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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hesstsche Abendzeitung

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Nummer 27

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Freitag, L Februar 1929

19. Iahrga Ng

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Bor hem Enhkampf um hie Reparationen

Eoolidges letzte Änftruklionen / 6enator Reed als Rüstungsfreunö

(Siehe auch Depefcyen 2. Seite.)

Für den Reparationskampf gerüstet

*

Der KeNoggpaN genügt Frankreich nicht

Die Wahrheit über Deutschland

Aus privaten Quellen aus Kabul wird» stüttgt, was man schon säst wußte, daß der eng» lische Vertreter in Kabul seine Hand mit im Spiel gehabt hat, als Amanullah seine Haupt» stadt verlassen mußte. Das ging sogar so weit, daß die Aufständischen Deckung durch di« Ge» bäude der englischen Gesandtschaft nehmen konn­ten, um sich dem Feuer der Streitkräfte Amarml» lahs zu entziehen. In Boday haben aber jetzt

Staatssekretär v. Rhcinbaben'S Horoskop Vielleicht doch Vorteile durch diePrivatisie­rung" der Schuld? Ein Abbruch wohl zu überlegen.

(38 kommt nun darauf an, tde die enalischs Politik sich entschließen wird. In der englischen liberalen Presse finden sich Andeutungen, daß es nötig werden könnte, den Gesandten aus Kabul abzuberufen, da er sich tu "ebr komprimi» tiert habe. Die imperialistische Schule wird dem natürlich widersprechen. Sie bat. soweit die in­dischen Fragen, einschließlich Afghanistan, eine Rolle spielen, ihren Sitz bezeichnender Weise

Kluft zwischen Diktator und Heer unüber, brückbar

geworden die Revolte vom August 1926 war

Richtlinien für Paris

Coolidge verabschiedet die Delegierten.

Newhork, 31. Januar. (Funktelegramm.) Wie üus Washington gemeldet wird, ist das Ergeb­nis der letzten Besprechung Oven Aoungs und Pierpont Morgans mit Coolidge dasjenige, daß Coolidge noch einmal nachdrücklich die Treu» nung zwischen Reparations» und Kriegsschulden unterstrich. Bei dieser Besprechung waren Kellogg und Mellon zu­gegen. Aoung und Morgan werden Coolidge über den Gang der Europa-Verhandlungen ge­nauestens unterrichten. Coolidge gab weiter zu verstehen, daß er nichts dagegen habe, wenn Young Vorsitzender des Sachverstän» digen-KomiteeS werde. Young äußerte sich bis- her nicht über die Möglichkeit einer Kommerzia­lisierung der deutschen Reparations-Bons.

Gchacft dem König

Englands Schiebung in Kabul.

Von Dr. Paul Rohrbach.

ParrS» 31. Januar. Vor der Ratifizierung des Kelloggpaktes durch Frankreich scheint es noch zu einer umfangreichen parlamentarischen Debatte kommen zu wollen, insbesondere über die fehlenden Sanktionen und über die Vorbe­halte verschiedener Länder. In der Kammer­kommission äußerte man einstimmig die Ansicht daß der Pakt ohne Schiedsgerichtsbarkeit und ohne Ia rktionen nur eine moralische Tragweite besitze. Der Pakt müfle im Zusammenhang mit dem BölkerbundSpakt und mit dem Socarnoab» kommen geprüft werden.

geblieben, zum Teil wegen des fundamentalen Mangels an Jnlandsanlagekapital, wodurch ins­besondere das Baugewerbe und ganz allgemein der Prozeß der Rationalisierung der deutschett Industrie behindert werde. Die Zahl der Kon­kurse und der GeschäftSaufstchien sei erheblich hoher alS 1927 gewesen. Der Außenhandel zeige immer noch eine starke Passiv-Bilan, und bilde weiterhin ein schwierige» wirtschaftliches Pro- blem.

Amerika will stark fein

Ein mißtrauischer Senator. Die Kreuzer- bauten als sicherstes Friedenspfanv.

