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Kasseler Neueste Nachrichten

Staffelet Abendzeitung

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orinunaämäSiett gfefening ta auSgelLloyen. - PoaiLeckkonto M Summet 6380. Einzelnummer 10 A. Eenntag8nntnnter 20 A.

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Hessische Abendzeitung

Nummer 58 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Souuabeud, 9. März 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 19. Jahrgang

Genf ringt jetzt um Alitz

London-Paris als Nutznießer von Genf Lin echter Geheimpakt im Osten

Das Ergebnis

Wir lassen in Genf nicht nach.

diesmal ein richtiger Geheimpakt

Die verlorene Sache

Merikos Revolution schon am Ende?

Von

Rumänien-Polen im Kriegsfall gegen Moskau

Litauen-Offensive und Okkupation.

Dr. Paul Rohrbach.

Der Kanadier Dandurand, der mit Strese- mann Seite an Seite in Genf für die Minder- heilen focht, yt eine Persönlichkeit von aufrich­tiger und rechtlicher Gesinnung, das Gegenteil der durch und durch unwahrhaftigen Praxis, die in Genf gegen die Minderheiten geübt wird. Dort ist unter dem Einfluß Frankreichs und sei­ner Mello Franco angedeutete, dann von dem ner Mello Franco angedeutete, dann vo ndem Griechen Politis mit nackten Worten entwickelte Theorie in stillschweigender Geltung, wonach die vertraglichen Schutzbestimmungen für die Minderheiten nicht etwa den Zweck haben, diese wirklich in ihren Rechten zu verteidigen, sondern ihre allmähliche «Einschmelzung* in die größeren Nationen, in deren Staatsgebiet sie le- ben, vorzubereiten! Man kann sich keinen grö- ßeren Hohn gegen die Minderheiten und gegen hie stammverwandten Völker, zu deren Sprach- und Kulturwelt sie gehören.denken. Den siebzig Millionen Deutschen, die i«i Deutschen Reich, in Oesterreich und Danzig, den drei deutschen Staaten in Europa, leben, stehen etwa zehn Millionen Deutsche jenseits unserer «blutenden* Grenze und in der weiteren Zerstreuung im Osten und Südosten Europas gegenüber. Im ganzen leben in Europa nahezu vierzig Millio­nen Menschen unter dem Schicksal als Minder­heit. Diese allen wird nach der in Genf vor­herrschenden Stimmung ihr nationales und kulturelles Daseinsrecht abgesprochen. Einen die Rechte der Minderheiten klar bejahenden Standpunkt nehmen außer Deutschland nur we­nige Neutrale ein.

Die bisherige formale Ordnung der Dinge ist diese, daß Beschwerden einer Minderheit nicht unmittelbar durch diese selbst vor den Völ- kerbund gebracht werden dürfen, sondern nur durch Vermittlung einer Macht, die Mitglied des Völkerbundes ist und es übernimmt, die betreffende Beschwerde dem Minderheitenaus- fchuß des Völkerbundes zuzuleiten. Der Prü­fungsausschuß besteht aus drei Mitgliedern und kurz vor dem Eintritt Deutschlands in den Bund wurde bestimmt, daß kein Angehöriger einer Macht, deren Blutsverwandte eine Be­schwerde vorbringen, in dem Ausschuß sitzen dürfe. Natürlich war dies direkt gegen Deutschland gerichtet. Die bisherige Minder- heitenpolittk des Völkerbundes läßt sich dahin zusammenfassen, datz jedeBeschwerde ver­schleppt, jeder klaren Entscheidung soweit wie möglich aus dem Wege gegangen und jedes Be­streben zur Vergewaltigung einer Minderheit praktisch gedeckt wird. Die am meisten leidtra­genden Nationen neben den Deutschen sind da­bei die Ungarn und die Ukrainer.

