schäfts stelle abaeholt 2.— Jt. Durch ... ____________
bübr. Rückzahlunge» des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungS- mätziger Lieferung tft ausgeschlossen. Für unverlangt eingesanbte Beiträge kann die Redaktion eint Verantwortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Schriftleimng. Verlag und Druckerei: »affet Schlachthofstratze Nr. 28180. Fernsprecher 951. 952. 8317.
.dieuesten Na-brichten erscheinen wSchentlich sechsmal nachmittags. Der Abon. uementspreis betragt Mr den, Monat 2.20 Jt bei freier Zustellung inS Haus, in der ®e- urch die Poü monatlich 2.2(1 Ji ausichlichltch Zustellungsge-
Kasseler NeUste Nachrichtea
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Anzeigenpreise: Einheimische GeschäktSanzeigen die ww-Zrile 10 A, auswärtig« Geschäfts» anzeigen die wm-Zeile 10 A Famili enanzeigen die mm«3eiU 10 A. Kleine Anzeigen aus Kassel dae Wort 6 A. auswärtige Kleine Anzeigen die mm-3etle 10 A. Reklamen di« mw.Zeile 88 A. Otterrgebiihr 25 A «bei Zustellung 85 J). Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen zahlbar. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aukgegebenen Anzeigen sowie für Ausnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werben Für Anzeigen mtt besonders schwierigem Latz 100 Prozent Aufschlag. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 6880.
Rümmer 6g Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
Donnerstag- 21. März 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
19. Jahrgang
Gespannte Lage in China
Hochzeitsbilder aus Norwegens Königshaus — Glücklicher Verlauf des Sä -polabenteuers
Es kriselt wieder in Nanking
AuslSnderflucht aus der Hauptstadt. — Englands Kreuzer unter Dampf.
London, 20. März. Rach Berichten aus Nanking ist die Lage dort sehr gespannt. Viele ausländische Frauen und Kinder treffen täglich von Nanking kommend in Schanghai ein. Bon amtlicher Seite wurde ihnen nahegelegt, Nanking sofort zu verlassen. Ein engli- scher Kreuzer ist auf dem Weg «ach Nanking. Zwei weitere Kanonenboote find alarmiert.
Paris, 20. März. Aus Nanking und Hankau wird berichtet, daß trotz der friedfertigen Versicherungen der verschiedenen Parteien die Möglichkeit eines Konfliktes zunehme. Beiderseits würden Truppen zusammengezogen. Das Gerücht sei verbreitet, daß Tschiungkaischek einen Gewaltstreich vorbereite, um die einflußreichsten seiner Gegner auszuschalten.
*
Fast will es scheinen, daß die Krists, in deren Zeichen die Kuomintangpartei in Nanking zu ihrem dritten Parteikongretz zusammentrat, ans Lebensmark der Partei und damit der neuen Regierung, also des neuen China überhaupt, greift. Man hoffte noch immer, datz im Verlauf des Kongresses die bestehenden Differenzen durch Verhandlungen im Geiste Sun Yat-sens, des großen Schöpfers der Kuomin- tana. beigelegt werden würden. Diese Hoffnung mutz letzt als begraben gelten. Es bleibt nur mehr die Mternative, datz entweder die Nanking-Regierung, d. h. der gemäßigte Flügel der Partei unter Tschiang-Kat-shek sich nunmehr mit Gewalt gegen die revoltierenden Parteimitglieder des linken Flügels durchsetzt, oder daß China in die Verwirrungen eines neuen Bürgerkrieges zurückfällt. Es steht fest, datz rund 80 Prozent der Delegierten zur Kuomintang-Konferenz lediglich als Beauftragte der Nanking-Regierung zu gelten haben, während der gesamte linke Flügel entweder keine Delegierten entsandt hat oder zusehen mußte, wie seine Delegierten zurückgewiesen wurden. Sie haben darauf in einem Manifest gegen die Regierung Front gemacht, da die Mäßigung gegenüber dem Imperialismus der Mächte einem Verrat der neu errungenen Freiheit Chinas gleichkomme. „Es liegt eine tragische Ironie darin — so sagt das Manifest —, datz unsere Leiter sich der gleichen Methoden bedienen, um den Willen des Volkes zu unterdrücken, wie seinerzeit die Militaristen des Nordens und datz ste sich dabei hinter dem Vorwand verstecken, den Staat vor dem Kommunismus retten zu wollend
