Meler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
19. Zahrgang
Donnerstag, 28. Februar 1929
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
Müller sucht die Große Koalition
Eine Regierungsschlappe in polen — Reue Reparations lösungen in Sicht
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neue Schwierige« in diesem Falle
sich der Ernennung der drei
Minister widersetzen würde.
Warschau. 27. Februar. (Eigene Drahimeld.) Der Antrag der Bauernpanei, den Finanz- Minister Czcchowitsch wegen der Ueber- schreitunq des Budgets um fünfhundert Mil- lionen Zloty vor den TtaatSgerichtS- hof zu stellen, wurde von dem Sejm-Plenum nach stürmischer Debatte mit 219 Stimmen der
Recht, wenn nicht die völlige Beseitigung der Naturalleistungen, die gegenwärtig den Gegenstand von langfristigen Verträgen bildeten, so doch wenigstens deren Auslöschung und die Bezahlung in Geld zu verlangen Letzteres mützte in großem Maßstabe für den Ablauf deutscher Waren verwendet iverden.
Paris, 27. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einer Haager Meldung soll eine Gruppe aktivistischer Studenten von Utrecht dem Utrechter Tageblatt den Text des angeblichen französisch-belgischen Geheimabkommens verschafft Haden. Der Schritt des holländischen Gesandten am Quai d' Orsay soll in schriftlicher Form erfolgt sein. In der gestern nachmittag überreichten Rote ersuchte der Vertreter der Niederlande in höflichster Form die französische Regierung, die Frage der in Utrecht veröffentlichten Dokumente zu klären. Das Ministerium antwortete dem diplomatischen Vertreter Hollands mit einem Hinweis auf daS gestern ausgegebene französische Dementi. Die gleiche Demarche unternahm Holland auch in Brüssel.
Linksparteien und alle» nationalen Minder- heilen gegen 131 des Regierungsblocks (Pil- sudski) angenommen. Der Regierungsblock versuchte durch Lärmszenen die Abstimmung zu verhindern, cs gelang ihm aber nicht. Man nimmt an, dast die Niederlage der Regierung für den Sejm schwerwiegende Folgen haben werde.
Dor dem Demen« Ldamverlain»
London, 27. Februar. (Eigene Drahtm.) Der stanzösifch-belgische Gehermvertrag wird heute im Unterhaus zur Sprache kommen, wo verschiedene Anträge dem Außenminister Chamberlain Gelegenheit geben werden, sich eingehend zu der Angelegenheit zu äußern.
und vor allem auch mit dem Zentrum versuchen. Laut Zentrumsblait komme es allein aus die sachliche Arbeitsfähigkeit und Arbei's- mkiglichkeit der Regierung an. Ter Sozialisti-- sche Pressedienst möchte wissen, ob die Deutsche Volkspartei an der Regierung nur teilnehmen will, wenn sie im Voraus Sicherungen über die Verwirklichung ihre- unmöglichen
Der Äentralvorstond verschiebt die Koalition
Berlin, 27. Februar. Der Zentralvorstand der Bolkspartei hielt gestern an seine« friU
wie es in Paris steht
Tie Hauptzisfern noch nicht genannt. — Umwandlung der Sachlieferungen.
Paris, 27. Februar. (Eigene Trahtmeldung.i Wie ein Blatt erfährt, haben die Gläubigeraus- schüfle die Absicht, den deutschen Schuldner zu schonen und ihm die Möglichkeit für die völlige Durchführung seiner Verpflichtungen zu lassen. Infolge Mangels eines deutschen Angebotes habe man sich an die normalen Dawes
Müllers letzter Versuch
Berlin, 27. Februar. Heute wird im Reichstag die Interpellation (Zir) über den Bau der drei Rheinbrücken durch Minister Severing beantwortet. Ferner wird der Reichstag die Abstimmung über die kommunistischen Miß- trauensaniräge gegen das Gesamtkabinett und den Reickswehrminister Gröner vorlegen In der Koalitionsfrage wird der Reichskanzler mit Dr, Stresemann wegen der Auslegung des gestrigen Beschlusses der Volkspartei verhau- dein. Sollte sich die Bereitwilligkeit der Volks- Partei zu einer fraktionsmäßigen Bindung in einer großen Koalition ergeben, so würde einer Ernennung der drei Zentrumsminister und damit der Bildung der großen Koalition im Reiche nichts im Wege sieben. Andernfalls dürste die Erwartung der Regierung auf
EtatsprogrammeS erhalten Hai. Jedenfalls lasse sich einstweilen nur feststellen, daß die Krisis durch den Beschluß der Volkspartei in keiner Weise gemildert, sondern eher verschärft worden sei. Der Vorwärts fordert die Schaffung baldiger Klarheit dadurch, daß die Parteien gezwungen werden, in offener Reichslagssitzung Farbe zu bekennen. Im übrigen fei der Bclksparteibeschluß eine
Niederlage Dr. Stresemanns.
