Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Nr. 30

Sleutreinfer Iahrpan«,

1. Beilage

DienSlag, 5 Februar (929

21 Grad Kälte

Außergewöhnliche Temperaturen i» Südeuropa Di« Türkei im Schnee.

Wie in Deutschland herrsch, auch im übri­ge» Europa ungewöhnliche Kütte. Im Einzel­nen gehen uns solgcndc Depeschen zur

Belgrad, & Februar. Die ungewöhnliche Kätte in Jugoslawien hat sich beut« noch ver- scLarfl. Das Lemperaturminimum in Sara­jewo l-eirug minus 21 Grad. Auch in Belgrad hielt sich die Kälte aus dieser Höhe.

* * *

Kälte und WvlsSplage.

Belgrad, 3. Februar. Infolge der neuerlich bercingebrochenen Ställe nimmt Vie Wolfsplagc näritenilich in den Gebirgsgegenden des Lan­des immer mehr überband. In Serbien und Bosnien bringen die Wölfe bei Nacht rubel weise in die Dörfer Die kleine herzegowinische Stadt Bilek wurde von einem starken Rudel Wölfe förmlich überfallen. Die Polizisten und die Einwohner konnten die hungrigen Tiere nur mit großer Mühe verscheuchen. Aui dem ganzen Lande wird starker Frost gemeldet, aus einzelnen Gegenden Temperaturen bis zu mi­nus 26 Grad.

Bukarest, 3. Februar. In ganz Rumänien herrscht empinblkbe Kälte, in Bukarest 18 Grab Die Kälte wird durch einen eisigen Wind verschärft, der aus der russischen Steppe kommi

Der heutige Tag war der kälteste de« ganzen WiNterS.

Auch in Bulgarien herrscht unerträgliche Kälte in Sofia wurden 25^ Grad gemessen.

* *

Der strengste SSinter feit 25 Jahren.

Konstantinopel, 4. Februar Hier herrsch, der strengste Winter seit 25 Jahren. Der Schnee liegt vier Fuß hoch und die Verbindungen zu Lande und zur See sind so gut wie lahmge- legt. Die Eisenbahn- und Telegraphenverbin- oungen mit den übrigen Teilen Europas sind äußerst unsicher. Eine völlige Isolierung wiro befürchtet Schwere Stürme wüten im Schwar­zen und im Marmarameer und die Schiffe su­chen Zuflucht in den Häfen. Zahlreiche To- dessälle infolge der Kälte werden gemeldet und ber Schrecken wird noch vermehrt durch das Erscheinen hungernder Wolfsrudel in den Vor» orten Konstantinopels selbst.

Elf Todesopfer des Winters.

Buenos Aires, 3. Februar. Infolge der Schneestürmc und des strengen Frostes sind in den Anden elf Personen ums Leben ge­kommen.

»Wit Mlkl! MiWMltk

Kleiststraß« verschieden« Fragen cm das Pub­likum gerichtet werden. Rach dem bisher be­kannt gewordenen Inhalt der ausgeplünderten Safes wird die Kriminalpolizei nunmehr Li­sten anfertigen lassen, die allen Pfandleihern. Juwelieren und Schmelzen zugeleitet werden. Auch die großen ausländischen Handelsplätze für Juwelen werden mit solckzen Listen versehen werden. Bisher haben sich etwa 80 Safeinha­ber gemeldet und den Inhalt angegeben. Unter den vielen gestohlenen Schmuckstücken befindet sich auch ein Goldgeschmeide, das ein Geschenk des Sultans von Sansibar war. Ferner tour» den u. , sechs Handkchr sten Richard Wagners zu der Cher -Tristan und Isolde" gestohlen Ter reale Wert bet entwendeten Kostbarkeiten letzt sich auch nicht annähernd dezisfern, da die meisten Sackten hauv'.sächllch Raritäts- und L ebhaberwert für die Bestohlenen haben.Jns- gesamt dürfte sich die Beute der Verbrecher aus viele Millionen belaufen.

