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Kasseler Neueste Nachrichten

Wir spielen Karten

Erinnerungen an Ludwig Thoma.

Bon Walter Ziersch.

* Küfer bauen Weinfässer auf dem Rhein. Trotz des TauwettetS haben di« Süsermeister von Oppenheim ihr Vorhaben, Weinfässer zur Erinnerung an den großen Eisgang auf dem Rhein zu bauen, durchgeführt. Etwa fünfzig Meter vom Ufer entfernt war ein mächtiges Feuer angezündet word'en, an dem die einzel-

** Dir Schauspieler-Agenten auf der Wan­derschaft Der österreichische Bühmn-Bereia und die Wiener Organisation der Artist«! haben an die Regierung eine Eingabe gerich­tet. worin sie gegen die Ueberstedlung der in Deutschland mft Ende d.J. verbotenen Schau. spicler-Agenturen nach Wien protestieren. Sie sehen darin eine Schädigung der österreichi­schen Bühnen und verlangen, daß den deut- scheu Agenturen keinerlei Konzession für Oesterreich gewährt werden still.

Die Tornaöokatasteophe in Hen Vereinigten Staaten

Rewhork, 27. Februar. Der Tornado, der, wie gemeldet, die Grenzgebiete der Staaten Texas, Mississippi und Arkansas heimsuchte, hat nach den bisher vorliegenden Nachrichten zweiundzwanzig Todesopfer gefordert. Die Zahl der Verletzten geht in die Hunderte. Meh. rer« Ortschaften sind vollständig zerstört wor­den, der Sachschaden wird aus mehr als zwei Millionen Mark geschätzt. Am verheerendsten wütet« der Sturm in der Ortschaft Dancan, im Staate Mississippi, die vollständig in Trümmer gelegt wurde und von deren 450 Einwohnern 14 ihr Leben einbüßten.

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Reu»zehnter Zahrgan-

Verhaftung einer Zalschmünzerbanöe

Siegen, 27. Februar. In Littfeld, Rreii Siegen, ist eine aus vier Personen bestehend« Falschmünzerbande festgenommen worden. Di« Verhafteten sind geständig, falsche Fünsmark- stücke und 50-Pfennigstücke hergestellt und in den Verkehr gebracht zu haben. Die in der Werkstatt der FÄschmünzer Vorgefundenen fal­schen Geldstücke und Werkzeuge wurden b« schlagnahmt.

L Beilage

Donnerstag, 28. Februar 1929

ein Jahr gelegen und bringt 33& Mark ZiN sen. Er wird diesen Sonnabend eingelöst.

Einmal im Jahr muhhhhhtz man doch lustig ein. Sehr viel zu erzählen.

Dein Detlev.

Pünktlich mit dem befohlenen Zuge trafen die Gäste ein, in den ersten Jahren neben meiner Frau und mir der Wandsbeker Vortragsmeister Adolph Tormin mit der seinen; später, als die­ser treue Freund und Künder LiliencronS als Dramaturg nach Wiesbaden gegangen war, mach­ten wir bie Fahrt mit Gustav und Annie Falke gemeinsam.

ierden, 27. Februar.

Ter zweit« Verhandlungstag im Mord- projetz Hopp begann mit einer Besichtigung des Eisenbahnwagens, m dem der Mord ausgesührt worden ist. Dann wurde Reichs- bahnoberinspektor Bletzmann-Münster ver- nommen, der bei der erste» Vernehmung des Angellagten durch den Kriminalkommissar attweesnd war. Nach seiner Aussage halte der Angeklagte damals die Tat so klar ge­schildert, daß der Zeuge die Gewißheit ge­wann, daß dem Angeklagten die Vorgänge der Tat deutlich und klar im Bewußtsein wa- ren. Zeuge Möhle, Krankenpsleger der Pro- vinz-Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim, in der der Angeklagte zwecks Beobachtung unter. A-brachr war, hat gehört, daß der Angeklagte gesagt hat: »Ich habe Wohl einen Mord be­gangen, indem ich jemand erschossen habe, aber ich werde keinen wieder abmurkscn

