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funkröhrenapparat verstärkt, durch Lautsprecher hörbar gemacht. Mit Hilfe des Oszillator-Sy­stems läßt sich eine beliebige Tonhöhe erzeugen, also eine Tonskala in den weitesten Grenzen. Bei einer Schwingungszahl von 20, die z. B. auf 10 000 anwächst, würde man eine Tonskala erhalten, die ungefähr neun ganze Oktaven um­faßt, ein tonales Register, welches das in der Musik übliche bei weitem übertriffst. Die er­wünschte Frequenz-Veränderung des Oszillator. Systems erreicht Professor Theremin auf ver­blüffend einfache Art, indem er durch Bewegung der Hand im Raume die Kapazität des elektri­schen Schwingungskreises ändert und dadurch jede gewünschte Tonhöhe erhält. Um die Bewe­gung der Hand und ihre Lage zu präzisieren, ist am Apparat ein Metallstab angebracht. Um mit Rundfunkbegriffen zu sprechen: der There- min-JlPParat hat Hand-Kapazität. Durch Verän­derung der Heizung der Verstärkerröhren, be­dient durch ein Pedal, kann die Tonstärke in weitesten Grenzen reguliert werden. Ein so erzeugter Ton ist aber noch nicht lebendig, ihm fehlt die Vibration. Sie wird auf überraschend cinsache Weise durch Vibration der Finger her- vorgerusen. Auch beliebige Klangfarbe läßt sich erzielen, entweder durch verschiedene Lautspre- cber oder, vorteilhafter wegen den vielseitigeren Möglichkeiten, unter Zuhilfenahme von soge­nannten Kathodenröhren.

Im Anschluß an die einleitenden Worte zeigte Herr Tscharikoff die Handhabung des Theremin- Apparates. Erregten noch die ersten primitiven. Autosignalen ähnlichen Töne einige Heiterkeit beim Publikum, so. wuchs nun die Spannung, je mehr Nuancen die demonstrierten Töne ge­wannen. Nach der technischen Erläuterung be­gann das musikalische Programm des There- min-Trios. Erstaunt und überrascht spendete das Publikum großen Beifall. Der Klang der erzeugten Töne ist eigentümlich genug. Einmal klingt es dem Saxophon ähnlich, ein andermal erinnert es an das Cello, dann wieder an das Summen eines Chors, z. B. vortrefsiich im Wolga-Lied. Ganz besonders gut gelang Herrn Tscharikoff .Poeme" von Fibich, während sein Partner, Herr Henkln, noch größeren Beifall

mit einem Fragment ausRigoletto" gewann. Insgesamt wurden zwölf bekannte Musikstücke geboten, die vollauf den Beweis erbrachten, daß die neue Musik von Professor Theremin eine große Zukunft haben wird. Am Flügel beglei- tete Professor Lewin, der wie Professore There- min und die anderen Herren aus Leningrad stammt.

Der Thercmin-Musikapparat wird "zweifellos seine Verbreitung fiuben. Er wird ein willkom­mener Helfer für unsere Komponisten sein kön­nen, die ohne niechanische Anstrengung jeden neuen Einfall sich und anderen sofort Vorspielen können. Die .Aetherwellen-Musik" (ganz richtig ist dieser Ausdruck nicht) wird eine Bereicherung in der Zahl unserer Instruniente darstellen. Und nicht zuletzt, es wird jeder für Musik Be­gabte^ künftighin ohne Notenkenntnifle das spie­len können, was ihm gerade einfällt. Voraus­setzung natürlich etwas technische Fertigkeit in der Benutzung des neuen Instrumentes und kein Armrheuma. Erwin Kurt Baumgart.

mit Kraft dafür einsetzt, daß seine Frau küssen kann, wen er dazu legitimiert, wenn die Harm­losigkeit zur .Orgie" sich steigert, hallt das ganze Haus von Lachen wieder. Dann erkennt man, wo der heutige Theaterwert derJournalisten" liegt: in der geistvollen Parodie, die sich immer bedeutungsvoll gibt. Nach solchen Szenen, auch nach dem köstlich improvisierten Dialog zwischen Bellmaus und der Tänzerin, hat man das Ge­fühl, als ob eine zweite Hand helfend einge­sprungen sei, u>' die Pointen zu retten.

