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Neu« >e nter Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

1. Vellage

MUtwoch, 20. Februar 1929

Die Gasometer-Gx ploston in Berlin

ZM

Aus aller Welt

Grippeepidemie am Rhein

Noch immer ist kein wesentliches Abflauen der Grippeerkrantungcn im Rheinland scstzu- stellen, vielmehr wird aus dem Bergischen Land eine weiter« Zunahme der Grippeerkran- kungen gemeldet. In der Sol'nge, und Ohlig- ser Gegend müssen ungefähr 50 Prozent der Schulkinder dem Unterricht fernbleiben. Die Krankenhäuser sind bis mtf den letzten Platz belegt. Aus dem bergischen Ort Neunkirchen werden auch schwere Fälle der Grippe berichtet. Auch in den Westerwälder Ortschaften tritt die Grippe in bedenklichem Maße auf. Vom Nie­derrhein wird gleichfalls aus mehreren Orten ein weiteres besorgniserregendes Umsichgreifen der Krankheit gemeldet. In Köln ist nach den letzten Statistiken ein Zugang von 99 Grippe» «rrrankungen zu verzeichnen

Feuerwehrauto gegen Straßenbahn

Ein nicht alltäglicher Berkehrsunfall ereig» nete sich in Hannover. In der Kurve am Friederikenplatz, wo die Straßenbahn hiell, nä­herte sich ein Motorfahrzeug der städtischen Be» rufSfeuerwehr, das, als sich die Bahn wieder in Bewegung gesetzt hatte, Klingelzeichen gab, «m den Straßenbahnzug vorschriftsmäßig zu iiderholen. Hierbei geriet das Fahrzeug mit den Rädern zwischen die Schienenvertiefungen, so daß es dem Fichrer des Motorfahrzeuges mcht mehr gelang, das Fahrzeug vollständig Herumzureißen, denn der Hintere Teil des Wa­gens schleuderte gegen die Schntzvorrichtnng des Straßenbahnanhängers. Durch den An­prall wurde Oberbrandmeister Dortmund von dem Wagen auf das Kflaster gesehleudert, wo­bei er einen Schädelbruch erlitt. Straßenbahn- fahrgäste wurden nicht verletzt. Nach amtlicher Darstellung wurde der Unglücksfall dadurch herbeigeführt, daß an der scharfen Kurve, wo die Feuerwehr vorschriftsmäßig der Sttaßen- bahn auswich, ein Lastkraftwagen zwischen die beiden Fahrzeuge geriet.

In der Nacht zum 17. Februar explodierte bekanntlich ein Riefengasometer mit 29000 Ku­bikmetern Gas im Norden Berlins. Was die Explosion noch nicht zerstört hatte, wurde durch die haushoen Flammen des brennenden Gases vernichtet. (Siehe unser Bild.) Sechs Perso­nen wurden verletzt. Durch den Luftdruck wur­den in den umliegenden Häusern alle Fenster­scheiben eingedrückt. Di« Ursache ungeklärt Roch gestern hat man eine Untersuchungskom­mission gebildet, die nur aus Fachleuten und Sachverständigen besteht. Die zertrümmerten

Fensterscheiben sind bereits durch neue ersetzt worden. Der Gasometer soll nicht wieder aus- gebaut werden, va die Behälter in Tegel bis zu 225000 Kubikmeter Gas aufnehmen und den Stadtteil Wedling mit Leuchtgas versor­gen können. In der nächsten Sitzung des Be­zirksamtes Wedding soll der Antrag gestelli werden, daß die anderen Gasbehälter in der Seller- und Müllerstraße, die übrigens schon durch den starken Funkenregen bei dem Waren- hausbrand in der Chausseestraße stark gefährdet waren, von den städtischen Gaswerken außer Betrieb gesetzt und abgerissen werden.

