Kasseler Neueste Nach richte«
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machen, da er sagte: Hat man di« Lebens- kunst erlernt, so erkennt man, daß auch die lieblichen Dinge notwendig sind: die wilde Blume am Wegrain sowohl wie das gebaute Korn und die wilden Vögel, die Tiere des Waldes sowohl wie die gepflegten Haustiere. In aller Stille habe« sich i« den letzten Jahren wunderbare Wandlungen mit den Menschen vollzogen.
In Holland bringt ein einziger Verein 300000 Gulden auf, um einen Sumpf zu erhalten. Das Naardcrmeer heißt er und soll für immer eilw Schilfwildnis bleiben und ferne Besitzer wollen nichts von ihm, als sich freuen, daß dort die Wasservögel ungestört nisten und die bunten Sumpfblumen blühen. Ein englischer Verein hat zwölf riesige Landgüter erworben und läßt sie unberührt als Strand, als Moor, als Wald und Heide, damit die Buchen in voller Freiheit grünen, die Tiere ihr Leben ausgenießen und die Blumen sich wiegen und glühen und das Land mit ihrem Duft erfüllen.
Frankreich ist nod) am wenigsten ergriffen von dieser Naturliebe, die noch unsere Väter für eine Krankheit gehalten hätten. Aber auch dort ist der Wald von Fontainebleau für unantastbares Nationaleigentum erklärt worden.
Und jenseits des großen Wassers hat der neue Geist seine gewaltigste« Blüten getrieben.
Gerade die rücksichtslosesten Ausnützcr her Natur haben in Amerika sechs ungeheure Freistätten errichtet. Sie schützen das wunderbare Felsenland des Uosemi letales, sie ehren das feierliche Schweigen im Hain der Mammut- bäume mit dem Gelöbnis, nach vielen Jahren wahnwitziger Zerstörung nun keinen Baum mehr ohne Not zu fällen; im Nellowstonehark schufen sie eine Zufluchtsstätte aller bedrängten Tiere des Landes; die versteinerten Walder von Arizona wurden heilig gesprochen, ebenso die Gletscher im fernsten Nordost«« der großen Republik. Wer hatte es je für möglich gehalten, daß die Dollarjagd Halt machen könne vor einem Gebiet, größer als ein europäisches Königreich? Und dennoch ist das Unglaubliche zur Tatsache geworden; mit scheuer Ehrfurcht geht der allmächtige Explorateur vorüber an den alten geweihten Hainen und Ber. Bi, als ob auch er es als sündhaft empfände, an ihnen zu vergreifen. Es ist wie eine Naturreligion, di« nun die ganze Erde umspannt, denn selbst Afrika hat seine Nationalparke in den früheren deutschen und englischen Kolonien und Australien blieb nicht zurück im Wettbewerb und hat seine höchsten Berge für unantastbar erklärt.
In Deutschland, im Land der Naturfreunde, aber ist ein wahres Naturfchutzfiebrr ausgebrochen,
Staat, Städte, Gemeindeit, Vereine und Einzelne suchen sich darin zu überbieten. Alte Bäume, seltene Pflanzen, Bogelhorste werden geschützt, ganze Wälder, Berge, Heiden, Moore werden geheiligt, sobald sie irgend ein Meisterwerk der Natur umfrieden; ein Netz von Gesetzen und Polizeiverordnungen zum Schutz der heimischen Natur, manchmal so treng, daß selbst der Wisscnschast Verbote auserlegt werden, überzieht heute das ganze Land Ich kann noch so viel nachsinnen und kritisch wägen, ich finde doch kein besseres Wort, um diese Bewegung, diese Philosophie auf ihre höchste Vereinfachung zu bringen, als das von der Erdgeborenheit deS Menschen. Daß wir uns wieder als Sohn der Erde suhlen, ist nicht nur der Schlüssel, um Zugang zu finden zu den Motive« all der für den Tiefäugigen wunderlich freudigen Tatsachen, die ich hier
Kleine Rundschau
Die Dollarmilllonärr des Film«
Reunundzwanzig der amerikanischen Dol« larmillionäre haben ihr Geld entweder als Filmschauspieler oder als Filmregisseur verdient. Darunter sind einige, die zwar keinen Weltruf besitzen, aber, sei es durch glückliches Spekulieren oder durch andere geschästliche Tätigkeit, ihren Besitz bedeutend vermehrt haben. Unter den Filmkünstlern, die eine Vermögenssteuer für mehr als eine Million Dol- lar bezahlen, befinden sich u. a. Al Jolson, Harold Lloyd, Lon Chaney, Douglas Fair« banks, Mary Pickford, Charlie Chaplin, Tom Mix, Ernst Lubitsch, Adolph Menjou, Erich von Stroheim, Gloria Swanson, Norma Tal- madge und Norma Shearer. Die Filmmagnaten Fox, die Gebrüder Schenck, die Gebrüder Warner, Zuker und noch einige andere bilden natürlich eine Klaffe für sich.