Nach Abschluß der Zeugenvernehmungen wurden dann die Gutachten der verschiedenen Sachverständigen, namentlich die Schießgut- achten erstattet. Prost ssor Lochte-Gottuigen gab sein Urteil darüber ab, ob die Postlarle unlerzeichnet Emil Hopp, aus der noch mit weiteren Eisenbahnüberfällen gedroht wird, von Hopp geichrieden ist. Aus Vergleichs- schristen zieht er den Schluß, daß Hopp mit aller Wahrscheinlichkeit die Karte geschrreben habe, die am 18. September in Papenburg zur Post gegeben sei. Das Gericht setzt die Entscheidung über den Antrag der Verteidt« gung, einen weiteren Ichriftsachverständlgen zu vernehmen oder aber die Karte einer noch­maligen Prüfung zu unterziehen, bis jum Schluß der Beweisaufnahme aus. «er» Schlußgutachten dehnte Professor Lochte da- hin aus, daß es sich bei dem Schutz um einen absoluten Nahschuß gehandelt habe, der nicht unmittelbar in di« Schläfe, sondern über dem rechten Stirnhöcker über dem Auge ein­gedrungen ist, dann auf das rechte Felsenbein gegangen und die Kugel schließlich rm Kops steckengeblieben sei.

Lin fürstliches Trinkgeld

Ein fürstliches Trinkgeld hat ein Jerujnle- mer Chauffeur von einem Berliner Dankmann erhalten, den er drei Tage in seinem Automo­bil durch Palästina geführt Hal. Bei seiner An­kunft in Haifa bat der Bankier den Chauffeur aufs Schiss und gab ihm einen verschlossenen Bries mit der Bitte, ihn erst nach der Absahrt des Schisses zu öffnen. Zu seinem nicht gerin­gen Erstaunen sand der Autoführer darin einen Scheck über lausend englische Pfund nebst einem Brief, der ihm die Summe alS Grund- stein für seine Existenz zur freien Verfügung stellt mit dem Wunsche, es ehrlich zu verwen- den und für den Fall, daß er einmal zu Wohl- stand kommen sollte, einem Bedürftigeren gegenüber ähnlich zu handeln. Auch ein au» Deutschland stammender Gärtner aus einer Farm in Migdal ist von dem Bankier mit 300 Pfund bedacht worden, um sich Land zur eige­nen Siedlung zu kaufen.

Vom Eise eingeschloffen.

Sechzehn deutsche Seeleute, die mit einem Schooner in der Nähe der dänischen Insel Laesfoe gestrandet waren, wurden durch Flug­zeuge ausgenommen und nach Fredertkshagen an der Ostseeküste Jütlands gebracht. Die Eisverhältnisse werden von Tag zu Tag kom­plizierter. Sämtliche dänischen Flugzeuge sinh ständig damit beschäftigt, den eingeschtoflenen Inseln Proviant zu bringen. Gestern wurden zehn Tonnen Post durch Flugzeuge befördert.

Von einer Katze verraten

Der Kaufmann Pietro Crespi in Mailand mußte aus gesundheitlichen Gründen einige Zett ausjpannen. Er verschloß seine schöne Villa und begab sich in einen kleinen Ort im Gebirge. Der Einbrecherspezialist Luigi Güidodell'Era wußte um die Abwesenheit deS Kaufmanns und drang in dessen Wohnung «in. Er durchsuchte in Ruhe alle Schränke und Schubladen und hieß alles, was er für wertvoll hielt, milgehen. Die vorgesundenen Sutoelen barg er in einem besonderen Paket eim Verlassen der Wohnung wurde er von dem Bewohner eines Nachbarhauses bemerkt und verfolgt. Dell'Era warf den großen Pak- ken von sich und steckte das kleine Paket mit den Juwelen in die Tasche. Er flüchtete in den Park Der Billa, versteckte sich dort und fand auch Gelegenheit, die Juwelen zu ver­graben. Kurz darauf wurde er von einem

Aus aller Wett

Gegen die Eisgefahr am Rhein

Deutsch-holländische Zusammenarbeit.

