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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

18. Ia^raoirg

Freitag, 16. November 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig

Nummer 272 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig

Die Raffelet Äeuefttn «achiudle» erlebe'nea mdebentlieb i«b»mai iratbmtttagB. Der Äbonnementeprtt« bet lägt iür ben Mona« i.90 X bei freier Aufteilung nd Hau» in btt GefchünStzelle abgeboU 1. X Dur» die Ito# monatlich 2.30 X auslchlieitlich AuftellunasgebSbr Retnfpreebei 861 nnb 953 sttz, unverlangt etngefanbte Beiträge kann die Rebaktion eine Verantwortung ober Gewähr in feinem Kalle übernehmen flfldwblnngen be« Betnpbgeibeb ober Lnivrffche wegen etwaiger nicht OTbunnaemübiger Liefernng iil ansge'chloffen. Poftfckteckkontv ibrinffitr« a M Dummer n#en CHnwInttmmei in 4 Sonntagsnummer 20 4

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Rund um die Sphinx im Osten.

ReparoiionÄagung verschoben / Nach dem Aetna der Vesuv?

Llnd Moskau?

Aufgaben für den neuen Botschafter.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Der Verkauf von Kunstwerken auS dem gewaltsam zustande gekommenen Besitz der Sowjetregierung auf der Lepkeauktion in Ber­lin ist ein Symptom mehr für die zunehmende Notlage in Moskau. Man weiß, daß der Ber- kauf zuerst in London und in Paris hat stati- finden sollen, daß man aber dort den Interessen­ten bedeutet hat, die Sache sei unerwünscht. Daß es besser gewesen wäre, dieselbe Andeu­tung auch in Berlin zu machen, geht auS dem gerichtlichen Urteil der zweiten Instanz hervor, die für eine Anzahl von Gegenständen den Verkauf untersagte. Natürlich ist eS ein unerwünschter Eindruck, wenn eS so auSsteht, als ob die Sowjetregierung sich in Deutschland daS erlauben kann, womit man sie an anderen Stellen abweist. ES ist kein Geheimnis, daß in Europa darüber gesprochen wird, Berlin stehe unter Sowjeteinfluß, daß in Berlin auch gesell­schaftlich die größten Veranstaltungen der Sow- fetleute im Auslande ftattfinden und am besten besucht werden. Die Moskauer Diploma­tie legt eS darauf an, sich mit Deutschland zu­sammen »unter den Linden" Arm in Arm zu zeigen. Der Botschasterwechsel in Moskau könnte jetzt dazu dienen, einen gewissen Ein­schnitt zu markieren. Wenn der kluge Herr N a d o l n y nächstens nach Moskau kommt, so wird er dort ein Feld für eindringliche Beobach, tungen finden. Dahin gehören z. B. die beiden letzten inneren Zwangsanleihen der Sowjet- regierung: mit abnorm hohem Zinsfuß, mit AuslosungSPrämien und sonstigen Vorzügen ausgestattet. War fehlt, ist leider nur die Frei­willigkeit. Es gibt eigentlich nur zwei Klassen von möglichen Zeichnern: die Sowjetbeamten, die man an ihrem Gehalt fassen kann, und die Bauern, als Besitzer d«S Getreide». Besitzer von Kapital zum Zeichnen darf eS ja im kommunisti­schen Rußland eigentlich garnicht geben.

