Nr. L.
Neunzehnter Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichten
1. Beilage
Dienstag, 1. Januar 1929.
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Mit -er Frru-e zieht -er Schmer; Traulich durch die Zeiten.
Schwere 0ttLmt, milde Weste, Bange Sorgen, frohe Fest« wandeln sich zur Seilen.
war's nicht so im alte« Iahri wir-'s im neuen enden i
Sonnen wallen auf und nieder, Wolken geh'n und kommen wieder, Und kein Wunsch wird's wenden.
Und wo eine Träne fällt
Blüht auch eine Ro;e.
Schon gemischt, noch eh' wir'» bst Ist für Throne und für Hütten Schmerz und Lust im Los«.
Geb« der, der über uns wägt mit rechter Waage,. Jedem Sinn für seine Freuden, Jedem Mut für seine Leiden In di« neuen Tage —
Jedem auf des Lebens Pfad Lmen Freund zur Seite, Lin zufriedenes Gemüt« Und zu stiller Herzensgüte Hoffnung ins Geleite!
xiowinn derer Hebel.
Ein tödlicher Ehestreit.
Rätselhafter Fall vor dem Halberstadter Gericht. — Der Mann neben der toten Frau.
Aus aller Welt.
Die Kölner Werhse.betragereien.
Bei dem schon kurz gemeldeten Wechselbetrug eines Kölner Automobilhündlers handelt es sich um den Kölner Citroen-Vertreter Julius Grün. Hauplgeschädigtcr ist die Frankfurter Industrie- kredit-Gesellschast m. b. H., eine Tochtergesell- schast der Frankfurter Allgemeinen Versiche- rungs-A.-G., die sich mit der Finanzierung von Automobllverkäusen befaßt und die um etwa 400000 Mark geschädigt wurde. Ueber die Angelegenheit erfährt die „F. Z." jetzt folgende Einzelheiten: Grün hat sich der Hilfe seines Buchhalters Schreiner bedient, der früher bei einer Großbank angestellt war und der den Schwindel so anzulegen wußte, daß er über drei Monate ungestört betrieben werden konnte. Die Beiden sind außerordentlich raffiniert zu Werke gegangen. Die Firma Mertlich u Grün verkaufte Automobile auf Teilzahlung. Diese Teilzahlungsgeschäfte wurden von der genannten Frankfurter Bankfirma finanziert, die sich als Sicherheit nicht nur die Kaufverträge und Wechsel, sondern auch Versicherungspolicen der Käufer zur Kontrolle vorlegen ließ. Seit Mitte August hat Grün etwa 70 bis 80 Schwindeleien dieser Art verübt. Er bewog sein« Kunden gleichzeitig, bei der Bank eine Versicherung etn- zugehen. Wenn dann die Rückfrage der Bank bei dem Kunden eintraf, so nahm dieser vielfach an, die Rückfrage beziehe sich auf den Versicherungsvertrag, und gab die geforderte Kontroll- bestätigung. In andern Fällen, wo der Kunde zweifelhaft wurde, begab er sich zu Grün und fragte ihn, was diese Rückfrage bedeuten solle. Dieser beruhigte ihn, indem er erklärte es handle sich um ein Mißverständnis; er behalte die von der Bank zur Rücksendung übermittelten Schriftstücke gleich da und werde die Sache selbst bereinigen. Dann fälschte er die Unterschrift des Käufers und sandte die Schriftstücke zurück. In den meisten Fällen hat Grün Kassa- gcschäfte in Wechselgeschäfte verwandelt in der Weise, daß er bei Barzahlung nach dem Originalkaufvertrag Wechselserien über 6, 9 und 12 Monate ausstellte. Der Betrug kam dadurch ans Tageslicht, daß schließlich doch die Bank von einem der angeblichen Käufer die Mitteilung erhielt, er habe weder einen Wagen gekauft noch Wechsel unterzeichnet.
* Um die Echtheit der Flaschenpost Amund- sens. Die von einem norwegischen Fischer nicht weit von der Küste von Hammersest aufgefischte Flaschenpost, die nach Schrift, Inhalt, Stil und Unterschrift als von Amundsen stammend gedeutet wird, begegnet immer noch starken Zweifeln an ihrer Echtheit. Die in der Flasche enthaltenen wenigen Zeilen stammen vom 18. Juni und besagen ungefähr folgendes: »Wir haben gestoppt, liegen auf See, ungefähr 12 Meilen südöstlich der Bäreninsel. Nebel und starker Ostwind. Wir treiben und sinken langsam. Wir versuchen zu reparieren, doch können wir uns höchstens noch drei Stunden über Wasser halten. Es scheint nicht möglich zu fein, den Motor wieder in Gang zu bringen. Wir sinken langsam weiter." Roald Amundsen.
