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Steffele» 9Uae> i Skachrschtr»

19. ÜaBrittmg. Nr. 2.

Der ritte Arzt beim König.

in

h.

germächte des Weltkrieges! Das Mindeste, was «müssen. Die ganze Unfertig'eu unserer inner- dre Inder unter Selbstbestimmung verstehen, ist I staatlichen Zustände gebt auch daraus hervor,

Leerlauf des Gemüts

IV.

Wieviel wi'd man U"» aur^ru ment

In seinen Schlußfolgerungen führt der Re- parationsagent aus, datz die Tatsache, daß noch immer keine endgültige Festsetzung der deutschen Reparationsverpflichtungen bestehe, im Plane selbst ein Element der Unsicherheit gelas­sen habe, das alle Gläubiger in Mitleidenschaft ziehe. Die rasche Endregelung würde den wah­ren Interessen der Gläubigermächte und Deutsch­lands gleicl-ermaßen dienen. Der neue Sachver­ständigenausschuß muß also ausdrücklich bevoll­mächtigt sein, das Grundproblem zu prüfen, das noch zu lösen ist, um das Dawcswerk zu seinem logischen Abschluß zu bringen

die Bewegungsfreihett eines Dominions. Und in der Tat, wesyalb soll ein großes Volk von dreihundert Millionen Köpfen, noch dazu von einer alten, reichen Kultur und im Besitz eines überaus fruchtuaren entwicklungsfähigen Lan­des nickt gleichberechtigt neben dem kleinen Ir­land oder neben dem größtenteils wüsten und einst als Verbrecherkolonie begründeten Austra­lien stehen? Ob England wieder den unwieder­bringlichen psychologischen Augenblick zur Mün- digmachung Indiens verpatzt und sich dort da­mit selbst das Grab gräbt?

Zum guten Tropfen.

Wirtschaftsjubiläum in der Marktgafle.

Öeffentlichkeir keine Meinungsverschiedenheiten geben. Viel heikler ist schon vas Stcuerthema, aus das sich die Regierungsparteien einigen

Gesetzesarbeit für 1929.

Am meisten drängt dir Rcichsrcsorm.

Aus der langen Sveitekarte der ReaierunaL- prefle über die Gesetzesarbeite« für 1029 fei hier einiges mitgeteilt:

Daß die S t r a s r e ch t s f o r m zu Ende gebracht werden soll, darüber wird es in der

Eine mir befreundete Dame kam an ihr Haus und sah gerade noch ein kleines Mädchen, das aus dem neuangelegten Vorgarten kam, ein Sträußchen Blumen in der Hand. Sie war so überrascht und empört, daß sie das noch Heine, etwa vierjährige Kind von weitem stellte und ihm über die Straße zurief: Pfui, was hast Du aetan . . . Weißt Du was Du getan hast? Ge­stohlen hast Du. Blumen gestohlen aus einem fremden Garten. Pfui . . . mußt Du Dich aber schämen . . . Das kleine Mädchen verzog krampf- hafl das Gesichtchen, ließ die Blümchen fallen, und lief davon. Blumen und ein Kind . . . und ein so verstörtes Solchen . . . Nie wieder hat die Dame das Kind gesehen und hätte doch so

daß der Gedanke eines endgültigen Finanz« ausgleichs zwischen Reich, Ländern und Ge­meinden längst wieder aufgegeben worden ist. Ueber die Vorarbeiten der Länderkonfe­renz wird sich das Innenministerium keinerlei Illusionen hingeben, aber man ist sich auch hoffentlich darüber klar, daß auf dem gegen­wärtig eingeschlagenen Wege ein praktisches Er­gebnis schwer zu erzielen ist. Ter Versuch, der immer noch von verschiedenen Seiten gemacht wird, die Reichsreformarbeit durchzu­führen ohne einem einzigen Menschen dabei weh zu tun, dürfte sich sehr bald als undurchführbar Herausstellen. So sehr man dafür sorgen muß, datz alle berechtigten historischen Eigenarten zu ihrer Geltung kommen, so wenig wird man da­vor zurückschrecken dürfen, am Baume des deut- schen Staatslebens einige

wuchernde Triebe abzuschneiden.

