Kasseler Neueste Nachrichten
Neunzehnter Jahrgang.
Drr saifche „Urins von Lrov"
und unermüdlich hat Re unterschlagen.
in
MseltsameGröfin
Bon Edgar Wallace.
27)
<Sa«fataHropc e in Duisbura.
Eine große Gaskatastrophe ereignete sich
Duisburg. Das Zuflußrohr der Gasfernleitung, durch das das niederrheintsche Industriegebiet — von der Ruhrgas-A.-G. mit Gas versorgt wird, ging unter dem Hause Gärtnerstraße 38 zu Bruch. Durch das ausströmende Gas wurde ein In dem Haufe wohnender Arbeiter mit seinen beiden Töchtern und eine bei ihm zu Besuch weilende Schwägerin getötet. Mehrere andere Bewohner des Hauses liegen zur Zeit noch bewußtlos darnieder und werden von mehreren Aerzten betreut. Die Polizei hat das durch den Unfall betroffene Haus und die Wohnhäuser in der nächsten Umgebung räumen und absperren lassen. Die Untersuchung ist noch im Gange.
* Sein Grundstück angezündet. Um dem fortwährenden Streit mit seinem Zwangsmieter, auf dessen Anzeige er auch von der englischen Besatzungsbehörde wegen verbotenen Waffenbesitzes verurteilt war, ein Ende zu bereiten, setzte
Im Herzen Wiens, nicht weit vom Slephans- dom, dort, wo die Roteturmstraße sich gegen den Kai senkt, steht ein großes Gebäude, dessen breite Eckfront daS Rtesenbild eines buntgekleiveten Türken beherrscht. Diese Fassade ist weithin sichtbar; sie bestimmt den Stil dieser Straße, sie dominiert. Es ist die Teppichfirma „Orendi", eine der größten Wiens. Und diese große alte Firma wurde von ihrer Kassiererin ins zur Zahlungsunfähigkeit getrieben. Was für ein dämonisches Weib — sollte man meinen! Aber es ist kein dämonisches Weib. Dämonisch ist vielleicht nur ihre große, große Dummheit. Es ist ein unansehnliches spätes Mädchen, das wohl nie hübsch war und auch sonst keine einzige Gabe mitbekam. Es ist ein armer Teufel von einem liebehungrigen Menschen. Im Lause mehrerer Jahre hat diese klägliche arme Person ihre Chefs
bißchen Liebe. Und bezahlte sie jahrelang mit gestohlenem Geld Wachte in all den Jahren nie zur Besinnung auf, sah nie klar: er Beutet mich aus! Gab und liebte nur.
Aus aller Welt.
Der Tov in der Gi-ve ernacht.
In Hornberg im Schwarzwald hat das Neujahrsschießen ein Menschenleben gefordert. Einem 23 Jahre alten Mechaniker, der in den städtischen Anlagen zwei von ihm selbst verfer- tigte Böller zur Entzündung bringen wollte, wurde durch die Explosion des einen Böllers der Unterleib ausgerifsen, sodaß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. — In Breslau kam es in der Silvesternacht im Lunapark zu einer schweren Schlägerei. Der Arbeiter Scheike wurde beschuldigt, einem Mädchen eine Pelzboa entwendet zu haben und geriet mit dem Arbeiter Bachmann in eine Schlägerei. Ein Schupobeamter, der mit dem Gummiknüppel die Streitenden auseinander zu bringen suchte, mußte schließlich von seiner Schußwaffe Gebrauch machen. Scheike wurde dabei tödlich verletzt.
Schipek;
der Hauptschuldige sei der Anstifter. „Bravo!" schreien die Zuhörer.
