Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Mittwoch, 13. Februar 1929
19. Jahrgang
Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.
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Italien feiert das Dersöhnungösest
Gin historischer AN in Rom
Der FrledenSschlnß deS Heiligen Stuhl» mU dem Staat.
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läutet, und der Bürgermeister sandte an den SardinalftaatSsekretSr ein Huldigungstele.
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eine Nuntiatur. Dieser Nuntius wird der Do. den deS Diplomatischen Korps beim Quirinal sein. Die Sehenswürdigkeiten und Kunstdenk- mäler im Vatikan und im Lateran werden weiter dem Publikum zilgänglich sein. Die Verbrechen, die In der vatikanischen Stadt begangen werden, werden vor den italienischen Behörden aus Grund einer Delegation des Heiligen Stuhlz ubgeurteilt Die vatikanische Autorität wird diejenigen Flüchtlinge, die sich schwerer Vergehen schuldig gemacht haben, ausliefern. Der Heilige Stuhl erklärt, "daß er nicht teilnehmen wird an internationalen Konferenzen, die zu beson
deren Vereinbarungen einberufen werden, es sei denn, daß seine Vermittlung von den interessierten Mächten angerufen wird. Aber der Heilige Stuhl behält steh vor. seine moralische und geistige Macht in di« Wagschale zu werfen in allen solchen Fragen. Die vatikanische Stadt wird infolgedessen stets und ewig
als neutrales und unverletzbares Gebiet zu betrachten fein. Der Vertrag schließt mit den Worten: Der Heilige Stuhl erklärt, daß mit diesem heutigen Vertrag alles geschehen ist, um in vollkommener Unabhängigkeit und Freiheit der freien Seelsorge von Rom und der Weltkirche zu genügen. Damit wird die Römische Frage als erledigt erklärt und beide Staaten erkennen sich gegenseitig an.
Rom, 12. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern wurde folgendes amtliche Kommunique verbreitet: Heute mittag wurde im Lateran von Kardinalftaatssekretär G a s pa r i und Ministerpräsident Mussolini der Vertrag unterzeichn net, der die römische Frage löst und erledigt
Nummer 37 Einzelpreis: Wochentag, 10 Pfennig.
Al« Siaatsreiigioa anerkannt
Das Konkordat besteht aus 45 Artikeln. ES wird daran bestimmt, daß alles, was mit dem Heiligen Charakter RomS in Widerspruch steht, vom italienischen Staat vermieden und nicht erlaubt werden wird. Der Staat anerkennt alle von der Kirche eingesetzten Feiertage als Staats-Feiertage Die Seelsorgefreihett wird garantiert. Der geistliche Zuspruch bei den militärischen Körperschaften wird zugesichert. Die Wahl der Bischöfe und Erzbischöfe erfolgt nach dem für Polen längst festgesetzten Konkordat. Es folgt sodann die Regelung der kirchlichen Gesetzgebung und der Anerkennung der religiösen Orden als ju- ristische Personen Bezüglich des EherechteS wird die Wirkung der rein kirchlichen Ehe anerkannt, und die italienische Regierung erklärt, daß sie alle gerichtlichen Urteile der geistli- eben Gerichte anerkennen wird. Der Religionsunterricht wird nicht nur in den Volksschulen, sondern auch in den Mittelschulen erteilt werden. Dar Programm hierfür wird allgemein vereinbart werden. Die katholische Aktion wird anerkannt. Die finanzielle Regelung besteht in der direkten Ueber- wetsung von 750 W{(innen Lire und einer Milliarde in Staatsrenten (KonsolS).
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ferner ein Konkordat zur Regelung der Verhältnisse der Religion und der Kirche in Italien und ein Uebereinkommen. das die finanziellen Beziehungen zwischen dem Hei- ligen Stuhl und Italien im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1870 regelt. Dem feierlichen Akt wohnten hohe päpstliche und römische Würdenträger bei.
