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Nr. 269. 18. Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichte«

Dienstag, 13. November 1928.

sonate, weniger gelungen Vas Andame aus vem 6. Violinkonzert von Louis Spohr, das doch, trotzdem es mit großer Fingerferrigkett xe- meiste« wurve. ein Experiment blieb. Heinrich Möller spielte Mendelssohn und zwei Orgel­choräle von I. S. Hanfs ut gewohnter Bortrejs- lichkeit. Unter seinen Händen entströmen selbst den Orgeln von geringerer Qualität lind Größe die herrlichsten Melevien. In der Wahl der Re­gister, die vom Komponisten dem Organisten überlasten ist und von diesem ein kunstvolles Gehör erfordert, bleibt Meister Möller unüber­troffen. M-dt.

Die Aufgaben -er Frau.

Festabend der Evangelischen Frauenhilse.

Der Stadwerband Kastel der Evangelischen Frauenhilfe vereinte im großen Saal des Evan­gelischen Vereinshauses eine große Zahl evan­gelischer Männer und Frauen zu einem weihe­vollen Festabend, um des 445. Geburtstages des großen Reformators Dr. Martin Luther festlich zu gedenken. Nach dem Grußwort der Vorsitzen­den Frau Kirchenrat E i f e n b e r g, gab Herr Hermann Stehsen unter der sicheren Beglei­tung von Fräulein M ü l l e - als Violinsolo das Adagio aus dem D-Dur-Konzert von Mo­zart. Große Wirkung erreichte auch der weihe­volle Vortrag der Arie aus der Kantate Nr. 171 für Sopran (Fräulein Eva Lachmund), mit obl. Violine (Herr Stehfen) und Klavier (Fräulein Müller).

Zum Höhepunkt wurde die Festansprache von Generalsuperintendent D Fuchs über: Die Mission der evangelischen Frau in unserer Zeit." Durch die Einstellung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens aus die Interessen der Frau und der von ihr entfachte Konkurrenzkampf mit dem Manne sei die große Gefahr verbunden, daß dieselbe sich loslöse von den Schranken der Sitte und innerem Halt. Die Mission der evan­gelischen, erfahrenen Frau sei es, mit vollem Glauben, Freudigkeit und Bruderliebe sich auf den großen Arbeitsfeldern: Haus. Volksgemein­schaft und Kirche zu betätigen. Nachdem Fräu­lein L a ch m u n d mit ihrem wohlklingenden Sopran drei Lieder von Bach und Schubert ge­spendet hatte, schloß der Abend nach einem Schlußwort von Frau Geheimrat Orth mit einem gemeinsamen Lied. -i-

Die Tragödie einer ^allnacht

Das Kleine Theater versendet eine Lokalnotiz

Das Kleine Theater Kastel versendet diese Lokalnotiz:

Infolge Erkrankung des Hauptdarstellers mußte das OperettengastspielEine Ball­nacht" für die folgenden Tage abgesctzi werden. Es gelangt dafürDas Kamel geht durch das Nadelöhr", Lustspiel von Frantisek Langer, zur Aufführung."

Zu den Dingen zwischen Himmel und Erde, von denen sich unfere Schulweisheit nichts träu­men läßt, gehörte auch diese einmalige Auf- führung der OperetteEine Ballnacht" durch dieFrankfurter" Operettendirektion Kötschau Man weiß nicht, wem man eine derartige Ver­antwortungslosigkeit und ein solches Vaban- que-SPiel mit der Gunst des Publikums, dem man Eintrittspreise von einer bis fünf Mark abverlangte, zutrauen kann. Selbst Entschuldi- fiungen, daß man über die Qualität des En- embles nicht unterrichtet War, können nicht gel ten. da nach einer der Vorstellung vorausgehen­den Probe Zeit genug war. die Ballnacht abzu­blasen

Ueber die Aufführung selbst, die in ihrer Un­zulänglichkeit dem Publikum ein ungeirübies Vergnügen bereitete, nur ein Wort zu verlieren wäre zwecklos Herr Kötschau und Ensemble haben es vorgezopen, die Auswirkungen diesei Tragödie einer Ballnacht auf andern Schultern ruhen zu lasten.

Um mit Schiller zu reden:Sie sind zu Schiff nach Frank . . .surf. -schk.

Samariter-Dienst.

Sin Monat Hilfsdienst der Arbeiter-Samariter.