Washington, 31. Januar. (Funkrelegramm). Im Verlaufe der Kreuzerdebatte hielt Senator Reed eine aufsehenerregende Rede, in der er sich mit großem Eifer für die sofortige An nähme der Vorlage einsetzte. Er wandte sich in leidenschaftlichen Ausdrücken gegen dieTräume der Enthusiasten", die Propaganda der Pazi­fisten, den Verrat der Internationale Er wies u. a. auf die Rüstungen Englands, Frankreichs, Japans und Polens hin und sagte mit erhobener Stimme; Die Kriegsräte jeder Ration haben sorgfältige Pläne ausgearbeitet, die auf die Versenkung der a m e r j k a n i- scheu Flotte und eine Invasion in den Bereinigten Staaten abzielen. Sollen wir uns Auf Verträge verlassen, obgleich seit Anbeginn der Geschichte Verträge ständig gebrochen wor­den sind? Eine Mehrheit für die Vorlage gilt als sicher, doch bestehen noch einige Zweifel über das Schicksal der Zeit-Einschränkungsklau- Ul^beren Streichung Präsident Coolidge

So wenig häufige Militärputsche für die in- nere Gesundheit eines Regimes sprechen, so we- wenig spricht der klägliche Verlauf des Arrille- nstenpulsches von Ciudad Real für die Stärke und Entschlossenheit der Bewegung, die ja doch schließlich hinter jedem Putsch steckt. Die Tat­sache, daß der umfassend vorbereitete Plan einer zur gleichen Zeit an verschiedenen Plätzen aus- brechenden Bewegung nicht zur Durchführung kam, erklärt zwar den grotesken Abbruch des Putsches, läßt jedoch die Direktionslosig- keit der Hintermänner der Bewegung in einem Licht erscheinen, das geradezu die Diktatur in eine sympathische Beleuchtung setzt. Die Diffe­renzen zwischen Rivera und dem Heer sind älte­sten Datums und in letzter Zeit durch eine ganze Reihe von Putschen und Intrigen erhärtet und vertieft. Eine gefährliche Ausdehnung nahm die Bewegung im Sommer 1926; seitdem sind ihre Aeußerungen immer schwächer und belang­loser geworden. Die Tatsache, daß die Führung der Bewegungen fast stets in der Hand von Ar­tillerieoffizieren liegt, erklärt sich dar­aus, daß das Artilleriekorps im spanischen Heer als das vornehmste Offizierkorps gilt und die meisten Zöglinge des alten Adels in sich ver­einigt. Den raschen Aufstieg Primo de Riveras hatte man ihm stets geneidet. Als er dann 1923 die Diktatur errichtete, ohne der Armee die Stel­lung einzuräumen, die sie nach diesem Putsch eines Generals beanspruchen zu können glaubte, als dann Rivera die für marokkanische Truppen gültigen Ausnahmebestimmungen bezüglich Be­förderung etc. wieder in Kraft setzte, die die Offi­zierkorps kurz zuvor in erbittertem Kampf besei­tigt hatten, war die

Feuer aus!

Der Warenhausbrand bei Tietz gelöscht.

Berlin, 31. Januar. (Funkdienst.) Erst in den frühen Morgenstunden war es den übermenschli­chen Anstrengungen der Feuerwehr gelungen, den Brand in der Chausferftratze im Warenhaus Tietz zu löschen. Um 4,37 Uhr gab die Brand­leitung die MeldungFeuer aus". Fünf Züge blieben als Brandwache und zu Aufräumungs­arbeiten an der Brandstelle. Die polizeilichen Straßen-Absperrungen werden noch aufrecht er­halten. (Vergleiche auch 1. Beilage 1. S. D. R.)

Berlin, 3L Januar. (Funktelegramm.) Zur Aufklärung der Ursachen des Riesenbrandes im Warenhaus Tietz wurden alle Personen, die in dem Hause und aus dem Neubau zuletzt noch zu tun hatten, sestgestellt und über ihre Wahr­nehmungen gehört. Das Feuer ist zuerst an einer Holzverschalung und einer Holzwand be­obachtet worden. Sie hat den Zweck, die Hin­tereingänge des Warenhauses zu decken und soll zugleich alle Störungen von den Leuten auf dem Neubau fernhalten. An dieser Holzwand laufen auch Kabel entlang, und es ist wohl möglich, daß das Feuer hier durch Kurzschluß ent­standen ist. Der Wind stand so unglücklich, daß die Flammen gleich von der Verschalung nach dem Warenhaus hinüberschlugen, in dem sie die vielen leicht entzündlichen Vorräte in Brand setzten. Es wird aber schwer sein, die Ursache jemals festzustellen.