Für den Spielplan bedeutet nach dem ehrlichen Beifall des Publikums das Freytag-Lustspiel sicherlich keine Belastung, wahrscheinlich sogar eine Bereicherung, die allerdings positiver im künstlerischen Sinne härte sein können.

G. M. Vonau.

Musik aus -er Luft.

Die Theremin-Betherwellen-Musik.

Ein sensationeller Vortrag in Kassel.

Es ist alles in der Luft enthalten! Stickstoff und Musik! Im großen Saale des Evange­lischen Vereinshaufes sah es am Freitag abend sonderbar genug aus. Auf der Bühne stand ein Bechsteinfluael, rechts und links davon je ein Trichter-, Flächen- und Kastenlautsprecher und vorn, nahe der Rampe, zwei feinpolierie hohe Tischchen mit .Rundfunkapparaten". Dies schie­nen die geheimnisvollen Geräte zu fein, um de­rentwillen sich ein zahlreiches Publikum, darun­ter die Musikwelt Kassels, hier versammelt hatte. Friedrich Junghenn, der Unternehmer der hie­sigen Veranstaltung, entschuldigte den erkrankten Vortragenden und sprach anhand seines Manu­skriptes die einführenden Worte.

Im Theremin-Apparat befinden sich zwei Hochfrequenz-Oszillatoren, die elektromagnetische Schwingungen von hoher Frequenz erzeugen. Es entsteht ein Ton, der als Jnterferenzton bezeichnet wird. Beim Theremin-Apparat ist für den Ton die Differenz der beiden Oszillato- rcn-Schwinaungen maßgebend. Der so erzeugte Ton wird nach der Art unserer üblichen Rund­

Die Sournaliftm.

Freytags Lustspiel im Kasseler Staatstheater.

Neu einstudiert von Ado von Achenbach.

Es gab Leute, die hofften oder fürchteten, man würde uns Freytags .Journalisten" in modernem Gewände vorsetzen. (Woraus wir uns die rührend harmlose Ida in Bubikopf und Bembergstrümpsen vorstelltcn, sich krampfhaft bemühend, ihren Marlittdialogen modernen Sinn und Ton zu geben).

Gottseidank wurden diese Hoffnungen ent­täuscht. Man versuchte, das Lustspiel, das nur noch stellenweis lustig ist, als Kulturbild zu geben, entstellte aber diese gute Absicht, durch den szenischen Rahmen: bombastisch geraffte Theatervorhänge künden mit karikierender Ge- bürde an, daß man eine rührende, harmlose Bledermeiergeschtchte erzählen will. Der Stil, den nun der Regisseur bestimmt, ist teils der pathetisch-floskelhafte Gestus der Oper, teils die Uebertretbung heutiger Posse, die Szene Ida- Adelheid wird gar als Melodram aufgezogen. Die Menschen selbst stammen teils (Ebhardt, Maschat, Maroldt, Domin, Pickert) aus der späten Biedermeierwelt, teils (Randi, Stock. Scharf usw.) aus einem österreichischen Lustspiel der Vorkriegszeit. Die Unsicherheit in der Regie zeigt sich ferner in dem Versuch, wirkliche Men- scheu auf die Bühne zu stellen (Sauer, Randt), ein Verfuch, dem die bewußt altmodische Thea­terei der übrigen Darsteller Sinn und Berech­tigung nimmt.

Wenn trotz dieser Mängel die Aufführung beim Publikum viel Beifall fand, wenn man das Urteil .entzückend" nach fast jeder Szene hörte, so lag das in erster Linie an der unterhalten­den Harmlosigkeit des Stucker selbst, darüber hinaus aber gab eS Szenen, deren Theaterwirk- samkeii unfehlbar zündeten: Wenn Randt (als Redakteur Bolz) den Weinhändler Piepenbrink, den Pickert in prächtiger Maske mimt, für feine Partei angelt und mit hinreißender Dialektik fein BranderlebtriS schildert, wenn Pickert sich

Aus Urrnst un- wissen.

