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_________________Kasseler Abendzeitung Sesfische Abendzeitung
Sonnabend, 6. April 1929
Nummer 80 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Sonntags 20 Pfennig. 1g. Jahrgang
V-Zug-Katastrophe in Rumänien
Auch die Volkspartei für das Steusrkompromitz — Berlin ermuntert Paris — Nanking wirft Hankau nieder
20 Tote durch die falsche Weiche
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Doch noch Große Koalition?
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Ueberall Schneestürme und Frost
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Bukarest, 5. April. (Eigener Drahtbericht). Der Schnellzug Klfchlnew-Bukarest ist bei der (Station 2$0bpc bei Buzcu entgleist. Drei Versonenwagen stürzten um. Zwanzig Versonen sollen getötet und sechzig verletzt sein. Die Rettungsarbeiten werben durch Schneesturm außerordentlich behindert.
Entgleist» und umgeftützte D-Zugwagen.- Meist Kaufleute und Soldaten. — Die Schuldige» verschwanden.
Die Mittelgebirge im tiefen Schnee- --- Am Balkan tiefster Winter.
Di« Volkspariei zum Etat-Kompromiß bereit. — Rur 130 Millionen neue Steuer«. — Keine , Bier, und Erbschaftssteuer.
Warschau, 5. April. (Eig. Drahtbericht.) Während die polnische Presse immer bestimm- St betont, daß der Berliner Sowjetbeamte, tanasowttsch mij der vorgefaßten Absicht, einen höheren Beamten zu töten, nach Barano- Wice gegangen sei, stärkt sich der Eindruck, daß der Sowjetvcrtreter seine blutig« Tat in einem Anfall von Verfolgungswahn begangen hat. Tatsächlich besaß er eine Aufenthaltsgenehmigung von fetten der polnischen Gesandtschaft in Berlin. Am Krankenhaus fast A. «ach feinem Selbstmordversuch ausgesagt haben, daß es für ihn als roten Front- kämpser Pflicht gewesen sei, einen Ber. tretet der polnischen Staatsgewalt zu töte», A. soll Mitglied der Tscheka und später Sekretär der G. P. U. gewesen sein. I, habe man ihn wegen seiner Trunk für unbrauchbar gehalten.
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Die nächste Genfer Riete
Englands Wahlen verhindern «brüstungs erfolge.
London, 5. April. (Gig. Drahtbericht). Di« Ausflchten der vorbereitenden Abrüstungskonferenz werden hier pessimistisch beurteUt. Ein diplomatischer Korrespondent glaubt, daß die
LürUsch» Proteste in Moskau
Hondo», 5. April. Pressenachrichien zufolge har die türkische Regierung fn Moskau eine energisch gehaliene Rote übergeben lassen, in der gegen die Haltung der Sowjeibehörden bezüglich des Transfer» von Geld Einspruch erhoben wird. Die türkische Note pro- testiert auch gegen die Verletzung deS russisch- türkischen Handelsvertrages.
Sachverständigen der Seemächte in private« Besprechungen erneut die Möglichkeit erwägen, wie man zu einem allgemeine» Abkomme« über di» Kreuzerfrage kommea kö. ne. Es iei jedoch wenig wahrscheinlich, daß g eifbare Resultate erzielt werden. Im Hmbl ck aus die kommenden Wahlen wir» sich die britische De legation nicht in ei«er Angelegenheit festlegen, die für das englische Weltreich von großer Lebenswichtigkeit sei.
land gesinnt ist. kein großer Wderstemd ,u er- den, wie sie der Botschafter Shurmcm zu per warten. Im Senat würde die Mehrheit gleich- großen Steubenfeier in Rewvork über die ,ein- fglls dem Präsidenten keine Schwierigkeiten Martig? und überaus ehrenhafte Rolle" des machen. Im Repräsentantenhaus dagegen über- deutschen Elements in Amerika gehalten hat, wiegt die »hundertprozentige* Stimmung. Re- finden dort keinen Widerhall.
Freiburg, L Br., S. April. (Privat,ele, gramm.) BiS in die Ebene hinein herrscht heute Schneefall bei heftigem Sturm. 8« Schwarzwald beträgt die Temperatur minus neun Grad in der Ebene minus 1 Grad. Der Feldberg ha« jetzt schon wieder «ine Schneedecke von einem halben Meter. Der Schneesturm geht mit eine« Stärke »o» 17 Sekundenmeter».