Ein zweites Beobachtungsgebtet wäre die von der Sowjetpresse und der oberen Sowjetbe­amten mit einer Art von resignierender Ver­zweiflung zugegebene Korruption. Kürz­lich ist darüber daS sehr lehrreiche Sowjetbuch »Die Defraudanten" erschienen, das unvergleich­liche Aitlieufchtlderung, Realistik, packende Ueber- zeugungstraft in sich vereinigt. Die Defraudan­ten sind zwei kleine Beamte, die am Ersten des MvnatS für eine Sowjetbehörde den zur Aus­zahlung gelangenden Gehaltsbetrag von der Bank abholen sollen. Sie tun e-, ganz ohne Vorhaben der Unterschlagung, aber, im Besitz des Geldes, geraten sie in ein Restaurant mit heim­lichem SchnapSbetrieb, betrinken sich besinnungs­los und werden von einem Dritten der es für selbstverständlich hält, daß sie durchbrenne« wol­len, mit dein Geld als Schnapsletchen in den Zug von Moskau nach Petersburg verladen DaS Charakteristische ist, daß die Abenteurer überall, in den Gasthäusern, in den Tingeltan­geln, in den SchnapSkneipen, von den Kokotten mit Jubel empfangen werden: Defraudanten sind gekommen, die werden Geld springen lassen, an die halten wir unS! Der Defraudant, der mit Staatsgeldern besinnungslos um sich wirft, der sich selbst und alles was mithalten will in Schnapsgelagen ertränkt, den man schert bi» er kahl ist, erscheint als fester, auf Schritt und Tritt bcgegitender Typ deSmodernenRrtzland Auch in dieser Beziehung hat Rußland sich nicht geändert. Zur alten »arische« Zeit wurden po- littlch gefährliche Leute nach Sibirien geschickt, und der rote Zar Stalin im Moskauer Kreml macht e« gerade so. Früher schrieb Gogol seine berühmte Komödie, den »Revisor", um die Korruptton zu illustrieren, «nd heute schreibt Katajew fein« »Defraudanten". Roch in die­sen Tagen ist der groteske Fall de» Bruder» de» Moskauer Volkskommissars durch die Presse ge­gangen, der in halb Europa Wechsel unterbringt, die ausznstellen er kein Recht mehr hat. Die bei­den armen Teufel in den »Defraudanten" wer- den mit 12 000 Rubeln in den Schlafwagen ge­packt, der Bruder Litwinow macht e» mit fünf Millionen. Der Maßstab ist verschieden das Genre ist dasselbe.

Roch ein dritte» Beobachtungsfeld dürfte sich empfehlen: der wachsende Widerstand der Bauern gegen die Sowjetregierung. Au» allen Teilen de» SowjetgebieteS kommen Nachrichten über bäuerliche Gewalttaten gegen Sowjetvertreter. Die Fälle mehren sich, wo Sow­jetbeamte von aufständischen Dauern mißhandelt oder ermordet werden. Der Hauptgrund ist die rücksichtslose Eintreibung der Steuern. Die

Geldnot wächst, der Bauer ist der Einzige, bei dem etwa« zu holen ist. In dem offiziellen Sowjewrgan »Prawda", steht zu lesen, daß die Bauernrevolte von Tag zu Tag an Heftigkeit zunehme, trotzdem dürfe man sich nicht irre machen lassen und müsse alles daran setzen, die Wohlhabenden im Dorf, die sogenannten Kulaki (»Fäuste") auSzurotten. In der Tat werden scharfe Maßnahmen vorbereitet. Todesurteile wegen Aufruhr und schwere Freiheitsstrafen werden verhängt. Die aber ist keine Methode, mit den Bauern fertig zu werden. Dor allen Dingen ist es keine Methode, die Ernteerträgntfle I« erhöhen und die Getreideablieferung zu ver- »essern. Der Bauer will Waren haben, wenn er ein Getreide hergeben soll, und Waren liefert die letstungSunfähige Sowjetindustrte entweder garnicht, oder in schlechtester Qualität und in drei- biS sechsfacher Ueberteuerung, wenn man die frühere k.aufkraft deS Getreides zugrunde legt. In der Tat, der neue Botschafter in Mos­kau hat viel zu beobachten.

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Sinnlose (Quälereien.

Moskau verbietet die Polizeirazzie«.

Kowno, 15. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Nach einer Meldung aus Moskau wur­den die Behörden angewiesen, nicht mehr wie bisher eine Unmenge von Haussuchun­gen vorzunehmen, iso diese meist ergebnislos gewesen seien. Die Miliz und Kriminalpolizei hatten bei jeder Gelegenheit Verhaftungen ohne einen triftigen Grund vorgenommen. Die Be­völkerung war deswegen erregt.

Oberst Sauer hilft China.

Erst Aufbau der Industrie, dann Generalstab.

