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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Di« Äaflelet Sieueften Nachrlchic» er!»einen wöchentlich fetWmnl nachmeiiag» Der übonnementeorei« beiräai ißt den Monn, t.30 Jt bei freier .Snftefluna tn« Hau» in »er SeichiiiiSktelle nbeeholl 1. Jt Durch die Pov monuilich 8.30 Jt auslchlieblich .iuflrUiinneaebüfnr *ernfere<6et 951 und 958 f^fir unnerlnnet einaef<in»te Seihräge kann die Redakiion eine Cerjntroortuns odei Oewäbr in keinem »alle übernehmen :iiü(f*ibluneen be8 ticwabaelbti ober ünforütbe roeeen eironteei nichi ordnunasmütziaer Sieferuno ifl ausaeicklolfen. Pokiicheckkonio Äronftun e. R Rümmer 6380 (tinKlnummer 10 4 SonntnaSnnmmer 20 4.

Hessische Abendzeitung

anKtaengtetfe; EMdeimlsLk ®el6äft8ün*toen die mei-3eite 4. aneroäntge GeickLstSanzeiaen die mm .-teile 10 4 ftamilienunzeiaen die mm*3eile 10 i. Steine Anzeigen aub Raffel da» 8ort 6 4. audwciniae Steine Anzeigen bte mm» Seile 10 4. Reklamen die mm-Seite 38 4. Cffertaebübr 45 4 (bet SufteUuna 85 41 Rechnunabberräge innerhalb 5 Lagen zahlbar üüt bte Richtigkeit aller durch Äerntereiber aufgegebenen Anzeigen foroie für Autnabmedaten und Platze kann nicht garantier, werden, ftllr Anzeigen mit befonber» ichwierigem Latz 100 Rrownt Anttchtag Druckerei: $6la4tbofftr 88'30 TefchSftSftelle: Köln $fr B

Nummer 41 Eiuzelpre»: Wochentags 10 Pfennig.

Sonntag, 17. Februar 1929

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

19. Jahrgang

Vie hoch sie uns belasten mosten

Nachdem ersten Prolog. Auch-re Amerikaner für 2)4 Alilliar-en?

Sn froftfgm Tagen

Zwischenaktsmusik Paris Berlin.

Die renutierfellbewickelten Eskimos, die jetzt vielleicht irgendwo im linden Polarluftstrom vor ihren Eishüllen hocken und tm Zwielichtdämmer der Mitternachtssonne durch Radiowellen oder

Pari-, 16. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) In einem anscheinend maßgebend beeinflußten Artikel schreibt der AußenpolitUer deS Matin: Man erwarte, daß Dr. Schacht am Montag seine Ansicht über die Höhe der Annuitäten äußern wird. Daan würden die Gege reden beginnen Die Alliierten hätten eine Gesamtrechnung aus­gestellt, die sich auf 3% Milliarden Mark belaufe Die Deutschen würden eine Abrechnung aufftel» leu, die kaum 154 Milliarden Mark jährlich be­trage. Morgan und Owen Hanna dächten gewiß an eine zwischen diesen beiden Beträgen liegende Ziffer. Diese Ziffer w rtk weder aus Grund der etwas zurecht gemachten Forderung der Gläubiger noch auf Grund der Thesen Dr Schachts festgesetzt. Vielmehr wäre die endgül­tige Ziffer so zu errechnen, daß Mobilisie­rungsmaßnahme . ermöglicht würden, die die amerikanischen Bankiers Im Einvernehmen mit dem amerikanischen Markt im Laufe der kom­menden Jahre vornehmen sollten. Der Zweck des SachverständigenausschusseS sei nicht, die Annuitäten festzusetzen, die die Gläubiger oder die Schuldner wünschten. Die Zahlen, auf die sich die amerikanischer Bankiers allem Anschein im voraus festg'l-gt zu hab'» scheinen, dürften

zwischen 2200 und 2490 Millionen liegen Auf dieser grundlege.chen An uf*ü. werde der gegenwärtige Gert berechnet werden, den man dann dn'ch unter amerikanischer Kontrolle stehende Kreditoperatiorn.n ou decken hätte. Die Morganpressr äuße t sich fast gleichmäßig in dem Sinne: Da Schacht auf Herabsetzung der deut­schen Zahlungen brm pt, muß man annehmen, daß die deutschen Delegierten bald dementspre­chend präzise Vorschläge formulieren werden Die übrigen Delegierten werden ohne Zweifel warten, bis sie wissen, wa^ Deutschland bietet, ehe sie ihre Ansicht zum Aufdruck bringen.

