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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Dte Kasseler Neuesten Nachrichten eriche-aen wbcheutltch iechSmai nachmittag». Der äbonnementepitte beträgt für ben Monat i.90 X bei frei« Zustellung ^s Laua in »et ®ef»6ftäfteae ebgeboli 9 X Dur» bte «oft monatlich 9.20 X auSlchlieftlt» Zuktellungsgebllbr ftetnlorechet 96) unb 952. Yür unverlangt eingeianbte Beiträge kann bie Rebaktivn eine Ber-intmortung ober Gewähr in feinem iballe übernehmen Rückwhlnngen bet Bejngbgelbe# ober Aniorüche wegen etwaiger nicht orbnnngämäüiger Lieferung ausge'ckloffen. - Voftfcheckkonto lfrtnkfnn a M Nummer R8R0 fflnwlnnrnmer 10 4 SonntagSnummer 20 J

Hessische Abendzeitung

Nummer 300 Einzelpreis- Wochentag» 10 Pfennig. Donnerstag, 20. Dezember 1923. Einzelpreis: Sonntag« 20 Pfennig. 18. Jahrgang

Die Knegssackeln wieder im Verlöschen.

Moskauer Nazzla auf Brotschieber / Die Wahrste» über Oberschleslen.

Aus London hvri man'« ander«.

den Aufständischen umzingelt sein. DaS KriegS- recht soll über Kabul verhängt und Ansammlun­gen von mehr alS fünf Personen sollen streng untersagt fein.

London, 19. Dezember. Nach einer Sonder- meldung mtS Kabul hält sich bas Königspaar nach wie vor im Königsschloß auf, hat also nicht Zuflucht in einem Kort gesucht. Es habe ledig­lich ein Brigantenführer auf einen Vorort von Kabul einen Rauhzug unternommen. Dieser wurde sofort zurückgeschlagen und die Räuber- bande vernichtet. Man kann also die Zwischen- fälle höchstens alS Straßenunruhen bezeichnen. ES besteht keine Gefahr für Leben und Eigentum der Ausländer. Die Königin Sureja bewegt sich wie gewöhnlich in den Straßen von Kabul. Am Sonnabend wohnte sie einer Taubenjagd bei.

*

Die Gesandtschaft weiß von nicht«.

Paris, 19. Dezember. Die afhganistauische Gesandtschaft teilt mit, sie habe keinerlei Be­stätigung der Nachricht, wonach daS Königspaar Kabul vcrlaffen habe und in einer Festung ein­geschloffen sei, da die Truppen sich empört hät­ten. Die ausländischen Diplomaten seien keineS- wegs gefährdet.

Freiwilligen-Ansturm In varoguay.

Buenos Aires, 19. Dezember. Aus Asun­cion wird gemeldet, daß sich fünfzigtausend Freiwillige für den Heeresdienst gemeldet Ha-

London, 19. Dezember. Die Ausländer in Kabul sollen sich noch in voller Sicherheit befin­den. Trotzdem halten sich britische Luflstrett- kräste bereit, um die in Kabul lebenden Englän­der, wenn nötig, von dort zu retten. Im Augen­blick sollen um Kabul heftige Kämpfe stattfinden. Alle Verbindungen sind unterbrochen. Dte Re- gierungStruppen bei Dfchellalabad sollen von den Aufständischen umzingelt sein. DaS KriegS-

Falschee Leumund.

Oberschlesten berichtigt den Polenminister.

Kattowitz, 19. Dezezsh'er. (Eigener Drahtbe- richt.s In einem offeKa Brief des Deutschen Dolksbundes an den ^lr.ischeu Außenminifter Zaleski heißt eS: Der Kolksbund habe den Völ­kerbund nicht mit BeslMerden überschüttet. 1928 sind insgesamt 256 Beschwerden bei den zuftän digen Polizeiverwaltungsbehörden eingereicht worden. DaS beweise, daß grundsätz­lich der Beschwerdeweg über die Landesbehörden geht. Nur die überaus

schleppende Behandlung dieser Beschwerden feit dem Amtsantritt des jetzigen Woywoden, habe zur unmittelbaren Anrufung des Völker­bundes gezwungen. Den deutschen Volksbund könne daher der Vorwurf des Mangels an gu­tem Willen und der Illoyalität nicht treffen. Der Volksbund nimmt an der politischen Bewe­gung, wir mit Nachdruck hervorgehoben wird, keinen Anteil. In keinem der Strafurteile wird der deutsche Bolksbund alS der Urheber der betreffenden Taten bezeichnet. Der Volks­bund habe neben kulturellen Aufgaben lediglich den Zweck deS Rechtsschutzes seiner Mitglieder.