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der mit Nachdruck ein positives und unzweideutiges Bekenntnis zur großen Koalition tm ~ ch verlangt habe. Die D. A. Z. bezweifelt Möglichkeit sachlicher Einigung und rech-
Anzetgenvreise: Einheimische GelchäftSanseigen die mm-rieile 10 A ««roSrtt« Gefchäftsan,eigen die mm.-teilt 10 A ßamilienanzetgen die mm-Seite 10 A Kleine «»»eigen aus »assel da« «ort « A. auswärtige «leine «nfeigen bte mm- Seile 10 A. Reklamen die ww-Ätite W A. Cftertgebfibi 25-t «bei Sufttklu»« S5 Rechnungsbeträge innerhalb 5 tagen wblbur itur die Richtigkeit aller durch Äernfprerber angegebenen An,eigen sowie für flufnabmebaten und Platze kann nicht garantiert werben, ftür Anzeigen mit besonders schwierigem «atz li« Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachtboisir 98'30 Geschäftsstelle: Köln Str. B.
teilen stoßen, da das Zentrum z a H l u n g e n des Dawesplanes halten müssen, - - * • für bie man die bestmögliche, der deutschen
Wirtschaft angepatzte Form suche. Es sei zu hoffen, daß diese ganze vorbereitende Arbeit nicht nutzlos gemacht worden ist, wenn die Sachverständigen die Ziffern erörtern, die den Hauptpunkt der Verhandlungen bildeten. Die Gläubigerausschüsse hätten das
die Möglichkeit sachlicher Elmgung und rechnet daher eher mit einem endgültigen 'Scheitern der Koalitions-Verhandlungen. Ueber das, was geschehen soll, äußert sich ein Linksblatt dahin, daß die Erklärung gegen den sogenannten „formalen Parlamentartsmus" den Gedanken nahe lege, ob nicht unbeschadet des Strebens nach der großen Koalition eine en» gere Verbindung zwischen den Parteien wünschenswert wäre, die die Verfassung geschaffen haben.
Chefredakteur und ein Aufsichtsratsmitglied ausführten, daß durch die Enthüllungen dem holländischen Volke ein großer Dienst erwiesen würde. Tie letzteren sind deshalb aus der Leitung de? Blattes unter Protest ausgeschieden.
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Sin »roteft auch aus Luxemburg
Luxemburg, 27. Februar. Ein Blatt deutet das Militärabkommen dahin, daß Frankreich unter belgischer Zustimmung mir der Verteidigung des luxemburgischen Gebietes betraut werde und deshalb auch das Recht beanspruche, dort Grenzbefestigungen zu errichten. Tas Blatt protestiert gegen diese Bestimmung und fordert die Regierung aus, mit allen beteiligten Nachbarn, einschließlich Deutschlands, über ein internationales Statut Luxemburg zu verhandeln.
Berlin, 27. Februar. (Privattelegramm.) Nach langem Kopfzerbrechen über den gestrigen Beschluß des Volkspartei-Zentralvorstan- des (s a. Artikel 4. SP. D. Red.) drang die Ansicht durch, daß die Volkspartei geneigt fein soll, schon heute und ohne irgend einen Zusammenhang mit Preußen eine koalitions- gebundene Regierung im Reiche hinzunehmen. Vorher müsse jedoch eine sachliche Einigung über wichtige Fragen der Finanzpolitik erfolgen. Wenn auch dem Reichskanzler heute von Stresemann die Handlungsfreiheit der volksparteilichen ReichstagSfrak- tion bestätigt wird, dürste der
Kanzler eine neue Fühlungnahme mit den Parteien
JtetzaNlsnszwlst wegen der Snttzallungen
Amsterdam, 27. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Bei dem Blatt „Der Nederlander^ ist es znm Konflikt in der Redaktion gekommen,, da der eine Chefredakteur im Nederlander als einziges holländisches Blatt die Echtheit der veröffentlichten belgisch-französischen Dokumente in Zweifel zog und die Haltung des Utrechisch Tagblad scharf kritisierte, während der andere
Große Koalition oder nicht?
