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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 27 l. Einzelpreis: Wochentags io Pfennig. Donnerstag, 15. November 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

18. Jahrgang

Die Reparationslösung in vollem Fluß.

Der Glbiuhstrick» unter Waldeck / Doch ein Dampfer-Massengrab?

Was jetzt drängt.

Räumung, Reparationen, Panzerkreuzer.

Bon

StaatSskr. z. D. Frhr. v. Rheinbaben (M. d. R.)

Das Ergebnis der auf die nächste Woche ver­schobenen außenpolitischen Debatte im Reichstag wird den latent vorhandenen Zustand stärkster Ernüchterung ebenso dokumentieren, wie die ungeheuren Schwierigkeiten, denen das deutsche Freiheitsringen unverändert in einer Welt gegenübersteht, in der naf wie vor die Macht den Ausschlag gibt. Still ist es gewor­den von gewissen überschwenglichen Hoffnungen und Illusionen. DerGeist von Locarno" hat gegenüber 1025 ein recht anderes Gesicht bekoui- men und die Pläne von denVereinigten Staa­ten von Europa" sind zunächst einmal hinter die zweite Kulisse geschoben worden, wohie sie gehö­ren. Wo stehen wir also und wohin führt der Kurs? Der Völkerbund hat sich nicht nur nicht als ein Ueberstaal erwiesen, der von sich auS die Eigenmächtigkeit und die Sonderinteressen sei­ner Mitglieder überwinden könnte, sondern nicht einmal der Rechtsgedanke hat sich in ihm soweit durchgesetzt, daß deutsche Außenpolitik in ihren besonderren Zielsetzungen sich auf ihn allein verlassen könnte. Die Häufung von Akten und Dokumenten über die Fortentwicklung bti Sicherhetts- und Abrüstungsgedankens ist kein Ersatz dafür, daß in der Praxis genau daS Ge­genteil von dem geschieht, was als Hobe" Mensch, heitsziel in Genf verkündet wird. Frankreich be­sitzt im Jahre 1929 den Effektivbestand einer Armee von 601 000 Mann. DaS Budget für Armee und Marine fordert für 1929 nicht went- ger als zwei Milliarden Goldmar und seine Al­liierten rüsten ebenso ungeniert Wetter. Mil kaum zu übertreffender Leichtfertigkeit hat der französische Außenminister von der bereits voll- zogenenAbrüstung" Frankreichs gesprochen und Boncour als Ziel die Sanktionierung die­ses Rüstungsstandes durch internationale Ver­träge bingesttllt. Die englische Politik unter kon­servativer Leitung hat st b auS britischem Macht- tnterefle Flottengegensatz zu Amerika bereit gefunden, den Widerstand gegen diese eigenartige französische ,Abrüftungspolitik" fallen zu lassen und Frankreichs These, die europäische Hegemo- nialstellung im Grundsatz anzuerkennen. Und während dies draußen in der nächsten Umwelt geschieht, droht in Deutschland wegen eines ein­zigen Panzerkreuzers das parlamentarifchc ChaoS.