Es ist klar — und die gespannte Aufmerksamkeit, mit der die russische Presse diesen Entwicklungen folgt, beweist es —, datz hier durch neue Kanäle Moskauer Gei st in die Kuomintang eingeströmt ist und man tut gut, sich keinen Illusionen über die Unversöhnlichkeit dieses Geistes mit dem der Nankinger Regierung hinzugeben. Es bleibt praktisch also nur die Frage nach den Chancen der Nanking- Regierung bei dem etwaigen Versuch, sich den linksorientterten Strömungen in der Partei gegenüber durchzusetzen. Diese Cbancen sind sehr fragwürdig. Tschiang-Kaishek ver- fügt über etwa 240 000 Mann; die Truppen aller anderen Generäle sind mindestens nicht mit Sicherheit für die Nanking-Regierung zu rechnen. Zweifelsfrei als Gegner hätte Tschiang Kai-shek im entscheidenden Falle 230 000 Mann Li Tschung-jens in Hankau-Wuhan zu betrachten. Angeblich soll auch der einstige „Musterge- nerap Yen Shi-shan sich mit seinen 200 000 Mann gegen die Nanking-Regierung erklärt haben. Keinesfalls für Tschiang Kai-shek, wahr- scheinlich abwartend stände der bekannte „christliche" General Feng Yu-Hsiang, der bezeichnen- derweise soeben von seinem Posten als Kriegs- Minister zurücktrat, mit rund 200 000 ausgezeichnet disziplinierten Soldaten in den nordwestlichen Provinzen. Die mandschurische Ar- tnee mit 200 000 Man unter dem Sohn Tschang Tso-lins würde unmittelbar für die Entscheidung nicht in Betracht kommen, doch ist noch mit zerstreuten Gruppen von rund 500 000 Mann zu rechnen, die ihre Stellungnahme je nach der Konjunktur einrichien würden.
Die Nanking-Regierung ist also in einer nicht beneidenswerten Lage. Versucht sie, sich mit dem linken Flügel zu versöbnen, so öffnet sie der kommuni st ifchen Agitation Tür und Tor und beschwört damit neue Zwischenfälle mit den Mächten herauf. Nimmt sie um der Sicherung des bisher Geschaffenen willen etwa
die Unterstützung der Fremdmächte in Anspruch, so würde die kommunistische Agitation diese Haltung wiederum — und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach mit großem Erfolg — zu neuen Versuchen, die Nanking-Regierung in Mißkredit zu bringen, benutzen.
Asgyanenkrteg an der Grenze Indiens
London, 20. März. Nach Meldungen von der indischen Grenze ist eS zwischen zwei Stämmen an der afghanischen Grenze erneut zu Feindseligkeiten gekommen. Die indische Regierung ist darüber besorgt, da diese Stämme rege Beziehungen zu Stämmen in Indien unterhalten. Indisches Gebiet ist jedoch noch nicht betroffen.
Material für Paris
Die Wirtschaftslage schlecht. — Der Amerikaner beobachtet scharf.
Washington, 20. März. In dem jetzt ganz bekannt werdenden Bericht des Berliner amerikanischen Handelsattachees Allport heißt es u. a.: Die Depression in der Geschäftslage äußere sich u. a. in einer Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Bankerotte, in der Nich'/mhaltung finanzieller Verpslichtunx-'» in der Verringerung des Güterwagenverkehrs und des Zurückgehens des Umsatzes im Handel mit Anlagepapieren. Die Arbeitslosenzahl werde auf 1300 000 geschätzt. Sie seit z. T. durch das Frostwetter verursacht. Die Reichsbanklage sei etwas weniger günstig. Trotz der ungünstigen Geschäftstendenz hätten gewisse Industriezweige befriedigendes Betriebsniveau beibehaltcn, besonders die chemische, elektrische, Papier- und Eisenindustrie.
erbitterter Widerstand Schachts
Paris, 20. März. (Eig. Drahtbericht.) Ein Blatt wiederholt die von deutscher Seite immer wieder zurückgewiesene Behauptung, datz die Teilung der deutschen Zahlungen in zwei Kategorien angenommen sei. Gegen die erste Kategorie. Die Deutschen kämpften Schritt um Schritt, wobei sie jetzt' nicht mehr auf ihre Zahlungsjähigkelt Hinweisen, da ibnen die neue Bank in dieser Hinsicht Beruhigung gebe, sondern indem sie die Ansprüche ihrer Gläubiger bestritten. In wenigen Tagen dürste Owen Young selbst einen Vorschlag machen.
<8in erfolg für Englands Konservative
London, 20. März. Bei einer Nachwahl trug der konservative Kandidat H. M o n d, ein Sohn des Lord Molchett, den Sieg davon. Auf ihn entfallen 9692 Stimmen (6139 bei der früheren Wahl). Auf den Kandidaten der Arbeiterpartei 6593 (6620) und auf den Liberalen 6206 (4163) Stimmen.