Rom. 12. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Zur Unterzeichnung deS Versöhnungspaktes zwischen dem italienischen Staat und dem Vatikan hatte sich schon in den frühesten Morgenstunden eine unabsehbare Menschenmenge eingesunden. Die Zufahrtstraßen waren durch ein starkes Truppenaufgebot abgesperrt. Unter den Neugierigen bemerkte man viele hohe Persönlichkeiten. Abgeordnete und Würdenträger d«S Vatikans und OuirinalS. Trotz deS strömenden RengenS wurde Mussolini von der zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt.
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Die Stadt des Vatikans
Staat und Kirche geeinigt.
Rom, 12. Februar (Eigene Drahtmeldung.) DaS Blatt peS Vatikans schreibt zur Unterzeichnung: Der italienische Staat anerkennt den Grundsatz und die Ausübung der effektiven und vollen SouveränitätSgewalt und Gerichtsbarkeit des Papstes auf einem bestimmten Gebiet, der „Stadt deS Vatikans". Der Staat entrichtet einen gewissen Betrag alS Entschädigung für die früheren päpstlichen Provinzen und die verlorenen Güter der italienischen Sirchenver- waktungen. Er schließt ein Konkordat über die Beziehungen zwischen dem Staat und der Kirche ab. Der Heilige Stuhl erklärt die römische Frage als endgültig erledigt und anerkenn« das Italienische Königreich in feiner fetzigen Form und Versaffung.
Rom, 12. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Ter neue souveräne Kirchenstaat des Papstes wird nur den Vatikan und seine Gärten und die Gebäude seiner nächsten Umgebung umfassen, und zwar zwei Straßen südlich der PeterS- kirche, den deutschen Friedhof, das deutsche und daS äthiopische Kollegium Außerdem wird die Unantastbarkeit der vävstlichen Pfründegüter u. Kanzleien, sowie daS Castell Gandolfo In der Nähe von Rom gewährleistet, das einigen Päpsten als Sommersitz gebient hatte.
Packwagen und ein Schlafwagen des D 70 teilweise zertrümmert worden. Außer dem Zugführer von D 238 wurden drei Reisende schwer und vierzehn Personen leichter verletzt. Ein Sanitätswagen mit Aerzten und Hilfsmann» schasten, die Feuerwehr von Tschornewitz und Aerzte von Gräfenhainichen und Burgchemnitz waren zehn Minuten nach dem Unfall an der Unfallftelle. Der Gerätewagen von Bitterfeld traf wenige Minuten nach 12 Uhr ein. Di« Schwerverletzten wurden im Auto nach dem nächsten Krankenhaus gebracht. Die Schuldfrage ist noch nicht einwandfrei geklärt. Erhebungen werden angeftellt. Die Namen der Schwerverletzten sind: Dr. Wölcke aus MÜ». chen, Direktor Max Pohl aus Berlin-Friede- nan, ein Amerikaner und der Zugführer Katz des D 238 aus Berlin. Letzterer ist im Krankenhaus gestorben.
Mailand, 12. Februar. (Eig. Drahtbericht.) )ie Nachricht von der Lösung der römischen Frage, d. h. der Befreiung des Papstes aus ast SOfähriger freiwilliger Gefangenschasi im Vatikan, ist in ganz Italien mit großem Jubel begrüßt worden. Besonders groß war die Freude in der Heimatstadt des PavsteS, dem Jndnstrieort Desto, wo die Straßen sofort strflagg: wurden und allenthalben Musikkapellen konzertierten. Ferner wurden die Glocken ge-
Bttterfeld, 12. Februar. (Privattelegramm) Gestern abend kurz vor Mitternacht fuhr der Schnellzug Berlin-Stuttgart, 21,3 Uhr ab Berlin nachdem er daS Haltesignal in Gräfenhainichen Überfahren hatte, in der Station Burgchemnitz auf den Schlafwagenzug Berlin-Mün- chen auf. Der vordere Teil eines Schlafwagens wurde zum Teil eingedrückt. Wie ver- lautet, sind ein Toter und 20 Schwer, und Leichtverletzte zu beklagen.