Eine Stabt zu verkaufen

In der englischen Grafschaft Buckingham- shire kommt demnächst eine ganze Stadt unter den Hammer. Es handelt sich um das Städt­chen West Wycombe in der Nähe von Oxford. West Wycombe, das im Jahr 1921 3199 Ein- wahner hatte, besteht fast ganz aus alten, ma- lerisch gelegenen Häusern und hat seit der Zeit der Postkutschen wenig Aenderungen erfahren. Eine Fuhrwerksherberg«, der .Black Bov Inn", hat ein Alter von 700 Jahren. Das Städtchen befand sich seit etwa zweihundert Jahren im Besitz der Familie Dashwood, de» ren Chef, Sir John Dashwood, sich nunmehr von diesem Besitz trennen will. Ein interes­santes und lehrreiches Beispiel aus der Prar- is der englischen Bodenverhältnisse!

Eine blutige Rellerrevision

In der Gemeinde St. Margarethen im Bur» genlande hat sich eine schwer« Bluttat ereignet. Der Gemeindekassierer, der großer Verfehlun­gen beschuldigt wurde, hm den Bürgermeister des Ortes dnrch sieben Messerstiche schwer ver­letzt. In der Gemeinde war es in der letzten Gemeinderatssitzung zu lebhaften Auseinander setzungen gekommen. Einer der Gemeinderäte hatte behauptet, daß bei der Bewirtschaftung

deS Gemeinde-Weinkellers Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Nun wurde im Gemein- deleller eine Revision vorgenommen. Dabei kam es zwischen den Mitgliedern der Untersu­chungskommission zu heftigen Auseinanderset­zungen, in deren Verlaus der beschuldigte Ge- meindekassterer sich mit einem Messer aus den Bürgermeister stürzte und ihm sieben Sttche in den Rücken versetzte. Der Bürgermeister wur­de schwer verletzt ins Krankenhaus verbracht. Der Attentäter ließ sich widerstandslos ver- haften.

Ueberschwemmte Straßen

London, 19. Februar. Das große Tguwei- ter, das die englischen Wetterpropheten für den Montag vorhergesagt hatten, ist zu dem sprichwörtlichen .morgen" geworden, das nie­mals kommt. In keinem Verhältnis zu der geringen Abschwächung der Kälte stehen die ka­tastrophalen Auswirkungen, die in zahlreichen Rahrbrnchen, Kesselexplostoncn und den hiermit verbundenen Verlusten an Menschenleben in die Erscheinung traten. Zn dem Stadtteil Cricklewood wurden die Straßen durch einen Wasserrohrbruch in reißende Flüsse verwandelt das Straßenpslafter wurde durch die Wucht des Wasserdrucks hoch in die Luft geschleudert und richtete an den umliegenden Gebäuden beträcht-

I lichen Schaden an. In der Chanzery-Straße unterwühlte ein mächtiger Wafserstrom die Grundmauern des Archivgebäudes und brachte die wichtigen Dokumente in schwere Gefahr. Das Gelände der Eisenbahnstation Levwnstone verwandelt« sich infolge Bruchs eines Wasser­rohrs in kurzer Zeit in ein« riesige Eisbahn. Der Untergrundbahnhof Alwich am Strand mußte wegen Uederschwemmnng der Gleise und Bahnsteige infolge Rohrbruchs geschlossen lverden. Es bedarf mehrstündigen fieberhaf­ten Arbeitens, nm den Bahnhof wieder dem Betrieb übergeben zu können.

* Eine Geige aus Streichhölzern. Ein junger Kesselschmied aus Staßfurt hat in halbjähriger Arbeitszeit aus 4000 abgebrannten Streichhöl­zern eine Geige angefertigt, die sich als ge­brauchsfähiges und klangschönes Instrument erwiesen hat

* 70 000 Mark Wechselfälschung. In Brack- wede bei Bielefeld wurde der Fabrikant und Mitinhaber der Wäschefabrik B. u. Co., Hugo Hoppe, verhaftet, da mehrere Bielefelder Ban­ken gegen ihn Anzeige wegen Wechselsälschun- gen erhoben haben. Wie festgestellt werden konnte, hat Hoppe auf den Namen einer Fir­ma, bei der er früher lange Jahre als Proku­rist tätig war, einer Textilfirma in Brackwed«

vierWeckselfälschungen begangen, Mt sich «nf 70000 Mark belaufen. Bei Vier Bt«l«fett>er Baicken hatte er die Wechsel untergebracht.

* Brandkatastrophe in einer Irrenanstalt. Eine Brandkataflrophe in der japanischen Jr« renanstalt von Toiama hat 11 Todesopfer a« fordert, sieben Insassen werden noch vermiß«.

