Kasseler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Freitag, 15. Februar 1929
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntag- 20 Pfennig.
Sie Sachverständigen prüfen scharf
Schacht klart Paris auf — Gilberts falscher Optimismus
bis jetzt von Deutschland sehr wohl getragen worden. Die Vergangenheit fei eine Gewähr für
sie wüßten, was fie ReichShauShalt (!)
an, daß die Alliierten, wenn
großen Werke bet öffentlichen oder privaten | setzen
erlitten haben, die zu leichte Strümpfe trugen.
Roms Weltmacht
Mussolini- Triumph auch über Pari-.
Auch Wien rationiert die Stoßien
Wien, 14. Februar. (Privattelegramm.) In den gestrigen Abendstunden setz e in Wien bei 13 Grad Kälte leichter Schneefall ein, der sich allmählich in einen Schneesturm verstärkte und d'e ganze Rackst andauerte. Heute morgen lag in Wien Neuschnee in Höhe von zwanzig Zentimeter. Die Temperatur betrug minus 11 Grad. Auch nuS den Bundesländern laufen Meldungen über große Schneeverwehungen ein. Der Kohle «verbrauch ist rationiert worden, vor allem, um das Hamstern von Kohlen xu verhindern
Bon
Dr. Paul Rohrbach.
Aufhetzung -er Lachverftan-
-igen
Ein Blatt trägt „Material" zusammen.
Paris, 14. Februar. (Eigene Drah,Meldung.)
Ein Blau schreibt: Ma« errät, welche Rütte von
Endlich das dritte und wichtigste Stück: Wenn es je zu einem Zusammenstoß zwischen Italien und Franlreich wegen der italienischen imperi« -rlistischen Ziele kommen sollte, so würde die Stellung Italiens erstens dadurch gestärkt werden , daß die italienische Ration g e- eint in einen Streit gebt, bei dem eS sich für Italien um größere Hoffnungen und größere Gefahren handeln würde, als bei dem Söldner- vertrag wegen Eintritts in den Weltkrieg. Zwei» ttnS würden die katholischen Svmpa'hien mehr auf der italienischen als auf der französtfchen Seite fein, und dritten- könnte die französische Energie dadurch gelähmt werden, daß die kirchliche Richtung in Frankreich den Krieg mit einem „im Schatten der Kirche* fechtenden Fta. lien nicht aus vollem Herzen mitmochte. Was nlfo Mussolini mit dem Pakt von Rom gewinnen wollte, ist kurz gefagi der kirchliche Segen für feine Politik des „Größeren Italien*, die, wenn fie jemals mehr werden toll als em bloßes Dckllaowort, den mit allen Mitteln durchgefübrren Widerstand Frankreichs überwinden müßte In einen loschen Konflikt ohne die Gewinnung eine- fotoen voli'ifchen Rktivum», wie deS Paktes von Rom. hinein- ,«geben, wäre auf jeden Fall noch gefährlicher, 'ls eS bei bet un.mikttärisch-n Rattir des Fta< ttenerS fowielo der Fall wäre Eine andere Frage ist natürlich die. welche Motive auf der kirchlichen Seite für den Abschluß des «Patte» bestanden haben, und ob Mussolinis Rech-
Nummer 39 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig
Statistiken und Urkunden Dr. Schacht und Herr Wirtfchaft (!) de« hohen Zahlungen an die Be- Kaftl entfaltet haben, um daS so klare Zeugnis amte» ufw. zu halten hätten,'nicht verfehlt hüt- deS ReparationSagenlen zu widerlegen, der den ten, den deutschen Behauptungen ihre Gegen- Dawesplan für tragbar HLU. DaS Blatt nimmt gründe entgegenzustellen. Der Dawesplan sei
Loudon, 14. Februar. Der Oberste Rat der Heilsarmee entschied heute mtt 52 gegen 5 Stimmen, daß General Booth unfähig sei, sein Ami weiter auSzuüben ES wurde deshalb beschlossen, pen General seines Amtes zu entheben Bier Mitglieder enthielte« stch der Stimme.
London, 14. Februar. Der Oberste Rat der Heilsarmee wählte den Generalstabschef Higgins zum Rachsolger des General Booth
London, 14. Februar Die bereite gemeldete HiggtnS-Wahl zum Nachfolger deS Generals Booth erfolgte mit 42 Stimme«. Für die Schwester deS Generals Booth, wurden 17 Stimmen abgegeben.
