Meier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Mittwoch, 6. März 1929
Nummer 55 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.
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Ernste Gegensätze in Gens
Dar «-gi-rnngrschicksal im Reich. - Verhaftung der Berliner Linbrechergespenster
Zer starke Storni
' Wie mau rechts die Regierung ftabilifieren will.
Berlin, 5. März. (Durch Funkspruch.) Ein Mreudes Blatt regt jetzt an, daß der ReichS- präiiüent am 13. März ei» Kabinett der Persönlichkeiten hinter einem bewährten und starken Führer berufen soll, der allerdings teu nessalls den extremen Parieien von rechts oder links angehören dürfe. Diesem Kabinett wären fest umriffene programmatische Ausga. den zu netten und es müßte mit der Auslo- sungö-Ordre in der Tasche den Reichsstaaten ein Ermächtigungsgesetz abvcrlangen, um die dringlichsten Ausgaben zu lösen. Dazu ist zu bemerken, daß die D. A. Z. den Tatsachen etwas weit voraus eilt. Einstweilen ist die Lage, wie bereits gemeldet, so, daß die Reichste- gierung am 13. März vor den Reichstag treten und von ihm die Verabschiedung des defizitlose« ElatS verlangen wird. Sollten sich kritische Zuspitzungen ergeben, so werde di« Reichsregierung
nicht davor zurückschrecken, die Vertrauensfrage
zu stellen. Kommt die Regierung dann zu Fall so wird die Partei, die ihren Sturz her- bcigeführt hat, die Führung übernehmen müssen.
£:<er Reichsfiuanzmiruster Wird sich dem-. nächst Lei den Fraktionen über ihre Wünsche.' betreffend di« Abstrich« im Etat, unterrichten. Ein V'nksblatt veranlaßt der Artikel der D. A. Z. zu einem scharfen Angriss auf Dr. Luther in dem sie die von der D. A. Z. genann- te, bewährte und starke Führerpersönlichkeit erblickt. Es schreibt: Die Rückkehr zum normalen Fall des parlamentarischen Systems hat keine Hoffnungen, also muß schon die ihm nahestehende Prefle laut nach ihm rufen. Wa- rum nun das Gerede von der Stunde des Reichsprästdentea! Warum nicht gleich offen und deutlich die Stunde des Herrn Luther?
Mitten im Bürgerkrieg
Mexikos Hauptstadt eingeschlossen.
Rewyork, 5. März. (Funkdienst.) Wie aus El Paso gemeldet wird, kam eS gestern nachmit- tag zwischen fünftausend Mann mexikanischer Bundestruppen und einer starken Streitmacht Aufständischer zu einem erbitterten Kampfe.
Rewyork, 5. März. (Durch Funkspruch.) Aus Nogales (Ärizona) wird berichtet: Rach einer Meldung des Oberbefehlshabers der Ausstän- bischen, General Escober haben dies- die Hauptstadt von Rueva-Leon, Monterey, di« ßen Hauptstapelplatz für das Kriegsgerät der BuudeStruppen war, eingenommen. Der Kampf endete mit einer Niederlage der Bundestruppen. Die Aufständischen haben 81 Offiziere, unter ihnen drei General und 560 Soldaten gefangen genommen, ferner 12 Maschinengewehre erbeutet.
Rewyork, 5. März. (Funkdiensts. DerGür- fei der merikanischen Aufständischen um die merikanlsch« Hauptstadt, ist nur noch nach dem Stille« Ozean zu offen, Telegramme stutz. De- xaS, wonach. Präsident Gil und der frühere Präsident Calles gefangen genommen seien, «erden dementiert. Die Aufständischen haben außer den Jndianerstämmen veS Nordens auch die klerikale Partei auf ihre Seite gebracht und teile« zur Beruhigung mit. daß amerikanisch« Interessen in Mexiko nicht gefährdet seien. Das Hauptziel fei dte Au«. Weisung EalleS. Das Kabinett m Mexiko tagt ununterbrochen.
