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Nr. 77. — 19. Jahrgang.

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Mittwoch, 3. April 19».

Südlich etwas mehr Arbeit

Nachdem der Eintritt milderer Wittern»» die Ausnahme der Außenarbeiten wenigstens in gewissem Umfange ermöglicht hat, zeigt di« Zahl der Hauptunterstützungsempfänger am 15. März d. I. zum ersten Male wieder einen merklichst Rückgang. Sie betrug an die­sem Tage insgesamt 2 324 545 gegar 2460760 am 28. Februar d. I. Das beoeu rt «ine ®6* nahm« von 5L Prozent. Die Krisennntew stütz«na weist demgegenüber eine Steigerung um 9,8 Prozent auf.

Die Stadt ohne Straßenbahn

Berlin, 2. April. Wiesbaden ist seit gestern die erste deutsche Großstadt ohne Straßenbahn. DaS Experiment, die Straßenbahn in Omni­busverkehr umzuwandeln, ist gelungen. Am 2. Feiertag nahmen die städtischen Omnibusse, vor­läufig 60, zwei und dreichastge Wagen, den Dienst auf. Laut Pressebericht verlies der Ser- kehr reibungslos. Selbst die plötzliche Steige­rung aus den drei Minutenverkehr aus der Strecke zum Rheinuser vollzog sich glatt.

Steel Bluttaten In Essen

Essen, 2. April. Am Ostersonntag abend schlug ein 24jähriger Bergmann, der sich mit seiner Braut an einer Ecke von jungen Bur­schen beobachtet glaubte, • einem 15jährigen Schüler so wuchtig mit einem Spazierstock ge­gen die Schläfe, daß der Tod bald darauf ein- trat. In der Nacht zum Ostermontag erstach ein Bergmann in Altenessen einen 30 Jahre alten Mann auf dem Treppenabsatz eines Kan- ses, in das der Bergmann, der in einer Wirt­schaft seine Zeche nicht hatte bezahle« können, einen Kellner, einen Chauffeur und den Getö­teten gelockt hatte, mit dem Versprechen, Geld fürdieZechezu besorgen. In beiden Fäl­len konnte der Täter festgenommen werden.

Hlnrlchtungsschrecken In Kanten

London, 2. April. Im Verlaufe der letzten Tage sind in Kanton zahlreiche Hinrichtungen vorgenommen worden. Sie sollen in die Hun­derte gehen und zwar wegen angeblicher Zuge­hörigkeit zur bolschewistischen Setoegung. Man glaubt, daß die Mehrzahl der Getöteten un­schuldig waren.

SchMerdrama um bas Ssterzeugnls

Horrem (Bezirk Köln), 2. April. (Privat­telegramm.) Der achtzehnjährige Sohn des Bauunternehmers Friedrichs warf sich in der Nacht zum Ostersonntag aus Furcht vor Strafe wegen seines schlechten Schul» zeugnissesim Walde vor einen Eisenbahn- zug. Am Ostermorgen fand man die verstüm­melte Leiche auf den Schienen.

Heftige« -Ringen um Smlnez

Newyork, 2. April. Aus Mexiko-Stadt, verlautet: Zwischen Bundestrnppen und Auf­ständischen tobt seit 6 Uhr 30 morgens ein Kampf um Jiminez. Der letzte Bericht von General Calles besagt, die Bundestruppen hätten die Oberhand, die Kampffront betrage zwei Meilen. Der linke Flügel der feindlichen Truppen sei bereits in die Stadt zurückge­drängt, wo es zu einem Straßenkampf gekom­men sei. Nach Beschießung der feindlichen Schützengräben sei die Infanterie zum Angriff vorgegangen und habe mehrere Haciendas er­obert. Mittags waren die Verbindungen der Aufständischen z. T. abgeschnitten. Auf beiden Seiten nehmen Flngze nge an dem Kampfe teil.

Letzte Depeschen

Die unterhöhlte Diktatur

Primo de Rivera läßt schon wieder verhaften.