** Deutsch-französischer Kunstaustausch. Zu- aletch mit der bereits angekündigten Ausstel­lung des Bauhausmeisters Paul Klee in der Galerte Georges Bernheim in Paris wird im Februar die Berliner Galerie Flechtheim ge­meinsam mit Thannhauser die erste Gesamt- ansstellung der Werke des in Frankreich leben- den Spaniers Picasso zeigen, der gemeinsam mit Fernand Seger zu den Gründern des Ku­bismus gehört und heute der anerkannte Mei­ster dieser Kunstrichtung ist

** Eine Kunstzeitfchrift umsonst. Die Zeit­schrift .Der Freund der Maler" in Marseille teilt mit, daß sie künftig nur gratis abgegeben toirb, da sie festgestellt hat, daß gerade die Kreise, für die sie bestimmt ist. fönst nicht in der Sage sind, sie regelmäßig zu lesen. Die Zeit­schrift, die auch den engeren Zusammenschluß aller europäischen Künstler propagiert, ist vor allem bestrebt, junge Maler bei der Vollendung ihrer Ausbildung und dem Verkauf ihrer Werke zu unterstützen.

Staffelet Neueste Nachrichten

Nr 235. 18. Jahrgang.

Neues aus Kassel

wirklich hinter der Regierung ständen.

Diese Klausel ist bereits 1917 durchbrochen wor­den, als man den Kurs Bethmann Holl­wegs angriff. Dies haben auch namhafte Ju­risten festgestellt. Ob unter Politik der Regierung auch die der jetzigen zu verstehen ist, werden uristische Gutachten ergeben müssen.

nung des Mißtrauensantrages (Dntl.) mit 269 gegen 101 Stimmen. 42 Abgeordnete übten Stimmenthaltung. Da die Deutschnationalen, Wirtschaftspartei. Christlichnationale und Natio­nalsozialisten für den Mißtrauensantrag ge­stimmt haben, müssen alfo außer den Kommu­nisten auch einige bürgerliche Abgeordnete sich der Stimme enthalten haben. Der kommu­nistische Mitztrauensantrag wurde dann gleich­falls gegen Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt.

Der starke Lcher-rmgsamvalt.

Das Lebenswerk eines Re chtslehrers.

Alsdann trat Abg. Kahl (Vpt.) mit der ganzen Autorität, die er als Rechtslehrer genießt silr bte Reformbedürftigkeit des geltenden Ehe- schewungsrechts ein. Er setzte sich für seine Per- fon feine Fraktion hat ihre Stellung noch nicht festgelegt für die Möglichkeit der Auslösuna einer objektiv zerrütteten Ehe ein, einer Ghe. deren Zerrüttung nicht auf das Verschulden des einen oder anderen Gatten zurückzuführen ist. An dem bestehenden Zustand beklagte er vor allem, daß die Beteiligten an einer zerrütteten Ja iS* künstlichen Schaffung von juristi- scheu Ehescheldungsgründen greifen müßten um»

°uch die Autorität der Rechtsprechung ge. schwächt würde. Dr. Kahl sand lebhaften Bei- fall, in den auch Tribünenbesucher einstimmtcn. Wetterberatung Sonnabend.

sind nach Ansicht der Minister mit den heuligeit Anschauungen

nicht mehr verträglich.

Auch sonst fei die in der Verfassung vorgesehene Gleichstellung der Frau mit dem Manne nicht in allen Beziehungen erreicht. Perfchiedene Geset- zesänderungen seien hierzu noch erforderlich.

Der neue »»Löser".

Ein Schmuckstück der Oberen Königsstraße.

Mit dem Bestreben der Geschäftswelt, ihre Geschäftsräume den Erfordernissen des moder­nen Lebens anzupassen und alle Errungenschaf­ten der Technik, der Wissenschaften und der Hygiene für sich nutzbar zu machen, gewinnt auch das Straßenbild an lebendigerer Form, an großstädtischem Aeußeren. So hat auch die Obere Königsstraße durch den jetzt vollendeten Erweiterungsbau der Firma Ferdinand Löser u. Co. in erheblichem Maße gewonnen.