Uniform nach -em Abfchie- Richtlinien des Reichspräsidenten.
Brelin, 20. März. (Durch Funkspruch.) Der Reichspräsident verfügt: Der Zweck der Uniform und die überparteiliche Stellung sowie das An- sehen der Reichswehr erfordern, datz für die verabschiedeten Reichswehrangehörigen die Ausübung des ihnen auf Widerruf gewährten Rechtes zum Tragen der Reichswehr-Uniform an bestimmte Bedingungen geknüpft wird. Daher wird bestimmt: 1. Die beim Ausscheiden verliehene Uniforum darf nicht getragen werden a) in der Ausübung eines neuen Berufs, einschlietzlich des Vorbereitungsdienstes (gleichviel ob Staatsdienst oder sonstige Berufe, b) bei allen Veranstaltungen, an denen die Reichswehr nicht teilnehrnen darf. Auskünfte geben die Standort-KornmandoS. Im Uebrigen unterliegt die Ausführung des Tragens einer Uniform keinen Beschränkungen, sofern nicht das Ansehen des Soldatenstandes, das Tragen von selbst verbietet.
©ilferblng zwischen den varteien
Berlin, 20. März. Reichsfinanzminister Dr. Hilserding hat gestern seine Fühlungnahme mit den Parteien fortgesetzt. Mit Dr. Cremer (Vp.) hatte er eine eingehende Aussprache über die bei einzelnen Etatsposten eventuell noch vor z «nehmenden Streichungen. Der Minister will bekanntlich unter den Parteien eine Einigung über die im Etat möglichen Streichungen erzielen.
Kein Ausweg in Paris?
Frankreichs Milliardengier gefährdet die Konferenz. — Für Schacht unannehmbar.
London, 20. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die Blätter melden aus Paris, es sei nicht ausgeschlossen,daß die ganze Arbeit des Ausschusses durch die Meinungsverschiedenheiten gefährdet werden würde. Es ist wahr, datz die geplante Denkschrift für Deutschland wertvolle Sicherungen bietet und datz Grotzbritannien und die Vereinigten Staaten keine Vereinbarung dulden werden, die einen Zusammenbruch des deutschen Kredits mit sich bringen könnte. Aber es sind Forderungen von anderer Seite möglich, deren Annahme für Deutschland sehr schwierig sein würde. Die bisher von den deutschen Delegierten genannten Zahlen haben geschwankt zwischen einer Gesamtsumme, die offenbar unannehmbar für die Alliierten ist und- einer Summe, die sich mehr dem nähert, was zum mindesten die britische Regierung für ein vernünftiges Angebot halten würde. Aber es sind Anzeichen für eine
Versteifung in der französischen Haltung bemerkbar. Man glaubt, datz Moreau, Owen D. Young eine Mindestsumme genannt hat, unter die Frankreich nicht gehen könne, die eine viel größere Zahlung seitens Deutschlands erfordern würde, als irgend eine Summe, die bisher die deutsche Delegation ins Auge zu füj» fen geneigt schien. Der Korrespondent sagt: Frankreich würde durch einen Fehlschlag der Verhandlungen und durch eine Rückkehr zum Dawesplan weniger zu verlieren haben, als irgend ein anderes Land, wenn auch alle Alliierten es sich leisten können, sich mit einem solchen Ergebnis abzufinden. Die deutsch-französische Meinungsverschiedenheit sei zur Zeit die heikelste Seite der Verhandlungen. Andererseits würde ein Fehlschlag sicher derartig ernste Rückwirkungen nicht nur in Deutschland ausüben, datz Grund zu der Hoffnung besteht, datz die Nationen in ihrem eigenen Interesse eine Regelung zustande bringen werde. Einem
anderen Pariser Korresponden zufolge nannte Moreau als Summe, die Frankreich von der Mobilisierung der deutschen Schuld erwarte, zehn Milliarden Mark. Grotzbritannien soll vier Milliarden und Belgien drei Milliarden Mark erwarten. Grotzbritannien erwartet auch Rückzahlungen a conto der früher von ihm an Amerika gezahlten Kriegsschulden. Die Gesamt- summe der vorgebrachten Ansprüche würde eine deutsche
Jahreszahlung bis zu IV» Milliarden Mark erfordern. Es bestehen Anzeichen, daß Deutschland es ablehnen wird, einer derartigen Summe zuzustimmen.
* * *
Eine aufgezwungene Nolle
Die Lösung nicht nach Amerikas Geschmack.