London, 2. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ueber Lissabon wird aus Madrid gemeldet, daß dort mehrere Zivilisten und Militärpersonen, darunter der Sohn des ehemaligen Premier- Minister Alvaro Castro, wegen Verschwörung gegen die Regierung verhaftet worden seien. Im Hanse des 82jährigen Coelho Carvalho will man belastende Schriftstücke entdeckt haben.

Der Rasputin-Mör-er als Lenöbote

Rumäniens Kronprinz wird wieder aktiv.

Budapest, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Ge­stern reifte Fürst Juffopoff, der Mörder Raspu­tins durch Budapest. Er erklärte Journalisten, er komme aus Nizza und reise im Auftrag des Exkronprinzen Karol in einer wich­tigen politischen Mission nach Rumänien.

Das nennen sie „Abrüstung"!

Stapellauf von vier französischen Kriegsschiffen

Paris, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Am 10. April werden laut Pressebericht gleichzeitig vier neue Schiffe der französischen Kriegsma­rine vom Stapel laufen, nämlich ein als Mi­nenleger eingerichteter Kreuzer von 152 Meter Länge, zwei U-Boote von je 2000 Tonnen und ein Torpedoboot. In das letztere sind die Ma­schinen des ehemaligen deutschen Tor­pedobootes V. 100 und V. 186 eingebaut worden.

Ulitz wieder aus freien Fuß

Kattowitz, 2. April. Rach dreitägigen Be­mühungen ist es dem Rechtsbeistand des ver­hafteten oberschlesischen $Tbg. Ulitz gelungen, die Haftentlassung für den Verhafteten, der fick seit über sechs Wochen in Haft befand, gegen Stellung einet Kaution von 70 000 Zloty zu erwirken. Ulitz hat bereits das Gefängnis ver­lassen. Die Freilaffimg erfolgte auf Einspruch des Verteidigers und der Frau Ulitz, die nach wiesen, daß keinerlei Flucht- oder Verdunke- limgsgefahr vorliege.

Der „Kriegsverbrecher" schuldlos

Belgrad, 2. April. Jn Kruschewatz in Serbien war der südslawische Gendarmerie- Oberstleutnant Gerotsch anyeklagt worden, als österreichisch-ungarischer Hauptmann ge­legentlich der blutigen Niederwerfung des Auf­standes im Toplitzer Kreise im März 1917 fünfzehn Bauern getötet und zehn Dörfer niedergebrannt zu haben. Das Schwur­gericht erkannte jedoch, daß Gerotsch nicht schuldig sei, da die inkriminierten Handlun­gen von feindlicher Heeresmacht Legangen wur­den, welche durch Aufstand der serbischen Bauern bedorht war. Auf Grund dieses Er­kenntnisses wurde Gerotsch freigesprochen.

Verwegene Flucht aus dem vierten Stock

Breslau, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Aus der Strafanstalt ist heut« früh gegen 4 Uhr der Strafgefangene S i e r s ch n i o k entwichen, in­dem er sich nach Durchsagen der Fenstergitter an einem Seil aus Bettüchern aus dem vierten Stock auf die Straße hinablietz. Der Geflüch­tete war Pole und wegen Münzverbrechens zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Explosionen beim Auftauen

Bütow, 2. April. (Privattelegramm.) Beim Austauen eines Waflerleitungsrohres explo­dierte der hierzu verwendete Wasserleitungsap­parat. Von den Zuschauenden wurde ein Kriegsinvalide so schwer verletzt, daß er hoff- nungslos darniederliegt.

Ein Tag der Grubenunglücke

25 Opfer einer Schlagwetterexplosion in Bel gien. — Eine Rettnngskolonne wird verschüttet Explosion in einem französischen Bergwerk.

Brüssel, 2. April. In einer Kohlengrube in der Nähe des Städtchens Genck in der bei- gischen Provinz Limburg ereignete sich ein Schlagwetterunglück, dem bisher über 25 Tote zum Opfer gefallen sind. DaS Unglück ereig­nete sich in einer Tiefe von 700 Metern, als ge- rade di« zweite TageSschicht sich zur Ausfahrt anschickte. Auf daS dumpfe Krachen der Ex­plosion hin, daS auch über Tage weithin ver­nehmbar war, flüchteten die Arbeiter unter Schreckensrufen nach allen Richtungen. Der sofort eingeleitete Rettungsdienst konnte nur feststellen, daß die Grube brannte und die Be- legschaft zum größten Teil tot war.

