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Hessische Abendzeitung
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Mittwoch, 13. März 1929
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England gegen Sachlieserungen
Abstimmrrngswirrwarr» im Polenparlament — Severing - Offensive gegen die Zensur
Langsam voran
Pläne zur Neugliederung des Reichs.
Front gegen die Zensur
Ei« Diktatur-Krach
Die Studenten ärgern Primo de Rivera.
Severing wird fie niemals durchlaffen. — Bekannte Dichter schließen fich an.
t-
würde, die es aus Störungen
fahr, daß der dem
Noch immer auf dem alten Stand
Stresemann«
Zurückzahlung der Schulden plus Rückerstat« Staatssekretär Dr. von Schubert hatte schon vor» tung der Wiederaufbaukosten. England sei für her die Rückreise nach Berlin angetreten. Stre-
Abschied von Senf
Reichsmintster Dr. ©tiefe»
weil seine Interessen sich auf die Liquidierung der Schulden beschränkten. Deutschkand, das
Schließung des Preu________ _
sonnene Akt der Gesetzgebung verwirklich! werden könnte, ist jetzt und für absehbar» Zeit Klangvolle Dichternamen im Kampfausschuß, nicht groß, denn die Wiedereinführung der
semann hatte vorher noch eine länger« Unterredung mit ReichsarbeitSmintster Dr. Wissel
bunden sind. Auf keiner Seite scheint ein grundsätzlicher Widerspruch gegen die Einrichtung einer Reparationsbank erhoben zu werden. Die Meinungsverschiedenheiten drehen
den gemischten Organismus, dessen Funktion auf die Reparationszahlungen begrenzt fei,
von den Sachverständigen beauftragt, zu erörtern, ob die Zentralbank über den Rahmen einer Treuhänderorganisation, die die Repa- rationszahlungeü in Empfang nehmen und verteilen soll, hinaus weitere Befugnisse erhalten soll. Ein Blatt will daraus schließen, daß man heute noch weniger als am Sonnabend daran denke, auf das Zurückgreifen auf diesen begrenzten Organismus zu verzichten.
sich nur um die Aufgaben und die Befugnisse der Bank. Denn besonders in Frankreich und
und wurde auch von dem Präsidenten der Genfer Kantonsregierung Boiflonas besucht.
Berlin, 12. März. (Eigener Informationsdienst.) Reichsbankprästdent Dr. Schacht wird sich in Berlin, wie wir hören, über die Auffassung der leitenden Männer unterrichten. Bestimmte Aufträge der Reichsregierung wird Dr. Schacht jedoch von hier nicht wieder mit nach Paris nehmen, da die Sachverständigen unabhängig und an keine Instruktionen ge-
gefährlichen neuen Konkurrenten, und die eng» lische Industrie befürchtet eine Ueber- schwemmung des Weltmarktes durch die von der Bank finanzierten Sachlieferungen. Der englische Schatzkanzler Churchill hingegen nimmt für sich geradezu die Vaterschaft des Gedankens in Anspruch. Infolgedessen geht das Gerücht, daß er an der Riviera mit Dr. Stresemann zusammentref- s e n werde, um gemeinsam die Schwierigkeiten zu beseiftgen. An hiesiger zuständiger Stelle ist jedoch darüber nichts bekannt.
Zensur würde einer Aendernng der Reichsverfassung
bedingen und die dazu erforderliche qualifizierte Mehrheit wird sich menschlichem Ermessen nach nicht finden, aber es gilt den Geist oder den Ungeist zu bekämpfen, aus dem solche Forderungen geboren werden (Beifall). Severing versicherte, daß ein Zensurgesetz ergehen werde, solange er im Amte sei. Er verlas dann ein längeres Schreiben Gerh. Hauptmanns, der sich gleichfalls gegen jede Zensur und gegen jede Knebelung der Geifiesfreiheit ausspricht. Sodann sprachen gegen die Zensur der Dichter Fritz von Unruh, Minister a. D. Dr. Wolfgang Heine, dessen Ausführungen die Kommunisten heftig toi» versprachen. Reichskunsttoart Dr. R e d s l o b und Heinrich Mann. Zum Schluß verlas Dr. Ludwig Fulda eine Entschließung, in der der Kampfausschuß gegen Zensur jede kulturwidrige Abficht, die freie Entwicklung der Künste und des Geistes durch Wiedereinführung eines auch nur verschleierten ZensnrsqstemS zu hemmen, ablehnt und fich in Permanenz erklärt.
