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Kasseler Abendzeitung

Die Reffelet Xenefkn AachriMe« ertoeinen wStbentHd) sechsmal nmbmittaaS. Der Sbonncmenteerti» dcirägi iür seu Lioual 2.30 Je bei freier .iufteünng ms Haus, in der S«!ck>ätt»tzelle abaeholl 2. Jt Durch die Patt monatlich 2.20 Jt anSIchlletzlich -juttcUunaSaebübr. farnwrechei 951 und 952. ftür unverlangt einaefandie LeitrSge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewäbr in keinem falle übernehmen Rückzahlungen deS BezugSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmüttiger Lieferung ist auSgefchloffen. Potticheckkonto Arankfirrt a. M Nummer Tinrelnummer 10 4. TonntagSnmnmer 20 4.

Hessische Abendzeitung

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Nummer 43 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Mittwoch, 20. Februar 1929 Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

19. Jahrgang

Schachts Hingen gegen die Sawessesseln

Mexiko wieder im Aufstand.Die Rundfunk-Röpenickiade vor Gericht.

Verlorene Liebesmüh' an der Saar

Zaube Ohren für PoincarsS Propaganda. Ein Gefahrenherd für Europa.

iüt Der Laar-Paßstelle tauchen wieder Die fremden Uniformen auf. Der Reitende weiß, er verläßt Deutschland Ätzer wenn man dann atneii in der fremden Uniform ansprichi dann merkt man bald, daß gute Deutsche darin stek- ken. und man durchschau« die ganze französische Maskerade, die freilich nicht gerade eine lusti» ge ist. Durch die Straßen Saarbrückens fah­ren die französischen Autos. Deutsche Waren kommen wegen des hoben Zolles nicht hinein. Man sieht dte Trikolore wehen, liest die frem­den Ausschristen, man hört die landfremden Namen der Minister, die der Völkerbund ge­schickt har. Aber wie fehl sich auch ue Franzo­sen krampfhaft bemüht haben, dem Saargebiet eine besondere Fassade zu geben, als ob es ir­gendwie ein Land für sich zwischen Deutschland und Frankreich wäre, die Anstrengungen find umsonst. Nur dte hereingeschlvemmten Frem­den sprechen französisch. Die Bevölkerung

ist deutsch und spricht deutsch.

ohne Ausnahme. Man hat sie auch mit aller­hand wirtschaftlichen Vorteilen nicht verlocken können. Wenn man wirklich noch in Jahr und Tag eine Abstimmung für nötig hatten sollte, dann ist ihr Ergebnis unzweiselhasi.auch wenn noch so viel französische Beamte und Arbeiter nach Saarbrücken geschickt werden. Man kann der Bevölkerung höchstens französische Unifor­men anziehen. Die französischen Schulen fuh­ren in Ermangelung von Schülern ein mehr als kümmerliches Dasein. Die deutschen Eltern reagieren auf die französische Werbuna nicht. Pomcarö wollte das heimgeholte Lothringen unauffällig durch die Saarangliederung ver­größern. ohne daß diese Annexion beim wah­ren Ramen genannt würde. Eine von den vielen

Heucheleien des Frtedensvertrages'.

Und tote das in heutigen Zeiten so ist: mit dem wirtschaftlichen Jtiteresse glaubte man das zu erreichen Wir kehren auf unserer Autofahrt viele Meilen landeinwärts in einem hübsch ge­

legenen Restaurant auf verschneiter Bergcsho- h« em. Die Sprache rings um uns her ist deutsch. Der Radio-Apparat wird angeftellt, und die Gäste erfreuen sich an den Darbietun­gen der Sender von Frankfurt am Main und von Stuttgart. Wiederum hängen die Bestim­mungen für die Schankstätten in zweisprachiger Ausfertigung in der Ecke. Soweit man sich überhaupt um sie kümmert, ist eS nicht der französische Teil, der am meisten gelesen wird. Die Bevölkerung ist nicht für Deutschland be- geistert, das ist wahr. Jetzt har auch die fran­zösische Propaganda unter ihr freie Bahn. Aber die Ehe mit Frankreich ist auch keine Lie­besheirat. In der Hauptsache möchte man Frieden haben von hüben und von drüben. Aber Poincares Befrcierpose wird mit kühler Kritik ausgenommen. Man weiß zu genau, was Frankreich die' Arme bis ins Saargebiet ausstrecken ließ. Das ist keine Besreiermission! So wenig, wie Frankreichs Rhein-Politik auch heute noch Frankreich verhindert notwendige Brück-mbauten, eS verhindert die Anlegung von Autostraßen und die nötige Vermehrung der Eisenbahngeleise. Es kontrolliert mit der deutschen Schiffahrt aus dem Rhein auch die deutsche Kohlenwirtschaft. Man will das Saar- gebiet wenigstens wirischaftlich .angliedcrn". Selbst die Italiener sahen hier die neuen Kriegsgefahren für Europa heranwachsen.Man spürt das an der Saar, wie man es in Loth­ringen spürt und kommt auch auf diesem Wege zu einer Schicksalsgemetnschaft, die freilich nicht gerade nach Poincares Geschmack sein durste.