Die Ursache der Katastrophe.

Die 28 Mann starke Belegschaft hatte dicht gedrängt in einem Loch die Zündung einer Mine abgewartet, durch di« di« Gesteinmassen gesprengt werden sollten. Unglücklicherweise traf der Sprengschuß auf eine mit schlagendem Wetter gefüllt« Felsspalte. Das Feuer dehnte sich über eine Strecke von 55 Metern aus unb erreichte sämtliche in dem Loch hockenden Berg­arbeiter. 25 von ihnen wurden getötet und die drei anderen durch Brandwunden schwer ver­letzt. Bald darauf ereignete sich

ein neues Unglück.

Eine 12 Mann starke Rettungskolonne wurde teilweise unter herabstürzenden Gesteinmaflen begraben. Zwei Arbeiter wurden getötet, viele verletzt.

Exprosion in einem französischen Bergwerk.

Cherbourg, 2. April. Bei einer Explosion in einem Bergwerk bei Hainevill« wurde ein polnischer Bergarbeiter getötet unb zwei an­dere Bergarbeiter, ein Serbe und ein Italie­ner, verletzt. ______

Opfer -es Osterverkehrs

Lörrach, 2. April. Ein mit acht Personen besetzter Kraftwagen aus Wehr rannte in bet vergangenen Nacht auf der stark abfallenden Straße nach Hnsel gegen einen Baum. Einer bet Fahrgäste erlitt einen Schadelbruch, der feinen Tod herbeisührte. Sämtliche anderen mit Ausnahme des Wagenführers wurden schwer verletzt.

Amorbach, 2. April. Am Ostermontag er­eignete sich in der Nähe von Amorbach em schweres Automobilunglück. Ein von dem Nef­fen des in Mannheim lebenden Generalleut­nants a. D. Oskar von St. Ange gesteuertes Automobil, in dem sich auch der Sohn des por­tugiesischen Konsuls in Mannheim, Bungert, befand, stürzte in einer Straßenkurve um. Don St. Ange kam unter den Wagen zu liegen und wurde vom Schutzblech getötet. Bungert wur­de schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt

Gens, 2. April. Ein von Nyon nach Cras- sier fahrendes Genfer Automobil stürzte an einer Straßenkreuzung eine Böschung hinun­ter. Don den int Wagen sitzenden 5 Personen wurde eine Dame so schwer verletzt, daß sie bald darauf verstarb. Die vier anderen Insas­sen trugen schwere Verletzungen davon.

Autoopfer ohne Sahl

Dortmund, 2. April. (Privattelegramm.) Auf der Herbecker Chaussee fuhr gestern abend ein Auto, dessen Führer die Gewalt über den Wagen verloren hatte, mit voller Wucht gegen einen Baum. Vier Personen wurden schwer verletzt, während die übrigen vier mit

leichten Schnittwunden davonkamen. Der Wa­gen wurde vollständig zertrümmert.

Paris, 2. April. (Eigener Drahtbericht.) Wie ans Santander gemeldet wird, ist rin Autobus ins Gleiten gekommen und in einen Abgrund gestürzt. Acht der Insassen wur» den getötet und zwölf schwer verletzt.

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• Zwei deutsche Motorradfahrer in Frank­reich verunglückt. Zwei Teilnehmer an der Osterfahrt des Deutschen Automobilklubs nach Frankreich, die Motorradfahrer Max Thomas und August Burghard aus Pirmasens, sind bei Reims mit dem Automobil eines Landwirts zusammengestoßen. Beide Motorradfahrer wurden schwer verletzt.