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so viele Ausgaben tu Ausführung geltender Gesetze festgelegt man denke an Beamien- gehälter, an Soziallasten und vor allem an bte Reparationsverpslichtungen daß kein Fi­nanzminister an diesen Summen etwas ändern kann. Die bewegliche Summe, über die der Reichstag noch frei verfügen kann, beträgt nicht viel mehr als eine Milliarde. Von ihr ein volles Drittel absparen, ist natürlich keine Kleinigkeit. Umsomehr sollte jede mögliche Gelegenheit mit gesunder Entschlußkraft aus genutzt werden.

Man hat dabei an den Haushalt des Weh r- Ministeriums gedacht. Er stieg von rund 460 Millionen auf 590 Millionen, ging bann auf 650 Millionen und in den beiden letzten Jahren auf über 700 Millionen hinaus. Wir sind die letzten, die an unserer, nach dem Dik­tat von Versailles zusammengestrichenen Reichs­wehr und Marine kritteln, oder an ihren not­wendigen Ausgaben Abstriche machen. Ange­sichts der Tatsache aber, daß sich heute jede Be­hörde und jeder Wirtschaftszweig nach der Decke strecken muß, werden auch die Reichswehr­stellen sich sagen muffen, daß über die bewillig­ten Summen hinaus eine Anspannung des Etats kaum noch möglich sein wird, daß man im Gegenteil die- und das wird einsparen können, ohne daß darunter die BerusSausga- ben zu leiden brauchten? Und wie steht es beim Auswärtigen >4imt mit den ^.epräfenta- tionsansgaben? Sollte nicht ein gewisses be­scheidenes Auftreten der offiziellen Vertreter Deutschlands im Auslande im Zeitalter der

ReparationSverhandlungen die zweckmäßigste Art der .Repräsentation- fein? An Ausgaben für die Förderung der deutschen Kultur im AuSlande hat man vielleicht sogar mehr gespart als recht ist, dagegen sind über Verwendung der EtatSmittel für Reisekosten und gesell­schaftliche Repräsentation in der letzten Zeit Dinge bekannt geworden, um die sich unsere Abgeordneten einmal gründlich kümmern soll­ten. ES wird auch da feit Jahr und Tag aus dem Dollen gewirtschaftet, als wenn wir über- Haupt keine Gelbsorgen kennten.

Im ReichsverkehrSministerium' stehen bie großen Subventionen für bie Förderung bet deutschen Luftfahrt im Etat. Gewiß ist auch deren Förderung eine absolute Lebensnotwen- digkeit. Aber auch hier scheinen manchmal bie weitgesteckien Ziele mit den nüchternen Erwä gungen der Zweckmäßigkeit unb der sachlichen Notwendigkeit zu kollidieren. Man erlebt auch hier häufig ein gewisses großspuriges Auftre­ten der Jnteressensen, als ob es gegenüber den von ihnen vertretenen Belangen überhaupt keine Kritik mehr geben dürste. Solange die Reparationsschlinge uns nicht an der Gurgel gelockert ist (unb das sieht nicht so auS. als ob das bald geschehen wird) wird man auch zu unpopulärem Ersparniszwang greifen. Da muß der «Druck von außen kommen, da muß der Reichstag einmal den Mut finden, wirklich ein ernstes Wort *e sprechen. Die bisherige Ent­wicklung des deutschen ReichshaushaiteS zeigt nur allzu deutlich, daß dieser Mut nicht immer in erforderlichem Maße vorhanden gewesen ist.

Wiens lebte Kohlen

Fast der letzte Sack auSgegeben. Ruhrkohle erst in den nächsten Tagen.

Schachts erste Arbeitswoche Hauptthema: Zahlungsfähigkeit.

Die schwersten Stationen kommen troch.

Paris, 16. Februar. (Eigene Drahtmeld.) Die Generaldisknffion ist mit der gestrigen Re parationssitzmig abgeschlossen. Heute findet keine Sidung statt. Am nächsten Montag werden einige Spezialfragen zur Behandlung kommen Die Trasferfrage ist bisher nicht ange­schnitten worden, ebensowenig die Frage der Höhe der Annuitäten. Mit Rücksicht aus den konkreteren Inhalt der Besprechungen werden von der nächsten Woche an die Mittei­lungen über die Sitzungen noch spärlicher au8fallen. (I) ES ist noch nicht sicher, ob Lnterkommiffionen gebildet werden.