Papst und Italien herbeizuführen, die aber alle daran scheiterten, daß keine Regierung über die große Autorität verfügte, um die bedeutsame Neuordnung durchzusühren. Erst Muflolini war der Mann, seinen Willen durchzusetzen. Der Faschismus hatte unter den hohen Kirchenfürsten viele aufrichtige Anhänger, sodaß zwischen der Kirche und Muflolini sich eine Freundschaft au- bahute, die den allmächtigen Diktator allmählich dazu bewog, den Kirchenstaat und damit die weltliche Macht des Papstes wieder herzustellen. Natürlich kann auch Muflolini dem Papst nicht wieder den allen Umfang seines ehemaligen Reiches zurückgeben, das vor 1870 ungefähr die halbe Größe von Bayern besaß. Es wird ein Reich innerhalb der „ewigen Stadt" sein, daS außer dem bisherigen Besitz der Päpste vom Westen bis zum Südosten der Stadt reichen wird, bis zum Janiculus und der ebenfalls einbezogene Vorortbahnhof St. Peter dürfte sich alsbald zu einem Brennpunkt des Verkehrs entwickeln. Die politische Bedeutung dieser Neuordnung ist außerordentlich. Denn wenn auch der Papst stets als Souverän behandel« worden ist, so fehlte ihm doch die weltliche Machtstellung, die ihm nunmehr der Kirchenstaat wieder zurückgibt. Im Zeitalter deS Völkerbundes ist ihm auch die Garantie seines Besitzes, unabhängig von dem Wechsel der Regierungen Italiens sicher, da der Kirchenstaat dem Vernehmen nach, bald Mitglied deS Völkerbundes werden soll. Tatsächlich haben beide Teile in dem Vertrag einen gleich bedeutsamen Gewinn. Denn die coirffamteit der katholischen Kirche kqpn sich-setzt ungestörter entfallen je, während Muflolini bei Faschismus jetzt auch im Religiösen verankert hat, eine Stütze, die ihm im Land der Gläubigen auch die Sympathien der Widerstrebenden zuführen wird.
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Lin Staat im Staate
Was Italien dem Papst bewilligt.
Rom, 12. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Rach privaten Informationen bestimmt der Vertrag, daß die katholische Religion Staatsreligion ist. Der Heilige Stuhl erhält die absolute Souveränität im Vatikan in seinem jetzigen Umfang. Der neue Staat wird ausschließlich vom HeUigen Stuhl ohne Einmischung der italienischen Regierung verwaltet. Die italienische Regierung gründet in der vatikanischen Stadt alle öffentlichen Verkehrseinrichtungen, darunter eine Eisenbahnstation, sowie direkte Derkebrs- verbindungen mit der übrigen Welt durch Telegraph, Radio. Telephon und Post. Ein besonderes Abkommen wird abgeschloflen über die vatikanischen Verkehrsmittel zu Lande und in der Lust, über italienisches Gebiet, lieber die in der vatikanischen Stadt wohnenden Personen übt der Heilige Stuhl die vollen Hoheit-- rechte aus Besondere Vorrechte werden allen kirchlichen Würdenträgern gewöhn auch wenn sie nicht in der vatikanischen Stadt wohnen, ebenso den Mitgliedern und Beam'en des päpstlichen Hofes Die Erterritorialität wird den patriarchalischen Basiliken verlieben sowie einigen Gebäuden und Palästen außer halb der Vatikan! üben Stadt, in denen der Hei Uge Stuhl die vävstlichen Aemter für feine Verwaltung unterhält
Italien errichtet beim Heiligen Stuhl eine Botschaft,
Und der Heilige Stuhl beim italienischen Hofe
Wien, 12. Februar. (Privattelegramm). Die Kältewelle, die mit großer Strenge über Wien hereingebrochen ist, droht das Leben und den Verkehr in den Straßen völlig lahm zu legen. Die Situation in der Wasserversorgung ist nach wie vor Überaus ernst, weil die Leitungen eingefroren find und abgesperrt werden mußten. Zu allem Unglück gestaltet stch auch die Kohlenzufuhr sehr ungünstig. Die Sohlenvorräte find auf ein Minimum gesunken, br- sonders Hausbrandkohlen. In ganz Wien sind zahlreiche Gas- und Wafferrohrbrüche zu verzeichnen. Die Feuerwehr mutz täglich mehr als vierzig Mal zu Bränden u. Hilfsaktionen aus- rüden.