• Zugzusammenstoß ans Bahnhof Schneide- mühl. Am ersten Osterfeiertag früh gegen 7 Uhr stießen auf dem Rangierbahnhos in Schneidemühl 2 Güterzüge zusammen. Der Anprall war so stark, daß sich 5 Wagen inein­ander schoben und vollständig zertrümmert wur­den. Der im Bremshäuschen des letzten Wag­gons befindliche Schaffner Meck erlitt schwere Quetschungen, der Zugführer Stender eine Kopfwunde und einen Nervenschock

Vie Untersuchung in Zannowitz.

Hirschberg, 2. April. Graf Christian Frie­drich, der in allen bisherigen Vernehmungen behauptet hatte, daß der Schuß, der seinen Dater tötete, losgegangen sei, während das Gewehr, mit dem er hantierte, aus einem hin­ter Graf Eberhard stehenden Tisch lag, fett, wie heute gerüchtweise verlautet, neuerdings eingestanden haben, daß er das Gewehr hoch­gehoben unb in Anschlag gebracht hat. Trotz- bem bestreitet er nach wie vor bies tn ber Ab­sicht getan zu haben, feinen Vater zu ermorden Es habe sich vielmehr nur um eine Fahrlässig­keit beim Prüfen der Waffe gehandelt, die, wie erinnerlich, von ber Reparatur zurückgekommen fein soll. Der bisher in dieser Angelegenheit tätig« Oberstaatsanwalt Dr. Engel hat seinen Urlaub angetreten. Er wird durch Staatsan­walt Felsch ersetzt.

Verwegener Raubüberfall

Für V/i Millionen Franken Schmuckfachen geraubt.

Paris, 2. April. In einem Juwelenge­schäft auf einem der belebtesten Bcnlevarvs wurde um die Mittagszeit die «5jährige In­haberin des Geschäftes von einem unbekann­ten Täter überfallen unb durch Faustschläge verletzt. Während, die Fran blutüberströmt auf die Straße stürzte und um Hilfe rief, nahm ber Räuber Schmucksachen im Werte von IV, Mil­lionen Franken sowie eine Geldtasche mit 20000 Franken an sich und entkam unbemerkt durch eine Hintertür. Der Polizei ist es bis­her nicht gelungen, eine Spur des Täters zu finden. Die überfallene Gefchäftsinhaberia mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.

Der Flug Lon-ou-In-ien

Rom, 2. April. Das englische Flugzeug, das die Luftlinie London-Karachi eröffnet, ist ge­stern morgen 3 Uhr 45 von Neapel nach Korfu toeitetgeflogen, nachdem «s in Genua und Rom Zwischenlandungen vorzenommen hatte. An Bord befinden sich der engl. Luftfchafsahrts- minister, fein Sekretär und der Direktor der englischen Lustschifsahrtsgesellschaft.

Die heutige Nummer MM 16 Seiten

Verantwortlich für den vol. Teil Ürt8 Ran: fflt Den »kal. u. Heimattetl t. B. Eb. Schulz-Kessel: für den unterhaltenden Teil German Vonau; für Sport und Technik Herbert S o e I ch: Photo-Redak- teur Eduard Schuld-Kessel. — Anzeigen: Ber- antwortlich Konrad WachSmann. — Druck und Verlas: Kageler Neueste Nachrichten ®. m. 6. H.

Arbeitsamt für bas deutsche Schrifttum

Im Anschluß an den Tag des Buches ist ein Arbeitsamt des deutschen Schrifttums gegrün- bet worden, dem sich ber Reichsverband des Deutschen Schrifttums, ber Verband ber beut, scheu Buchhändler, ber Deutsche Verleger-Ver- ein unb ber Reichsverband ber Presse ange­schlossen haben. Wie die Geschäftsstelle dieses neuen Amtes, die sich in Berlin befindet, mit­teilt, hat man es sich zur Aufgabe gemacht, Fragen, die die Autorenschaft und den Buch­handel gemeinschaftlich interessieren, zu klären und zu regeln. Es sott zweimal tm Monat eine Tagung abgehalten werden, und zwar findet die nächste Tagung Anfang Mai statt. Tort will man sich darüber unterhalten, wie man das ermattende Interesse des Publi­kums am Buche heben und für die breitere Volksmasse geringere Buchpreise ermöglichen kann. Man darf erwarten, daß dort auch über das Mißverhältnis zwischen Autorenhonorar, Verlags- und Großisten-Prozenten und den Buchhändlergewinnen gesprochen wird. Auch die Frage des broschierten Exemplars, die den Tantiemeberechnungen für den Autor zu Grun­de gelegt wird, fottte gesprochen werden, wäh­rend Verlag unb Buchhanbel meist nur das ge» bunbene Exemplar unb ben Luxusdruck um­setzen.

