Einzelbild herunterladen
 

Sämling, 25. November 1928.

Staffele« Neueste Nachrichte«

18. Jahrgang. Nr. 279.

-

*1

1

«*

M

zl i i <

o

*

'm

S

F

A* j

EH

s.-Ofi

Mi

I. t

ft

.7

Wl

I

KM

Ȁ'

'F

____i_

*****

KM" EM W

M

--M»

Der Erlösungs-Gedanke.

Borlragsreihe von Pfarrer Theys.

Der erste Vortrag in der Aula der Luisen- fchule trug vorbereitenden Charakter. Jeder Mensch leidet unter der Schwere der Daseins und möchte von den Ketten, die ihn binden frei werden und mit sich und der Welt ins Reine kommen und Frieden haben. Diese Gedanken habe» am tiefsten ergriffen Buddha und Chri­stus. Während Buddha den Weg zur Befreiung darin sieht, indem er den Menschen von der Erde lösen will angesichts aHei Nichtigkeit des Irdischen, stellt Christus ihn mitten ins Leben und Leiden, weist ihm den Weg zur inneren Er­lösung von Sünde und Schuld und macht ihn stark, das Leben zu überwinden.

Sodann behandelte der Redner das Thema: »Geht eine Erlösungsreligion von der Idee der Erlösung aus oder von der Person des Erlö­sers?" Ersteres ist beim Buddhismus, letzteres leim Christentum der Fall. Buddha gründet stch allein auf seine Erkenntnis, seine Einsicht und Erfahrung; in der von ihm gegründeten Religion ist die Idee der Erlösung der Aus­gangspunkt. JesuS dagegen gründet sich auf Offenbarung, er fühlt sich als der zur Erlösung von Gott Gesandte; so geht das Christentum von der Person des Erlösers aus. Wenn es heute in Philosophie und Theologie, durch die modernen Forschungen der synoptischen Evan­gelien und der paulinischen Religionsanschau­ung oft scheinen mag, als träte das Bild der Persönlichkeit Jesu zurück und an deflen Stelle stände die Christusidee im Vordergründe, so bleibt es dennoch so, daß der persönliche Chri­stus, sein Leben und Sterben, der Ausgangs­punkt des Christentums ist und bleibt. Die geschichtticke Entwicklung des Christentums zeigt deutlich, daß Leben sich nur an wirklich vorhan­denem Leben, nicht au einer bloßen Idee derart entzünden kann.

Der nächste Vortrag findet Donnerstag, den 22. November, <30 Uhr, in der Aula der Lui- senschule statt. Thema: »Die Sehnsucht nach Er­lösung int Griechentum".

Hilfe tut not.

Wohlfahrtsbriefmarken der Deutsche» Nothilfe in Kassel.

Wie in den vergangenen Jahren werden auch in diesem Winter die Wohlsahrisbriek- marken zu Gunsten der Deutschen Nothilfe ver­trieben. Es handelt sich hierbei wie bisher um amtliche Postwertzeichen, die zum Frankieren aller Postsendungen für das In- und Ausland volle Gültigkeit haben Die Marken haben einen Frankaturwert von 5 Pig.. 8 Pfg., 15 Pfg.. 25 Pfg. und 50 Pfg. Der Verkaufspreis beträgt das Doppelte; bei der 8 Pfg.-Marke und der Pofckarte 15 Pfg. Die künstlerisch ausgesühr- ten Marken tragen die Wappen von Hamburg Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Braun­schweig und Anhalt. Markenheste, die 4 mal 8 Pfg. Marken und 3 mal 15 Pfg-Marken eni- haüen. werden zum Preis von 150 Mark ver- kaust. Außer diesen Marken kommt eine Glücks Postkarte mit einer eingedruckte» 8 Psg-Marke zum Verkauf. Die Postkarte stellt ein Kind mit 2 vierblättrigen Kleeblättern dar und soll 'n der Hauptsache zu Gratulationszwecken benutz' werden. Der Vertrieb der Wohlfahrtsmarken erfolgt an sämtlichen Postschaltern und durch die freien Verbände unserer Stadt.

Es ist hierbei zu beachten, daß ebenso wie in den vergangenen Jahren 80 Proz. des Ge-

Kasseler Somttsgs-MlLerlwgen.

Mit Blitzlicht und Kamera quer durch die Stadt.

Regenschwerer Tage Grau verhüllt die Erde. Und im Naß der Straße spiegelt sich die Noi der Zeit, zeichnen polnische und wirtschaftliche Kämpfe ihr verzerrtes Antlitz.

Totcnfonntagsglocken läuten. Frisches Grün oer Tannen schmückt die Gräber. Bunte Blu­men, letzte Kinver des Herbstes, wißen ihre regennassen Köpfchen, schmiegen sich zart an die Herbduftenden Radeln. Durch schwarze Kreuze schauert der Mnd, singt ein Lied von Sterben und Vergehen und jagt zum Totentaitz faulende Blätter..

