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Vonniag, 10. Februar 1929.

terausschüsse einsetzen, von denen der eine vor allem die Aufgabe habe, die Zahlung und den Betrag der vorzusehenden Reparaitonsannuitä- ten, also die Zahlungsfähigkett Deutsch­lands zu studieren, während der andere die ge­eigneten Mittel suchen müßte, um die evtl. Rom* mrezialtsierung der deutschen Zahlungen zu ge­währleisten.

PariS 9. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Die meisten der Sachverständigen statteten noch gestern abend dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau Besuche ab. Dagegen sind offizielle Regierungsbesuche nicht vorgesehen, um die Unabhängigkeit der Sachverständigen zu un­terstreichen. Auch bk französische Regierung werde keinerlei offizielle Empfänge veranstalten.

was Nachwahlen lehren

Englands Arbeiterpartei im Vorteil.

London, 9. Februar. Ein Blatt äußert sich zu den letzten drei Ersatzwahlen, bei denen die Arbeiterpartei zwei Sitze der Konservativen ge­wann und in der dritten ihre Mehrheit vergrö­ßerte, ein solches Ergebnis sei natürlich für die Regierung unangenehm In zwei Fällen habe die Aufstellung eines liberalen Kandidaten den Sitz der Arbeiterpartei verschafft. Times weist in einem Leitartikel daraufhin, daß die neuen Stimmberechtigten ihre» Einfluß erst bei den Neuwahlen geltend machen können und daß da­her aus den Nachwahlen keine allgemein gülti gen Schlüffe gezogen werden können.

Das neue Papstreich

Viele Erinnerungen an das alte Rom.

Rom, 9. Februar. ES scheint sich zu bestäti­gen, daß die Lösung der römischen Frage nach dem Projekt erfolgen wird, das der Vatikan selbst nach dem Kriege dem damaligen Ministerpräsi­denten Mitti unterbreitete, der es aber nicht hatte annehmen wollen. Dieses zweite Projekt geht von einem nicht so sehr territorialen als vielmehr sachlichen Grundsatz aus, in dem Sinne daß möglichst viele Erinnerungen des alten päpstlichen Rom dem Heiligen Stuhl'wie­der gesichert werden sollen. Darnach lvürde der Papst die Souveränität nicht nur über das jetzige vatikanische Gebiet, sondern auch über die pa­triarchalischen Basiliken und Paläste erhalten. Eine Reihe anderer Kirchen, in denen der Papst zu, gewissen Zeiten päpstliche Funktionen aus­übt Werder, exterritorial. Die Geldentschädigung des Heiligen Stuhles, die nach dem ersten Pro­jekt eine Milliarde Lire betrug, ist in dem zwei­ten Projekt auf zwei Milliarden Lire erhöht Worden.

Hoovers neue Kablnetrsstützen

Paris, 9. Februar. Einer Meldung aus Wa- shiygton zufolge Wird der amerikanische Bot- schLjter in Belgien Gibson Unterstaaissekre- tär tm Kabinett des neugewählten''Präsidenten Hoover werden und Staatssekretär S 11 m f o n bei der Leitung der auswärtigen Angelegenhei­ten unterstützen. *

Scharfe Waffen gegen Kommunisten

Kowno, 9. Februar. Die Kriegsgerichte gehen scharf gegen die Kommunisten vor. Ein junges Mädchen, das ihrem im Gefängnis sitzenden Bräutigam eine kommunistische Zeitung durch den Wärter einschmuggelte, wurde zu acht Jahren schweren Kerkers vreurteilt. In Schauten wurden ein Kriegsinvalide und deffen Bruder wegen Zugehörigkeit zur Kommunistischen Par­tei zu drei bezw. zehn Jahren Zuchthaus verur­teilt. In Kowno fanden wiederum Kommuni­stenverhaftungen statt. Auch die Linksopposttion wird scharf bekämpft. Der greise Chefredakteur desSozialdemokratas" Ingenieur K a i r y s wurde verhaftet und ins Gefängnis gebracht Am 25. Februar werden neben dem Abg. Kedqs 21 Bauern vor Gericht erscheinen, die an dem

ReffeTn TtenefH ftd^rWe«

Verbesserte Krifensürsorge

_________________rr. Et. M ~ gestern nachmittag zum letzten Mal. Tora! selbst scheint sich in einem Zustande mystischer Verzückung zu befinden. Vor einigen Tagen machte er ein Testament, in dem er sein ganze- Vermögen seinen beiden Kindern vermachte.

