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Meler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Mittwoch, 28. November 192S.

18. Zahraairg

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig

Nummer 281 CFinjelitret« Wochentags 10 Pfennig

Solncmes jüngste Nepamtionsjchliche.

ßorhtoafferalarm Im Westen und tzostand / Dölkeebundlagung tiefer Im Süden?

Moskauer Luft.

Unsere Delegierten untersuchen das Geschäft.

In Moskau sind unsere Handelsdelegierten z. Zt. beflisien, das Rußlandgeschäft wieder in Gang zu bringen, ohne daß allerdings der Kernpunkt, die Finanzierung, berührt werden darf. Diesmal will man schlauer sein als im Februar, wo die Verhaftung deutscher Inge­nieure plötzlich das Tischtuch zerschnitt, und sich nicht von vornherein gegenseitig die Stimmung verderben. In der Kreditfrage gibt es nämlich auch heute noch keine Verständigung. Die Sowjets haben für die Erweiterung des deut­schen Exports nach Rußland die einfache These ausgestellt:Wo kein Geld vorhanden ist, ist nichts zu verkausen, es sei denn gegen Kredit. Die russische Kreditwürdigkeit ist außer allem Zweifel." Allerdings dürften die deutschen Vertreter kaum geneigt sein, weitere Kredite zu geben, nachdem die russische Verschuldung an Deutschland eine Höhe von schätzungsweise sechshundert Millionen Mark erreicht hat. In großen deutschen Wirtschaftskreisen befürchtet man, daß die Sowjets eines Tages diese Schulden einfach in eine Anleihe umzaubern könnten. Andere munkeln sogar, daß die pas. sive Handelsbilanz der russischen Wirtschaft als Symptom einer bevorstehenden F i n a n z k a - tastrophe bewertet werden müßte, was aller­dings kaum zutreffen dürfte. Die Sowjetunion wird zwar ihren Etat beschneiden, das Jnvu- strialisierungs- und Einfuhrprogramm kürzen, herumkorrigieren und herumexperimentieren, die angeknüpften Fäden mit den amerikani­schen Banken weiterspinnen aber sie wird nicht finanziell zusammenbrechen. Gerade dies wird die Sowjetregierung in ihrem eigenen Jnteresie zu verhindern wissen. Aus die ruf» fischen Arbeiter und Bauern braucht sie wenig dabei Rücksicht zu nehmen. Wie dem aber auch sei, aus jeden Fall ist es gut, daß man die un­angenehme Geldfrage in Moskau zunächst ein­mal beiseite läßt.

Vor allem soll nach den unliebsamen Ersah- rungen des Schachtyprozesse der Schutz der persönlichen Freiheit geschaffen wer­den. Die Sowjetregierung ist diesen für sie etwas peinlichen Erörterungen bereits zuvor­gekommen, indem sie den berüchtigten Begriff der Wirtschaftsspionage, der einen Freibrief für Bespitzelungen jeder Art bot, juristisch eindeu­tig festlegen ließ. Auch die kaufmännische Be­wegungsfreiheit werden die roten Zaren wohl etwas lockern, da sie sich überzeugt haben dürf­ten, daß im Ausland noch kein richtiges Ver­trauen zu einem gedeihvollen Arbeiten auslän­discher Privatunternehmungen in Rußland be­steht. Die deutsche Delegation hat für Moskau weder feste Instruktionen noch ein festes Pro­gramm mitgenommen. Man will erst sehen, wie die Moskauer Luft ist. Von Bedeu­tung ist aber weniger der Verhandlungsstoff als die Tatsache, daß beide Parteien nach einer Zeit vielfältigster Mißverständnisse sich wieder zu- sammenfinden, .um ehrlich an dem weiteren Ausbau der deutsch-russischen Wirtschafts­beziehungen zu arbeiten.