Das Haus Obere Königsstraße 27 wurde in den Jahren 1898/99 von Baurat Karst nach Ber­liner Vorbild gebaut. Es war das erste große Geschäftshaus in Kassel und galt zu seiner Zeit als etwas ganz Besonderes, außer den Brand­mauern war es nur aus Eisen und Glas! Aber der Jugendstil! Jene geschmacklosen, übertrie­ben pompösen Formen, die in architektonischer Beziehung so ganz aus dem Rahmen der klassi­zistischen Bauten Du Rys in der Oberstadt allen.

Stummes Lei-.

Das Rheinland trägt übermenschliche Lasten.

Im Retchstagsausschuß für die besetzten Ge­biete schilderte Minister v. Guerard die dor­tige Wirtschastsnot. Die große Erwerbs- l o s i g k e 11 solle durch öffentliche Aufträge in größerem Um sänge unter besonderer Berücksichti­gung der Kleinbetriebe gemildert werden. Wegen der Rheinbrückenprojekte müsse mit der Botschafterkonferenz verhandelt werden. Zur Bekämpfung der Werkspionage feien Schritte des Auswärtigen Amtes notwendig. Die Fremdenlegionswerbung stelle ein trauriges Kapitel bat. Die sogenannten Sammeltrans­porte wurden jetzt zwar nicht m°hr durchge- fuhrt, doch seien Werber unter der Hand immer noch tätig, um junge Deutsche zu der- Äleppen. Die unvermeidlichen Besatzungs- zwlschenfälle würden bei weitem in erster Reihe durch die Besatzung selbst veranlaßt. Und mit aller Deutlichkeit müsse festgestcllt werden, daß während der zehn Leidensjahre noch nicht ein einziger Fall vorgekommen sei, der die Sicherheit der Bcsatzungstruppen irgendwie ge- 'ährdet hätte.

Erbstteit im Sause Scherl.

Anfechtung des Verkaufs der->Hstgenbergpreffe

Berlin, 1. Dezember. Gestern spät abenvs stellte sich der Sohn des verstorbenen Zeitungsbe- sitzers Bruno Scherl, gegen den wegen Wechsel­betrugs Haftbefehl erlassen worden ist, auf einem Polizeirevier. Er erklärte, daß ihm die Verhaf­tung willkommen fei, da er nun Gelegenheit habe, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu ent­kräften und die ganzen Vermögensverhältniffe zur Sprache zu bringen. Er wurde in Polizei- gewahrfam genommen. Dr. Georg Scherl, einer der Testamentsvollstrecker des Nachlasses Therese Scherls, der zweiten Gattin August Scherls, äußert sich in der Presse dahin, daß die Wechsel- affäre ihres Stiefbruders lediglich dem Zwecke diente, durch eine Gerichtsverhandlung den Kin­dern August Scherls die Möglichkeit zu geben, ihre Erbanfprüche vor einem großen Forum gel­tend zu machen. Der Uebergang des August

Scherl Verlag an die Hugenbergpreffe ist nach unserer Ansicht anfechtbar, da der Vertrag, der seinerzeit mit dem Konsortium rheinischer Industrieller geschloffen wurde, aus­drücklich vorsah, daß der bestehende Kurs von 1913 der damaligen Regierung unverändert bleiben müsse, daß also gegen die Politik der Re­gierung nichts unternommen werden würde

Publikumskrach im Theater.

Mit Juckpulver und Stinkbomben. Der Gummiknüppel auf der Straße.

Hamburg, 1. Dezember. (Privattelegramm., Im Deutschen Schauspielhause kam es Freitag abend bei der Ausführung des StückesVerbre­cher" zu Störungen. Aus dem zweiten und drit­ten Rang wurden Stinkbomben, Juck- und Rietz­pulver ins Parkett geworfen- Außerdem begä­ben sich aus den Rängen ungefähr achtzig Per- fonen ins Parkett, wo sie jedoch gewaltsam ent­fernt wurden. Nach Schluß der Vorstellung wurde das Publikum auf der Straße von den vorher aus dem Theater gewiesenen Personen belästigt. Die herbeigerusene Polizei sah sich ge­nötigt, mit dem Gummiknüppel einzugreifen und 16 Sistierungen vorzunehmen.

