Einzelbild herunterladen
 

Nr. 297.

Achtzehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

2. Beilage

Sonntag. 16 Dezember 1928.

Begegnungen mitGleiner

jungen Adda von sechzehn Jahren hatte. Er gab sofort der Befürchtung Ausdruck, daß Ihm ein UngTüd drohe und wollte Messina wieder der« taffen, aber seine freunde lachten ihn aus.

Als nun vor einigen Tagen auf der Vor- stadtaaffe am Abend eine Leiche mit einem Dolch im Herzen gefunden wurde, vermuteten seine freunde sofort, daß er tatsächlich der Blutrache mm Opfer gefallen sei. Adda Baffi, die seit der Ermordung ihres Bräutigams uuvermählt ge- blreben war, wurde von der Polizei nach Anzei­ge der freunde verhaftet und gestand sofort freudig ein, daß ste den Fabrikanten ermordet habe, mtb erst letzt Ruhe finde, denn nunmehr habe ste ibren Bräutlaam gerächt. .Bor mir konnte er.sich nicht verstecken", erklärte ste stolz.

Siziliens gehörte, sondern auch e.ae angesehene Stellung als Letter einer Fabrik inne hatte.

Eines Morgens war der junge Bildhauer vor dem Hause seiner Braut erschossen aufgefunden worden. Niemand wußte, wer den jungen Mann ermordet hatte, da er sich überall der größten Beliebtheit erfreute und offenbar keinen Feind hatte. Nur die fnnge Adda Baffi war über­zeugt. daß sein Nebenbuhler Alessandro Guanari der Mörder sei und zeigte ihn auch den Behör­den an. Es wurde eine Untersuchung eingelei- iet, die aber für Guanari nichts Belastendes er­gab, sodaß er aus dem Gefängnis wegen man­gelnder Schulbewetfe entlassen wurde. Da die nmge Adda Baffi und ihr ermordeter Bräuti­gam Korsen waren, flüchtete Guanari nach sei­ner Entlassung ouS dem Gefängnis auS der Stadt, denn er mußte mit Recht fürchten, daß dte Blutrache ihn treffen würde. Er begab sich nach Amerika und kehrte erst wieder nach Italien zu­rück. als der Krt»g erklärt wurde. Er hatte tu Amerika ein großes Vermögen erworben und gedarbte, sich fetzt in feiner Vaterstadt zur Ruhe zu setzen, da er nicht glaubte, daß die Erinne­rung an lenen Mord noch wach sei. Auch war ct der Ansicht, daß dte lange Zeit von fünfund­zwanzig Jahren genügen würde, um in Adda Baffi den Gedanken an Blutrache auszulöschen Er hatte sich außerdem sehr stark in feinem Aus­sehen verändert und nahm zum Ueberfluß noch einen anderen Namen an, nm alle Möglichkeiten einer Blutrache zu beseitigen. Vor einigen Ta­gen traf er, wie er sofort seinen Freunden er­zählte. auf der Straße eine Arbeiterin, die ihn mit stechenden Augen betrachtete, und er hatte den Eindruck, als ob eine gewaltige Feindselig­keit ihn auS ihrem Blick träfe. Er war über« ,e«gt, daß eS Adda Bassi war. wenn auch die Fran keinerlei Aetmlichkeit mit der bildschönen

Blutrache nach 25 Jahren.

Ei«» Tragödie in Messina.

In einer winkligen Gasse von Messina eretg nete sich vor einigen Tagen ein geheimnisvoller Mord, der durch die Untersuchung der Behörden eine fast unglaubliche Aufklärung fand, denn es ergab sich, daß eine Frau namens Adda Bassi, die vor mehr als dreißig Jahren aus Kor- sika nach Messina eingewandert war, während fünfundzwanzig Jahren den Gedanken an eine Rache nicht vergessen hat. Bor fünfundzwanzig Jahren war die damals sechzehnjährige Addä mit einem Bildhauer Mtetro Monti verlobt. Sie wurde von dem reichen Grundbesitzerssohn Alessandro Guanari leidenschaftlich umworben batte aber für ihn keine Gegenliebe, obwohl er nicht nur zu den wohlhabendsten iungen Leuten

(Um morgigen Sonntag

find die (Befchdfte in Raffel non 12s Uhr abends geöffnet. Unsere Leier weifen Dir auf den Tlnsefgen» teil der vorliegenden Dummer hin. der ein ausgezeichneter Führer über den Raffeler CDeihnachtsmat ht ist.

Lin bestialischer Morö.

Der Fall Frehdank vor Gericht.