Im Urteil wirken sich große Milde und strengste Härte gleicherweise aus. Emma Schipek bekommt zehn Monate schweren Kerker. Der Anstifter Rubenitz, der hartnäckig behauptete, nicht gewußt zu haben, woher seine Geliebte die Riesensummen habe, bekommt — fünf Jahre schweren Kerker. Wieder das laute, kräftige „Bravo!" der Zuhörer. Die Schipek tritt ihre Strafe gleich an. Still, bescheiden, ergeben taucht sie im Kerker unter. Wäre sie nur so ergeben gewesen, als sie einsehen mußte, daß es für sie keine Liebe gab. Hätte sie nie mit dem Einsatz ihrer Freiheit und dem Vermögen einer alten Firma den einzigen Kamps ihres kümmerlichen Daseins: den Kampf um Liebe geführt. Für Rubenitz meldet der Verteidiger die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an. Für ein Vermögen und ein Frauendasein will Robert Rubenitz nicht mit fünf Jahren Kerker bezahlen. w- B-
der Landwirt Stern miet aus Wiesbaden-Igstadt in der Silvesternacht sein Anwesen in Brand. Der größte Teil des Besitztums wurde ein Raub der Flammen. Stemmler wurde verhaftet.
* Geheimnisvoller Leichenfund. Ein Spaziergänger fand im Grünewald die Leiche eines Mädchens von etwa 25 Jahren, das nur unvollständig bekleidet war. Die Unbekannte scheint im Walde erfroren zu fein. Die übrigen Teile der Kleidung der Toten konnten aufgefunden werden.
* Panik im Krankenhaus. In einer Kranken- baracke der Hamburger Staatskrankenaustalt Langenborn entstand durch Umfallen eines brennenden Tannenbaumes ein gefährlicher Brand. Unter den 31 dort liegenden Kranken entstand eine Panik. Es gelang, sämtliche Bettlägrige rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
* Rücksichtsloser Autofahrer. In Duisburg fuhr ein Kraftwagen in voller Fahrt in eine
Dorn wartete dort. Er war verstaubt, unrasiert und sein Gesicht sah grimmig aus.
„Hallo, Dorn — was ist Ihnen denn passiert?" fragte dec Beamte.
In wenigen Worten erklärte der Detektiv die Lage. —
Der Staatsanwalt schüttelte den Kopf.
„Wir können nichts tun. Wir haben nicht den Beweis, den wir brauchen, und können infolge- dessen keine belastende Anklage erheben. Wir haben Ihnen in Anbetracht der seltsamen Um- siände diese- Falles freie Hand gelassen, aber ich kann keinen Haftbefehl ausstellen, bevor Sie mir nicht den positiven Beweis beibringen."
Dorn biß sich nachdenklich ans die Lippen.
„Wenn man in früheren Zeiten einen Mann nicht dazu bringen konnte, die Wahrheit zu sa- gn — was tat man da, Sir Charles?"
„Nun ja, man goß ein wenig kochendes Oel auf ihn! Damals war die Untersuchung von Verbrechen etwas leichter als heute!"
„Sie war nicht leichter!" Michael schüttelte den Kopf. „Ich bringe heraus, wohin sie diese beiden Frauen gebracht haben! Ich erfahre die Wahrheit — und wenn ick Cbesnev Pratze Glied um Glied auseinanderreißen sollte!'
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1. Beilage
Donnerstag 3 Januar 1929.
gedeutet wurde, daß man den Täter in einem hochgestellten Manne vermute Alle Bestohlenen hatten mit einem eleganten Herrn verkehrt, der sich bald „von Ahlersberg", bald „Prinz Croy" nannte. Auch in Berlin flieg in einem Luxushotel unter den Linden ein Herr in mittleren Jahren ab, der ein ganzes Appartement mietete und sich als „Prinz Croy" in das Fremdenbuch eintrug, lieber die Verhältnisse der tatsächlich existierenden Familie zeigte er sich sehr bewandert, sprach aber im Vertrauen und unter Diskretion davon, daß zwischen ihm und seinem prinzlichen Bruder augenblicklich „Diffe- renzen" bestünden. Der Gast suchte bekannte Schneiderateliers und Juweliere auf, bestellte hochelegante Anzüge und kaufte — natürlich ohne bar zu zahlen — kostbare Schmuckfachen. Der Zufall toollre es, daß zur gleichen Zeit der wirkliche Prinz Croy in einem Hotel in der Nähe des Potsdamer Platzes wohnte, und so gingen die Rechnungen seines vermeintlichen Bruders an ihn. Aus dem Hotel Unter den Linden verschwand dann eines Tages der Gast. Leider hatte er „vergessen", seine Logierrechnung und die Liquidation eines Arztes, der ihn wegen Grippe behandelt hatte, zu begleichen. Die Kriminalpolizei, die den Spuren des raffinierten Hochstaplers eifrig nachgingi ermittelte und verhaftete den Schwindler. Er entpuppte sich als der frühere Bankbeamte Sirnstein.