Zurrst Kritik am Arbeitsschutzgesetz. Fürsor ge-Berlängerung angenommen. Der jüngste Zwischenfall aus der Tribüne.

Berlin, 9. Februar. Im Reichstag bezeichne­ten gestern Nationalsozialisten und Kommuni­sten den Entwurf zum Arbeitsschutzgesetz als völlig unzureichend und machten den Sozialdemokraten schwere Vorwürfe wegen der Schlappheit, mit der sie jetzt als Regierungspar­tei die Arbeiterinteressen verträten. Auch die übrigen Fraktionen batten allerlei auszusetzen, am meisten die Wirtschastspartei, die von einer Gefährdung von Kleinbandwerk und Kleinhan­del sprach. Nachdem das Arbeitszeitschutzgesetz dem Ausschuß überwiesen worden war, ging man zu den vom Haushaltsausschuß zusam- mengesaßten Anträgen zur Erwerbslosen- sürsorge über. Danach soll die Krisenfürsor­ge aus alle Berufe ausgedehnt und ihre Unierstützungsdauer für Angestellte und Arbei­ter bis zum 4 Mai verlängert werden. Das Fehlen des Zentrums als Regierungspartel machte sich schon bemerkbar. 'Von ihär und an­deren Parteien wurde den Sozialdemokraten vorgeworfen, daß ihr auch in den Ausschußbe- schluß hineingearbeiteter Antrag die Krisenfür- sorge auf alle Berufe auszudehnen, den

Erwerbslosen mehr verspreche.

als nach der Erklärung der sozialdemokratischen Minister im Ausschuß finanziell durchführbar fei. Demgegenüber erklärte Arbeitsminister Wis­sel, daß die Ausdehnung natürlich im Rah­men der bestehenden Gesetze erfolge,, also nicht auf die Saifonarbeiter ausgedehnt werden kön­ne, für die schon eine gesetzliche Sonderfürsorge geschaffen sei. In diesem Rahmen fei die Aus­dehnung finanziell tragbar. Der Antrag wurde schließlich mit

großer Mehrheit bei Stimmenthaltung der Drutschnationalen angenommen

Die weitergehenden Anträge abgelehnt. Der Reichstag tritt erst wieder am 18. Februar zu­sammen mit dem Thema: Anträge zur Klein- rentnerfürforge. Zum Schluß warf ein junger Mann, offenbar em Erwerbsloser, von der Tri­büne herab in einer dröhnenden Ansprache bei­nahe fünf Minuten lang den Volksvertretern Grobheiten an den Kopf. Ein dichter Ring von Gesinnungsgenossen schützte den Ruhestörer vor der herbeigerufenen Polizei. Den kräftigen Be­

amten gelangen es aber bald, den wütenden Widerstand zu brechen. Die Polizisten, wahre Athleten, griffen sich die Ruhestörer und reich­ten sie sich gegenseitig wie Pakete üser die Leh­nen der Tribunensitze zu, um sie dann ohne Be­nutzung der Gänge von der Tribüne abzube- sördern.

