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Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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18. Iabraang

Mittwoch, 21. November 1928.

Einzelpreis: Sonntage 20Bfenntfl

Nummer 276 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Paris stemmt sich gegen Stresemann.

Die Bußpredigt.

Stille Gedanken und große Außenpolitik.

Wollen unS in diesen wölken- und regenver­hangenen Wochen manchmal Tränenleid und Er- denschwere ganz zu Boden drücken, dann wird uns oft der leichtfertige Trost zuteil, daß unsere Zeil des Fortschritts und der triu nphirrenden Technik eigentlich für solche zwecklosen Stimmun­gen und Verstimmungen keinen Raum mehr habe. Aber diese seichte Geisteshaltung wäre ein noch schlimmeres Zeichen. Denn auch diese weh­mütigen und reumütigen Stimmungen gehören nun einmal notwendig zur Vollständigkeit des Menschenwesens. Solange die Welt ihr letztes Ziel nicht erreicht hat. solange r.ttf dieser Erde noch gesucht und gezweifelt, .rrngen und ge- kämvft, gelitten und gestorben wird, solange werden wir auch die Schale des Leid- leeren müssen bis zur bitteren Hefe, wird unser Herz ringen müssen, solange die Welt um Erlösung ringt Immer hat der Mensch das Gute zu schätzen und zu würdigen gewußt und nach sei­ner Erfüllung sich gesehnt; und immer hat er doch auch die Grenzen und Schwachheiten seiner eigenen Natur empfunden, die ihn bei allem Aufstreben immer wieder zurückwarfen. Noch immer diktiert aber auch der Gang der ewigen Sterne über über uns das Gesetz in unserer Brust, wenn auch mancher sich seine Sünden und Schwächen nicht eingestehen und sich selbst belügen möchte. Der ernste Bußtag will uns ge­mahnen, vor solchem bequemen Selbstbetrug uns zu hüten. Ersticke die Vorwürfe deines Ge­wissens, bringe die Selbstkritik in dir zum Schweigen, beschönige alles, was du tust und unterläßt: Das ist der sicherste Weg, um die sitt­liche Kraft in dir immer mehr verkümmern zu lassen. Gestand doch schon der große Gottesstrei­ter Paulus tief zerknirscht: Was ich will, tue ich nicht. Aber das was ich hasse, tue ich. Das Wollen habe ich wohl, aber das Vollbringen des Guten f inbe ich nicht. So müssen wir denn von neuem in diese Auseinandersetzung mit uns selbst hinein. Sie ist es, die dem Menschen seine Würde gibt. Uns selbst in die Gewalt zu bekommen, ist die Voraussetzung dafür, daß wir die Welt in unsere Gewalt bekommen. Jeder einzelne mutz so denken lernen, damit sich eine entspre­chende Gesinnung in der ganzen M.nschheit bil­det. So wird die Menschheit mächtig au8 der Besinnung der ungezählten einzelnen Menschen

heraus.