* Selbstmordversuch im Gerichtssaal. Der Russe Kodznereck, der seit längerer Zeit in Untersuchungshaft war, hatte sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte wegen Diebstahls im Rückfall zu verantworten. Kodznereck war durch Zeugenaussagen überführt worden,, so daß seine Verurteilung erfolgen mußte. Während des Plaidoyers des Staatsanwalts, der gegen Kodznereck eine Zuchthausstrafe von einem Jahre beantragte, zog der Gefangene plötzlich eine Rasierklinge aus seiner Tasche und versuchte sich die Pulsader der linken Hand zu
Eine nicht alltägliche Geschichte, eine Ehestreitigkeil, Die mit dem Tode einer jungen Frau endete, beschäftigte das Schwurgericht von Halbeisstadt. In der Wohnung des 26jährigen Arbeiters Paul Fricke in Aschersleben hatte man am Morgen des 10. Juni niemand gehört. Als dann die Kinder an zu schreien fingen und sich immer noch niemand rührte, holten die Hausbewohner die Mutter des Ehemannes, die in die Wohnung einstieg und der sich dann ein grausiger Anblick darbot. Sie sah die junge Frau tot im Bette liegen und daneben ihren Sohn ruhig schlafen. Man drang nun gewaltsam in die Wohnung ein und suchte den Mann wachzurütteln, was aber erst nach vielem vergeblichen Bemühen gelang. Als man ihn auf das Sonderbare seiner Lage aufmerksam machte, erklärte er, von der ganzen Sache nichts zu wissen. Man holte Arzt und Polizei und glaubte zunächst an die Tat eines Wahnsinnigen. Während der Beobachtung des Geisteszustandes des Angeklagten im Krankenhause konnte jedoch nichts Verdächtiges an dem Ehemann festgestelli werden. So wurde ihm zur Last gelegt, feine junge Frau im Schlafe erwürgt zu haben.
An dieser Annahme hielt zunächst auch der Anklagevertreter fest. Dem stellten sich jedoch die Aussagen von sechs verschiedenen ärztlichen Gutachten gegenüber. Lediglich ein Hallenser Professor vertrat die Ansicht, daß der Tod durch Erstickung eingetreten fein könnte. Er wies aber auch die Annahme nicht von der Hand, daß, wie seine Kollegen meinten, der Tod nach einem heftigen Schlag infolge Nervenschocks und damit zusammenhängender Herzschwäche eingetre- ten fei. Uebereinstimmend wurde von den Aerz-
ten vor Gericht erklärt, daß die Tote ein schwaches Herz gehabt hätte. Die Beweisaufnahme gestaltete sich für den Angeklagten nicht gerade günstig. Während er behauptete, stets Arbeit gehabt und glücklich gelebt zu haben, bekundeten die Zeugen das Gegenteil. So wurde festgestellt, daß er in der 2^ jährigen Ehe 15 Monate arbeitslos gewesen sei, daß es gerade wegen dieser Arbeitslosigkeit oft Streit in der Familie gegeben hätte. Die Mutter des Angeklagten hätte die Ehe überhaupt nicht gewollt und jetzt noch zu der Schwiegertochter Sie gesagt. Die junge Frau hatte auch Zeugen gegenüber erklärt, daß sie ihren Mann verlassen wollte, da er nicht arbeitete. Ueber die Vorgänge in der fraglichen Nacht befragt, erklärte der Angeklagte, daß feine Frau schon am Alend vorher über Kopfschmerzen geklagt und geweint hätte. In der Nacht hätte sie so laut geweint, daß er ihr geboten hätte, ruhig zu fein, um die Nachbarn nicht zu stören. Er hätte dann weitergeschlafen und wüßte nicht, was vorgefallen ist.
Daß seine Frau tot fei, hätte er erst am Morgen gesehen.
