Nr. 269. — 18. Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichte«
Dienstag, 13. November 1928.
sonate, weniger gelungen Vas Andame aus vem 6. Violinkonzert von Louis Spohr, das doch, trotzdem es mit großer Fingerferrigkett xe- meiste« wurve. ein Experiment blieb. Heinrich Möller spielte Mendelssohn und zwei Orgelchoräle von I. S. Hanfs ut gewohnter Bortrejs- lichkeit. Unter seinen Händen entströmen selbst den Orgeln von geringerer Qualität lind Größe die herrlichsten Melevien. In der Wahl der Register, die vom Komponisten dem Organisten überlasten ist und von diesem ein kunstvolles Gehör erfordert, bleibt Meister Möller unübertroffen. M-dt.
Die Aufgaben -er Frau.
Festabend der Evangelischen Frauenhilse.
Der Stadwerband Kastel der Evangelischen Frauenhilfe vereinte im großen Saal des Evangelischen Vereinshauses eine große Zahl evangelischer Männer und Frauen zu einem weihevollen Festabend, um des 445. Geburtstages des großen Reformators Dr. Martin Luther festlich zu gedenken. Nach dem Grußwort der Vorsitzenden Frau Kirchenrat E i f e n b e r g, gab Herr Hermann Stehsen unter der sicheren Begleitung von Fräulein M ü l l e - als Violinsolo das Adagio aus dem D-Dur-Konzert von Mozart. Große Wirkung erreichte auch der weihevolle Vortrag der Arie aus der Kantate Nr. 171 für Sopran (Fräulein Eva Lachmund), mit obl. Violine (Herr Stehfen) und Klavier (Fräulein Müller).
Zum Höhepunkt wurde die Festansprache von Generalsuperintendent D Fuchs über: Die Mission der evangelischen Frau in unserer Zeit." Durch die Einstellung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens aus die Interessen der Frau und der von ihr entfachte Konkurrenzkampf mit dem Manne sei die große Gefahr verbunden, daß dieselbe sich loslöse von den Schranken der Sitte und innerem Halt. Die Mission der evangelischen, erfahrenen Frau sei es, mit vollem Glauben, Freudigkeit und Bruderliebe sich auf den großen Arbeitsfeldern: Haus. Volksgemeinschaft und Kirche zu betätigen. Nachdem Fräulein L a ch m u n d mit ihrem wohlklingenden Sopran drei Lieder von Bach und Schubert gespendet hatte, schloß der Abend nach einem Schlußwort von Frau Geheimrat Orth mit einem gemeinsamen Lied. -i-
Die Tragödie einer ^allnacht
Das Kleine Theater versendet eine Lokalnotiz
Das Kleine Theater Kastel versendet diese Lokalnotiz:
„Infolge Erkrankung des Hauptdarstellers mußte das Operettengastspiel „Eine Ballnacht" für die folgenden Tage abgesctzi werden. Es gelangt dafür „Das Kamel geht durch das Nadelöhr", Lustspiel von Frantisek Langer, zur Aufführung."
Zu den Dingen zwischen Himmel und Erde, von denen sich unfere Schulweisheit nichts träumen läßt, gehörte auch diese einmalige Auf- führung der Operette „Eine Ballnacht" durch die „Frankfurter" Operettendirektion Kötschau Man weiß nicht, wem man eine derartige Verantwortungslosigkeit und ein solches Vaban- que-SPiel mit der Gunst des Publikums, dem man Eintrittspreise von einer bis fünf Mark abverlangte, zutrauen kann. Selbst Entschuldi- fiungen, daß man über die Qualität des En- embles nicht unterrichtet War, können nicht gel ten. da nach einer der Vorstellung vorausgehenden Probe Zeit genug war. die Ballnacht abzublasen
Ueber die Aufführung selbst, die in ihrer Unzulänglichkeit dem Publikum ein ungeirübies Vergnügen bereitete, nur ein Wort zu verlieren wäre zwecklos Herr Kötschau und Ensemble haben es vorgezopen, die Auswirkungen diesei Tragödie einer Ballnacht auf andern Schultern ruhen zu lasten.
Um mit Schiller zu reden: „Sie sind zu Schiff nach Frank . . .surf. -schk.
Samariter-Dienst.
Sin Monat Hilfsdienst der Arbeiter-Samariter.