Untere Polizei ist die beste

Berlin, 9. Februar. Im Landtag trat man gestern allgemein fstr gute Besoldung der Polizei ein. Namentlich die Kriminalbeamten, die ganz zu Unrecht vielfach hinter her Schutzpolizei zu- rütfgeftettt würden, seien hilfsbedürftig. Der Polizeipräsident und Zentrumsabgeordnete Stie­let zitierte Auslandsstimmen dafür, daß die preußische Polizeiheute die verfassungstreueste, bestausgebildete und dczipliniene sei. Abg. Prelle (St Fr.) ermahnte den Minister keine Gesinnungsschnüffelei in die Polizei zu tragen und von den Polizeibeamten nicht Dienst an der Republik, sondern am Volk zu verlangen. Abg. Borck (Dntl.) meine, daß im heutigen Deutsch­land ohne Wehrpflicht die Pol zei eine Truppe von besonderer Bedeutung darstelle und daß es daher bedenklich sei, sie in den Händen eines So­zialdemokraten zu lassen. Unruhe entstand links, al- der Redner mit Hinweis auf den Minister vontypischem Parvenü um ' sprach. Kasper (Komm.) entfeffelte stürmische Kundgebungen der Kommunisten gegen Minister Arzestnski. Abg. Metzenihiu (Vpt.) forderte, daß der stark ge­stiegene Polizeietat durch stärkere örtliche und sachliche Konzentration etwas gemildert werden müsse. Als er bei einer Kritik des Unterrichts in Polizeischulen den Minister als zu reaktionär bezeichnete, quittierte das Heus mit großer Hei­terkeit. Barteld (Dem.) entfesselte Lärm- tunbgebunge t bei den Nationalsozialisten mit seiner Feststellung, daß leider verantwor­tungslose Volksverderber die wirtschaftliche Not zu Verhetzungen benutzten, die immer wieder Zwischenfälle hervorriefe. Bei der Bekleidung und Bewaffnung wird allgemein gewünscht, daß man hierbei den Beamtenvertretungen aus Zweckmäßigkeitsgründen ein gewisses Mitbestim­mungsrecht sichern solle.

Aus Politik und wirtschaft

Brotmangel im Getreideparadies. Die Sow jetregterung will jetztBrotbücher" zur Ver­teilung des Brotes außer in Moskau auch ttt Leningrad, Charkow, Odessa und Kiew et«- führen.

Die Notgrofchen der Hindenburgspende. Bo« der Hindenburgspende sind bis Ende Oktober rund 1,2 Millionen Mark ausbezahlt worden. Neben Kriegsbeschädigten und Kriegshlnterblie. denen wurden auch Kleinrentner, Veteranen«, frühere Offiziere, Heeresbeamte und ihre Hin­terbliebenen bei den verschiedenen Ausschüttun­gen bedacht. Die nächste Ausschüttung findet am 1. April ds. Js. statt. ,

Eine Reichsklage wegen de, bayrischen Titel. Me von zuständiger«Stelle mitgeteili Wirb, hat die Reichsregierung öfter auf ihre Bedenken gegen die Titelverleihungen in Bayern hinge- wiesen. Durch die Feststellungsklage beim Ober­sten Gerichtshof des Reiches wird die Frag« sachlich entschieden werden können, ob die Ti­telverleihungen mit der Reichsverfassung z« vereinbaren sind. Aus der Lösung werden dann die Konsequenzen gezogen werden.

Moskau schließt alle Privathotels. In Mos­kau sollen demnächst alle Privathotels geschlos­sen und ihre Räumlichkeiten einem zu bildenden Hoteltrust überwiesen werden. Nach Angabe» der Moskauer Stadtverwaltung stellen sich die rückständigen Mieten in Moskau gegenwärtig auf über fünf Millionen Rubel. Dieses Ucbel soll energisch beseitigt werden ,

Booth kämpft bis zum Netzersten. General Booth will, wie aus London verlautet, bis zum äußersten um feine Stellung als Leiter der Heilsarmee kämpfen. Der Oberste Rat will am Mittwoch den Vertreter BoothS anhören und die Frage der Absetzung des Generals endgül­tig entscheiden. . T

Heber eine Milliarde für die Marine. Das amerikanische Repräsentantenhaus hat den Ma­rineetat von 347 Millionen Dollar (über 1300 Millionen Reichsmark) angenommen. Die Vor- läge geht nunmehr an den Senat.

Neues aus Kaffe!

Putsch teilgenommen haben. Ein Prozeß gegen 13 Mitglieder der kommunistischen Jugendver­einigung hat bereits begonnen. Anstelle des zu­rückgetretenen Generalstabschefs Plechavirius leitet General Kubiliunas provisorisch den Ge­neralstab.