ten. Er habe Bedenken gegen die Annahme des Vorsitzes gehabt. Aber ich bin, meinte Severing, nicht nur Minister, sondern auch Staatsbürger und es handelt sich nicht nur um den politischen Kampf gegen einen Akt der Gesetzgebung, sondern um einen geistigen Kampf, den jeder in seinem persönlichen Gesellschaftskreis führen sollte. Die Ge- " " ' Reichstag durch eine Ent. itzischen Landtages ange-
Folgende Stellungen seien eingenommen worden: Frankreich und Belgien unterstützen den amerikanischen Plan einer Bank für internationale Zahlungen, um hohe möglich^ gut garantierte Zcchlungen zu erhalten. Frankreich besteht auf Poincarös Forderungen: Fristlose
Berlin, 12. März. Bei einer Kundgebung der im Kampfausschuß gegen Zensur vereinigten 18 kulturellen Verbände betonte Reichsminister Severing einleitend, »daß die Manifestation schon vor dem Verbot des Lampelschen Stückes .Giftgas über Berlin" geplant gewesen sei. Bei einsetzenden Gegenkundgebungen erklärte er, daß er auf Grund des Hausrechtes gegen diejenigen vorgehen
Genf, 12. März. . _____ .
mann reiste gestern abend nach San Remo ab. Zahlreiche deutsche Studenten hatten sich einge- funden, ferner Pressevertreter Diplomaten usw.
Furcht vor der Konkurrenz
Englands Widerstand jegen Sachlieferungen.
London, 12. März. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Pariser Korrespondent umschreibt den britischen Standpunkt dahin: Großbritannien ist Sachlieferungen ungünstig gesinnt, da es auf sie zum Teil die Verminderung seines Ausfuhrhandels zurückführt. Besonders die Kohlenin- dustrie von Südwales klagt darüber, daß ihr ausländischer Markt durch Lieferungen deutscher Kohle nach Italien zerstört worden ist. Freilich ist die Kohlenindustrie nur ein einzelner Zweig der Industrie, und Großbritannien wird deshalb nicht die sonst bestehende Einigkeit zum Scheitern bringen. Freilich dürften die
Sachlieferungen nicht weiter ausgedehnt werden, da sie den normalen Handelsverkehr be- einträchttgen. Auch könne Deutschland unmöglich mit einem Schlage eine so vorteilhafte Methode aufgeben. Vielleicht würde England bereit sein ,einen gewissen Bruchteil der Reparationszahlungen in Gestalt von Sachlieferungen anzunehmen ,abcr sie wird dann auf angemessene Schutzmaßnahmen für ihre eigene Industrie bringen. 3m allgemeinen ist ihr Einwand gegen berarttge Lieferungen, daß Deutschland die Art Güter nicht liefern kann, die Großbritannien braucht und somit nur
britischen Erzeugnissen Konkurrenz machen könnte. Ein anderer Korrespondent meint, daß man in britischen Kreisen den nachteiligen Einfluß der Sachlieferungen auf die britische Industrie, als nicht so gefährlich hin- stelle. Dies werde damit begründet, daß Industrie und Handel wie Wasser sich immer von felber regulieren und daß Nachteile in der einen Richtung von Vorteilen in einer anderen ausgeglichen werden.
natürlich so wenig wie möglich zahlen wolle, lasse sich nicht beeinflussen durch die Drohungen mit Krediteinschränkungen, weil es wisse, daß die Amerikaner schon zehn Milliarden Mark in Deutschland angelegt haben und gezwungen seien, das zu berücksichtigen.
Schacht ha» in Berlin Bot
Aber keine gebundene Marschroute. — Die anderen fürchte« die Reparationsbank. Riviera-Begegnung Churchills mit Stresemann?