Gin Amokläufer

Aufregende Szenen spielten stch am Sonn- tagaveud im Südasien Berlins in der Eisen- vaynstratze in der Rahe des Görlltzer Bayn- hoss ab Der Ätbener Erhardi, der bereits früher einmal im Irrenhaus untergebracht war. schoß in einem TodsuWsansall auf ojie- ner Straße einen Chauffeur an u. empfing dann das alarmierte Uebersaakommando der Schu­po mit RevolversÄnisjen, durch die ein Polizei- beamtet verwundet wurde Die Beamten er.

. aber den kostbarsten Diamanten lasten sie mit Absicht liegen.

St. F.

bett gebracht haben.

widerten das Feuer und verletz en den Amok­läufer so schwer» daß «r ftetUnb in ein »ran- ketihaus gebracht werden mutzte. Ehrhardt soll mit dem Chauffeur vor einiger Zeit einen Wortwechsel gehabt haben, der damit en bete, baß brr Chauffeur ihm eine. Ohr feige ver- setzte. Seitdem soll Grhardt seinen Angehöri­gen gegenüber totebetbrrlt geäifeert haben, batz er an dem Chauffeur Rache nehmen werde.

Mit welcher Umsicht die Banditen vorgegan- gen sind, geht daraus hervor, batz sie den kost­barsten Besitz des Juweliers, den Nassath-Dia- manten, den sie bereits in Hänpeu gehabt hat­ten, liegen ließen. Sie mochten sich wohl gesagt haben, daß ber Besitz bieses Steins, der zudem für sie unveräußerlich war, sie zweifellos ver­raten mußte. Bei diesem Juwel Haubelt es sich nämlich um einen herrlichen, dreieckigen Stein von 89 Karat, der auf eine intereffante Geschichte zurückblicken kann. Ursprünglich wurde er in einem indischen Tempel als Heiligtum aufbe­wahrt, bis er von Warren Hastings, dem be­rühmten englischen Gouverneur, auf geheimnis­volle Weise erworben und nach England ge­bracht wurde. Zuletzt befand stch der Nassath- Diämant in, Besitz des Herzogs von Westmin- ster, der ihn vor kurzem an den Newvorker In- Weller verkauft hat.

Diesen verräterischen Stein aber ließen die vorsichtigen Diebe liegen und sie begnügten stch mit ber übrigen Beute. Man forscht natürlich fieberhast nach den vorläufig spurlos verschwun­denen ©entfernen, die sich und ihren Raub wohl in unergründlichen Schlupfwinkeln in Sicher­

Jn der Park-Avenue in Newyork befindet, sich ein vornehmes Juwelengeschäst, das nach außenhin zwar einen unscheinbaren Eindruck macht, das aber enorme Schätze an (Sbelftctnen aller Art birgt. Wenn ein Käufer das Geschäft besuchen will, muß er wie an einer Privat­wohnung eine Klingel in Bewegung setzen, worauf ihm die stets verschlossene, kleine Laden- tür geöffnet wird, eine Sicherheitsmatzregel, aus die ber Geschäftsinhaber großen Wert legt. -

Bor einigen Tagen klingelte es an ber La­benglocke und der Juwelier ging selbst/ um zu öffnen. Fünf elegante Herren stauben draußen und begehrten Einlaß, da sie Einkäufe machen wollten. Die Herren hatten kaum den Laben­raum betreten, als ber Inhaber die Tür toieber hinter sich verschloß unb den Schlüssel in seine Tasche steckte, Im selben Moment hatte jeder der fünf Gents einen Revolver gezogen und mit dem gefürchteten RufHands up" zwangen sie den Juwelier, eine anwesende Kundin und sämtliche Angestellte, ihnen in einen hinter dem Laden liegenden Raum zu folgen. Hier wurden färntltd-" Personen so fest gefesselt, daß sie sich nicht rühren konnten. Niemand wagte einen Laut von stch zu geben und die Banditen hatten gemächlich Zeit, sich alles das herauszusuchen, was ihnen genehm war. Sie öffneten auch die Schaufenster, und niemand von den Borübex- gehenden zweifelte daran, daß es sich um Ange­stellte des Geschäfts handelte, bte da so sorglos herumhantierten. Als die Diebe stch alles das angeeignet hatten, was ihnen gefiel, holten sie den Schlüssel aus der Tasche deS Juweliers und dann verließen sie ungestört das Geschäft.