Brotsün-er in Moskau.

Sie bereichern sich am . . . Hunger.

Kowno, 19. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Sowjetregierung wegen des starken BrotmangelS eine Kommifflon gegründet, an deren Spitze die O. G. P. U. steht, zu dem Zweck, die Sveku- l a t i o n von privater Seite zu bekämpfen. Gestern wurde in Moskau eine große Razzia gegen die Spelulanten veranstaltet. Ueber 120 Personen sind verhaftet worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Prinatspeku- latton mit den Leitern verschiedener Stellen in Verbindung stand, die ihr das Brot verkauft haben. Auch in Leningrad wurden mehrere Per- onen verhaftet. verhafteten Prinat-Speku- lanten werden nach Sibirien verbannt.

Zrie-enspaKt nicht gefährdet.

Annahme nach Abänderung sicher.

Washington, 19. Dezember. (Durch Funk­spruch.) Die Senatskommisflon nahm mit 15 gegen eine Stimme eine Entschließung an durch die der Kommissionspräfident Borah ermächtigt wird, dem Senat die Annahme des Sei- loggpakteS zu empfehlen. Man rechnet da­mit, daß der Wortlaut im Sinne einer Wah­rung der Monroedoktrin abgeändert werden dürste, daß der Pakt aber schließlich unver- ändert angenommen werden wird.

Vermutlich wird das Plenum zuerst die »reuzervorlage erledigen, um durch Bewilligung der 15 Kreuzer die Opposition der Flotten­freunde gegen den Pakt beschwichtigen.

^rauenmorde um den Schleier

Afghanistan macht im Kaukasus Schule.

Kowno, 19. Dezember. Die Opposition gegen die Vereuropäisterung Afghanistans findet ihr Gegenstück in den Unruhen, gegen die kommu­nistischen Maßnahmen im Kaukasus. Dort hat ein glaubenstreuer Georgier zwei Frauen sei­nes Stammes ermordet, weil sie entsprechend den Anordnungen der Behörden, den Gesichts­schleier abgelegt hatten. Der Georgier wurde verhaftet und zum Tode verurteilt.

ben. Dreißigtausend wurden angenommen. Drei Truppenschiffe sind nach der Rordgrenze abgegangen.

* * *

Anscheinend scheint der Südamerikakrieg nun doch auszugehen wie das Hornberger Schießen. Bolivien hat feinen Vormarsch eingestellt und Paraguay hat sich» sofort der Vermittlungsaktion Argentiniens unterworfen. Diese Wendung ist natürlich zu begrüßen und war eigentlich voraus zusehen, denn Bolivien wie Paraguay sind nicht nur von großen und mächtigen Nachbarn umge­ben, sondern auch die Interessen amerikanischer Finanzkreise konnte eigentlich nur darauf gehen, gewisse Fragen int El Chaco-Gebiet nicht dem Zufall der Waffen zu überlassen. Dem Völkerbundsrat, der andernfalls wahrscheinlich gezwungen gewesen wäre, in dieser Woche noch einmal zusammen zu kommen und zwar in Pa­ris, ist sicher angesichts dieser Entspannung we­sentlich wohler, zumal man auf der einen Seite zwar die Pflicht gehabt hätte, aus Prestigegrün­den einzugreifen, auf der anderen aber gar keine Möglichkeit, diesem Eingriff irgendwelchen Nach­druck zu verleihen.

