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Weiße Ostern in Süd und Ost

Schneetreiben in München und Görlitz. — Neuschnee auf den Torge».

Osterfahrten in den Tod

Eine erschreckende Bilanz in Frankreich.

London, 2. April. (Eigener Drahtbericht.) Zwischen den beiden an der indisch-afgham- scheu Grenze angesammelten Stämmen Sinnt und Syiah ist es bei Kurrum zu schweren Aus­einandersetzungen gekommen. Die Shiahs ver­suchen, das ihnen 1917 abqenommene Gebiet wieder zurückzuerobern. Man befurchtet aber, daß die Sunnis, die erheblich stärker sind und die Unterstützung eines andern großen Stamms besitzen, eine Gegenbewegung einleiten und wie im Jahre 1917 die Kämpfe auf britisches Ge­biet hinau-stragen werden. In diesem Falle wird ein Eingreifen Englands als unvermeid­lich angesehen. Englische Flugzeuge und Trup­pen stehen bereit.

Transport ins Krankenhaus an Verblutung starb. Die übrigen Jnsaffen blieben unverletzt.

Schwere Gchneestürme in 4L6.2L

Newyork, 2. April. (Durch Funkspruch.) Im mittleren Westen haben tornadoartige Stürme beträchtlichen Schaden angerichtet. In vier Staaten tobte ein schwerer Schneesturm. Die aus dem Sturmgebiet nach Chicago verkehren­den Züge trafen dort erst mit standenlangen Verspätungen ein. Der gesamte Telegraphenver­kehr ist unterbrochen. Milwaukee war nahezu einen ganzen Tag von der Umwelt abgeschnit­ten, ebenso St. Louis und andere Städte Mif- souris.

London, 2. April. Nach Meldungen aus Kalkutta befindet sich Aman Ullah mit 30 000 Manu, die mit russischen Gewehren und russi­scher Munition ausgerüstet seien, im Vormarsch aus Kabul. Habe Ullah bereitet sich, obwohl seine Streitkräfte sich ständig vermindern, auf eine Verteidigung der Hauptstadt vor. In In­dien werden militärische Vorsichtsmaßregeln er­griffen. Aller Urlaub ist gesperrt und die Grenz- Truppen werden in Bereitschaft gehalten.

Selbstmord in der fremden Wohnung?

Budapest, 2. April. (Eigener Drahtbericht.) Der 62jährige Privatier Opocki wurde in der vergangenen Nacht durch Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Nterkwürdig ist aber, daß neben ihm seine Nachbarin, die 36jährigr Be­amtin Gisela Weitz bewußtlos auf dem Boden lag. Die Beamtin hat sich schon seit langer Zeit mit Selbstmordabsichten getragen, sodaß thre Verwandten den Gashahn in ihre Woh nttng abmontieren ließen. Alle Anzeichen deu­ten nun darauf hin. daß sich die Frau in die Wohnung des alten Mannes eingeschlichen hat, um ihre Selbftmordabsichten trotzdem verwirk­lichen zu können. Sie ist noch bewußtlos.

Wieder iso Millionen überwiesen

Berlin, 2. April. (Durch Funkspruch.) Die am 1. bezw. 2. April fällig gewordene erste Halbjahresrate der Jndrstri-belastuno für das fünfte Reparationsjayr iS Höhe von 150 Mil- lionen Goldmark ist fristgemäß von der Jndu- strieobligationenbank an den Reparationsagen­ten überwiesen worden.

Umbildung in Warschau

Pilsudskis Wiederkehr sicher.

Warschau, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Einem Preffegerücht zufolge hat der vorläufige Finanzminister Dr. Crudstnski während der Feiertage sein Rücktrittsgesuch eingereicht und zwar im Zusammenhang mit der Ueberschrei- tung der laufenden Ausgaben. Die Rekonstruk­tion des neuen Kabinetts wird im Saufe die- fer Woche nach Rückkehr deS polnischen Staats­präsidenten erfolgen. Ein Blatt vermutet, daß Marschall Pilsudski selbst an die Spitze des Kabinetts treten werde. Ministerpräsident Bar­thel werde vermutlich das Kultusministerium übernehmen. Der Innenminister General Skladkowski soll angeblich wieder in den akti ven Heeresdienst eintreten.

Waldeck preußisch

Feierliche Stunden in Arolsen.