Essen, 5. April. (Privattelegramm.) Das Schneegestöber über dem Industriegebiet hält auch heute morgen mit unverminderter Heftig- keil an. Stadt und Land liegen unter einer dichten Schnwdeckr.
Bukarest, 5. April. (Eigene Drahtmeldung.) In ganz Rumänien herrschen schwere Schnee-
weshalb schoß Her Sowjetvertreter? BerfolgungStvah« oder Bolschewistenrache.
reisten. Der schuldige Weichensteller der Station Boboz und der diensthabende Beamte find verschwunden. Augenzeugen bringen von der Unglücksstelle furchtbare Bilder.
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Noch ein D-3ufl-UnoMM
Tokio, 5. April. (Funktelegramm.) In der Nähe der Eisenbahnstation Fusan (Korrea) entstand in einem D-Zug ei» Brand. Bier Schlafwagen gingen in Flammen auf. Neun Per, sonen kamen ums Leben, 21 Verletzte wurden geborgen.
Es ist anzunehmen, daß Präsident Hooyer noch «inen Persuch machen wird, für die setz« benachteiligten Länder die bisher gültigen Zahlen nachträglich zu retten. Im Kongreß könnte ein Antrag wiederholt werden, wonach die neuen Quoten für alle Länder gelten sollen nach dem diejenigen Länder, die durch die neue Regelung benachteiligt werden, ihr« alt« Quote behalten sollen. Dadurch würde allerdings die Gesamternwanderungsfreiheit nach den Bereinigten Staaten um etwas über ein Viertel gegen den jetzigen Stand erhöht werden, und daraufhin haben bereits die radikalen Einwan- dererfeinde (Angelsachsen) find immer von der Feindschaft ausgenommen) ihren äußersten Wi- derstand erklär,. Hoover weiß, daß die Lage i» Deutschland schwierig ist und daß di« dnitfchen Einwanderrr in Nordamerika nch spätestens ,n der zweiten Generation dem Rmettkanertum sprachlich und gefühlsmäßig ganz angleichen Von der öffentlichen Meinung wäre im Saugen- blick, wo man nicht unfreundlich gegen Deutsch-
Berlin, 5. April. (Eig. Informationsdienst) Wie wir von volksparteiliä^r Seite erfahren, wird das bisherige Ergebnis der Etatverhandlungen sehr günstig beurteilt, umsomehr, als die demokratische Partei die Sparsorderun- gen der deutschen Bolkspartei durch praktische Vorschläge unterstützt. I» jedem Falle hasst man aber mit Steuererhöhungen von höchstens 136 Millionen Mark auskommen zu könne», währe«d die Biersteuererhöhung und die Erhöhung der Erbschaftsteuer schon jetzt praktisch aus der Diskussion verschwunden find. Sollten die Fraktionen am Dienstag das Steuer- und Etatkompromitz billigen, so Dürfte auch v»n pchkspmteilichn Seite ferne Schwierigkeiten mehr gemach« werden. Ob es allerdings zur Bildung bet großen Koalition kommt, das ist »ach wie »o, eine offene Frage, da die Volkspattei immer wieher auf ihrer Einbeziehung i« das Preutzenkabinett besteht.
Hoesch bei Briand
Anfrage« lvegen Abrüstung und Räumung.
Paris, 5. April. (Eig, Drahtbericht.) Presseberichte« zufolge wurde« gestern zwischen dem deutschen Botschafter von Hösch und d«m Außenminister Briand über b»e am 15. April in Gens beginnende Sitzung der vorbereitenden Abrüstungskonserenz gesprochen. Wahr- scheinlich sei such die Möglichkeit für eine Einigung über die mit her Ctnnnifatton der Sicherheit zusammenhängende» Problem? geprüft worden, Bon Hösch habe zweifeüos auch angesragt, ob »ach Abschluß der Sachverstäy- digenkonserenz unverzüglich über die Rheinlandräumung verhandel wird. Der Figaro meint, daß Briand derartige Bindungen nicht in Aussicht gestellt habe« könne.