*

polnischer Staatsbesuch in Danzig

Warschau, 19. Februar. Am 26. Februar wird sich Ministerpräsident Bartel in Begleitung des BerkchrsministerS und höherer Beamter zum offiziellen Besuch nach Danzig begeben. Der Mi­nisterpräsident wird sich zwei Tage in Danzig aufhalten.

Eine Warnung an polen I Armee in Bereitschaft hält und auf eine günstige r ,u. » Gelegenheit zur Ueüecnahme > on Schantung in

r -.n Pariser Stoltimmt Deutschlands feine eigene Verwaltung wartet, stehen Tschi-

Rur

Partei.

Wieder Generalskrieg?

Wenn Japan Schantung räumt.

angkaischecks Truppe» an der Südgruppe von Schantung gleichfalls bereit, Tsingtau, den Hafen Gchantungs, sobald wie möglich zu besetzen

Die ersten Verwicklungen

In Paris greift man zu Unterausschüsse«.

Paris, 19. Februar. (Eigene Drahtmcldung.» Die französischen Blätter sehen darin, daß Un­terkommissionen eingesetzt werden, ein Anzeichen dafür, daß die ReparationSkonferenz vor Schwie­rigkeiten gestellt sei, deren Ueberwindung auf den ersten Hieb nicht leicht sein werde. Diese Ar­beitsstockung zeige, wie unrecht diejenigen hatten, die einen schnellen und leichten Erfolg erwartet hatten. In der Montagssitzung habe es sich ge­zeigt, daß die Hindernisse noch keineswegs besei­tigt seien. Die noch einzurichtenden Unteraus­schüsse würden unter sich die technischen Arbeiten aufteilen und den Abordnungsführern Zeit las­sen, die Arbeiter zu einem guten Ende zu brin­gen. Die Aussprache über die Höhe der deutsche,, Zahlungen sei nicht vor Anfang der nächsten Woche zu erwarten. Gestern habe man noch ein­mal darüber gesprochen, wie Deutschland das De­fizit seiner Handelsbilanz beseitigen und die all­gemeine wirtschaftliche Lage bessern könne. Deutschland müsse seine Wirtschaftslage allein so besserns!) daß es seinen Berpslichtugnen nach­kommen könnte.

Paris, 19. Februar (Eig Drahtbericht. Ein radikales Blatt beurteilt die deutsch-polnischen Gegensätze in der Minderheitenfrage anders als die meisten übrigen französischen Zeitungen und schreibt: Die Warschauer Regierung wie alle nicht parlamentarischenRegierungen begehe» jeden Augenblick den Fehler, die deutschen Minderheiten in Polen durch willkürliche Maßnahmen zu reizen. Natürlich haben diese ungeschickten Gesten ihre Rückwirkungen in Deutschland. Trotz der in der Aera der natio­nalen Blocks zu leichtfertig abgeschlossenen Ab­kommen zwischen Frankreich und Polen gedenk« die öffentliche Meinung in Frankreich keines­wegs dem Verbündeten im Osten in ferner Po­litik der Provokation und Unterdrückung der Minderheiten zu folgen. Mehrfach habe der Quai d'Orsay sogar Warschau mit bet ge­botenen Diskretion ausgefordert, »ich, in feiner antideutschen Aktion zu beharren, die Frank- reich niemals unterstütze» würde. Aber der Nationalismus der jungen Völker sei un­verbesserlich, und wenn er durch ein Diktato- rialregime belebt werde, werde er noch uner kläglicher.