Reichsbankpräsidettt Dr. Schacht setzte sein Expose über bie deutsche Zahlungsbilanz fort Auch Dr. Kastl unb Dr. Vögeler äußer­ten sich zu gewissen Punkten. Der englische De­legierte, Sir Josuah Stamp, nahm zu Dr Schacht's Ausführungen Stellung. ES trat vor allem zu Tage, daß man über die Zahlungs­bilanz eines Landes geteilter Meinung fein kann, da eine Reihe von Posten für die Ermittelung der Bilanz nur auf annähernden Schätzungen beruhen Dr. Schacht wies darauf hin, daß die Hoffnung, Deutschland würde durch den Erpottüberschutz bezahlen können, sich als e t n I r r t u m erwiesen habe. Die deut­sche Ausfuhr habe sich bet weitem nicht in dem erwarteten Maß aeftetpert. Das liege vor al­lem an der fortschreitenden internationalen Kartellbewegung, die die Ausfuhrentwicklung in erheblichem Matze hemme.

Ersparnisse noch möglich

Wo der Reichstag ansetzen mutz.

Man sprach von einem Defizit von 700 Millionen Mark. Inzwischen hat der ReichS- sinanzminister Kürzungen am neuen Haus halt vorgenommen und glaubt, mit 340 Mil­lionen Mark Defizit durchzukommen DaS würde dann immerhin nur 18 Millionen Mark mehr fein als bie Summe, bie burch die Stei­gerung der Reparationslasten neu in den ReichsbauShalt hineingekommen ist. Wir wol­len hoffen, baß dem Reichsfinan,Minister da« Kunststück bitter Verringerung deS Defizite« gelingt. ES sinb einige recht unsichere Faktoren bähet fo bte etwas fragwürdige Höhcranket- »ung mancher Steuererträge Dann bleibt im­mer noch bas Problem ber 340 Millionen Mk Hier sollen Ersparnisse helfen Man sollte mei­nen ein Haushalt von 10 Milliarden böte da. ,,, mancherlei Gelegenheit. Aber diese Gele- genbeiten sind doch reckt beschränkt. SS find

Wien, 16. Februar. (Privattelegramm.) Die Kohlennot ist geradezu katastrophal geworden. Die Zufuhr von Brennstoff hat ganz aufgehört. Gestern konnte an die Bevölkerung kaum ein Sack Kohlen abgegeben werden. Die bestellten Ruhr­kohlen können erst in vier bis fünf Tagen ein- treffen. Der Magistrat hat strenge Sparmatz nahmen angeordnet.

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Beitungs- und Betriebselnkchkünkungen

Wien, 16. Februar. (Privattelegramm.) Die Bundesbahn hat bie Reichsbahndirektionen Würzburg unb Essen dringend ersucht, die für Oesterreich verladene Ruhrkohle möglichst rasch nach Oesterreich abrollen zu lassen. Die Pe­troleum- und Petroleumöfengeschäfte Haien ge­stern ihre Vorräte saft ausverkauft Die Ta­geszeitungen teilen mit, daß die neue Papier- abrikverbandS G. m. b. H. infolge der drohen­den Papiernot gezwungen fei, die Belieferung teils wegen Holzstoff-, teils wegen Kohlen- mangel um zehn Prozent zu verringern. Die Wiener Zeitungen werden daher bis auf weiteres in verringertem Umfang erscheinen. Die Betriebsei nstellungen wegen Mangels an Kohlen unb Koks werden immer häufiger. Heute wird bekannt, daß auf dem Erzberg in Steiermark die Arbeit eingestellt werden mutzte, wodurch 2500 Arbeiter arbeits­los werden.

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Die Winterhölle -es wildes

Erfchütternde Berichte über das Wildsterben.