Berlin, 14. Februar. (Funkspruch.) In den heutigen Morgenstunden wurden in Berlin noch co. 18 Grad gemessen. Sett dem Mittwoch abend schneit es ununterbrochen. In der »ergangenen Nacht wurden in Leipzig noch biS zu 25 Grad gemessen. ES ist starker Schneefall ringe- treten. Die Sohlen fln't feit gestern rationiert. Es gibt nur einen Zentner für die Haushaltung
Kowno, 14. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat in der Krim nach schärfster Kälte watmeS Frühlingswetter eingesetzt.
Königsberg, 14. Februar. (Privattelegramm.) Die Kätte ist im langsamen Abflauen begriffen. Heute morgen um %8 Uhr zeigte daS Thermo- meter nur noch minuS 11,5 Grad.
* * *
Gs schneit auch im Osten.
Mildere Tagestemperaturen. Verkehr behindert.
Görlitz, 14. Februar. (Privattelegramm.) Rach wochenlangem trockenem Frost hat hier gestern abend bei minuS 19,8 Grad und leichtem Nordostwind lebhaftes Schneetreiben eingesetzt. DaS Maximum während der Nacht betrug 24 Grad Kälte. Heute morgen schneit eS nach leichter Winddrehung nach Nordwest bei minus achtzehn Grad weiter. Es sind bisher acht bis zehn Zentimeter Neuschnee gefallen, wodurch der Straßenverkehr sehr behindert ist. Auch im Fernsprechverkehr find Stockungen eingetreten, während der Eisenbahnverkehr nur durch die Kälte behindert ist. (Vergleiche auch Kältemeldungen 1. Beilage 1. Seite. Die Red.)
Görlitz, 14. Februar. (Privattelegramm.) Bei 18 Grad Kälte begann am Dienstag abend in Görlitz und der weiteren Umgebung starker Schneefall, der zurzet tnoch anhält.
Beide Beine In 31orflrümpftn erfroren
Berlin, 14. Februar. (Funkdienst.) In Nauen find einem jungen Mädchen be? Seine bis zu den Knien herauf erfroren. 7 Mädchen glaubte, auch In dieser Kälte mit auch- dünnen Florstrümpfen geben zu müs- en. Nun werden ihr aller Wahrscheinlichkeit nach beide Seine abgenommen werden. DaS Berliner Gesundheitsamt teilt mit, daß auch in andren Fällen diejenigen Frostschäden
Trotzki wir- scharf bewacht
Als Sowjet-Gefavgener in Konstantinopel.
Konstantinopel, 14. Februar. (Funkspruch.) Trotzki ist mit seiner Gattin, seinem Sohn und seinen beiden Töchtern unter dem Namen Sei«, ross ans einem besonders für ihn jefdjartertcn Dampfer hier eingetroffen. Er wurde unter Bewachung nach dem Konsulat der Sowjetunion gebracht. Trotzki wird vollkommen als ©efangener behandelt und es ist ihm auf das strengste untersagt, irgendwelche Verbindungen nach außerhalb anzuknüpsen. vorläufig befindet sich Trotzki noch unter der Autorität der Sowjets. Sein baldiger Ab- «ranSport «ach Angora steht bevor.
Das Ende der Booih-Dgnastie
London, 14. Februar. (Eigene Drahttuel- düng.) Durch die kurz vor Mitternacht erfolgte Wahl deS Kommissars HigginS zum General der Heilsarmee ist die Herrschaft der „Booth- Dynastie* in Ende gekommen. Der neue General, der 64 Jahre all ist, gehört der
Die Saikin «eoesten -iachnLica erttbelntn mtMbtntlt* f«bemal wubmittag«. Der übonatmenfepreiB btirägi für den Monat ».30 Jt bei freier .-iultcllung '» 6er ®cf4äft8ftene aböcboli 1- A Dar» die Po» monatlich 2.20 A au«ltbIleMi<b 8üftrQang«arbüftr fierntorechei 951 nab 952. ftfir anverlangt eiagefaadie Veitröge kann die Redakttoa eine «eraaiwortang oder (9emä6t in feinem tz-ve fibernrbmea .Hüdwblungtn de« «ewgbgette« ober «nfvrüche wegen etroatgn »>40 ordnungsmäßiger Lieiernng tfl auSaeschlofien. - PoOfcheSkonto üranftnri a. M Rümmer «S80 Einzelnummer 10 4. £onntag«nnmmer 20 X.
