppen erwarteten auf ihrem weiteren Vormarsch iwch Norden keinen Widerstand zu finde» Wie gerüchtweise gemeldet wirb, sind der Gouverneur und der Schatzmeister des Staa­tes Ehrhuahua bei dem Versuch, mir der Kriegskasse der Aufständischen auf amerika­nisches Gebiet zu flüchten, verhaftet worden.

ihrer Lebenshaltung Gedrückten' ctn achselzuk- kendes Nein entgegensetzen wollten. .Erst Brot dann Reparationen!" muß das unantastbare Leimorid jeder Volksvertretung sein und bleiben. Und schaden kann es sicher nicht, daß bei diesem gewittergrollenden Hilfeschrei die erbarmungslos kalkulierenden Rechner in Pa- ris stutzen und sich überlegen können, ob sie noch jahrzehntelang sich an den Trebern deut- scheu Elends mästen wolle«.

3n der Schlinge der Endziffern

Schachts Einzelduelle mit den Hauptgläubiger«. - Zahlnngsvorschläge von schwin- delnder Höhe.

Schacht ringt Weiter

Die phantastischen Forderungen der Gegenseite

Paris, 6. April. (Eig. Drahibericht.) Ein Blatt weiß nach den gestrigen Besprechungen Schachts zu berichten, daß die Franzosen an ihrer Forderung auf Zahlung ihrer Schulden zuzüglich 50 Milliarden Franken als Entschä­digung für die Reparationen sesthielten. Dr Schacht sei über diese Ziffern erstaunt, habe jedoch die Verhandlungen nicht abgebrochen. Es sei jedoch wenig wahrscheinlich, daß der deutsche Schuldner und die Hauptgläubiger sich von selbst verständigen. Obwohl Schacht noch keine positiven Vorschläge gemacht habe,

3um letzten Mal verwarnt

Rewyork, 6. April. Wie bekannt wird, er- suchte das Marineamt einen Zerstörer nach de« mexikanischen Hafen Topolopampa an der pazj- fischen Küste zu en.senden und zwar zum Schutze der Amerikaner und übrigen bedrohten AuSlän- der. Wegen des erneuten AbwurfeS einer Bombe der Aufständischen auf die amerikanische Grenzstadt Naco-Arizona werden deren Führer erneut verwarnt. Der Kommandeur der ame­rikanischen Truppen in Naco wurde angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß die Warnung n i ch 1 u « w ijc t f a jt b l e i 6 e. (!)

würden dagegen die Reichsbahn« und Regie­rungsstellen handeln, wenn sie den verhand- lungswtllen erneuten Vorstellungen der in

und starker Kälte heimgesucht. Auch in Süd- ttalien ist starker Schnee gefallen, in Mantua ging sogar ein Hagelschlag nieder.

Wien, 6. April. (Privattelegramm.) Wien bietet heute morgen den Anblick einer winter- lichen Stadt. Die Temperatur war nachts aus sechs Grad unter Rull gesunken. Nächtlicher Schneefall hatte die Straßen mit einer dichten Schneedecke bedeckt, die bis zehn Zentimeter hoch war. Obwohl um die Morgenstunden alle Schnepflüge und viele Straßenreiniger in Tätigkeit traten, zigten sich bei der Straßen­bahn zahlreiche Verkehrsstörungen.

Berliner Lteuerkünfte Ersparte und gewonnene Millionen.

Berlin, 6. April. (Eigener Informations­dienst.) Wie wir erfahren, haben die Finanz, unterhändler der Parteien auch die Sistierung des sogenannten Lex Brüning für die Dauer von fünf Jahren beschlossen, die besagt, daß das Lohnsteuereinkommen auf 1300 Millionen Mark im Jahre zu beschränken ist. Gehe es darüber hinaus, so müsse eine entsprechende Lohnsteuersenkung Platz greifen. Wenn nun diese Bestimmung für die letzten Jahre außer Kraft tritt, so errechnet man ein Mehr aus der Lohnsteuer von etwa 150 Millionen Mark pro I Uh,*- Dieses Mehr soll zur Hälfte der Knapp, schaftsversicherung zugeführt werden und man hofft, auf diese Weise der

I Lohnbewegung im Bergbau die Spitze nehme« I ZU können. Die andere Hälfte soll zur An- I sammlung eines Reserveschatzes für die Jnva- ltdenverstcherung dienen, bei der etwa im Jahre 1934 die Pensionsansprüche stärker seien als die Einnahmen, sodaß die Gefahr eines Zusam« menbruchs dieser Versicherung bestände. Das Arbeitsprogramm umfaßt noch das Pensions- die politischen Reichsbeamten vom Minister bis zum Ministerialdirektor ab­wärts Weiterhin wird die geplante Senkung I der mittleren Einkommensteuerstufen bis zum Herbst vertagt werden. Ins Auge gefaßt wurde auch für den Herbst eine grundlegende Neuregelung der gesamten Einkommensteuer. . r m 0-April. Zum Steuer-Kompromiß d« fünf Reichstagsfraktionen wird noch be­kannt: Von den 250 Millionen, um die das befr kungsbedürftige Defizit vermindert worden ist.