Am 13. Dezember 1927 wurde zu Branden­burg a. H. im Heizraum feines Betriebes der Brauereibesttzer Frehdank ermordet aufgefunden. Den Bemühungen der Berliner Kriminalpolizei gelang es, als Täter den 21-jährigen Arbeiter Willi Schmidt und seinen Arbeitsgenoflen Erich Schmidt zu ermitteln. Willi Schmidt stand we­gen dieser Mordtat dieser Tage vor dem Schwur­gericht in Brandenburg, während Erich Schmidt zurzeit in einer Anstalt (Görden) als geistes­krank behandelt wird und deshalb gerichtlich nicht belangt werden kann.

Richt weniger als 70 Zeugen und Sachver- ständige waren geladen. Die Untat ist mit gro­ßer Raffiniertheit und in der scheußlichsten Weife verübt worden. Frehdank, der als Junggeselle lebte, wohnte neben seiner Brauerei in einem angebauten Hause. Er pflegte sich nachts gegen

Zu Beginn der Dezembersttzung de« Landes- auSjchuffes gab der Vorsitzende. Präsident Thöne, ver Freude deS Lanbesausschusses Ausdruck, daß Landeshauptmann von Geh­ren sich so rasch und vollständig von seiner schweren Krankheit erhol: habe »nd dankte dem Stellvertreter, Landesrai Stoeh- ßür die gute Führung der Vertretung.

Es wurde sestgestellt. daß anstelle des ver­storbene« Kommunallandtags - Abgeordneten. Schlosser Karl Euler in Großkrotzenburg, nach dem Wahlvorschlag der Kommunistischen Par­tei der Geschäftssührer Hugo Eonrad in Groß- anheim in den Kommunallandtag eintritt.

Der Voranschlag der Hessische« Brandversicherungsanstalt für das Jahr 1929 wurde nach den Vorschlägen der An­staltsleitung genehmigt.

Zur Unterstützung des Feuer­löschwesens wurden vom Landesausschutz aus Mitteln der Anstalt an 38 Gemeinde« Bei­hilfen von insgesamt 41310 R--M? bewilligt, lieber die recht günstige Entwickelung der Mobiliarabteilung der Hessischen Brandverfiche- rungSanstalt wurde berichtet.

Der Voranschlag des Viehseuchen- fonds für das Jahr 1929 wurde ebenfalls genehmigt. An Beiträgen werden zur Erhebung kommen: im Abschnitt für Pserde 2 R^Mk., im Abschnitt für Rindvieh 50 Pfg Die ebenfalls den Hauptvoranfchlaz nicht direkt berührenden Voranschläge der Landesleihbanken Hanau «nd Fulda wurden zur Vorlage an den S-mmunal- landtag genehmigt und dabei festgestellt, daß beide LandeSleihbanken auch in diesem Jahre eine erfreuliche Entwickelung zetgen.

Einen wesentlichen Teil der Verhandlungen nahm wieder die Erörterung des Ausbaues der Landstraßen in Anspruch. Der Zu­stand der Landstraßen erfordert nach der ein­mütigen Ansicht des Landesausschuffes weitere

3 Uhr selbst in den Seflelraum zu begebe«, um dte Sessel anzuheizen und öffnete auch dann mor­gen« das Fabriktsr für die um 6 Uhr eintreffen­den Arbeiter.

Die beiden Schmidt- waren früher bei Frey- dank beschäftigt. Sie kannten di« Eigenheiten Freydanks und stützten hierauf ihren Mordplan. Ihrem Opfer brachten sie etwa dreißig Stiche bei und haben ihm auch die Augen ausgestochen. Beide Täter haben nach ihrer Verhaftung sehr schnell ein Geständnis abgelegt und verrieten auch das Versteck, wohin ste ihren Raub, etwa 14 000 Mark, gebracht hatten. Bei der Vernehmung gab der Angeklagte, der übrigen- bereits mehr- fach wegen Diebstahls vorbestraft ist, an, daß er mit Erich Schmidt schon von der Schulzeit her bekannt sei. Mit dem Morde will er ntchrS zu tun habe«.

Lebenserinnerungen Friedrich RittelmeherS.