Die Parteidikiatoren im Kreml haben erst kürzlich wieder das Krebsübel der Sowjetwirt- schäft: Ernährungsnot und Rohstoff­mangel von allen Seilen durchforscht. In jedem anderen Staate würde das Volk nach einem Jahrzehnt des wirtschaftlichen Mißerfol­ges, nach einem Jahrzehnt, das Hunger und wirtschaftlichen Stillstand im Uebermaß mit sich gebracht hat, für gründliche Remedur sor­gen. Aber die Kulaks und Fabrikarbeiter ha­ben trotz manchen Aufbegehrens nichts zu sa­gen. Sie haben nur zu hungern und zu schwei­gen. In einem demokratisch oder parlamenta­risch regierten Staat würde nach einem Jahr- zehnt des Hungers die nächste beste Wahl den Umschwung automatisch herstellen und eine Richtungsänderung erzwingen. In dem dikta- torisch regierten Rußland aber können sich die maßgebenden Parteimänner den gefährlichen Lurus erlauben, über alle Mißerfolge hinweg auf dem falschen Geleise weiterzufahren. Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft kann ge­rade auf diesem Wege auch durch ZwangSge- nossenschaften nicht gesteigert werden. WaS der Bauer nicht in freudiger Arbeit mit Liebe und Sorgfalt leistet, das wird man ihm durch kei­nen Zwang jemals abgewinnen. Höchstens zur Verzweiflung kann man ihn treiben und da- durch neue Katastrophen für den Staat herauf, beschwören. Um aber Rohstoffe für die Jndu- strie hereinzubekommen, müßte Rußland erst einmal in großem Umfange exportieren und

verdienen können, und außerdem nützen alle Rohstoffe der Welt wenig, solange noch keine auf der Höhe stehende Industrie für ihre Bear­beitung vorhanden ift Nicht Rohstoffe, sondern Fertigfabrikate müßte Rußland einführen, vor allem Werkzeuge und Maschinen für die Land­wirtschaft, die noch aus Generationen hinaus das Rückgrat der russischen Volkswirtschaft dar­stellen wird. So ließe sich der Landwirtschaft bester Helsen, als durch verbitternde Zwangs­maßnahmen. Werden sich die Parteidoktrinäre zu neuen Konzessionen und Kompromissen be­reit finden oder sich die harten Schädel noch mehr an den rings um sie getürmten Mauern einrennen? Auch darüber werden unsere Un­terhändler baldim Bilde" sein.

Die schwimmende Hauptstadt.

Durchbrochene Holland-Dämme. Wird Antwerpen ganz überschwemmt?

Brüssel, 27. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Zwischen Termonde und Grimbergen sind an drei Stellen die Dämme der Schelde durchbrochen und drei Ortschaften sowie Antwerpens Borstadt überschwemmt worden. Die Eisenbahn-Verbindungen sind nnterbro« chen. Auch die Kais von Antwerpen sind jetzt völlig unter Wasser gesetzt. Wenn auch die Meche über ihre Ufer tritt und die Wasserwerke überschwemmt hat, steht Antwerpen völlig unter Wasser.

«Stadl und Land unter Wasser

Amsterdam, 27. November. (Privattelegramm) In Südholland sind zahlreiche größere Flüsse über die Ufer getreten. So steht D o r t r e ch t und Umgebung unter Master. Bei Ridder- kerk und Barenarecht sind einige Polder über­schwemmt. Bei Amsterdam mußte ein Polder von der Bevölkerung geräumt werden.

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Die Sturmflut dringt ein.

Schwere Sturmwetter im fernen Süden.

Rom, 27. November. (Eigener Drahtbericht.) Infolge des Sturmes in Süditalien erleiden die Postverbindungen mit Calabrie« und Sizilien Verspätungen. Der Sturm hat auch Mittelita­lien erreicht. Bei Ischia hat die Sturmflut die Provinzialstratze erreicht. Mehrere Häuser sind durch den starken Sturm abgedeckt worden. Bei Sestri Levante ist die Provinzialstraße von der Sturmflut stark beschädigt worden, sodaß der Auto- und Fußgängerverkehr nur mit g r ö ß t e r Vorsicht durchgeführt werden kann.

