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Nr. 279

Achtzehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

5. Beilage

Sonntag, 25 November 1928.

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Wie und wo man Schmuck kauft.

Wunsch jeden Frauenherzens! Traum und Sehnsucht ieder weiblichen Seele! Die Perlen­schnur, der goldene Schmuck, Brillantring und Lmaragdanhanger und tausenderlei Geschmeide ^usi. aus Edelstein, Gold, Silber und Platin! Glückliche, die mit Aussicht auf Erfüllung an die Stutze ihrer weihnachtlichen Wunschliste einen solchen Traum firieren dürfen. Beneidenswerte dte thn erhalten. Selige, die nicht zu wünschen wagten, und denen doch ein großzügiger Weih­nachtsmann erfüllte, was nur heimlich gedacht worden ist.

Soweit es um die großen Geschenke geht, bei denen dte Zahlen und Nullen Achtung gebieten, wtrd nch schwer ein ins einzelne gehender Hin- weis geben lasten. Wer Perlen kaufen will oder Steine und goldenen kostbaren Schmuck, geht zum Juwelier, der thn berät, soweit er nicht selbst in dtesen köstlichen Dingen ein wenig Ken­ner und Liebhaber ist. Beim Einkauf dieser Ge­schenke mutz nur das Vertrauen zum Juwelier vorhanden und begründet sein, die Preisgrenze ungefähr festliegcn und der Wunsch vorherr­schen, nur Qualität zu erstehen. Mag es sich um Halsketten. Armbänder. Ringe. Ohrhänger, Kol­liers aus Brillanten, Perlen oder andere Edel- und Halbedelsteine handeln, um Köstlichkeiten für den Schreibtisch, Toilettentisch oder die Vi­trine der Dame in Schildpatt, Perlmutt, Gold, Silber, Platin oder beschlagenem Kristall.

Aber da sind noch die tausendundein Wünsche der Bescheideneren, der schamhafter Hoffenden nach Schmuck und gleißendem Zierrat zu er­schwinglicherem Preise! Für mittlere Geldbör­sen und bürgerlichere Einkommen! Auch hier gelte für den Einkauf der gleiche Grundsatz: das Gute und Edle ist das Preiswerteste und fach­männischer Rat spart Geld. Welche unendliche Fülle von Gegenständen wäre da nicht aufzu- zählen. Schmuck aller Art zuerst! Halsketten, Ringe, Anhänger, Ohrringe in Gold, Weingold und Silber gefaßt, Armbänder in allenletzten Schreien" der Mode. Ziselierte flache Sterllng- silber und Silber mit Rotgold wechselnde Bän­der bis zur Breite von drei und vier Fingern sinh ebenso beliebt wie die Schlangen für Hals und Arme! Dann käme der indirekte Schmuck! Dazu gehören Uhrarmband, Agraffen in echten Steinen für Kleid und Hut oder Abendschuhe. Gürtelschnallen und Nadeln. Weiter Zigaretten­dosen, Taschen, Geldbörsen. Maniküren, Puder-

Wie die Uhr ein Schmuck wurde.

Vom Nürnberger Ei zur modernen Armbanduhr.

dosen, unter diesen wieder die Wiener handgra­vierten Silber- und Golddosen, ebenso beliebt wie andere aus Perlmutt, Email oder Schild­kröte mit Goldinkrustotionen.

Seit die Uhr am Handgelenk getragen wird, ist sie wieder zum Schmuck geworden, den man kostbar verziert; sie kehrt damit zu einem Zweck zurück, den sie schon seit ihren Kindheits­tagen neben ihren praktischen Diensten als Zett- mesterin erfüllt hat: Als der Nürnberger Pe­ter Henlein, der seit dem Jahre 1509 als Schlos­ser tätig war. die bis dahin sehr großen und schweren mechanischen Zeitmester so verkleinerte, daß man sie an einer Oese befestigen und an­hängen konnte, da wurde die Uhr bald zu einer kostbaren und heiß begehrten Zierde. Ta man die .Taschenuhr" nicht in der Tasche trug, son­dern möglichst sichtbar für alle neidigen Augen anbrachte, fo erhielt der Zeitmess-r nicht d:c flache Form, die sich später der Tasche anpaßie, sondern sie hatte eine dicke, runde Gestalt, sah zuerst etwa aus wie eine Pillenschachtel und er­hielt dann die Eiform, in der die .Nürnberger Zier" berühmt wurden.

Die technische Entwicklung dieser Klein­uhren ging nur sehr langsam vor sich: es dauer­te über ein Jahrhundert, bevor man dem Stun­den- den Minutenzeiger hinzufügte. An die Stelle des leicht rostenden Eisens, aus dem die ältesten Uhren bestanden, traten bald Messing und noch kostbarere Stoffe; der Darmsaiten­zug der Schnecke wurde seit 1590 durch eine Stahlkettung ersetzt. Dafür -esaßen aber die Nürnberger Eier" ei« Schlagwerk und manche sogar einen Wecker; man umgab sie gern mit Eristqll, damit man hineinsehen konnte. Solche kleine Schmuckuhren waren noch lange eine Seltenheit. Als Luther 1547 eine sol^e Ubr bnr dem Nürnberger Abt Pistorius erhielt, dankte erfür dieses mir febr willkommene Geschenk" und meinte, er werde dadurch gezwungen, Schüler unserer Mathematiker zu werden, da­mit ich alle Regeln und Gc' einzig­

artigen Uhr lerne, denn nie habe ich vorher etwas Aehnliches gesehen".

