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Mete Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 69 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Freitag, 22. März 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19, Jahrgang
Schacht holt Instruktionen
Nachrufe auf Foch — Lin verklagter Finanzminister — Norwegens ttronprinzenpaae vor öem Traualtar
Die zweite Reise nach Berlin
Endziffern noch vor Oster«. — Die nächste Woche entscheidet in Paris.
Paris, 21. März. Es verlautet, daß dir Konserenzarbeiten weit genug vorangeschrii- ten sind, sodaß Dr. Schacht nach Berlin reisen kann. Einige Morgenblätter erklären, daß Owen D. Young ihm die Forderungen der Alliierten bereits bekannt gegeben habe, damit er bei seiner Rückkehr der Konferenz allgemeine Vorschläge über die Zahl und die töhe der deutschen Anuitäten machen kann.
«her werden Bollsttzungen vom kommenden Montag bis Donnerstag abgehalten, die zweifellos zn den wichtigste« der Sons«, renz gehören werden. In ihnen wird wahr- siheinlich über die Endziffer verhandelt werden, wobei auch die Forderungen der auf der Konferenz nicht vertretenen Reparationsberechtigten Länder in Rechnung gestellt werden.
* * *
Gwen Young mischt sich ein
Paris läßt sich nichts abhandeln.
Paris, 21. März. (Eigener Drahfbertcht.) Die Morgenpreffe glaubt, daß Dr. Schacht in
Ein festlicher Akt in der Osloer Kirche.
Oslo, 21. März. In der Erlöserkirche fand heute mittag die Trauung des Kronprinzen von Norwegen und der Prinzessin Märta von Schweden statt. Bereits Stunden vorher wäre» die Anfahrtsstraßen von einer riesigen Menschenmenge umsäumt. Kurz vor 12 Uhr trat, begleitet vom Herzog von York, Kronprinz Olaf in Leutnantsuniform unter Musik in die Kirche ein. Wenige Minuten daraus erfolgte die Anfahrt der Fürstlichkeiten. Inzwischen hatte, begleitet von ihrem Vater, und
acht Brautjungfern, die Braut vom Schlöffe aus
die Fahrt nach der Kirche angetreten. Am Arme ihres Vater, unter Chorgesang betrat sie die Kirche und nahm dem Kronprinz gegenüber am Altar Platz. Bischof Lundsr vollzog die Trauung. Nach gemeinsamen Gesang, Chorgesang und neuerlichem Gemeindegesang verlie- 6en das Pronprinzenpaar und Gäste die Kirche. Im selben Augenblicke begannen die Kanonen Salut zu schießen. Dir Rückfahrt wurde eröffnet von einem vierspännigen Galawa- gtn mit dem Kronprinzenpaar, dem foutei Jubel der Zuschauer entgegenhallte. Im Schloß fand ein Frühstück für fünfundzwanzig Personen statt. Am Abend tritt das
Jas Kronpnnzenpaar getraut
Et« festlicher Akt in der Osloer Kirche.
— Salut, Galawagen und Hochzeitsreise.
Sie schmähen oie Feldgrauen
ReichSpostverbot für die belgische Druckschrift.
Verbotene Ausgaben
Polens Finanzminister kommt vor de« Staatsgerichtshof.
Warschau, 21. März. Der Sejm hat mit 240 gegen 123 Stimmen die Anklageerhebung gegen den zurückgetretenen Finanzminister Czechowicz vor dem Staatsgerichtshof be- schlossen.
Warschau, 21. März. (Eig. Drahtberichi.) In der dramatischen Aussprache im Sejm führte Abg. Liebermann (Soz.) aus, daß der Finanzminister im Jahre 192748 mit zwei Haushalten gearbeitet habe, mit einem gesetzmäßigen und einem der parlamentarischen Kontrolle unzulänglichen geheimen Mii starkem Pathos rief der Redner in den Saal hinein, daß dem jetzigen Sejm nichts anderes übrig geblieben sei, als das Recht der HaushaliSüberwachung. Dieses Recht werde er sich niemals rauben lassen, sondern mit allen Mitteln verteidigen. Der Präsident der Kontrollkammer Professor Wroblewski gab zu, daß das Verhalten des Finanzministers ungesetzlich gewesen sei. Er versucht« jedoch, ihn anderweitig zu verteidigen. Redner des Regierungsblocks versuchten ihre Stellung dadurch zu stützen, daß sie den Abgeordneten der Opposition vorwarfen. Unterschlagungen begangen zu haben, oder die Feinde des Vaterlandes unterstützt zu haben, welche Anschuldigungen in der Opposition nur Heiterkeit her- vorrtefe«.