Messina, 27. November. (Eigener Drahtbe- richt.) In den letzten 24 Stunden herrschte hier ein sehr heftiger Sturm, durch den von mehre­ren alten Hütten die Dächer fortgerissen und einige Personen verletzt wurden. Zwei Schoner wurden vom Sturm abgetrieben und strande­ten, die Besatzungen find gerettet.

Die Ruhr wird zum See.

Sturmschäden im Westen. Abgeschnittene Bauernhöfe.

Essen (Ruhr), 27. November. (Privat-Tele- gramm.) Im gesamten Rhein- und Industrie­gebiet find erhebliche Unwetterschäden zu ver­zeichnen. Die Telephonverbindungen waren z. T. unterbrochen. Die Ruhr ist sehr stark gestie- ?rn. Bon Hattingen herunter bis nach Mühl- eim gleicht sie einem See. Am Ufer ragen nur noch die Gipfel der Bäume aus dem Wasser heraus. Die Bauernhöfe im Tal find vom Wasser eingeschlossen.

S>amburtp Harenstratzen überflutet

Hamburg, 27. November. (Privattelegramm.) Der Sturm ist erheblich abgeflaut, aber der Ha­fen weist immer noch Hochwasser auf. Heute nacht erreichte der Wafferstand 6% Meter Höhe über Rull. Die tiefergelegenen Straßen am Ha­fen find vollständig überflutet. Stückgut schwamm vielfach umher.

Vw 5ltoiri «les schon über

Trier, 27. November. (Privattelegramm.) Der Wasserstand der Mosel betrug gestern 4,23 Meter. Infolgedessen ist inzwischen ein Ver­bot der gesamten Mosel-Saar-Schiffahrt in Kraft getreten. Die Mosel beginnt über die Ufer zu treten. Der Schaden, den der Sturm am Mittelrhein und Umgebung an Gebäuden, in Gärten sowie auf den Feldern angerichtet hat, ist sehr bedeutend.

Fast bis am Hoctzwafferdamm

Köln, 27. November. (Privattelegramm.) Auch vom Rhein wird Hochwasser gemeldet. In wenigen Stunden find die Sieg und ihre Ne­

benflüsse gewaltig gestiegen. Weite Landstrecken .md überschwemmt und Keller und Wohnungen stehen unter Wasser. Die Rheinhöhe am Kölner Pegel stieg auf 4 Meter 50. Das Steigen hält an. Ter Rhein dürfte bis zur Höhe eines mitt­leren Hochwasser-Dammes in den nächsten Ta­gen anschwellen. Auch im Saargebtet droht Hochwasser.

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Furchtbar gewütet.

Eine Orkan-Nachlese aus allen Regionen.

London, 27. November. Mg. Drahtbericht) Pom Atlantic her nähert sich ein weiteres star­kes Sturmzentrum. Ein großer Flugzeugschup- Pen in Wallston wurde durch den Sturm zerstört Auf den Philippinen hat der Taifun dreißig vom Hundert der KokoS-Ernte vernichtet. Zahl­reiche kleine Schiffe in den Häfen find zerstört. In der Umgebung von Paris wurden zahlreiche Telefonmasten hcrausgeriffen oder umgebrochen Diese Trümmer sind ein« große Gefahr für den Zugverkehr. Sechs Kolonnen sind zur Ausräu­mung unterwegs. Fast alle Züge haben bis zu fünf Stunden Verspätung. Bei Straßburg Hai der Sturm eine 45 Meter hohe Riesenpappel umgeworfen, die im Fallen zwei eben den Zug in Lützenhausen verlassende Frauen tötete.

Gs wirb höchste Zeit.

England für schnelle Reparationslösung.