Der Anklagevertreter hielt bett Angeklagten des Totschlags schuldig und beantragte sechs Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Das Gericht folgte aber dem Gutachten der Sachverständigen, daß es in der Nacht einen Austritt zwischen den Eheleuten gegeben, wobei der Mann feiner Frau einen Schlag versetzt hätte, durch den ein Nervenschock mit folgender Herzschwäche den Tod der jungen Frau" verursacht hätte. So nahm es nur Körperverletzung mit Todessolge an und erkannte auf acht Monate Gefängnis.
durchschneiden. Er brachte sich einen tiefen Schnitt in den Arm bei, der starken Blutverlust zur Folge hatte. Die Verhandlung wurde sofort abgebrochen.
* Ausbruch aus dem Zuchthaus. Aus dem Zuchthaus Lauerhof bei Lübeck sind drei Schwerverbrecher entwichen, die zu ihrer Flucht einen ganz neuen Trick ausfindig gemacht haben. In der großen Strafanstalt versagte nämlich plötzlich das elektrische Licht, so daß der gesamte Gebäudekompler etwa dreiviertel Stunden lang in tiefstes Dunkel gehüllt war. Diese Dunkelheit benutzten dann die drei Gefangenen, um aus den Arbeitsräumen zu entweichen. Sie zersägten die ei fernen Gitter eines Fensters und gelangten über einen dunklen Hof und die anschließende Mauer inS Freie. Die sofortige Nachsuche blieb erfolglos.
* Selbstmord eines Landrentmeisters. Der Leiter der Regierungshauptkasse Münster (Westfalen), Sanbrentmeifter Zielinski, wurde in der Nähe eines Gartenhäuschens hinter ber Chirurgischen Klinik tot oitfgcfunben Nach Sage der Dinge liegt Selbstmord vor.
* Mord in einem Kaffeehaus. In einem Cafö in Hechingen erschoß der ledige Monteur Weniger aus Gersbach die Kellnerin Frank. Der Täter flüchtete und konnte bis jetzt noch nicht gefaßt werben.
* Große Unterschlagungen. In einer chemischen Fabrik in Mainz-Amöneburg ist ein Fehlbetrag von etwa 145 000 R.-Mk. festgestellt worden. In die Angelegenheit sind zwei frühere Angestellte der Firma verwickelt.
'* Einbrecher in einem Postamt. Bei Nacht drangen Geldschrankknacker in das Postamt in flattern bei Breslau ein und raubten aus dem Geldschrank, den sie mit einer Sprengpatrone aufgesprengt hatten, 15000 R.-Mk. Bargeld, 6000 Mark, die im unteren Teil des Geldschranks lagen, haben die Einbrecher übersehen.
* Kamps mit Wilderern. Im Walde bei Dieburg traf ein Jagdpächter zwei vermummte Wilddiebe beim Schlingenabsuchen. Als er sie gestellt hatte und Hilfe herbeiholen wollte, schossen die Wilderer auf ihn und verletzten ihn erheblich. Die Täter sind unerkannt entkommen.
* Schwerer Autounfall. In Bonn durchbrach ein Kraftwagen die geschlossene Schranke des Bahnübergangs an ber Reuterstraße, wurde von Der Lokomotive eines Personenzuges erfaßt und ungefähr 25 Meter weit mitgeschleift. Der Kraftwagen verbrannte. Der Besitzer des Wagens, ber biefen steuerte, wurde getötet
* Sytt erneut in Gefahr. Wie aus Westerland gemeldet wird, sind durch die heftigen Westwinde der letzten Tage wiederum Ueberschwemmungen in den südlichen Ländereien ber Insel entstanden. Bei weiterem Auffrischen ber Winde werden neue Schäden unausbleiblich fein. Das Wasser reicht schon wieder teilweise bis zum Bahndamm der Insel.
* Schiffszusammenstoß im Hamburger Hasen. Bei einem Zusammenstoß zwischen einer Mötor- barkaffe und einem Fährdampfer im Hamburger Hafen erlitten drei Hafenarbeiter Verletzungen, die ihre Ueberfnhrung ins Hafenkrankenhaus notwendig machte. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt, blieben jedoch schwimmfähig.
* Die Arche Noah soll gesucht werden. Die Stadt Chicago will allen Ernstes eine Expedi- tion nach dem Berge Ararat aussenden, um dort die Arche Noahs zu suchen. Man scheint in Chicago fest davon überzeugt zu fein, die Arche des Stammvaters ber Menschheit zu finben, „Denn," so wird von den Befürwortern der Expedition wörtlich erklärt, „sollte Noah nach der Sintflut wirklich auf dem Berge Ararat gelandet sein, so ist die Arche auch noch sicher dort vorhanden, zumal da auf dem Berge Ararat die Luft so dünn ist, daß die Arche trotz der inzwischen verflossenen Jahrtausende unmöglich verwittert sein kann."