Ich finde doch einen Dümmeren, der mir das Zeug abkauft, bevor der Krach kommt, Hrau Hanau hat diese Gesinnung, die wa hrhafttg nichts von reellem Sparsinn hat, für sich ausgenützt. Sie hat ein gewagtes Ban- ktersptel mit einem glänzend organisierten Ap­parat getrieben, in welchem die Anlockung durch eine eigene Zeitung die Hauptrolle spiel- ie. Vielleicht ist es die Verwechslung der ,Ga- zete du Franc" mit einem alten Organ ähnli- chen Namens, die der Frau Hanau auch einige Aristokraten und sogar einen Kommandeur der Ehrenlegion zugesührt hat. Die journalistische seite dieses Blattes war übrigens sehr geschickt aufgemacht. und man fand in ihr alle französi- schen Namen, die gut und teuer sind. Die Ge­schäfte der Frau Martha Hanau gingen glän­zend, ebenso glänzend wie einstmals die Ge- schäfte desBankierSRochette gingen. Man erinnert sich, daß dieser Manu vor dem Kriege durch fabelhaft glückliche Spekulationen und durch Ratschläge, die er einer ungemein zahlrei­chen Kundschaft erteilte, ein riesiges Einkorn- men gewann und zuletzt den Neid der Götter, d. h. der großen Banken erregte, deren Kunden dem Glückspilz Rochette zuliefen. Sein Glück war sein Verderben . Eines schönen Tages ver- haftete man ihn, und da war es natürlich mit seinen Finanzkünsten au». ®an* ähnlich scheint e8 der Frau Hanau gegangen zu sein. Auch ihr Glück hat den Neid der Großen erregt, und jetzt kann sie in der Untersuchungshaft darüber Nach­denken, daß man als Outsider in der Finanz zwar im Anfänge Glück, aber

am Enve fast immer Pech hat. Ein anderer Finanzkünstler, der zum Schluß schwer hlneingesatlen ist, ist der Senator Klotz. Der Mann hatte einen Namen zu verlieren. Er war häufig Vorsitzender der Flnanzkommission und eine Zeitlang sogar Finanz Minister. Er galt für eine Autorität und es ist fast un- begrelftich, daß dieser Mann so plumpe Manö­ver wie Scheckfälschungen begangen hat. Hier mochte man wirklich an Geistesstörung glauben. Allerdings hat Clemenceau zur Zeit, da Klotz Finanzminister in seinem Kabinett war, einmal feine Sachkenntnis sehr bissig angezweifelt. Aber Clemenceau ist ja ein Meister in solchen zynischen Witz«, ujtb map könnte ein Buch aus

Gestürzte Größen.

Glück und Ende moderner Finanzkünstler.

Ra» Madame Humbert ... Fra« Hauau. sie wuchcru mit bet Dummheit bet a«bereu. Der Outsider kommt nickt bock. Senator Klotz nutz Clemenceau.

Paris, 15. Dezember.

Die Franzosen halten sich für ausgezeichnete Psychologen und Menschenkenner. Dabei ist eS in keinem Lande so leicht, die Massen um ihre Ersparnisse zu betrügen, wie in Frankreich. Und nicht nur die ungebildeten Massen. Man erin­nert sich des großartigen Schwindels, den Frau Therese Humbert vor dem Kriege mit ei­ner angeblichen Huudertmillionenerbschaft, die ihr von dem mysteriösen Amerikaner Crawford zugefallen sein sollte, getrieben hat. Es gelang der recht ungebildeten, aber mit einer imponie­renden Suada versehenen Frau, auf diese phan- lastische Erbschaft im Ganzen hundertzwan- iig Millionen Franken zu pumpen. Als der Schwindel nicht mehr weiter ging, floh öle ganze Familie Humbert, die jahrelang Paris durch ihren Lurus geblendet hatte, nach Spa­nien. Als man den großen Geldschrank im ele­ganten Haus der Frau Humbert öffnete, fand man darin wie zum Hohn hingelegt. .«vw