London, 27. November. (Eigener Drah'be- richt.) Ein Blatt hält die Zeit zur Bildung deS Reparations-Ausschusses für gekommen. Man müsse jetzt Amerikas Sachverständige einladen und über die Zahl der sachkundigen Vertreter jeder Macht, das Berichterpattungsthema und Zett und Ort der erste» Zusammenkunft eine Entscheidung treffen. Englands Antwort auf die letzte deutsche Note sei fertig. Die Ausfassung sei ausgeprochen optimistich. Es wird die Ansicht geäußert, daß die Jahreszahlungen Deutschlands die Verbindlichkeiten der Alliierten für Kriegs­schulden übersteigen (!) werden und daß ein

Ueberschutz übrig bleiben

werde, nicht nur für den Wiederaufbau der zer­störten Gebiete, sondern auch für gewisse Deutschland einzuräumende Vergünstigungen. Falls Deuftchland Amerika einlädt, würde es von den Mächten unterstützt werden. Ein diplo­matischer Korrespondent hört, daß der Quai d'Orsay einer Beschleunigung der endgülttgen Verhandlungen keinerlei ernste Schwierigkeiten machen will, daß aber einzelne ReffortS in der französischen Regierung sich der nachdrücklichen deu scheu Forderung, daß die deutsche Zahlungs­fähigkeit neugeprüft werden soll, energisch wider­setzen. Und zwar haben der französische Anßen- sowohl wie der Finanzminifier und die Leiter der Bank von Frankreich eine eigene Ansicht über diesen Gegenstand, die erst in Ueberein- stimmung gebracht werden müsse.

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Fein ausgeklügelt.

Poincart schleppt unS vor die ReparationS- kommisston.

Paris, 27. November. (Eigene Drahtmeld.) Ein Blatt begründet PoincareS Rückzug auf die Reparationskommission zwecks Ernennung der Sachverständigen so, daß dieser allein die Sorge zusalle, die Sachverständigen zu ernennen, die die Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit vornehmen werden.

Auch die kleinen Gläubiger DeuttchlandS gehörten in den SachverständigenauSschutz. Eine andere Verantwortung könne Frankreich «ich' übernehme». Der Reparationskommiffio« wird auch der Bericht des neuen Sachverfiändigen- »usschufles zugehen, genau wie tS einfi mit dem Bericht des DaweSabkommens der Fall «ar. Der Friedensvertrag bestimme auch, daß die Re- parationskommiffion ohne besondere Er­mächtigung der verschiedenen in der Som­misston vertretenen Regierungen

keinerlei Nachlaß gewähren.

kann. Die Handlungsfreiheit und Souveränität der Regierungen ist also gewahrt. Gegen daS Spiel mit dem Paragraphen des FriedenSvcr tragrs, auf den man sich französcherseitS beruft, wendet äußerst scharf der sozialistische Peuple Er schreibt: Wenn es bei einer so ernsten Ange- legenheit eine Dummheit ,« begehen gibt, so ist eS die, sich in der Reparationsfrage auf di« Befiimmungen deS Friedensvertrages berufen zu wolle«. Diese Bestimmungen find längst hinfällig geworden, oder vielmehr der Be­weis ihrer Unabwendbarkeit ist erbracht.

Frauen, öle man kennt.

Was haben sie in der Politik erreicht?

Aach bte fanatischste» Anhängerinnen bet Franenvimmrechts nnb bet valitischen Gleich, berechtignag der Fran werben ,«geben müssen, bah in den beinahe zehn Jahre« ««einge­schränkten Sranenstimmrechis webet int Reichs, tag, noch in den Parlamente« bet Bandes- Beaten bte Fra« besonders aktiv in die Ge- Mf'fe beS Landes eingegriffen hätte. Das soll kein Borwnrs fein; denn der Stau fehlte noch die Erziehnng, die »taktische «orbeteitnng süt die grobe Politik. Unser diolomaiischet Mit. arbeitet »ländert darüber wie folgt:

Statt durch die aktive Teilnahme an der Kommunalpolitik allmählich geschult in daj Parlament einzuziehen, ist her Frau die poli- tische Gleichberechtigung durch bte Staatgum» wälzuug als reife Frucht in den Schoß gefal­len. Dabei muß gerechterweise anrlannt wer­den. daß die meisten der Nationalversamm­lung und später dem Reichstag angehörenden Frauen an

Leistungen und Intellekt manchen ihrer Kollegen überragten.