Berlin, 16. Februar. (Durch Funkspruch l AuS Schlesien kommen fortgefetzt «schütlerude Nachrichte, über *>a8 große Wildsterben Wo kaum bie Rotfütterung erfolgen konnte, ist mit Verlusten bi6 zu fünfzig Prozent zu rechnen. Die Zahl der erfrorenen Rehr geht im Liegnitzer Be­zirk allein in die hunderte Die Bestände an Reb­hühnern sind erfchreckend dezimiert worden. Die völlig ermatteten Völler find oft mühelos Beute der Raubtiere, die fich auf diese Weise selbst ret­ten Große, aber ermattete Rehe find von Füch fen angefallen und getötet worden. Die Wild not hat einen derartigen Umfang angenommen daß in der niederfchlefifchen Heid- sogar Schwarz­wild in bie Dörfer kommt Hasen. Rebhühner -mb Fasan, n werden in Massen Beute deS Raubzeuges und der Raubvögel. ES ist schon >eht festzustellen, daß mindesten- bi- auf zwei sichre eine weitgehende Schonung aller Wildbe­stände nötig fein wirb.

2Dflrm?re Luftwaffen im Dknmarkch

Hamburg, 16. Februar. (Privattlegramm > Nach den Angaben ber deutschen Seewarte ist

heute mit weiterem Nachlassen des Frostes zu rechnen. Darnach wird der Randwirbel, der sich über Ungarn gebildet hat, weitere wärmere Luftmaffen vom Mitte'meer hermrfführen Das Schneetreiben in Hamburg dauerte heute vormittag noch an. Die Straßenreinigung kann der Schneemassen kaum noch Herr wer­den. Der Verkehr leidet erheblich.

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Äältertforöe tn Tirol

Innsbruck, 16. Februar. (Privattelegramm.) Der heutige Morgen hat außerhalb Innsbrucks mit 32,5 Grad die biöhe. tiefste Temperatur der Frostperiode gebracht. In den Bergen wurden sogar 37 Grad Kälte gemessen. Die Schulen wurden wegen KohlenmangelS geschlossen. Der Achensee ist beinahe vollständig zugefroren.

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SchSifste Mittel gegen Vrettztretberet

Belgrad, 16. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Mit Rücksicht auf das Steigen der Koh­len- und Holzpreise im ganzen Lande hat der Ministerpräsident alle Behörden angetoiefen, ge­gen Preistreiber auf das strengste vorzugehen.

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Aach -em Frost Wolkenbrüche

llebertaufenbe Balkan flösse.

Athen, 16. Februar. (Eigene Drahtmeldung.l Heber Mazedonien unb Trazien find Wolken bruchartige Regengüsse niedergegangen. Die Flüsse Struma, Maritza und Warda find übet ihre Ufer getreten und haben die Ebene über- fchwemmt, wo sie in Dörfern und Städten be­trächtlichen Schaden anrichteten. Die Eisenbahn Verbindungen find unterbrochen. In den Städten Kavalla und Serres find die Straßen unpasfier­bar. Der Telegraphenverkehr ist unterbrochen.

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Wieder vier Tote durch Sasrovrdruch

London, 16. Februar (Eigene Drahtmel düng.) Aus Eastbourne wird ein neuer schwerer Unglücksfall durch GaSrohrbruch gemeldet. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache war die Hauptleitung gebrochen, waS den Tod von vier Personen zur Folge hatte.

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«In erstorbener Welty äsen

Antwerpen, 16. Februar. (Gig. Drahtmldg.) Fn Anbetracht der EiSverhältnisse, die den Verkehr auf der Schelde unmöglich machen, wurde der belgische Lotfendienst b!S auf weiteres eingestellt, um Unfälle zu vermeiden Ter Verkehr im Hafen ist infolge der Kälte fo gut wie völlig zum Stillstanp gekommen.

Bären- und Walfifchjäger Kunde von den ver­tauschten Klimarollen erhalten, dürften fpöttifck schmunzeln über die verpimpelten Mitteleuro­päer, um deren Gottähnlichkeit eS bei 25 Grad unter Rull doch schon recht triste bestellt ist. Aber man hat doch in diesen vielfach welthistorischen Tagen begreifen gelernt, wie vollkommen die gesamte hochgepriesene Kultur und Technik. Staats- unb Völkerlebeu unseres Jahrhunderts abhängig sind von der kleinsten Drehimg oder Schwankung der Erdachse oder von ein paar Schönheitsflecken im Anttitz der Sonnenkönigiv. Geschlossene Schulen, Rationierung von Wasser und Kohle in den Großstädten, vereiste Flüsse und Meere, Einstellung des Schiffs- und Zug­verkehrs in weiten Teilen Europas, Bettiebs» einfchränkungen wegen Kohlenmangel, leere Kon­zert- und Theatersäle aus Furch vor Erfrierun­gen und noch ein Dutzend leichterer Kättegrotes« ten werden den Winter 1929 sobald aus dem Be­wußtsein der Lebenden nicht verschwinde» lasse».

