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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 78 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Donnerstag, 4« April 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Das Farmerdrama vor Gericht

Eine historische Begegnung in Florenz Calles triumph iert über die Aufständischen

Aus tiefer Not

Länder- und Besatzungselend.

Austakt zum Langkopp-Prozetz

Fünf deutsche Länder weisen jetzt dem Reich und Reichstag ihre Besatzungs-Wundmale vor. Und dabei ist nicht einmal die Rede von den un­erhörten seelischen Drangsalen, die tagaus, Sein Millionen unserer Leidensbrüder zer- rben und die noch fast unerträglicher sind als die allgemeinen Folgen des Versailler Ver­trages, die noch schmerzlicher brennen, als die Grenzänderungen im Westen, unter denen das betroffene Gebiet schwer leidet. Aus dem Be­zirk Aachen sind grotze und werwolle Gebiete herausgeriffen und Belgien zugesprochen wor­den und diese Verstümmelungen tragen nicht geringe Schuld an der erschreckenden Not und dem unaufhaltsamen Niedergang deS Aachener Gebietes. Die Folgen der Aufhebung der Zoll­union mit Luxemburg beschleunigen die Ver­elendung der Bewohner des angrenzenden deut­schen Berglandes der Eifel. Die politische Ab­trennung des Saargebietes und seine zollpoli- tische Abschnürung gegen daS Mutterland be­deuten den Ruin der von der unnatürlichen Zerreißung des Landes betroffenen Bevölkerung hüben und drüben. Die Abtrennung von El- satz-Lothringen und vom Saargebiet endlich hat den Bezirk Trier seiner besten Lebenskraft be= - inbt Rock schlimmer als in Preußen steht eS zum TeU in den anderen Ländern aus, oeren Industrien Millionen Einbußen durch die Ab­drosselung der Absatzgebiete, durch das Ar­beitslosenelend, durch Entmilitarisierung und den Wtrtschaftsalp überhaupt haben, wobei wir nur auf die Nichtgenehmigung von Bahnanla­gen in Rüsselsheim verweisen, eine Maßnahme, die sich in erster Linie gegen die Opel-Werke richtete.

Es zeigt sich mit erschreckender Deutlichkeit, in welch starkem Maße die Westmark heute ein Notgebiet ist, das sich nicht selbst wieder aufrich- ten tarnt, das vielmehr auf die tatkräftige Hilfe von Reich und Staat angewiesen ist. Umso be- bäuerlicher ist es, daß die Reichsregierung sich nicht hat entschließen können, schon jetzt die Folgerungen aus den Erkenntnissen der Denk- schriften zu ziehen und eine umfangreiche Hilfs­aktion etnzuleiten. Es wird das damit begrün- bet, daß für ein solcher Htlfsprogramm um­fangreiche Vorarbeiten erforderlich sind, daß eine Verzettelung in unorganische Einzelmaß. nahmen nicht angängig ist und was der Gründe mehr sind. Immerhin hat jetzt Severing ein einheitliches Hilfsprogramm für den Westen zugesagt und sich die Entschließung über die et- waige Einbringung einer besonderen Gesetzes­vorlage bis nach Abschluß der Verhandlungen und für einen finanzpolitisch geeigneten Zeit- punkt Vorbehalten. Man kann daraus Wohl den Schluß ziehen, daß für die Reichsregierung die Rücksicht auf die Pariser Reparations­verhandlungen mit maßgebend ist, zumal ein erfolgreicher Verlauf dieser Verhandlungen zweifellos die Frage der Räumung der Rhein­lande ganz wesentlich fördern wurde. Juso- fern stehen zweifellos die Pariser Reparations- Verhandlungen in engem Zusammenhang mit den geplanten Hilfsmaßnahmen für die West- mark. Die vorläufige Verschiebung des großen Hilfsprogrammes bedeutet natürlich nicht, daß nicht jetzt im Rahmen des Möglichen alles für die besetzten Gebiete weiter geschieht und daß nicht noch stärker und ausschließlicher als bis­her das geknebelte Rheinland als Schmerzens­kind der Mutter Germania betreut wird.

Der Diktator bleibt hart

Spaniens Hochfchulhaupt von Primo de Rivera abgewiesen.