Es wird die Aufgabe der überparteilich arbeiten­den Organisationen und Presse fein, die amtli­chen Stellen und die öffentliche Meinung immer wieder auf die Wichtigkeit der Verfassungs- und Verwaltungsreform aufmerksam zu machen, die die gegenwärtige schleppende Behandlung nach­gerade nicht mehr vertragen.

Mofsenkkiierei aum n Sreevrn

Dresden, 2. Januar. Nach einer blutigen Schlägerei zwischen Zimmerleuten in der Neu­stadt gelang es der Kriminalpolizei in der Sil­vesternacht, die Mitglieder der Bereinigung Freie Vogtländer" in einer Gastwirtschaft fest­zunehmen. Es wurden 24 Mann, größtenteils Berliner, dem Polizeipräsidium zugeführt, von denen zehn, meist vorbestrafte Verbrecher, in Haft behalten wurden. Die Schlägerei steht je­doch mit den bekannten blutigen Krawallen am Schlesischen Bahnhof in Berlin in keinem Zu­sammenhang. (Siehe auch 3. Sette 2. Beilage Die Redaktion.)

seien, werde von den zu treffenden internen Maßnahmen abhängen. Es sei kein Fall voraus­zusehen, wonach das Reichsbudget nicht in der Lage wäre, seinen Normalbeitrag an Repa­rationen planmäßig zu leisten. Tie Reichsmark gewährleistet weiterhin alle Anfor­derungen in Bezug aus ihre Stabilität. Sie ist jetzt eine der stärksten Währungen der Welt. Deutschlands Produktion und Handel, wie auch die Kreditverhältniffe haben den Charakter einer größeren Beständigkeit angenommen, als zu ir­gend einer Zeit seit dem Krieg (?) Der Außen­handel habe sich deutlich in der Richtung au größere Stabilität und aus einen Ausgleich ent­wickelt Die Ueberproduktion, die übermäßige Ausdehnung, scheint so eingedämmt, daß eine verhältnismäßige Stabilität erreicht werde, wie sich überhaupt der Lebensstandard der deutschen Bevölkerungsmassen verbessert (!) hab«.

(Siehe auch Bericht 1. Seite.)

Einst geht vor einem mir bekannten wohl­habenden Herrn ein Heiner Junge zur Schule Er ist gut und sorgfältig angezogen, aber mit einem Schühchen, dessen Kappe so schief und heruntergetreten ist, daß die volle Ferse des Strumpfes offen daraus liegt Er muß sehr auf­merksam und vorsichtig gehen, datz er den Sckuh flicht verliert. Der Herr geht hinter dem Kinde

von besonderem Glanz. Der Sänger spricht gut aus und ist hochmusikalisch und sicher. Sein schleuniges Engagement aus mehrere Jahre kann empfohlen werden. Aus mehrere Jahre deshalb, damit den hiesigen Kapellmeistern und Regisseu­ren Gelegenheit gegeben werden kann, an der schauspielerischen und künstlerischen Vollendung eines vortrefflich Veranlagten zu wirken.

Was die übrige Aufführung anlangr, so glaubt der Kritiker, zu folgender Feststellung verpflichtet zu sein: Noch immer herrscht die so­genannte Orchestersperre, d. h. die hiesigen Orchestermitglieder wünschen Ausbesserung, das Ministerium wünscht diese Ausbesserung nicht, und da anscheinend sonstige Mittel nicht zur Verfügung stehen, verhängt der Deutsche Mu- Iikerverband die Sperre über das Orchester: Es werden unter keinen Umständen in Krankheiis- oder Behinderungsfällen der ordentlichen Or- chestermitglieder Aushilfsmusiker gestellt. Da- hatte gestern zur Folge, daß beispielsweise der Oboenpart von einer Geige gespielt wurde: daß die Festwiese -hne Bühnenmusik ousgefahrt wurde usw Die Folgen sind kata- strophal. Das Vorspiel blieb ohne Glanz, ohne Schwung.Es ging vonstatten", ist für eine solche Aufführung Wohl der richtige Ausdruck. Ueber der ganzen Aufführung lag infolge die- ser Mängel eine gänzlich ungewohnte Nervofl- lät die selbst unsere sichersten Mitglieder er- schulterte. Wir fordern: Diesen Zuständen muß ein Ende gemacht werden, ebenso wie dem arauenhaften Provisorium eines in Permanenz erklärten stellvertretenden Intendanten. Das Niveau des Kasseler Theaters ist in den letzten Monaten durch alle diese unglückseligen Um- stände so gesunken, daß ihm zu sinken fast nichts übrig bleibt. Wird das nicht besser, dann muß man eben das Publikum aufforbern. zur Selbst­hilfe zu greifen und seinerseits die Sperre zu verhängen. Diese wird nicht organisiert, aber doch fühlbar fein. Vielleicht lernen dann die Streitteile, daß ein derartiger Zank nicht auf dem Rücken eines Unfchuldiaen, gutwilligen, um eine berechtigten Kunftansprüche betrogenen Publtkums ausgetragen werden darf. Dr. P,