Ten italienischen Liberalismus haben die Fa. schisten zerschlagen, und es hat sich dabei gezeigt, daß nichts hinter ihm stand, als eine dünne Oberschicht von anti-klerikal eingestellten Gebildeten: Literaten, Beamten, Parlamentariern, Juristen und sonstigen Politikern. Diese Klasse hat Italien bis zum Einbruch des Faschismus regiert und ist von ihm fortgefegt worden. Nach ihrer Beseitigung gab es gegen einen Patt mit der Kurie wie den jetzt zustande gebrachten, an inneren Widerständen nur noch den ganz brutalen Machtstandpunkt von Faschistenführern zweiter und dritter Ordnung, denen jedes Zugeständnis an eine machtpolttisch nicht überlegene Stelle von vornherein alS unwürdige Schwäche" erschien. Mussolini hat es wagen dürfen, mit diesen Elementen Fraktur zu sprechen, oder sie sonst zu ignorieren. Die nächste Frage ist natürlich: Was verspricht er sich alS tatsächlicher Beherrscher Italiens für seine Ziele von dem Pakts Die religiöse Idee spielt für ihn sicher keine Rolle. Er kann nur politische Gedanken gehabt haben, und da nach seiner eigenen Formulierung Politik in der Anwendung von Macht besteht, und italienische Politik tn italienisch-nationalem Imperialismus, so muß dies Ziel für i-n auch bei dem Abkommen mit der Kurie lebendig gewesen sein.
Es ist klar, daß nach dreifacher Richtung sich Porteile für den italienischen Jmperialsmus ergeben. Die erste, weniger dedeutende, jedoch immerhin wichtige, ist die auf das Auslands- italienertum, dessen wichtigste Wohngebiete in Nordafrika und Südamerika liegen. Die Aussöhnung zwischen Kirche und Staat tn Italien wird selbstverständlich dazu beitragen, daß btt AuSlandSitaliener noch fester als bisher beim natwnalen Gedanken gehalten werden können. Eine zweite Richtung führt schon mehr in die große Politik. Mussolini möchte das politische Auslandsprotektorat über die Katholiken jeder Zunge von der Levante biS nach Ost- allen, das früher von Frankreich beansprucht und behauptet wurde, an Italien bringen. Dazu braucht er die Zustimmung der Kurie, und man darf es wohl alS sicher annehmen, daß die geschehene Derstandi« gung diesen Punkt mit einbegreift. Rach dem Konkordat 'st die katholische Religion in Italien - Staatsrelegion. Damit ist der volle Gegensatz gegen das anti-klerikale Frankreich erflärt, wo die kirchliche Sonderstellung Elsaß-Lothringens einen schweren Stein des Anstoßes für die herrschenden Parteien bildet. Der Widerspruch zwischen der inneren und äußeren Haltung veS offiziellen Frankreich zu den kirchlichen Dingen hat je länger desto mehr dahin geführt, daß die Prolektoratsidee als Hilfsmittel für die französische Stellung im Aus'ande Sinn und Kraft verlor. Es ist nur logisch und natürlich, wenn das mit der Kirche auSgeköhnte Ita'isn ietzt in diese von Frankreich preisgegebene Po- tfion einrücken will.
eingefrorene Spritzen beim Dorsbranb
Stettin, 14. Februar. (Privattelegramm). Im Dorfe Buschhorft bei Lauenburg in Pommern brach Feuer auS, daS stch, der infolge der Kälte daS Wasser in den Spritzen gefror, sehr schnell ausbreitete. ES wurden die Wohnhäuser von vier Gehöften fowie ein großes Wirtschaftsgebäude eingeäschert. Auf einem Gehöft fiel der gesamte Viehbestand, auf tingm anderen die ganze Ernte dem Feuer zum Opfer.
londoner (Stimmen über Schachts Ziele
London, 14. Februar. (Privattelegramm). Zu den gestrigen Reparationsverhandlungen in Paris erklärt die Times, eS fei nunmehr absolut klar, daß die deutschen Sachverständigen, abgesehen von ihren Bemühungen eine Herab- setzung der Annuitäten des DaweSplaneS zu erreichen, sich jeder Ausdehnung der JahreSzah- hingen über daS Jahr 1961 hinaus mit Heftigkeit widersetzen würden.
Heilsarmee feit 1882 an. Seit zehn Jahren war er der Hauptmitarbeiter des abge- setzten Generals. Wie sich Booth zu der Ent- scheidung stellen wird, ist noch nicht bekannt, ebensowenig, war auS dem gerichtlichen «erfahren werden wird.