Die Uhr trug man meist an goldener Kette um den Hals, und bald war sie bei hoben Per sönlichkeiten und reichen Leuten mit Juwelen besetzt und kostbar verziert. Schnell bernächtwte sich die Mode der großartigen Erfindung. So erzählt der Augsburger Chronist Paul voo Stetten, daß die eleganten Herren 1558 kleine runde Schlaguhren trugen, und in Shakespea­

resWas ihr wollt" betont Malvolio, daß das Aufziehen einer Taschenuhr in Gesellschaft stets eine angenehme und aufsehenerregende Beschäf­tigung sei. Nicht erst durch das Tragen der Uhr am Armband ist ein möglichst kleines For­mat bei Uhren aufgekommen. Schon im 16. Jahrhundert legte man darauf großen Wert Kaiser Karl V. besaß einen Ohrring, der eine Uhr mit Schlagwerk enthielt, und winzige Uhren in Fingerringen waren keine Seltenheit.

Im 17. Jahrhundert verschwand die Uhr eine Zeitlang in der Tasche, aber bald kam sie wieder hervor und prunkte in den absonderlich sten Formen. Die Uhren waren nicht nur oval und rund, sondern auch achteckig, sternförmig, sa­hen aus wie ein Buch, wie eine welsche Nuß, wie eine heraldische Lilie, wie ein Kreuz oder wie ein Totenkopf. Uhren wurden in Pulver­flaschen gefaßt,in dem Knauf von Degen und Dolchen eingesetzt, waren auf Tabakdofen ange­bracht oder im Griff von Spazierstöcken. Man begnügte sich nicht mit einem Uhrwerk, fondern verband mehrere Instrumente zu einem. So be­findet sich zum Beifpicl in der Schatzkammer der Wittelsbacher in München eine silberne Ta­schenuhr mit fünf Zifferblättern, die die Stun­den, Monate, Tage. Planeten, Minuten anzei­gen. Eine andere Uhr in der Sammlung Bour­geois in Köln hat vier Scheiben auf dem Zif- iernblatt, die Stunden, Datum, Planeten und Mondphasen angeben. In fürstlichen Kreisen hielt man viel auf teure Fassungen und solche Uhren waren beliebte Geschenke. Um die Wen­de des 17. und 18. Jahrhunderts erhielt die Uhr durch das Revetierwerk, das der Engländer Daniel Quare erfunden haben soll, noch einen besonderen Reiz, und im Rokoko, das die Klein­kunst auf eine besondere Höhe hob, wurde über­haupt die Taschenuhr zu einem reizvollen Ju­wel ausgestaltet. Man trug sie offen am Gür­tel. damit ihre Schönheit voll zur Geltung komme. Damals begann die Uhr sich auch ganz langsam im deutschen Mittelstand einzubiirgern. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verschwindet dann die Uhr bis in unsere Zeit in der Tasche und hörte damit auf, ein Schmuckgegenstand zu ein. Erst in unseren Tagen ist man wieder zu einer kostbaren Verzierung der Uhr zurück- gekehrt. Max von Boehm.

Schmuck und Uleiö.

Was sich die Mode ausdenkt.

Die Schmucksachen und Kleinodien, welche au­genblicklich getragen werden, machen einen Teil der Toilette ans. Da aber Perlen und Edelsteine sehr teuer sind, kann man auch zu Gesellschafts­toiletten Phantasieschmuckfachen tragen. Diese müssen von einem tüchtigen Fachmann gearbeitet sein; eine kundige Hand kann wahre Kunstwerke anfertigen. Die Steine werden in modernem Stil gefetzt: in geometrifchen Linien, graziös gebogenen Linien Vielfach ist Metall an Stelle der kostbaren Steine getreten: Gold und Silber werden zu Halsketten, Ohrgehängen und Arm­bändern verarbeitet, und große Metallplättche« sind auf den Ringen angebracht. An Armbän­dern sieht man meist solche aus Gold; sie müssen breit fein. Die Frau, die sich nach der Mode richtet, muß deren verschiedene tragen, sodaß ei« Teil des Unterarms bedeckt wird.

Wie man sagt, kommen farbige Sautoirs i« Mode, welche zu den Phantasie-Schmuckstücken gezählt werden, obwohl auch echte Steine benutzt werden. Hierzu gebraucht man hauptsächlich Jade, Kristall, Amethvst und besonders Türki­sen. Von diesen Steinen werden nicht nur Hals­ketten angefertigt, sondern auch Armbänder, Ohrringe usw., denn es ist Mode, daß alle Schmuckstücke, die man trägt, von derselben Art sind, und außerdem müssen sie mit der Farbe bet Toilette harmonieren. Auch sieht man viele Can- nkes in Empirestil ans blauem Stein. Sie wer­den nickt nur als Brosche getragen, sondern auch als Schnalle am Gürtel. Ferner ist das Emaille wieder sehr modern. Onvx ist ebenfalls wieder in Gunst gekommen, fei es als Einfas­sung bei einem Diamanten, der an sich zu klein ist, als Schmuckstück, oder als große Schnalle, auf Gold oder Platin montiert.

Die Ohrgehänge müssen nicht nur mit dem Teint der Trägerin übereinstimmen, sondern auch zur Frisur, zum Gesichtsausdruck usw passen. Sie werden lang, ringförmig, in Ge­stalt von Plättchen oder von Knöpfen gemacht, und man sieht sie in Cornaline, Jade, Korallen usw. Die modernen Ringe haben große Stetne und rundum kleine Diamanten. M. N.

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