Haag, 27 Februar. Bei den in Nhmwegen abgehaltenen deutsch-holländischen Besprechun­gen über die Frage der gemeinsamen Be- kämpsuna der Eisgefahr auf dem Rhein wurde volle Uebereinstimmung erzielt. Auf holländi­scher Seite wird man in erster Linie versuchen, die Unterläuft der großen Flüsse, vor allem des Rheins mit Hilfe von Eisbrechern Und Eis- sprengungen eisfrei zu machen, um auf diese Weise eine regelmäßige Abfuhr der von den Oberläufen antreibenden EiSmassen zu gewähr­leisten. Vorläufig also bis zur Durchführung dieser Ausgabe sollen in Deutschland keine Maß- nahmen größeren Umfanges ergriffen werden Die zuständigen deutschen und holländischen Stellen werden sich täglich über alle wichtigen Vorgänge auf dem Laufenden halten.

dem er ihm Hammerschläge auf den Kopf »«* sctzte. Der Chaufseur hielt den Wagen an, ent­riß dem Banditen den Hammer und schlug «tf ihn ein. Dann band er ihn mit einem Leder­riemen zwischen einem Kotflügel und der Mo­torhaube fest und lieferte ihn bei der Polizei ab.

* Der Selbstmord Anton Hellers. Zu deut Selbstmord Anton Hellers, Inhaber der gleich namigen Berliner Börsenmaklerfirma, werd gemeldet, daß die Tat auf einen Anfall von Schwermut zurückzuführen sei. Irgendwelche Gründe wirtschaftlicher Natur lagen nicht vor.

* Blutrache in Palästina. Die Blutrach« ordert trotz der strengen Maßnahmen der pa­lästinischen Negierung noch von Zeit zu Zett ihre Opfer. Der Scheich eines in der Nähe Hai­fas liegenden Dorfes, das mit seinem Rachbar­dorf in Blutfehde lebte, ist von seinen Gegnern aus dem Hinterball erschossen worden. Die Po­lizei hat dreißig Dorfbewohner unter dem Ver­dacht der Mittäterschaft verhaftet.

* Im Auto durch die Sahara. Prinz Sixtus von Bourbon, der die Sahara im Automobil durchguert und Ende Januar Algier verlassen hatte, ist In Agades am Niger angekommen. Sixtus hat die Strecke, für die man sonst 60 Tage braucht, in 20 Tagen zurückgelegt.

Wie geht eS Chaplin? Charly Chaplin, der, wie es hieß, an einer Fleischvergiftung er­krankt sein sollte, leidet an einer akuten Blind­darmentzündung. Die Aerzte beraten noch, o« es ratsam ist, eine Operation vorzunehmen.

* Wer will eine gute Partie machen? Jtt Chicago gibt es nicht weniger als 153 Frauen mit einem Durchschnittseinkommen von jähr­lich einer Million Dollar. Davon sind nur 43 verheiratet; 45 sind Witwen und 15 unverhei­ratet Es wird geschätzt, daß die heiratsfähigen Millionärinnen über ein Gesamtvermögen bo« über 300 Millionen Dollar verfügen.

Der Schutz müsse auf eine liegende Person abgegeben worden sein.

D«r Sachverständige geht an Hand der Klei­dungsstücke Nordmanns die zahlreichen Blut­spuren durch u. weist besonders aus die Blut flecke in der linken Brnsttasche Und der Ge- fäßtajche hin, die daraus schloßen lassen, daß der Raubmörder mit blutigen Händen dies: Kleidungsstücke durchsucht habe. Professor Lochte betont, daß, je fester die Waffe aus den Kopf aufgesetzt, desto leiser der Knall sei Der sofortige Tod sei ebenso wahrscheinlich wie ein solcher nach etwa 510 Minuten.

