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Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 27. Februar 1929.

19. Jahrgang. Nr. 41

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primitive Politik des Wettrüstens festgefahren.

um seinen ctw>

Vergessenheit anbei

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bringen.

Wohnungsnot in Preußen 1935 behoben sein. Wohlfahrtsminister Hirrsiefer führ­te alsdann aus, daß sich der Gesundheitszu­stand auch 1928 gebessert habe. Aussatz, Cho-, lera, Pest und andere geme-ngefährlichc Krank­heiten traten überhaupt nicht mehr auf. Und ganz im Gegensatz zu England hat für unsere gut geimpfte Bevölkerung auch die Erkrankung an Pocken ihre Gefährlichkeit verloren. Dage­gen haben die Todesfälle an Fehlgebur- t e n erschreckend zugenommen, was eine War­nung für alle sein sollte, die die Abtreibung be­fürworten. Die Zahl der Fehlgeburten gehe heute schon in die Hunderttausende. Auch Diph­therie und Scharlach hätten zugenommen, doch sei die Sterblichkeit bei letzteren zurückaeaangen Bei der Grippe hätten wir erfreulicherweise nicht den bösartigen Typus, der in Amerika ge­wütet hat. In einigen Bezirken zeigten die Kropf-Erkrankungen bei Schulkindern bedenk-

ebenso wie Teutsch-Tüdwestafrika. Er steht hin­ter den afghanischen Aufständischen, die Amau- ullah gestürzt haben, wie er auch die Idee eines baltischen Slaatenbundes zur Abriegelung Ruß­lands von Amerika fordert. Er glaubt an kei­nen Weltfrieden, weil er selbst überall Kampf und Krieg hervorrust. Der wundeste Punkt in dieser englischen Politik ist allerdings das Ver­hältnis zu Amerika. Darüber kann sich nun am, Lord Baldwin nicht täuschen, daß er nach dieser Seite hin keine besonders glückliche Hand gehabt hat. Natürlich schiebt er alle Schuld auf Chamberlain, den er am liebsten kaltstellen mochte, zumal er d e englischen Beziehungen zu Amerika durch seine Politik so gründlich ver­dorben hat. Anstelle der Freundschaft ist das Wettrüsten getreten. Ter konservative Marine­minister Bridgman ist freilich auch keiner kom­plizierteren Gedanken fähig und hat sich des­halb in diese

Theatereoup um Dempsey?

Das Attentat vielleicht eine bestellte Arbeit.

Newyork, 26. Februar. (Durch Funkspruch.> Zu einem nächtlichen Ueberfall auf den Box­weltmeister Dempsey in Miami wird gemel­det, daß Dempsey der Ansicht ist, man habe ihn entführen und erst nach der Beendigung des Boxkampfes zwischen Sharkey und Stribling gegen L ü s e g e l d freigeben wollen. Allem An­schein nach war der Mann, der in sein Zim­mer drang und auf ihn schoß, nicht allein. Die Urheber des Ueberfalls sind auch nach einer hal­ben Stunde- noch einmal im Auto zurückgekom- men und haben sich vor dem Hause aufgehalten.

Newyork, 26. Februar. (Durch Funkspruch ! Zu dem Dempsey Attentat vermutet man 'n unterrichteten Kreisen, daß dieses Attentat le diglich der Einbildung entspringt oder daß es vonDempsey absichtlich inszeniert fei,

Auch ihn dürfte ein konservatives Kabinett, ab- stoßen. Nach dem Krieg schien sich England wie Amerika vom Rhein loslöscn zu wollen, wie es ja auch den Ruhreinbruch verdammte. Aber nach und nach ist es den Franzosen gelungen, die englischen Politiker wieder einzufangen England möchte vor jeder Bedrohung durch Frankreich sicher sein und bedarf auch der fran­zösischen Unterstützung in seiner imperialistischen Außenpolitik. Wenn man das auf Kosten Deutschlands erreichen konnte, so war man in London immer dazu bereit.