* Eifersuchtsdrama. In einem Hotel in Ma« drid tötete der 40jährige Chefarzt einer Slinil seine Gattin durch drei Revolverskhuffe. DK blutige Tat spielte sich vor den Augen des vier­jährigen Kindes des Ehepaares ab. R«h sei­ner Verhaftung erklärte der Arzt, er habe nt einem Eifersuchtsanfall gehandelt. w->il feilte Frau spät in das Hotel zurückgekehrt fei.

« Märkisches Schloß niedergebrannt. Ein großer Braud hat eines der ältesten Schlösser der Mark Brandenburg im Kreise Zauch-Bel» zig bis auf die Grnndmaueren eingeäfchert. Beim Löten einer geplatzten Wasserleitung ent» stand in dem Schloß des Rittergutsbesitzers Rochow in Gollwitz Feuer, das riesige Aus­dehnung annahm, Unersetzliche Kunstgegen­stände, Mtertümer, Waffensammlungen, antike Möbel und wertvolle Gemälde wurden vernich­tet. Der Schaden wird auf eine halbe Million Mark geschätzt.

* Die Lokomotive fährt in eine Gruppe Sol­daten. Bei Divaccia (Italien) fuhr eine Loko­motive mit einem Waggon, der Lebensmittel für die Soldaten enthielt, die mit der Beseiti­gung des Schnees an der Eisenbahnstrecke be­schäftigt waren, in einer Gruppe von Soldaten hinein. Zwei Unteroffiziere und ein Mann wur­den getötet, zwei Mann verletzt.

* Frankreich begnadigt Mörderinnen. Der Präsident der Republik hat heute die Serbin Junka Kures, die vom Schwurgericht des Sei­nedepartements wegen Ermordung eines 12« jährigen Mädchens zum Tod« verurteilt wor­den war, begnadigt. Damit sind zwei der Vier Mörderinnen, die sich gegenwärtig in dem Pa­riser Gefängnis befinden, dem Tode auf de« Schafott entzogen worden.

Musterung -er Bubiköpfe

Ei» Scherz mit amtlichem Anstrich.

Ein Spaßvogel, der über viel freie Zeit zu verfügen scheint, hat unlängst dem weiblichen Teil der Bevölkerung Leipzigs, den Bubt-kopf- scheu gemacht. Eine ganze Anzahl Haushaltun­gen der Pleißestadt erhielt auf amtlichen Formu­laren des Finanzamtes die Mitteilung, daß die zu dem betreffenden Haushalt gehörenden Frauen die städtische Bubtkopfsteuer noch immer nicht an die Finanzkaffe abgeführt hätten, und die Aufforderung, die für die Steuerpflicht in Frage kommenden Personen hätten sich an einem der nächsten Tage persönlich im Gebäude der Amtes zur Begutachtung durch eine Kommission vorzustellen, die die Entscheidung wb der Steuer­fall gegeben sei oder nicht, treffen würde. Im Falle des Nichterscheinens... usw. Der AmtHil jedenfalls war echt. Nun ist es zwar sprichwört­lich, daß die Sachsen helle sind, von den Sächsin­nen indes meldete dies bisherkein Lied, .kein Heldenbuch*, und so wird man sich nicht allzu sehr wundern,, wenn man jetzt der Wahrheit ge- mäß erfährt, daß eine ganz erkleckliche Zahl von Leipzigerinnen den Ulk für bare Münze nahm, am anderen Tage pünktlich zur Musterung er­schien, und erst Krach schlug, als nach mehrstün­digem Warten der wahre Sachverhalt bekannt wurde. Gar zu gern hätte man noch gewußt ob der Schalksnarr an Ort und Stelle war, um Heerschau zu halten über die Töchter der Stadt, die seinem Rufe gefolgt waren, aber leider war das nicht festzustellen.

Nie M öm 6Mois

2b Roman von Han« Schutze

In der nächsten Minute flammte im Schlafzimmer des Fliegers ein Licht auf und stand eine Zeittang ruhig in der Umrahmung des Fensters.