Heidelberger Kleinbabn-Äbgll
Von der Heidelberger Dampfbahn, die noch alle idyllischen Züge einer verschollenen Zeit aufweist, wird in Reclams Universum eine lustige Geschichte erzählt. Alle Stunden etwa fährt dieser „Expreß-Zug" mit seinem Läutewerk hurch die belebtesten Teile der Stadt nach dem „Hauptbahnhos am Bismarck-Platz, dem Brennpunkt des Heidelberger Verkehrs; in der einen Richtung führt die Strecke durch die Vororte Reuenheim und Handschuhsheim nach der Bergstraße. Da konnte man kürzlich folgende Notiz in der Zeitung lesen: „Gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr fuhr am Bismarck-Platz ein Zug der Nebenbahn ohne Zugführer ab. An der Haltestelle in Neuenheim merkte man den Verlust und wartete, bis der Beamte zu Fuß nachkam. Allerdings dauerte dies länger« Zeit, denn anscheinend hatte der Zugführer nicht geglaubt, daß man in Neuenheim auf ihn warten würde."
Benzin-Automaten
Die immer wettere Ausbreitung des Au« tomobllverkehrs hat neuerdings zur Aufstellung von Benzinautomaten anstelle der bis jetzt üblichen Tankstellen geführt, da auf diese Weise ohne jede Bedienung jederzeit Tag und Nacht, an Sonn- und Festtagen Betriebsstoff verkauft werden kann. Wie die „Aulomativ- Jndustrics" aus Hamilton in Ontario berichtet, hat diese neue Einrichtung in Kanada sich recht gut bewährt. Rach Einwurf eines 25 Cent-Stücks liefert der Automat eine dem Tagespreis entsprechende Menge Betriebsstoff, der in den Vorratsbehälter des Autos gepumpt wird. Natürlich muß die Entnahme nach Bedarf mehrfach wiederholt werden.
* ' Ms Adalbert Stifter feine Kleinmalerei gegen bie Kritik Hebbels verteidigen wollte die von ihm, dem Feinschmecker aller Idyllen und sußigkeiien des Nachsommers, Wu-h- forl^rtc und tragisches Widerspiel ringender »raste, da entwarf er ein Bekenntnis seiner Naturanjchauung, das in seiner altväterischen Einfachheit seltsam modern anmutet:
»Das Wehen der Luft", sagte er damals, -das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, daS Schimmern der Gestirne halte ich für groß; das einherzieheudeGewitter, den Blitz, welcher Hauser spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, das Erdbeben, welches Länder verschüttet, halte ich nicht für größer als die obigen Erscheinungen, ja lch halte sie für kleiner, weil sie nur Wirkungen viel Höherer Gesetze sind."
Die ganze Entwicklung des heutigen Na- turempfindenS ist in diesen Sätzen vorweggenommen und ein Stück aus dem geistigen Werden einer Generation erzählt, deren Väter von der Schönheit der Welt nur das Verblüffende, Schreckhafte oder Absonderliche sahen. So ist denn Stifter eine späte Rechtfertigung zuteil geworden, und sie ist es wohl die allerorten wieder das Verständnis für seinen zarten und sorgsamen Geist erweckt. In feinem .Heidedorf" hat er uns ein Gleichnis gegeben, das auf unsere Zeit paßt wie sonst kein anderes. Hat man die Welt und alle Welten, nach denen man sich sehnt, durchwandert, entdeckt man zum Schluß feine Heimat. Vielleicht deshalb, weil von einem gewissen Punkt des sich drehenden Lebensrades manches kostbarer wird, was früher wertlos schien. DaS gilt nicht nur für den einzelnen, sondern auch für alle Völker, wenn sic bei einer gewissen Sulturreife angelangt sind. Und so entdeckten wir Deutsche vor einigen Jahre», eben seit dem Krieg — Deutschland.
Wir fanden, daß in dem altgewohnten, wohlbekannten Stück Land, von dem sich jeder in der Jugend fortsehnt, daß in der Heimat eine Menge Schönheiten verborgen sind, aus die man nicht achtet, weil ihr Genuß keine Mühe kostet. Ja, wir sanden, daß auch die Scholle Heimaterde, die sonst gar nichts ist als keuscher Boden mit de» altbekannten Wäldern und Blumenfluren, mit der Stille der Verlassenheit und der Lebensfreude der tausend Wesen, die sich stets einfinden, wo Natur sich selbst überlaffen bleibt, daß das alles ein Heiligtum sei. an sich schon wert, daß man es schätze und liebe und hege, als ob ein Schatz darin Verborgen wäre.