Erregung in Indien
Massenverhaftungen von Kommunisten.
Kalkutta, 21. März. Die britisch-indischen Behörden haben zu einem großen Schlag gegen die Kommunisten ausgeholt und mit einem Riesenaufgebot von Polizisten unter Führung von englischen Offizieren eine große Menge Kommunisten in Bombay, Kalkutta usw. verhafte« taffen. In Kalkutta wurden allein 35 Häuser durchsucht. Unter den Verhafteten befindet sich der bekannte englische Kommunist Spratt und andere Arbeiterführer. Literatur wurde in Zeitungsbüros usw. beschtaanahntt. Die Arbeiterschaft der Baumwollspinnereien ist stark erregt. Die Atmosphäre ist gespannt. Die Behörden boten sofort Truppen aus für den Fall des Ausbrechens vor. Unruhen. Im ganzen Arbeiterviertel vom Bombay sind Militärposten ver- teill. In zwei Spinnereien wurde die Arbeit niedergelegt.
Der» Berg stürzt aufs Haus
Eine verschüttete Familie. Pioniere räumen aus
Wien, 2L März. (Privattelegramm.> In Unter-Lochen bei Braunau am Sinn (Oberösterreich) wurde durch einen katastrophalen Berg- stürz ein von drei Familien bewohntes Haus zur Hälfte weggerisse«. Vier Personen, eine Frau und ihre drei kleinen Kinder wurde« von den FelSmaffen, die zum Teil die Größe eineS Einfamilienhauses hatten, verschüttet und dürften den Tod gefunden haben. Eine Person wurde schwer verletzt. Pioniere sind mit Aus- räumungSarbeiten beschäftigt. ES wird mit wetteren Rachstürzen von FelSmaffen gerechnet.
Zeppelinflug nach Wien
Auch die Donaubrüder wollen ihn sehn. ' Wie«, 21. März Einer Nachricht des Luftschiffbaus Zeppelin zufolge wird Graf Zeppelin tn diesem Jahre Oesterreich besuchen. Wahrscheinlich würde das Luftschiff auf der Rückkehr von feiner Mittelmehrfahrt Wien berühren, oder aber, wenn dies nicht möglich wäre, würde eine besondere Fahrt nach Oester- reich unternommen.
Lin Opfer -er Politik
Glaspulver im Magen d«S RussenarzteS.
Prag. 2L März. (Eigene Drahtmeldung.) Arn 23. Februar starb tn Sutten berg in Böhmen unter BergiftungSerscheinungen der Arzt des dortigen Krankenhauses Dr. C y m b a l o w. einst russischer Kapitän der Wrangel-Armee. während ein zweiter Arzt lebensgefährlich er krankte. Man vermutete schon damals Vergif tung auS politischen Motiven Laut Presfebe richt ergab die Obduttion. daß der Tote nich> durch Gift, sondern durch GlaSpulver, daS in Magen und Gedärmen gefunden wurde, den Tod gefunden hat. Die Gendarmerie hat be> reUS bestimmte Anhaltspunkte, da bei einer
Berlin, 21. März. DaS ReichSpoftrnlni- fterium hat au sämtliche Postanstalten folgende Verfügung ergehen lassen: Bon der belgischen Stadt D i na n t wird an Empfänger in Deutschland, namentlich an Bürgermeister, unter Streis- band die Druckschrift „Das Märchen von den Franttireurs von Dinant" versandt, die an zahlreichen Stelle« schwere Beleidigungen und
Berlin den deutschen Finanzkreisen, mtt dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler und Wirtschaftsminister Bericht über die Forderungen der Alliierten erstatten wird, wie sie sich auS den vertraulichen Besprechungen heraus kristallisiert haben. Ein Statt will wissen, daß Owen Young auf Dr. Schacht eine« ff offen Druck ausgeübt habe, um ihn vor seiner Abreise nach Berlin wenigstens zur präzisen Annahme der Konserenzvorschläge zu veran- taffen. Dieser Druck habe aber bisher keinen Erfolg gehabt und Owen Young versuche nunmehr, die Gläubigerstaaten zur Ermäßigung ihrer Forderungen zu bringen. Vor allem fän- den die sranzösischen Forderungen keineGnadevor seinen Augen. Das Journal spricht Owen Young das Recht zu einer Schiedsrichterrolle ab, denn die Bereinigten Staaten beanspruchten rund die Hälfte der deutschen Zahlungen für sich und wollten nicht einen Heller ablassen. Man könne nicht gleichzeitig Richter und Partei sein.