AeseltsameGröfin
26) Bon Edgar Wallace.
Ins Deutsche übertragen von Ravt Ravendro (Goporigbt bet Wilhelm Goldman« Verla« Leipzig.»
20.
„Das wäre also erledigt," sagte Michael traurig, als er die Polizeistation mit dem Sergeanten wieder verließ. „Ich fasse jetzt einen richtigen Dieb, Lighton, wenn meine Schlußfolgerungen richtig sind. Ich ließ mir einen Bries vom Justizministerium zuschicken, der heute nachmittag an meine Adresse aufgegeben wurde."
„Glauben Sie. daß man Ihren Briefkasten beraubt?" fragte Lighton. Der Detektiv antwortete erst, als sie in einem Auto saßen.
„Wir wollen nicht Briefdiebstahl, sondern Briesverzögerung sagen. Ich kam nämlich dahinter, daß alle Briefe meines Nachrichtenagenten und meines Freundes bei der Regierung von der Post stets ohne jeden Grund mit vierundzwanzig Stunden Verspätung"ankamen. Ich be- schäfttgte mich mit der Sache und merkte, daß ich von beiden Stellen Briefe in blauen Umschlägen erhielt."
„Wie geht es Braime?" fragte der Sergeant
„Besser,", war die kurze Antwort. „Ich habe ihn heute abend gesprochen — das wird er sein Leben lang nicht vergessen." Er lachte leise vor sich hin. obwohl sein Herz schmerzte, als er an das bestürzte und empörte Mädchen dachte, das zu dieser Stunde in der Frauenzelle einer Polizeistation saß.
Der Wagen hielt vor Hiles Mansions, und der Fahrstuhlführer brachte sie zu Dorns Wohnung. Zwei oder drei Briefe lagen in seinem Briefkasten. Er nahm sie heraus, prüfte sie, ging dann wieder auf den Treppenflur hinaus und klingelte nach dem Fahrstuhl.
„Haben Sie die Briefe heraufgebracht?" fragte er.
„Ja, mein Herr '
„Wann tarnen sie an?
„Um halb zehn."
„Heute nachmittag um halb vier Uhr wurde ein Brief in einem blauen Umschlag an mich gesandt — er befindet sich nicht unter meiner Post. Woher kommt das?"
Der Fahrstuhlführer schaute beiseite.
„Ich weiß es nicht. Ich bringe die Briefe herauf, sobald sie kommen und werfe sie in den Kasten.
„Sie haben von neun Uhr abends bis neun Uhr morgens Dienst."
„Jawohl, mein Herr."
„Sie haben also die Morgen- und die Abend- post zu besorgen. Wie kommt es denn, daß alle Briefe, die blaue Umschläge haben, mich stets vierundzwanzig Stunden später erreichen als sie es eigentlich sollten?"
„Ich kann es Ihnen nicht sagen."
„Dann sagen Sie es wenigstens diesem Herrn hier — er ist ein Detektiv von Scotland Nord —. und sagen Sie es ihm schnell, sonst werden Sie diese Nacht nicht sehr bequem schlafen."
Eine Zeitlang wehrte sich ber Mann noch und widersprach, aber plötzlich wurde er klein.
„Ich habe eine Frau und vixr Kinder," jammerte er. „Und meine Militärpension werde ich auch verlieren —"
„Sie werden nichts verlieren, wenn Sie jetzt die Wahrheit sagen. Wer hat Ihnen den Auf- trag gegeben, meine Briefe auszuhalten?"
„Ein Herr, ich kenne nicht einmal seinen Namen. Wenn ich diesen Augenblick sterben soll, kann ich Ihnen den Namen nicht, sagen. Er gibt mir zwei Pfund in ber Woche, damit ich alle Briefe in blauen Umschlägen auf halte, auch alle amtlichen schreiben, die an Sie kommen. Ich habe sie niemals gestohlen, ich habe sie immer wieder in Ihren Briefkasten gelegt —"
„Das weiß ich," unterbrach ihn Dorn kurz. „Sie verschwenden nur Ihre Lunge, wenn Sie mit das alles erzählen. Wer hat Ihnen diesen Auftrag gegeben?"
„Ich schwöre Ihnen, daß ich ihn nicht kenne, mein Herr Ich traf ihn eines abends in einer Wirtschaft"
„Kommt er wegen der Briese hierher?"