London. 19. Februar. (Eigene Drahtmel- bung.) Im nordöstlichen Teil non Schantung ist «S nach Berkchten aus Peking zwischen Truppen der Nanking Regierung und den dortigen lokalen Streitkräften zu Zusammenstößen gekommen. Diese Kämpfe seien aber nur eine Art Auftakt für größere Ereignisse mit dem Ziele, nach dem Abzug der japanischen Truppen die Macht über Schantung zu erhallen. Während General Feng südlich von Tfinan eine große

Auf Schachts Drangen Die SUuatiou war ernst.

Paris, 19. Februar. (Eig. Drahtdericht.) lieber den Verlauf der gestrigen Sachverständig aen-Debatte berichtet ein Blatt: Dr. Schacht sei zweifelsohne der Ansicht gewesen, daß feine

bisherigen Darlegungen feine Kollegen nicht überzeugt hätten. Daher habe er nochmals be­tont. daß ohne eine aktive Handelsbi l a n z die deutsche Wirischast unmöglich die Re- parationslasten tragen könne. Man habe sich gefragt, ob man sofort zur Generaldiskussion übergehen oder erst die Meinungsverschieden­heiten in den Unterschüssen mildern wolle. Der Streit fei sehr ernst gewesen. Die Experten hätten ihm nicht leichtfertig lösen wollen Sie hätten daher zwei ihrer Mitglieder, Sir Jo- tuah Siamp und Dr. Schacht beauftragt.

die Frage zu prüfen und ihnen heut« vormit­tag einen Bericht zu unterbreiten. Die ameri­kanischen Sachverständigen hätten Schacht zwar entgegengehalten, daß bei der Arbeit Von Un­terausschüssen sich nichts Neues ergeben könne, und das es wohl besser wäre, ohne weiterer den Hauptgegenstand in Angriff zu nehmen, aber aus Dr. Schachts Drängen habe der AuS- schuß doch zu diesem ÄuSgang gegriffen. Schacht und Stamp hätten bereits mit den verschiedenen Delegationen wegen des Für und Wider Fühlung genommen.

Aufruhrsignale in Mexiko

Präsident Gil soll abtreten. - Wie stark sind die Rebellen?

Mexiko, 19. Februar. (Durch Funkspruch) Unter Führung des ehemaligen mexikanischen Gesandten in London, Balenzuela, ist ein Aus­stand gegen den Präsidenten Gil ausgebrochen Der 4>ilitär.Gouverneur des Staates Sonora, General Manzo, ist zu Balenzuela übergegan gen. Beide erklärten, sie beabsichtigten, den Präsidenten Gil zu stürzen, der nur der Wortführer des ehemaligen Präsidenten Cal­les sei. Die Zahl der Aufstänvstchen wird auf 10000 Man» angegeben, während die Regie­rung versichert, daß sie nur über 500 Mann ver­fügten. *

Der Aufstand greift um sich

Ncwyork, 19. Februar. (Durch Funkspruch.) Die Aufständischen sind unter dem Präsident­

schafts-Kandidaten Balenzuela in die Stadt No- galeS eingezogen. Sie fallen etwa achttausend Mann zahlen. General Manzo will sein Haupt- quartier in der Hauptstadt des Staates Sonora. Hermosillo aufschlagen. $r hat bereits Versuche unternommen, sich der Städte Sonora, Aalisco und Selaloa zu bemächtigen. General Aguiro und etwa zwanzig andere Generäle seien $u ihm übergegangen.

d - -e

Ncwyork, 19. Februar. (Funkdienst.) Die mexikanische Regierung scheint die neuerding« ausgebrochene Revolte als sehr ernst zu betrach­ten, denn sie hat, wie auS Mexiko gemeldet wird, den Kriegsminister Amara selbst mit dem Oberbefehl über die Bundestruppen betraut.

Siltüturfrife für Spanien

Der König soll entscheiden. - Ersatz für Primo be Rivera.