Und dann war cs Plötzlich wieder erloschen und alles still und dunkel wie zuvor.--

Walter richtete sich höher empor.

Kurt von Rhaden!

Auf einmal wußte er was ihn zu seltsamer Stunde zur Einsiedelei geführt hatte, stand das verschwundene Testament, dem er schon am Morgen in der Orangerie nachgespürt, jede an­dere Vorstellung überschattend, wieder im Mit­telpunkt seines ganzen Denkens.

Mit leisen Schritten stahl er sich, die ver- räterischen Kieswege sorgfältig meidend, über die Rasenböschungen des Gartens bis dicht an vas Schlafzimmerfenster. Trotz der Finsternis konnte er im Hintergründe die Umrisse eines Bettes undeutlich unterscheiden.

Ud jetzt drangen ans der Tiefe des Zimmers langgezogene, regelmäßige Atemzüge an sein Ohr.--

Minutenlang verharrte Waller unschlüssig.

Sollte er es wirklich wagen, wie ein Dieb in der Nacht in hie Wohnung seines Opfers einzudrtngen und sich feiner Brieftasche zu be­mächtigen? Eine fast hellseherische Gewißheit war in diesem Augenblick in ihm, haß kein an­derer Verwahrungsort für das kostbare Doku­ment in Frage kommen konnte.

Da stand er an dem kleinen Vorsaal und tastete sich suchend an der Wand entlang Er hatte seine elcttrische Lampe aus der Tasche ge­nommen und sandte zuweilen einen fadendün- nen Licktsireifen über die Steinftiesen.

Die Tür tum Wohnzimmer war nur ange­lehnt Mit äußerster Vorsicht drückt« er den Türflügel ganz langfam zurück und schlich aus den Zehenkvitzen in den nachtdunklen Raum.

Was nun?

Aus einmal fiel ihm her Wahnwitz seines Untersangens wieder lähmend aus die Seele.

Das Blut brauste ihm in den Ohren, seine Schläfen brannten.

Mit wildklopfendem Herzen, unfähig ein Glied zu rühren, lauschte er aus den Atem des Schlafenden, der ihm allmählich immer lauter und drohender, wie tn einem hallenden Sausen aus dem anstoßenden Zimmer herüberzuklingen schien.--

Da knirschte im Garten auf einmal ein leich­ter, rascher Schritt. Walter zuckte zusammen, seine Erstarrung löste sich Mit Gedankenschnelle wich er wieder in den Vorsaal zurück und barg sich hier tief in einer Nische zwischen zwei Oleanderbäumen. Im nächsten Augenblick flog die Tür aus.

Eine weibliche Gestalt huschte so nahe an ihm vorbei, daß sie ihn fast mit dem Kleide streifte.

Und plötzlich schnitt eine angstvolle Stimme durch das nächtliche Schweigen, daß Walter un­willkürlich der Herzschlag stockte.

Kurt, ich bin's, ich muß dich unbedingt noch einmal sprechen.*

Sibylle!*---

Sekundenlang war wieder alles totenstill.

Und dann klang es durch die atemlose Sttkle von neuem, dringender, flehender:

Mach doch um GotteSwillen Licht, Kurt! Die Angst bringt mich ja noch um meinen Ver­stand!*

Walter hatte sich von seinem Nischenversteck weit vorgebeugt und daS Gesicht an den schma­len Angelspal« bet halboffenen Tür gelegt.

Im Zimmer war eS inzwischen bell gewor­den. Der Flieger lehnte mit übereinanderge- ''cklagenen Armen an seinem Zeichentisch.

Er hatte eine Lederjoppe über seinen Schlaf­anzug geworfenen und sah mit unverholenem Erstaunen auf seine nächtliche Besucherin, die kraftlos, verfallen und müde wie eine Schwer- kranke auf dem kleinen Korbsessel zusammen- gebrochen war.

Ein Ausdruck bofsnungSloser Verzweiflung lag auf dem schmalen, süßen Gesicht.

Kurt, hilf mir! Ich bin ja umstellt, gehetzt, verfolgt wie ein Tier!*

Sibylle!*

Der Flieger war ganz nahe zu ihr heran­getreten und rührte leise an ihrer Schulter.