Kronprinzenpaar die Hochzeitsreise nach dem Süden an.
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Hoffest und Riefenbran-
Hochzeitsjubel in Norwegens Theater.
Nebenan brennt das Warenhaus nieder.
Oslo, 21. März. (Funkspruch.) Die gestrige Festvorstellung im Nationaltheater war eine große Huldigung für das Brautpaar. In das vorn Direktor ausgebrachte Hoch auf das Braut- paar stimmte das Publttmn begeistert ein, das die schwedische und norwegische Nationalhymne anstimmte. Im ersten Zwischenakt fand ein Fürstenempfang statt. Inzwischen geriet das nur wenige Minuten entfernte Warenhaus Steen und Ström,
Norwegens größtes Warenhaus, in Brand. Mauer auf Mauer stürzte ein, wobei auch einige Personen verletzt wurden. Todesopfer wurden bisher nicht bekannt. Im Theater selbst war das Gerücht von dem Brand nur langsam durchgesickert. Die Fürstlichkeiten erfuhren die Tatsache erst a m S ch l u ß der Vorstellung. Um 10 Uhr abends konnte die Feuerwehr des Elementes Herr werden.
Schmähungen des deutsche« Heeres, insbeson- drre der sächsische« Truppen, enthält. Da der mit der Versendung der Druckschrift erstrebte
Zweck alS gegen das öffentliche Wohl gerichtet anzusehen ist, sind solche Drucksachen von der Postdcförderung auszuschließen und alS u n z u- stellbare, wertlose Drucksachen gemäß Par. 47/3 der Postordnung zu '«handeln.
Person, die sich aber immer noch in Freiheit be- findet, Glaspulver gefunden wurde.
Druffchenlreue in Suptn-Dttalmedo
Eupen, 21 März. (Eigener Drahtberichi.) Beim GründungSjubiläum des SriegSttllneh- merverbandes wandte sich der flämische Krieas- ttilnehmer Dr. de Pilleeijn in sehr scharfen Worten gegen dir KrirgSpolitik gewiffrr Gene- ralffübe. «18 Flame und als Freund einer eu. rovSffchen Verständigung habe er volles Verständnis kür de« Kampf der Eupen Malmedy er. Herr Paul aus Eupen betonte, daß die En pener, nachdem sie von Deutschland, ihrem Ba- trrlande. getrennt seien, unter die Herrschaft eines MilitärstaateS gekommen feie«, und daß,
wenn sie bei Deutschland geblieben wären, ihre Söhne nicht Soldaten zu werde« brauchten. Umsomehr Ursache hätten sie, sich znfam- menzuschließen im Kampfe gegen einen neuen drohende« Krieg.
vreußens Richter gegen Dllfterberg
Berlin, 21. März. Der preußischer Richter- verein beschäftigte sich gestern mit der bekannten ablehnenden Stellungnahme des Vorstandes deS Richtervereins zu den Beschlüssen des Gerichts in Prenzlau im Falle Düsterberg. Nach eingehender Aussprache hat die von mehreren hundert Mitgliedern besuchte Versammlung das Verfahren der BerelnSleitung mit weitaus überwiegender Mehrheit gebilligt.
Warschau Fach f
Deutschlands unversöhnlichster Gegner.
Von Irre he«r von Lersner (Präsident der deutschen Friedensdelegation von Versailles.)