In-ieir will sich selbst regieren

Versteht England den Ruf der Stunde?

Kalkutta, 2. Januar. Wie schon angekündigt nahm der indische Rationalkongreß die von Gandi vorgeschlagene Entschließung im, die für Indien den Status eines Dominions fordert. Dor völlige Unabhängigkeit Indiens wurde vor­läufig abgelehnt.

Während England seine Fühler nach Afgha­nistan ausstreckt, um den allzu sowjetfreundlichen Amarnulloch nötigenfalls unschädlich zu machen, gärt es im Süden dieser Berge bedenklich über - das ganze indische Dreieck hin. Im Weltkriege ist in London viel von Selbstregierung auch für Indien die Rede gewesen. Damals galt: helfe, was helfen kann. Die Geister, die man rief, wird

In einer altkasselaner Wirtschaft gibt es am heutigen Mittwoch eine Silberfeier Johan­nes Hohmann, der wundermilde Wirt des Lokals, das bezeichnenderweise den Nanien Zum guten Tropfen" führt, kam heute vor 25 Jahren aus Heiligenrode, wo er sich bereits als Wirt einen Namen erwarb, in die Kasseler Marktgasse. Inzwischen sind aus einer Wirr- chatt, in der gerade drei Tische standen, ge­mütliche Räume geworden, die ganz im mo­dernen Stil gehalten sind. Auch ein hübsches Nebenzimmer wurde angegliedert, als die Kü­che in das Obergeschoß verlegt wurde Ein interessanter Löwenkopf, der in den Fuß einer säst mittelalterlichen Wendeltreppe eingeschnitzi ist, erinnert einzig und allein daran, daß dieses bemerkenswerte Wirtschaftsgebäude bereits im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Johannes Hoh­mann, der Jubilar,, der feit 1896 dem Kasseler Wirteverein angehört, ist einer der ältesten Kasseler Wirte, lieber 33 Jahre versorgt er seine allen Kreisen angehörenden Gäste mit Speise u. Trank. Der Zufall will es, daß hier, gegenüber dem Grimm'fchen Märchenhause, einer der Hoh- mannschen Vorgänger ebenfalls den Namen Grimm geführt hat.

Zehn Jahre Stadtpark.

Von der Oefsentlichkeit unbemerkt vollzog sich ;mStadtpark" während der Weihnachts- ciertage ein Jubiläum besonderer Art. Am er« ien Weihnachtsfeiertag 1918 fand in dem von der gerade aufgelösten Feldpost gründlich ram. ponierten Festsaal die erste größere Veranstal-

Zahlen ble zum Weißbluten!

Deutschland geht es nach Meinung des Reparutionsagenten noch zu gut. Er drängt zum Einheitsstaat. Für die Reichsmark nichts zu befürchten. Her mit der Endsumme.

Aliirgeiröer Lohn.

König Aman Ullah denkt ferner Getreuen.