Aktuelle Lrziehungsfragen

Ueber die Pädagogik Rudolf Steiners sprach Dr Caroline v Hevdebrand, Lehrerin an der Waldorfschule. dieser Tage in der Alten Aka­demie. Mancher war gewiß enttäuscht, als er

** Behouneks Bericht über die Robilc-Ex- pedition vergriffen. Behouneks Tatsachenbe­richt über die Nobile-Erpeditton, der unter dem Titel »Sieben Wochen aus der Eisschol­le' im Leipziger Verlag Brockhaus erschienen ist, ist wenige Wochen nach seinem Erscheinen bereits im deutschen Buchhandel vergriffen Eine zweite hohe Auslage wird Anfang Mär; wieder erscheinen Das Buch ist bisher in vier Sprachen herausgckommen Eine Anzahl weiterer Ueberietiunaen ist geplant.

** Ein deutscher Maler nach Süd-Amerika berufen. Der Tfine(8orfer Maler Curt Labs ist jetzt als Professor an das Institute de. benllas artes in Medellin (Columbien) beru­fen worden.

Die englische Arbeiterpartei rechnet bekannt- Nch ziemlich bestimmt damit, daß ihr bei den Sommerwahlen die Regierung wieder zusallen werde. Die Liberalen würden sich aller Wahr­scheinlichkeit nach auch ihrerseits an einer Links­regierung beteiligen. Damit würde auch Eng­land in einen neuen Abschnitt seiner Geschichte durch die Bildung einer Koalitionsregierung eintreten, die dem jahrhundertelangen Wechsel zwischen Konservativen und Liberalen ein Ende setzen würde. Irgendwann muß dieser histori sche Schritt auch in England getan werden, wie er in anderen Ländern mit starken Arbeiterbe­wegungen getan werden mußte. Selbst Ame­rika wird später einmal das auch heute schon nicht mehr ganz zeitgemäße Zwei-Parteien-Sy- stem aufgeben müssen Natürlich denken die Konservativen nicht an einen kampflosen Rück­zug. Alle Erfahrungen, die Baldwin gemacht hat, der Generalstreik in den Bergwerken, das Schwinden des Loearnogeistes, der zähe macht- politische Konkurrenzkampf mit Rußland in ganz Asien, die komplizierten Beziehungen zu Amerika: das alles hat ibn in der Ueherzetigt- beit von der Richliakeit keines konservativen Programms nur bestärkt. Von den internaüona len Friedensbestrebungen hält er umso weni­ger, als seine eigene ganze Außenpolitik durch ans imperialistisch orientiert ist Er braucht englische Truppen in Indien und in Cb'nci Der Flottenstützvunkt in Singavore soll ein Zentrum englischer Mili'ärkraft im fernen Osten wer­den Er oestt iterßeiriuftt daraus aus,

Deutsch-Ostofr'ka in den enalischen Kolo- f nialbesitz zu überführen

Mitten in der Vertrauenskrise

Stresemann über die Mängel des Parlamentarismus. Mehr Macht dem Reichspräsidenten.

riscbes System' bedeutet die Verantwortlich­keit des Reuhsmintsters gegenüber dem Par­lament, das ihm mit Mehrheit das Vertrau­en entziehen uns ihn zur Amtsniederlegung zwingen kann. Nirgend bedingt diese Be­stimmung, daß der Minister Partetzmann sein muß. Nirgend bedingt die Bestimmung die Ministersitze nach oer Stärke der Fraktion Es lst klar, daß der Reichspräsident mit Rüch- sichl darauf nehmen muß, daß die von ihm er­nannten Reichsminister das Vertrauen der Mehrheit des Reichstages erringen Im übri­gen ist der Eintritt wre das Ausscheiden der Minister von ihrer persönlichen Ver­antwortlichkeit abhängig. Ich verwahre mich persönlich gegen die Anwendung des Satzes, daß eine Fraktion ihren Minister »zu­rückzieht' (Sehr gut!). Die Minister haben vor sich selbst die Frage zu beantworten, ob sie ihr Ami annehmen oder ob sie es auf­geben (Zustimmung). Der Reichstag kann ihnen das Vertrauen entziehen, die Fraktion kann sie aus der Fraktion ausschließen, aber das .Zurückziehen' von Ministern bedeutet, daß in Wirklichkeit die Persönlichkeit nicht mehr besteht, sondern nur noch als Beauftragte irgend einer Organisation er­scheint (sehr wahr!). Diese Auffassung ist