Die Tätigkeit des Arbeiter-Samariter-Bun- des Kastel war auch im Monat Oktober eine sehr rege. Mittelst Kraftwagen wurden an Transporten ausgesührt 182, davon 10 nach und 42 von auswärts und 33 Unfälle. Aus der Sanitätswache Waisenhausstraße wurden in 73 Fällen erste Hilse geleistet. Richt angeführt sind die zahlreichen Hilfeleistungen der Einzelmtt- glieder, sowie die gestellten Kommandos. Tre Sanitätswache Waisenhausstraße 28 ist Tag und Nacht geöffnet und stets unter Telefon Nr. 4975 zu erreichen.
Gin „finsterer" Tag.
Schnee, Rege« und Sonnenfinsternis.
Die schöne schwarze Glasplatte, die heute morgen in Aktion treten sollte, wurde soeben vom Redaktionskater zur Schwärzung der ange- grauten Schnurrbarthaare benutzt. Womit dokumentiert fein soll, daß auS der mit großem wissenschaftlichen Pomp angekündigten Sonnen- flnsiernis leider nichts geworden ist. Vielleicht hat sie aber wirklich stattgefunden, dunkel genug war's wenigstens. Tenn feit Sonnabend schon treiben Schneewolken über Kastel. Wilhelmshöhe, und in den frühen Morgenstunden deS Sonntag au.b die Zmot. hüllten sich zum ersten Male in ein Winterkleid, weiß leuchtete es von den Höhen des Habichtswaldes und am Hohen GraS gar erreichte die Schneedecke eine Höhe von vier Zentimetern. Richt allzulange dauerte allerdings die Herrlichkeit. bald setzte leiser Regen ein und auch oben in des Berggeists Reich tropfte das Zuckerwerk bltiern Tränen gleich in den langsam vergehenden Weihnachtszauber... -schk.
Der Frankfurter Wetterdienst meldet:
Der milde Südweststrom auf der Vorderseite der atlantischen Zvklone gewinnt an Regen und wird unter Verdrängung der noch vorhandenen Kaltluft die Temperaturen weiter steigen lasten Während des dabei auftretenden Drucksalles kommt es zu verbreiteten und ergiebigen Nie- derschlägen. welche durch vorübergehende Aufheiterung bei steigendem Barometer abgelöst
werden. Im Ganzen erhält sich die so wechselnde Witterung große Beständigkeit.
Vorhersage bis Dienstag abend:
Rach vorübergehender Besserung, die teilweise auch von Aufheiterung begleitet ist, erneute Bewölkungszunahme und Regen, weiter stetige Erwärmung, lebhafte Winde aus Süd bis Südwest.
Lokalnachrichten vom Tage.
Vom Staatstheater. Die Vorstellung „Gräfin Mariza" am Sonnabend, den 17. November —Dauerkartenreihe AS — beginnt nicht um 19% Uhr, sondern schon um 19 Uhr, Ende 22%. Uhr.
-r- Stumm schläft der Sänger". Zu dem von uns in der Ausgabe vom 30. Oktober unter gleicher Ueberschrist gebrachten Bericht über die Weihe des Gedenksteins für Georg Schade teilt uns der Mitteldeutsche Sängerbund mit, daß der Gedenkstein für Georg Schade nach dem Entwurf des Architekten Friedrich von Bildhauermeister Eichler in einem feinkörnigen guten Sandstein in strenger Form ausgeführt worden ist.
-T- „Mutter Hilgenberg" -f. Im Alter von 73 Jahren verstarb nach kurzem Krankenlager Frau Elise Hilgenberg, nachdem ihr vor einigen Monaten ihr Mann in den Tod vorausge- gangen war. Frau H. war eine den Kaflela- nern besonders den Besuchern des Wochenmarktes wohlbekannte Persönlichkeit. Konnte sie doch bereits von 1% Jahren ihr 50jähriges Geschäftsjubiläum als Gemüsehändlerin begehen. Stets in Hitze, Kälte, Regen und Schnee hat sie treu ihre zahlreiche Stammkundschaft bedient, von der mancher bei „Mutter Hilgenberg" schon von seinen Großeltern sein Obst bekam, wie er es fetzt an seinen Enkeln wiederholt hat.