So sprich doch endlich vernünftig! Was ist denn geschehen?*

Wir sind am Ende, Kurt. Seit Tagen trage ich es schon mit mir herum. Ich bin zum Umsinken müde und finde doch nirgends Ruhe.* Die Vergangenheit steht gegen uns auf,' fuhr sie dann mit mühsamer Beherrschung fort. ,Die Herren im Schloß sind nicht das, wofür sie sich ausgeben Dr. Hauffe ist der junge Gras Rttland. Er und der Maler sind hierher ge­kommen, um dich und mich zu verderben.*

Mit einem ächzenden Laut sank sie wieder in sich zusammen und weinte leise wie ein Kind---

Kurt stand unbewegt; keine MnSkel tn seinem undurchdringlichen Gesicht zuckte.

Du siehst Gespenster. Sibylle* sagte er Mag sein, daß es Wahrheit ist, was du mir über jene Herren gesagt hast. Darüber werde ich zu gelegner Zeit mit ihnen abrechnen Was uns beide angeht, so hoffe ich, daß du jetzt endlich einsehen wirst, wo dein Platz ist. Ich allein kenne das Geheimnis jenes Abends, Äs dein Mann starb Und niemand soll es mir entreißen. Und ich allein kann dich schützen wenn man dir deinen Reichtum wieder neh­men will. Solange ich das Testament in mei­ner Hand befindet, bist du sicher. Und du weißt ja auch, wie du dir diese Sicherheit für alle Zeit wahren kannst.'

Mit tränenumflortem Blick sah sie zu ihm auf.Kurt, warum quälst du mich so? Siehst du denn nicht, wie ich leide? Ich finde keine Rnhe, solange ich weiß, daß das unselige Pa Pier noch vorhanden ist. Habe dock Mitleid mit mir. Gib das Testament heraus. Wir wollen es beute Nacht aemeinsam verbrennen *

Ein langes Schweigen folgte.

Die Minuten rannen in qnalvoller Unqc- wißheit.

Auch der Lauscher im Vorsaal stand tote gebannt.

Alle seine Sinne waren aufs äußerste ge­spannt.

Was soll er tun, wie konnte er eingreifen, wenn der Mann da drinnen dem Drängen der Frau nachgab und das kostbare Dokument, das einzige Zeugnis für Lores Erbansprüche, einer unersetzlichen Vernichtung anheimsiel. Kurt war an das offene Fenster getreten und schaute sinnend in daS Dunkel der Nacht hinaus.

Ein Sturm von Empfindungen wogte durch scine Brust Er fühlte, wie die Frau hinter ihm wartete, daß er das erlösende Wort sprach, das sie für alle Zeit aus Not und Friedlosigkeit befreite.

Eine schmerzhafte Leidenschaft überkam ihn Plötzlich, sic in seine Arme zu nehmen und in sveiwiilliger Hergabe des Testaments einzig durch die Gewalt seiner Liebe sich all daS wieder zu erringen, was er schon einmal besessen hatte.

Da sah er ans einmal in der spiegelnden Fensterscheibe Srbvlles Gesicht. Der Ausdruck rührender Hilflosigkeit, der ihm so tief inS Her, gegriffen hatte, war verschwunden Eine dro­hende Falte stand zwischen den Augenbrauen, und ein seltsam lauernder Blick verfolgte jede seiner Bewegungen

Mit einem Ruck wandte er sich zurück; mit einem Schlage war alle Weichheit wieder von ihm abgefallen, war er wieder ganz der kühle, unbeirrbare Tatsachenmensch. .Ich kann deinen Wunsch nicht erfüllen, Sibvlle,' sagte er mit harter Stimme.Weil ich dir nicht mehr voll vertrauen kann. Mein Sinn steht nicht nach Geld und Gut. Ich will mir dick. Und ich weiß, daß du mir wieder entgleitest, wenn ich has Letzte ans der Hand gebe, womit ich dich kalten kann Es bleibt bei dem. was ich dir schon einmal gesagt habe. Am Abend unserer Hochzeit steht dir das Testament zur Verfü­gung Eher nicht'

Sibylle antwortete lange nicht. RegungSlo» saß sie am Tilch. -Wie eine tödliche Lähmung kroch die Erschöpfung der beiden durchwachten