* * *

Auch unser wieder genesene Außenminister hat in einer sehr ernsten Bußiagspredigt den Derlrags- und Verständigungssündern der Gegenpartei ins Gewissen geredet. Er hat mit der scharfen Philippika gegen die Räumung-Ver­schleppung, gegen den schmutzigen Geldschacher um heilig verbriefte Ansprüche dem ganzen deutschen Volk aus der Seele gesprochen. Nichts als nackte Wahrheit, wenn Stresernann von der tiefen Enttäuschung sprach, die nach der letzten Genfer Tagung durch unser ganzes Volk geht. Er vergaß auch nicht an gewisse militärische Ver­träge der anderen Mächte zu erinnern, deren Geist und Inhalt schwerlich mit den sogenann­ten Abrüstungsbestrebungen in Einklang zu bringen sind. Was nützen un8 bei solcher Sach- läge alle schönen Reden Bnand'S und seiner engeren Freunde, wenn diesen Worten nicht die entsprechenden Taten folgen! Gerade vorn Standpunkt einer unbedingten Bejahung der in Locarno beschrittenen Verständigungspolitik aus mutz das nicht nur von den Rechts-, son­dern auch von den Zentrums- und Linksrednern unterstrichene nahezu vollkommen negative Re» Sultat der ehrlichen deutschen VerständigungS- «emuhungen aufs Tiefste bebauen werden. Daß dieses Bedauern auch regierungsseitig kein heuchlerisches, sondern ein echtes ist. beweist schon die Tatsache, datz Stresemann trotz der eingestandenen autzenpolitischen Rückschläge an der These von Locarno festzuhalten ge­bend ES hieße auch im Angesicht der unmittel­bar bevorstehenden Reparationsverhandlungen wahrlich ein gefährliches, ja sogar unverant- wörtliche- Spiel treiben, würde man angesichts de« Endkampfes um den uns drohenden Milli» arbentribut sich auf einen Kurswechsel einlassen, dessen Ausgang niemand abzusehen oder abzu- schätzen in der Lage ist

Vielmehr bedarf eS einet Positiv gerichteten Kritik, die neue Wege weist, waS wir freilich auch bei Herrn Dr. Stresemann vermißt haben. Mag fein, daß er sich leibst nach feiner langen Abwesenheit von Berlin wäre dies nur zu begreiflich- noch nicht im Klaren darüber ist, wie die Dinge künftig laufen werden Vor allem wird nun auch erst abgewartet Werden müssen. Welche PerspeMven Me hoffentlich recht bald zu»

Noch keine Brücken an der Ruhr.

Die Lohn-Einigung äußerst schwierig. Wann kämmt man endlich zum Ziel-

Düsseldorf, 20. November. Die Einigung- Verhandlungen in der Nordwestgruppe find gestern noch nicht zum Abschluß gelangt. Sie werden fortgesetzt werden, jedoch ist ein neuer Termin noch nicht festgesetzt. Laut LinkSblatt gestalteten sich die gestrigen Verhandlungen un­ter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Dr. Bergemann äußerst schwierig. Sie wurden schließlich in den Abendstunden auf Wunsch der Gewerkschaftsvertreter vertagt. Letztere beut.

teilen die Situation ziemlich pessimistisch, lieber die Arbeitszeitfrage ist bisher noch nicht verhandelt worden.

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DuiSburg, 20. November. Die von den Me tallarbeiterverbänden eingelegte Berufung gegen die Feststellungsklage der Rordwestgruppe ist beim Landesarbeitsgericht tingegangen, daS voraussichtlich am Sonnabend, den 24. Novem­ber verhandelt.

Zwölf Millionen leiden Hunger.

Wozu die Hungersnot in China treibt.

London, 20. November. (Eigene Drahtmel- dung.) In den von der Hungersnot Heimgesuch- ten Gebieten rund um Peking sind furchtbare Zustände zu verzeichnen. Es soll bereits borge- kommen fein, datz Elter ihre Kinder ver­kauf t e n, namentlich Mädchen. Der Menschen- handel hat schon solche Formen angenommen, daß man bestimmte Preise festsetzt, ein Pfund für ein Mädchen unter zehn Jahren und fünf Pfund für ein halbwüchsiges Mädchen. In dem ganzen Hungergebiet werden Menfchen-Auktio- nen abgehalten. Ein kleiner Teil der Mädchen werden für Hausarbeiten gekauft, die Mehrheit ist für den Mädchenhandel bestimmt.

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Bald werden 20 Mut tonen hungern

Peking, 20. November. (Funkdienst.) Rach Berichten deS Hilfskomitees find zwölf Millionen

Menschen im mittleren und nördlichen China vom Hungertode bedroht. Man fürchtet, datz diese Zahl auf zwanzig Millionen anwachsen wird, wenn die Rot den Gipfelpunkt erreicht. Der Hilfsausschuß bedarf zur Milderung deS Elends einer Summe von mindestens vierzig Millionen mexikanischer Dollars.