Es ist wohl bekannt, daß Friedrich Rtttel- meyer, der bekannte Führer der Christengemetu. schäft, zuerst mit der Feder für Rudolf Steiner sich einsetzte. Es waren jene Aufsätze, die Rittelmeyer für oen Kunstwart, die Chrtst- lich« Weit uno die Süddeutschen Monatshefte schrieb. Damals noch während des Welt­krieges eröffnete dte Frankfurter Zeitung den Gegenfeldzug. Später, zu Stemers 60. Geburtstag, hat dann Rittelmeyer da- Buch Dom Lebenswerk Rudolf Steiners' geschrie­ben Eine An Kommentar zu diesem Werk hat Rittelmeyer jetzt im Verlag der Chrtstenge- meinschaaft unter dem Titel »Meine Lebens­begegnung mit Rudolf Steiner" veröffentlicht. Hier wird der getsttge Kamps eine- Protestant, tischen Pfarrers mit der Gedankenwelt der Anthroposophie geschildert. Gespräche und Er­lebnisse mit einem vielverehrten, noch mehr ge­faxten Propheten werden mit tiefem Ernst aus­gezeichnet; das Ende dieses Kampfes n>ar be­sann lich Rittelmeyers Austritt aus dem Sir-

außerordentliche Maßnahmen, über die ent­sprechende Vorlagen an den Konununallandtag gemacht werden müssen. Die Durchführung deS Baues der Umgehungsstraße bei Steinau (KreiS Schlüchtern) nutz der Ausbau der Straße Fritz- larWildungen wurde beschlossen. Den Be­schlüsse« der Schiedskommission für die Neber- «ahme einer Anzahl Landwege von den Krei­sen aus den Bezirksverband wurde zugeftimmt und dte erste« Landwegeübernahmeverträge mit den Landkreise« Fritzlar, Fulda, Gersfeld, Kas- sel und Wolfhagen genehmlgt. Aus dem Land- wegeueubausondS wurde« an die Kreise Hom- berg, Melsungen und Wolshage« Beihilfen be- willigt. Der Vertrag über das Landeskranken- hauS Paulinenhospital zu Arolsen, dem auch der Landesausschuß tn Waldeck zugestimmt hatte, wurde genehmigt.

Rach eingehender Erörterung der Gründe, die die vreutzische Regierung zur Ausiösung des Hauptgestütes Beberbeck im Reinhard-Wald ver­anlaßte, wurde beschlossen, bei dem Staats­ministerium dahin vorstellig zu werde«, daß Mitte! und Wege gefunden würde«, «m dieses uralte kurhefstsche Hauptgestüt, da- «ach seiner gesamte« Lage doch ganz besonders für diese Zwecke geeignet ist, zu erhalten.

Dem Kommunallandtag soll eine Vorlage auf Erhöhung der Beteiligung de» BezirkSver- bandeS gelegentlich der Kapitalerhöhung der KreiS- und SandesgaSversorgung Thüringen G. bl b. H. Weimar unterbreitet werden. Die letz«« Zwischenbilanzen der Landettreditkasse wurden erörtert und von der Direktion Wer den Stand der Geschäfte Bericht erftattet. Auf den Antrag der Lande-direktio« von Waldeck, die Kassengeschäfte für den ne« z« gründenden Zweckverband durch eine Kasse deS Bezirksver- bandes zu führen, wurde sodann die LandeSver- walkung ermächtigt, entsprechende Vereinbarun- gen zu treffen.

chendienst um der Christengemeinschaft willen. Zn diesem für die Kenntnis der Persönlichkeit Steiners höchst wertvollen Buch bettagt sich Rittelmeher bitter über die feindselige Haltung der offiziellen Wissenschaft, die sich wohl um die Hellseherin von Königsberg, um Hungerkünstlet und Schnellmaler bemühte, ober nicht um die eigenartige Gedankenwelt Steiners, die ans die ernsthaftesten Menschen wie eine Offen­barung wirkte. Rittelmeyer nennt das, was an wirklicher Prüfung durch Gegner Steiners vor­liegt, beschämend dilettantisch, vorurteilsvoll und ängstlich. Besonders interessant ist, was Rittelmeyer für die seherisch« Begabung Stei. ners anführt, Voraussagungen und Warnungen, die sich auf die Geschichte Deutschlands wäh­rend der Krieges bezogen. Jeder, der an der Gestalt Steiners und Rittelmeyers, an den Ideen der Anthroposophie und Christengemein­schaft Anteil nimmt, sollte dieses Buch lesen.

Steiner in Kassel.

Neber Rudolf Steiners Besuche in Kassel be­richtet ein Buch von Ludwig Kleeberg, das so­eben bet Rudolf Geering erschienen ist. Klee- bergs Erinnerungen beruhen im Gegensatz zu betten Rittelmeyers, der fein Stetner-Erlebni- aus dem Gedächtnis rekonstruierte, aus Tage- buchaufzeichnungen und Briefen. Infolgedessen enthält das Buch, das de« Titel «Wege und Worte" trägt, eine Fülle kleiner Details, die zwar für die Allgemeinheit nicht von Belang sind, wohl aber für den engeren Kreis nm S einer und speziell auch für Kassel, wo das meist- geschrieben wurde und die meisten Be­gegnungen sich abspielten. In dem Zeitraum von 19041916 vollzieht sich auch in Kleeberg unter Steiners Einfluß eine geistige Wandlung, deren Gründe in dem Einfluß Steiner- liegen, dessen Aussprüche. Vorträge und Briefe Klee- bergZ gewissenhaft aufzeichnet. Gerade über die Frühzeit von Ste'ner- Wirke« gibt da- Buch wettvolles Material. V.

