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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung eg*> Hessische Abendzeitung
nicht länger zu leide» haben
Nachdem der von dem Elsässer Benoit nieder- geschoffene Staatsanwalt Fachot seinen Verletzungen erlegen ist, wurden Hausdurchsuchungen bei der Frau und den Verwandten deS Attentäters angeordnet. Man will seststellen, ob er irgendeiner politischen Gruppe angehört habe und woher er die Mittel zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes genommen habe. In den Briefen an die Autonomistenführer und ein Blatt erinnert Beniot an die Hausdurchsuchungen bei Autonomisten am letzten Weihnacht s f e st und erklärt, das diesjährige Weihnachtsfest werde noch ganz anders berühmt werden. Das Elsaß werde jetzt
I Rechtsanwalt Klein hat die Verteidigung des Attentäters abgelehnt.
Aus großen traumweiten Kinderaugen aber schaut dich das Wunder der
Aber die Liebe...
Unser Weihnachtsglaube am FriedenSsest.
6olange sich um unser kurzes, wie ein Me- keor von einer Ewigkeit zur anderen hin- schießendes Erdenwallen die Finsternisse des Woher und Wohin ballen, solange wir aus wundgelaufenen und nackten Sohle» durch die Schnee- und Glutwüsten der Entbehrungen, Kränkungen, Herzenspein und aller Verruchtheiten des Weltwirrwesens schweifen werden, solange wird auch in dieser längsten Winternacht der Posaunenchor der himmlischen Heerscharen unsere Herzen heiligen: .Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Eben noch rafften, fronten, hämmerten, brozelten und nestelten Millionen rastloser Hände und Hirne, in Büros, Fabriken, Küchen, Scheunen, Geschäften. Eben noch hupten, pufften, hasteten die Auto- und Menschenschlangen durch Gassen, Platze und Weihnachtsmeffen. Da flackern die ersten Tannenbaumkerzen hinter dunklen Fen- stern auf, andächtigen Kinderlippen entschweben gluckstrunkene Melodien, die fromme Inbrunst der Alten fällt ein, eherner Glockenmund dröhnt rn bte Erlöserbotschaft und Gebete der Gläubigen. Verstummt ist der häßliche Lärm, Streit, Ungemach, Haß, Neid und Niedertracht der Welt.
Erregte Instinkte.
Die Wogen im Senat gehen hoch.
Paris, 24. Dezember. In dem Senat brachte
im eigenen Parlament dem Fluch der Lächerlich- keit anheim. Ja, der Locarnogarant unserer Westgrenze läßt seinen Kriegsminister offen das Manöverkonkubinat mit den Franzosen am Rhein durchaus als legitim u. erwünscht preisen. Der Ahnungslose deutete sogar schon den nächsten gemeinsamen Manöverflandal an, der uns und noch mehr unseren drangsalierten Brüdern wieder das Blut in die Stirn treiben wird.
Mtten in den Weihnachtsfrieden hinein trachte auch die Kugel des Elsässers als Folge des hochnotpeinlichen Gerichts Fachots an den Autonomisten von Colmar. Aber der verblendete Schlächtergeselle Benoit hätte wissen müssen, daß aus der Drachensaat vergossenen Bluts im Gemüt der Franzosen niemals Einsicht, Selbsterkenntnis und Besserung sondern immer daS Gegenteil aufzuwachsen pflegt: Schon tobt die Entrüstung über die Verzweiflungstat eines Heimattreuen, die selbstverständlich au» wir verurteilen, durch die Pariser Parlamentsund Ministersäle. Und wer weiß, ob die Eiseii-
faust PoincarS in kurzsichtigem Eigendünkel nun nicht noch härter mit Ausnahmegesetzen und anderen Martyrien auf das aufbegehrende Elsaß niederfausen wird.
Und dennoch wollen wir uns durch die Auswüchse des Volkshasses hüben und drüben (auch im Orient klirren ja noch die Bürgerkriegswaffen, die auch die Südamerikarivalen noch nicht abgelegt haben) in unserem unverrückbaren Glauben an den Fortschritt der Friede nS- i d e e, an Verständigung, Duldsamkeit und Be- frtedigung unter den Prozeßhanseln und Rauflustigen der Erde nicht rauben lassen. In allen vier Kriegsjahren heiligten selbst die Schützengrabengegner durch tiefstes Schweigen über allen Fronten die fromme Selbsteinkehr deutscher Seelen. Auch das starke, schaffensfrohe Sichftnden und Sichläutern, das Lobstngen aller Volkskreise unter dem Weihnachtsbaum wird wieder dem gemütsärmeren Ausland zu verstehen gehen, daß sich an diesem Friedens- und Versöhnungswillen noch nichts geändert hat. F. R.