das Ende des Liberalismus überhaupt

Man spricht davon, die Rechte des Reichspräss» deuten zu bestärken. Es heißt aber, das An­sehen des Reichspräsidenten und fein Verant­wortungsgefühl herabwürdigen und ihn als einfache Unterzeichnungsmaschine hinstellen, wenn ohne jede Diskussion über die Auffassung des Reichspräsidenten erklärt wird, daß dieser oder jener Minister ernannt werden müßte Ich bin überzeugt, daß manche Krisis in dem Augenblick zu Ende ist, wo ein Machtwort des Reichspräsidenten erfolgt und die Kabinettbildung aus den Verhandlungen der Fraktionen herausgenommen würde (Sehr richtig!) Die Reichsregierung hat, soweit An­gehörige von Fraktionen in ihr sind, heute feine Mehrheit im Reichstag. Das ist an sich kein Grund anzunehmen, daß sie nicht in der Lage sei, zu regieren.(Die Rede dauert an. (D. Red.)

Die Pflicht zur Gesundheit

Ein wichtiges Landtagsthema. Kran'heits- herde in Preußen. Warnungen für Frauen.

Berlin, 26. Februar. Im Landtag hatte der Ausschuß zum Wohlfahrtsetat Anträge einge­bracht wie Maßnahmen gegen die Kurpfusche­rei, besondere Mittel zur Bekämpfung der Ge­schlechtskrankheiten, Erwirkung eines Reichsge- fetzes zur Bekämpfung der Tuberkulose usw Leider mußten, wie Berichterstatter Stemmler (Ztr.) betonte, wegen der fchlech'en Finanz­lage die Wohlsahrtsmittel abermals um einige Millionen aus 45 Millionen gekürzt werden Das Ministerium müsse die Gesundheit des Volkes garantieren. Bekanntlich soll die

Zer Fememordfall Heines

Zum zweitenmal vor den Stettiner Richtern.

Berlin, 26. Februar. (Durch Funkspruch.) In der Zentralvorstandssitzung der deutschen Volkspartei legte Parteiführer Außenminister Dr. Stresemann heule u a. folgendes dar: Wir wollen einfach registrieren, daß sich nach den Neuwahlen das Zentrum gegen eine stär­kere Vertretung im Kabinett gesträubt, sie dann stürmisch gefordert Hal und aus Grund der letzlen Verhandlungen aus der Regie­rung ausschied. Wir registrieren weiter, daß von preußischer Seite anfänglich jeder Zusammenhang der Bildung der preußischen Regierung mit den Vorgängen im Reiche mit Entschiedenheit zurückgewiesen, später davon abhängig gemacht werde. Lassen Sie uns weiter registieren, daß der Führer der Zen­trumspartei sich selbst für eine der Bedeutung der Volkspartei entsprechende Vertretung im preußischen Kabinett eingesetzt hat Ich habe weiter volles Verständnis dafür daß die Preu- benfraktion es nicht als wünschenswert empfin­det, daß jedesmal wenn von der Volkspariei die Rede ist. die Vertretung von Handels- und Wirtschafts'"eressen als die ihr zukommende betrachtet ' d denn die materiellen Fragen -inen niemals allein die Lösung von Volksfragen bringen .und unsre kulturellen Interessen sind ebenso stark wie die anderen Parteien.