Berlin, 8. März. (Funkdienst.) Ein Blatt meldet aus Kowno: Ein offiziöses Blatt war­tet mit Enthüllungen über einen Geheimver­trag auf, der am 1. Oktober 1928 zwischen Po­len und Rumänien als Ergänzung des be­reits 1926 abgeschlossenen Vertrages zustande kam. Der Geheimvertrag richte sich gegen Rußland und Litauen. Bei einer Ge­fahr sollen die vereinigten polnisch-rumäni­schen Streitkräfte sofort eine breite und schnelle Offensive gegen Rußland ergreifen. In dem Bertrage werde weiter darauf hingewiesen,

daß in einem Kriege zwischen Polen und Ruß­land Litauen nicht neutral bleiben könne. Falls Litauen den Kamps aufnehme, habe Polen Rumäniens Zustimmung, Litauen entwe der ganz oder teilweise zu okkupieren Weiter enthalte der Vertrag technische und strategische Einzelheiten. Dieser Geheimpakt, sei während Pilsudskis Anwesenheit in Ru­mänien unterzeichnet worden. Das Blatt will den Vertrag, über den es aus zuverlässiger Quelle orientiert sein will, noch int ganzen ver öffentlichen.

Sntriguen hinter Genfer Kulissen

Chamberlain soll den Kelloggpakt bekrittelt haben.

London, 8. März. (Eig. Drahtbericht). Einem amerikanischen Genfer Korrespondenten zufolge, soll Chamberlain einem britischen Journalisten gegenüber den Kelloggpakt als ein Washingtoner Manöver bezeichnet und ge sagt haben, dieser Pakt habe nicht den ge­ringsten Einfluß aus die Abrüstung. Der Kelloggpakt sei lediglich eine amerikani­sche Geste, die wohl nur für die Amerikaner bestimmt gewesen sei. Rur der amerikanischen Bevölkerung habe man so etwas vorsetzen kön­nen. Rach Meldungen aus Amerika lzaben diese Ausführungen das größte Aufsehen erregt, zu­mal man sie für Ernst nimmt. Chamberlain hat dann in Genf diese Ausführung b e st r i t- t e n, wenigstens will er sie nicht so getan ha­ben. Der Zweck der amerikanischen Veröffent­lichungen wird darin bestehen, erneut Zwie­tracht zwischen beiden Ländern zu säen.

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London mit Senf zufrieden

London, 8. März. (Eigener Drahtbericht.) Zur Einsetzung eines Komitees zur Prüfung der Minderheitenfrage äußert sich ein Blatt, daß hierdurch eine sehr ernste Streitmöglichkeit unter den europäischen Mächten vermieden worden sei. Die Genfer Entscheidung sei unter den gegebenen Umständen die einzig zweck­mäßige gewesen. Ein anderes Blatt weist darauf hin, daß Dr. Stresemann sich große Beschränkung auferlegt habe, als er er­klärte, daß die Völkerbund-Garantien für die Minderheiten rein kultureller Art seien.

Jetzt geht es um Ulitz

Deutsche und Polen platzen aufeinander.

Genf, 8. März. (Privattelegramm). Der $nff Ulitz mutzte von der heutigen Tages-

odnung abgesetzt und auf eine der nächsten Sitzungen verschoben werden, da die di­plomatischen Verhandlungen bishe^ noch zu feinem Ergebnis geführt haben. Die Polen behaupten, daß der Bölkerbttnd nicht in das schwebende Gerichtsverfahren Eingreifen könne. Der Gedanke der Freilaflung Ulitzs ist in den Hintergrund getreten, da Deutschland nur Garantien für einen normalen Prozeßverlauf unter Ueberwachung durch einen Völker­bunds-Kommissar fordert. Heute kommen die Beschwerden des deutschen Bolksbundes zur Verhandlung.

(Siehe auch Depeschen zweite Seite.) * * *

Paris darf sich freuen

Die Genfer Vertagung ganz im Sinne Poincares.

Paris, 8. März. (Eig. Drahtbericht.) Ein Teil der Presse stimmt der Genfer Lösung zu. Man müßte sich dieser Verständigung freuen, meint dasPetit Journal", denn es diene dem Weltfrieden nicht, die Minderheitenfrage zu dramatisieren. Das Echo de Pans äußert dagegen, man sei noch weit von einet Klärung der Frage entfernt. Man glaube weise zu handeln, indem man alle Zwischen­fälle im Verlaufe der Verhandlungen vermied, erzielt damit aber nur eine Verlänge­rung der Aussprache. DerErcelstor" schreibt die öffentliche Meinung könne sich jetzt selbst ein Urteil bilden, ob der Bölkervunv wirklich seine Ausgaben erfülle. DerPetit Parifien" glaubt zu wissen, daß das neue Dreier-Komitee sich sofort in London versam­meln werde, da Chamberlain die Arbeiten noch vor den englischen Wahlen beendet sehen möchte.