Die Tätigkeit des Arbeiter-Samariter-Bun- des Kastel war auch im Monat Oktober eine sehr rege. Mittelst Kraftwagen wurden an Transporten ausgesührt 182, davon 10 nach und 42 von auswärts und 33 Unfälle. Aus der Sa­nitätswache Waisenhausstraße wurden in 73 Fällen erste Hilse geleistet. Richt angeführt sind die zahlreichen Hilfeleistungen der Einzelmtt- glieder, sowie die gestellten Kommandos. Tre Sanitätswache Waisenhausstraße 28 ist Tag und Nacht geöffnet und stets unter Telefon Nr. 4975 zu erreichen.

Ginfinsterer" Tag.

Schnee, Rege« und Sonnenfinsternis.

Die schöne schwarze Glasplatte, die heute morgen in Aktion treten sollte, wurde soeben vom Redaktionskater zur Schwärzung der ange- grauten Schnurrbarthaare benutzt. Womit doku­mentiert fein soll, daß auS der mit großem wis­senschaftlichen Pomp angekündigten Sonnen- flnsiernis leider nichts geworden ist. Vielleicht hat sie aber wirklich stattgefunden, dunkel genug war's wenigstens. Tenn feit Sonnabend schon treiben Schneewolken über Kastel. Wilhelmshöhe, und in den frühen Morgenstunden deS Sonntag au.b die Zmot. hüllten sich zum ersten Male in ein Winterkleid, weiß leuchtete es von den Höhen des Habichtswaldes und am Hohen GraS gar erreichte die Schneedecke eine Höhe von vier Zentimetern. Richt allzulange dauerte allerdings die Herrlichkeit. bald setzte leiser Regen ein und auch oben in des Berggeists Reich tropfte das Zuckerwerk bltiern Tränen gleich in den lang­sam vergehenden Weihnachtszauber... -schk.

Der Frankfurter Wetterdienst meldet:

Der milde Südweststrom auf der Vorderseite der atlantischen Zvklone gewinnt an Regen und wird unter Verdrängung der noch vorhandenen Kaltluft die Temperaturen weiter steigen lasten Während des dabei auftretenden Drucksalles kommt es zu verbreiteten und ergiebigen Nie- derschlägen. welche durch vorübergehende Auf­heiterung bei steigendem Barometer abgelöst

werden. Im Ganzen erhält sich die so wechselnde Witterung große Beständigkeit.

Vorhersage bis Dienstag abend:

Rach vorübergehender Besserung, die teil­weise auch von Aufheiterung begleitet ist, er­neute Bewölkungszunahme und Regen, weiter stetige Erwärmung, lebhafte Winde aus Süd bis Südwest.

Lokalnachrichten vom Tage.

Vom Staatstheater. Die Vorstellung Gräfin Mariza" am Sonnabend, den 17. No­vemberDauerkartenreihe AS beginnt nicht um 19% Uhr, sondern schon um 19 Uhr, Ende 22%. Uhr.

-r- Stumm schläft der Sänger". Zu dem von uns in der Ausgabe vom 30. Oktober unter gleicher Ueberschrist gebrachten Bericht über die Weihe des Gedenksteins für Georg Schade teilt uns der Mitteldeutsche Sängerbund mit, daß der Gedenkstein für Georg Schade nach dem Entwurf des Architekten Friedrich von Bildhauermeister Eichler in einem feinkörni­gen guten Sandstein in strenger Form ausge­führt worden ist.

-T-Mutter Hilgenberg" -f. Im Alter von 73 Jahren verstarb nach kurzem Krankenlager Frau Elise Hilgenberg, nachdem ihr vor eini­gen Monaten ihr Mann in den Tod vorausge- gangen war. Frau H. war eine den Kaflela- nern besonders den Besuchern des Wochen­marktes wohlbekannte Persönlichkeit. Konnte sie doch bereits von 1% Jahren ihr 50jähriges Geschäftsjubiläum als Gemüsehändlerin be­gehen. Stets in Hitze, Kälte, Regen und Schnee hat sie treu ihre zahlreiche Stammkundschaft be­dient, von der mancher beiMutter Hilgen­berg" schon von seinen Großeltern sein Obst bekam, wie er es fetzt an seinen Enkeln wie­derholt hat.