Würdigung zu schützen. .
vollste Vertrauen ihrer Chefs genossen. Richt einmal, als sie daraus aufmerksam gemacht wurden, daß sie zu dem Übel beleumundeten Manne in Beziehungen getreten war. konnte ihr Vertrauen erschüttert werden. Diese stille, ehrliche, kleine Person — ihr sollte man nicht glauben? Ja, wenn sie schön wäre, könnte man eher an Leichtsinn denken! So aber —! Dieses Aber hieß Sehnsucht, und ihre klägliche Erfüllung hieß Robert Rubenitz. In feiner Schlußrede sagt der Staatsanwalt, daß biefe Affäre zwei Opfer habe: die Firma Orendi und die Emma
Als die Zellentür geöffnet wurde, erwachte Lois auS einem lähmenden Schlaf; sie erhob sich unsicher und wußte kaum, was sie tat als sie der Wärterin ins Büro folgte. Sie war müde und abgestumpft von der Anklage, die man gegen sie erhoben hatte. Der Sergeant sagte ir. genb etwas, und sie hörte mich den Namen der Gräfin. Dann gab «hr jemand die Hand — sie dachte, es sei der Sergant. Ein junger Mann, den sie nut mit halbem Bewußtsein bemerkt hatte, nahm ihren Arm und führte sie auf die dunkle Straße. Er öffnete den Schlag eines Wagens, und bevor sie wußte, toaS geschah, hatte sich das Auto schon in Bewegung gesetzt. Sie fühlte eine grenzenlose Abgespanntheit — und schlief wieder ein.
Sie erwachte, als ihr Kopf gegen den Führersitz stieß. Die Dämmerung war nahe.
„Wo sind wir?" fragte sie.
! Und nun der Prozeß.
Spannung im Gerichtssaal. Mitleid mit dieser gebrochenen, hörigen, verlorenen Frau; Mitleid bis ins Herz des Staatsanwalts. Zynisch dieser „Verführer" Robert Rubenitz. Kein Unbescholtener, sondern vorbestraft; wegen Verfettungen von einer Firma entlassen. Offenherzig, still, bescheiden, ehrlich verteidigt sich die Frau. Frech, verlogen, rücksichtslos gegen die Frau, die er vernichtet hat, äußert sich der angeklagte Mann. Aeußeri sich so schamlos, daß Vorsitzender und Staatsanwalt gegen ihn lossahren müssen, um wenigstens einen Teil vom Liebesleben dieser getretenen Fran vor letzter Ent- " Die Sckipek hat das
Bauernhaus. Von den Fenstern, die man von hier sehen konnte, waren nur zwei gesäubert, die anderen starrten von jahrealtem Schmutz. Links erhob sich eine niedrige Scheune, deren Tore halb zerbrochen in den rostigen Angeln hingen und sich wahrscheinlich überhaupt nicht m:hr bewegen lleßen. Ueberall sah man schlimmsten Verfall, unp obwohl sie das Gebäude nur oberflächlich betrachtete, bemerkte sie, daß das eine Ende des Daches fast keine Ziegel mehr trug.
Dies ist doch nicht etwa der Landsitz von Lady Moron?" fragte sie.
„Nein, es ist ein kleines Besitztum, das einem unserer Freunde — ich meine einem ihrer Freunde gehört. Sie haben doch Dr. Tappatt )d ihr getroffen?"
„Dr. Tappatt?" Sie runzelte die Stirn. DaS war der merkwürdige Arzt, der in Chester Square am Essen tetlgenommen hatte.
„Ist er hier?" fragte sie, unangenehm berührt. Der letzte, mit dem sie einen Tag zubringen wollte, war btefer Mann.
„Ja — er ist hier. Er ist kein schlechter Mensch — ich kenne ihn von Indien her, und ,ch glaube, daß er Ihnen auch ganz gut gefallen wird.
Offensichtlich waren sie von der Rückseite zu dem Gehöft gekommen, denn das einzig sic tbare Tor, das ins HauS führte, war verriegelt.