Diese grandiose Winterillustration gut Le­bens- und Schaffensnot der deutschen Arbefter-, Bauern- und Bürgerfamilien wird unseren Un­terhändlern in Paris ja nicht ungelegen kommen. Edensowenig wie es schaden kann, wenn die skep­tischen Sichverständigen den Reallohn der deu, scheu Hand- und Geistesarbeiter, seine Steuer­kraft und Lebenshaltung gegenüber seinen Kol­legen im Ausland auf Herz und Nieren prüfen wollen. Wird doch damit endgültig die Ansicht Widerlegt, als ob der fronende Deutfche fernen entschieden glücklicheren Kollegen irgend etwa- voraus habe. Auch sollte die deutsche Weltpresse jetzt täglich dem Cyklopenrinaen Sckacktts und seiner Getreuen Melchior-Kaftl sekundieren, wie schon die Pariser Boulevardpresse tut. Täglich und stündlich träufelt sie namenttich den gutgläu­bigen Hankees das Gift ihrer Ueberredunqen ins Ohr in der Hoffnung, sie ebenso wie damals d-n taprigen Wilson ihren verruchten Anschlägen auf Deutschlands Lebensmark gefügig zu macken Zu diesem Zweck hatte PoincarL ja die Rechen- künstler nach der schmeichelnden, verlockenden Lichtstadt geholt, um alle Ueberredungs- unb Verführungskunst des gleißenden Kulturzen­trums spielen zu lassen, denen schon unnahba- rere Diploma'enseelen erlegen sind. Am Ende der ersten B-ratungsw >che letzt jedenfalls soviel fest, daß, trotzdem Schacht urd seine Getreuen mit Menschen, und Engels u.rgen die weitere Untragbarkkit der Milliardenlasten dartat, die Gläubiger von ihren Forderungen noch nicht einen Pfifferling preisgegeoen haben. In der nächsten Woche wird nun das Ringe« um die .Kommerzialisierung* anheben, die Deutschland auf Geschlechter hinaus den Händen privater Gläubiger ausliefern soll, ohne jemals gegen die unmenschlichen Aussaugungsmetboden Protest erheben zu können.

Dieser Atmosphäre deS Mißvergnügens, die sich aus Frostschauern, Reparations- und Regte, rungssorgen um die deutsche Seele spannt, hat auch dem ehemaligen Reichs7anzler und erköre, neu Republikanerhaupt Wirth einen Swßseuf- zer entlockt, der nta,t ungehört und wirkungslos verhallen wird. Wenn nun der vielumstrittene Politiker, mit dem auch mS Ausland noch stark rechnet, in den Ruf -usb.icht: .ES kann wirklich nicht so weiter gehen wie tn den letzten Tagen, sonst endet die zehnjährige Emwicklurg der Demokratie in Deutschland -,evau so wie der Liberalismus tn Italien. Der ganze Spuk der letzten Wochen und um einen solchen handelt eS sich ist der B o r b o t e des Faschis­mus*... so ist da sdoch mehr als der Unkenruf eines Verzweifelten, dem der Doder unter den Füßen zu fdmribcn droht. Und wenn der best­gehaßte Kanzler von langwierigen SonkordatS- kompromisser. in Preußen aorät und meint: .Es wird Zeit, politische *ilanz zu machen. Hat es noch einen Sinn, ,a die B rbunbtnfielt der Re­publikaner im Werke von Weimar zu glauben? Fast möchte man daran zweifeln*, dann spricht das doch von einer bedenkliche.: parlamentari« scheu lieber Übung euch ber stärksten Staats» faulen. Natürlich wird man den Pessimis­mus eines umsonst gegen den Parteistachel lök. kenden Unzufriedenen nicht teilen können, denn bis zur faschistischen D'ktatur werden es auck die oerpichiesten Kr enm cher kaum kommen lassen. Aber die Grotefle, daß -ine Regierungsbildung daran sckeitert, 1 »-* die ve autwortlicken

VerhanblungSleite' am T-levbon .verhören*, wird r.an auch *>en frommer Wählern im Reick nicht mehr auftiscken dürfen. Man darf gespannt