Newyork, 8. März. (Durch Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des aufständischen Gene­rals Borques, haben die Revolutionäre die Stadt Sinido südlich von Sonora an der Küste des Stillen Ozeans in Besitz genommen. Die katholischen Kirchen in Sonora zelebrierten heute zum ersten Male seit 1926 Hochämter. Trotz vereinzelter Erfolge der Aufständischen herrsche in Newnork der Eindruck, daß die Re­gierungsstreitkräfte allmählich die Oberhand gewinnen.

Nlexiko, 8. März. (Funktelegramm.) Gene­ral Jesus L o p e z, der vormalige Befehlshaber der Militärpolizei der Stadt Mexiko, wurde heute früh im Hofe des Nationalpalastes als Aufständischer erschossen, weil er versucht hatte, die im Staate Michoachan unter feinem Befehl stehenden Truppen zum Aufstand aufzu- wiegelu.

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Amerikaner beobachten die Schlacht

London, 8. März. (Eigene Drahtmeldung?) Rach Meldungen aus Mexiko ist im Norden in der Nähe von Juarez eine Schlacht zwischen Re- gierungstruppen und Aufständischen im Gange. Amerikanische Flugzeuge streifen auf amerikani­scher Sei:e über die Grenze um zu beobachten. Amerikanische schwere Artillerie und Tanks ßnd ausgestellt, um ein Uebergreifen des Kampfes aus amerikanischen Boden zu verhindern.

Widerspruchsvolle Siegesbertchte

London, 8. März. (Eigener Drahtbericht.) Meldungen von der Mexikanischen Grenze lassen erkennen, daß der amerikanische Grenz­schutz mobilisiert ist und die Lage in Mexiko nicht ganz so optimistich beurteilt wird, wie es die mexikanische Regierung tut, die von der Flucht des aufständischen Generals Eszobar spricht. Dem stehen aber Meldungen gegen- über, wonach sich der Regierungsgeneral Al­mazan dem General Eszober ergeben hat und zusammen mit ihm auf MexikoS-City vorrückt Ferner haben die Aufständischen an der West­grenze bei Mazatlan Fortschritte gemacht.

Aotetat un- Osterferien

Die Regierungsbildung rückt noch ferner.

Berlin, 8. Februar. (Eigener Informations­dienst.) Wie wir hören, muß der Notetat, den die Reichsregierung wegen der Verzögerung des Reichshaushaltes für 1929 ein^ringen mutz, auf die Zeit bis Ende Juni ausgedehnt werden, da nicht damit zu rechnen ist, daß die Reichstags- ausschüffe vor Ende Mai die Beratung des Hauptetats beendet haben werden. Deshalb ist man auch geneigt, die ReichstagS-Osterferien längere Zeit auszudehnen. Dadurch dürste sich die Notwendigkeit der Regierungsbildung wei- ter herausfchieben.

Der Antrag Dandurands und die deutsche Forderung nach Reformen in der Behandlung der Minderheiten haben vor allen Dingen den Zweck, den Minderheiten einen direkten Zugang mit ihren Beschwerden zum Völkerbund zu öff­nen, eine gründliche Behandlung des Beschwer­dematerials zu sichern und die Verschleppung und Verwässerung der Entscheidungen zu ver­hindern. Das, was das Ergebnis der zetzigen Aktion Stresemanns in Genf zum min- besten zu fordern war, ist die Einsetzung einer Kommission aus unparteiischen, sachkundigen Persönlichkeiten (nicht abgestempelten Minder- hensgegnern), mit dem Auftrag, auf der näch­sten Tagung deS Völkerbundsrates einen Be­richt mit greifbaren und bestimmten Reform­vorschlägen, nicht bloßem allgemeinem Gerede, vorzulegen. Einige Monate Arbeitszeit genü­gen dazu vollkommen, und alle deutschen und sonstigen Minderheiten könnten zufrieden fein, wenn ihnen dieselben nationalen Rechte zuge­billigt werden, wie sie die Franzosen für ihre kanadischen Volksgenossen unter dem Titel Kultus und Vergangenheit* in Anspruch neh­men. Natürlich hängt alles davon ab, wie der Arbeitsausschuß seine Mission erfaßt und welche Beschlüsse er bis zum Juni vorlegen wird. UUd wenn auch die Kompromiß- und Vertagungs- laktik diesmal wieder Triumphe gefeiert hat. die selbst Linksblättern Töne der Entrüstung ent­lockt, so wird es doch darauf ankommen, ob Deutschland sich von seiner Bahn des Minder- heitenschützerS auch nur einen Finger breit ab­drängen läßt.