Auch sehe ich in der Anregung des preußischen Ministerpräsidenten einer personellen Verbindung zwischen Preußen und dem Reiche und der Ausgestrltuna die­ses Gedankens durch eine geenseitige Vertre­tung den ersten schüchternen Versuch jene Einheitlichkeit zwischen dem Reich und Preußen zu erreichen, die eines Tages kommen muß. Täuschen wir uns nicht darü­ber, wir stehen in einer Krise des Parlamen­tarismus. die

schon mehr als eine Vertrauenskrise ist. (Sehr wahr!) Die Krise hat zwei Ursachen, einmal das Zerrbild, daraus ein parlamen­tarisches System in Deutschland gewordeil ist, zweitens die völlig falsche Einstellung des Parlaments in Bezug auf seine Verantwort­lichkeit gegenüber der Ration. »Parlamenta-

einzelne Güter verteilt worden. Eines Tages habe er erfahren, daß Schmidt die Arbeit ver­weigere und in Greifenhagen

'DcrM^ungcnmtt^Komntunisten angeknüpft habe. Auf Einzelheiten bei der Festnahme des Schmidt kann er sich nicht mehr besinnen. Der Vorsitzende sucht die Frage zu klären, warum Heines Schmidt erst nach ver­schiedenen Gütern gebracht und warum er auf dem Transport nach dem Forst hauswa­rte n tat soviel Personen und Spaten mitge- nommen habe. Heines erklärte, daß er befürch­tete den Kommunisten seien die Wafsenlager im Walde bekannt geworden und daß er des­halb die Gelegenheit benutzen wollte, die Was- fcn umbetten zu lassen. Heines kommt dann schließlich auf die Ermordung Schmidts zu spre- chen und erklärte, daß er Schmidt bei einem Fluchtversuch erschossen habe. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß Fraebel m der Voruntersuchung ausgesagi habe, Schmidt sei auf eine viel grauenhaftere Weise ums Le­ben gekommen. Heines erklärt, daß dies Phan- lasien des Mitangeklagten seien.

und Tintenklexen. Werden Buchstaben in phan­tasievoller Weise an das Kind herangebracht, so kann Schreiben und Lesen Freude auslösen. Kalte Verstandesschlüsse töten sein Seelenleben. Singen, Enrythmie, Malen, Zeichnen erfreut das Kind. Aus der Tonklinst entwickelt der Lehrer im sechsten Schuljahr die Akustik (Schalls, ans dem Malen die Optik. Später treten die Mechanik und magnetisch-elektrische Erscheinungen hinzu.

Viel Wert legt die Waldorfschnle auf bie moralische Erziehung Der Lehrer ist ihm selbst­verständliche Autorität. Durch sein Beispiel er­zieht er, nicht:Du sollst, du mußt!'

Waldorsschulen sind die einzigen Schulen, in der die Kinder nicht vom zehnten Lebens­jahre an nach dem Geldbeutel der Eltern ge­trennt werden Das Kind des Fabrikdirektors erhält den gleichen Unterricht wie das Arbeiter­kind.

Sitzenbleiben gibt es für normale Kinder an dieser Schule nicht. Rur schwerpathalogische Kinder werden besonders unterrichtet Finden sich genüaend Eltern in Kassel zusammen, die eine solche Schule wünschen, so wird sie auch in Kassel entstehen Außer Stuttgart haben wir sie schon in Köln, Essen, Hamburg und Berlin. O. K.

Stettin, 26. Februar. Tas Schwurgerichts­urteil gegen Roßbachleute wegen Ermordung ihtttsKameraden Schmidt war von^Lieichsge-, ^chtwegenetnesFormfe^krL aufgehoben worden. Der frühere Leutnant Heines, der seine Schuld eingestanden hatte, erhielt bei dem ersten Urteil fünfzehn Jahre Zucht- Haus, während die anderen Angeklagten mtt geringeren Strafen davonkamen. Unter starkem Andrang des Publikums beantragte die Vertei­digung zunächst zwei Geschworene Wegen Be­fangenheit abzulehnen, da sie Kommunisten seien und den Beweggründen der Angeklagten nicht gerecht werden könnten. Die Tat sei des­halb begangen worden, weil Schmidt Waffen an die Kommunistische Partei habe verteilen wollen. Das Gericht lehnt den Antrag ab Heines, der den Weltkrieg als Freiwilliger mitgemacht hat und 1918 zum Offizier befördert worden war, schildert, wie er als Roßbach mann an den Kämpfen im Ruhrgebiet teil- nahm und später mit der Batterie Schulz in den Kreis Greifenhagen geschickt wurde. Dort seien die Angehönaen der Organisation aus die kleine, zarte Frau mit den großen Brillen­gläsern in so sanfter Sprache die großen Ge­danken vortragen hörte Aber allmählich wurde es stiller und stiller und alle standen im Banne der sympathischen Rednerin, selbst dann, wenn sie schwer faßliche Gedanken an den Hörer herantrug: , .