180 Millionen auf Streichungsvor- schlage, 35 Millionen aus eine Erhöhung des Ansatzes der Beiträge der Reichspost und wei- ! tere 35 Mill, auf einen erhöhtes Ansatz der Dr- baksteuer. Das restliche Defizit von 130 Millio­nen soll herausgebracht werden durch Erhöhung des Aufkommens der Branntweinsteuer um 90 Millionen und zwar vom 1. Juni ab. Die rest- lichen vierzig Millionen sollen durch eine Nach­zahlung auf die Vermögenssteuer aufgebracht werden. Gegenüber den Deckungsvorschläaen Hilferdings fallen also die

Siet (teuer, die Erbschaftssteuer uud die 20prozentige Vermögenssteuer fort.

Die Streichungsvorschläge der Unterhändler erstrecken sich auf eine Reihe von Einzeletais darunter auf die Reichswehr und insbe­sondere auf die Reichsmarine; die Rate für den Panzerkreuzer ist jedoch nicht gestrichen worden.

(Siehe auch Bericht aus der zweiten Seite.)

Brflgelel In der ItelchSbanner-Drrjantmlung m 6 April. (Funktelegramm.) Im Reichsbanner von Spandau kam es gestern abend zu einem Zusammenstoß mit einigen Be­suchern der Mitgliederversammlung, angeblich Nationalsozialisten. Dabei wurde der neun­zehnjährige Reichsbannermann Franz Hirsch am Kopfe verletzt. Als Täter wurden zwei Arbeiter zwangsgepellt.

Seit jeher haben unter dem erregende« Ein- sluß der Lenzgestirne die erdgebundenen In­stinkte ebenso wie die vernunfterhellten Trieb­kräfte der Seele zu gären, sich zu wandeln und umzugestallen begonnen, auch wenn noch ein­mal die weiße, weiche Hülle des Schweigens sich um die frierenden Schultern der April­welt legt. Es ist die Zeit, da die Irrlehren und Beglückertheorien falscher und wahrer Propheten die Scharen der Unzufriedenen ele­mentarer aufzuwiegeln vermögen, in der un­ter den wachrüttelnden Bergföhnen aber auch die morschen, abgestorbenen Zweige in jeder Menschenbrust wie in der Natur ringsum zer­splittern und Erleuchtung, Berufung, Erlöser- und Talwille aus allen Poren der Seele bricht ES ist die Zeit innerer und äußerer Erneue- rung und Zielsetzung des Einzelnen wie der Gesamtheit, der Sonnenaufgang tieferer Er­kenntnisse und heißeren Glücksstrebens, dessen Erweckerstrahlen den dampfenden Brodern der Lohn-, Parlaments- und Regierungskrisen den Massen wie den Führerköpfen entsteigen lassen, der sich leicht auch wie ein Schleier um die Notwendigkeiten der Wirtschaft und die un­aufschiebbaren Bedürfnisse des Gemeinwohls legen kann.

So hat denn mit weitem staatsmännischem Blick und in weiser Selbst- und Menschen­kenntnis zunächst Oesterreichs Bundeskanzler I und höchster Priester Dr. Seipel den Platz freigemacht für die Entgiftung der innerpoli» tischen Atmosphäre und die Anbahnung pro­duktiverer Gesetzesarbeit sowie einer versöhn­licheren Arbeitsgemeinschaft zwischen den stark Verfeindeten und eng verbissenen Parteilagern Das eisenharte Kommando dieses schloss ge­gen den Sozialismus eingestellten Staats­lenkers im Talar, der das leichtlebige Donau- Völkchen mehr als einmal vom Abgrund zu- I rückgerissen hat, hatte die Gegenströmung von links beängstigend anschwellen lassen. Auch die eigenen christlich-sozialen Mitläufer hatte er sich durch seinen kompromißlosen Starrsinn so bedenklich entfremdet (nicht zuletzt warnten die massenhaften Kirchenaustritte), daß dem überlegenen Gottesstreiter nichts anderes übrig blieb, als diese unhaltbare Lage durch den I freiwilligen, aber klug berechneten Verzicht zu entwirren. Man hatte es auf der Linken dem starken Schirmherrn der rechtsradikalen Heim­wehren. deren Aufmärsche wiederholt kritische I Situationen in Wien schufen, nicht vergessen I können, daß er nach dem Brande deS Justiz­palastes beim Juli-Aufruhr 1927 keine Milde I walten ließ und den Linksverbänden immer schärfer auf die Finger guckte als den rechts- I radikalen. Jedenfalls ist der sofort nach fei­nem Rücktritt beigelegte Streik in der Auto- I Industrie in der Hauptsache aus sein Konto zu setzen, ebenso wie et einseitig gegen die Mie­terkreise sowie eine vernünftige Reform der verworrenen Ehegesetzgebung Partei nahm. Auch schob man dem unzweifelhaft sichersten Geldbürgen das Mißlingen der Auslandsan- I leihe in die Schuhe und bekrittelte mit Recht I feine laue und fragwürdige Haltung in der Großdeutschlandaktion. Jedenfalls wird der I fromme Hieronymus nun eine Weile dem lär- Menden Weltwirrwesen von seiner geruhigen I Klause aus zuschauen und sich bereithallen für I die Stunde der Not, die ihm statt der Mon- I stranz wieder den Federkiel oder die blanke Waffe in die Hand drückt.