„Ja, er kam auch heute morgen, nachdem die Lost hier war. Aber ich habe ihm den blauen Brief nicht gegeben, weil ich ihn noch nicht hatte. Der Postbeamte mutzte ihn übersehen haben, er kam eine Viertelstunde später nochmals zurück und gab ihn mir."
„Den blauen Brief? Welchen blauen Brief?" fragte Michael schnell.
„Er liegt unten," winselte der unzuverlässige Portier von Hiles Mansions.
„Ich werde jetzt mit Ihnen hinunterfahren und ihn holen."
In den Eingangsflur war ein kleiner Raum eingebaut, der dem Portier als Büro diente. Unter einer Schreibunterlage schob er zwei blaue Briese heraus.
Den ersten erkannte Michael als den Bries ioteber, den er selbst geschrieben hatte, den zweiten öffnete er schnell und las. Lighton sah, wie sich seine Gesichtszüge veränderten. Er steckte den Bries rasch in seine Tasche und wandte sich zu dem erschrockenen Portter.
„WaS ist sonst noch für mich gekommen? Heraus damit, schnell!"
Ohne ein Wort langte der Mann in die Tasche eines Rockes, der an der Wand hing, und nahm ein Telegramm heraus, das allem Anschein nach geöffnet und wieder geschlossen war. Michael Dorn las eS wuterfüllt.
„Zum Teufel mit diesem er," sagte er, rannte aus der Halle und sprang in die nächste leere Autodroschhke, die er sah.
Zehn Minuten später war er bei seiner Garage, und gleich daraus fuhr sein großer, schwarzer Wagen mit Blitzesgeschwindigkeit aus London.
Es schlug Mitterttacht von der Telsbury Pa- rish-Kirch, als das Auto vor dem Gefängnis hielt. Michael Dorn sprang heraus und drückte die Klingel.
Er verlangte den Direktor.
„Der Direktor schläft schon, mein Herr."
„Ich muß khn sofort sehen. Es geht um Leben und Tod. Geben Sie ihm meine Karte." Er steckte sie durch das Gitterwerk und wattete ungeduldig, bis er eingelassen und zu dem Haus
des Direktors geführt wurde, der ihn in Pyjama und Schlafrock in seinem kleinen Arbeitszimmer erwartete.
„Mrs. Pinder ist um zehn Uhr fortgefahren. Haben Sie den nicht den Wagen geschickt?"
„Nein, ich weiß gar nichts von ihrer Entlassung. Der Brief vorn Justizministerium, der mich davon unterrichten sollte, ist aufgehalten worden. Zehn Uhr? Wer holte sie ab?"
„Ich weiß nicht, ich dachte, Sie wären cs. Ich sah den Wagen und kümmerte mich nicht mehr darum."
„Wissen Sie, welchen Weg er nahm?"
„Sie fuhren in der Richtung nach London. Es war ein kleiner Wagen — ein Buick, denke ich. Ist sic nicht angekommen?"
Michael schüttelte den Kopf.
„Nein, sie ist nicht in London."
Es war keine Zeit zu verlieren. Er stieg wieder in fein Auto und fuhr in höchster Elle die London Road entlang. Am Telsvury-Kreuzweg befand sich eine Tankstation, und er wußte, daß dort jemand im Rückgebäude schlief. Es dauerte einige Zeit, bis er auf sein Klopfen Antwort erhielt, aber bann bekam er eine wertvolle Information.
.Ich sah den Wagen vorbeifahren. Er fuhr nach Süden, auf Letchford zu.
„Nicht auf ber London Road?"
„Nein, er wandte hier nm. Kurz bevor ich mich schlafen legte, sah ich das Schlußlicht vor dem Hügel. Michael Dorn stieg wieder ein und legte die fünfzehn Meilen von Telsburv nach Letchford in genau fünfzehn Minuten zurück- Hier hatte er wieder Glück. Ein Polizist hatte den Wagen gesehen, der westwärts gefahren war. Aber dann kam er zu einem Platz, an dem sich vier Straßen kreuzten, und er konnte nicht heraus sind en. welche Richtung der unbekannte Chauffeur eingeschlagen hatte. Auf keinen Fall Waren sie nach London gefahren. Er suhr erfolglos die eine Straße entlang, nahm bann feinen Weg über das Feld, um die zweite abzn- schneiden, aber er traf niemand, der ihm die geringste Auskunft geben konnte.
Fortsetzung folgt.