Jetzt erst konnten die Gefesselten um Hilfe rufen, bte bald erschien. Man hatte halb fest- gestellt, daß ben Räubern Schmuck und Steine im Werte von fast einer Million Mark In bte Hänbe gefallen waren, batz es sich also um einen der gigantischsten Raubüberfälle handelte, die seit langem verübt worden waren.

Explosion beim Einbruch

!

Die Einwohner der enpl. Stadl Leeds wür­ben durch eine heftige Explosion aus dem Schlaf geweckt, die stch in einer. Grammophonfabrik ereignet hatte. Tie Vorderwand eines einstök- kigen Gebäudes wurde bura die Wucht der Explosion vollständlg zertrümmert; ein Kassen- chrank, Bücher, Steine, Zirgelstcine usw. be­deckten das Straßcnpslüster. Es wurde fefige- stellt, oaß die Explosion von einem Sauerstofs- Schneideapparat eines Einbrechers herrührte, der in die Fabrik etngebrungen war. Die Po­lizei sah zwar ben Einbrecher burch ein Fenster entweichen, konnte ihn aber nicht mehr erreichen

Aus aller Welt

Immer höhere Verluste

... werben bei bem berliner Tresoreinbruch festgestellt.

Heute wird an ben berliner Anschlagsäulen ein Aufruf ber Kriminalpolizei erscheinen, in

Todessturz einet Schauspielerin. Ein auf­regender Vorfall spielte sich in dem Hause Pari- fer Straße 20 in Berlin ab. Dort stürzte sich bte Schauspielerin Bredow-Welß, bte bort im Hause zu Besuch weilte, aus dem fünften Stock­werk auf ben Hof bes Grundstücks hinab. Man alarmierte die Feuerwehr, die die Schwerver­letzte nach dem Krankenhaus brachte, wo die Aerzte aber nur noch ben inzwischen eingetre­tenen Tod feststellen konnten. Wie verlautet, soll bte Künstlerin in einem Anfall von Schwermut ben Selbstmorb verübt haben.

* Die teste Hinrichtung einer Frau im Staate Lousiana. Zwei Personen, Frau Ma De Boeuf unb Dr. Thomas Dreher, würben in

bem nach einer kurzen Schilberung über die

Ausführung bes Etnbruck's in bet Filiale l Franklin im norbamerikaniicken Staat« Loui- bet Diskonto gesell! schäft in der I siana durch den Strang bingerichtet. Damit

vurde zum ersten Mal in diesem Staat« et# .odesurieil gegen eine Frau vollzogen. ,-rau De Boeuf halt« im Einverständnis mit yrem Geliebten Tr. Dreher igren Garten er» nordet und seine Leiche in einen Sumpf Wer­sen lassen- Ter Hinrichtung wohnte eine große Zuschauermenge bei. Frau De Boeuf wat chon am Tage vor ber Urteilsvollstreckung völ­lig zusammengebrochen unb mußte auf bi« Richlstätte getragen werben. Dr. Dreher da­gegen zeigte sich sehr gefaßt und beteuerte >ii ium letzien Augenblick feine Unschuld.

Treue Kameradschaft im ewigen tife. Komandaut Byrd hat nach einem drahtlosen Bericht ans der Antarktis einem Mitglied sei­ner Expedition das Leben gerettet Beim Ausladen der in ber Walslschbai eingetroffe­nen beiden Erpeditlonsbampser löste sich Plötz­lich ein großer Teil bei Eiswcmb unb stürzte ins Meer. Dadurch gerieten bie Schisse bei« artig ins Schwan'en, baß ein Teil der auf Deck ausgestapelten Vorräte und mehrere Mit­glieder der Besatzung ins Wasser geschleudert wurden. Einer der Verunglückten, ber he- Ichwimmens unkunbig war, brohte zu ertrin­ken. Kurz entschlossen sprang Byrb in die eis­kalte Flut. Er hielt den Ertrinkenden so lan­ge übers Wasser, bis von dem Schiff aus Hilfe gebracht wurde.