Deutsche Streitsucht" nennen die Franzosen auch heute noch einen Zustand in Deutschland, der dafür verantwortlich ist. daß Parteihader und innere Gegensätze das deutsche Volk verhin­derten, nach außen zu seine nationale Kraft zur Erreichung ganz bestimmter Ziele geschloffen einzusetzen. Heute wie einst: Man nörgelt, man kritisiert, man intrigiert, man deklamiert, man protestiert. Ist das Außenpolitik? Man spricht auch am Biertisch und in Volksversamm­lungen eigener GesinnungSgenoffen von geheim- nisvollen Möglichkeiten eineranderen politi­schen Orientierung". Wohin soll sich eigentlich die deutsche Antzeistwlitikorientieren"? Ist nicht alles daS, was wir von 1918 an in unun­terbrochener Folge erlebt haben im Ergebnis der stärkste Hinweis darauf, daß wir unsere Frei- beit und Unabhängigkeit nur durch Verhand­lungen mit Frankreich und England erringen werden und kann irgendein verant­wortlicher Mensch wagen, daS heute politisch und militärisch ohnmächtige, also völlig bündnisunfähige Deutschland in aben­teuerliche Verstrickungen mit anderen europäi­schen Mächten hineinführen zu wollen? Sind manche unter uns nicht wiederum auf dem We­ge, falsche Illusionen zu erwecken, wenn sie un­ter Hinweis auf die glücklicherweise recht freundschaftlich gewordenen Beziehungen zu Amerika unS Vorreden wollen, daß eS eine deutsche Außenpolitik gebe., die diese Bezie- Hungen etwa gegen Frankreich und England auSzuspielen in der Lage wäre? Kann alldem gegenüber nicht vielmehr mit Recht darauf hin- gewiesen werden, daß Deutschland nach so tie­fem Fall eine längere Periode innerer Ruhe und innerer Wiedererstarkung nötia hat. be- vor irgendeine seiner wechselnden Regierun­ge Überhaupt rein diplomatisch-technisch in der Lage wäre, über das zur Wiedererlangung der Souveränität Unumgängliche hinaus ihrem überdies mit Sorgen überlasteten und innerlich gespaltenen Volk znzumuten. andere außenpoli­tischen Verantwortungen zu übernehmen?

Die dringendste Ausgabe einer verantwor­tungsbewußten StaatSführung ist jetzt ie Revi­

sion deS DaweSplaneS. Unsere Gläubiger sind untereinander verschuldet und wollen ihre äugen- blickliche Machtposition über Deutschland unter allen Umständen dazu ausnutzen, daß sie selbst eine Erleichterung bezw. völlige Beseitigung ihrer eigenen Schuldverpflichtungen durch deutsche Zahlungen auf Jahrzehnte hinaus er­halten. Deutschland andererseits nutz vor Ein­tritt in die Verhandlungen die Gewißheit haben, daß seine mit geborgtem Ge.d künstlich aufge­baute ZahlungSfäyigkeit von wirklich unab­hängigen Sachverständigen gründlich und ohne Uebertreibung geprüft und bei Bemes­sung der endgültigen Sc uldsumme gebührend berücksichtigt wird, zumal und DaS wollen wir doch nicht vergessen wir die Verantwortung für den Weltkrieg in der Versailler Kriegs­schuldthese mit Entrüstung von uns gewie­sen und die Ergebnisse der internattonalen For­schung unx dari täglich mehr Recht geben! Wenn die RetchStagSdebatte also wenig- steuS in dieser K -nfrage »u einer einmütigen Haltung aller großen verantwortnngSbweußten Parteien führte, dann wäre sie nicht vergebens. Alles übrige, alle mehr oder weniger klugen Fest- stellungen über diese oder jene Fehler und Un- terlassnngen haben demgegenüber wenig oder gar keine Bedeutung. So ernst unsere innere Wirtschaftslage sein mag, so steht hinsichtlich der Zukunft doch soviel auf dem Spiel, daß vor schnellen oberflächlichen und womöglich noch­mals auf Sentiments und Gefühle basierten Entschlüssen nicht dringend genug ge­warnt werden kann. Soll das NachkriegSver- tragSsvstem überhaupt eine in der Zukunft wet- sende Bedeutung behalten, dann mutz baS Rhein- land so oder so am 10. Januar 11930 und zuletzt am 10. Januar 1935 völlig geräumt werden. Zu übertriebenem Pessimismus ist keinerlei Grund vorhanden. Wie die Dinge sich neuerdings in der inneren Politik entwickelt haben, neige ich persönlich zu der Auffassung, datz heute mehr als je die Fortsetzung eines auf erträgliches Ergeb­nis abgestellten Kurses der Autzenpolitik davon abhängt, daß die leidige Parteipolitik im In­nern die für eine hellere deutsche Zukunft be- stehenden Möglichkeiten nicht totschlägt.

Wieder im Flutz.