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«Seneroismord in JRutOrn

Tokio. 20. November. Wie aus Mulden ver­lautet soll Marschall Tschanghsueliang dort er­mordet worden sein. Eine Bestätigung von chine­sischer amtlicher Seite liegt bis jetzt noch nicht vor.

sammentretenden Reparations-Sachverständigen eröffnen werden. Dabei ist eS eine Selbstver­ständlichkeit, daß unser Außenminister auch nach seiner gestrigen Erklärung fest entschlos­sen ist, sich auf keinerlei Verquickung von Rheinlandräumung und Reparationsfrage einzulassen. Erfreulich ist auch, daß den Ge- rüchten über einen angeblichen Feldzug des Zentrum- gegen Dr. Stresemann zumindest ein Riegel vorgeschoben wurde. ES wäre auch Wahnsinn in diesem Moment eine Außen» ministerkrise vom Zaune zu brechen, wo solch riesige außenpolitische Aufgaben ihrer Lösung harren und sich alle Welt darüber einig ist, daß wir in der Person Dr. StresemannS einen nicht so leicht zu ersetzenden nennenswerten Aktivposten haben.

Das ganze Volk steht dahinter

Berliner Presseecho zur Vtresemaunrede.

Berlin, 20. November. (Funktelegramm.) Die Blätter der Regierungsparteien, die ©tiefe- mann- frische- Aussehen bezeugen, stimmen seinen Reichstagserklärungen zu. Von rechts wird besonder- feine Räumungsansicht unter­strichen. Ein Linksblatt schreibt: Im ganzen Reichstag sei man sich über bie Außenpolitik einig. Man ist mit Recht unzufrieden, daß eS mit der Abrüstung und mit der Räumung nicht vorwärts geht, hegt Sorgen um die Repara­tionsverhandlungen. denkt aber nicht daran, eine Außenpolitik aufzugeben, die Deutschland erst einmal das Recht gegeben hat, alS Fordern» der aufzutreten. Aehnlich spricht ein Demokra­tenblatt von der vertrauensvollen Gefolgschaft für Stresemann und hofft, daß die der Debatte folgende Pause Gelegenheit und Muße geben werde, feste Mehrheitsverhältttisse zu schaffen und die Arbeit von

Regierung und Parlament auf lange Sicht einzustellen. Auch ein Schwesterblatt fordert vor allem eine feste Koalition und sagt, die gestrige Debatte habe bewiesen, wo diese allein zu finden fei. Da- ZentrumSblatt urteilt: Die Debatte stand im Zeichen der Kritik. Durch den Minister selbst und durch alle Redner, die bisher gespro. chen haben. Ein gemäßigtes Recht-blatt greift auf die Aeußemngen Graf Westarps und deS Abg. Dr. KaaS zurück und betont, Stresemann möge daraus entnehmen, datz er bei den Par­teien jene Rückenstärkung findet, die ihm da­

von in verzehnfachtem Maße verleihen wird, wenn er die Lehren der Der» gangenheit, das große RechengeschSft um Deutschlands zukünftige Tribute überwachen läßt Ein konservatives Organ erklärt, Strese­mann wendet sich gegen eine Verquickung der RSumungsfrage mit der Reparationsfrage Wir wollen hoffen, datz er in dieser Beziehung auch wirklich fetz bleibt. Wenn dann allerdings

Dr. Stresemann trotz des selbst zugegebenen un- zweiselhasten Rückschlages die Locarnopolitik als die einzig richtige auch in der Zukunft be­zeichnet, so können wir aus diesem Wege nicht folgen. Ganz ähnlich äußert sich ein weiteres Rechtsblatt.

Sie stellen sich taub.

Wie Paris Stresemann widerlegt.