Rätselraten um die Haltung der Bolksp artet. — Niemand sieht einen Ausweg.
MutzurBeranMortimg
Stresemann geißelt Parlamentskrisen.
Der BolksvarteNSSrer Strdemann kritisierte gelter» im Zeutralvorltaud her VolksvartR. rote bereits in einem Teil der «eitrigen Ausgabe berichtet, scharf den Mangel beS beniioen Parlamentarismus, boS Oineinregieten der Parteien in die StaatSgeschafte nnb fttbr bann tert:
Unsere Sachverständigen in Paris entbehren der moralischen Stütze, wenn sie in dem Augenblick, wo sie die Entscheidung über Vie Zukunft von Generationen treffen, den furor teutonicus der Parteiwut in Deutschland in einem Zusammensturz der Regierung sehen. Ich halte es für die Pflicht derjenigen Männer, die am Steuer stehen, aus ihrem Platze zu bleiben, auch wenn Sturzwellen über dgs Schiff spülen und die Mannschaft zur Meuterei neigt. Höher steht das persönliche Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat als die Rücksicht auf die Partei. Regierungskrisen zermürben die Kraft der Menschen, erwecken im Lande einen wahrhaften Degout vor diesen Verhanvlungen und sind in dieser Situation nicht zu ertragen. Ist es doch
geradezu eine Groteske,
in einer Zeit der Anspannung aller geistigen Intensität auf die Pariser Verhandlungen der Reichskanzler und Außenminister tagelang nichts anderes als aussichtslose Versuche mg.» chen müssen, die Parteien aneinander heranzu- bringen. (Sehr richtig.) Die Frage, ob eine Ergänzung der heutigen Regierung wünschenswert ist, ist zu bejahen, wenn sie auch von sachlichen Voraussetzungen abbängt Ich würde mich heute noch freuen, wenn die Bildung einer feiten Preutzenkoalition zustande käme. Ist das nicht möglich, fo mutz die Entwicklung im Reiche lediglich aus Grund der Reichsinteressen erfolgen Ich sehe vor allem mit stärkstem Bedenken die Gefahr der Entwick- lung der fortwährenden Ausgabe- ftetgerung, soweit sie nicht durch bte steigenden Reparationsverpslichtungen herbeigeführt wird. Die AuSgabegebahrung kann einem tatsächlich nur mit Grauen erfüllen. (Sehr wahr.) Wir quetschen die
Steuerzahler auS wie eine Zitrone.
Wir Hetzen die Kommissionen der Finanzämter zur Prüfung aller Bücher, wir pfänden dem Bauern die Kuh weg, weil er die (Steuern nicht zahlen kann. Der Steuererheber steht bet der Lohnzahlung, bei jedem Honorar, jedem Uu- ternehmergewinn und durch die Art der Steuererhebung haben wir die Bildung von Reserven unmöglich gemacht. Der industrielle Mittelstand, das selbständige Unternehmertum versällt durch das Fehlen der Kapitalbildung einem schnellen Sterben. Wenn die Dinge so wettergehen, so stehen wir vor den Trusts auf der einen und vor einer Millionenschar von Angestellten und Arbeitern auf der anderen Seite. Die persönlich selbständigen Energien sinken bis zum Nullpunkt, und nichts trägt dazu mehr bei als die fortgesetzte Steigerung der Ausgaben im deutschen Parlament. So geht es nicht weiter, wenn wir nicht sehenden Anges in den Abgrund hineinstürze« wollen. Deshalb muß der SBettftrelt der Parteien um die
Popularitätshaschcrei aushören.
Wenn man von einer Beschränkung des Etats« rechts redet, so sage ich: Volksnot geht übet Etatsrecht Die Ersetzung der Persönlichkeit durch die Organisation ist das heutige Grundübel. Es geht ein Raunen durch das Land von Tiktaturplänen. Es gibt wohl niemand, der den Wahnwitz sich denken kann, daß ein Mann wie Hindenburg sich zur Verletzung der Bersassung bergeben würde. Aber wir müssen zu einer Reform des Barlamentarismus kommen. Wir müssen verantwortungsbewußte Persönlichkeiten haben, die den Mut finden, zu regieren und die Führung zu übernehmen. DaS Parlament mutz sich auf seine Verantwortlichkeit gegenüber der ganzen deutschen Nation besinnen. (Stürmischer Beifall.)