Deuffch-spantfche Semetnschaft
Madrid, 5. April. (Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz des deutschen Botscliasters Graf Welezek, des spanischen NnteftTtztsml- nisters. des Herzogs von dem Jnfantado, Wurde das deutsch-spanische Komitee feierlich eröffnet Die Veranstaltung, der die feierlich Kolonie beiwohnte, begann mit dem Gesänge deutscher und spanischerLieder, die von Kin- derchyren vorgefrageg wurde. Rach der An- spräche des Botschafters behandelte Abg.Pxoi. Schreiber dir Grundlagen und die Entwicklung der deutschen Mffenfchast und ihren Einfluß aus die Aelikultur.
Die Unheimliche Jacht *
Kapitän und Millionär ermordet?
Berlin, 5. April. (Funktelegramm.) Rach einer Meldung aus Rewyork wurden auf bet Privatjacht des Rehworfet Millionärs Ron von einem Ktzstenkuttet vier Personen der Mannschaft sinnlos betrunken in einer Kabine ansge- funden. I« den Kapitänsräumen wurden Blut- fpuren gefunden und alle Anzeichen sprechen dasür, daß ein blutiger Kampf stattgefunden hat. Wahrscheinlich hat di« Mannschaft gemeutert, den Kapitän ermordet und über Bord geworfen. Angeblich soll Roß selbst in Florida von Bord gegangen sein. Man befürchtet aber, daß et ebenfalls ermordet worden ist.
Der CtzinaaUfruhr gebrochen
Hankan von den Rationaltrupp:» genommen.
Schanghai, 5. April. (Durch Funkspruch.) Die Rankingtruppen haben Hankau eingenommen. Die Swangst,ruppen ziehen sich, fast ss-hne Widerstand zu leisten, zurück. Die Macht der Kwangfigruppe scheint gebrach««.
Die vorrückenden Rankingtruppen machte« 5600 Gefangene und erbeuteten große Vorräte von Kriegsmaterial, darunter 4000 Gewehr« und 81 Feldgeschütze. Auch Mukden hat sich jetzt für die Rationalregierung erklärt.
Indien bleibt unter Englands Faust
. Sgsk^ta, 6. April. Am Schluß der Stu. dienreise der Londoner Simonkommiplon setzte ich Dir Simon für das unilaristifche System einer Regierungsform ein, die mehr Aussichten habe als der Föderalismus, Die Erhebung Indiens zum D y m i n s v n lehnte Simon als zu allgemein gehakte« a d. Die Kommission Werbe nunmehr eine Verfassung enrwer- en, die automatisch weiter ausgebaut werden ön«e. Indien müsse als «tu starker Organis-
vukarest, 5. April. (Eigene Drahtmeldung.) Rach weitere« Meldungen ist ber Schnellzug Bukarest-Jassy infolge falscher Weichenstek- l u n g entgleist, wobei der Postwagen, ein Personenwagen 1. unb 2. Klaffe, sowie einer 3. Klaffe vollkommen zerstört würbe«. Di« Lokomotive und die drei ersten Wagen stürzten von dem Eisenbahndamm. Die Verletzten wurden in das Spital Der 12 Kilometer entfernten Stadt Bnzcu transportiert. Die Opfer sind noch nicht identifiziert. Die Mehrzahl sind Kaufleute, während in der dritten Klaffe viele Soldaten
stürme bei großer Kält«. In Bukarest liegt bet Schnee zehn Zentimeter hoch I« vielen Stäbten hat ber Schneefturm Dächer abgedeckt und elektrische Leitungen zerstört In der Bukowina lieg, zwei Meter Neuschnee. Der Zugverkehr stockt insolge der starken Schneeverwehungen.
Frankfurt, 5. April. (Funktelegramm.) Bei ein Grad Kälte setzte hier heute ftüh starkes Schneetreiben ein. Die Schneedecke beträgt etwa drei Zentimeter, in den Außenbezirken sogar fünf. Im Taunus liegen zwölf Zentimeter Reu- schnee. Die Temperatur beträgt minus 5 Grad Bon der Wasserkuppe werden sieben Grad Kälte und 15 Zentimeter Neuschnee gemeldet.