Ueber das historische Oster-Ereignis, durch daS der bisherige Freistaat Waldeck in den preu­ßischen Staatsverband eingegliedert wird, find ausführliche Berichte aus der ersten und zweite» Seite der heutigen 3. Beilage zu finden. D. R

Schatten über bem Osterfest

Graufige Selbstmordchronik aus W'en.

Wien, 2. April. (Privattelegramm.) Während der Osterfeierlage verübten gegen zwanzig Per- fönen Selbstmordoersuche. Drei davon waren tot, die übrigen 17 verletzten sich schwer Unter den Toten befindet stch em sechzehnjähriger Gymnasiast, dann eine Frau Taussig, deren Tochter am 26. März von ihrem Gatten erschos­sen worden war. Durch Verlehrsunsälle fan­den sechs Personen den Tod.

München, 2. April. (Privattelegramm.) In der vergangenen Nacht ist in München Schnee- fall eingetreten. Am Montag zeigten sich die Hausbücher und Anlagen in winterlichem Eis. Während der Schnee auf den Straßen nicht liegen blieb, hielt das feine Schneetreiben noch an. In G ö r l i tzund Umgebung herrscht heute seit den frühen Morgenstunden, bei etwa zwei Grad Wärme, sehr starker Schnee­fall, der im Verkehrsivesen erhebliche Stok- kungen hervorruft. Trotz dem stürmischen, reg­nerischen Wetter wurden die alten Osterbräu- che in der Oberlausitz, namentlich im Kloster Mariastern, das Eierschieben in Bautzen usw. ausgeführt. Doch war die Zahl der Zuschauer nicht sehr groß. Auch im Riesengebirge ist etwa 10 Zentimeter Neuschnee gefallen. — Auf dem Brocken liegen noch etwa zehn Zentimeter Schnee.

In den Bergen deS Allgäu ist bis auf 1500 Meter Höhe herab Neufchnee gefallen.

Breslau, 2. April. (Privattelegramm.) Gegen acht Uhr früh fetzte hier hefttger Schnee­fall ein. In Benthe« hält der Schneefall in den Vormittagsstunden an. Auf dem Riefengebirgs- kamm, auf dem vier Grad Kälte herrschen, be­trägt bie Neuschneedecke 20 bis 25 Zentimeter, in Hirschberg ist etwa 5 bis 6 Zentimeter Schnee gefallen.

Beide Parteien siegen

Blutige Bürgerkriegskunde aus Mexiko.

London, 2. April. Ein Newyorker Korre­spondent bringt widersprechende Meldungen aus Mexiko über den Verlaus eines Gefechts zwi­schen Escalon und Jmmenz. Nach Berichten der Aufständischen sollen die Bundestruppen zweihundert Tote und vierhundert Gefangene verloren haben, wogegen die Letzteren die Auf­ständischen mit fünfzig Toten vollständig ge­schlagen haben wollen, während auf Seiten der Bundestruppen nur fünf Mann gefallen feien.

Washington, 2. April. Die Aufständischen in Mexiko scheinen gegen die Stadt Noxe im Staate Sonora vorzurücken. Die Stadt wird von 1500 Mann Bundestruppen verteidigt. General Jn- cupicios ist mit 1200 Indianern zu den Aufstän­dischen gestoßen.

Mexiko-City, 2. April. (Durch Funkspruch.» Der berüchtigte Bandit Jose C a t o r c e, der seit zehn Jahren Schrecken verbreitete, ist von den Aufständischen gefangen genommen und stand­rechtlich erschoffen worden, da man ihn beschul­digte den Bundestruppen Spionage-Nachrichten übermittelt zu haben. Cato ce hat u. a. im Jahre 1926 einen Expretzzug tu die Luft ge- sprengt, wobei 46 Personen ums Leben kamen.

Mexiko, 2. April. (Funkspruch.) Die Stadt Simon in Sinaola ist nach mehrstündigem Ge­fecht von vier Regimenter» Regierungstruppen genommen worden. In Ji-ninez ist es gestern abend den Regierungstruppen gelungen, den Bahnhof und den Nordteil der Stadt zu besetzen. Die Kämpfe dauern an.

Paris, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Rach dem Journal haben die Autounsälle während deS zweiten OsterfeiertageS 15 Tote und 50 Verletzte gefordert, was zufammen mit den am ersten Osterfeieriag gemeldeten neun Tote« und 20 Verletzten eine Gesamtziffer von 24 Toten und 70 Verletzten ergibt

Görlitz, 2. April. (Privattelegramm.) Das Auto deS Leipziger Berlagsbuchhändlers geriet auf der Fahrt von Breslau nach Leipzig bei Plagwitz aus den Sommerweg und rannte gegen einen Baum. Die Trümmer der inneren Windfchutzfcheibe zerschnittm Frau Staat­mann die Hals^ c, sodaß sie aus dem

Vormarsch auf Kabul

Die schlechten Wege halten Aman Ullah auf.