Innerhalb der schwarz-rot-goldenen Grenz, pfähle drängen nicht minder gewaltsame Span- «ungen nach Ausweg und Lösung. Den Etat {üi 1929 scheint man glücklich an der kritischen Ziersteuerklippe vorbeigesteuert zu haben, weil daS Gleichgewicht der Reichskaffen keinen Auf­schub und die Reparationsprezedur in Paris kein vorzeitiges Auseinanderlaufen dulden. Aber vor dem Einziehen der festen Balken in das Regierungs-Kartenhaus werden noch Berge von Schutt und Gerümpel wegge- xäumt werden müssen, wenn auch das Zentrum gern wieder am Regierungstisch mitreden und auch der kurverjünzte und kreuzvergnügte Stresemann sich nicht in den Schmollwinkel stellen laffen möchte Umso drohender stellen sich die Wetterzeichen neuer ernster L o h n k ri f e n den Wirtschasls- kapitänen in den Weg, obwohl eine fühlbare Erleichterung des Arbeitslosenelends noch nicht ju spüren ist und die Teuerungskurve schon wieder zu steigen trachtet. Schwerer als dte Lohnwellen an der Ruhr dürften sich die ern- Den Verwicklungen bei der R e t ch s b a h n in ein normales Bett lenken lasten. Denn fo

Erregung in Südafrika wegen

London, 6. April. (Eigener Drahtbericht.) Rach Blätermeldungen ans Kapstadt wurde in Bethel in Transvaal ein Farmer namens Jack Safte wegen der grausamen Tötung eines Eingeborenen zu sieben Jahren Zucht­haus und zehn Peitschenhieben verurteilt Der Farmer hatte einen Schwarzen durchgepeitscht ihm zwei Rippen und das Brustbein gebro­chen und ihn mit dem Kopf nach unten mehre­re Stunden lang aufgehängt. Der Richter be merfte, keine Bestrafung sei angemessen, die nicht dem Schuldige« einige der körperlichen

fei der Unterschied z« groß.

Das Schicksal'der Ksnferenz werde also wohf vom Plau der amerikanischen Schiedsrichter abhängen. Die Forderungen der Allüerten deu­tet ein Blatt dahin an: Man sehe nicht ein, wie die Delegierten ihr« Länder orranlaffen könnten, eine Annuität von weniger als 1800 Millionen Mark anzunehmen, wovon 900 Millionen Mark als Entschädigung für die Reparationen im eizenllichen Sinne des Wor­tes dienen, eine Summe die nach 37 Jahren in Wegfall tonte. Etwa 900 Millionen Mark würden die Annuität zur Tilgung der Schul­den darstellen, die in 12 Jahren auf 1700 Mil­lionen steigen und 58 Jahre lang zahl- bar fein sollen. Diese Zahlen lägen merklich unter den Ziffern des Dawesplanes (!) Sie stellten während der ersten 37 Jahre eine durchschnittliche Annuität von etwa 2350 Mil­lionen Mark und während der letzten einund­zwanzig Jahre eine solche von 1700 Millionen Mark dar. (Diese Angaben sind immerhin mit Vorsicht aufzunehmeu. D. Red.)

Moskau pumpt London an

Lowno, 6. April. (Gig. Drahibericht.) Wie aus Moskau gemeldet wird, äußerte sich der Vertreter der ^wjetbank, Pjatakow zur eng­lischen Handels-Delegation, daß die Zahlungs­fähigkeit des russischen Staates nicht in Zwei­fel zu ziehen sei. Die Sowjetunion werde auch ihren Verpflichtungen gegenüber dem Aus­lande voll nachkommen. Wenn der englische Handel berett sei, Rußland etwa 150 Millio­nen Pfund zur Verfügung zu stellen, bann könne die Sowjetunion Einkäufe in England machen. Die englische Abordnung reift dem­nächst Wieder ab.