Paris, 20. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Rede Stresemann- stößt in den Morgenblättern infolge der starken Betonung deS deutschen Rechts auf sofortige bedingungs­lose Rheinlandräumung aus harten Widerstand. Diese These bezeichnet ein Blatt als unannehm­bar. Laut Versailler Vertrag könne erst ge­räumt werden, wenn Deutschland

allen seinen Verpflichtungen genügt habe, was kaum der Fall fei, da man den Be­trag bet Gesamtreparationsfumme noch nicht kenne. Der deutsche Minister stelle mit Genugtuung die Meinungsverschiedenhei­ten fest, die in dieser Beziehung zwischen Eng­land und Frankreich zu bemerken seien. Der Grund sei die Enttäuschung, bir er selbst über bie immer engere Entente zwische über franzö­sischen unb der englischen Regierung empfinde.

Ein Blatt schreibt zu StresemannS Kritik am Flottenkonpromiß: Er hat leider recht, Frankreich hat der deutschen Außenpolitik alle seine Waffen uuSgdiefert. Figaro sagt: Strese­mann hat- nachdem er die Linke durch den Hin- weis auf den Vertrag von Locarno befriedigt hat, bie Ratio naliften badurch günstig ge­stimmt, daß er die unverzügliche Zurückziehung der alliierten Truppen forderte. GauloiS führt auS: Stresemann versucht,

Frankreich zu isolieren und Amerika und England vor Zusammentritt deS finanziellen Sachverständigenausschusses in Gegensatz zu Frankreich zu stellen. Stresemann sucht den Wert deS Rheinlandpsande- als Ga­rantie für bie Zahlungen Deutschlands als ge­ring hinzustellen Das Sozialistenblatt erklärt: ES ist unbestreitbar, daß Stresemann gestern bie ubereinftimmenbe Meinung fast be8 ge­samten beutschen Volles zürn Ausdruck gebracht hat.

Thüringen schließt sich an?

Die VolkSpartei leitet die nötigen Schritte ein

Weimar 20. November. Ein thüringischer Vertretertag der Volkspartei forderte den Ver­zicht auf oie bisherige staatliche Selbständigkeint Thüringens. Die Resolution besagt u. a.: Der Vertretertag ersucht den Vorstand, im Einver- nehmen mit der volksparteilichen Landtagsfrak- tion unverzüglich die Vorarbeiten zur Klärung der Frage in Angriff zu nehmen ftno einer dem­nächst stattfindenden Landesansschutz-Sitzung Vorschläge über bie einzuleitenden Schritte zu unterbreiten.

Das Schicksal in uns.

Was unS alle am Bußtag bewegt.

Von

Arthur Brause weiter.

(ArchidiakonuS von St. Marten-Danzig.) ' Zwei Forderungen stellt der Bußtag. .Stirb!* yeißt bie erste.Werde!" bie zweite. Der Mensch ist wie jebes Lebewesen dem Gesetz der Entwicklung unterstellt. Er bleibt im Grunde derselbe unb ändert sich mit jedem Jahre, jedem Tage. DaS ist daS Geheimnis seines Werden» und seiner Bestimmung. WaS andere- ist aber diese Entwicklung als das tägliche Stirb und Werde unseres inneren Menschen?

Viel Kampf und Leid liegt in diesem Stirb unb Werde enthalten, zugleich aber bie ganze Fülle unb der ganze Reichtum des Lebens. Was Goethe einmal »höchstes Glück der Erden­kinder* nennt, ist nichts anderes als Produkt dieses Stirb und werde. Wer es nicht kennt unb erfährt, der vegetiert. Der rastlos Stre­bende ist der immer Werdende. Nur er kann sich zur Persönlichkeit entwickeln.