Die Bevölkerung macht mit
London, 5. März. (Eig. Drahtbericht.) Rach Berichten von der mexikanifchen Grenre oer- fügen die Aufständischen nicht nur über be- trächrliche Streitkräfte, sondern werden noch von großen Teilen der Bevölkerung unierftutzi Die Regierung betracht« die Lage als sehr ernst, obwohl sie erklären Ueß«. daß der größte Teil der Armee hinter ihr stebe Etwa drei Millionen Einwohner von insgesamt 14^ Millionen stehen hinter den Aufständischen In der Gegend von Sinaloa soll eS bereit- l einem ernsten Zusammenstoß mit Regterungs- truppen gekommen sein, wobei di« letztere» vi« Flucht ergriffe» haben sollen.
unecht: Das Vertrauen der Welt in die Po-
Berlin-WM Irenten die Waffen MMbtzMZ
Parolenausgabe hinter den BölkerbundSkulissen. K^artatt und Ossenbei^w"B?*ug auf^die BiS-
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Frank-Heine wurde un-
Authentizität des Beröfsentlichung garan-
Klarheit und Offenheit in Bezug auf die Bio- düngen an andere Mächte verlangen.
Versvnliche Fühtungnadme brr Delegierten
Genf, 5. März. (Eigener Drahtbericht.) Ein vom japanischen Vertreter veranstalteter Tee führte gestern die meisten Katstnitglieder, darunter auch Dr. Srcsemann und Staaisiek- retär von Schubert zusammen. Eine Entschlie- ßuna über die Abhaltung der nächsten Ratstagung in Madrid ist dabei noch nicht gefall«« AbendS unterhielt sich v Schubert mit einem Mitarbeiter EhamberlainS und erwiderte dann den Besuch des früheren belgischen Botschafters in London, Baron Moncheur.
fnnae unä> frei'U2.ichaftliche llilerhaituug
Frie-enspräsident Hoover
Amtsantritt im Weißen Haus.
Washington. 5 Mär,. Zur Vereidigung des neuen Präsidenten Hoover hatte sich gestern ein« ungeheure Menschenmenge aus allen Teilen der Union eingesunden, sodaß fast jeder Verkehr in der Räbe deS Weißen Hauses unmöglich gemacht war. Lor der großen drete
Geuf, 5. März. (Eig. Drahtbericht.) Im Laufe des Montag Atzend haben noch verschie- beite Besprechungen fioti0ejunt>en.J0rianb ver- handelte mit dem italienischen Senator und Ratspräsidenten Dialoja. sodann mit dem Pol- Nischen Außenminister Z a l« s k t und dem Vertreter Rumäniens Titulescu über die Minderheitenfrage. In der Unterredung Briands mit Chamberlain, sind auch bte Sach- verständigen-Beratungen in Parts erörtert worden. Auch der Generalsekretär des Bob kerbundes besprach mit den einzelnen Abordnungen die Minderheitenfrage.
Stratzentumult in Kalkutta
Freudenseuer aus englischen Stossen auf der Straße. — Gandhi läßt die Masse auf die Engländer los.
Die Geheimpaktafsäre wird von Tag zu Tag verwickelter. Sie hat durch die in Brüssel erfolgte Verhaftung des angeblichen Dokmnen- tensälschers Frank-Heine noch keineswegs ihre Klärung erfahren. Das Mißtrauen ist Im Gegenteil durch die Dementis gewachsen. Zumal es doch sehr naheliegend ist. daß zwischen Frankreich und Belgien Abmachungen bestehen, die eine Sicherung gegen gemeinsame..Erbfeinde bezwecken. Natürlich werden die Berliner Amtsstellen es unterlassen müssen, die Feststellung einer Fälschung in Zweifel zu ziehen. Diese offizielle Einstellung des amtlichen Deuticb- lands hindert natürlich die deutsche Presse keineswegs daran, ihrer privaten Meinung Ausdruck zu geben. Unsere Mißstimmung gegen die Unterdrücker am Rhein orauchen wir nicht näher zu begründen ES kommt aber noch erschwerend hinzu, daß das reichlich romanhafte Aufrauchen deS in der internationalen Spitz- vubenwelt nicht ganz unbekannten Herrn Frank- Heine als Dokumenten falscher .in In- und Auslande den Verdacht erregt hat, daß die an der
Bertuschunq der Anaeleqrnheit interessierten Mächte
sich dieser offenbar ju jeder Handlung fähig«
tun» für das An zünd en der Freuden- feuer übernehm«. Daraufhin setzte die Menge sofort die riesigen Stoffhaufen in Brand, AlS di« Polizei versuchte, das Feuer auszulöschen, kam es zu einer Bewersung mit Ziegeln und Steinen. Bei einem hieraus erfolgten Massen angriff a uf dle Pol i- zei wurden mehrere europäisch« Sergeanten und eine große Anzahl indischer Polizisten verletzt. Berittene Polizei wurde in Eile herbeigeholt und die Ordnung schließlich wieder hbrgestellt. Gandhi wurde später gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Er fährt heute nach Burma ab und wird nach seiner Rückkehr vor Gericht gestellt werden.