Der Hafenbraten

Von

Rudolf Lothar

Schluß der Novelle aus der 3. Beilage unserer Oüer-AuSgabe.

Herr v. P. schien sehr begierig, das nied­liche Wunder zu sehen, und während wir auf die Gartengasse zugingen, sagte er ganz auf­geräumt: „So ernst unsere Familie auch ist, zu Liebensabenteuern waren meine Vorfahren immer aufgelegt. Merdings haben sie immer Pech gehabt." Herr v. P. schien das böse An­zeichen völlig vergessen zu haben Nun bogen wixi« die Gartengaffe ein. Im Spteglein

sah ich das Köpfchen, das ich nun fett drei Wochen jeden Tag begrüßte. Ich gab Herrn v. P. einen leichten Rippenstoß, und er sagte bewundernd: „Ah!" Und bann hob er bte Hanb — ich sehe sie noch heute noch vor mir, biese erhobene Hanb tm roten Handschuh — und warf dem allerliebsten Spiegelbild eine Kußhand zu. Im selben Augenblick stand wie aus der Erde gewachsen ber blonbe Vi- sigote vor uns unb sagte scharf unb schnarrend: „Frechheit!" Herrn v. P stieg hastig bas Blut zu Kopf, ein paar Sätze wurden heftig und hastig gewechselt, bann reichten sich beibe Herren ihre Karten.

^Jch kann Sie nun leider nicht in die Vor­lesung begleiten," lagte Herr v. P. an der näch­sten Ecke, hob lässig die Hand zum Gruße an ben Hutranb unb verschwand.

Ich wußte bte Adresse des Herrn v. P. nicht unb suchte ihn ben ganzen nächsten Vor­mittag vergebens in der Stadt. Als ich mit­tags zu Pohley kam, saß der Visigote kühl und verschlossen, wie immer auf seinem Platz Der Sessel neben mir blieb leer.

Am Nachmittag erfuhr ich die Geschichte. Herr v. P. war des Morgens um 6 Uhr dem Visigoten gegenüber gestanden. Pistolenduell. Beim ersten Kugelwechsel war Herr v. P. ge­fallen. DaS Fräulein tm Spion war dte Brant des Visigoten gewesen Ich ging nie mehr durch die Gartengasse. Aber oft und schwer hat mich der Gedanke bedrückt, daß ich an dem Tode des Herrn v. P. nicht ganz schuldlos war. Hätte ich ihn nur nicht durch die Gartengaffe geführt. Wenn ich mich aber solcher Gedanken hingab, bann horte ich das scharfe Klick bes Schrotkörnleins auf bem Teller. Der Tod läßt sich seine Beute nicht entreißen. Herr v. P. wußte sehr gut, baß er gezeichnet war, und sein Schicksal hätte sich erfüttt, auch wenn nickt ein blonber Mäbchen- köpf es entschieden hätte.

Aus Kunst unb wissen

** Die neue Molnar-Komödie. Franz Mol. nar hat einem Budapester Berichterstatter über

seine neuen Pläne mitgeteilt, daß er soeben ein satyrisches Lustspiel unter dem Titel „Eins, Zwei, Drei" beendet habe, das int Deutschen Künstler-Theater mit Pallenberg in der Haupt­rolle feine deutsche Uraufführung im Herbst erleben soll. Pallenberg erscheint darin in der Rolle eines europäischen Finanzmannes, ber ben Kampf gegen das amerikanische Groß- Kapital durchführen will.