London, 15. November. Nach einer Meldung auS Schanghai ist der frühere deutsche Oberst Bauer dort eingetrofsen. Er äußerte sich, nicht militärischer Berater bei der Rankingregierung, sondern wirtschaftlicher und industrieller Berater für Tschiankaischek zu sein. Ferner dementierte er die Nachricht, daß er die nationalistisch« Expe­dition gegen Peking unterstützt habe. China müsse sich erst zu einer organisierten Industrie entwickeln, ehe eS an die Bildung eines Gene- ralstabS in deutschem Sinne denken könne.

Er Kennt seine Leute.

Poinrars macht sich die Sammer gefügig.

Pari», 15. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Preffestimmen zufolge wird Poincarö die Beendigung der Diskussion in der Kammer noch heute fordern evtl, unter Zuhilfenahme einer Rachtsitzung. Man berechnet die Mehr­heit für ein Vertrauensvotum der Regierung auf 330 Stimmen, während ungefähr 275 Abgeord­nete gegen die Regierung stimmen, bezw. sich der Stimme enthalten werden.

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Drüben noch nicht einig.

Wir warten auf das ReparationLkomttre.

London, 15. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Ein diplomatischer Korrespondent äußert sich über den Stand der Reparationsoerhandlun­ge»: Bisher find nur Umschriften und Verbal­noten auSgetauscht worden. DaS Problem der Rheinlandräumung bleibt im jetzigen vorberei­tenden Stadium außerhalb der Erörterung. Be­deutsam ist die neuerliche ErNärung Chur­chills, daß di« Frage der endgültigen Repara- tionSregelung und die der Beschleunigung der Rheinlandräumuim nicht unbedingt mit ein­ander verbunden find. Dies stehe bekanntlich im Gegensatz zur franzöfischen Auffassung. Rach dem Amtsantritt Gtre,emannS dür,te die Einberu­fung deS Ausschusses nicht mehr lange ausgescho­ben werden.

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Neparationskonferenz 1929? Rur weil man Amerika braucht.

Paris, 15. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Nach der zeprigen Unterredung Potn caröS mtt dem deutschen votichester v. Harsch meint ei« Blatt, daß es noch beträchttiche Mei­nungsverschiedenheiten hin ichtlich der Anerbie­ten und der Forder. ngen im ReparationSversah- ren gebe. Da aber die Sachverständigenkommis- ston unabhängig sei und die Regierung also un­geeignete Vorschläge nicht anzunehmen brauche, hat jetzt die theoretische Oppofition keine große Bedeutung. Die Forderungen der verschiedenen Mächte würden sicher einer Revifion unterzogen

werden, wenn die Sachverständigen ein Mittel fänden, um ane beschleunigte Mobili­sierung, also Kommerzialisierung, der Schul­den herbeizuführei- da noch die Mitarbeit ame­rikanischer Fachleute gewonnen werden müsse, sei es, so erklärt das Blatt im Gegensatz zu den gestrigen halbamtlichen Auslassungen es als »ich wahrscheinlich, daß der Ausschuß vor Beginn des kommenden Jahres zusammentreten werde. Was den Versammlung" rt betreffe, so schwanke man zwischen Brüssel und Paris. Man scheine an Berlin nur noch für vorübergehende Unter­suchungen der Sachverständigen zu denken.

Line bedrohte Republik.

Linksfront in Polen gegen Diktaturgelüste.

Warschau, 15. November. Die drei großen polnischen Linksparteien Sozialisten, die Radi­kale und die Bauernpartei Domski beschlossen gestern einen ständigen gemeinsamen Berständi- gungsausschuß zum Schutze der Republik und der Demokratie ins Leben zu rufen. Der Aus­schuß soll ein Zusammenwirken der drei ge­nannten Parteien in allen Angelegenheiten her­beiführen, die die Befestigung und de« Schutz der republikanischen Regierungsform der De- monkratie, des Parlamentarismus und der un­behinderten Tätigkeit von Sejm und Senat be, treffen. Sonst sind die drei genannten Parteien ungebunden. Sie werden jedoch in jedem ein­zelnen Fall ihr Vorgehen in Uebereinstimmung zu bringen versuchen.