4- Unfall beim Straßenbau. Bei den Arbeiten an der neuen Fuldaftraße geriet unweit der „Grauen Katze" ein 48iähriger Arbeiter aus Waldau unter eine umstürzende Kipplore, wobei ibm das rechte Fußgelenk zersplittert wurde. Der Schwerverletzte wurde durch die Sa- nitätsbauptwacke in das Landeskrankenhaus qehracht.
-r Das Mädchen für alles. Im Treppenhaus eines Hauses in bet Gartenstraße machte sich eine starke Rauchentwicklung bemerkbar, die von dem Keffel der Dampfheizung ausging. Der auf Anruf erschienene Rettungstrupp der Hauptfeuerwache öffnete, da die Gefahr einer
200 Äadre Haarformer-Äunft.
Die Jubelfeier der Raffelet Haarformer u. Perückenmacher-Zwangsinnung.
Im Säulenfaal der Gaststätte „Ständehaus" versammelte sich am Sonntag vormittag eine stattliche Festgemeinde, um in eindrucksvoller Weise das zweihundertjäbrige Bestehen der Kasseler Innung der Haarformer und Perückenmacher festlich zu begehen. Die Ausschmückung des Saales schuf einen feierlichen Rahmen, den die musikaltsche Untermalung durch das Kafleler Konzertorchester unter Heinrich Schröders Stabführung wirkungsvoll zu vertiefen wußte. Hier hielt Obermeister H. Krug seine Festansprache
Die Haarformer-Gruppe blickt heute auf ein zweihundertjähriges Bestehen zurück. Gewiß seien diese zweihundert Jahre ein beständiger Kampf gewesen, aber man könne sagen, daß dieser Kamps doch zum großen Teil einen Sieg und einen Fortschritt in der Entwicklung des Gewerbes beoeute. Mit Hilfe dieser Organisation sei es möglich gewesen, nicht nur die soziale Lage der Berufsgenossen zu heben und zu bessern, es fet gleichzeitig die technische und wirtschaftliche Entwicklung derart gefördert worden, daß das Handwerk unter allen andern als Kunsthandwerk mit an der Spitze marschiere Durch Fachschulen, Demonstrationen, durch ganz besonderen Fleiß und Streben einzelner Mitglieder sei es der Organisation gelungen, diese Fortschritte und diese Höhe zu erreichen Ohne die Organisation wäre das unmöglich gewesen Deswegen dürfe das zwei- hundertjäbrige Bestehen als ein großes geschichtliches Ereignis gefeiert werden Es muffe festlich begangen werden, um Gesellschaft und Staat die Nützlichkeit und Notwendigkeit des Innungslebens zu zeigen und zu beweisen, und der jetzigen und kommenden Generation einen Ansporn zu geben, treu an dieser Organisation festzuhalten An die Vertreter aller anwesenden Behörden und Institutionen aber ergehe die Bitte, den Beruf auch künftighin tatkräftigst zu unterstützen. In großen Zügen schilderte dann der Führer der Kasseler Haarformer Werden und Entwicklung der Innung und schloß mit den Worten: Es ist gewiß eine würdige Aufgabe der Enkel, die Tat der Väter,- die heute zum zweihundertsten Male sich jährt, durch Schaffung eines Symbols, unserer Fahne zu gedenken.
Von vier reizenden Pagen begleitet, wurde das neue, verhüllte Banner der Haarformer- Gruppe in der Zwangsinnung der Kafleler Friseure. Haarformer und Perückenmacher einge- sührt und weihevoll Hattet das feierliche „Sank- tus" aus der „Deutschen Mefle" von Schubert von einem Doppelquartett des Männergesang- vereins „Liederkranz" zum Vortrag gebracht, Uber die Festversammlung. In eindrucksvoller Rede gedachte Pfarrer Zeidler der Bedeutung des Tages, untersuchte die Frage, ob es recht sei, Feste zu feiern und kam zu dem Schluß, daß feierliches Gedenken berechtigt sei unter dem Leitwort „Trotz dennoch!" Eins tue not, um dem Geist der Geschichte zu trotzen, das „Eins fein" — die Einigkeit, in der Zunft, wie im Volk. Es stehe schleckt um das deutsche Handwerk darum gelte es zu feiern, nicht als die Fröhlichen, sondern nm festzustehen im Kampf des Handwerks und damit auch des ganzen Volkes Denn das Leben pulsiere in den Menschen, nicht in Geldschränken und Maschinen So müfle auch das Handwerk verlangen, daß feine Lebensbedingungen gesichert bleiben.