Professor Dr. Brüning-Berlin faßt sein Gutachten dahin zusammen, daß der Befund an dem Schädel des Nordmann daraus fchltc- tzen läßt, daß der Schuß unmittelbar nahe ab­gegeben worden sei und zwar in der Schnb- lage vyn oben nach unten durch einen Nah­schuß. Entschieden bezweifelt er die Angabe des Angeklagten, daß ihm der Schllß verse­hentlich losgegangen sei. Der Sachverständi­ge ist übrigens der Meinung, daß Hopp schon beim ersten Betreten des Rebenabteils Nord- mann erschossen und sich erst dann wieder in fein Abteil zurückbegehen habe, um bei wei­terem Aufsuchen des Nebenabteils den Raub auszuführen urtb die Leiche zu beseitigen.

CS enlspinnt sich dann zwischen VerMdi- gung, Staatsanwaltschaft und Sachverständi­gen eine längere Debatte über die Möglichkeit, ob der Angeklagte den Schuß in Erregung, mit Absicht, in Notwehr oder mit Heberte« gung abgegeben habe, wobei die Sachverstän­digen teils zugeben, daß ein gewisses Mo­ment für ein Erschrecken, ein anderes jedoch auch für vollste Heberlegung spreche.

Nach Schluß der Beweisaufnahme bean­trag e ver Staatsanwalt gegen den Ange­klagten Hopp wegen vorsätzlicher u. über- lehgler Tötung in Verbindung und Tat­einheit mit schwerem Raube die Todes- prafe. Das Gericht erkannte ebenfalls auf Todesstrafe.

nen Teile der Fässer vorrnwärmt worden. Insgesamt wurden sieben Fässer geschlagen. Ein Küsergeselle hat auf dem Rhein sogar fein Meisterstück in Form eines Stückfasses gemacht.

* Der Berliner Juwelendiebstahl aufge- klärt. Der Juwelendiebstahl bei der Berliner Firma Friedländer, Unter den Linden, der am 27. November vergangenen Jahres verübt wurde, ist jetzt aufgeklärt worden. Der Dieb, ein internationaler Verbrecher, Antonio Mario Giurni, ist in Brüssel verhaftet worden.

* Lustmörder Musche im Irrenhaus. Der geisteskranke Lustmörder Musche, der seine Braut ermordet hatte, aber freigesprochen wor­den war, weil die Aerzte ihn für unzurech­nungsfähig erklärt hatten, wurde jetzt in die Heilanstalt Nietleben bei Halle gebracht, wo er lebenslänglich in Gewahrsam gehalten wird.

Opfer des Berufs. Auf dem Bahnhof Hämerten der Strecke StendalBerlin über­hörte der Eisenbahnarbeiter Tirpitz beim Rei­nigen der Weichen das Herannaben eines Schnellzuges. Er wurde von der Lokomotive getötet.

An den Unrechten gekommen. In Vaihin­gen bet Stuttgart überfiel der 22jährige Franz Hiebel einen Chauffeur während der Fahrt, in-

Alle Fenster des .Schlosses" strahlten tot Lich­terglanz. Gleich an der Tür trat uns Lilien- cron in Frack und weißer Binde entgegen, neben ihm in schwerer Seide die Baronin. Er kam ge­rade aus der Kücke, wo er den für diesen Tag verpflichteten Koch durch allerletzte Weisungen völlig zu verstören versucht hatte. Dann bot er den beiden geladenen Damen den Arm und führte sie zu den Plätzen rechts und links neben sich am oberen Ende des über und über mit Blumen geschmückten Tisches.

Und nun begann daS Essen einmal mit in­dianischer Feuersuppe, die er bequemer, aber nicht phantasieloser alS der Graf von Monte Christo aufgetrteben hatte. Jedem Gange machte Liliencron in unwiderstehlich liebenswürdiger Anmut die Honneurs, den ausgeprobten Rot­wein schenkte er in die großen Kristallgläser, das letzte Tafelstück aus dem Elternheim, jeder der Damen schälte er eine Birne, und dann kam der Schlußakt, sein Lieblingsgericht: die Schlagsah- nentorte. Jedesmal wandte er sich bann an die Dame zur Rechten: Bitte, meine gnädigste Fran sehen sie fort, damit Sie nicht merken, wteviel ich mir auflege!'