Das Opfer der Blutrache.

Prag, 1. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Im Prozeß gegen den Mörder des albanischen Gesandten in Prag, Cena 3 c g, den jungen albanischen Studenten Alcibiades Bebi, wurde der Angeklagte während einer Pause von einem albanischen Landsmann in Erfüllung der Blutrache erschossen. Noch bevor ihm die Ee- richtsdiener in den Arm fallen konnten, zog er einen Revolver und feuerte gegen Bebi sechs Schüsse ab. Vier Kugeln trafen diesen tödlich. Er verschied auf der S ekle. Auch ein Journalist

Dom Wohltäter ge-ungen?

Bruder und Mörder im Verhör.

Prag, 1. Dezember. Im Verhör sagte der völlig ungebilde e Mörder Vulciterna aus, er fei 1801 in Serbien im S ammsitz des Cena Beg geboren. Er habe schon früh als Diener ge­arbeitet. Den Mord hahe er ohne Vorbedacht verübt und habe auch nicht Bebi. töten wollen. Beim Klang italienischer Worte aber hcwe er die Besinnung verloren und die Schüsse abgefeuert. Ein Albaner sei stets mit einem Re­volver bewaffnet. Er hatte alle Schüsse abge- ieuert. Der gleichfalls verhaftete Bruder des ermordeten Gesandten, G a n i Beg, soll am Todestage Cena Begs nach einer prunkvollen Todesseier dem Mörder Blutrache geschworen haben. Er gab zu, daß nach dem ungeschriebe­nen albanischen Gesetz jeder Albaner, aus dessen Familie jemand ermordet wurde,

zur Blutrache verpflichtet fei. Er und feine Familie hielten sich aber nicht an diese mittelal erliche Sitte. Der Mör­der Vulciterna ist Vater von sieben Kin­dern. In albanischen Kreisen Belgrads spricht man offen davon, daß Vulciterna die Blutrache an dem Mörder Cena Beg übernommen habe, weil Cena Beg ein Wohltäter der Familie Vulciterna gewesen sei. Die tschechischen Abend­blätter protestieren heftig gegen die Verschlep­pung balkanischer Sitten nach Prag.

Reine Ehe wi-er willen.

Leichtere Ehescheidung u. Besserstellung der Frau

Der Reichstag beschäftigte sich dann mit den Anträgen von links, die eine Reform des Ehe­scheidungsrechts, der Rechtsstellung der Frau und der unehelichen Kinder und Mütter verlang­ten. Abg. Frau Pfülf (Soz.) bezeichnete die Ehescheidungsreform aI5 sittliche Not­wendigkeit. , Auch sei ein Achtel aller in Deutschland geborenen Kinder unehelich. (Hört, Hört!), in Bayern betrage der Anteil sogar 15,6 Prozent. (Lebhaftes Hört! Hört!) Justizmini­ster Koch zeigte sich bereit im Rechtsausschuß an dem angeregten Reformwerk gemeinsam mit dem Reichstag zu arbeiten. Zerrüttete Ehen können, auch wenn die Schuld eines Antragstel- lers nicht feststeht, auf die Dauer nicht wider den Willen der Beteiligten aufrecht erhalten bleiben. Die Lösung einer solchen Ehe sei aber heute entweder ganz unmöglich oder sie erfolgte nur unter Manipulationen, die für die Autori­tät der Richter entwürdigend seien. Die

Sicherung der Rechtsstellung der Frau

Ke n Boi'fttfr nie v alldem

Wien, 1. Dezember. Der Grotzdeutsche Na­tionalratsklub und der Landbund, die bei der Präfidentenwahl solidarisch Vorgehen, stellten vertraulich fest, daß sie ihre Stimme nur einem Nichtpolitiker bezw. nicht aktivem Poli­tiker geben könnten. Nunmehr dürsten auch die Christlich-Sozialen ihre Kandidatur des Rationalra spräsidenten M i ck l a s zum Bun­despräsidenten in einer für Dienstag einberu­fenen Sitzung nochmals überprüfen.