* Die Sodawasser-Flut. Ans ber Tagung des amerikanischen Vrrbanbes der Sobawasser- Fabrikan en würbe mitgetcill, daß int letzten Jahr insgesamt 12 Milliarden Flaschen Soda- wasser In Amerika verkauft worben find. Der Vorsitzenbe schätzte baS verkaufte Sodawasser für eine genügend große Menge, um sämtliche Badewannen in ber Union damit zu füllen. Außerdem erklärte er, bliebe noch für jeden amerjf Bürger genügend Sodawasser übrig, um sich ausgiebig damit zu waschen. Selbst- verstänblich faßte ber Fabrikantenverbanb auch einen Bschluß für eine energischere Durchfüh­rung ber Prohibition.

Glücksspiel um Altertümer»

Die großartigen Funbe, bi« bei ben Gra­bungen in ben Königsgräbern zu Ur in Meso­potamien gemacht worven finb unb bie beu Vergleich mit ben kostbarsten Schätzen bes ägyp­tischen Altertums ausüalten, werben zwischen bem Museum von Bagbab unb ben Veranstal­tern ber Ausgrabungen, bem Britischen Muse- um unb ber Universität von Pennsylvanien, ge­teilt. Das ist eine schwierige Ausgabe, unb wenn erst einmal bte Behörben bes Museums von Bagbab bas Ihrige erhalten haben, bann wirb noch ein reger Wettstreit zwischen bem Engländer Leonard Woolley unb bem Ameri­kaner Pater Burrows, ben beiden Leitern bet Unternehmung entstehen. Sie bürsten bann bte Methobe anwenben, bie sie schon jetzt bei Strei­tigkeiten mit Erfolg burchgeführt haben. Sie überlassen nämlich bie Entschelbung bem Zufall unb bebienen sich bes bekannten Glücksspiels Kopf ober Schrift".

Kürzlich war unter ben zu teilenben Gegen­ständen ein Kunstwerk von einzigartiger Schön­heit unb unschätzbarem Wert. Ein Gelbstück würbe in bie Höhe geworfen, unb Woolley ge­wann. Pater Burrows ertrug fein Pech mit einem gezwungenen Lächeln, bot aber schließlich für bieses einzige Stück ben ganzen Anteil Arne- rikas an bem Funbe, ber zur Verteilung kam, unb ber Englänber nahm bas mit Dank an. Dieses Glücksspiel wirb übrigens auch von eng­lischen Antiqultätenhänblern bisweilen angr- wenbet. So kauften 2 Händler eine kostbare Sammlung alter Uhren für 600000 Mark. Bei ber Teilung wollte natürlich feber bas seltenste Stück haben, unb ba mußte auchKopf ober Schrift" entscheiden.

MFMNWW

$1 Roman von Han« Schal» e

Das habe ich anfangs auch geglaubt, nur mit den beiden Schüssen wollte mir die Sache gleich von vornherein nicht stimmen. Da machte ich eines Tages eine merkwürdige Enadeckung. In einer Fichte, bte etwa zwanzig Meter von ber Kanzel entfernt stehl, fanb ich nämlich un­ter abgefplitterter Borke eine Oesfnung, bie mir ganz nach bem Einschlag einer Kugel aus- fah. Ich grub mit meinem Genickfänger in dem weichen Holz herum und brachte auch wirklich eine Kugel heraus. Sie gehörte zur Jagdmunition des Baron. Das war zweifel­los ber erste Schuß, ben ich gehört hatte Die Kugel hatte etwa in Brusthöhe eines mittelgro­ßen ManneS in ber Fichte gesessen. Was war da- Ziel dieses Schusses gewesen? Auf wen konnte ber Baron unter den hohen Bäumen geschossen haben? Hatte er boch vielleicht einen Zusammenstoß mit einem Wllbeter gehabt, wie es ursprünglich In ber ganzen Gegend hieß?