Er klopfte einige Male, bis eine Frau mit einer harten Stimme fragte, wer da sei. Kurz darauf wurden die verrosteten Riegel zurückge- schoben und eine große, hagere Frau erschien in der Türöffnung.
„Kommen Sie herein, mein Herr," sagte si« und trat in den dunklen Korridor.
In dem Haus roch eS dumpf und schlecht. Der alte Teppich auf dem Boden war so dünn, daß ihre Schritte hohl widerklangen.
„Der Doktor ist hier." Die Frau führte sie in einen Raum, der cm den Vorplatz stieß. DaS Zimmer war so schmutzig und unsauber wie daS ganze HauS. In der einen Ecke eines SofaS schlief lufammenaetauert ein Wann. CheSney rüttelte den Schlafenden auf. „Wach auf," sagte er barsch. „Es ist jemand gekommen, der dich sprechen will." (Fortsetzung folgt.!
Sie interessierte sich nicht, wer der Chauffeur war, aber als er sich umwandte, erkannte sie das rote Gesicht Chesney Prayes.
„Es ist schon alles in Ordnung, Miß Reddle," ’agte er mit einem Grinsen. „Ich fahre Sie aufs Sand."
Sie zog die Stirn zusammen und versuchte, sich über die Ereignisse der letzten Nacht klar zu werden. Als sie sich an ihre Verhaftung erinnerte, wurde sie plötzlich wieder ganz wach Aber bevor sie weiter fragen konnte, gab er ihr über die Schulter hinweg schon eine Erklärung.
„Lady Moron dachte, es sei besser, wenn Sie diesem Menschen einmal ein oder zwei Tage aus dem Gesicht kämen. Er hat eine Abneigung gegen Sie, und er ist ein rachsüchtiger Kerl."
„Mr. DaorN?" fragte sie. „Warum ließ er mich festnehmen? Ich weiß nicht, wie Braime verletzt wurde."
„Natürlich wissen Sie da» nicht," sagte er beruhigend. „Aber er hat sich nun eben auf diese Weife gerächt "
An wem er sich auf diese Weife gerächt hatte, erklärte CbeSnev nicht, und selbst LoiS schien es in ihrem abgespannten Zustand dock etwas unlo- aifd£ daß Michael Dorn sie hatte festnehmen las- len, um sich an Chesney Praye ober an der Gräfin zu rächen.
Sie erreichten den Ausgang eineS TaleS. Ihr Weg führte unerwartet in eine dichtbestandene Baumpflanzung. wandte sich bann in rechtem Winkel, kreuzte einen gewöhnlichen Feldweg und fünf Minuten später sah sie eine lange, graue Matter, die ein breitgelagerte#, mit einem niedrigen Dach gedecktes Gebäude umschloß.
An der anderen Seite des HauleS lief eine Straße entlang, und sie wunderte sich, daß sie ihr Ziel nicht auf einem besseren Wege erreicht hotten. Offensichtlich erwartete man sie, denn daS unansehnliche Tor wurde aufgestoßen und sie fuhren in einen schmutzigen Bauernhof ein.
„Dir sind angekommen" sagte Mr. Prave. brachte den Wagen zum Stehen und sprang heraus. Er riß die Tür des Autos auf und Hali ihr beim AuSsteigen. Daß Mädchen schaute sick erstaunt um und sah ein langer, verkommenes
bis sich dieses ungeheure Vermögen zu einer Schuld auftürmte, die die alte Firma erschütterte und ein Heer von Gläubigern entstehen ließ.