Run rückten wir die Stühle, und er bat die Herren hinaus in sein Arbeitszimmer; et wußte sckwn. daß meine Frau einen Emanzipations­kampf Im kleinen beginnen und darin siegen würde, aber er ließ sich den weiblichen Besuch da oben jedesmal erst abttngen.

Dann saßen Wit um den runden Tisch unter

Hopp zum Tode verurteilt

Die Sachverständigen entscheiden den Prozeß.

der Hängelampe, bet. achteten ein neues Bild oder eine jüngst erworbene Maske, und bald holte er eine noch tintenfrische Ballade oder einen allerletzten" Poggfredkanlus vor und begann zwischen Kaffeetassen und Zigarren (Zigaretten durften in seiner Gegenwart nicht geraucht Wer­ben) vorzulesen, sich hter und >a mit Hinweisen auf ein Wort, ein kühnes Bild unterbrechend. Sowenig sein Vorttag in großen Sälen von fei­ner Wesensart offenbart., fo unvergeßlich war der Eindruck diese' erweiterten Selbstgespräche mit der eigenen Kunst. Rot- und Blaustift la­gen zur Hand, und on genug blitzt:, durch das laute Lesen ausgelöst, eine neue Wendung auf, und wir erlebten 'orgfame Umformung.

Zum vorbestimmten Zuge verl eben wir das Haus, unter der Pforte an da» nächste Jahres- olner erinnern!, und Poggfred wird wieder Alt- rahlstedt.

Wenn Ludwig Thoma zur Rebaktionsstt- zung deS Simpuclssimus noch München kam. war er oft zum Stal im 6af6 Hoftheater, wo die Herren vom Bau verkehrten. Besonders mit Dreher spielt« er gern und {reute sich kö­niglich über bie Sprüche bes guten Konrads: ,J woas net, was des 18, allWeil bin i J>a Petschierte. Schon von meinen frühesten Ju­gendtagen an verlier i im Kartenspiel."

Später haben wir mit Georg Quert gespielt Skat und Tarock, da ging's auchkünftig" zu Hier ein Bries von Thoma aus bteier Zett: Sieber Tünncs, am Donnerstag kommt der bekannte Schriststeller Ludwig Thoma nach München. Die Mitglieder des Schriststeller- suppenvereins (so nannte er mich, weil ich die Unterstützungskasse des S. D. S. mttverwalte- te) haben präsent zu sein. Programm: Mit­tags Pfälzer Weinstube. Auch kann in einem vornehmen Schieberkassee Mokka angeboten Werden Abends: Erhöhte Festlichkeit. Btel- leicht läßt sich der hohe Gast zuut Karieniptel

Wächter gestellt und zur.Wache gebracht. DaS große Paket sand man. doch die Juwelen bhe« Den verschwunden.

Kürzlich machte nun die Katze des Stauf3 mannS Crespi ihren gewohnten nächtlichen Spaziergang. Dabei fand sie ein Stück weiße» Papier, daS aus dem Boden hervorlugte. Das Tier scharrte solange, VIS es daS Papier und damit die gestohlenen Juwelen ftetgelegt satte.

Erstaunt sanden bie Bewohner der V'lla am anderen Morgen den Schatz. Doch noch erstaunter war vor Gericht zu Mailand Luigi dell'Era, alS der Richter ihm ironisch lächelnd agte:Sie brauchen sich gar keine Kopfschmer­zen zu machen, WaS Sie, wenn Sie wieder frei sind, mit den vergrabenen Juwelen an- fangen tollen. Die Katze bei Herrn Crespt hat >en Schmuck schon gesunden und Sie dadurch verraten."

Ein Dichter läßt ein

Erlebnis mit Detlev von Liliencron.

Von

Heinrich SP ter o.