einen Knopf, Sonst nicht ^^^ischen Erst nach langer Zeit gelang es, den fciabvT halisort der Humberts ausfindig zu machen tihib ihre Auslieferung zu erlangen. Ich habe feiner, zeit dem Prozeß in Paris, der übrigens mit recht milden ©trafen endigte, beigewohnt. Und am meisten imponierte mir, daß diese fast bäu­erische Frau, die sich so schlecht verteidigen konn­te, gewiegte Kaufleute mit Millionenbe- trägen hineingelegt hatte. Jetzt regt sich Pa­ris wiederum um eine Frau auf, die den Ruin bon Tausenden auf dem Gewissen hat. Nun mutz man nicht allzu sentimental an das Unglück von kleinen Sparern denken, die mit ihren paar Groschen etwas verdienen wollten. Im allgemeinen darf man die Hereingefallenen nicht allzusehr bemitleiden, denn jeder, der auf ben Rat von Frau Martha Hanau Papiere kauf­ten, die steigen sollten, tat das doch nur mit dem Hintergedanken:

Blinder Elfer...

Warum man sich in Afghanisteu schlägt.

»Eile ist vom Teufel 1" so heißt es im Koran vnd es scheint, als ob die »Leuchte der Ration und Religion*, wie der offizielle, feierliche Titel des Padischa von Afghanistan lautet, die Wahr- heit dieses Koranspruches am eigenen Leibe er- fahren soll. Die nächstliegende Erklärung für die Rebellion, die gegenwärtig ganz unzweifel- hast in Afghanistan und feiner Hauptstadt tobt, ist wenigstens die Vermutung, daß König Ämanullah das Tempo seiner Reformarbeit z u sehr forciert hat, um dadurch nicht die für das kulturelle Leben de» Volles maßgebenden Kräfte in die Lage zu versetzen, sich der Unzu- fiiebenen zu ihren rebellischen Plänen zu be­dienen. In der Annahme, daß die Opposition gegen die Europa abgelauschten Reformen von einem kleineren Kreise religiöser Fanatiker ausgehe und in Anbetracht der starken Position des Königs nicht allzu schwer genommen zu werden brauchte, hat man sich geirrt. Denn die plötzliche Verschlimmerung der Situation in Kabul, wohin nunmehr sogar die drahtlose Ver- bindnng abgerissen ist, mag zwar durch die Schwierigkeiten, die Ämanullah mit seinen öst­lichen Grenzvölkern hatte, beschleunigt worden sein, hätte aber trotzdem keine solchen Ausmaße annehmen können, wenn nicht der KreiS der Unzuftiedenen größer gewesen wäre, als man angenommen hatte. Und daS Königspaar wird wahrscheinlich schon heute mit Wehmut der Herr- lichen Tage gedenken, die es in Europa genossen hat. Die dort angeknüpften Freundschaf- ten werden ihm aber in der jetzigen Bedräng- nis wahrscheinlich ebensowenig helfen, wie bte von der Reise mitgebrachten Geschenke. Gleich­zeitig werden in Europa eine Menge großarti- ger Hoffnungen zusammenbrechen, die man auf dem mächtigen Afghanistan errich­tet hatte.

Wer sind diese Unzufriedenen 1 In erster Linie zweifellos die Geistlichen (Mullahs), an ihrer Spitze höchstwahrscheinlich der ältere Bruder Amanullahs, dem eigentlich der Thron gebührt hätte, der jedoch in den dunklen und nie ganz ausgeklärten Tagen nach der Ermor. düng ihres Vaters von Ämanullah Überrumpelt und zeitweilig gefangen gesetzt wurde, später dann nach erfolgter Versöhnung zum obersten Würdenträger der Geistlichkeit ernannt wurde. Sei es nun, daß auch Amanullah's Freunde durch die fortschreitenden Reformarbeiten be8 Königs, bie verbunden waren mit der Heran­ziehung ausländischer Instruktoren und Fach­männer, sich in ihrer Postiion bedroht fühlten, fei es, daß die ganze Bewegung nur aus der kulturellen Opposition quillt offenkundig ist nunmehr, daß Afghanistan vor einer Schick- salswende steht, deren Ausgang auf jeden Fall auch Amanullahs Schicksal bestimmen wird. Selbst wenn der König die Rebellen doch noch niederschlagen sollte, wird er sich darüber klar geworden fein, daß eine Entwicklung, wie et sie im Auge hatte, nicht diktiert werden kann, sondern wachsen muß. Seine Berater kamen vorwiegend aus Rußland. Man hat sich innerhalb der Sowjet-Regierung wahrscheinlich vorgestellt, daß Ämanullah. ähnlich wie K e m a l Pascha, aus seinem Lande von heute auf morgen einen politischen Faktor von Bedeutung würde machen können. Und ob man eine Mo­narchie ober eine Republik unterstützt, bas spielt für Moskau absolut keine Rolle, wenn man nur eine neue Figur auf bem Schachbrett bet Welt- Politik auf der russischen Seite damit glaubt aufftcBen zu können. Auch auf Kemal Pascha hat Rußland seinerzeit große Hoffnungen ge­fetzt gehabt. Die Türkei ist bann freilich so sehr khre eigenen Wege gegangen, baß sie heute als zuverlässiges Mitglieb eine» europäischen Freund schaftsbundeS funktioniert und geaebe- «enfallS auch gegen Rußland funktionieren würde. Trotzdem konnte man ja mit Afghanistan den Versuch machen, hier eine zuverlässigere Stütze zu finden.