Der gestern am Gehirnschlag verschiedene Marschall Fach wurde 1851 in den Pyrenäen als Sohn eines kleinen Beamten geboren und machte bereits den Krieg von 1870/71 als Freiwilliger mit. Schon früh widmete er sich kriegs- wissenschaftlichen Studien und kam bereits in jungen Jahren in den Generalstab. 1903 war. er Ches des Generalstabs des V. Armeekorps, 1908 Direktor der Kriegsakademie. Seine kriegs- wissenschaftlichen Bücher hatten ihm einen großen Rus verschafft, und 1913 wurde Foch Kommandierender General. Im Weltkriege zeichneten sich Foch und fein Nancy'er Armeekorps bei den Rückzügen an der Marne und an der Yser so aus, daß er den Oberbefehl über den ganzen Nords lüge! der französischen Front erhielt. 1917 übernahm General Pötain den Oberbefehl und fein Nachfolger als Ehef des Generalstabes wurde Foch Er leitete jetzt sowohl die Operationen des Feldheeres, als auch die militärpolitischen Verhandlungen mit den Alliierten. So gelang es ihm, die geschlagene Italienische Armee zum Ausharren zu bewegen. Ebenso hat Foch an dem Standhalten der französischen Armee bei unserem großen Angriff im März 1918 auf Amiens den Löwenanteil gehabt Seiner Kaltblütigkeit, Umsicht und Energie dürfte es zu danken sein, daß unser Durchbruchsversuch mißlang. Etwa vierzehn Tage später wurde Foch zum Oberbefehlshaber aller verbündeter Entente-Armeen ernannt. Foch sing unsere letzten drei großen Offensiven auf, zu denen wir unsere letzten Soldaten und letzten Kriegsmaterialien aufgebracht hatten. Mit klarem strategischen Blick. hatte Foch die entscheidende Stunde im Weltkriege erkannt. Am 15. Juli 1918 sagte mir General Ludendorf in Avesnes: „Wenn wir die heutige große Schlacht gewinnen, werden wir den Krieg gewinnen!" Am gleichen Tage, zur gleichen Stunde sagte Marschall Foch: „Wenn wir die heutige große Schlacht gewinnen, werden wir den Krieg ge- winnen!" — Und wir verloren Schlacht und Weltkrieg.
Von nun an drängten die zahlenmäßig und an Kriegsmaterial uns ungeheuer Überlegenen alliierten Armeen Fochs uns ständig weiter zurück. Der Marschall trieb mit unermüdlicher Energie und großer Geschicklichkeit seine Truppen vorwärts, die er stets an den strategisch wichtigsten Stellen mit großer Uebermacht einzusetzen verstand. Die militärische Katastrophe auf dem Balkan, die furchtbaren Ernährungs'- erbältnifle und die hoffnungslose tnnerpoli- tifche Lage der Mittelmächte kamen ihm im entscheidenden Augenblick zu Hilfe: Ludendorss bat um Waffenstillstand Trotzdem machte Foch nicht Halt, sondern drängte ständig auf unsere langsam zurückgebenden Truppen ein Er hielt eiserne Manneszucht, während bei uns die Disziplin sich leider stark lockerte. Am 8. November 1918 trafen tn der Nähe von Rtthondes im Compisgner Walde die deutschen Waffenstillstandsunterhändler unter ErzbergerS Führung ein. Foch empfing sie im Speisewagen seines Sonderzuges: „Was wünschen Sie?" „Wir sind zu Waffenstillstands-Verhandlungen hierher gekommen" antwortete Erzberger. ,Hch bin zur Führung von Verhandlungen nicht bevollmächtigt." Gleichzeitig wandte Marschall Foch sich nm und wollte den Wagen verlassen. Erzberger hielt ihn auf. Erst nach längerem Reden und neuen Demütigun- 'en erklärte der Marschall hochfahrend: „Bon Waffenstillstandsverhandlungen ist keine Rede. Ich diktiere die Bedingungen für einen Waffenstillstand." Was folgte, braucht nicht erwähnt zu werden: Revolution in Deutschland, Annahme deS Waffenstillstandsdiktats, Rückzug des deutschen Heeres, Demobilisierung unserer Armee, Versailles Wte Marschall Foch sich im Walde von CompiSgne gezeigt hatte, so ist et stets geblieben: Der kalte, un er bitt« liche Sieger, von dem BrennuS — bet Schöpfer deS „Vaec victiS!" — noch viel hätte lernen können!
Am 7. Mal 1919 saßen u«S In Versailles die Leiter und Staatsmänner der siebenundzwanzig gegen unS Krieg führenden Länder gegenüber Alles hohe Zivilstaatsbeamte. Unter ihnen nur ein einziger Soldat, Marschall Foch. Dieser Tag, an dem uns die Friedensbedln^