Ungleiche Brü-er.

Die Regiernngssronk hätt. Mißtrauen gegen Severing ab gelehnt-

Berlin, 1. Dezember. Vor der Abstimmung über den Mißtrauensantrag (Komm.) gegen Reichsminister Severing erklärte Abg. Stock- ker (Komm.) daß seine Freunde angesichts der Haltung der Deutschnationalen nicht für deren Mißtrauensantrag stimmen würden. Daraus von rechts Entrüstungs-Kundgebungen. Das Zusam­menwirken her Rechten und der äußersten Linken gegen die Regierung ist im Reichstag schon so zur Norm geworden, daß eine Abweichung von dieser Regel geradezu Aufsehen erregt. Aufsehen erregte aber auch die Zustimmung der Wirt- chaftspariei zum Mitztrauensantrag von rechts., die sich weniger gegen den Minister als gegen die Regierungsparteien richtete, denn Abg. Dre- w i tz meinte, die Wirtschaftspartei wolle endlich einmal Klarheit schaffen, welche Parteien

ei am dringendsten auf dem Gebiete des eheli­chen Güterrechtes. Die Bestimmungen des ---------, -------- , B. G. B., die bei der Heirat den Mann zum

Die namentliche Abstimmung ergab die A b l e h-l Verwalter des Vermögens seiner Frau machen,

Sonntag, S. Dezember 1SS8._______________

Sohnes. Indessen die Zett eilt, heilt, und so Ät es der greisen Königin in London, die

i Gegensätze zwischen Mutter und So\n, toenn nicht auszugleichen, so doch zu mildern. Nicht ganz so bitter mehr spricht die Kaiserin über den Sohn wie in den ersten Jahren ihrer Witwenschaft. Dazu kommt, daß sich beide selten sehen. Friedrichshof und Potsdam liegen viele hundert Kilometer voneinander, und die Kaise­rin hat eine Abletckung durch den Bau und bk Einrichtung ihres schönen Schlosses Friedrichs- Hof im Taunus. Aber in den letzten Jahren vor dem Ende bringt das furchtbare Krebsleiden, das drei Jahre dauert und die eine Seite ihres Körpers völlig zerstört, lange schmerzensreiche und schlaflose Nächte Der Hatz gegen Wilhelm II. wacht wieder auf. Kleine Taktlosigkeiten, kleine Nadelstiche:tc sie vergessen können, niemals aber die tödliche Kränkung, daß der Sohn nach dem Tode des Gatten das Neue Palais umzingeln,

sie selbst als Staatsgefangene bewachen

ließ Da sie weiß, daß sich der gleiche Vorgang nach ihrem Tode abspielen würde, läßt sie vic Briefe an ihre Mutter rechtzeitig und heimlich wieder nach England bringen. In der Tat, als die Kaiserin im August 1901 starb, wurde Schloß Friedrichshof auf Befehl Wilhelms II. von Ka­vallerie u m z i n ge l t, Hofbeamten durchsuchen alle Räume und vergeblich fragte der Oberhof marfchall Gras Eulenburg Sir Ponsonby. der in Begleitung des Königs von England ocn Beisetzungsseierlichkeiten der Kaiserin beiwohn­te, ob er nicht wisse', wo die politische Korrespon­denz der Kaiserin zu finden sei. Erst jetzt nach 27 Jahren gibt uns Sir Ponsonby die Antwort und veröffentlicht ihre Briese, natürlich in Aus­wahl.

Blutrache im Gerichtssaal.

Der Mörder des albanischen Gesandten von einem albanischen Diener erschossen. Vom Bruder angestiftet?

erhielt einen Schuß in die Lunge. Einige Frauen fielen in Ohnmacht. Der Täter wurde verhaftet.

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