Der Ausschuß der Ländervertreter für die Reichsreform hat nun endlich feine Gutachten vorgelegt, wobei bas Oberhaupt Hamburgs, Petersen, nach dem Grundsatz verfahren wollte als ob es in den geographisch und wirtschaftlich zusammengehörigen Gebieten gar keine partikularistisch-politische Grenzen mehr gäbe. Ganz so einfach löst sich nun freilich die Oi- ganisationsfrage für das ganze Reich noch nicht. Der Ausschuß schafft gewissermaßen 2 verschiedene Typen der Verwaltung, einen norddeutschen und einen süddeutschen, wobei es für die Länder in Mitteldeutschland noch besonderer Regelung bedürfen wird. Der sog. „Sutberbunb" hatte bei feiner Lösung den Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland stärker herausgearbeitet. Nach ihm sollte der ganze Norden zu einem besonderen einheitlichen Reichsland zusammengefaßt werden, während die süddeutschen Länder weiter für sich beständen. Das erschien weiten Kreisen bedenklich, da man ja nicht diesen alten traditionellen Gegensatz, wie ihn die vielgenannte Main-Linie bezeichnete konservieren oder noch steigern, sondern ihn möglichst im Gegenteil milbern wollte. Man kann ihn freilich auch nicht kurzerhand durch eine mechanische Neu- einieilmig des Reiches aus der Welt schaffen. So schnell springt man über historische Entwicklungen nicht hinweg. Die Sachverständigen haben deshalb einen mittleren Weg gewählt. Sie differenzieren zwar noch zwischen Nord- und Suddeutschland, aber sie nähern dabei doch die beiderseitige Verwaltungsreform einander an. Nach dem preußischen Typus bleibt die Selbstverwaltung unter dem Landeshauptmann, aber neben ihr wird eine allgemeine abhängige Reichsver
waltung geschaffen. Die preußische Zentralinstanz wird mit der Reichsregierung vereint. So kann das bisherige preußische Verwaltungssystem erhalten bleiben, und man braucht trotz des Verschwindens einer eigenen preußischen Zentralregierung nicht von einer Zerschlagung Preußens zu sprechen, auch wenn jetzt in Norddentschland ebenfalls „Länder" gebildet werden. In Süddeutschland sollen die bisherigen Lanoesregie- rungen Träger einer Selbstverwaltung des Landes bleiben. Auf dem Wege besonderer Beauftragung weist ihnen die Reichsregierung ... „„„
°ber flÄUlfl !R.ichsaufgaben zu so V^gien befürchtet^ian, daß bi"Separation^» daß auch hier zwar eine gewisse Zweigleisig- leit der Verwaltung entsteht, aber ebenfalls D
scho'n durch die Personalunion die Einheitlich- Kontrolle über die Notenbanken der Länder b m j-mVu* i»ei’n Cbpntoparthpr^iehp2ausüben und damit deren Souveränität beein- ßischen Typus dadurch gewährleistet, daß der sln^ierade^im^KeaeMc^bewnt wird^daß^die Reichsgesetzgeber. der ja nun zugleich auch ^ra^ im Gegenteil betont wird, daß die preußische Zentralinstanz ist, die Verfassung ^eparationsbank unter der Kontrolle der preußischen „Länder" bestimmt, sodaß die der Notenbanken stehen wird. Die Bank von Zuständigkeit der preußischen „Länder" vom I England wittert anscheinend ebenfalls einen Willen des Reiches abhängig bleibt-
Ungelöst ist auch noch die Frage der „Ver- reichlichung der Justiz", gegen die ja Bayern auf dem Salzburger Juristentag schroff Stellung genommen hat. Aber vielleicht wird sich jetzt auch Bayern nicht mehr ganz so eigensinnig gegen die Reichsieform sträuben wie bis» her. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die eine finanzielle Entlastung im Reiche dringend fordern, machen sich in Bayern sogar mehr als in den meisten anderen Ländern geltend. Die Vorschläge sind nicht minder vorsichtig als die des Erneuerungsbundes um Lu. ther, um die süddeutschen Landesregierungen nichtvorden Kopf zu stoßen. Auch die letzthin bekannt gewordenen Auffassungen des hessischen Staatspräsidenten Adelung würden sich mit den Beschlüssen deS Sachverstän- digenausschusses leicht vereinbaren lassen. Hessen stellt freilich aus georgraphischen Gründen besondere Ansprüche an die territoriale Neugliederung. Und so wird man daran erinnert, daß nun alles darauf ankommt, wie die Beschlüsse der drei anderen Arbeitsausschüsse, also auch des für die Grenzregelung, ausfallen werden. Sie müssen sich mit den Vorschlägen der Organisationskommission ver- einigen lassen, wenn zuletzt au8 der Arbeit aller vier Ausschüsse ein brauchbares Gesamt- Programm für die Reichsresorm hervorgeben soll. Tie Aufgabe ist verwickelter als jemals in deutschen Notzeiten. Wer aber Deutschlands Geschichte kennt, wird sich darüber nichi wundern. Man muß schon zufrieden sein. I wenn die Aufgabe überhaupt ernsthaft und mit Aussschi auf Erfolg in Angriff genommen wird. Die Saat deutschen Einheitsstrebens acht auf. Wie und wann wird die Ernte fein? I
Paris, 12. März. (Eigene Drahtmeldung.) I Laut Presseberichten wurde der Unterausschuß
Madrid, 12. März. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Studentennnruhen auch den ganzen gestrigen Tagen anhielten, wenn auch in geringerem Umfange als am Sonnabend, da gestern namentlich Mediziner den Vorlesungen beiwohnten. In einigen Straßen vollführten sie Lärm u. versuchten eine Kundgebung vor dem Wohnsitz Primo d'e Riveras im Kriegsministrrium und vor der Privatwohnung. Sie wurden von der Polizei vertrieben, einige verletzt. Die Besucher von Vorlesungen werden geschützt, nichtbesuchte Vorlesungen werden geschlossen und die Anmeldungen der Studenten für nichtig erklärt. Die Erklärung schließt mit der Aufforderung an die Studenten zur Ruhe und Besonnenheit.