Peschawar, 2. Januar. König Nman Ullah hat den Truppen rn Kabul als Zeichen feiner Anerkennung dafür, daß sie die Aufständischen zurückgetrieben haben, für zwei Monate Löh­nung auszahlen lassen. Die Löhnung der Leib­wache wurde erhöht. Wegen der strengen Kälte gilt eine neue Anfammlung von Aufständischen vor Frühlingsanfang als fast unmöglich. In Jalalabad ist kein Schnee gefallen und die «MlüsnriS sind noch immer rmstande, sich ge­genüber der Stadt zu behaupten. f

London, 2. Januar. Zur Behandlung des Königs wurde ein elfter Arzt hinzugezogen, ein Professor der Biychemie an der Universität London, der noch nicht 30 Jahre alt ist

Berlin, 2. Januar. In dem 188 Druckfeiteu starken Jahresbericht des Reparationsagenten Parker Gilben heißt es. datz der Dawesplan erfolgreich gewirkt hat. Deutschland hat, wie in den Vorjahren, alle Zahlungen loyal und Pünktlich erfüllt. Die Sachieserungen ha­ben erheblich zugenommen und zugleich lietz sich die Uebertraguug eines wachsenden Teils der Annuität in fremder Währung durchführen. Es wurden Bartransfers in Höhe von rund 943 Millionen Goldmark oder 54 Prozent des gesamten Transfers vorgenommen; während Reichsmarkübertragungen, meist für S a ch lie­fe rungen, sich auf rund 796 Millionen be­liefen.

Die verpfändeten Einnahmen Haden sich in ihren Erträgen weiter befriedigend entwickelt. Die Verkehrssteuer erbringt jährlich die Nor­malle istung von 290 Millionen Goldmark mit einem steigenden Sicherheitskoefsiztenten. Eben­so ergibt die Jndustriebelastung regelmäßig den vollen Betrag. Die Finanzlage der Reichs­bahn ist stark, infolge der jüngsten Tarifer- Höhung und wegen besserer Finanzgebarung. Das Re.chsbudget steht noch immer unter dem Einfluß einer Tendenz zu

übermäßigen Ausgaben und Anleihen.

Di« steigenden Ausgaben ergeben sich vornehm­lich aus den durchgreifenden Erhöhungen der Beamtengehälter und Pensionen und aus den fortgesetzten Anforderungen der Länder und Gemeinden, die dem Reich automa­tisch den Hauptanteil an den wachsenden Einnahmen der Einkommen- und Körperschafts­steuern entziehen. Das finanziell« Verhält­nis zwischen Reick und Ländern und Gemeinden wird wieder als daszu bet» stopfende Loch im Budget" bezeichnet. Es fei jetzt Har, daß die Reichsregierung, wenn sie nach einer vierjährigen Frist die geeigneten Schritte in dieser Richtung zum Schutze ihres eigenen Budgets unternehme, hierdurch allein '

hunderte von Millionen sparen könnte, die jetzt willkürlich den Ländern und Ge­meinden übertragen würden. Die Regierungs­ausgaben seien unbedingt im Rahmen der Ein­nahmen zu hallen, und es nahe der Zeitpunkt heran, wo entschiedenere Maßnahmen in dieser Richtung notwendig seien. Ob und in welcher Höhe Steuererhöhungen notwendig man jetzt nicht los. Jetzt taucht auch der g e - ürchtete Freiheitsrufer Gandhi wieder auf.

Man Hai schadenfroh konstatiert, daß die paf- ive Resistenz, die er predigte, nicht zum Zusam­menbruch des englischen Regiments in Indien geführt hat Man fckickte Sir Simon nach In­dien, der einige Versassungsreformen zugestehen durste und man hoffte, damit das indische G e - Pen st bannen zu können. Bisher hat John Bull die indischen Abgeordneten einfach er­nannt und die Fürsten ausgehalten. Aber was hjlfl's, wenn man den äußeren Charakter der Volksvertretung fälschte! An der wahren Volks- gefinnung ändert man damit nichts. Sie bricht sich jetzt wieder im indischen National-

gerne wieder alles gut gemacht und ihm einen großen, großen Strauß geschenkt!

V.

Und nun zum Schluß ein Beispiel: Ein Hauptmann hatte während des Krieges bei sei­ner Kompagnie einen sehr Pflichttreuen Leut­nant. Dieser Leutnant hatte auf einem Marsche den schon sehr ausgehungerten und ermüdeten Leuten eine kurze Rast gegönnt. Der Haupt­mann brauchte die Kompagnie aber plötzlich und ganz unerwarteterweise dringend. Als der Leutnant mit den Leuten endlich eintraf, sagte der Hauptmann ihm harte Worte, die bei dem Charakter des jungen Offiziers völlig unange­bracht waren und die biefer natürlich schwei­gend hinnahm. Nach dem Gefecht fühlte sich der Hauptmann gedrängt, die Härte feiner Worte dem jungen ernsten Menschen gegenüber abzu­schwächen. Er bat ihn zu sich und bekam die Nachricht, daß der junge Offizier in diesem Ge­fecht gefallen war, und feine nachträglichen wohl­wollenden Gedanken jetzt überflüssig waren.