London, 2. April. (Eigene Drahtmeidung.) In Delhi wird angenommen, daß die Nachricht von dem Beginn des Vormarsches Aman Ullahs aus Kabul zutreffend ist. Aus Allahabad wird gemeldet, der afghanische Generalkonsul in Delhi habe ein Telegramm des Außenministe­riums in Kandahar erhalten, wonach Aman Ullah am 27. März den Vormarsch gegen Kabul angetreten hat, der wegen des schlechten Zustan­des der Wege langsam von statten gehe.

Den Brenner hinauf

Von Dr. Paul Rohrbach.

Der Zug von Bozen zum Brenner hinauf hält in Brixen, jetzt Bressanone. Man steht überall an der Bahn neue Gebäude im vor­schriftsmäßigen „nationalen", d. h. italienischen Stil, die für die Bahnbeamten die „Finanzer" und die faschistischen Kontrollwachen neu er­baut sind. An keiner Front fehlt, in Stein ge­nauen, das Symbol des Faschismus, das Bündel Ruten mit dem Beil. „Wieviel Mühe wird das eines Tages machen", äußerte stch etn Amerikaner mit einem ironischen Blick auf das Emblem, „diesen ganzen Kram wieder wegzu­hauen, wenn das System abgewirtschaftet hat!" Ein Amerikaner kann sich folch einen Satz lei­sten, auch innerhalb der italienischen Grenz- pfähle, selbst auf die Gefahr hin, daß einer von den Schwarzhemden, die drinnen im Zug und draußen auf dem Bahnsteig patrouillieren, englisch versteht. Was eigentlich diese Un­menge von Faschisten in ihrer Milizuniform mit umgehängtem Revolver in den Zügen und aus den Stationen soll, ist dem Fremden unbe­greiflich. Drei von ihnen sahen wir auf einem Zug nüt deutscher..Nshr-t-M^»uichnbkSM'nS- turlich, oei auf einem Seitengleis ermüd, von Waggon zu Waggon klettern u.ch mit zutge- pflegten Händen ein Kohlenstück nach dem an­dern umdrehen. Offenbar suchten sie nach ir­gendwelcher Schmuggelware. Zu finden war anscheinend nichts.

Der faschistische Staat hat eben seine Wah­len hinter sich — merkwürdige Wahlen! Am zehnten Jahrestag der Gründung des Fa- schtsmus, erliefe Mussolini seine Wahlbotschaft: .Schwarzhemden! Für das neue hell leuch­tende Jahrzehnt der italienischen Kampfbünde: A Noi! Gegeben im Palazzo Venezia". Der Amerikaner hielt die Zeitung in der Hand und lächelte: „Hell leuchtendes Jahrzehnt! Drüben sind wir froh, daß wir die Tore der Einwan- derung für diese Gesellschaft geschlossen haben!" „Warum?"

„Weil wir unsere Rasse nicht ver- schlechter« lassen wollen!"

Der Zug setzte sich in Bewegung, und die doppeltürmlge Bischofskathedrale von Brixen wurde über der Stadt sichtbar. Man sprach vom eben geschlossenen Konkordat. Das italie­nisch gewordene Südtirol hat zwei Bistümer, Brixen und Trient. Am Abend vor der Wahl war den Südtiroler Blättern, die unter dem faschistischen Regime noch ein geknebeltes, halb entseeltes Dasein führen, von der faschistischen Kommandantur mit dem Befehl zum bedin­gungslosen Abdruck eine Notiz zugegangen, wonach der Bischof seine Untergebenen auf­forderte, an die Urne zu gehen, damit das Fa- fchisten-Regime „die komplette Zustimmung der Katholiken habe". Mit diefer Botschaft sollte ein Druck auf die deutschen Südtiroler ausgeübt werden. Sie sind sämtlich Katholiken die Stimme ihres geistlichen Oberhirten sollte ihre Abneigung überwinden, für dte Liste des Faschismus zu stimmen, der durch ein System von Gewaltmaßnahmen ihnen ihr Volkstum, sogar ihre Sprache nehmen will.