Halle, 31. Januar. Staatssekretär Abg. v. Rheinbaben (den Lesern der Kasseler Reue- stenNachrichten durch gehaltvolle Leitartikel he- könnt d. Red.) äußerte sich in einem Vortrag u. tu Dix deutschen Delegierten würden wohl- gerüstet in die Reparations-Verhandlungen hin- eingeben, bei denen wir schließlich wohl allein der Gläubigerftont gegrnüberstehrn dürften. Die deutsche These sei ganz klar: Ganz selbstver- stündlich müsse die Annuität herabgesetzt wer den, und der wirtschaftlich ganz unsinnige WohlfahrtSiader fallen. Bei der Frage der Kommerzialisierung, also der Ueberführung her politischen in eine private Schuld, müsse sehr vorsichtig überlegt werden, ob nicht unter Um- ständen Vorteile für Deutschland herauskommen könnten. Selbstverständlich werde Deutschlands These aufrecht erhalten, daß die interallierten Schulden direkt nichts mit den Reparationen zu tun haben, aber selbst, wenn wir die alliierten Schulden insgesamt übernehmen, dann würden wir einer Summe gegenüberstehen, die erst 1940 auf 1,6 Milliarden anwachse und niemals 2,5 Milliarden erreichen könne. Den Wiederaufbau­forderungen der Franzosen und Belgier könn­ten wir unsere Wiederaufbanforderungen ent- gegenstellen. Wenn im Reichstag ausgespro­chen wurde,liebet ei« klares Nein, als ein ver­waschenes Ja", so meine er, Redner, es werde nicht einfach für Deutschland fein, die Berhanb. langen abzubrechen. In der Form wirtschaft­licher und finanzieller Verhandlungen werde in Wirklichkeit ein ganz großer politischer Machtkampf in der nächsten Zeit beginnen. Bon Rheinbaben ging in biefeiu Zusamenhanq auf die Locarnopolitik, ihre Aushöhlung durch Eng­land, das englisch-franz. Seeabkommenchen Ge­gensatz Englands zu Amerika und BriandS par- lamentarftche Stellung ein, und erklärte, die Idee der Locarnopolitik besiehe fort, den Rhein frei zu machen, damit wir andere Probleme, die l nn» am Herzen liegen, anfassen können. Bevor ; wir nicht unsere Souveränität wieder erlangt I hätten und der DaweS-Kontrollapparat nicht be- I seitlgt sei, seien wir kein freies Volk. 1

[bie Quittung dafür. Primo de Rivera ließ sich jedoch in seinen Reformen nicht beirren und

I verbaute bald dem Einfluß der Osfizierscliquen die letzten Wege. Er schuf eine Miliz und kannte außerdem mit vollkommener Sicherheit auf die starke und ausgezeichnet ausgerüstete und disziplinierte Staats- und städtische Polizei und Gendarmerie zählen. In dieser langsamen Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der immerhin, _____, ____________,_v_

parteiischen Pläne der adligen Offiziere liegt große Kundgebungen der Inder für Amanullah wohl auch der tiefere Grund dafür, daß das in stattgefunden, und an diesen das ist ein Mo- Ciudad Real gegebene Signal ohne jegliches ment von großer Bedeutung haben sich ?la» (M;o im Lande geblieben ist. Es ist anzuneh-1 tionaltsten aus den Hinduparteien und die men, daß der Diktator diesmal mit den Rädels- mohammedanischen Vertreter zusammen betei» führern nicht so glimpflich umspringt wie frü- ligt. Im Telegramm wurde Amanullah Aner- her. Schon beim letzten Arbeiterstreik, unmit- kennung und Unterstützung zugesagt und von telbar bevor Spanien sich in zwei riesigen Aus- London verlangt, die englischen Truppen und stellnngen in Sevilla und Barcelona der Welt der englische Gesandte'in Kabul, Sir Francis präsentieren will, hat er bewiesen, daß er I Humphrey, sollten davon ablassen, den Usurpa-

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zumal die Aktion leicht Früchte von Anftrengun- J kein Afghane, sondern ein Tadschik. Die Tad- gen hätte vernichten können, die für spanische schtken sind von persischer Herkunft, sie bilde,; Verhältnisse beispielos sind. Rivera wird also einen Teil der Landbevölkerung in den Asgha- alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um nistan im Norden benachbarten Gebieten von fürs erste Wiederholungen derartiger Aktionen Russisch-Turkestan und Buchara. Habibullah war auszuschließen, wobei es diesmal kaum ohne vorder Ränberhauptmann, ein Beruf bte Statuierung einiger peinlicher übrigens, von dem in Asien auch noch heute so Exempel abgehen wird. Wie sich Heer und mancher seinen Weg auf einen Thron findet, stellen werden, bleibt eine offene Auch der Chinesenmarschall Tschangtsolin war Frage. Sicherlich aber werden die «roßen Aus- ja bekanntlich vorher ein Räuber. Man sagt, Lurlgenusw die Pontwn Riveras erheblich sein Tod sei der japanischen Politik erwünscht starken und die Argumente aller Gegner der gekommen, wie beim auch die Bahnstrecke inner- $bani»naefli,Aam,^' J°Vtn Vte .Hattingen halb Mukdens, die unter seinem Zuge gesprengt nuremtgermechen erfüllen. Des- wurde, von japanischen Truppen bewacht wurde

,kst die unblutige Putschgrateske Rivera Eine gewisse Aednlichkeit in ben btettetebt gar nicht so ungelegen gekommen. Ziehungen Japans ,ur Mandscknirei .mh g««.