4- Unfall beim Straßenbau. Bei den Arbei­ten an der neuen Fuldaftraße geriet unweit der Grauen Katze" ein 48iähriger Arbeiter aus Waldau unter eine umstürzende Kipplore, wo­bei ibm das rechte Fußgelenk zersplittert wur­de. Der Schwerverletzte wurde durch die Sa- nitätsbauptwacke in das Landeskrankenhaus qehracht.

-r Das Mädchen für alles. Im Treppenhaus eines Hauses in bet Gartenstraße machte sich eine starke Rauchentwicklung bemerkbar, die von dem Keffel der Dampfheizung ausging. Der auf Anruf erschienene Rettungstrupp der Hauptfeuerwache öffnete, da die Gefahr einer

200 Äadre Haarformer-Äunft.

Die Jubelfeier der Raffelet Haarformer u. Perückenmacher-Zwangsinnung.

Im Säulenfaal der GaststätteStändehaus" versammelte sich am Sonntag vormittag eine stattliche Festgemeinde, um in eindrucksvoller Weise das zweihundertjäbrige Bestehen der Kas­seler Innung der Haarformer und Perücken­macher festlich zu begehen. Die Ausschmückung des Saales schuf einen feierlichen Rahmen, den die musikaltsche Untermalung durch das Kafleler Konzertorchester unter Heinrich Schröders Stab­führung wirkungsvoll zu vertiefen wußte. Hier hielt Obermeister H. Krug seine Festansprache

Die Haarformer-Gruppe blickt heute auf ein zweihundertjähriges Bestehen zurück. Gewiß seien diese zweihundert Jahre ein beständiger Kampf gewesen, aber man könne sagen, daß dieser Kamps doch zum großen Teil einen Sieg und einen Fortschritt in der Entwicklung des Gewerbes beoeute. Mit Hilfe dieser Organisa­tion sei es möglich gewesen, nicht nur die so­ziale Lage der Berufsgenossen zu heben und zu bessern, es fet gleichzeitig die technische und wirtschaftliche Entwicklung derart gefördert worden, daß das Handwerk unter allen andern als Kunsthandwerk mit an der Spitze mar­schiere Durch Fachschulen, Demonstrationen, durch ganz besonderen Fleiß und Streben ein­zelner Mitglieder sei es der Organisation ge­lungen, diese Fortschritte und diese Höhe zu er­reichen Ohne die Organisation wäre das un­möglich gewesen Deswegen dürfe das zwei- hundertjäbrige Bestehen als ein großes ge­schichtliches Ereignis gefeiert werden Es muffe festlich begangen werden, um Gesellschaft und Staat die Nützlichkeit und Notwendigkeit des Innungslebens zu zeigen und zu beweisen, und der jetzigen und kommenden Generation einen Ansporn zu geben, treu an dieser Organisation festzuhalten An die Vertreter aller anwesenden Behörden und Institutionen aber ergehe die Bitte, den Beruf auch künftighin tatkräftigst zu unterstützen. In großen Zügen schilderte dann der Führer der Kasseler Haarformer Werden und Entwicklung der Innung und schloß mit den Worten: Es ist gewiß eine würdige Auf­gabe der Enkel, die Tat der Väter,- die heute zum zweihundertsten Male sich jährt, durch Schaffung eines Symbols, unserer Fahne zu gedenken.

Von vier reizenden Pagen begleitet, wurde das neue, verhüllte Banner der Haarformer- Gruppe in der Zwangsinnung der Kafleler Fri­seure. Haarformer und Perückenmacher einge- sührt und weihevoll Hattet das feierlicheSank- tus" aus derDeutschen Mefle" von Schubert von einem Doppelquartett des Männergesang- vereinsLiederkranz" zum Vortrag gebracht, Uber die Festversammlung. In eindrucksvoller Rede gedachte Pfarrer Zeidler der Bedeutung des Tages, untersuchte die Frage, ob es recht sei, Feste zu feiern und kam zu dem Schluß, daß feierliches Gedenken berechtigt sei unter dem LeitwortTrotz dennoch!" Eins tue not, um dem Geist der Geschichte zu trotzen, dasEins fein" die Einigkeit, in der Zunft, wie im Volk. Es stehe schleckt um das deutsche Hand­werk darum gelte es zu feiern, nicht als die Fröhlichen, sondern nm festzustehen im Kampf des Handwerks und damit auch des ganzen Volkes Denn das Leben pulsiere in den Men­schen, nicht in Geldschränken und Maschinen So müfle auch das Handwerk verlangen, daß feine Lebensbedingungen gesichert bleiben.