Besuch Titulescu bei Dr.S t r e s e m a nn Die verschiedenen Minderheitenkomitees behandelten gestern z. T. unter deutscher Mit. Wirkung Minderheitenbeschwerden aus dem Balkan. In die Beratung der oberschlesischen Petitionen wurde noch nicht eingetreten. Ue- brigetts wird die öffentliche Behandlitng dieser Beschwerden, darunter auch des Protestes des Deutschen VolksbundeS gegen die Verhaf- inng seines Führers Ulitz, außerhalb der heute beginnenden grundsätzlichen AusspraLx über das Minderheitenproblem vor sich gehen
Genf, 5. März. (Eigene Trahtmeldung.) Schon jetzt zeigt sich deutlich der Krisencharakter der Lage in der sich der Völkerbund durch die bisherige Behandlung der Minderheitenfrage heute befindet. In der heutigen Aussprache dürften diese Gegensätze schroff zu Tage treten Der Kampf wird formell um die Bildung des Ausschusses geben, dem die weitere Prüfung der Minderheitenfrage übertragen werden soll. An französisch-polnischer Stelle Will man eine Dreierkomtnisston bilden, dessen erstes Problem die Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes sein würde. Demgegenüber wird von deutscher und kanadischer Seite die Bildung eines Sach- verstä''vigen°Ausschusses gefordert, der bis zur September-Tagung auf Grund der Vorschläge über eine grundlegende Neuregelung die bisherige Völkerbundsgarantie prüft und die bisherigen Beschwerden ebenfalls.
auf politische Tagesfrägen. §ür Dienstag vormittag sind eine Reihe Weiterer privater Besprechungen vereinbart, darunter ein
Amsterdam, 5. März. In einer Erklärung des „Utrechtsch Dagblad" heißt eS u. a.: a.datz die befugte holländische Behörde vorder Veröffentlichung Gelegenheit erhalten hat, sich falls e'wünscht. von tat Authentizität des Doktrinen..s zu vergewissern oder vergewissern zu lassen; b. daß dem Erwerb dieses Tvkumentes von sehr hochstehender ossiz»eller Seite großer Wert beigeuicssen tourte.-: c. dass vertrairenSwürvige Cigam vrr -£V.x- r'g- teit, die in dieser Angelegenheit als vollständig befugt angesehen werden müssen, die Richtigkeit des Inhalts für sehr wahrschein- l i ch kennzeichneten und eines dieser Organe die unbedingte Dokumentes vor der tiert hat.