Solange wir nicht wissen, woher wir kommen, noch wohin wir gehen, solange ftnb wir dunkle Wesen. Von dem Augenblicke an, wo ein inneres Licht in uns entzündet ist, uns den Weg des Lebens weist, der so lange vor dem Verstand dunkel und bahnlos gelegen, find die Rätsel gelöst, und eine wundervolle innere Klarheit komm, über unS, macht uns ruhig und sicher. Licht und Freude sind eng verwandt. Nur aus dem Licht kann die Freude stammen. Auch Freude, recht erfaßt, ist Immer etwas Innerliches aus dem Herzen Strömendes. Sie ist kein Wollen und Begehren, sondern Ruhe und Friede, kein Suchen und Sehnen, sondern Geborgensein und Gesundenhaben. Gewiß, der Mensch ist immer ein Suchender und immer em Werdender. Aber ei muß Augenblicke für ihn geben, wo er Rast ma<A von dem unaufhörlichem Suchen und Streben, wo er rubt in der Sonne des Erworbenen.
Solch ein Augenblick ist Weihnachten. Da ruht der Mensch aus von allen Kämpfen und Nöten der Zeit. Da tritt die beseligende Ruhe der Geborgenheit in der Liebe Gottes ein, bat kindliche Stillsein und Wohlbefinden t« de«
Und der Widerschein jungen Herzensglücks zaubert ein Lächeln der Harmonie auch auf sorgenzerfurchte Wangen. Inniger schmiegen sich Gat- ten- und Geschwisterherzen im knisternden Christ- baumgefunkel aneinander, und manche grollende Hand legt sich mit stummer Bitte verzeihend in die andere. Unlöslicher als der güldene Fingerreif verstricken sich die Schwüre ersten Liebesglücks, in dem sich schmunzelnd und erinnerungsverloren die Alten sonnen. In keinem Dachoder Kellerstübchen, keiner Gitterzelle oder Krankenstation aber darf heute, gleichviel ob Sünder oder Opfer, ein Mitmensch unbegnadet, ungesegnet, ungeliebt sein kummervolles Haupt auf das Schmerzenspfühl betten. Mit dem Tag, an dem die L i e b e i n d i e W el t k a m sollte weit über den engen Rahmen der FamUie hinaus wieder der kategorische Imperativ des Gemeinschaftslebens: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" mit Flammenschrtft über dem Tun und Lasten jedes Einzelnen und der Gesamtheit stehen und an den Anfang einer nentn Wirtschaftsepoche und Volkskultur gesetzt werden. Wohin soll eS führen, wenn Besitzende und Untergebene sich um jeden geforderten oder verweigerten Pfennig die Hölle heiß machen. Was springt dabei heraus, wenn man mit einem schroffen Nein der Industrie das Herzblut abzapft, ober umgekehrt die deutschen Hafenplätze lahmlegt und leichtfettig die fettesten SchiffS- bauten an die Auslandskonkurrenz fortwirft? Aus den Rippen der Steuerzahler werden letzten Endes die Millionenverluste an deutschem Volksgut geschnitten und Staat und Wirlschasi stürzen sich tiefer und tiefer in Milliardenschulden, an deren Ende aas leider zu rasch vergessene Jnflationsscheusal lauert.
Hinauf ins Steht.
Freude und Liebe unterm Tannenbaum.
Von Arth ar Brause weiter.
„Dies ist der Tag, den der Herr macht! Laßt uns freuen und fröhlich Darinnen sein!" Das ist die Weihnachtsbotschaft und die Weihnachtslosung. Warum lieben wir Weihnachten? Weil es uns das Licht bringt, die Helle in die lange Nacht und die grämliche Tagesprosa der dunklen Wintertage. Denn bte Menschen haben ■ einen Lichthunger, und alle ihre verborgene und l laut sich kundgebende Sehnsucht, ihr Verlangen und Suchen kann man in einem zusammen- I fasten: Lichtsuchen.