In tiefer Ergriffenheit lauschte die Festver- sammlung dem weichen Bariton des Chorleiters Schleiden, dem die eindrucksvolle Weihe des neuen Banners folgte. Dann fiel die Hülle

und stolz stand das Zeichen der Haarformer vor der Festgemeinde. Auf dem tieftoten Un­tergrund der Vorderseite das Bild aus 1728, die Rokokodame mit der hohen Perücke, auf der lichtgelben Rückseite das Jahr 1928, die moder­ne Frau mit dem gepflegten Bubikopf.

Nach der Uedernahme des Banners durch Obermeister Krug eröffnete Regierungsrat Gießler als Vertreter der Staatsbehörden die lange Reihe der Gratulanten. Ihm schloflen sich an Stadtrat Dr. Paulmann. der die Glück­wünsche und Grüße der Stadtverwaltung überbrachte, Präsident Zimmermann für die Handwerkskammer, Ehrenobermeister Landtags­abgeordneter Kniest für den Jnnungsausschuß, der der Gruppe eine prachtvolle Fahnenschleife zum Festgefchcnk machte. In gleicher Weise übermittelten die Frauen der Innungsmitglie­der ihre Glückwünsche. Bundesvorsitzender Mül­ler-Berlin überreichte mit den Glückwünschen des Bundes der deutschen Damensriseure und Haarformer einen goldenen Fahnennagel Ihm schloflen sich die Vertreter der Bruderverine und der Kafleler Innungen an, Fahnennagel kam zu Fahnennagel.

Dem Festakt folgte im großen Saal ein Fest­essen, in dessen Verlauf Bundesvorsitzender Müller-Berlin eine große Zahl von Jnuungs- meistern mit der silbernen Bundesmedaillc auszeichnete lind einer Reihe von Gehilfinnen und Gehilfen für langjährige, treue Dienste bei einem Meister Ehrenurkunden des Bundes überreichte. Den Auftakt zu dem Festessen bil­dete ein lebendes Bild,Das heilige Abend­mahl" von Leonhardo da Vinei darstellend. Ihm schloß sich die Darstellung des für die In­nung bedeutsamsten Augenblicks an, Landgraf Karl überreicht im Jahre 1728 den führenden Meistern den Gildebrief.

* * *

Mode-Schaufrisieren.

Am Nachmittag bildete das angekündigte Mode-Schaufrisieren einen besonderen Anzie­hungspunkt Schon lange vor Beginn war der große Saal der GaststätteStändehaus" über­füllt Das Kafleler Konzertorchester wußte durch feine musikalifchen Darbietungen die Wartezeit auf das Angenehmste zu verkürzen. Dann tra­ten die Mitglieder der Haarsormerkommiffion in Aktion". Unter den flinken und geschickten Händen von B. Gallert. W. Grundmann, H Grütter, L. Hartmann, H Müller, E. Kattwin­kel, W. Roggendorf, Frau Schwan A. Schwan und F. Velke entsiand die für die moderne Frau unentbehrliche Frisur Da sah man halblange (nehenbei:halblang" ist die große Mode) Bubiköpfe,wassergewellt"dauerge­wellt" unneifenonduliert, Frisuren mit Um­schlagwellen", solche für den Nachmittag und für den Abend und besonders fabelhafteAuf­machungen" für die Gesellschaft. Reizende Mo­delle wußten die Kunstwerke aus Meisterhänden mit graziöser Würde vorzuführen. Das jede der vorgeführten Frisuren von der anwesenden Damenwelt kritisch betrachtet wurde, ist wohl zu verstehen, aber es gab nichts zu bemängeln, alle waren des Lobes voll. Kassels Haarformer sind Kunsthandwerker im besten Sinne.

Gesangsvorträge des GesangvereinsHar­monie" und Heinrich Schröders brave Mnsiker- schar wußten durch ihre Darbietungen der all­gemeinen Stimmung Rechnung zu tragen. Den Abschluß des Jubelfestes bildete ein flotter Ball, der die große Schar der Festteilnehmer noch für mehrere Stunden vereinte. -ee.

Keflelerplosion gegeben schien, die Sicherheits- t-entile des Kessels und sorgte für raschen Ab­zug des starken Qualms. Wozu die Feuerwehr doch alles gut ist.