Lpndo«, 5. März. (Eig. Drahtbericht.) Die Blätter melden aus Kalkutta, daß dort der Rationalsozialistenführer Gandhi und andere indische Rationalisten, darunter Dr. Roy, nach heftigen Szenen, bte an die Unruhe« in den Fahren 1926 und 1927 erinnerten, verhaftet wurden. Hundert« ver Anhänger Gandhis versuchten nach seiner Rede Freudenseuer aus ausländischen Stossen, Die in der ganzen Stadt zusammengesucht worden waren, zu veranstalte». Die Polizei wollt« das Aiiteünden der Freudenfeuer verhindern, aber Gandhi, der in seiner Rede für den volle« Boykott ausländischer Stoff« eingetretrn war. erklärt« der Menge, daß er die volle Berantwor-
Das Nachtgespenst verhaftet
Arbeitsmethoden deS Berliner Wohnungschrecks
Berlin, 5. März. (Funktelegramm.) Ein gefährlicher Einbrecher, der seit mehr als einem Fahre die Arbeiterwohnungen in Berlin unsicher machte und über hundert Einbrüche verübt hat, ist nun endlich in der vorletzten Nacht durch den Schneid eines jungen Mannes erwischt worden. Der Verbrecher pslegte sich i« die Höfe am frühen Morgen einzuschleichen und zu beobachten, ob die Hausbewohner an die Ur- beit gingen. War in einer Wohnung das Licht wieder erloschen, so drang er auf Filzschuhen und mit einer M^ske vor dem Gesicht, mit Hilfe eines Nachschlüssels in die Wohnung ein und stahl Geld und Wertsachen. Ware« in der Wohnung noch Personen anwesend, die ein Geräusch hörten, so blendete sie der unheimliche Gast mit seiner Taschenlampe o.-er bedrohte sie mit dem Revolver. So war er bisher immer entkommen U'd cnn'.e auch nicht erkannt werden. Seinen letzten Einbruch verübte er in der Wohnung eines Beamten, dessen Frau ihn bemerkte. Sie rief ihren im Nebenzimmer schlafenden jungen Sohn zur Hilfe, der barfuß und Im Rächt- Hemd den Einbrecher verfolgte und ihn nach kurzem Kampfe überwältigen konnte. Der Einbrecher ist ein 29jähriger Dachdecker Losch Seine Frau gab an, daß er regelmäßig um 1 Uhr nachts die Wohnung verließ, um alS Gelegenheitsarbeiter i« der Zentrakmartt- Halle zu arbeiten. BiK.r hat er 120 Einbrüche zugegeben.
Brüssel, 5. März. Frank-Heine wurde unter der Beschuldigung ins Gefängnis eingeliefert. daß er einen bereits verfallenen Patz für feine Reise nach Holland gefälscht habe. Tie Untersuchung gegen ihn wegen der Veröffentlichung des „Utrechtsch Dagblad" geht weiter.
Echt oöer gefälscht?
Frank-Heine hat auch wichtige Urkunde« gemaust. — Das „Dagblad" glaubt nicht an Betrug.
Amsterdam, 5. März. Zu einem hollSndi- schen Redakteur äußerte sich der frühere beb gische Verteidigungsminister de Brouguer. daß Frank-Heine zweifellos rechts und links Urkunden gestoklcn habe. So sei z. B. die Liste der Mobilisierungs-Mittelpunkte echt. Für unsere GeneralstabSosfiziere. so sagte Brouguer, ist das sehr unangenehm, denn sie müssen nun neue MobilisierungSpläne auSar- beiten. Auch andere MobilisierungSarbeite«, wie, daß Belgien übet 59 Tanks versügte, seien echt.
Das Rätsel von Atrecht
Viele« bleibt in der Gehcimpaltasfäre dunkel.
Subjekt gekauft haben, um di« breite Oefsent- lichkeit mit Hilfe einer grogangekaten Ber- hastungSkomödie in die Irre zu fuhren. Vor allem sind es die verschiedenen Aussagen Frank-HeineS. die in sich derartig« Wider- spräche enthalten, daß es selbst für den gewiegtesten Juristen bald zu einer Doktorauf- gabe wirv, sich ein genaues Bild darüber zu machen, waS nun eigentlich der Zweck der .Fälschung" gewesen sein soll. Auch mit deutschen Behörden und Organisationen soll der saubere Herr in Verbindung gestanden haben. Man sieht. eS wird jetzt versucht, die für Frankreich und Belgien äußerst peinliche Affäre auf ein anderes Geleis« zu schieben Nach den letzten sehr bestimmt gehaltenen Erklärungen kann Wohl angenommen werden, daß das Utrechtsch Dagblad für feine Behauptungen noch weitere Beweise in Händen bat. Im Interesse einer völligen Klarstellung wäre es daher zu wünschen, daß daS holländlsche Blatt möglichst rasch
auch da» letzte Beweisstück der Oessentlichkeit übergibt. Solange daS bis jetzt vorliegende Material nicht durch einwandsreie Beweise ergänzt wird, bleibt eben nach wie vor teber auch noch so phantastischen Kombination Tor und Türe assen. Gleichviel alter, ob «chl ober