Der Säugling ist ganz hingegeben an feine Umwelt. Großer Kopf, kleine Brust, schwache Gliedmaßen! Wenn er so ruhig im Beuchen liegt, mit Auge und Ohr oer Umwelt hinge­geben, so verrät er fein Innenleben fast nur mit den Gliedmaßen. Er bewegt die Arme und strampelt mit den Beinen. Der Kopf denkt noch nicht. Er schläft noch. Lebendig ist nur ein dumpfer Wille, der sich in Bewegung äußert. Die Lebenskräfte sind in dieser Zeit Plastiker und formen am zarten Körper. Und wenn wir nun hören, daß schlechte Gedanken in der Nähe eines Säuglings eine unheimliche, schädigende Wirkung auf den kleinen Körper ausüben, ebenso wie gute Gedanken fördern, so will uns das beute nur schwer einleuchten.

Aber die Rednerin wußte aus ihrer Erfah­rung einwandfrei zu beweisen: Sie hatte ein kleines Mädchen zu betreuen, deren Eltern oft in Zank und Streit lebten. Diese waren aber fo anständig, daß sie ihre Differenzen nicht in Gegenwart des unschuldigen Kindes austru- gcn Es hörte also nichts vom Zank der Eltern. Aber die trüben, unheilvollen Stimmungen wirkten so zerstörend auf die Magennerven der Kleinen, daß jedesmal Erbrechen etntrat.

Muß eine solche Tatsache nicht geradezu er­schütternd wirken, wenn wir erkennen, wie rück­sichtslos wir oft in Gegenwart Neiner,ver­ständnisloser' Kinder sind? Durch gutesVor­tun' kann man das Kind in diesem Lebensalter fördern, durch schlechtes schädigen.

Diese erste Zeit findet ihren Abschluß mit dem Ausfall der Milchzähne Das Kind erhält im siebenten Jahre fein bleibendes Gebiß Tie "lc>tt'>'che Kraft der Kindesseele im vorschul­pflichtigen Alter wandelt ficb jetzt in Phan­tasie Es lebt in der Märchenwelt und formt und gestaltet wie ein Künstler, selbst an Wolken

My^zMrn. iMmsiMss Brevlüu, CnrenT Trier und Aachen. Diese Krankheiten würden scharf be'ämvst. Gegenwärtig fei nur noch ein Sechstel der preußischen Schulkinder ohne schul­ärztliche Versorgung. Ernstlich müsse man er­wägen, durch gesetzliche

Maßnahmen den Kurpfuschern zuleibe

zu gehen, deren Zahl von 670 im Jahre 1876 auf 11 761 im Jahre 1927 oder 27 auf 100 Aerzte gestiegen sei. Bekämpft werden müsse auch der Mißbrauch mit Rauschgiften. Gegen die zahlreichen Verkehrsunfälle seien provin­zielle und kreisliche Arbeitsgemeinschaften für das Rettungswefen entstanden, die mit der Industrie Zusammenarbeiten. Besonders be­denklich sei noch der Geburten-Rückgang. Seine Finanzmittel seien in gering. Abg. Wester (Z.) verlangte u. a. Bekämpfung desKultur-Bol­schewismus' in Kino, Presse, Theater, Kunst und so weiter.

vaß das wertvolle Material Hofmanns nur für einen kleinen Kreis von Architekten, Kunsthisto­rikern und historisch beschlagenen Kunstfreunden Bedeutung haben würde, aber sie konnten sich andererseits darauf berufen, daß der Geist Sempers, der in dem Schaffen Hofmanns eine getreue Weiterführung gefunden hat, ein gan­zes Jahrhundert beherrschte und insofern jeder sich an Hand seltenen und beweiskräftigen Ma­terials ein Bild vom Baugeist einer ganzen Epoche machen könnte.