Ausdehnung der Hchwarzen- revolte

Frankreichs Schwierigkeiten in Westasrik»

Paris, 9. Februar. (Eig. Drahtbericht.) Enl- gege» den Meldungen der Regierung, daß der Eingeborenen-Aufstand in Franzöfisch-Westafri- fa niedergeschlagen sei, meldet heute ein Links­blatt, die Revolte dehne sich sogar weiter nach Süden aus. Der Gouverneur habe dem Ko­lonialminister von der beunruhigenden Lage Kenntnis gegeben. Es sei ferner bekannt gewor­den, daß europäische Kaufleute verletzt und Be­amte getötet worden seien. Eine Ausdehnung des Ausstandes drohe, den Schiffsverkehr zwi­schen dem französischen Kongo und Kamerun lahmzulegen. Starke Truppenabteilungen seien gegen die Aufständischen aufgeboten worden

eine Schlappe Amanullahs und Dementi

Quetta, 9. Februar. Der Ghilzai Stamm hatte eine Abteilung der Streitkräfte des Kö­

nigs Amon Ullah bei Ghazni angegriffen und sie zum Rückzug gezwungen. Es scheint, daß der alte Streit zwischen den Ghilzats und den Duranis ein wichtiger Faktor bei der Entwick­lung der Sage werden wird.

London, 9. Februar. Die bereits von ruffi- scher Seite dementierte Blättermeldung, daß der britische Gesandte in Kabul nach London be- rid)tct Sowjetregi«ung habe ein Ulti­

matum an Habib Ullah gestellt. Wird jetzt auch amtlich kategorisch dementiert.

Wie Moskau die Bauern begünstigt

Moskau, 9. Februar. Die Sowjetregierung ha» neben der bereits bestehenden Steuerfreiheit von 35 Prozent für Bauernwirtschaften noch eine Reihe neuer Steuervergünstigungen für solche Bauern gewährt, die die Aussaatfläche erweitern und den Ernteertrag erhöhen.

Die letzten Stunden des Vräsidentenmvrders

Mexiko, 9. Februar. Der Mörder Obregons T o r a l wirb innerhalb der Mauern des Zucht­hauses erschossen werden. Rur eine beschränkte Zahl von Pressevertretern wird zu der Er­schießung zugelassen werden, während im übri­gen die Oeffentlichkeit ausgeschloffen ist. Die Verwandten des Verurteilten besuchten ihn

* Hessische Lan-stratzen

Reue Erhöhung der Bezirkssteuern?

Eine Denkschrift der Straßcnbauv-rwaltung über wichtige Fragen des Straßenbaus im Regierungsbezirk Kassel beschäftigt gegenwärtig den Landesausschuß. Tiefe Denkschrift Wirb bei den bevorstehenden Etatsoerhandlmigen über den Voranschlag des Bezirksverbackoes Heffen-Kaffel für 1929 eine sehr Wesentliche Rolle spielen, da sie von großer finanzieller und wirtschaftlicher Tragweite ist. Dabei Wirb vor allem geprüft Werden muffen, ob das bis­herige durch Die Notzeiten bedingte Verfabreu bei der Anpassung der Straßen an den Kraft- toagenverkehr nunmehr aufgegeben Werden muß, trotzdem die Kraftfahrzeugsteuer nach Wie vor unzulänglich erscheint und daher gegebe­nenfalls eine stärkere Heranziehung der Be­zirkssteuern notwendig ist.

Mehr Licht!

Straßen, die besonders dunkel.

Die Anwohner der unteren Eisenschmiede und der Ouellhose führen feit längerem be­rechtigte, aber vergebliche Klage über unzurei­chende Straßenbeleitchtung.Die an die Henschel-

Der schwarze Mann.

Von Henri Barbusse.

Hört su, sagte Jean-Jean,und ihr Wer­det erfahren, Was ihm zugeswßen ist, dem Man- dollno. Also seit fünf ober sechs Wochen war derSchwarze Mann in der Umgebung von Slrrit wieder auf getaucht!

Er ist wiedergekommen, derSchwarze Mann?