Wien, 12. Februar. (Privattelegramm.) Die Markthallen waren gestern wegen der Kälte ge- schlossen. Die Vorräte an Wafler gehen zur Neige. Man befürchtet, daß berits morgen nur noch oer eiserne Bestand von 80 000 Kubik meter Wafler vorhanden sein wird, der nicht angetastet werden darf. Dann müßte daS Wasser ganz abgestellt werben. Vom Bundesheer werden an verschiedenen Stellen der Stadt Teeräumeerrichtet. Es wird dort Tee mit Zucker und Brot Bedürftigen verabreicht. Die Rehe des Semmering- und Rax Gebietes gehen an einem Massensterben zugnin de. Rudelweise wird Hochwild t e t aufgefunden Nach Ansicht der Jäger wirb der sibirische Win ter die Wildbestände Oesterreichs dizimieren und in einzelnen Reviere« geradezu vernichten.
Wasser- und Kohlennot in Wien
Dazu täglich GaS- unv Wafferrohrbrüche. — Katastrophale Kältewirkunge«.
Von der Schriftlettung eingeholte Berichte childern die Katastrophe wie folgt:
Halle, 12. Februar. (Privattelegramm.) Der Schlaswagenzug D 70 hat auf der Fahrt Per lin-Halle in Gräfenhainichen das Ausfahrtsig nal überfahren und ist aus den in Burgchemnit in der Abfahrt begriffenen D 238 aufgefahren Dabei ist der Packwagen des D 238, sowie der
Die Kaffeier Reuefte» Nachrichten erfchetor» wöchentlich fechSmal ned)mittag*. Der Sbouurmentsprei* beträgt für öeu Monat 1.90 X bei freier ,-iuftelluug fnsLua*. in btt Sefchäftsftell« abgedolt 2.— X Durch die Poft monatflch 2.20 X ausfchlfetzlich 3ottellung-gkdllbr fletufvrecher 951 ttnb 952. 9ür unverlangt eingefanst« Beiträge kann bte Redaktion eine Verantwortung t»ti ©ernähr in keinem nulle übernehmen Rückzahlungen be* BeiugSaelheS ober tznfvrüche wegen etwaiger nicht orbnungSmätziger Lieferung fff auSgefchloffen. — Postscheckkonto flrankfurt a. M Nummer B380 Einzelnummer 10 4. SonntagSnummer 20 4.
Ein o-zug fährt auf den andern
Ein Schlaswagen-Unglück in Sachse«. — Schuldsrage und Opfer.
Milderes Wetter in Sicht
Aber noch ein paar sibirische Tage.