London, 20. März. (Eig. Drahtbertcht.)' Ein Pariser Korrespondent betätigt: Die offiziösen Besprechungen über die Reparationssumme und Dr. Schockt hat auch der Pariser Gouverneur Moreau mit OwenYoung verhandelt. Der Newyorker Korrespondent meint, daß der Sachverständigenplan wenig nach dem Geschmack der amtlichen Stellen, in W a- shingwn sein wird. Es heißt, daß die amerikanische Regierung in dem Plan einen Versuch erblickt, die Alliierten aus dem „Rev ra- tionsgemälde* zu entfernen, so weit nicht er Empfang der Entschädigung für die zerstörten Gebiete in Betracht kommt, und dafür die Vereinigten Staaten als einzigen und wirklichen Nutznießer der Reparationen ins Licht rücken. Dadurch würde der Eindruck entstehen, daß, abgesehen von den Zer« störunqsunkosten die ganzen Reparationsgelder »Onkel Shylock* zugute kommen. Dies würde die Vereinigten Staaten immer unpopulärer int Auslande machen und es heißt, daß Washington niemals zustimmen könne.
Lichtwunder des Nordens
Der Hochzeitsball in Norwegens Königsschlotz.
Oslo, 20. März. (Durch Funkspruch.) Zum gestrigen Hochzeitsempfang auf dem Schloß waren etwa sechshundert Personen geladen. Bei der Festbeleuchtung war das Nationaltheater durch Scheinwerfer in ein Lichtmeer getaucht. An den Bäumen des Studentenwäldchens waren rote, gelbe und grüne Lämpchen angebracht. Auch die Privathäuser waren teilweise illuminiert. Am phantastischsten war aber der Anblick der großen Eis-Obelisken. Von innen erleuchtet, strömten sie einen sonderbaren Nordlichtschein aus, eine Beleuchtung, die Oslo noch niemals zu sehen Gelegenheit gehabt hat und die große Begeisterung herSvr- tief. Unter den geladenen Gästen waren viele Freunde des Kronprinzen, Vertreter der Regierung, des diplomatischen Korps usw. Der Ball dauerte bis 2 Uhr morgens. Vor dem Schloß hatten sich Tausende angesammelt, die Hochrufe auf das Brautpaar ausbrachten, daS zum
Schluß auf den Balkon trat und von der Menge begeistert begrüßt wurde.
Oslo, 20. März. (Durch Funkspruch.) Heute vormittag trafen Kronprinz und Kronprinzessin sowie andere schwedische Prinzen hier ein. Das Königspaar von Norwegen, sowie der Kronprinz empfingen sie am Bahnhof. Den Zug zum Schloß eröffnete ein Auto mit dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden, sowie dem norwegischen Königs« paar, während die übrigen Gäste in zwei anderen Autos folgten. Allgemeines Erstaunen erregt, datz der König von Dänemark nicht selbst an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilnimmt, daß er sich vielmehr durch den Prinzen Waldemar vertreten ließ. Sein Nichterscheinen wird durch Berhindertsein begründet. In Wirklichkeit soll es sich um Fragen der Etikette handeln. Heute abend findet im Nationaltheater eine Festvorstellung mit Björnsons „Geographie und Siebe* statt.
Das Südpoldrama beendet
Byrd hat die Vermißten aufgefunden. —* Ueberstandene Sorgen und Röte
Rewyork, 20 März. Der Südpolforscher Bvrd erreichte seine vermißten fünf Gefährten, worauf Balches und June zurückfolgen, während Byrd, Gould und Hanson zurückblieben. Das Flugzeug Balches ist durch den Sturm völlig unbrauchbar geworden. Byrd, Gould und Hanson sollen später von einem Hilssflugzeng abgeholt werden.
Heute morgen war noch folgende Unglückskunde eingelaufen:
Mailand, 20. März. (Eigener Drahtbericht.) Tie Polarexpedition Bvrd in der Walstschbay ist nunmehr feit fünf Tagen ohne jede Nach-
richt von der Gruppe Gould, die zu geologische« Forschungen einen Flug in das Rockefeller Land unternommen hatte, und dort am 9. März glatt gelandet war. Bis 14 März war die Gruppe in ständiger Funkverbindung mit Byrd. Sie war gut ausgerüstet und verfügt über Lebens- mittel für zwei Monate. Gould hatte nach feinen Funksprüchen die geologischen Erhebungen beendet und bereitete sich zum Rückfluge vor. Byrd hatte zur größten Vorsicht beim Rückflug wegen der Schneestürme gemahnt. Nutzer den Nachforschungen Byrds mittels Flugzeug, wird eine Hunde« schlittenexpeditton die Vermißten suchen.