** Wiedergeburt des Theaters im Sprech, film. Die amerikanische Universal-Filmgesett- schaft beabsichtigt, erfolgreiche amerikanische Bühnenstücke im Sprechfilm aufzunehmen, um entlegeneten Ortschaften in der Provinz Ge- legeicheit zu geben, die Stücke in der Darstel­lung erster Kräfte zu sehen. Desgleichen will man hier auch den Grundstein legen zu einem Archiv, in dem durch Tonfilme die gesamte Entwicklung der amerikanischen Sprechbühne festgehalten ist. Es wäre ein guter Gedanke, wenn aus rein pädagogischen und historischen Gründen auch in Deutschland Aufführungen ber besten Regisseure auf biefe Weife fixiert werben könnten.

♦* Erhöhung bet Schauspieler-Minbestgagen in Berlin. Dte Verhandlungen zwischen ber Genoffenschaft Deutscher Bühnenangehöriger unb ben Berliner Theaterleitern haben vor­läufig mit einem Kompromiß geenbet. Die Berliner Bühnenleiter haben beschlossen, die Mindestgagen für Schauspieler auf 275 bzw. 300 Mark zu erhöhen. In einer Reihe Aus­nahmefällen bleiben bte Minbestgagen für bte kleinen Theater auf dem gegenwärtigen Satz von 250 Mark. Für Anfänger werden tm ersten Jahr 150, tm zweiten 200 Mark monat­lich gezahlt. Die Proben-Frage ist dahin ge­regelt, daß für Rachtproben eine entsprechende Entschädigung für Mehrauslagen geleistet wird, während die Vorproben bis zur vier­fachen Mindestgage voll bezahlt werben müssen sofern bte Darsteller ganz zur Verfügung stehen.

• * Eine Professur für Straßenbau. Das Preußische Kultusministerium hat ben Privat- dozenten, Dr. Heinrich Mallifon, zmn außer-

orbentlichen Professor an ber Technischen Hoch, schule Berlin ernannt. Professor Mallison ist bekannt durch seine besonderen Spezialforschun­gen auf dem Gebiete der Teer- und Asphalt« inbuftrie.

* * Ein neuer Kriegsroman. Der internatio­nale Erfolg ber letzten Kriegromane beginnt, weitere Dichter auf ben Plan zu rufen. Der Leipziger Verlag F. Kohler tünbtgt Aufzeich­nungen von Gerhart Siegert unter bem Titel „Kriegstagebuch eines Richtkanoniers" an.

** Für größere staatliche Zuwendungen an die Volksbüchereien. Di« Monatsschrift „Die Literatur" richtet nach bem Tag des Bu­ches an Preußen die Mahnung, die Zuschüsse für die Volksbüchereien zu erhöhen. Es wirb in biefer Mahnung der für Preußen etwas peinliche Vergleich aufgestellt, daß für Volks­büchereien nur 300000 Mark im Jahr auSge» geben werden, während sich der Etat für daS Theater auf 16 Millionen beläuft. Ferner wird darauf hingewiesen, daß gegenüber diesen 300 000 Mark die Tschecheflovakei eine wett größere Summe jährlich auswirft: das kleine Dänemark wendet jährlich 2% Dtillionen für Volksbüchereien auf. — Es sollte mehr wie bisher Ausgabe der Berufsverbände des Schrifttums und nicht zuletzt des jetzt gegrün­deten Arbeitsamtes fein, für höhere Zuwen­dungen des Staates und der Gemeinden zmn Ausbau der Volksbüchereien zu werben.

** Um die Staatszufchüffe ber württember. gischen Landestheater. Der Finanzausschuß des württembergischen Landtages beschäftigte sich tn einer seiner letzten Sitzungen mit den Gesuchen ber Städte Ulm unb Heilbronn, ben Kostenzuschuß für die Aufrechterhaltung der Landesthater zu erhöhen. Dabei teilt der Kultusminister mit, daß bei ber Ausstellung des württembergischen Haushaltplanes vorge­sehen sei, ben Staatsbeittag für die Volksbiih- neu von 50000 auf 100 000 Mark zu erhöhen. Aus diesem Mehrbetrag sollen die erhöhten Anforderungen für die Theater in Ulm und HeLLronn bestritten werden.