Berlin, 12. Februar. (Funkspruch.) Obwohl fast überall noch Temperaturen von über 20 Grad gemessen werden, scheint laut Wetterstationen der Höhepunkt des Frostwetters überschritten zu sein, wenn auch vorläusig noch weitere große Kälte zu erwarten steht. Die Ostwinde aus Rußland versprechen auch für Die nächsten Tage noch klares Wetter. Schneefälle find nicht zu erwarten. In ganz Oftdemfch- land ist eine geringe Milderung deS Wetters eingetreten. In Berlin matz man heute nachts in der Innenstadt minus 22 Grad, in den Außenbezirken minus 24 Grad, in Ares- tau minus 28 Grad, in Ostpreußen durchschnittlich 22 bis 24 Grad. Die Kaltluftmaffen ziehe« immer weiter ostwärts mit geringer Drehung nach Süden, sodaß in Süddeutsch- land zurzeit, besonder« in der oberrheinische« Tiefebene, starker Frost herrscht. Am käl- testen war es in München mit 31 Grad. Sehnliche Temperaturen wurden in ganz Süddeutschland gemeffen. An den deutschen Ostsee- und Rordseeküfien lagen die Temperaturen durchschnittlich minus 25 Grad, in Mecklenburg minus 15 Grad und auf den Rordsee-^nfeln zwischen minus 7 und 10 Grad. In Mitteldeutschland herrschen noch immer 21 bis 25 Grad Kälte, in der Gegend von Weimar sogar biS unter 30 Grad an.
Ein Glückstag für Italien Rach der Unterzeichnung des PapftfriedenS. — Flaggen und Musik in der Heimatstadt des befreiten Papstes.
Rom, 12. Februar. (Eig. Drahtbericht.) DaS Regenwetter machte Frendenkundgcbungen aus Anlaß des BertragSabschluffes zwischen Vatikan und Quirinal zunichte. Es war kaum eine Fahne zu sehen. Dafür werden heute die Faschistenscharen auf dem Petersplatz erscheinen Nachmittags wird dem König eine große Huldigung auf dem Quirinal dargebracht. Auch sämtliche FrontteilnehmerverbSnde find dazu aufgeboten. Ter Gouverneur von Rom Hal eine Proklamation erlassen, in der er auf die Bedeutung des gestrigen TageS hinweist. Heute abend wird daS Stadtviertel am Vatikan fest, lich beleuchtet fein. Di« Straßenbahnen und sonstige» Fahrgelegenheiten tragen Flaggenschmuck. Die Privatpersonen wurden er- ucht, ihre Wohnungssenster und Geschäfte ebenfalls mit Flaggen zu versehen. Bon sämtlichen Mufikkapellrn werden Platzkonzerte veranstaltet.
Mit dem gestrigen KrönungSjubilä- u m Pius XI. hat der römische Kirchenstaat feine Wiederauferstehung erlebt. Damit ist ein fast sechzigjähriger Konflikt zwischen dem italienischen Staat und dem Papst beigelegt. Das Oberhaupt der Kirche erhält Wieder Weltliche Macht. Ungefähr elfhundert Jahre hatte der alte Kirchenstaat bestanden. Rach vielen Wandlungen im Laufe der Jahrhunderte nahm er am 20. September 1870 ein Ende, alS die italienischen Truppen nach der Ausrufung deS italient- scheu Nationalstaates In die Hauptstadt deS Papstes einzogen, nachdem sie in die Porte Pia Bresche geschossen hatten. Am 2. Oktober 1870 fand eine Volksabstimmung statt, die 133681 Stimmen für die Vereinigung deS Kirchenstaates mit Italien ergab. Nur 1600 Stimmen waren dagegen, zumal eine starke Truppenmacht hinter der Abstimmung stand. Damit hatte die Weltliche Macht des Papstes ein Ende. Durch die Garantiegesetze vom Mai 1871 wurden dem Papst zwar außer dem Besitz des Vatikans und der dazugehörigen Paläste und Gärten auch die Rechte und Ehren eines Souveräns gelassen. Aber der Papst wollte von einer friedlichen Verständigung nichts wissen und betrachtete
sich selbst alS Gefangenen l« Rom und verließ den Vattkan nicht. Auch die jährliche Rente in Höbe von 3 225 000 Lire jährlich, die ihm die italienische Regierung ausgesetzt hätte, wies er zurück. PiuS XI. und alle seine Nachfolger forderten die weltliche Herrschaft zurück. In den folgenden Jahren wurden mehrfach Versuche gemacht, eine Versöhnung zwischen dem