Vorlamentsfrife auch in Polen
Eine schwere Niederlage für PilfudSki. - Staatsgerichtshos gegen Finanzminister.
3er letzte Akt
Tie BolkSpartei zur Soafttion Bereit? I
Nach dem Scheitern der Koalitionsbildung in Preußen stand gestern der Zentralvorstand der Vollspartei vor der Frage, ob man damit auch die Verhandlungen im Reich endgültig scheitern lassen wollte Was in liefern Falle geschehen wäre, ist sehr schwer zu sagen, denn bei der heutigen Machtverteilung im Reichstag ist nur eine Regierung der Großen Koalition möglich und es ist deshalb ja auch immer wieder, selbst von ihren Gegnern dieser einzige Ausweg borge« schlagen worden. Außenminister Dr. Stresemann hat sich selbst w.ederholt sehr nachdrücklich dafür eingesetzt mit der Begründung, daß gerade im gegenwärtigen Augenblick, in dem tn Paris über die für die Deutschland lebenswichtige Frage der Tributzahlungen verbandelt Wirt», das Reich unbedingt eine Regierung benötigt, die sich auf eine feste Mehrheit stützen, kann. Tas Hal dann der Außenminister auch seinen Parteimannen klipp und klar m verstehen gegeben und dabei angedeutet, daß erauch in der Regierung verblieben wäre, wenn ihm seine Partei die Gefolgschast verweigert hätte. Denn das persönliche Ser» aniwortungsgesühl dem Staate gegenüber habe höher zu stehen als die Rücksicht auf nie Partei.
ES ist dem Parteiführer und dem Außenminister offenbar nicht ganz leicht geworden, seinen Standpunkt im Zentralvorstand durchzufetzen, da man naturgemäß nicht die preußische Landtagsfraktion desavouieren wollte. Die Entschließung des Zentralvorstands geht deshalb einen Mittelweg, sie spricht nicht davon, daß die Forderung auf Umbildung der preußischen Regierung aufgegeben wird, sondern es wird gesagt, daß der Zentralvorstand nach Beendigung der Reparationsverhandlungen erneut Stellung nehmen werde. Damit ist aber doch wohl zunächst tm Reiche für die Große Koalition freie Bahn geschas- fen worden, denn man wird die volkspartet- liche Entschließung doch dahin auslegen müssen. daß die Volkspartei keinerlei Schwierigkeiten macht, wenn nunmehr der Reichskanzler drei Zentrumsminister ernennt, womit dann praktisch die Regierung der Großen Koalition gebildet ist. Der letzte Akt der Tragikomödie Regierungskrise hat also begonnen und von dem Reichskanzler wird es ab» hängen, ob nunmehr schnell der Aktschluß und damit das Ende der ganzen Tragikomödie folgt, oder ob sich die Dinge nochmals hin- schlepven, wie es bis jetzt der Fall war.
Ueber eins wird man sich freilich nicht täuschen dürfen, man wird nämlich nicht sich tn dem Wahn wiegen können, daß mit der formalen Bildung einer Mehrheitsregierung nunmehr auch die Schwierigkeiten der Regierung besei- tigt werden. Das hat auch Stresemann mit allem Nachdruck hervorgehoben und tatsächlich dürfte das Ringen um Partei- und Regierungsziele erst eigentlich beginnen, wenn die Regierung tatsächlich gebildet ist. Ob diejenigen dann recht behalten, die meinen, daß man über alle Schwierigkeiten leichter hinweg kommt, wenn man erst mal gemeinsam tn der Regierung sitzt u. wenn der interfrattiogeöe Ausschuß der Regierungsparteien gebildet ist, muß abgewartet werden. Man darf aber wohl von den Parteien erhoffen und erwarten, daß sie endlich die mannigfachen Alarm- und Warnungssignale erkennen und alles tun werden, um durch gemeinsame Arbeit dem Staat unb dem Volke zu Helsen und die mancherlei innen- und außenpolitischen Gefahren abzuwenden, die heute daS Reich bedrohen.
Der geheime Friedensbrechervatt
Holländische Studenten haben ihn aufgespürt — Hollands Schritte in Paris.