Vielleicht hat man auch zuviel erwartet. Das nicht sehr fruchtbare Wirken der politischen Frau kommt vor allem in bet Tatst.he zum Ausdruck, daß die Zahl der weiblichen Reichs­tagsabgeordneten nicht mehr wächst. Einige große Parteien würden am liebsten über­haupt leine Frau mehr in die Parla- mente schicken. Wahrend in der Nationalver- l'ammlung 35 weibliche Abgeordnete saßen, ist diese Zahl im neuen Reichstag auf 31 zurück» gegangen. Der sozialdemokratischen Fraktion gehören 20, dem Zentrum 3, den Fraktionen der Deutschnationalen, der Volkspariet, der De­mokraten und der Kommunisten je 2 Frauen an während die der Bayerischen Volkspartei ein weibliches Mitglied zählt. Die Wirtschastspar- tei und die Bauernparteien sind frauenlos. Von der sozialdemokratischen Fraktton treten ..m meisten Frau Böhm-Schuch, Frau Juchaez, die hübsche, elegante Toni Sender und Frau Siem­sen hervor, von den Deutschnationalen Frau Müller»Otfried, Vorsitzende deS Evangelischen Frauenbundes. Zum Zentrum gehören die ver­witwete Frau Amtsgerichtsrat Neuhaus und Frau Teusch. di« beide schon in der National­versammlung saßen. Die Volksparteilerin Frau Studienrätin Elsa Matz hat den alten Sitz im Wallotbau erhalten. Ihre Parteifreundin ist Frau Dr. Hertwig-Bünger, die Gattin des frü­heren sächsischen Justizministers. Zu den Demo­kraten zählen Gertrud Bäumer und Marie Eli­sabeth LüderS. Statt der trockenen Arbeit in den Parlamenten liegt der politisch begabten und interessierten Frau vielleicht mehr die psy­chologische Seite der Politik, baS

Knüpfe« menschlicher Beziehungen

mit unb zwischen den Politikern. DaS war bi« Hauptbeschäftigung aller Frauen, die einen po­litischen Salon machten. So hat z. B. BiSmarck von der Kaiserin Augusta gesagt: .Sie hat mir mehr Schwierigkeiten bereitet, als alle ftetn- ben Mächte und die gegnerischen Fraktionen im Lande". Auch ihr« Schwiegertochter, di« Kai­serin Friedrich, war von starker politischer Be­gabung. wie sich schon in den Briefen der noch nicht Zwanzigjährigen zeigt. »Eine außeror­dentlich intelligente Frau von klarem Blick* nannte sie Bismarck. Auch die Freundinnen der Kaiserin Friedrich, Frau Henriette Schrader, die Gründerin des Pestalozzt-Fröbelstifte», und Frau von Helmholtz, di« Gattin des berühmte« Gelehrten, waren politisch interessiert« und ein­flußreich« Frauen. Von Damen der Berliner Gesellschaft hat Wohl den größten politische« Einfluß die verstorbene Frau von Leb bin, geb. von Brandl, gehabt. Rach dem Tode ihrer Mannes war sie jahrzehntelang di« Freundin und politische Vertraute des hinter den Kulissen so einflußreichen Herrn von Hol­stein. Hierdurch und durch ihr« politische Be­gabung, vor allem aber ihre eingehend«« Kenntnisse aller in der großen Politik wichttge« Menschen und Beziehungen

Übt« sie eine geheime Macht auS, di« bis zu ihrem 1915 erfolgten Tode anbauerte und weder durch den Rücktritt von Holstein, noch durch seinen einige Jahre später erfolgte« Tod vermindert wurde. Als man sie einmal ate, woher sie ihre wirklich verblüffenden tischen Kenntnisse habe, erwiderte sie be* scheiden: ^Jch habe seit meinem 16. Jahr deck politischen Teil der Zeitungen aufmerffam got lesen und nichts davon vergessen". Dabei leb« sie ziemlich bürftifl, in den letzten Lebensjahre« in einer Heinen Gartenwohnung. Trotzdem tim