Poincare-v. Hoesch fördern die Daweslösung.

Paris, 14. November. (Eig. Drahtberichl.) Der deutsche Botschafter von Hoesch wird mit Poincare entweder heute oder am Freitag die Berhandlungen über die Einsetzung des Re- paralionS^SachverstSndigenausschuffeS fortsetzen AIS französtsche Vertreter werde« genannt der Gouverneur der Bank 6on Frankreich, Moreau sowie Parmontier und Sergent, die bereit« an der Ausarbeitung des Dawesplanes teilgenom­men haben. Mit Außenminister Briand hat von Hoesch schon gestern verhandelt.

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Der Tanz kann beginnen.

Wo die Reparationsparteien stehen.

Paris, 14. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein Nachrichtenbüro teilt über den ge­genwärtigen Stand der Reparationsangelegen­heiten mit: England hält sich an die Balfour- Note. Belgien will weder ans die Daweszah- langen noch auf die Rückzahlung der sechs Mil­liarden Besatzungsgelder verzichten. Jtalen will seine eigenen Zahlungen an Amerika zu- rückerhalten. Frankreich fordert darüber hinaus noch eine Entschädigung für seine Wiederauf­baukosten. Deutschland verlange, daß man seine

Repaprationsschulden ohne Zusammenhang mit den interalliierten Schulden und allein aus Grund seiner Zahlungsfähigkeit sestsetze. Diese Memoranden bedeuten jedoch le­diglich eine Ausgangsstellung Man spricht von neuem davon, daß die Konferenz zunächst in Brüssel zusammentreten und dann ihre Arbeiten nach Berlin verlegen werde.

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Poincarös Steckenpferd.

Er wird auch am Donnerstag die Kammer wieder bezwingen.

Paris, 14. November. (Eig. Drahtbericht.) Nach den MorgenblSttern wird PoinearöS mor. gige Regierungserklärung sehr kurz sein. Weiter werde Poincarö auf der Annahme des Budgets vor dem 31. Dezember bestehen und in den während der Krise umstrittenen Fragen Steuer­ermäßigung, Reduzierung des Militärbudgets und Abtrennung der Artikel 70 und 71 (Kir- chengesetz) gewisse Zugeständnisse machen, jedoch werde er bezüglich der Artikel 70 und 71 mit­

teilen, daß diese in das Dezember-Kollektiv übernommen würden, dessen Annahme noch vor dem 1. Januar 1929 erfolgen muffe. Ferner werde sich die Erklärung zu der Reparations­und Autzenpolitik äutzern.

Em neues JteparattonsbiNai r

Paris, 14. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Ern Blatt äußert sich zur Repararions- srage: In einigen Tagen werde die Berliner Regierung wahrscheinlich über die Bedin­gungen unterrichtet werden, die Paris, Lon­don, Rom und Brüffel für die Entwicklung der Verhandlungen zu stellen wünschen. Ein Blatt will wissen, daß Frankreich das aus der Konferenz von Spaa festgesetzte Programm für bie Teilung bei deutschen Reparationszahlungen auch weiterhin bestehen zu laffen wünscht, vor allem für bie Verteilung der evtl, mobiliserten deutschen Reparationssumme.

Doch 106 ertrunken?

Am Schauplatz der Vestris-Kataftrophe.

London, 14. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Von derBestris" wurden bisher 266 Personen gerettet, 106 Passagiere und Personen der Besatzung werde» noch vermißt. Ein Kapi- tfoi hat nur noch geringe Hoffnung daß von den Vermißten noch welche am Beben sind, da bie Rettungsboote gegen sehr schweren Seegang zu kämpfen Hutten.

Newyork, 14. November. (Funkdienst.) Mit der Bestris sind außer den zehn Mappen mit diplomattschen Schriftstücken 1097 Postsätze un­tergegangen. Die Reederei will übrigens vom Kapitän nicht benachrichtigt worben fein, baß die Verschiebung der Ladung bie Ursache des Kenterns und Untergehens des Schiffes gewe­sen sei.