In der Ecke saß ein deutscher Geistlicher, kein Südtiroler, sondern aus dem Reich. Er kam aus Trient, und um seinen Mund lag ein - schmerzlich-spöttisches Lächeln, als er von der Kundgebung des Fürstbischofs sprechen hörte. „Gefälscht"! — war seine leise Antwort, als man ihn um feine Meinung dazu fragte. »Der hochwürdigste Herr Fürstbischof fcit nichts dergleichen geäußert, weder schriftlich nock mundltch. Als dte Zeitungsblätter mir der Nachricht von seinem angeblichen Ausmj er­schienen, wurde von allen Seiten telefonisch an- gefragt, und die Antwort war ein bündiges Nein!"

Wir hörten, daß noch in der Nacht von den Hauptorten Boten an die Pfarrer ausgegangen seien um die verneinende Auskunft aus Trient mitzuteilen. Viel wird es nicht geholfen haben Aber selbst die 3 000 Neinstimmen unter dem ungeheuren Wahlterror hatte kaum jemand er­wartet. Jede mögliche Drohung für Fernblei­bende und Neinsager toar ausgesprochen wor­den: Paßverweigerung, Steuererhöhung, Ent- ziebung von Konzessionen und Lizenzen, HY- potheken- und Pacht-Kündigung und noch vie­les derart. Halbdurchstchiige Wahlkuverts und andere Kunstgriffe bei der Abstempelung der Ja- und Nein-Zettel waren von vornherein er- wartet und durch die Praxis betätigt worden. Unsere Meinung, daß der Druck dock immerhin gewirkt zu habe« scheine wurde für sehr barm» los gehalten:

„Glauben Sie denn, daß die Präfektur in Bozen gewagt haben würde, ein schlechteres

Keine Näumungsaktion durch Beilin

Bürgerkriegswirren in China, Mexiko und Afghanistan — weiße Oster - Ueberrafchungen

Chinas Heere kämpfen

Eine Osterschlacht am Jangtseeufer.

London, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Aus Schanghai verlautet: 160 Meilen von Hankau sind am Rordufex des Jangtsee zwischen den Truppen der Nankingregierung und den / Haukaustreitkräften schwere Kämpfe im Gantze. Dio Nankingreaferutvi erwartet zuver- ficht ich, daß ®enerul Fertzjusiang Hankau binnen zwei Wochen ft. seiner Hand haben werde. Der Handelsverkehr im Janotseetal ist völlig lahmgclegt.

London, 2. April. Aus Schanghai verlautet, daß stch Fengjutziang endgültig auf die Seite Tfchiangkaischeks gestellt habe und daß ihm da­für gestattet wird, Hankau zu nehmen. Die Schansiführer sollen alle Truppen zusammenfas­sen um Ho»an und Hupeh zu halten.

Kriegswirren an Indiens Grenze

Engländer auf der Wacht gegen Afghanistan.

Richt für Geld

Räumuna und Reparationen bleibe« getrennt.

Berlin, 2. April. (Eig. Informationsdienst) Die Veröffentlichung der preußischen, hessischen und bayerische« Besatzungsdenkfchriften Haven vielfach zu der Anuahme gi führt, als ob damit gerade jetzt während der Pariser Reparations- Verhandlungen, eine neue Räumungsaktion eingeleitet werden sollte. Das ist, wie wir er­fahren, nicht der Fall. Die Regierung will auch den Anschein vermeiden, als ob zwischen Reparationsproblem und Räumungsklage et.te sachliche Verbindung bestehen könnte. Deutsch land fordert die Räumung von

Rhein und Pfalz, fo wie die Rückgabe des Saargebietes aus eigenem Recht, sodaß für Deutschland reparalionspolit'sche Konzessionen zur Beschleunigung der Räu­mung nicht in Frage kommen. Die Denkschrif­ten waren ausdrücklich vom Reichstage gefor­dert worden.

Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Mittwoch, 3. April 1929

8«eeiaeroreife: Einheimische Geschäftsameisen die mm=8eile 11 4, auswärtige Geschäfts, anzeigeu die mm-Seile 11 A. Familienanzeigen die mw-Zeile 11 A. Kleine Anzeigen on8 Sasstl das Wort 7 A, auswärtige Kleine Anzeigen die wm-Zeile 11 A, Reklamen i>it uuu-Zetle 45 4. Ostertgebühr 25 4 (Bei Zustellung 85 4). Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen zahlbar. Für di« Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Ameisen sowie sür Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werde» Für Anzeigen mit Besonders schwierigem Satz 100 Prozent Aufschlag. Postscheckkonto Frankfnrt a. M. 6880.

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