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Die Industrie hat mehr Glück.

Einigung im Chorzowstrrit?

Warschau, 15. November. (Eigene Draht­meldung.) Wie halbamtlich verlautet, führte der Präsident deS Aussichtsrates der daher, u. ober­schlesischen Stickstoffwerke, Geheimrat Caro, in Warschau Verhandlungen, die zu einem Kom­promiß führten. Di? erzielte Verständigung bedarf der Zustimmung der deutschen Regie­rung und der polnischen Regierung. ES wurde vereinbart, daß beide Regierungen in der Chor- zowsache sich bis zum 28. November schlüssig werden sollen. Im Falle der Zustimmung durch die beiden Regierungen würde der Streitfall vom Haager Gerichtshof zurückge- zogen werden. Professor Caro ist nach Berlin zurückgekehrt.

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Die Rinder sollen nicht leiden.

Im Haus des Zaren.

Großer Novemberempfang Unter den Linden 7,

Sie Sen» Sowietmtolfter «18 Same von «eit Kaviar überbrückt bte Gegensätze. «eil er be» ......Berühmte Götze im

Stoffen nichts kotzet.

Sowjessalon. Sie Internationale als Saison.

Der Rovemberempfang der Botschaft der Union der SSR ist auch in diesem Jahre der breite und prächtige Auftakt der gesellschaftlt- chen Saison der Reichshauptstadt gewesen, weil er ein starkes Propagandamittel der Sowjet­vertreter bedeutet. Die Kommunisten sind schon deshalb bei diesem glänzenden Empfang in der Miniderzahl. Aber es wird niemand vergessen. Von dem wuchtigen, breitschultrigen Abg> Gohlke, der infolge sein» parlamentari- schen Faustkampses gegen den Wirtschaftspar- tciler P o n f t ck erst jetzt von einem viermona. tigen Ausschluß aus dem Parlament einschließ­lich des bitteren Entzüge» der Eisenbahnfrei- fahrkarte zurückgekehrt ist, bis zu der überaus verfeinerten Frau des Volksbeauftrag.

n Lunatscharski, die jetzt in Berlin fleißig filmt, und an diesem Abend wieder durch eine allerneueste Pariser

Modeschöpfung die gesamte Damenwelt überstrahlt,

ist niemand ausgelassen; nicht der stimmgewal- ttge Parteifanatiker H ö l l e i n und auch nicht dieser oder jener, der mtt der Deckung der Ab- Weichungen Thälmanns von der geraden Linie in der Abwicklung von peinlichen Vorgängen nicht einverstanden ist und offen zu murren gewagt 2at- _-upfotnfcit hat der Zeremonienmeister der Botschaft bei diesem Empfang ganz beson- derS gegenüber der Sozialdemokratie geübt, wenn auch Scheidemann und der Kanzler Muller nicht erschienen sind und Brett- scheid nicht wieder eingeladen worden ist, 5*. öffentlicher Volksversammlung die reich bedeckte lange Tafel auf Grund seiner an ihr als Gast gewonnenen Kenntnisse agitatorisch ausgewertet hat. Auch heute macht sehr bald ein Bonmot die Runde, wonach ein Sozialde­mokrat bei Gedanken an die Lebensmittelnot in Moskau einen Kommunisten gefragt haben soll: »Haben die russischen Arbeiter auch so reichlich LachS und Kaviar zu speisen, wie man das hier sieht? »So viel nicht!", war die Antwort:

»So reichlich

200 000 Mark für die AuSgesperrten.

Düsseldorf, 15. November. (Privattelegramm.) Der LandeShauptminn der Rheinprovinz bat angeordnet, daß aus den Mitteln der Provin- zialverwaltung für Kinderspeisung 200 000 Rm. sofort an die von der Aussperrung betroftenen Stadt- und Landkreise und an die Organisatio­nen der freien Wohlfihrtspflege für die Spei­sung von Kindern Ausgesperrter auSgeschüttet werden.

Gin entheiligter Ort.