Ich war eigentlich schon entschlossen, nach Liegnitz zum UnterszichungSr'chter zu fahren, um ihm meine Entdeckung mitzuteilen; da trieb es mich eines Morgens noch einmal In die Gegend der Wildkanzel. Unb während ich ben glatten Fichtennabelboben betrachtete, als ob ich auS ihm bte Lösung des Rätsels berauSlefen könnte, stieß ich plötzlich mit der Fußsvitze gegen einen Knops, Es war ein fei. ner Steinnußknopf, keiner der großen Horn- knopfe von der Jagdsoppe des Barons.

Jck> habe thn aufgehoben, weil ich zuerst glaubte, einen wichtigen Fund damit gemacht zu haben. Bei näherer Ueberlegung sagte ick mir bann aber, baß mit blefem Kampf auch nicht allzuviel aninfoagen fein würde, da ja bie Unglücksstätte in ber Zwischenzeit von einer großen Zahl Neuaierlger besucht worben war unb iraendein völlig Unbeteiligter ben Knopk verloren Haden könnte. Zugleich mit dem Knopf

machte ich bann aber noch eine letzte Entdeckung, bie ich Ihnen auch nicht vorenthalten möchte Meine alte Dame stöberte nämlich unter einem Blaubeergestrüpp ein Häuschen Papierschnitzel aus, mit kaum mehr leserlicher, von Regen unb Tau verwischter Schrift. Offenbar hanbelt es sich um Teile eines Briefes, ber kreuz unb quer zerrissen unb bann fortgeworfen worden war. Ich hatte die Schnitzel sorgfältig gesammelt und versucht, sie wieder zusammenzusetzen. Aber es ist mir nicht gelungen, aus den Resten der Schrift einen Sinn herauSzudekommen!"

Er hatte bei den letzten Worten eine alle lederne Brieftasche aus dem Rock genommen und überreichte Klaus einen Umschlag.

,Da haben Sie meine Fundstücke. Hier den Knopf und da die Papierschnitzel. Wenn Sie Ihr Glück damit versuchen wollen. Meine alten Augen sind schon zu schwach für eine so müh­selige Arbeit!"

Klaus nahm den Knops zur Hand und be­trachtete ihn lange und aufmerksam.ES ist ein guter neuer Jackenknopf; er stammt sicher­lich aus einer vornehmen Herrenschneiderwerk­statt. Der KrelS der Menschen, die für seinen Verlust in Betracht kommen, dürfte in Reudie- tersdorf nicht allzu groß fein Haben Sie übri­gens fchon jemand anderem z. B. der Frau Baronin, von Ihren Entdeckungen Mitteilung gemacht?"

Der Förster bewegte verneinend den Kopf .Die sind der Einzige, Herr Gras, mit dem ich bisher über die ganze Sache gefprochen ha­be. Ich will auch ganz offen fein: gerade die Baronin von «haben wäre bte Letzte, bie ich ins Vertrauen ziehen würbe Ich habe bie fpä te Heirat bei Barons bei bem großen Alters­unterschied der Ehegatten von jeher als Un- ilück betrachtet und glaube mich leider auch da- rin nickt getäuscht zu haben. Denn ich sah in diesen Dingen tiefer alS irgend ein anderer, weil der Verstorbene auf unseren VirsckwSngen manchmal auch mit seinen häuslichen Sorgen nickst vor mir zurückhielt. Jetzt ist bie Baronin waS sie fa Wohl schon immer angestrebt hatte unumschränkte Herrin auf Reu steterSdorf und

Besitzerin eines Millionenvermögens geworben. Unb, soweit ich beobachtet habe, mit bieser Wenbung ihres Schicksals auch ganz zusrieben. Sie bürste also meinen Ermittelungen, bte ge­gebenenfalls geeignet finb, ben soeben erst bei­gelegten Fall von neuem aufzuröllen, nur ein sehr geringes Interesse entgegenbringen. Ich aber fühle mich durch et» halbes Jahrhundert mit der Familie von Rhaden verbunden und betrachte es darum als eine Ehrensache gegen oen Verstorbenen, der mich nie wie einen Un­tergebenen. sondern stets als einen Freund be­handelt hat. das Geheimnis seines jähen To­des, soviel es in meinen Kräften stxht, auszu- tfären: Und darum habe ich mich gerade an Sie, als seinen einzigen mir bekannten Ver- wandten, um Hilft gewandt!"