Schorfe Nachprüfung durch die Billetten
Paris, 14. Februar. (Eig. Drahtbericht.) Einem Blatt zufolge wird die Herabsetzung der DaweS-JahreSzahlungen durch den Reichsbank prSstdenteu mit der wirtschaftlichen Notlage begründet werden. Deshalb werden die alliierten Sachverständigen, die gegenteiliger Ansicht feien, sehr eingehend die Unter la- gen nachprüfen, die für die Festsetzung der deutschen Schuld von Bedeutung seien. Ein Blatt hält eS für unmöglich, daß die Beratungen von Ostern ein Ende finden könnte«,
2Bte sie gegen Schacht arbeiten
Paris, 14. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige Reparations-Vorsitzende Abg. Louis Dubois, sucht offenbar bei den Sachverständigen für feine Gedanken Propaganda zu machen. Er hat laut Avenlr gestern jedem Delegierten ein Exemplar eines von ihm verfaßten, soeben erschienenen Buche - ü b erleid) e n lasten, daS sich auf die französischen Schuldenabkommen mit den Bereinigten Staa. ten und England auf den Dawesplan bezieht.
Cln ungebetener (Saft im Saal
Paris, 14. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Im Sachverständigen-AuSschuß fiel eS gestern einem Delegierten auf. daß sich ein Unbetann. ter im Saale befand. Al- die Beratungen schon bßonnen hatten, fragte ein französischer Delegierter den Unbekannten nach feinem Namen. Dieser erklärte daraus, er fei ausländischer Journalist und sei am Tage zuvor in Pari- angekommen. Sein Name wird In den Zeitungen nicht genannt Der Unbekannte wurde höflichst ersucht den Saal sofort zu verlassen. Es war ihm gelungen, in den Saal einzu- bringen, indem er mtt einem Delegierten eintrat
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Es schneit schon überall
Steigende Temperaturen. — Schneesturm in Wien. — Fn der Krim FrühlingSwetter.
Paris, 14. Februar. (Eig. Drahibericht) lieber die gestrige ReparattonSstyung wurde folgendes Lommuniquee ausgegeben: Heute vormittag hatten Dr. Schacht und seine Kollegen ihr Exposee über die Wirtschaftslage Deutschlands fortgesetzt. In der Rachmlttaqs- Diskussion wurden besonders der Lebensstandard in Deutschland, gewisse Einzelheiten des Reich-budgeiS, die Entwicklung der deutschen Industrie, die Handelsbilanz und einige andere Fragen berührt.
Paris, 14. Februar. (Eig. Drahtbericht.) Ein Blatt beruhtet weiter, Dr. Schacht habe daran erinnert, daß di« Handelsbilanz Deutschlands ein Defizit in Höhe von einer Mil- liardr aufweife. Damit die DaweSannuitSten bezahlt werden könnten, fei ein größerer Heber schütz in der Handelsbilanz notwendig. Andererseits müßten auch bei den Einfuhr, und Ausfuhrziffern die Reparationsfachlieferungen in Berücksichtigung gezogen werden. Dr. Gchackit habe außerdem die zu optimistischen Schlußfolgerungen Parker Gilberts hinflchtlich der butgetären Einnahmen auS den fünf verpfän- beten Einnahmequellen (Zoll, Tabak, Bier, Alkohol und Zucker) erörtert. Einem anderen Blatt zufolge wird die Prüfung dieser allge meinen Fragen die ganze Woche in Anspruch nehmen. Trotz hier umlaufender tendenziöfer Gerüchte bleibe der Eindruck vor dem Verlauf der Verhandlungen gut. Chicago Tribüne erklärt: Die Verhandlungen gingen dreimal so schnell voran, alS man vorher angenommen hatte, und werden, wenn dieses Tempo beibc« halten würde, schon in einem Monat zu Ende sein, statt i« zwei oder drei Monaten,
5m hohen Norden 8 Grad 2Mrmt Kopenhagen, 14. Februar. (Eig Drahibericht) Zn Bardo tm Norden Norwegens herrschten gestern 8 Grad Wärme. Oslo und Stockholm haben Kohlenmangel.
Verschiedene Kältegrade im Westen
Parts, 14. Februar. (Privattelegramm). Die Kälte ist auch heute noch im großen und ganzen die gleiche geblieben, sogar auf der Seine treibt Lis. Nachdem gestern nachmittag eine Erwärmung bis minus 7 Grad eingetreten war, ist die Temperatur in der Nacht bis minus 15 Grad gesunken. Die niedrigste Temperatur wird aus Remiremont mit minuS 30 Grad gemeldet. Belfort hat minus 8 Grad, Straßburg minus 15, Calais minus 9, Bordeaux minuS 4, Breste minuS 1 Grad, Pergpignan 0 Grad. Die telefonische Verbindung ist z. T. unterbrochen.
General Booth abgesetzt
HeilSarmeesührer ist jetzt HigginS.
von den Tarnungen im ReichShauShalt (!) i _ .....
seinen Zahlungen an die Einzelstaaten, seinen, die Zukunft. ES bleibe nur übrig, die deutsche verschleierten Subventionen an die Schuld und die Art ihrer Flüssigmachung festzu-