Der Marokkaner erschießt seine« Hauptmann.

Paris, 15. November. (Eigene Drahtmeldung.) Im Militärlager bei Fez wurde der Hauptmann Guitard von seinem Burschen erschossen, da er die mohammedanischen Sitten und Gebräuche nicht beachtete. Der Hauptmann bewohnte näm­lich einen heiligen Ort. Sein Bursche er­suchte ihn jedesmal beim Betreten der Wohnung, verschiedene Teile der Mauer zu küssen «nd in seinem Zimmer nicht zu rauchen, um den Ort nicht zu entheiligen. WS der Hauptmann da» nicht tat, erschoß ihn der Sutftfie au» reli- Höfen Motiven.

Jetzt rührt sich auch -er Vesuv.

Lava und Schlecken brechen durch.

Neapel, 15. November. (Eigener Drahtbe- richt.) Die Tätigkett des Vesuv hat plötzlich er. heblich zugenommen. Seil einigen Tagen wirft der Vesuv wieder mehr Lava und Schlacken aus. Der Ausbruch bietet einen fchaurig.fchönen An- blick. Der Ausfluß erfolgte an der Basis deS Hauptkegels, gerade unterhalb der zerstörten Drahtseilbahn. Die Bevölkerung der Besuv-Ge- meinden ist «och nicht beunruhigt, wenn auch da» Interesse der Fremden und der Ge­lehrten zugenommen Hal.

Dir Tkrinaiova kommt zum Steden.

Catania, 15. November. Der Aetna hat sich weiter beruhigt. Die einzelnen Lavaströme rük- ken nur noch ganz langsam vor; immerhin rich­te« sie an Gebäude« u. Ackern noch Schaden an.

füttern wir nur die Agenten der Bourgeofie!"

So treffende Antworten erwecken immer sympa- ihiesierendes Vergnügen, ganz abgesehen da­von, daß der Kaviar-Genuß in Rußland natur­gemäß den breitesten Volksschichten zugänglich ist. In den großen russischen Städten bekommt man ihn sogar im Straßenhandel wie bei un» Kirschen u. Bananen und bann gleich auf Brot und Butter. Man hat auf die Fragen der Händler nur zu bestimmen, ob viel Brot und wenig Butter oder wenig Brot und viel But- ter und zahlt für eine Kaviar-Portion, die bet un» mindesten» sechs bi» acht Mark kostet, nicht einmal ben zehnten Teil. In Deutschland ist er so selten, daß er in der Vorstellungswelt und bald auch Im Verdauungsshstem der hier Gela­denen eine hervorragende Rolle spielt; denn al» die Türen zu den wegen ihrer geschmack­vollen Pracht bewunderten Prunksälen der Bot. schäft geöffnet werden und sich eine junge Dame bei ihrem Begleiter nach Name und Art der von einem Sinfonieorchester intonierten »Inter- nationale", die ja die russische Nationalhymne von heute ist, erkundigt, höre ich die Antwort: »Da» ist ber Kaviarmarsch bet russischen Revo­lution!" An ber langen Tafel mit bem kalten Bufett, das nach russischer Art stehenb attackiert wirb, gewinnt man einen ungefähren lieber« blick über die »Kanonen" unter ben Gästen. Die Staatssekretäre Dr Mei ßner, Dr. Schu- bert vertreten offiziell die Außenpolitik; aber

auch Frau Käthe Stresemann

nimmt in ihrer beweglichen unb für gesellschaft­liche Strapazen opferwilligen Art bie Interessen bes Außenministers persönlich unb vermutlich awf) politisch wahr. Ebenso starke Aufmerksam» feit wie sie finbet aber auch eine anbeie Käthi) und die erste weibliche Trägerin des Professo' rentitelS, Fran Käthe Kollwitz, büj weltberühmte Künstlerin. Wenn man sich bat?» auf einläßi, Namen zu nennen, bringt man sich in bte Gefahr, uferlos zu werben; benn auf Wirtschaft, Politik, Kunst, Literatur, unb au! der Reichswehr Seeckt in Zivil, Heye ick Uniform sind Hunberte der besten Namens-