Ein wenig! erwiderte Jean-Jean.Er warf Steine nach den Kärtnern der Sandgru­ben; eine Frau legte er glatt auf den Rücken, bloß weil er im Dickicht zwischen den Bäumen hervor sein teuflisches Gesicht auftauchen liefe. Eines Nachts hatte er die Meierei von Castiat aufgefucht, die Kellertür eingedrückt und daraus ein Faß Und natürlich war er dann, wie zu eurer Zett, seinen dämonischen Gewohnhei- tcen treu plötzlich verschwunden, ohne dafe man wußte, wohin er verdampfte löste sich tote ein schmutziger, schwarzer Rauch auf. Aber eines wüßte man immer sicher: daß hier die Kutscher ein Bein gebrochen, daß ihnen bort eine Schul­ter ausgerenkt war; der Castia hatte eines Morgens seinen Keller offen und fein Faß leer gefunden.

Man sprach in Slrrit von nichts anderem, als von diesen Dingen; die Fraue^ wurden sacht auf die Männer zornig, wetl sie denSchwar­zen Mann doch immerhin einen der ihri­gen ruhig seine schlimmen Stteiche ausfüh- ren ließen. Die Männer ballten di- Fäuste, Mandolino wie die andern, und (während die Weiber tobten) wiederholten sie untereinander immer wieder leise das Geständnis, das man eigentlich vomSchwarzen Leusel sprechen müßte.

Eines Tages sagte der Maire zum Man­dolino:Du wirst mit demSchwarzen Mann ein Ende machen!

Mandolino dachte nach, runzelte die Brauen, preßte die Zähne aufeinander und antwortete allen Ernstes:Ich mache mit demSchwarzen Mann ein Ende.

Mandolino wohnte, Wie ihr Wißt, oben in dem letzten Haus, unweit des Busches, der euch unter dem Namen derFagott bekannt sein wird; dort trieb sich zweifellos derSchwarze Mann herum, wofern er nicht gleich in der Hölle wohnte. Mandolino war übrigens Korse.

Ich glaube es zu ahnen: Mandolino war selbst derSchwarze Mann?

Nein. Am andern Morgen nach dem Tage, wo unser Freund den Auftrag des Maires über­nommen hatte, verließ er bei Morgengrauen fein Häuschen. Aus dem Ekdwall vor feiner Tür machte et sich beim ersten kühlen Dämmer des Tages daran, feinen Karabiner zu laben. Aber ohne, daß er es ahnte, sah ihm jemand da­bei zu .. .

DerSchwarze Mann?

Nein, nicht derSchwarze Mann. Im Gegenteil, sein Töchterchen Mella! Ihr habt sie nicht gekannt, denn sie war damals als ihr Arrit mit der Hauptstadt vertauschtet, noch nicht in Sicht . .. Ich sagte mit Recht: im Gegen­teil .. . denn dieses Mädel war so zierlich und weiß, tote der Mann abstoßend und dunkel aus- fah. Ihn konnte man noch nicht einmal mit dem russischen Ranch eines Winterkamins verglei- chen, während sie höchstens dem Rauch einer Kerze glich.

Ich ahne, was sich zugettagen hat! Man­dolino sah etwas sich bewegen, glaubte es wäre . .

Nein. Mandolino lud sorgfältig seinen alten Karabiner. Ftngerspitzenweise nahm er das Pulver, schüttete es in den Lauf, dann preßte er mit Ladestock und Schlegel das Pul­ver immer auf3 neue zusammen. . . Wie die Dosis regelrecht in den Sack hineingepfropft war, führt er ebenso eine Vorladung, ein ein- gefettetes Läppchen ein, bann bie Kugel . . . Dann hing er bie Waffe um, stieg hinunter auf eine von der Natur geschaffene Plattform, über­sah von da den großen Saum desFagott, den zwei Hohlwege umklammerten und der fünfzig Fuß tiefer lag. Steingeröll, Erbmassen verbar­gen die ssÄattform, bie einer in bie Flanke des

Abhanges geschrittenen Stufe glich, welche für ben Fuß eines Riesen gemacht schien.

Mandoline stellte seinen Karabiner neben sich, lehnte sich an ben Stumps einer Kiefer und erwartet« mit weitgeöffneten Augen das Er­scheinen der verdammten Silhouette unter den Espen des Waldsaumes.