Nackt stehen Baum und Strauch. Aber des Kleides beraubt, enthüllen sie die vielgestaltige Schönheit ihres Körpers. Frei schweift das Auge durch der Aeste seltsame Arabesken, klet­tert der Blick hinauf bis zum Wipfel. Und auch in kahlen Bäumen wohnt des Wavdes See­le, die die unsrige sucht.

Denn» wir brauchen den Wald. Wir lieben Baum und Strauch in der Harmonie der Land­schaft, lieben den Wald, toenn seine Blätter im Sonnenlicht flirren, wenn seine schwarzen Stämme im weißen Schnee schlafend starren. Wir lieben den Baum auf einsamer Flur, der feldbeherrschend uns oen Weg weist, lieben den Strauch, der über alten Kreuzen traulich seine Zweige breitet. Uno wir brauchen den Walo, um hinauszuwandern aus der Last des Alltags, wenn Arbeit und Sorgen die Seele zu ersticken droben.

Umso freudiger begrüßen wir es, wenn des Landes schützende Hand wieder ein Stticklein Wald in ihre Obhut nimmt, wenn Baum und Strauch, da, wo sie Natur oder Menschenhand einst zu harmonischem Bild vereinte, vor Ein­griffen behütet werden. In diesen Tagen lag dem Amtsblatt der Kasseler Regierung ein nüch­terner Zettel bet, der uns wiederum eine Reibe prächttger Baumstände erhält. Neben dem alten Friedhof an der Schloßteichstraße und dem Is­raelitischen in der Eichwaldstraße wurde der Schutz des Gesetzes auch dem Kirchditmolder Friedhof zuteil, der sich hinaufzieht am Hang bis zur stolzen Kirche, die dem einst bedeutenden Dorfe ihren Namen gab (Bild oben links». Aber auch im Stadtinnern hielt man Umschau und fand in dem Lutherplatz mit seinen mäch­

tigen alten Bäumen ein weiteres Schutzgebiet (Bild unten mitte). Ist es doch dringend notwendig, daß auch im Herzen einer Stadt nmöglichst viel Baumbestände erhalten bleiben, die Den Wien, denen das Gehen sauer wird, an Sommertagen einen bequem zu erreichenden Aufenchalt unter dem Dach der Blätter ermög­lichen

Aber die schützende Hand des Landeshaupt­manns ging noch weiter. Im Eichwäldcken, oem kommenden Volkspark des Ostens, dem Stolz Bettenhausens, hat stch die Romantik des Waldes noch in »oller Schönheit erhalten. (Bild oben rechts). Das ganze Wäldchen, das eine Größe von über 30 da hat, wurde mit dem 30. Oktober unter Naturschutz gestellt. Birgt es doch eine Fülle herrlicher Kleinodien, von denen wohl das schönste die prächtige Allee ist, (Bild unten links) eine in ihrer Schönheit u. Feier­lichkeit wohl kaum ein zweites Mal hier zu fin­dende Straße, die in jedem Baum ein Pracht­stück besitzt.

Und doch gibt es Fälle, in denen auch ein Baum, steht er am unrechten Fleck, verschwinden muß, mag er noch so schön fein. Dem Beispiel der Karthäuserstraße folgend, ging man in den letzten Wochen den Bäumen der Rasenallee zwi­schen Palmenbad und Endstation Mulang zulet- be, die wie ihre Artgenossen in der Karthäuser­straße das Pech halten, auf dem Fabrdamm zu stehen und so den Verkehr zu gefährden. Alle fielen sie Säge und Beil zum Opfer. . nur einer steht heute noch und klagt um die ent­schwundene Pracht.

Er ist vergessen worden. Obwohl er sogar in einer Straßcnbiegung, an der Brücke unterhalb der Haltestelle Palmenbad steht, an einer außer­ordentlich erponierten Stelle, ein gut Stück in oen Jahrdamm hineingerückt iBild unten rechts) und hier eine wirkliche Gefahr für den Verkehr bildet. Nahm man all die übrigen weg, konnte man auch ihm den Garaus machen, wenn konsequent geblieben werden sollte. Denn daß es (wie das Gerücht geht) wegen der hier zahlreichen elektrischen Oberleitungen nicht mög­lich aewesen sein sollte, ihn zu fällen,können wir im Zeitalter der Technik doch nicht mehr glauben.

Der Kamerabummler.