Paris, 19. Februar. (Eig. Drahtbericht.) Nach einer Meldung aus Madrid' wünscht Pri­mo de Rivera heut« in einem Ministerrat unter dem König Vie verworrene innerpolitische Lag: zu klären. Allgemein sei man der Ansicht, daß König Alfons den General Primo de Rivera in seinem Amt bestätigen werde. Demgegen­über meldet die Chicago Tribüne aus Madrid, König Alfons suche noch vor Eröffnung der Internationalen Ausstellungen in Sevilla und Barcelona einen neuen Diktator anstelle von Primo de Rivera. Letzterer fei bereit, den Posten nn einen jüngeren und entschlosse­nen Mann zu überlnssen. Der König verhandle nun mit dem Grasen M a u r a, dem Sohn des Fiimnzministcrs, und mit dem spanischen Ge­sandten beim Vatikan Martin Wagraz. Es sei wahrscheinlich, daß letzterer die Nach­folge Primo b< Riveras übernehmen werde.

Sine Snadensrlst fflr Primo de Rivera

Madrid, 19. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Man rechnet zwar nicht damit, daß der heutige Ministerrat eine Lösung der Diktaturkrise

bringt, meint aber, daß die Regierung noch sech« bis acht Wochen im Amte bleiben werde, bis sich die innere Lage noch gefestigt habe. Ma« er­wartet, daß im Ministerrat endgüllig über eine Amnestie anläßlich des TodeS der Königin Mut­ter Beschluß gefaßt wird.

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Dorstotz der Artillerieoffiziere

London, 19. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Nach Meldungen von der spanischen Grenze fei­ten in Madrid zwei Generäle verhaftet und in das Militär Gefängnis eingeliefert worden fein. Die Artillerie-Offiziere des ganzen Landes hät­ten an die Regierung die Mitteilung gerichtet, daß sie die Gesinnuns der Artillerie-Offiziere in Ciudad Real und Valencia billigten und bett Erlaß einer allgemeinen Amnestie forberten.

Spanien« Friedens-Unterschrift

London, 19. Februar. Der spanische Mini­sterrat hat die Unterzeichnung des Kelloga- PaktcS beschlossen, die heute durch den König erfolgen wird.

Wenn -er Eisgang kommt

BorsichtSrnaßnahrnen am Rhein.

Koblenz, 19. Februar. (Privattelegramm.) Nach Angaben der Wetterwarte ist eine Ver­schärfung der Kälte zu erwarten. Um den Ge­fahren des Eisganges wirksam begegnen zu kön­nen, stellt man in den Rheinvcten vor den ge­fährdeten Objekten Eisbrecher auf. Außer- dem ist eine Sicherhettswache in den Ortschaften eingerichtet ro-rben. Der Beginn des Eisganges wird wie in früheren fahren durch Böllerschüsse. Läuten der Glocken und H^mfignal- den Ufer­bewohnern bekanntgeaeben. Tie in den Häfen von St. Goarshaufen und Oberlahnstein liegen­den Schiffe sind l-urch den niedrigen Wasser stand in eine verzweifelte Lage geraten. Sie lie­gen auf Grund und müssen geleichtert werden. Vier Schiffe haben bereits schwere Beschädigun­gen aufzuweisen. _____

Die Rnn-funk-rropenickia-e

Heute Prozeßbeginn.

Berlin, 19. Februar. (Funkdienst.) Unter starkem Andrang des Publikums und der

Presse begann heute der Prozeß weg«« der Rundsimk-Köpemckiade. Der BortoättSredak- teut Schwartz, der im Rundfunk einen Vortrag über das Problem der FriedenSstcherung hal­ten sollte, wurde bekanntlich damals im Auto gewaltsam entführt, um an feiner Stelle den Abg. Schulz (Komm.) über dar Volksbegehren ;ur Panzerkreuzerfrage fprechen zu lassen. Au- geklagt wegen dieses Streiches sind bet Arbei­ter ScherlinSki, vom Roten FronkLmpfer« bund. Parteisekretär Peuke lKomm.) unb Dr. phil. Karl Franck Letzterer ist in Untetsu- chungShast und wird gefesselt in den Saal geführt. Die Anklage lautet gegen alle drei auf Nötigung in Tateinheit mit Freiheitsbe­raubung fowi« auf Bedrohung mit Erschieße«. Die Angeklagten schildern zunächst den Hergang der Entführung.

SagiSnderbesuch Moskau« aufgeschoben

London, 19. Februar. Laut Pressenotiz wurde die Abreise der privaten britischen H ndelSdele- gation nach Rußland, die auf den 8. März an- gesetzt war, aufgeschoben. Der Aufschub hinge nicht mit Schwierigkeiten sondern mit Frage« der Organisation der Reise zusammen.