In tiefer Ergriffenheit lauschte die Festver- sammlung dem weichen Bariton des Chorleiters Schleiden, dem die eindrucksvolle Weihe des neuen Banners folgte. Dann fiel die Hülle
und stolz stand das Zeichen der Haarformer vor der Festgemeinde. Auf dem tieftoten Untergrund der Vorderseite das Bild aus 1728, die Rokokodame mit der hohen Perücke, auf der lichtgelben Rückseite das Jahr 1928, die moderne Frau mit dem gepflegten Bubikopf.
Nach der Uedernahme des Banners durch Obermeister Krug eröffnete Regierungsrat Gießler als Vertreter der Staatsbehörden die lange Reihe der Gratulanten. Ihm schloflen sich an Stadtrat Dr. Paulmann. der die Glückwünsche und Grüße der Stadtverwaltung überbrachte, Präsident Zimmermann für die Handwerkskammer, Ehrenobermeister Landtagsabgeordneter Kniest für den Jnnungsausschuß, der der Gruppe eine prachtvolle Fahnenschleife zum Festgefchcnk machte. In gleicher Weise übermittelten die Frauen der Innungsmitglieder ihre Glückwünsche. Bundesvorsitzender Müller-Berlin überreichte mit den Glückwünschen des Bundes der deutschen Damensriseure und Haarformer einen goldenen Fahnennagel Ihm schloflen sich die Vertreter der Bruderverine und der Kafleler Innungen an, Fahnennagel kam zu Fahnennagel.
Dem Festakt folgte im großen Saal ein Festessen, in dessen Verlauf Bundesvorsitzender Müller-Berlin eine große Zahl von Jnuungs- meistern mit der silbernen Bundesmedaillc auszeichnete lind einer Reihe von Gehilfinnen und Gehilfen für langjährige, treue Dienste bei einem Meister Ehrenurkunden des Bundes überreichte. Den Auftakt zu dem Festessen bildete ein lebendes Bild, „Das heilige Abendmahl" von Leonhardo da Vinei darstellend. Ihm schloß sich die Darstellung des für die Innung bedeutsamsten Augenblicks an, Landgraf Karl überreicht im Jahre 1728 den führenden Meistern den Gildebrief.
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Mode-Schaufrisieren.
Am Nachmittag bildete das angekündigte Mode-Schaufrisieren einen besonderen Anziehungspunkt Schon lange vor Beginn war der große Saal der Gaststätte „Ständehaus" überfüllt Das Kafleler Konzertorchester wußte durch feine musikalifchen Darbietungen die Wartezeit auf das Angenehmste zu verkürzen. Dann traten die Mitglieder der Haarsormerkommiffion in „Aktion". Unter den flinken und geschickten Händen von B. Gallert. W. Grundmann, H Grütter, L. Hartmann, H Müller, E. Kattwinkel, W. Roggendorf, Frau Schwan A. Schwan und F. Velke entsiand die für die moderne Frau unentbehrliche Frisur Da sah man halblange (nehenbei: „halblang" ist die große Mode) Bubiköpfe, „wassergewellt" „dauergewellt" unn „eifenonduliert, Frisuren mit Umschlagwellen", solche für den Nachmittag und für den Abend und besonders fabelhafte „Aufmachungen" für die Gesellschaft. Reizende Modelle wußten die Kunstwerke aus Meisterhänden mit graziöser Würde vorzuführen. Das jede der vorgeführten Frisuren von der anwesenden Damenwelt kritisch betrachtet wurde, ist wohl zu verstehen, aber es gab nichts zu bemängeln, alle waren des Lobes voll. Kassels Haarformer sind Kunsthandwerker im besten Sinne.
Gesangsvorträge des Gesangvereins „Harmonie" und Heinrich Schröders brave Mnsiker- schar wußten durch ihre Darbietungen der allgemeinen Stimmung Rechnung zu tragen. Den Abschluß des Jubelfestes bildete • ein flotter Ball, der die große Schar der Festteilnehmer noch für mehrere Stunden vereinte. -ee.
Keflelerplosion gegeben schien, die Sicherheits- t-entile des Kessels und sorgte für raschen Abzug des starken Qualms. Wozu die Feuerwehr doch alles gut ist.