Im 19 Jahrhundert, dessen Architektur aus­schließlich historisch gerichtet war, ist Semper bekanntlich derjenige, bei den Baustil der Re­naissance am reinsten, harmonischsten und per­sönlichsten nachzuschafsen verstand. Reben Sem­per bleiben Lipsius ebenso wie Wallot, der Er­bauer des Reichstagsgedäudes, Epigonen.

Für Semper bestand der wahre Ausdruck der Kunst darin, daß sieden Zusammenhang mit allen Jahrhunderten der Vergangenheit zu ahnen gibt und mit Selbstbewutztsein und Un­befangenheit sich ihres reichen Stoffes bemäch­tigt.' Aus den Stilidealen der Klafsizisten er­wuchs ihm die Vorstellung von einer allgemei­nen Stilidee Wenn Hofmann sich ziemlich offen für Sempers Ideen ausspricht, so begibt er sich deshalb nicht in unbedingte geistige Ab­hängigkeit von diesem wahrhaft genialen Kopf, er beweist vielmehr in feiner ernsten, aber tem­peramentvollen Forschung in den Bauformen der Renaissance daß er sich das Fundament zu feinem eigenen Schassen selbst gelegt hat Wie Hofmann seine Ideen nun in die Tat umge­fetzt hat. davon soll die Rede fein wenn das dazugehörige Material zur Ausstellung ge­langt: die zweite fveziellere Hofmann-Ausstel- lung soll Mitte März beginnen.

G. M. Vonau.

Architektur-Ausstellung

In der Alten Akademie. Das Lebenswerk

Theobald Hofmanns.

Der Wirtschaftsverband bildender Künstler hat am Sonntag eine Ausstellung eröffnet, deren Material jedem Museum zur Ehre ge­reichen würde.

Beschickt hat die Ausstellung der jetzt 67jäh- rige, in Kassel lebende Architekt und Kunstge­lehrte Professor Theobald Hofmann, ein Schü­ler von Professor Lipsius, Gottfried Sempers Nachfolger an der Dresdener Akademie Hoff­manns Hauptinteresse lag neben seiner prakti­schen Bauarbeit in der geistigen Durchdrin­gung der Architektur der italienischen Renais­sance; vornehmlich in der kunsthistorischen Er­forschung der Bedeutung Raffaels als Archi­tekten. Hoffmann hat über Raffael allein drei seinerzeit sehr anerkennend aufgenommene Werke geschrieben.

Ein Teil des mit einer geradezu erstaun­lichen Sorgfalt und Gründlichkeit gezeichneten Materials an Plänen und Zeichnungen, das in diesen Werken wiedergegeben ist. stellt Hof- mann jetzt in seinen Originalen ans. Wir sehen einige wesentliche zwischen 1900 und 1914 entstandene Studien zu Hormanns Raffaelwerk ferner insbesondere Material zu einem der wenigen noch erhaltenen Bauten Raffaels, der Villa Madama bei Rom. über die Hofmann ein Sonderwerk geschrieben bat Es folgen Dekora­tionsskizzen der Hochranaissance. dann einige Arbeiten Hofmanns, die ihm den Semperpreis (1889), den großen sächsischen Staatspreis (18901 und das Ricolaistivendium eintruäen: e§ sind Entwürfe zu einem Tbeater und einem Konzerthaus Den Rest der Ausstellung bilden Lipsius' Pläne zu den Kunstneubauten auf der Terrasse in Dresden und eine kleine Gedächt­nisausstellung zu Gottfried Sempers 50. Todes­tag

Die Veranstalter dieser historischen Archttek- fur-Ausstellnng waren sich wohl darüber klar,

Regierungssünden in England

Wohin wird das Wahlpendel ausschlagen?