Drei Opfer des Parteihaders

Messerstecherei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.

Heide (Holstein), 8. März. (Privattelegr.) In dem in Süderdilhmarschen gelegenen Orte R ö h r d e u kam es gestern abend anläßlich einer öffentlichen Nationalsozialisten-Bersamm- lung zu einem Zusammenstoß mit Kommuni- sten. Letztere, die sich in großer lleberzahl be- anden, griffen die Nationalsozialisten an und es entwickelte sich eine heftige Schlägerei, in deren Verlauf zwei Nationalsozialisten durch Stiche getötet wurden. Auch em Kommunist

blieb tot auf dem Platze. Außerdem wurden sieben Verletzte, darunter ei« Schwerverletzter, ins Krankenhaus gebracht. Tie Versammlung war verboten, weil es schon vor einigen Tagen bei einer nationalsozialistischen Versammlung zu einem Zusammenstoß mit Kommunisten ge­kommen war, bei dem auch mehrere Personen verletzt worden waren. Das Versammlungs­lokal war polizeilich gesperrt, sodaß die Teil­nehmer auf der Straße aneinander gerieten.

Ein KriegsgreuelmSrchen stirbt

Der Bluff mit den deutfchen Pestbomben.

London, 8. März. In einer Zuschrift an den Daily Telegraph wird energisch gegen daS törichte Lügenmärchen des englischen Profes- orS Berkely Moynihan Stellung genommen, der behauptete, daß die von den Deutschen im Weltkrieg verwendeten Bomben Pestbazillen enthalten Hütten. Es wird nachgewiesen, daß

eine Bombe beim Platzen eine Temperatur von mindestens 4000 Grad entwickelt , während die Bazillen bei 150 Grad schadlos würden. Diese Feststellung ist umfo bemerkenswerter, als dem englischen Kriegsminister bei seiner Erklärung im Unterhaus, die sich weder für noch gegen daS Märchen auSsprach, diese Tat­sache noch nicht bekannt war.

Im Osten wieder Giszeit

Züge im Schnee und bittere Kälte.

Warschau. 7. März. (®tg. Drahtbericht). In ganz Polen ist wieder hoher Schnee ae- faücn. Der Zugverkehr erleidet auf allen Strecken große Verspätungen. Auf manche« Strecken können die Züge überhaupt nicht verkehren. In Wilna herrschte gestern wieder eine Kälte von 20 Grad. Man befürchtet, daß wieder eine neue Kältewelle auftreten werde.

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.Steel verschollene Schneefchuvlckufer

Greifenberg, 8. März. (Privatmeldung.) Seck mehreren Tage« werden zwei Schnee­schuhläufer aus Böhmen vermißt, die eine Tour ins Riesengebirge uniernomen hatten. Alle Bemühungen, auch nur eine Svur von den Bermitzlen zu entdecken, waren vergeblich.

Bestechungsanklage gegen Neumann

Berlin, 8. März. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Reichsbahndirektor Wilhelm Neumann nach elfmonntiger Untersu­chungshaft Anzeige wegen Bestechung erhoben Reumann hat ». a. von dem Inhaber der Firma Kämpfer in Glißmerode bei Braun- 'chweig, mit der er für die Reichsbahn erheb­liche Abschlüsse getätigt hat, eine Willa in Reubabelsderg zu besonders günstigen Bedin- gungcn erworben.