Ein verhängnisvoller Zufall. An einem Umbaru in der Hohenzollernstr. ereignete sich ein eigenartiger, folgenschwerer Unfall. Aus dem dritten Stockwerk fiel ein schwerer, sogenannter
gerei im Gange, bei der der Arbeiter K. aui d»t Wolshagerstratze am Kopie verletzt wurde, Beim Eintreffen des Ueberfallkommandos Satt ten die Täter schon Reißaus genommen. Der Verletzte, der stark angetrunken war, wurde dem Karlshospiial zugeisihrl.
Wohin gehen wir am Dienstag?
Kleines Theater: „DaS Kamel seht durch da«
Nadelöhr", 20 Uhr. „ _
Metiovol-Theater: Harro Piel in „Mann gegen Mann" und ..Vater werben ,ft mcht schwer". -
Apollo-Lichtspiele: „Die KamelienLarne" und „Maciüe und die chinesische Truhe".
Evang. Berein shaus: Kaufmännischer De« ein: Vortrag Prof. Dr. Feigel-Duisburg „Polt« tik und Moral". 20.30 Uhr.
Letzte Depeschen.
Das Vertrauen ist ihm sicher.
Poincares Taktik vor der Kammer.
Paris, 12. November. (Eigener Drahtbericht.) Das neue Kabinett beschloß gestern, sich am Donnersmg der Kammer vorzustellen, nachdem es sich über alle Fragen, oie auf der Tagesordnung stehen, geeinigt hat. tim diese Einigung $u erzielen, wird das Kabinett um Montag zusam» mentreten und auch an den nächsten Tagen Beratungen abhalten. Die Regierungserklärung in der Kammer dürfte von Poincare und im Senat von Barthou verlesen werden. Der Ministerpräsident wird sich bereit finden, auf einige I n« terpellationen zu antworten, die von radikaler und sozialistischer Seite eingebracht wurden Die Aussprache dürfte mit der Annahme einer Vertrauenskundgebung abgeschlossen werden.
Rocb weiter noch rechts.
London, 12. November. (Eigener Drahtbericht.) Die Ernennung Tardieus zum Innenminister wird in politischen Kreisen als ein ausgesprochener Ruck nach rechts bezeichnet. Tar- dieu sei eine ausgesprochene Kämpfer-Natur. Es sei zu erwarten, daß er in kurzer Zeit Sozialisten und Radikalsozialisten in Aufruhr bringen werde. Man nimmt an, daß das neue Kabinett auf eine Mehrheit von 60—70 Stimmen in der Kammer rechnen kann.
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Die Linke gegen poincare.
Paris, 12. November. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt vermißt in Poincarös Kabinett die Radikalen und die Linke und schreibt: Wir finden in ihm diejenigen, die feit Jahren unaufhörlich die Republikaner bekämpft und verleumdet haben. Der Geist der Besiegten aus den letzten Wahlen hat über den Beratungen biefer letzten 24 Stunden geschwebt. Ein anderes Blatt sagt: Die nationale Einigung dieser Kadaver, dem einige Leben einhauchen woll en, ist zu Grabe getragen. Der Poinrarö-Mythos ist zusammengebrochen.
Die Maschine macht alles brotlos.
Havanna, 12. November. Mehrere tausend Zigarettenarbeiter veranstalteten gestern eine Kundgebung gegen den zunehmenden Maschinenbetrieb in der Zigarrenindustrie. Sie marschierten in einem etwa 2 Meilen langen Zuge zum Präsidentenpalais und überreichten dort ein Protestschreiben.
Das « oder grab im brennenden Nino.
Moskau, 12. November. (Eigene Drahtmeldung.s In Südrußland brach in einem stark besuchten Kino während einer Kindervorstellung ein Brand aus. Viele Kinder find ums Leben gekommen. Hundert wurden verletzt.
Ein K-eve-HkiiwMei entöctfi?
London, 12. November. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einer Meldung aus Kopenhagen, die mit Vorbehalt aufzunehmen sein dürfte, soll es dem Arzt Dr. Anders Frus gelungen sein, ein Heilmittel gegen den Krebs zu entdecken.
-W 'S ein Lvaffetrovrvruch anrichtel.
„Maurerhaken" herab und traf einen im ersten Stock auf dem Gerüst beschäftigten Maurer mit großer Wucht ins Kreuz. Er erlitt mehrere schwere Verletzungen und wurde in sehr bedenklichem Zustande von der Hauptsanitätswache dem Landeskrankenhaus zugeführt.