Bo» Raabe, Tehmel. Liliencron, Hauptmann, Hinbeubur», Evert und Ratvenau vermittelt uns 6er bekannte Luerarbutortker Heinrich Spiere In seinem neuesten Werke: .Schicks-u um) Anteil" unbekannte, menschlich sehr an- ivrechenve Züge. Dieses Buch das mit feor Biet Liebe und einem seinen kritischen Verständnis (teftbrieben ist, erscheint dieser Tage im Volks- verband der Bücherfreunde, Berlin, dessen Ber- lags-Werk sich in diesem, seinem Iubilaums- jatzre. durch zahlreiche literarisch wertvolle Neu- erscheinungen wesentlich erweitert.

Das Häuschen mit dem schmalen Vor- und dem tieferen Hintergarten war alles, Was als greifbarer Restbestand von den Poggsredträu- men langer Jahre Wirklichkeit geworden War. Und einmal jährlich, am ersten Januarsonntag, wurde aus elltrahlstedt Poggfred. Dann näm­lich lub der zum Schloßherrn geworbene Lanb- hausmieter Liliencron zum .Diner" deS Jahres. Tas heißt: er lub schon fast zwölf Monate vor­her zum ersten Male ein unb Wiederholte btefe Aufsorberung mit immer gesteigerter Dringlich- leit unb Vorfreude in immer kürzeren Abstän­den. Ein Hundertmarkschein wurde gleich nach dem Festtage für bet. nächsten, auf die Lands- beler Sparkasse gebracht, um »drei Mark unb acht" Zinsen zu gewinnen. Der Gaumen der Gäste wird mit dem Heranrücken des Zeltpunk- tes durch immer stärkere Verheißungen etwa fyl- gcnberrnatzen gekitzelt:

Alt-Rahlstedt bei Hamburg, den 30. Dezent- bet 1907. 6. ,

Fröhliche HundS'age!

Sonntag: Diner. Punkt 6 Uhr.

Menu: 1. Haifischslossensuppe, 2. Ariflchocken und Braunschweiger Stangenspaigei, 3. Bracino aus dem Adriatischen Meer. 4. Waldschnepfen. 5 Lvoneser Birnen (so groß Wie diese Kartet. 6 Eis 7 Ter Hundertmarkschein hat bann grab

herab. Der orbinäre Süddeutsche Georg Omo­ri kann ebenfalls eingeladen werben. Selbe» wohnt in Starnberg. Anzug: Gesellschaftsan. zug Alles Weitere am Feüplatz. Aenderun- gen im Programm ausgeschlossen, -aut Un- terschrist: Der Obige." t _ .

Den letzten Skat mit Thoma und Gueti spielte ich in der Bauernstube in Tufiem,D« mals War Ludwig Ganghofer dabet. Dieser hatte einen Skat konstruiert, von dem er be­hauptete, er gäbe auch dem ©bteier mit den schlechtesten Karten Chancen. Mit «himgjrau und .Jüngling" unb viel Ramschrunben. Da, war nichts für den guten Quert, bei nicht mau­ern konnte unb Immer auss GJanje ging. stand am Schluß über 2000 minus. Wir spiel­ten um 2 Pfennig den Punkt also ein anstän­diger Verlust. Querl quälte: Noch drei Run­den doppelt! »Dann gings vierfach, achtfach. Arn Schluß war Quert der höchste Gewinne» und Ganghofer der einzige Verlierer. Queri freute sich wie ein Schneekönig u. schenkte mir eine Biermatke.Die kannst du als 50 Pstn- nig-Stück ausgeben", sagte er. Ich habe bte Bterrnarke verwahrt als Erinnerung. Denn ei« halbes Jahr später war Queri tot. Ein Jahr spater Ludwig Ganghofer und Nttsder et» Jahr später auch Ludwig Thoma. Set» Bin­der Peter folgte ihm bald, Emil Ganghoft» war schon vorausgegangen.

Die Zeit ist anders, ist ernster geworden. Wer denkt noch an Thalerolocks und Skat run­den achtfach? Unb bie meisten anderen Mit- spieler von damals haben ja auch still die Kar­ten aus der Hand gelegt.