Madrid. 3. April. (Eig. Drahtbericht.) Der Präsident der spanischen Akademie Pidal weist in einem Schreibe« an Primo de Rivera auf die Nachteile hin, die sich für die Stundenten aus der Schließung der UniversitL- ten ergebe« und fordert eine Aenderung der Regierungsmaßnahmen. Primo de Rivera hielt jedoch in seiner Antwort die von der Regie­rung ergriffenen Sanktionen aufrecht und erklärt, daß die Regierung eine Wiederholung von Vorgänge« verhindern müsse, durch die die Ratio« auf das Schwerste geschädigt würde.

Srotzfeoer im Schwarzwalddorf

Wolfach (Schwarzwald), 3- April. Beim Brand eines Doppelwohnhauses mit Nebenge­bäuden konnten die Bewohner nur das nackte Leben retten. Die gesamten Viehbestände find find in den Flammen umgekommen.

Massenandrang und

Berlin, 3. April. (Funkdienst.) Zur Haupt- verhandlung gegen den Farmer Langkopp und den Mitangeklagte,« Kausmann Loos standen schon vor acht Uhr vor dem Zuhörereingang, Hunderte von Menschen, namentlich Ausländs­deutsche. Aus ihren Reihen wird an die Stra­ßenpassanten in Massen ei« Gedichi verteilt mit der Ueberschrift: »Dem Rcchtskämpfer Langkopp gewidmet". Ein Polizeiaufgebot ach­tet vor und im Gerichtsgebäude auf die strenge Durchführung der Kartenkontrolle. Die Ver­handlung führt Landgerichtsdirektor Dr. Z i e. gel. Die Angeklagten haben vor der Vertei- digungsbank neben ihren Verteidigern, den Rechtsanwälten Dr. Frey und Dr. L u st g e- b r u n e-Göttingen Platz genommen.

Der Vorsitzende wies zunächst darauf hin, daß der Vorfall vom 2. März vorigen Jahres zweifellos aus höchster Erregung ent­standen fei und daß er größtes Aufsehen ver-

Verteidigeranträge.

ursacht habe. Erregung und Sensation müssen aber aus der Verhandlung sernbleiben. Nur, Wenn streng sachlich und nüchtern verhandelt wird, kann das Gericht zu einem UrteU kom­men, das der Tat und den Angellagten gerecht wird. Kundgebungen aus dem Zuhörerraum müssen unterbleiben. Vier Sachverständige so­wie etwa zwanzig Zeugen sind geladen. Die Verteidigung beantragte zunächst außerdem die Ladung weiterer Sachverständigen und Zeu­gen, die darüber gehört werden sollen, daß Langkopp tatsächlich'noch Ansprüche an das Reichsentschädigungamt gehabt hat. Als die Staatsanwaltschaft ablehnt, versucht die Ver­teidigung wiederum darzutun, daß man ja bann auch den vom Gericht geladenen Regie- rungsrat Lazarus als befangen ablehnen müsie, der ja als der Vater der Lex Langkopp dann auch gewiß nicht als unbefangen gelten könne. DaS Gericht zog sich darauf zur Be­ratung zurück.

Aus die Amerikaner kommt es an

Der heutige Stand der Reparntionökonzereus

Berlin, 3. April. (Eigner Jnformatwns- bericht.) Die deutschen Delegierten sind Wie­der nach Paris abgereist, wo Dr. Schacht eben­falls wieder eingettoffen ist. Zu irgendwel­chen OpttmiSmus berechtigen die Ergebnisse bisher nicht. Wie fich die Dinge weiter ent­wickeln werden, hängt In hohem Maße von

dem Verhalten der Gegenfeite ab.

Ma« Wirb abwarten müssen, welche Diskus- flonsbasts die zwei vorgelegten Memorau- ben der Alliierten enthalten. Wenn auch sest- stehen dürfte, daß die Memoranden keinerlei ultimativen Charakter tragen, fo geht man doch nicht fehl in der Annahme, daß sie nach Inhalt und Form mindestens die Athmosphä-

re bedenklich getrübt haben. ES scheint, daß bte Amerikaner eine Schwenkung nach der sogenannten Gläubigerstzite, wenn noch nicht vollzogen, so doch entspreched vorbereitet ha­ben. So hängt das Schicksal der ganzen Ron* fern; davon ab, wie sich die

amerikanische Delegation im entscheidenden Augenblick

verhalle« wird. Machen sie gemeinsame Sa­che mit den alliierten Delegierten, dann droht die Konjerenz aufzufliegen. Dann steht Deutschland vor der Alternative, sich dem Druck zu beugen oder aber Nein zu sagen. Die größte Verantwortung trägt . ,o die amerikanische Deleglation.