Ein verhängnisvoller Zufall. An einem Umbaru in der Hohenzollernstr. ereignete sich ein eigenartiger, folgenschwerer Unfall. Aus dem dritten Stockwerk fiel ein schwerer, sogenannter

gerei im Gange, bei der der Arbeiter K. aui d»t Wolshagerstratze am Kopie verletzt wurde, Beim Eintreffen des Ueberfallkommandos Satt ten die Täter schon Reißaus genommen. Der Verletzte, der stark angetrunken war, wurde dem Karlshospiial zugeisihrl.

Wohin gehen wir am Dienstag?

Kleines Theater:DaS Kamel seht durch da«

Nadelöhr", 20 Uhr. _

Metiovol-Theater: Harro Piel inMann gegen Mann" und ..Vater werben ,ft mcht schwer". -

Apollo-Lichtspiele:Die KamelienLarne" undMaciüe und die chinesische Truhe".

Evang. Berein shaus: Kaufmännischer De« ein: Vortrag Prof. Dr. Feigel-DuisburgPolt« tik und Moral". 20.30 Uhr.

Letzte Depeschen.

Das Vertrauen ist ihm sicher.

Poincares Taktik vor der Kammer.

Paris, 12. November. (Eigener Drahtbericht.) Das neue Kabinett beschloß gestern, sich am Donnersmg der Kammer vorzustellen, nachdem es sich über alle Fragen, oie auf der Tagesord­nung stehen, geeinigt hat. tim diese Einigung $u erzielen, wird das Kabinett um Montag zusam» mentreten und auch an den nächsten Tagen Be­ratungen abhalten. Die Regierungserklärung in der Kammer dürfte von Poincare und im Se­nat von Barthou verlesen werden. Der Minister­präsident wird sich bereit finden, auf einige I n« terpellationen zu antworten, die von ra­dikaler und sozialistischer Seite eingebracht wur­den Die Aussprache dürfte mit der Annahme einer Vertrauenskundgebung abge­schlossen werden.

Rocb weiter noch rechts.

London, 12. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Die Ernennung Tardieus zum Innen­minister wird in politischen Kreisen als ein aus­gesprochener Ruck nach rechts bezeichnet. Tar- dieu sei eine ausgesprochene Kämpfer-Natur. Es sei zu erwarten, daß er in kurzer Zeit Soziali­sten und Radikalsozialisten in Aufruhr brin­gen werde. Man nimmt an, daß das neue Ka­binett auf eine Mehrheit von 6070 Stimmen in der Kammer rechnen kann.

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Die Linke gegen poincare.

Paris, 12. November. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt vermißt in Poincarös Kabinett die Radikalen und die Linke und schreibt: Wir fin­den in ihm diejenigen, die feit Jahren unauf­hörlich die Republikaner bekämpft und verleum­det haben. Der Geist der Besiegten aus den letz­ten Wahlen hat über den Beratungen biefer letzten 24 Stunden geschwebt. Ein anderes Blatt sagt: Die nationale Einigung dieser Kadaver, dem einige Leben einhauchen woll en, ist zu Grabe getragen. Der Poinrarö-Mythos ist zu­sammengebrochen.

Die Maschine macht alles brotlos.

Havanna, 12. November. Mehrere tausend Zigarettenarbeiter veranstalteten gestern eine Kundgebung gegen den zunehmenden Maschi­nenbetrieb in der Zigarrenindustrie. Sie mar­schierten in einem etwa 2 Meilen langen Zuge zum Präsidentenpalais und überreichten dort ein Protestschreiben.

Das « oder grab im brennenden Nino.

Moskau, 12. November. (Eigene Drahtmel­dung.s In Südrußland brach in einem stark be­suchten Kino während einer Kindervorstellung ein Brand aus. Viele Kinder find ums Leben gekommen. Hundert wurden verletzt.

Ein K-eve-HkiiwMei entöctfi?

London, 12. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Nach einer Meldung aus Kopenhagen, die mit Vorbehalt aufzunehmen sein dürfte, soll es dem Arzt Dr. Anders Frus gelungen sein, ein Heilmittel gegen den Krebs zu entdecken.

-W 'S ein Lvaffetrovrvruch anrichtel.

Maurerhaken" herab und traf einen im ersten Stock auf dem Gerüst beschäftigten Maurer mit großer Wucht ins Kreuz. Er erlitt mehrere schwere Verletzungen und wurde in sehr bedenk­lichem Zustande von der Hauptsanitätswache dem Landeskrankenhaus zugeführt.