Klaus erhob sich.Ich danke Ihnen für Ihre treue Anhänglichkeit an das Haus Rha ber, Herr Hegemeister! Sie sollen sich in mir nicht getäuscht unb einen treuen Verbündeten 'n mir gefunden haben. Doch ich glaube, ich habe Ihre Gastfreundschaft schon über Gebühr in Anspruch genommen und möchte jetzt an den Ausbruch denken.

Auf der Uferböschung an dem kleinen Sle- benlinder Badehäuschen hielt blank und fett der Reudietershörfer Fuchspony halb abpe- schirrt vor seinem KorbwSgelchen unb kämpfte mit Schweiß unb Mähne einen verzweifelten Kampf gegen bie blcken Bmmmfliegen, bie ihn in schwarzen, blutgierigen Scharen heute zu­dringlicher denn sonst umschwärmten.

Lore wat schon in aller Frühe mit einer Be­stellung ber Baronin nach Slebenlinben her­übergekommen unb von ben Qnmifftoen Mäd­chen trotz IhreS anfSnalichen Widerstrebens gleich nach dem Morgenkaffee zum Baden mit- tenommen worden.

Jetzt öffnete sich die leinenbeschlagene Tür des BabedäuSchens. und ber hübsche Kopf bei kleinen Eva tauchte zwischen den schwarz wolli­gen Kolbenhäuptern beS hoben Röhrichts auf; bann trat sie ganz herab und befestigte ihre

Badekappe verwegen auf bem widerfpenstigen Blonbhaar.

Gleich barauf kamen auch Else unb Lore aus ber Babebube, unb bie brel jungen Mäd­chen spazierten in ihren bunten Bademänteln gemächlich in dem Weichen Uferfanbe umher, ber sich feucht und warm an ihre Füße schmieg­te Ueber dem See leuchtete bte Sonne in ber wundervollen Klarheit bes morgenstillen Juni- toges. In ber unermeßlichen Himmelsserne schwamm einsam ein Weißes LSmmerwolkchen unb trieb still bahin "tote ein lichter Sommer- gebanfe.

Eva hatte sich unter einer malten Kiefer in den Sanb geworfen unb horchte aus ben Ruf eines Kuckucks, ber fern au8 schweigenben Walbgrünvcn herüberschallte.Ich muß noch vierzig Jahre warten!" sagte sie enttäuscht, den schlanken, braunen Körber dehnend.Wol len wir übrigen? schon ins Wasser oder fahren wir vorher noch ein Stück auf den See hin­aus?"

Dann stand sie ohne eine Antwort abzuwar- 'en, bereits wieder auf den Füßen und kletterte in ein kleines Kielboot, baS neben bem Babe­häuschen leife in bem schwärzlichen Brackwas­ser schaukelte.

Wenn Ihr nicht mitkommt, fahre ich allein. Hier wirb man heute ja von ben Mücken halb ausgesressen." Zögernd stiegen Lore und Elf« nach und nahmen auf den fchmalen Banken Platz. Eva steuerte das schlanke Boot geschickt burch den Schilfqürtel des NferS, über bem whllose Libellen ihr glaShellS, zitterndes Lie- desspiel trieben.

Die Morgensonne rann weich um ihr« fräs- tiaen, runden Arme, die die Ruderstangen leicht und sicher regierten.

Auch Lore hatte ihren Bademantel abgelegt unb schaute nachdenklich in bte kleine Kielwelle surück. bie leise murmelnb hinter bem Boot herliek unb ihre Gebanken wie in einem silber­nen Netze king.

Herr Ralfs ist heute nach 9kubteter5borff gefahren," unterbrach Eva jetzt bas beschauliche SchweigenVielleicht verliebt er sich auch in