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Achtzehn Stunden tm Well nkomps

Newyork, 14. November. (Funkdienst.) Heber bie Rettung der Passagiere von derBestris" berichtet ein Kapitän: Um 4,05 Uhr war daS erste Rettungsboot längsseit genommen. Wir borgen im ganzen fünf Boote mit vollzähliger Besatzung. Bei der Fahri durch bie mit Wrack­stücken übersäten Wogen nahmen wir noch einen Man» nnb eine Frau auf, die sich 18 Stunden im Wasser aufgehalten hatten. Wir suchten bis zur Mittagsstunde nach weiteren tleberlebenben Dann setzten wir bie Fahrt nach Newyork fort.

Drei Zage Surmsahrl / 20 Verletzte

Sonbon, 14. November. (Eig. Drahtbericht.) Der In Plymouth eingetroffene DumpferMau- retania" berichtet, daß während breitöziger schwerer Stürme im ganzen ungefähr zwanzig Passagiere leichte Verletzungen erlitten.

Dor letzte Strich unterwal-eck

Das heutige ReichStagSpensum.

Berlin, 14. November. (Funkdienst.) Der Aeltestenrat berät gurgelt darüber, ob der Au­ßenpolitik zunächst die ReichstagSanSsprache über den Panzerkreuzer vorangehen soll. Der HuuShultsuuSschuß setzt bie Aussprache über eine finanzielle Beteiligungsuktion des Reiches an der Ruhrkrise fort. Die Ruhrdebatte wird heute zu Ende geführt. Auch einige kleine Vor­lagen, namentlich internationale Verträge und die Bereinigung von Waldeck mit Preußen fallen heute noch mit erledigt werden. Neu zu- gegangen ist dem Reichstag die Hundwerksno- veile zur Gewerbeordnung und eine große An­zahl deutfchnutionuler Anträge, die u. a. eine ErhöhungderAnckerzSlle auf 25 Mark für den Doppelzentner und die Verdoppelung des der Getreidehandels A.-G. zur Stabilisie­rung der Getreide-reife zur Verfügung gestell­ten Kredits auf insgesamt sechzig Millionen fordern.

Gin schwarzer Tropentag.

Unwettergraus in Argentiniens Provinzen, verwüstete Häuser. Biele Tote.

Buenos Aires. 14 November. Im Laufe des heftigen Unwetters Über der Gegend von Billa Maria Las varillas, Alicia und Santa Fees wurden mehrere hundert Häuser zerstört. Bis­her find etwa 10 Tote festgestellt worden. Die Hälfte der Ernte ist verloren. Der letzte Funk- spruch teilt mit, daß besonders der Ort Santa Maria, der 300 Einwohner zählt, schwer gelit­ten habe. Etwa zwanzig Einwohner seien ge­tötet und 50 schwer verletzt worden.

Sie reden und reden.

Damit wird bie Ruhrkrise nicht behoben. Eiserne" Debatten im Reichstag.

Sm Reichstag wirb wieder mal viel geredet nnb wenig für bie ArbeitSkriie an ber Ruhr getan. Hoffentlich gelingt es bente dem Regie­rungspräsidenten Bergemann, ben einzig vernünftigen Standpunkt bei beiden Parteien dnrchznseden, datz man sich erstmal auf vorläu­fige Arbeitsbedingungen einigen nnb bk strit­tigen Punkte in der Schwede lasten soll, denn jeder verlorene Tag bedeutet verlorene Mil­lionen. Die gestrige Eifeudebatte im Reichs­tag verlief wie folgt:

Abg. Brandes (Sog.), Vorsitzender beS Deutschen Metallarbeiterverbandes, verurteilte scharf baS Vorgehen bei Unternehmer und warf auch dem Vorsitzenden des Duisburger Arbeits­gerichts vor, daß er wegen seiner gewerkschaftS« feindlichen Haltung bekannt sei. Er lehnte die Zentrumsanträge aus Aenderung des Schlich­tungswesen im retzigen Augenblick ab und be­gründete einen Antrag, der verlangt, daß bie Ausgesperrten aitS öffentlichen Mitteln unterstützt unb bte Kosten von ben aussper­renden Unternehmern wieder eingezogen wer­den sollen. Wenn die Aussperrung noch länger fortgesetzt werde, müßten die Eisenzölle suspen­diert und evtl, sogar die B e t r i e b e enteig­net und vom Staat weitergekührt »erben. Abg. v. Linbeiner-Wllbau (Dtl.) wollte erst die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts ab- warten und vorher weder für die eine noch für sie andere Seite Stellung nehmen. Die

Berechtigung von Lohnforderungen der Arbeiter

sei anzuerkennen, aber angesichts der sehr un­günstigen deutschen Wirtschaftslage könne man jetzt nicht einen Lohnlamps führen, der die Ver­nichtung ber Wirtschaft, also der Arbeitsgelegen­heit überhaupt, zur Folge haben würbe. DaS jetzige System beS Schlichtungswesens sei re­formbedürftig. Die dazu gestellten Anträge feien als Gelegenheitsgesetzgebung abzulehnen. Die baldige Beilegung des Kampfes fei dringend wünschenswert. ReichsarbeitSminister Wissel beantwortete eine Frage deS Vor­redners dahin, baß er u. ber ReichSwirtschafrS- minister baS Material bei Eiseninbusiriellen eingehend geprüft hätten. Erst bann habe er die Verbindlichkeilserklärung verfügt. Er hoffe, daß die Einigungsbestrebungen bahin führen, daß unbeschabet der AnSttagung beS Rechts­streites bie Arbeiter

möglichst schnell toteber eingestellt

würden. Abg. Dr. Moldenhauer (Vp.) be­zeichnete daS jetzige Schlichtungssystem als ver­fehlt. Dieses System sei die eigentliche Ur­sache der Aussperrung. Die deutsche Industrie sei dem Auslande gegenüber kaum noch konkur­renzfähig. Mit großer Schärfe wandte sich der Redner gegen ben sozialbemokratischen Antrag, ber geeignet sei, bie Zusammenarbeit ber Par­teien zu gesährben. Eine Lohnerhöhung in bei Eisenindustrie würde eine allgemeine neue Lohnwelle nach sich ziehen. Preis­steigerungen aber hätten wieder verminderten Absatz und schlechtere Konkurrenzmöglichketten int Gefolge, wodurch automatisch die

ArbeUSlosigkeft steigen

müsse. Die Industrie brauche eine Atempause in Lohnfragen. Abg. C o l o s s e r (W. P.) mein­te, die Besserstellung der Arbeiterschaft könne nicht durch schematische Erhöhung der Nominal­löhne, sondern durch Erhöhung der Kauf­kraft erreicht werden. Der Redner wünschte dringend die baldige Beendigung der Aussper­rung, die auch dem Mittelstand schweren Scha­ven zufüge. Abg. Schneider (Dem.) betonte, das Schlichtungswesen habe sich bewährt. Ge- wiffe Reformen seien allerdings wünschenS- roett. Der langwierige Instanzenzug bei den Arbeitsgerichten müsse aufhören. Der Redner führte Beschwerde darüber, datz die Unterneh­mer bas Angebot bei Arbeitei zur Durchfüh­rung ber NotstanbSarbeiten abgelehm, aber bie kaufmännischen Angestellten zu bleien Arbeiten herangezogen hätten. Fortsetzung Mittwoch nachmittag 3 Uhr.

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» utzenpoimk spater / Vas andere geht vor.

Der sozialbemokratisch« Vorstanb beschloß htt Aeltestenrat für Verschiebung ber außen­politischen Aussprache aus die nächste Woche unb für Behandlung des PanzerkreuzerantrageS im Anschluß an ben Eisenkonflikt einzutreten.

Sine gestrichene Dollar-Anleihe

Berlin, 14. November. Die Beratungsstelle für Auslanbsanleihen hat laut Preffeuotiz bie