Das ganze Leben ist im Grunde nichts ande- : res als der urewige Kampf der Mächte des Lichts mit denen der Finsternis. Je dunkler c8 um uns ist, um so heißer erwacht dar Lichl- suchen. Ein geheimnisvoller, unstillbarer Trieb zwingt uns dazu. Wir können ihn garntcht unterdrücken, ob wir wollen oder nicht. Denn er ist mit uns geboren, ist ein Stück von unS, ' das einzig Wirkliche inmitten alles Schatten- und Gleichnisartigen in uns und uw unS. -Sr > lauge der M ' '' l.as Licht sucht, ist et lebendig. Gibt er dies^achen erst auf und fühlt sich wohl in bet Dunkelheit des Althergebrachten oder brr scheuen Wege in die Finsternis, so ist er tot.
In den grauesten Zeiten schon, als noch niemand an Weihnachten dachte, mochten die Menschen gefühlt haben, daß irgendein Fest das monotone Einerlei der endlosen Winterzett durchbrechen und durchleuchten müßte. So feierten sie das Wintersonnenwendfest, aus dem langsam und allmählich unser Weihnachtsfest aufstieg. Und wenn wir auch nicht Freudenfeuer auf Bergen und Hügeln anzünden, Licht trägt das Weihnachtsfest in alle Herzen und Häuser.
Sprach der große Schöpfer, als er die Welt in's Leben rief: „Es werde Licht!", so ist sein Wort eigentliche Erfüllung erst zu Weihnachten geworden. Denn so lange war es finster auf der Erde Die Menschen schmach'eten unter dem Druck und der Last eine- Gesetzes, das ste erfüllen wollten und nicht erfüllen konnten, rangen und plagten sich unter dem Wulst überlebter Dogmen und Satzungen, verzweifelten an sich, ihrer Kraft und an Gott. „Ach, daß Du Deinen Himmel zerreißest und führest herab!" Wie überwältigend klingt dieser Schrei aus der tiefsten Not einer zerschlagenen Seele.
Da ward Weihnachten. Und das Unglaubliche, das heiß und vergeblich Erflehte wurde Wahrheit. Ein Himmel zerriß. Ein Licht leuchtete durch die Finsternis. „Das «w'ge Licht geht da herein, gibt der Welt einen neuen Schein." Kein vergängliches Freudenfeuer. Ei» ewiges Licht. Christus ward In Bethlehem geboren. Er brachte das Licht und da» Leben auf die hungernde Erde. Deshalb gibt es nicht- Falscheres, als in dem Christentum die Religion bei Weltverneinung und Traurigkeit zu sehen. Ganz im Gegenteil: die Religion der Weltbejahung und der große« Freude ist ste. Denn ste ist Künderin und Trägerin des Lichtes.
der Abgeordnete Roy unter dem lauten Beifall des Hauses dem ermordeten Fachot eine Huldigung dar und dankte der Regierung dafür, daß sie Fachot die Kommandantenwürde der Ehren- legion verliehen habe. Fachot habe die Sache der Unteilbarkeit Frankreich- vertreten. Sein Patriotismus habe ihn zum Opfer eines gemeinen und wohlüberlegenen Attentats gemacht, das allgemeine Bestürzung und Entrüstung hervorgeru sen habe. Justizmtnister Barthou versprach strenge Ahndung und schloß sich der Huldigung für den besten Beamten Frankreichs an. Als Senator, Pfr. Müller, der im Kolmarer Prozeß als Entlastungszeuge aufgetreten war, das Wort ergreifen wollte, brachen alle Bänke in laute Proteste aus. Von allen Seiten riefen die Senatoren: „Fachot, Fachot!". Viele verließen protestie-
d den Saal.