Lin Tenor wird gesucht.

Gastspiel im Staatstheater: Laurenz Hofer aus Düsseldorf stngt den Stolzing. Ein Wort zur Orchestersperre.

Laurenz Hofer aus Düsseldorf bewirbt sich um die freiwerdende Stelle als Heldentenor an der Kasseler Bühne; mit ausgesprochenem Er- folg, wie vorweg bemerkt werden soll. Wo so­viel positive Eigenschaften vorhanden sind, darf man ruhig auch von den möglichen negattven sprechen: Ob Herr Hofer stimmlich für die ganz schweren Helden (Siegfried, Tristan) wohl aus- reichen wird, kann man nach dem Gastspiel als Swlzing in denMeistersingern" nur schwer entscheiden. Soviel ist sicher, wenn es dem Künstler für biefe ganz schweren Partien an stimmlicher Durchschlagskraft wirklich fehlen sollte, wird er ein derartiges Manko immer durch die Vornehmheit feiner musikalifchen Ge­staltung wetttnachen können. Im übrigen darf festgestellt werden, daß ein fo vortrefflicher Te­nor lange nicht in Kassel gefangen hat. Die Stimme ist wohlgebildet, weich und in der Höhe

Geschichten aus dem Leben.

Von Käthe voa ztrach..

Ter Drang, das Leben unmittelbar an sei­ner Wurzel zu erkennen und zu greifen, beglei­tet uns unaufhörlich und triebhaft während unseres ganzen Daseins. Je intensiver dieser Drang unserem ganzen Wesen eingeprägt ist. umso empfindlicher sind für uns Erinnerungen an Augenblicke, deren Forderung wir nicht er­kannt haben. Erlebnisse, in denen das Leben echte Bereitfchast und Verständnis bei uns vor- auSfetzen konnte und doch nicht gefunden hat. Erlebnisse, die nicht mehr nachzuholen oder wie­der gutzumachen sind.

I.

Ein achtzehnjähriges junges Mädchen machte an einem schönen, hellen, sonnendurchleuchteten Frühlingstage einen Spaziergang in einem wunderschönen Städtchen des Harzes. Als fte aus einem Waldwege auf die Landstraße trat ihre Laute mit bunten Bändern hielt sie sanges- bereit in der Hand traf sie auf eine Kolonne Zuchthäusler in Sträflingskleidung, die die Chaussee auSbefferte. Etwas überrascht und neugierig sah sie die Leute an. Der eine von ihnen hielt einen Augenblick in feiner Arbeit Inne und sah das junge Mädchen, noch in leicht gebückter Stellung verharrend, mit erwartungs­vollen, zu ihrer Laute gleitenden Augen an. Sprechen durste er wohl nicht. Sie fühlte feinen bittenden Blick, begriff ihn dunkel, ging aber weiter. Rte wird sie biefe warmen bittenden Augen und die schickfalsbereite, leicht gebückte Stellung deS Mannes vergessen!

II.

Donnerstag, 8. Januar 1929.

mit einem angemessenen Zinssatz ausgestattet werden. Die Erträge der Schulbbuchforberungen seien von der Kapstalertragssteuer zu befreien. Sief bedauerlich sei, daß die englische Regierung keinerlei Vorschläge betreffs allgemeiner Frei- gäbe des beschlagnahmten deutschen Eigentums nähertreten wolle.

Nur 238 Lilvestersünöer...

Aber sonst war Berlin ruhig.

Berlin, 2. Januar.