Falfche Bucheintragungen der mit unbegrenztem Vertrauen behandelten Kassiererin, allerdings auch Mängel im Kontrollsystem haben diese Rie- fenunterschlagung möglich gemacht. Für sich selbst hat die unscheinbare kleine Person dieses Vermögen nicht gebraucht. Sie war hörig, hörig einem Manne, der sie wie ein kalter Teufel aus- beutete, mit dem von ihr unterschlagenen Geld Autos, Freundinnen, Rennverluste bestritt. Die arme Emma Schipek hat für ihren — falsch geträumten — Traum von Liebe und Leidenschaft ein Riesenvermögen bezahlt, eine so märchenhaft hohe Sume, daß nicht einmal die Reizlosigkeit dieser ältlichen Person ausreicht, um zu erklären, daß für
ein bißchen Scheinliebe ein so großer Einsatz nötig ist. Wer war dieser Adonis, um dessent- willen eine alte Firma Wanken und ein sonst unbescholtenes altes Mädel in den Kerker muß? Wie sieht er aus, er, der eine Million wert ist? Ist er schön? Keineswegs. Ein ungeschlachter Kerl. Ist er zartfühlend gewesen? Ganz und gar nicht. Er hat von der Frau, deren Leben er war, Geld verlangt und immer wieder Geld Aber er war mehr als ein Mensch — für die Schipek nämlich —, er war der Liebestraum einer Alternden, Häßlichen, vom Leben karg Behandelten. Die Schipek wollte Liebe. Schrie, hungerte, rang mit besessener Sehnsucht um ein
Gruppe von einer Silvesterfeier heimkehrender Personen, denen es nicht möglich war, auszu- toeichen. Der Kranführer Buchenheim wurde überfahren und aus der Stelle getötet, während eine andere Person verletzt wurde. Ohne sich um die Opfer zu kümmern, fuhr der Fahrer mit ab- geblenbeten Lichtern schleunigst davon.
* Die Stationskasse beraubt. In der Silvesternacht wurde die Stationskaste in Lövenich (Rheinland) beraubt. Ein Unbekannter, der sich ein Taschentuch als Maske vorgebunden hatte, drang in den Haffeitraum ein und setzte dem einzigen anwesenden Beamten eine Pistole vor die Brust. Dann entnahm er der Kaste den Inhalt von etwa 150 Mark und verschwand.
* Eine Zigeunerschlacht. Bei Wesennünde kam es zwischen den Angehörigen zweier Zigeu- nertrupps zu einer erbitterten Messerschlacht, bei der es zahlreiche Verletzte gab. Die Ermittelungen der Polizei blieben jedoch erfolglos, da die
Eine Million für ein bißchen Liebe
Der Roman eines späten Mädchens. — Ein Sensationsprozetz in Wien.
Seit Monaten liefen aus verschiedenen gro- - ,
ßen Städten des Reiches Anzeigen wegen Zech-.E nalieäu eine Pz,I®Llon beflogen. Zäh betrugen und Diebstahls ein, bei denen stets an- uni) unermüdlich hat sie unterschlagen.
Ins Deutsche übertragen von Ravt Ravendro ILovvrtght bet Wilvetm Goldman« Verlas Letpztg.l
Um vier Uhr morgens hielt er vor der Chel- fea-Poltzetstation und stieg langsam die Stufen zu dem Dienstzimmer hinauf.
„Hallo, Mr. Dorn!" sagte der Sergeant. „Der Inspektor hat die ganze Nacht nach Ihnen gefragt wegen dieses Falles."
„Was gibt es denn?" fragte Michael müde.
„Das geht mit dem Teufel zu! Die Gräfin gibt an. das Mädchen sei nicht in dem Zimmer gewesen, als Braime verletzt wurde. Wir haben eine vollständige schriftliche Aussage von ihr, und der Inspektor sagte, daß er Ihnen etwas mittet« len wird, was Sie nicht so schnell vergessen werden!"
Dorns Lippen zogen sich wütend zusammen.
„Wenn er sich untersteht, irgend etwas Nennenswertes zu sagen, werde ich den Dienst quittieren! Aber immerhin, Sie können sie jetzt frei- lassen. ich möchte mich hei ihr entschuldigen."
„Sie freilassen!' lachte der Sergeant. „Da kommen Sie ein bißchen spät! Sie ist schon um zw.'. Uhr morgens wieder entlassen worden.
Der Detektiv fuhr zusammen.
„Um zwei uhi morgens?" wiederholte er leise „Ging sie allein weg?"
„Nein, ein Herr holte sie in einem blauen Bttickwagen ab."
Michael wankte einen Schritt rückwärts, fein Gefickt war erschövft und verstört, und er schien plötzlich alt geworden zu fein.
„Der Mann, der das Mädchen befreite, hat wahrscheinlich Beihilfe an einem Mord geleistet !' sagte er. „Erzählen Sie baS bem Inspektor. wenn Sie ibn sehen!"