Bom eigenen Fuhrwerk überfahren. In der Weserstraße wollte ein zweiundzwanzigjähriger Fahrbursch auf feinen in Fahrt befindlichen Wagen steigen, blieb jedoch hängen und geriet unter das Schuttfuhrwerk, das ihm über beide Beine ging Mit schweren Quetschungen wurde der Verletzte durch die Arbeitersamariter feiner Wohnung zugeführt.
-r- Kurzes Diebesglück. Am Sonnabend vormittag wurden vor der Toreinfahrt eines Geschäfts in der Karlstraße mehrere Pakete von einem Rollwagen abgeladen und zunächst in Der Toreinfahrt eingestellt. Als der Fuhrmann für einen Augenblick nach dem Hof gegangen war, um einen Handwagen zu holen, tarnen an der Toreinfahrt zwei arbeitslose Burschen vorbei, von denen der eine ein Paket an sich nahm und damit verschwand. In der Waisenhausstraße unterzog er das Paket einer Prüfung und entdeckte, daß sich darin eine Anzahl Damenmäntel befanden. Gerade hatte er diese Feststellung gemacht, da erschien auch schon die Kriminalpolizei und nahm ihn sest.
Ein rücksichtsloser Kraftfahrer. Ecke Ho- henzollernstraße und Viktoriastraße wurde eine Frau von einem Motorradfahrer angefahren und zu Boden geworfen. Sie klagte über Schmerzen im linken Bein, konnte aber ihren Weg allein fortsetzen Der Motorradfahrer, der Schuld haben soll, ist unerkannt weitergefahren, ohne sich um den Vorfall zu kümmern.
-i- Im Schatten der Rächt. In der Nacht zum Sonntag wurde das Ueberfallkommunoo der Schutzpolizei nach vem Weißen Hof gerufen. Dort hatte ein Schlosser einen Arbeitskollegen und dessen Begleiterin mit einem offenen Messer bedroht. Beim Eintreffen der Schutzpolizei war er verschwunden. Auch in der vergangenen Rächt mußte dar Ueberfallkommmrdo in Tätigkeit treten In der Schäfergasse war eine Schlä-
Berlm, 12. November. (Funktelegramm.) Durch einen Wafferrohrbruch wurde der Bürger- steig in der Breite einer Hausfront aufgerissen und die Kellerfront des Hauses eingedrückt. Personen tarnen nicht zu Schaden. Das Haus mußte vollständig geräumt werden.
»fr Qlngenellie reuet ogs Thegierpublikum.
Prag, 12. November. (Eigene Drahtmeldung.) Im Luftspieltheater begannen am Sonntag infolge Kurzschlusses die Dekorationen zu brennen, wobei das Feuer ziemlich schnell um sich griff. Ein geistesgegenwärtiger Angestellter ließ den Saal ruhig räumen, trotzdem er bis auf den letzten Platz gefüllt war, sodaß ni-mand verletzt wurde.
Griffe in die Äankkafse.
Dresden, 12. November. Bei Revisionen in der Buchhaltung eines Bankhauses wurde große Unregelmäßigkeit aufgedeckt, die ein in Mitte der Dreißiger stehender Angestellter, vermutlich schon feit Jahren begangen hat. Raffinier- tr Fälschungen haben ihm 15000 Mark einge- bracht. Vielleicht ergeben fich noch höhere Summen.
Das Erzgebirge im Winterkleib.
Altenburg, 12. November. (Privattelgramm.) Im östlichen Erzgebirge herrscht starker Schnee- fall. Der Schnee liegt auf den Höhen drei Zentimeter hoch. Die Temperatur beträgt drei Grad unter Rull. Die ersten Skifahrer find eingetroffen.
Opfer ver Wettftabib'ondung.
Berlin, 12. November. (Funkdienst.) Beim Zufammenstoß zweier Kraftdrofchen wurden fünf Personen mehr oder weniger schwer uerlebt. Ein Chauffeur trug eine Gehirnerschütterung davon. Ebenfalls um Mitternacht stürzten zwei Motorradfahrer so unglücklich, daß der eine auf der Stelle getötet und der andere schwer verletzt wurde. Heute f—lj stießen ebenfalls zwei Kraftdroschken zusammen, wobei ein Fnfnffe die Kniescheibe brock.
Die heutige Nummer umlutzt 12 Selten.
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