An dem Tore de» englischen Indien gelegen, wat mit einem einflußreichen Afgha­nistan allerhand anzufangen. Aber auch für die Engländer wäre eS durchaus nicht unmöglich, fich mit einem modernisierten Afghanistan zu verständigen. E» würde einer Regierung tn Kabul unter Umständen einen solideren Rück- Vrlt und jedenfalls wirtschaftlich glänzendere Aussichten bieten können, als bte arme, hun- getnbe Sowjetrepublik. Ein Gebiet, daS von

Der Völkerbund scheidet aus.

Südamerika schlichtet den Bölkerkamps selbst.

Paris, 19. Dezember, vriand fetzte gestern feine Bemühungen zur friedlichen Beilegung deS Konflikte» zwischen Bolivien und Paraguay fort. Da daS BermittlungSangebot Argentiniens und der Panamerikanischen Konferenz vorliegt, ist im Augenblick, wie eS scheint, nicht mehr die Rede von der Einberufung einer außerordentli­chen BölkerbundStagung. Es sei denn, daß neue unvorhergesehene Ereignisse eintreten werden.

*

Bolivien Mit die Kriegsmaschine an.

Genf, 19. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Der bolivianische Außenminister drahtete dem Völkerbund, daß er dem Chef der Militärposten >en Befehl erteilt hat, jedes Vorrücken und eben Angriff ihrerseits zu unterlassen und ich auf daS Eingreifen von Defenssomaßnabmen zu beschränken.

religiös fanatischen, wirtschaftlich rückständigen unb untereinander verfeindeten Stämmen be­völkert ist, würde allerdings für England nicht gerade bas sicherste unb wertvollste Vorgelände vor seiner indischen Festung darstellen. Gar zu leicht würde es anderen Mächten willkommenen Anlaß bieten können, sich einzumischen unb auf diese Weise bis an ben Fuß ber schützenden Bergmauern Indiens heranzukommen. Der Schauplatz der Weltgeschichte aber hat sich heut­zutage so sehr verengert, daß nun auch dieses, vor einem Menschenalter für Europa noch fast gleichgültige Land eine Rolle In den Internatio­nalen Kombinationen spielt. Mehr noch als in den packenden Szenen eines Königsdramas liegt die wichtigste Seite der afghanischen Katastrophe in ihrer heute noch nicht erkennbaren Bedeutung für bie englisch-russische Rivalität in Asien.

Erlischt -er Grientbran-7

Wiedexsprechende Telegramme aus Afghanistan.

London, 19. Dezember. Nach einem Tele­gramm aus Kabul besteht dort keine Besorgnis für bie Mitglieder der britischen Gesandtschaft. Dagegen scheinen, wie die Times meldet, in der Gegend von Dfchellalabad die Kämpfe noch im Gange zu fein. Die Aufständischen hätten einen kleinen afghanistanischen Posten bei Kaja ein- genommen. Nach einer Meldung aus Moskau ift der Ausstand lokalisiert und die Aufständischen seien mit Ämanullah in Verhandlungen eingetre­ten, um sich zu unterwerfen.

Ueberlritt>tne Krisen gerüchle.