Die Siwesternacht ist meist ruhig verlaufen Die Polizei hielt sich sehr zurück und sistierte »nur" 238 Personen wegen groben Unfugs, Nicht­befolgung polizeilicher Anordnungen usw. Ein Knabe wurde von einem Feuerwerkskörper, der allem Anschein nach aus dem elterlichen Haus herausgeschleudert worden war, im Gesicht ge­troffen und erheblich verbrannt. Mehrere noch unbekannte Täter feuerten Revolverfchüsse ab, durch die drei Personen verletzt wurden, davon eine schwer. Ein Bahnarbeiter wurde ohne jede Veranlassung von einem Manne angeschossen Ein anderer wurde von einem Unbekannten Über­fällen und zu Boden geschlagen. Im Kranken­haus konnte man nur noch feinen Tob feststellen Bei einer Messerstecherei würbe ein Lokalbesitzer lebensgefährlich verletzt. Der Täter flüchtete, würbe aber schließlich aufgeftöbert unb festge­nommen. Bei einem Auwunfall wurden sieben Perfonen verletzt.

poincare scharst öie Waffen.

Der nächste Reparations- und Räumungsvorstoß.

Paris, 2. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Dem heutigen Ministerrat unter dem Staatsprä- fibenten Doumergue mißt man große Bedeutung bei. Der Ministerrat wird vor allem eine Erklä­rung PoinearLs ausarbeiten, ehe er eine Er­klärung über die Interpellationen vor der Kam- mer ahgeben wird. Poincars wird sich haupt­sächlich über die Auslandspolitik ausfprecken Für das Reparationskomitee werden seine Erklärungen eine ganz besondere Bedeu­tung haben. Sie werden namentlich die Ab­rüstung und Sicherheitsfrage be­handeln.

Aus Politik und Wirtschaft.

Häuser gegen Gasbomben. Da die bisherige Hausbauweise (Kastensyttem) bei Gasangriffen itn Luftkrieg eine große Gefahr für die Einwoh­ner in sich birgt, wird das Polnifche Arbeits­ministerium eine neue Bauweise anordnen.

Nette Zustände. Nach einem Bericht des in- bischen Generalinfpektor sind 99 Prozent der Polizisten, 75 Prozent der Unterinspektoren und 50 Vrotent der Inspektoren bestechlich

Reujahrswünsche für die Reichswehr. Wie immer haben Reichspräsident unb Reichswehr« minifter an die Wehrmacht Grüße zum Jahres­wechsel gerichtet. Daraus sinb folgende Sätze des letzteren bemerkenswert:Der Wille läßt sich nicht in Fesseln schlagen."Geist ist unabhängig von ber Swrrheit ber Formen."

Neues aus Kassel.

her, ganz gefangen von bem Eindruck, was für eine peinliche Lage des Kind ertragen muß. Er fühlt deutlich, wie bedrückend die Situation für das Kind ist. . . Langsam biegt der Junge um eine Ecke . . . Als ihm das Kind aus den Augen entschwunden war und noch heute geht es ihm immer nach, daß er nicht auf den Gedanken ge­kommen Ist, dem Kinde ein Paar neue Schühchen für ein paar Mark zu kaufen. So hatte er dem Kind« im Banne seiner persönlichen Mit- leidsempfindung die für ihn einfache Hilfe versagt.

IIL

In einer norddeutschen Stadt fragte eine Jugendfürsorgerin einen daherkommenden, halb­wüchsigen Jungen wahrscheinlich einen klei­nen Lehrling nach dem Weg. Der Junge gibt freundlich Auskunft, feine Augen leuchten auf, und in erwartungsvoller Finde sagt er bann: Sie sinb wohl auch aus Bayern?" Eilig be­jahte bie Dame, denn sie fah plötzlich auf der andern Seite ber Straße eine Bekannte, bie ihr aber burchauz nicht näher stand, und lief, einem augenblicklichen Antriebe folgend, zu ihr hinüber. Den Jungen ließ sie stehen. MS sie sich nach einer Weile wieder seiner erinnerte unb sich nach ihm umwanbte, war er weggeaangen. Ein Lehrfange, voll Heimweh nach Mutter unb Kindheit unter fremden Leuten in einer frem­den Stadt . . . Wie gerne hätte er über feine Heimat gesprochen.

kongreß Bahn. England erlebte in Indien, was Frankreich in Syrien. Den Eingebore­nen ist das Selbstbestimmungsrecht feierlich ver- 'prochen worden. Nun erlebt man erschrocken, datz die Völker aus der Vormundschaft über­haupt heraus wollen, daß sie es mit bem Selbstbesttmmungsrecht tatsächlich ernst meinen. Eine fatale Läget für bie Sie-