Sie Aufständischen doch am Ende?

Calles will sie i« wenige« Stunden nieder werfen.

mes, etwa vierhundert Personen, wurden umge­bracht. Es soll nur fünf von ihnen gelungen fein, zu entkommen. Ein Heer von Wahabtte«, unter der Führung des Sohnes von Ibn Saud wird in Eile zusammengezogen. Man glaubt, daß der Zweck die Einlettung einer Strafmaß­nahme gegen die Scheichs ist, die kürzlich gegen Ibn Saud gemeutert haben. Für ben Fall je­doch, daß ein neuer Angriff auf Transjordanien vorbereitet ist, stehen britische Truppen bereit.

London, 3. April. (Eig. Drahtbericht.) Aus Mexiko-Stadt wird bekannt, daß die Verluste der Aufständischen in der Schlacht bei Jiminetz nach den Schätzungen General Gattes täglich dreihundert betragen habe«. Die Regie­rungstruppen sollen bisher nur fünfzig Tote verloren haben. Sie befinden sich nunmehr nur noch hundert Meter von de« Stellungen der Aufständischen entfernt. Die Nieder­werfung der Aufständis»en fei nach Calles' Bericht nur noch eine Frage von Stunden.

Meriko, 3. April. (Funktelegramm.) Um Jiminez begann um 5 Uhr morgens ein hef­tiger Kampf. Calles berichtete um 1 Uhr nach­mittags, die Bundestruppeu hätten fast ganz Jiminez besetzt. Die Rebellen feie« zwischen der Bahnstation und einigen noch besetzte« Po fitionen eingeschloffe«. Sie machten verzwei­felte, aber vergebliche Versuche, die Linien der Bundestruppen zu durchbrechen.

Mexiko, 3. April. (Funktelegramm.) Von der Regierung wird der Sieg Über die Rebel­len in Jiminez als gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch des Aufstandes im Norden be­zeichnet. Rach einem gleichzeitig ausgegebenen durch General Calles übermittelten Fliegerbe richt über die Kämpfe um Jiminez sind durch Zerstörung einer Brücke nördlich der Stadt acht Eisenbahnzüge mit flüchtenden Aufständischen auf gehalten worden. Die Straßen von Jiminez sollen voller Toter und Verwundeter liegen.

Mexiko, 3. April. (Durch Funkspruch.) Die an der Westküste vorgehenden Regierungs­truppen haben gestern La Cruz besetzt.

Gemetzel in der wüste

Ein ganzer Beduinenstamm aufgerieben.

London, 3. April. (Eigene Drahtmeldung, i Bei einem Wahabitenüberfall bei Jeb el Beib find nach zuverläsfigen Berichte« aus Jerusalem fünfhundert Beduinen getötet worden. De Ueberfatt erfolgte auf ein großes Zeltlager bet Eilat-Stammes. Alle Mitglieder des Stam-

Der gefesselte Krieg

Vorstoß der Liga für Menschenrechte.

Paris, 3. April. (Eigener Drahtbericht.) Di« Liga für Menschenrechte nahm in der Schlußsitzung mit großer Mehrheit eine Ent- Mießung an,die den Litwinow-Vorschlag auf sofortige Abrüstung ablehnt und den nationalen Generalstreik und wirtschafttichen Boy­kott gegen Kriegsdrohung empfiehlt. Die fran­zösische Regierung müsse ihre« Vertreter auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz veran­lassen, den sofortigen Zusammentritt der inter- nationalfen Abrüstungskonferenz zu verlang!« Diese soll eine erste Rüstungsverringerung durchführen, die sich auf die Dienstzeit, das Kriegsmaterial und ben Haushalt der Land- See- und Luftstreitkräfte bezieht und gleichzei­tig eine Ueberwachung der getroffenen Verein- barungen durchführt. Die nächste Stufe der Abrüftung soll dann in der Festsetzung eines Mindestsatzes der Rüstungen bestehen.

Hauptmann Lemdourn wirb entlassen?

Kopenhagen, 3. April (Eigene Drahtmel- düng.) Es bestätigt fich, daß dem König ein Antrag auf Verabschiedung des wegen Spio­nage in Deutschland verurteilten dänischen Hauptmannes Lembourn vorgelegt wird. Man glaubt, der König werde den Antrag geneh­migen.