Dann wandte er sich um und verließ den Raum.
Das Büro de? Staatsanwalts wurde erst morgens um zehn Uhr geöffnet, und Michael
beiden Parteien ihre Verwundeten bereits weg- geschafft hatten und die Ztgennertrupps bald darauf mit unbekanntem Ziel weitergezogen waren.
* Anschlag auf einen Personenzug. Auf den Personenzug 546 Danzig—Berlin wurde kurz vor der Persantebrücke ein Schutz abgegeben, der das Fenster eines Abteils dritter Klasse zer- trümmerte, zum Glück aber niemanden traf. Außerdem wurde ein in der Nähe befindliches Einfahrtssignal zerstört.
* Zwei Züge stoßen zusammen. Bei einem Zusammenstoß zweier Personenzüge int Bahnhof von Mediomonte in Gutatemala wurden 32 Personen verletzt, davon vier lebensgefährlich.
* Mit dem Auto in das Meer. Ein Automobil, in bem sich 18 Mitglieder emes Fußball- klubs befanden, stürzte bei Ostende in ein Hafenbassin. Zwei der Insassen ertranken, während die übrigen von den Passanten gerettet wurden. Eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt.
* Tragödie einer Familie. In einem Neto- vorker Vorort wurde eine stebenköpfige Familie tot aufgefunden, die Gasausströmunger. zum Opfer gefallen war.
* Eine Halbinsel verschwindet im Meer. Wie ans Moskau gemeldet wirb, verschwanb Im Laufe eines Erdbebens in der Krim die Halbinsel Jja im Meer. Die niederstürzenden Erd- massen begruben zwei Fisckerfahrzeuge, bereit Bemannung, insgesamt breißig Personen, ertranken.
* Zehn Monate Gefängnis für einen Schuldirektor. Das erweiterte Schöffengericht in Freiburg Im Breisgau verurteilte den Ober» realschuldirektor Schmidt aus Lörrach wegen Sittlichkeitsvergehen zu einer Gefamtgesängnis- ftrafe von zehn Monaten, von denen drei Wochen Untersuchungshaft abgezogen wurden.
• Die Polizei regelt den Karneval. Für den berühmten Kölner Karneval hat der Polizeipräsident von Köln soeben Bestimmungen erlassen, die den sestsreudigcn Rheinländern einige Beschränkungen auferlegen. Während der Karnevalszeit, also vom 1. Januar bis zum Karne- valsdienstag 1929 sind öffentliche Kindermasken- bälle und Kinderkostümfeste verboten. Auch dürfen auf den Straßen keine Gesichtsmasken getragen werden. Sehr schwer wird sich die weitere Anordnung auswirken, daß gegen „nächtliche Ruhestörungen" in jedem Falle eingeschrit- ten werden soll.
♦ Die Ursache der Londoner Gasexplosionen. Die Verhandlungen über die Ursache der Gas- explosionen im Herzen von London enthüllten die Tatsache, daß der vom Postamt benützte R^Lrentunnel nicht gasdicht abgeschlossen war, sodaß sich dort Gas aus der ebenfalls undichten Gaszuleitung anfammeln konnte. Der Tunnel war im Jahre 1866 als Preßluftanlage zur Be« forderung von Postsachen gebaut worden, wurde aber bann auf gegeben, da es nicht gelang, .yn vollständig luftdicht zu machen. Späterhin tourten Telegraphenkabel darin verlegt.
* Von Einbrechern angeschoffen. In Leipzig versuchten Einbrecher In eine Wohnung einzudringen. Dabei wurden die Wohnungsinhaber, ein Ehepaar, die sich zur Wehr setzten, von den Tätern angeschoflen und schwer verletzt.
* Rache des Verschmähten. In Wattenscheid wurden ein Bergmann und seine Braut erschossen aufgefunden. Die Mordkommission stellte fest,, daß der Bergmann das Mädchen und dann sich selbst erschossen hat. Grund: verschmähte Liebe.
* Zugunfall in Apolda. In. Apolda fuhr eine Rangierabteilung auf einen zur Abfahrt nach Wemtar bereitstehenvcn Arbeiterzug c f. Etwa 12 Passagiere des Arbeiterzuges tour n leicht verletzt.