ämtreinenrages der Wohlfahrt in unterer Stadt verbleibt, soweit die Marken bei den Wohlfahrtsverbänden und den Verkaufsstellen in der Stadt gekauft werden. Wer daher Wert daraus legt, daß die von ihm für die Wohlfahrt gestifteten Beträge zur Linderung der Not un­srer Heimatstadt dienen sollen, darf seine Mar­ken nicht an den Schaltern der Post kaufen, son­dern bei den Verbänden und den Geschäften in unserer Stadt. Der Vertrieb erfolgt durch alle Wohlfahrtsverbände, ohne Rücksicht aus ihre konfessionelle oder politische Einstellung Ta feder Verband den Erlös zu den Zwecken sei­ner eigenen Wohlfahrt verwendet, so bleibt es »ebem überlassen, die ibm nahestehenden Kreise zu unterstützen. Die Hauvtvertriebsstellen tn nerbalb der Stadt Kassel sind: Das Städtisch Wohlfahrtsamt im Rathaus und die städtischen Sparkassen. Evangelischer Verein für Inn re Mission. Frauen- und Männerverein vom Ro ten Kreuz, Caritas-Verband, Jüdischer Wohl­

fahrtsverband und die Ärbeiterwohlfahrt.

Außerdem findet ein Verkauf in vielen Lä­den statt, die durch Aushang von Plakaten ent­sprechend gekennzeichnet sind. Durch den Kauf von Wohlsahrtsbriefmarken kann jeher Einzelne bei allerkleinsten persönlichen Opfern mit dazu beitragen, daß die große Not des Winters auch in unserer Stadt gelindert wird.

Menschen auf andern Sternen

Auf der Venus läßt sich leben.

Während man sich mit der Bewohnbarkeit des Mars seit langem eingehend beschäftigt und über diesen rätselvollen Planeten die wi­dersprechendsten Ansichten geäußert worden sind hat man sich um unseren anderen Nachbarn im Weltenraum, um die Venus weniger geküm­mert. Gerade dort aber soll nach den Ansichten des berühmten englischen Astronomen Edding-

ton die Aussichten zum Leben recht verlockend fein.

»Die Venus ist", schreibt er, »soweit wir wissen, derjenige Himmelskörper, der am be­sten für ein dem unseren ähnliches geben ge­eignet ist. Sie hat etwa dieselbe Größe wie die Erde, ist zwar der Sonne näher, aber wahrscheinlich nicht wärmer und besitzt eine Atmosphäre von befriedigender Dichtigkeit. Wenn wir auf die Venus verpflanzt würden, so könnten wir wahrscheinlich so weiterleben wie bisher, ohne viel von unseren Gewohnheiten aufgeben zu müssen ich und meine Kollegen allerdings ausgenommen, denn die Venus ist sicher kein guter Ort für Astronomen, da sie vollständig mit Wolken oder Nebel bedeckt ist."

Eddingion glaubt übrigens auch, daß auf dem Mars Leben in irgend einer Form vor­handen fein kann. Die beiden allerwichiig- sten Elemente, Wasser und Lust, sind vor­handen, wenn auch in spärliche» Mengen Die Atmosphäre des Mars ist dünner als Die unsrige, aber sie ist ihr wahrscheinlich ähnlich und enthält Sauerstoff. Das Leben auf dem Mars müßte allerdings vo» dem unseren ver­schieden sein, denn alles, was wir von dem ge­heimnisvollen Planeten wissen, deutet darauf hin, daß er die Zeit seiner Jugend längst über­schritten hat.

Hessische Spiegelbilder.

I» zwangloser Folge zusammengestelll

Die erste Druckerei in Kassel wurde von Landgraf Moritz 1598 in einem Gebäude der Karlsaue, wo vordem das Pommeranzenhäus- chen stand, angelegt.

Von dem schönen Verhältnis zwischen der Landgräfin Amalie Elisabeth und den Burgern Kassels gubt die Votivtafel Zeugnis, toeldfe die treffliche Fürstin in oer St. Martinskirche, der Kanzel gegenüber, aufstellen ließ. Die latei­nische Inschrift lautet übersetzt:Amalie Elisa­beth, Landgräfin von Hessen. Beste Bürger! Zur Ehre des höchsten Gottes lasse ich Euch die­ses Zeichen und diesen Ausdruck meines Wohl­wollens zurück, weil die wahre Liebe, die ich zu Euch im Herzen trage, sich bildlich nicht darstel- len läßt. Lebt glücklich! Sendet zum Himmel Eure Gebete für das Wohl Eurer Fürsten, da­mit unter ihrer gerechten Regierung nichts Euch fehle zum glücklichen Leben. Das gebe Gott!"

Zn Landgraf Friedrich 1. Regierung mußte» die Leichname aus dem Waisen-, Zucht- und Ge­fangenenhaus, vom Siechenhof,den Versorgungs­häusern. ja der unehelichen Kinder in den Se- eirfaal des Kunsthauses zu Kassel abgeliefert werden.

Aus dem Jahre 1373 wird berichtet:ist Graf Philipps von Catzenellenbogen, sambt etlichen Rittern und Edelleuten, von Ellerbach über Meer zum heil. Grab gefahren, in der Wieder- reife wurden sie alle ins Meer geworfen."

Gustav Wentzell.

Nur echt mir dem