Hier ist das Rätsel der Frage, auf die mein Gedankengang Antwort geben will. Woher kam diese Wandlung? Was lehrte uns diese neue Heimatliebe? Was ist die Psychologie der wiedererwachten Naturverehrung?
Man mag da zuerst daran denken, daß diese neue Generation vielleicht nur müder sei und nicht reifer. Vielleicht ist es nur eine Frage der Nerven und nicht des Gemütes, wenn wir uns nach keuscher Natur sehnen. Vielleicht ist es wieder einmal Uebersättigung und damit nur eine Mode, wenn diese Zeit jetzt das Rouffeausch« »Zurück zur Natur" in ihrem Sinne wiederholt. Wer mag es entscheiden?
________________Dienstag, 5. Mär, jS-g.
au-breitete, sondern darin liegt auch alle Dm schränktheit und Unendlichkeit des Menschen- geistez beschloffen.
Das Urteil darüber werden erst unsere Kinder sprechen, wenn sie Gericht sitzen über die Tor- beiten der Täter, indem sie .Kulturgeschichte" schreiben. Eines werden sie uns in jedem Falle zubilligen muffen: daß wir unter dem tiefen und starken Bedürfnis gelitten hahen, wieder ein Stück echter Natur unser eigen nennen zu können, um dadurch selbst wieder mehr Raturwese« zu sein.
Und darum kann ich es nicht glauben, daß diese Entdeckung der Heimat nur eine Mode sei, die spurlos vorübergchen tarnt, wie einst Jugendstil oder Symbolismus. Was so elementar aller Orten hervorbricht, das mutet vielmehr wie ein lebenserhaltender Instinkt an. Es ist ungewollt und unbewußt und darum eine echte Notwendigkeit, wenn zu gleicher Zeit im ganzen Bereiche der Kultur, von Amerika bis Australien, ohne Führer und Plan, bald mit schwachen Kinderhänden und unbeholfenen, mehr gut gemeint als gut getan, bald wieder mit allen Machtmitteln deS Staates und der Ueberlegtheit wissenschaftlicher Arbeit die Natur auf einmal geschützt wird — vor uns selbst . . .
Ein Kuliurphilosoph muß angesichts dieses Anblickes das wehmütige Lächeln finden, das allein ihm ziemt bei Wägung der menschlichen Kultur. Denn es ist wahrhaft ein kurioses Problem, daß derselbe Mensch, der seiner ganzen Veranlagung nach darauf angewiesen ist. sich durch die Vergewaltigung der Natur zu erhalten, der nur leben kann, wenn er sie zerstört, daß er sich doch wieder selbst hemmen und sich in den Arm fallen muß bei diesem Beginnen, will er nicht zugrunde gehen. Weil er fühlt, daß feine Wurzeln und feinste Fasern von ihm zu jener Erde gehen, an die er nicht rühren darf. Wenn ich es in eine Formel bringen soll, so möchte ich sagen: Man hat es endlich empfunden, daß der Mensch nicht der Herr, sondern das Kind der Erde ist.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kristallisiert sich mir in diesem Satz die Ge- schichte, der Sinn, die Zukunft, ja die Metaphysik dieser sonderbaren Entdeckung der heimischen Natur. Ich glaube sogar, daß der Philosoph, der diesen Faden weiterspinnt, vieles entdecken muß von feinsten Kulturmög- lickffeitcn u. ungeahnten Beziehungen fernster Dinge zueinander.
Anders kann ich mir das in einer spontanen Bewegung gegebene Problem nicht zu- rechtlegen. Eine andere .Erklärung habe ich dafür nicht, wenn die Schweizer Schulkinder Rappen um Rappen zusammenlegen und eine große Summe aufbrmgen, damit das Rütli verschont bleibe vor einem Hotelbau und erworben werde als Freistätte. Man denke, was das heißen will: Schweizer weigern sich, ein Hotel zu bauen an einem der besten Punkte des Fremdenverkehrs! Oder Wenn der Fürst Putbus die Insel Vilm bei Rügen als Freiland der Natur von jeder Nutzung frei hält, nicht um darauf zu jagen, sorrdern damit sie itr immer ein Stück ungebändigten deutschen Bodens bleibt. Was soll es sonst bedeuten das Wunderhafte, daß die Großkausleute aus der City um London sechs große Güter kaufen, zu keinem anderen Zweck, als daß sie Wildland bleiben und das schön« Wort des Ruskin wahr
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Rätselhaft« Wandlungen bei «ollsempfindens. — Großtaten der Natürliche. — Deutsches Naturschutzfieber.
Don R. H. Francl
Was leistet der neue MERCEDES-BENZ
Einige Urteile ans unserem Kundenkreis e sagen es Ihnen:
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