Der Landesausschuß tagt

Für die Erhaltung des Gestüts Beberbeck.

Lan-stratzen in Not.

Eine Eingabe de- Magistrats der Stadt Kassel.

Vom städtischen Nachrichtenamt Kassel wird mitgeteilt: Der außerordentlich schlechte Zustand der Landstraßen unseres gesamten Bezirks, ins­besondere der Zufahrtsstraßen nach Kassel, hat de« Magistrat der Stadt Kassel veranlaßt, de« Landeshauptmann in Hessen, sowie dem Kom- munallandtag de- Beztrksverbandes Kassel ein Schreiben zu übermitteln, tn dem es heißt:

.Die 8an6ftra6en des Bezirks Kassel sind tu einem außerordentlich schlechten Zustand. Besonders die nach Kassel einmündenden Straßen sind derartig »er fabren, daß sie von den Kratt wagen gemieden wer­den. Der gesamte Berkebr. sowohl des Bezirks wie insbesondere auch seiner Hauptstadt Kassel leidet un­ter diesen Zuständen außerordentlich Nicht nur wer- den dauernd Klagen von den Kraftwagenbesiyeru laut, sondern es wird auch häufig mitgeteilt, da» in Zukunft unbedingt da» Durchfahren des Bezirk« und der Stadt Kassel vermieden werden wirb. Kassel kann »ur Seit einwandfrei allein nur von Westfalen aus 6er Strecke Warburg-Kassel erreicht werden. Alle anderen Landstraßen sind in einem »um teil unfahr­baren Zustand. Wir weisen besonders auf den Zu­stand der Stroben nach BebraFulda, Site nach und Hann.-Münden hin. Es ist durchaus bekannt, baß in den letzten Fahren erhebliche Mittel ,ur Berfügung gestellt und auch starke Berbefferungen vorgenommen worden find. Diese Berbefferungen.ünd aus dem Eltraordinattum erfolgt, für das dem Kommu­nallandtag entforechende Mittel Verfügung ge­stellt worden sind.

Dagegen hat sich bet Kommunal! andta- tn den letzten Jahren nicht dazu entschließen fönnett, bas Ordinannm in attsreichender Weise zu botteren. So­mit wird die normale Unterhaltung der Straßeudek- ken in Frage gestellt. Der Sommunallandtaa hat of­fen ausgesprochen, daß er zwar die von der Bauver- waltuug angeforderten Mittel für ntftig hielt, daß et aber angesichts der Finanzlage die erforderlichen Mit- tel nicht bewilligen könne. Nach unseren Informatio­nen hat da» Ordiuarium des btestaen Bezirk- für den laufende» Kilometer rund 1 200 Mark betragen, wäh. rend es z. B. in Hannover und Wiesbaden sich auf ungefähr 2000 Mark Beläuft. Wir halte» es für un­bedingt ettorderlich. baß tn de» neuen Etat für das Ordinarium für Unterhaltung der Straßen eine Summe in mindeste»- der gleichen Höhe eingestellt wird.

Wir sind »ns darüber klar, daß wir mit diesem Antrag auch für un- eine starke finanzielle Belastung übernehme» und Saß wir, die wir einen erheblichen Teil der Bezirksstcuern aufznbringen haben, bannt auch die Landstraßen tu den Landkreisen unterhalten und »erbeffent Wir glauben aber mit Rücksicht auf bett immer mehr zunehmenden Kraftwagen verkehr, der anderenfalls den Bezirk und die Stadt Kassel wege» feiner schlechten Straßen möglichst zu umfah­ren versucht, auch diese Opfer auf uns nehmen ta müssen."

Der Magistrat hat dem Hessen - Waldeckfchen Städtetag ein gleiche- Vorgehen empfohlen, lieber die weitere« Maßnahmen wird der vor­aussichtlich im Februar n. I. jufammentretenbe Kommunallandtag zu entscheiden haben.

Auutünr.

beliebte

Modellen

ßenschun

beliebte

neue t-ormet tündbox und

Kassele Königstraße 62

> v»*»*

V. v.

-jS I 'L