In jedem Werden ist der Irrtum ringe» schloffen. Aber Irrtum unb Sünbe schließen vom Reiche Gottes nicht aus. Nicht einmal ein falsches Streben. Nur da- Sattsein, da- Fer­tigsein mit Sehnen und Suchen, die armselige Kunst, das Leben ohne Ideale zu leben, ver­schließen den Himmel und die Seligkeit. Selbst Goethe nennt das falsche Streben nur einen Umweg zum Ziel. »Jede Rückkehr vom Irr­tum bildet mächtig den Menschen im Einzelnen wie im Ganzen aus. sodaß man wohl begreifen kann, wie dem Herzensforscher ein reuiger Sün­der lieber fein kann als nunundneunzig Ge­rechte, bie ber Butze nicht bedürfen."

ES war ein tiefsinniger Gedanke, ber ber al­len Taufe zugrunde lag: Der Mensch hineinver» fenft in das Wasser wie in ein Grab, damit ber alte Adam sterbe unb ein neuer, durch Geist ge­boren, emporsteige.

Freilich, tote manche- muß erst in unS zer­stäuben, damit Raum werde für das Wachwer» oen des Neuen, Raum auch für bie fchwerste unb seltenste aller Künste: Uns selbstzu er­kennen. Solange wir biefe Kunst nicht ge­lernt haben sind wir eben tot Der Mechanis­mus unseres Lebens regt sich, die Seele schwingt nicht, sie schweigt. Erst wenn wir zum Be­wußtsein unseres Selbst kommen, finden wir den Weg zu unserer Seele. Dann sehen wir vielleicht, rote Vieles anders fein sollte, ander- fein könnte. So trägt jeder Mensch ein Ideal in feinem Herzen: Das Ideal feinet Selbst. So sind wir, und so sollten wir sein! Das ist der ewige Kamps, der nie ruhende Kon­flikt, in dem ber strebende Mensch sich bewegt Dies Ideal von unS selbst ist bie in uns wir­kende und unser Leben bestimmende Kraft Damit sie zur Wirkung kommt, müssen wir erst innerlich sterben. So ist unser ganzes Leben im letzten Grunde ein Auferstehen vom Tode. Um zu dieser Auferstehung zu gelangen, mutz zweierlei in uns wirksam sein: die B u tz e unb der Glaube.

Neber die Bedeutung de- Wortes Butze sind sich bte wenigsten Menschen klar. Sie sehen Reue, Zerknirschung, schmerzliche Einkehr in sich selber als Buße an. Aber alles dies stnb nur Teilerscheinungen der Buße. Diese selber ist etwas viel Nmsaffenderes. Sinnesänberung heißt Buße. Selbsterkenntnis, Schmerz über sich selber, heiliger Vorsatz ber Besserung sind nichts als bte Stufen, bie zu dieser Höhe der Sinnes­änderung cmporführen. Ein Mensch kann sich im Grunde seines Lesens niemals ändern. Aber er kann seinen Sinn ändern. Ein Voll kann nur bann vorwärts kommen, wenn es auS Leid und bitterer Erfahrung bie Kenntnis sei­ner selbst schöpft unb, anstatt seine Feinde zu verkleinern und zu verlästern, erkennen läßt waS an ihm selber klein und arm unb Grund feines Niederganges geworden ist.

Es ist von jeher ein Fehler der Deutschen ge» wefen daß sie ihre Feinde als klein und schlecht ansahen, sich selber aber als groß unb start Sie vergaßen, baß der Mensch und noch mehr ein Volk erst auf Grund demütiger Selbster­kenntnis zur Größe und Stärke emportoachsen kann Und wenn unS heute noch größere De­mütigungen bevorsteben als wir bereits erfah­ren haben, wenn wir nur die eine unS notwen­dige Erkenntnis daraus gewinnen würden: an Stelle ber äußeren Werte, bie uns nun einmal unwiederbrinafick genommen sind innere zu fetzen, bie unS ntemanb nehmen kann! Dann würde auS solch einer innerlichen Einstellung, bte man sehr Wohl mit dem Begriff Buße Iben«