Die Entente lebt noch

Mussolini zwei Stunde« bei ChamberlaiU.

Mailand, 3. April. (Eig. Drahtbericht.)' Völlig überraschend fand gestern bei Florenz eine Begegnung zwischen Mussolini und dem britischen Außenminister Chamjerlain statt, die nahezu 2 Stunde« gedauert hat. I« der Unterredung wurden, wie verlautet, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Länder« erneut bestätigt. Mussolini u. Cham­berlain hätten mit Genugtnng die völlig« Uebereinstirnrnung ihrer Ansichten über die wichtigsten politischen Fragen festgestellt.

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Hauptthema: Reparationen

Mussolini hält sich bei de« Alliierten schadlos.

London, 3. April. (Eigener Drahtbericht). Zur Unterredung zwischen Mussolini und Chamberlain melde» ein römischer Korrespo«. dent, daß ihre Auffassung auch in der Repara­tionsfrage Übereinftimme, außer in einem Punkte. Mussolini erklärte nämlich, wen« di« deutsche« Reparationen an Italien wesentlich herabgesetzt werden würden, bann müsse auch Italiens Kriegsschuld an die Alliier- ten eine entsprechende Verminderung er- fahrtmg. Ei« diplomatischer Ksrresyondeitt äußert sich ferner: Unfere Beziehungen find un­ter Mussolini beträchtlich freundlicher geworden Es hat sich eine wirkliche Entente zwi- ftben beiden Regierungen entwickelt und die gestrige Besprechung hat vielleicht dazu gebient die leichte Abkühlung wegen deS englisch-fran­zösischen MarinekompromiffeS zu beseitige«.

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voris wird aufmerksam

Paris, 3. Aprfl. (Eigene Drahtmeldung.) Der Zusammenkunft Mussolinis mit Chamber­lain in Florenz wird in französischen diploma­tischen Kreisen grotze Bedeutung beigemeffen.

Winter im Frühling

Ost und West wieder unter der Schneedecke.

Berlin, 3. April. (Funktelegramm.) Gegen 7,45 Uhr setzte heute morgen hier bei Rull Grad leichter Schneefall ein.

Schwerin, 3. April. (Privattelegramm.) In der Rocht sank die Temperatur brs auf minus fünf Grad Celsius. In Schwerin wurde als Minimum minus vier Grad gemes­sen. In ben späten Nachtstunden trat star­kes Schneetreiben ein, das auch heute vormittag bei zwei Grad Kälte anhielt. In Rostock schnell es seit Stunden ununterbrochen.

Freiburg, 3. April. (PrivattelegraMin.) Auch heute früh fällt bei einer Temperatur um den Nullpunkt in ganz Oberbaden Schnee. Der Feld- berg meldet minus acht Grad. Im südlichen Schwarzwald liegt eine Neuschneedecke von 15 Zentimetern, während in de« Tälern und in der Ebene die wärmere Tagestemperatur ben Schnee teilweise wieber wegschmolz.

Hirschberg, 3. April. (Privattelegramm.) Im Rlcsengebirge hält der starke Schneewll an. Bisi-er ist in den Tälern ein halber 'Mit­tet Neuschnee gefallen. Die Schneehöhe auf de,« Kamm beträgt wieder etwa 1*4 Meter. Aus dem Komm und in den Borbergen hat­te« siebe« Grad Kälte,im Tal etwa 23 Grad Der Verkehr auf den Landstraßen ist erschwert

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Wieder unter der Schneedecke

Görlitz, 3. April <Privattelegramm.) Nach­dem bet gestrige Regen nach uoraufgegaitgenem Schneefall wieder festere Formen angenommen hatte, mar heute früh eine Reuschneedecke von etwa fünf Zentimetern vorhanden. Die tiefste Temperatur nachts betrug minus 3,2 Grad Die Fernsprechstörungen dauern in stär­kerem Matz fort. 25eit über 200 Anschlüsse sind gestört. Durch die Schneebelastung sind auch zahlreiche Fernlellungen gerissen.

Museumsfront für dir Heimaipsiege

Berlin, 3. April. (Funkspruch.) Auf dem hiesigen Museumskongretz wurde heute ein Reichsbund der Heimat Museen gegründet. Der neue Bund bezweckt ben Ausbau bestehen­der und die Gründung neuer Heimatmuseen durch wissenschaftliche Aufsätze und praktische Arbeit, die Heimatpflege und Heimatschutz.