Berlin, 24. Dezember. Im Norden Berlins kam es gestern wegen zu hoher Preise für Weih- nachtsbäume zu schweren Tumultszenen. Ei'te Anzahl junger Burschen schürte den Streit und schließlich fielen die Hunderte, wie auf Kommando, über die Tannenbäume her und schleppten den gesamten Vorrat, etwa 450 Stück, weg. Als die Polizei erschien, waren die Weihnachtsbaum, räuber verschwunden. Rur eine lSjähriger Bursche wurde festgenommen. Später plünderte am Nordbahnhof ein Menschenhaufen zwei mit Chriftbäumen voll beladene Wagen. Die Polizei war gezwungen, mit Gummiknüppeln vorzugehen, um die Ordnung wieder herzustellen. Bei Eintritt der Dunkelheit rottete sich wieder eine
Dunkle Weihnacht im Elsaß.
Verfolgungen wegen deS Mordes am Staats anwalt von Kalmar. — Ein tragischer Irrtum des Schlächtergesellen.
Menschenmenge zusammen und bemächtigte sich eines Wagens mit Chriftbäumen. Vor dem Ueberfallkommando flüchteten sie mit ihrer Beute.
Millionen unterm Lhristbaum
Paris zieht Spaniens großes Los.
Madrid, 24. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Der Hauptgewinn der großen spanischen Weihnachtslotterie im Betrage von 10 Millionen Mark ist nach Paris gefallen. Der zweite Haupt- gewinn (etwa 7 Millionen) ist an Mitglieder eines katholischen Verein- in Jgualada und der dritte Hauptgewinn an eine spanische Gesellschaft gefallen.
Znmulte um... WMimchtMume
Der Berliner Mob reißt ste den Händlern weg.
Hoffentlich lasten sich die tüchtigen Volkswirte der Parlamente vom Weihnachtsmann außer Luthers Steinbaukasten der Reichsreform auch das Schaukelpferd eines vernünftigen Schlich- tungsappa.ateS schenken, von dem die Parteien nicht alle Augenblicke zur Erde purzeln. Einen so sattelfesten Distanzreiter tote Severing findet man nicht alle Tage. Richt ganz so elegant wie die ArbeitS- und Lohnkrisen haben die bedächtigen Staatslenker den durch ihre Organe etwas vorwitzig verschuldeten Bruch mit dem Staatsgerichtshof in der Person des Reichs- gerichtsprästdenten einrenken könne». Und am politischen Weihnachtsbaum geht eins der strahlendsten Lichter damit aus. daß das tief gekränkte, weit und breit hochgeschätzte höchste Richterhaupt Dr. Simons' etwas eigensinnrg auf feinen R Ücktr it t s b e s chl uß beharrt. Das schmächtige, gerupfte Bäumchen der Außenpolitik steht überhaupt völlig schmuck- und lichterlos da. Und wir können dem geschmeidigen, wahrlich nicht beneidenswerten Stresemann, der doch auch dem Polentolpatsch Zaleski so gründlich heim- geleuchtet hat, für feinen unbeirrbaren Glauben und bte frische Initiative nach allen Setten nur bankbar sein. Freilich, vom Liebes- und Opfergeist der Bethlehemkrippe ist weder tn London, Paris, noch Rom das geringste zu spüren. Chamberlains Räumungs-Clotonette fällt jetzt schon
Rach dem Erdbeben nur eine Wüste.
Ein Weihnachtsverhängnis aus den Philippinen.
_. Newyor^ 24. Dezember. (Durch Funkspruch.uflut begleitetes Erdbeben fast vollständig zerstört. Cotha-Bayo an der Westküste der In- Vier Tote und siebenhundert Verletzte sind fest sel Mindanao wurde durch ein von einer Sturm- 'gestellt worden. Der Schaden beträgt 25000 Dollar
MMonensvenden für Mussolini.
Jetzt kann der Diktator die Lüste erobern.
Rom, 24. Dezember. Die internationale 1?»"» 12 Millionen Lire erbracht, die jetzt Muffo- Sammlung zur Hebung des Luftverkehrs hat ^'.öur Verfügung gestellt werden. Sizilien und 1 Mailand haben am meisten gespendet.
Die Pariser Blätter werfen den beide« Autonomisten vor, daß sie diesen Brief erst nach dem Anschlag der Polizei übergeben hätten. Die Hausdurchsuchung in den Redaktionsräumen des „ElsSffer"waren ergebnislos. Benoit stammte aus einer angesehenen elsässischen Familie. Sein Vater ist Bürgermeister von Walburg im Depar- ..... „
tement Niederrhein. Autonomistenverteidiger j rend den
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Dienstag, 25. Dezember 1928.
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