Bom eigenen Fuhrwerk überfahren. In der Weserstraße wollte ein zweiundzwanzig­jähriger Fahrbursch auf feinen in Fahrt be­findlichen Wagen steigen, blieb jedoch hängen und geriet unter das Schuttfuhrwerk, das ihm über beide Beine ging Mit schweren Quet­schungen wurde der Verletzte durch die Arbei­tersamariter feiner Wohnung zugeführt.

-r- Kurzes Diebesglück. Am Sonnabend vor­mittag wurden vor der Toreinfahrt eines Ge­schäfts in der Karlstraße mehrere Pakete von einem Rollwagen abgeladen und zunächst in Der Toreinfahrt eingestellt. Als der Fuhrmann für einen Augenblick nach dem Hof gegangen war, um einen Handwagen zu holen, tarnen an der Toreinfahrt zwei arbeitslose Burschen vorbei, von denen der eine ein Paket an sich nahm und damit verschwand. In der Waisenhausstraße unterzog er das Paket einer Prüfung und entdeckte, daß sich darin eine Anzahl Damen­mäntel befanden. Gerade hatte er diese Fest­stellung gemacht, da erschien auch schon die Kri­minalpolizei und nahm ihn sest.

Ein rücksichtsloser Kraftfahrer. Ecke Ho- henzollernstraße und Viktoriastraße wurde eine Frau von einem Motorradfahrer angefahren und zu Boden geworfen. Sie klagte über Schmerzen im linken Bein, konnte aber ihren Weg allein fortsetzen Der Motorradfahrer, der Schuld haben soll, ist unerkannt weitergefahren, ohne sich um den Vorfall zu kümmern.

-i- Im Schatten der Rächt. In der Nacht zum Sonntag wurde das Ueberfallkommunoo der Schutzpolizei nach vem Weißen Hof gerufen. Dort hatte ein Schlosser einen Arbeitskollegen und dessen Begleiterin mit einem offenen Messer bedroht. Beim Eintreffen der Schutzpolizei war er verschwunden. Auch in der vergangenen Rächt mußte dar Ueberfallkommmrdo in Tätig­keit treten In der Schäfergasse war eine Schlä-

Berlm, 12. November. (Funktelegramm.) Durch einen Wafferrohrbruch wurde der Bürger- steig in der Breite einer Hausfront aufgerissen und die Kellerfront des Hauses eingedrückt. Per­sonen tarnen nicht zu Schaden. Das Haus mußte vollständig geräumt werden.

»fr Qlngenellie reuet ogs Thegierpublikum.

Prag, 12. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Im Luftspieltheater begannen am Sonntag infolge Kurzschlusses die Dekora­tionen zu brennen, wobei das Feuer ziemlich schnell um sich griff. Ein geistes­gegenwärtiger Angestellter ließ den Saal ruhig räumen, trotzdem er bis auf den letzten Platz gefüllt war, sodaß ni-mand verletzt wurde.

Griffe in die Äankkafse.

Dresden, 12. November. Bei Revisionen in der Buchhaltung eines Bankhauses wurde gro­ße Unregelmäßigkeit aufgedeckt, die ein in Mit­te der Dreißiger stehender Angestellter, vermut­lich schon feit Jahren begangen hat. Raffinier- tr Fälschungen haben ihm 15000 Mark einge- bracht. Vielleicht ergeben fich noch höhere Sum­men.

Das Erzgebirge im Winterkleib.

Altenburg, 12. November. (Privattelgramm.) Im östlichen Erzgebirge herrscht starker Schnee- fall. Der Schnee liegt auf den Höhen drei Zen­timeter hoch. Die Temperatur beträgt drei Grad unter Rull. Die ersten Skifahrer find einge­troffen.

Opfer ver Wettftabib'ondung.

Berlin, 12. November. (Funkdienst.) Beim Zufammenstoß zweier Kraftdrofchen wurden fünf Personen mehr oder weniger schwer uer­lebt. Ein Chauffeur trug eine Gehirnerschütte­rung davon. Ebenfalls um Mitternacht stürz­ten zwei Motorradfahrer so unglücklich, daß der eine auf der Stelle getötet und der andere schwer verletzt wurde. Heute flj stießen eben­falls zwei Kraftdroschken zusammen, wobei ein Fnfnffe die Kniescheibe brock.

Die heutige Nummer umlutzt 12 Selten.

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