Aber es gibt kein Auge, das sich nicht auf bie Dauer schließt, unb besonders bann, wenn einer mit aller Gewalt bie Liber aufreifet. Es war noch keine Stunde vergangen, daß der Held von Arrit voller Eifer seinen Posten eingenom­men hatte. Mit zusammengepreßtem Gebiß stand er da; es sah aus, als würde er es nie wieder auseinanderriegen; da wurden ihm die Lider schwer. Ein-zweimal reckte er gewaltsam ben Hals, hustete, riß sich wieder empor, dann sank er, trotzdem er:Nein! murmelte, durch Die Reglosigkeit überwunden- auf die Erde.

In dem Augenblick stieg zu Mandolino eine zierliche, sonderbeschienene Gestalt herab. Was hatte sie in der letzten Stunde gemacht? Das kann man nicht wissen; sie näherte sich jeden­falls so leise wie leuchtend dem großen Schlä­fer, wie ein Sonnenstäubchen. Sie lachte, als sie fah, bis zu welchem Grade er bewegungslos war. Ohne Zweifel fühtte sie etwas im Schilde. GeräuscUos schleicht sie heran, greift nach dem Karabiner.

MH, jetzt weife ich, was geschieht: ein un­glücklicher Zufall . . .

Nein, sie langt nach dem Karabiner, zieht ihn weg; dann erinnert sie sich, toai ihr Vater gemacht hat und folgt feinem Beispiel.

Soiraten-Aben-

Lotte Lesser-Köhler, Violine, Lore-ReinS, Klavier.

Es ist selbstverständlich, daß man an einen solchen Sonaten-Abend nicht mit den hohen Ansorderungen Herangehen darf, wie an eine Veranstaltung längst anerkannter diesiger ober fremden Künstler. Aber der Abend blieb doch in mancher Beziehung hinter solchen zurückge- schrauotkn Erwarmngen.

Zunächst das Programm: Die KMstlec wollten einem jungen Komponisten Gelegenheit geben, sich vom Publikum hören zu lassen, und führten deshalb bie Sonate E-moll op. 32 von Max Laurischkus auf. Nun, es ist ja mit ben Uraufführungen heute so eine Sache, problema­tisch sind sie säst alle, aber daß die beiden jun­gen Künstlerinnen nicht gehört haben, daß Herr Laurischkus ein ziemlich übler Nachahmer gro­ßer Vorbilder ist, muß ich Beilagen. Die gan­ze Sonate ist in einem so oben Brahms-Epigo- nen-Stil gehalten, daß sich schon nach den ersten Minuten eine gähnende Langweile einstellt, unb wenn bann Herr Laurischkus in Vivace molto gar mobern werben will, wird es noch schlimmer. Kurzum, eine abgetane Sache. Die Ausführung biefer Sonate stellt an die Aus- sührenben hohe Anforderungen. Diesen ist, lei­der muß es sestgestelli werden, Frau Lester^ Köhler keineswegs gewachsen. Ihre Technik kann auch bescheideneren Ansprüchen nicht genügen. Es mangelt doch allzu sehr an ^Ge­läufigkeit und nicht ganz selten auch an Sau­berkeit. Die hohen Töne entbehren ganz des sinnlichen Reizes.

Weit besser steht es um Fräulein Reims, die als Klavierlehrerin in weitestem Kreise hier seit langem geschätzt ist Diese hat wenig­stens eine sehr beachtliche, glatte Technik und einen weichen Anschlag. Indes kann natür­lich das Spiel der Pianistin durch die Leistun­gen der Geigerin nicht unbeeindruckt bleiben; was Fräulein Reins fehlt, ist die Kraft und der bis ins letzte ausgebildete Sinn für Plastik Wenn die junge Künstlerin auf diese Punkte mehr Gewicht legen würde, würde ihr Spiel noch reifer unb interessanter werden.

Das machte sich ganz besonders in der nächst­folgenden Sonate A-moll von Schnmann be­merkbar. Hier blieb Beles im Unklaren, vieles verlor durch mangelnde Kontraste an Wirkung. Den abschließenden Mozart konnte ich leider nicht mehr boren, jedoch wird mir von sachver- änbiger Seite versichert, daß die beiden Künstlerinnen im Mozatt ihr Bestes gegeben haben. Dr. P.