Paris, 12. März. Laut Pressenotiz hat Primo de Rivera die Führer der streikenden Studenten von der Universität zunächst ausgeschlossen und eine Verzögerung in der Examen- ablegung eintreten lassen. In den schwereren Fällen erfolgt endgültige Ausschließung von der Universität, ebenso ist die Zulassung von zu jeder Staatsstellung verboten. Achtzig Verhaftungen wurden vorgenommen.
Die Nobile - Netter» in Berlin
Aufopferungsvolle Dienste im Auftrage Moskaus.
Berlin, 12. März. Der Leiter der Kraffin- > Expedition zur Rettung Nobiles, Pros. Sa - moilowitsch und der Flieger Tschuch- nowsky, schilderten in der wegen Ueberfül- lung vorher geschlossenen Stadthalle die ungeheuren Anstrengungen, die dieses kühne Unternehmen im Auftrage der russischen Regierung bis zur Rettung der Italia-Mannschaft durch- machen mußte. Die Erkundungsflüge Tsckmch- nowskys nach den zerstreuten Gruppen wickelten sich infolge der außerordentlich ungünstigen Witterungsverhältniffe nur unter den allergrößten Schwierigkeiten ab. Samoi- lowitsch berichtete auch über die Hilsstäligkeit bei den Ausbesserungsarbeiten an dem deutschen Vergnügungsdampfer Monte Cervantes, der nur durch die Aufopferungsfreudigkett der Schiffsbesatzung unbeschädigt wieder den Heimathafen anlaüfen konnte. Interessante Lichtbilder begleiteten die Vorträge.
Roch einmal auf die Suche?
Berlin, 12. März. (Eigener Informationsdienst.) Wie Pros. Samojlowitsch, der Führer des „Krassin", mitteilt, werden die Russen in diesem Sommer wieder aus die Suche nach der Nobileschen Ballongruppe gehen, da nach ihrer Meinung noch immer eine schwache Möglich- feit besteht, daß sich die Italiener am Leben befinden. Sind doch auch vor zweihundert Fahren in das Spitzbergen Eis verschla- gene Russen nach mehr als sechs Jahren wiedergefunden worden. Die Expedition wird jedoch privater Initiative überlassen bleiben.
Verwirrte Volksvertreter
Eine Abrüstungsfchlappe für Pilsudski
Warschau, 12. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der Senat hat gestern die Abstimmungen über das Budget fortgeführt. Da das Präsidium den recht komplizierten Abstimmungsmechanismus nicht beherrschte, kam es zu einer Reihe von Zn- sallsmehrheiten, wodurch Beschlüsse im Budget- ausschuß wieder umgestoßen wurden. Die Se- natoren wußten manchmal garnicht, worüber sie gerade abstimmten. So kam es vor, daß na- menttiche Abstimmung dreimal vorgenommen werden mußte. Der Senat stellte u. a. den im Sejm um zwei Millionen verkürzten Disposi- tionsfonds des Kriegsministeriums in feiner ursprünglichen Höhe nicht wieder her, obgleich bereits der Budgetausschuß die Wiederherstellung beschlossen hatte. Im Zutammenhang mit der Rede Marschall Pilsudski im Budgetausschuß gewinnt diese Schlappe der Regierung besondere Bedeutung. Hingegen stellte der Senat den gestrichenen Dispositionsfond des Ministers des Innern wieder her.
Volen soll sich ein Beispiel nehmen
Ratibor, 12. März. Beim Abschiedsessen für den scheidenden Oberpräsidenten Proske hob dieser selbst hervor, seine wichtigste Ausgabe fei auch gewesen, die durch die Abstim- mungs- und Aufstandskämpfe in Verwirrung gratene polnischsprechende Bevölke-