Set Putsch gegen die Matur

®ie Groteske der spanischen Ofsizierverschwörung.

Ziehungen Japans zur Mandschurei und Eng­lands zu Afghanistan ist nicht zu verkennen. Afghanistan war ein britischer Schutzstaat; es gab in Kabul nur einen englischen Residenten und sonst überhaupt keine fremde Vertretung, auch bezog der Emir eine ziemlich hohe jährliche subsidtenzahlung von England. Amanullah und Tschangtsolin wollten, dieser zwischen Japan und China, jener zwischen Brit- tisch-Jndien und Rußland, ihre eigenen Herren Kein Nkparationsburgfriede in Varls t I bequem ist, wenn sichln ^benachbcwten^Gebieten' Paris, 31. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) die sie zu ihrer Interessensphäre rechnen, starke Der radikale Lautier bestritt in seinem Blatt die Persönlichkeiten erheben.

Nachricht, daß zwischen den OpPositionS- und

Regierungsparteien Verhandlungen zur Herstel» I s,T Öc/en Amanullah hat auch

lung einer Art Burgfrieden im Gange seien. Ich »Oberst Lawrence eine Rolle ge»

zweifle gar nicht daran, erklärte Lautier, daß die- " wrence ist eine merfwiirbige Figur, ses oder jenes Regierungsmitglied versucht hat, nrlrr .von Beruf Wissenschaftler, Crienta» mit diesem oder jenem Oppositionellen in eine IIt'. andere eher, als kriegerischer Par- Besprechung zu treten. Stber meiner Ansicht nach I tcigänger. Iw Weltkrieg war seine Rolle die, ist der Augenblick nicht gekommen, daß die Ra- daß er, mit reichlichen Mitteln versehen, die dikale Partei die von ihr eingenommene Hal- arabtfchen Stämme zum Ausstand gegen die tung aufgeben kann. I« beWop- ®r zeigt eine außerordentliche

Begabung mit den Arabern umzugehen, sie po­litisch und gelegentlich auch militärisch zu füh­ren Dieser Lawrence hat sich zu Beginn beS Aufstandes gegen Amanullah beidenRebel» len aufgehalten und soll auch die erfolg-

Amerikas Berliner Handelsattaches zieht die Ic.Ae Operation gegen die Stadt Jellalabad ge» Bilanz für 1928. Ein Gegenstück Mm Op- SS,1? 6aben- deren Eroberung der erste schwere

timismus deS Reparatümsagenten. ^laa gegen Amanullah war, wo große Beute

. I gemacht wurde. Aach Amanullabs Stur* ift

Januar. Ter soeben veröf- bann Lawrence verschwunden, angeblich nach Handelsattachees der ame- England Nach einem Telegramm aus Indien titanischen Botschaft in Berlin beurteilt die Wirt* hat die Teilnahme de« #nnfifA» bht^ha^6r??m Deutschlands im Jahre 1928 da- Ider Thronbesteigung Habibullahs nicht nur bei S « 19-27 rVte^fl0rt^ den indischen Mohammedanern, sondern vor

labnn stch- so heißt es allen Dingen auch bei der Bevölkerung von Llek"tftwts1ndu§i^ Auch sie ftdoch konnten ft5rfftc Mißvergnügen erregt. Sobald

öte S? o r [afire A i Hern^id^ «re« Sm P.cn ^anen deutlich wurde, daß Habibullab woll-, Wall. SHÄVÄ «Elften^TmÄd*' fd,IUfl dl'Stimmung zu zurückgegangen. Diese Entwicklung dauere so- ^anullah« um ^ Dieser , hat bann

gar noch fort Schwer gelitten hätten die Werf- ^dronverficht zurnck-

ien und die Eisen- uno Stahlindustrie durch Aus- 2nb tatsächlich sollen seine Vorposten

'perrungen und Streiks. Der Zinsfuß sei hoch Tagemarsche von der Hauptstadt ent-

geblieben, rum Teil toeaen d-a stehen.