Madrid am io. 3unl
Genf, 5. April. (Gig. Drahtbericht.) Auf Wunsch des englischen Außenministers Chamberlain ist der Beginn der Madrider Ratstagung aus den 10, Juni angefetzt worden. Das Minderheitenkomitee tntt schon am 6. Juni zusammen.
Gesperrte Tore
Amerika schließt die Deutschen au».
Von Dt. Paul Rohrbach.
Alle Europastaaten sind a« der Einwanderung nach Amerika interessiert und brühe« sind die Meinungen über die Zulaffunge« (Quoten) sehr geteilt. Der neue Präsident Hoover scheint zu einer-verstärkten deutschen Einwanderung zu neigen, d»e Hinausschiebung der neuen Quotengesetze über den 1. Juli hinaus wurde jedoch von den »Hundertprozentigen" im Kongreß ver- eitelt Diese Bewegung geht zurück aus das Vor» kriegsbuch von Madison Grant »Untergang der großen Raffe*. Grant versteht unter dieser die nordische und besonders die angelsächsische — für ihn und seine Schule die einzig vollwertige in den Vereinigten Staaten. In gewissem Ab- stand wird noch das deutsche, das skandinavische und das irische Element als brauchbar anerkannt, die Romanen dagegen, die Slaven, die Ostjuden und vollends alle Maien werden als „nichterwünscht* abgelehnt. Gerade die Angelsachsen, die sogenannten Hundertprozentigen, haben aber die wenigste« Kinder, und zwar ist die Beschränkung der Kinderzahl gerade im Osten und Nordosten (Neuengland), wo bei angelsächsische Bestandteil am stärksten ist, am weitesten vorgeschritten. Die meisten Kinder haben die srisch gekommenen Einwanderer, und unter diesen wiederum stehen die »Unerwünschten" am weitesten voran. Es folgen die Iren, die Deutschen, die Schweden, Norweger und Dänen. Durch den viel stärkeren Nachwuchs namentlich der Einwanderer aus dem südlichen und östli- chen Europa wäre allerdings, wenn dieser Zufluß nicht eingeschränkt würde, ein allmählicher Geburtensieg der »Unbrauchbare«" über die Angelsachsen zu erwarten. Das ist es, was $taoi* son Grant mit dem drohenden »Untergang der große« Rasse" meint.
Gleich nach dem Kriege wurde« zwei Sperr- gesetze erlassen, wonach zuletzt nur noch rund 160 000 einwandern durften — sür ein Land mit einer Bevölkerung von mehr als hundert Mil, Honen eine sehr geringe Zahl. Dadurch würbe die italienische Quote z. B. von 150 000 bis 200 000 Köpfen jährlich, wie sie vor dem Krieg« gewesen war, auf etwas über dreitausend herabgesetzt, Jtalienereinwanderung also praktisch verboten. Aehnlich geschah es mit der — vor dem Kriege hauptsächlich ostjüdischen — Einwanderung aus Rußland und Pole«. Die deutsche Quote betrug 51000 jährlich. England und Irland hatten zusammen über 60 000, England allein nur 34 000. Diese ganze Regelung behagte den Hundertprozentigen nicht, Hetzen eS I darauf ankommt, möglichst nur angelsäch- I fische Einwanderer heremzuiafsen. Es wurde I also ein neues Gesetz durchgebracht, eben das jetzt vom Prästdenten Hoover für den 1. Juli I wiederstrebend in Kraft gesetzte, wonach die Quoten auf Grund der »nationalen Abstammung" dex Bevölkerung der Vereinigten Siaa- I ten festgesetzt werden sollen. Dadurch steige« I England und das enAlisch-proiestauusche Ryrd- irland zusammen auf 73000, während Deutschland auf 23 000, also auf weniger al» die Hälfte, I fällt. Für alle übrigen Länder handelt es sich I nach der neuen Ordnung nut um Quöten von I wenigen Tausenden, mit Ausnahme von 14 000 I für Irland und 6000 für Italien, das etwas I besser wegkommt als bei der bisherigen Rege- I lung. Gerade der Italiener ist dem amerikani* I fchen Empfinden unerwünscht er gilt »IS min- I detwettig und als eine Art Zwischenstufe zwt- I fchen dem Weißen und hem Reget.