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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Anzeigengkette: ümbeimiidje GeichüiiSanzeigen bte mm-Zeile 10 J. auswärtige iSeichäftSanzeigen bie mm.feile 10 X. KamiUenanzeigen btt mm-Betk 10 4 Kleine il«eigen an# Raffel ba# Kon 6 X. auetcanige «leine Anzeigen bie mm« Seile 10 X ileflamen bie mm-.feilt *f X. Offertgebübr 35 4 Ibei Suftellung f5 4i. SlechnungsbetrSge innerhalb 5 tagen wblbat Kür bte Nichtigkeit aller Lurch Kernfvrecher aufgegebenen Anzeigen foroie für Aufnabmebaten und Platze kann nicht aarantierl werben. Kür Anzeigen mit befonbrr# fchwierigem Satz 10V Prozent Auffchlag Druckerei: Echlaibibofftr 3R/S0 AefchSfiSftelle: fiöln Str 6.

Freitag, 9. November 1928

18. Iahraan

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Nummer 266 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

England verschärft das Luft-Wettrüsten.

Mißtrauen in Paris gegen Hoover / Sin Ehrentag für das deutsche Auto.

2m Süden nicht besser.

Kabinettstoirrwarr unter Balkanszeptern.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Auf dem innerpolitischen Kriegsschauplatz in Rumänien hat die liberale Regierung eben einen Schachzug versucht, von dem man noch nicht weiß, ob er eine verlorene oder gewon­nene Schlacht bedeuten wird. Ministerpräsident Bratianu ist zuriickgctreten, weil ibm der Re­gentschaftsrat Vollmachten zum Abschluß der Stabilisierungs-Anleihe verweigert hat. Auch eine Regierung dernationalen Zu­sammenarbeit" hat der Regentschastsral ab- gelehnt, weil die Bauernpartei, die sogenann­ten National-Zaranisten sich nicht zur Teil­nahme an der Regierung bereit sanden. Ihr Führer Maniu ist bei demNiemals" ge­blieben. das er im Sommer auf der großen Karlsburger Versammlung der National-Zara­nisten der gegenwärtigen Regierung entgegen« rief. Die Regentschaft möchte aber auch der Auf­lösung des Parlaments und den freienNeu­wahlen, die Maniu verlangt, gerne ausweichen Ihre Idee ist gleichfalls dieSammelreaierung" mit einer parteipolitisch möglichst wenig abge­stempelten Persönlichkeit an der Spitze. Die Sammelregierung aber würde Beibehaltung des gegenwärtigen, mit Hilfe des liberalen Wahlterrors gewählten Parlaments be­deuten. Man muß sich dazu vergegenwärtigen, aus wem die Regentschaft besteht: aus dem Prinzen Nikolaus, der kürzlich auch mit einer ihm nicht angetrauten Dame ins Ausland ge­reist war und nicht ohne Schwierigkeiten zur Rückkehr bewogen wurde, aus dem Patriarchen der rumänischen Kirche und aus dem Präsiden­ten des Obersten Gerichtshofes. Diese drei tnnerpolitischen Persönlichkeiten haben bei frei­en Wahlen mit unberechenbaren Möglichkeiten zu rechnen. Wirklich freie Wahlen hat es in Rumänien noch kaum je gegeben. Die beiden gewöhnlichen Methoden sind die, daß opposi­tionelle Wähler durch die Gendarmerie verhin­dert werden, das Wahllokal zu betreten, oder daß die Vertrauensleute der Regierung am Ort nach geschehener Wahlhandlung, unter möglich­ster Fernhaltung Neugieriger, die Wahlurnen öffnen und entweder die Wahlzettel der Oppo­sition herausnehmen, oder soviel für die Re­gierungspartei hineinlegen wie nötig sind, um die Mehrheit zu erzielen. Was passieren würde wenn die Polizei sich einmal neutral verhielte, und wenn wirklich die Zettel so gezählt wür­den. wie sie in di« Urnen hineingetan wurden, kann kein Mensch in Rumänien sagen Da die große Mehrheit der Wähler aus unzufrie­denen Bauern im rumänischen Altreich und aus der ebenso sehr unzufriedenen Gesamt­bevölkerung in den neuen Provinzen besteht, so würden die National-Zaranisten bei freier Wahl wahrscheinlich mit erdrückender Mehrheit ins Parlament einziehen, d. h. das Parlament würde in der Hauptsache eine Bauerndersamm- lung werden und 1012 Prozent der Abgeord­neten würden den verschiedenen nationalen Minderheiten angehören. Gibt eS doch in Ru­mänien allein 800000 Deutsche und etwa 1% Millionen Magvaren. Die Parole der Natio­nal-Zaranisten heißt: Für Kulturarbeit, für Bauernhebung, gegen Ausbeutung, gegen Korruption. Was den letzteren Punkt be­trifft, so weiß in Rumänien selbst jeder Mensch Bescheid. Hat doch z. B. der Engländer Keynes sogar vor einer Anleihe an Rumänien ge­warnt. da die Machthaber das Geld sofort unter sich verteilen würden.

Auch in Iugoslavien dauert die Lähmung der Politik durch den Riß zwischen den neuen und alten Gebieten fort. Die Forderung der Opposition ist formal dieselbe, wie in Rumä­nien: unbeeinflußte Neuwahl u. vor­der Rücktritt der Regierung. Es mutz betont werden, daß es sich nicht etwa nur um eine Opposition der Kroaten handelt, sondern daß auch die von Serben bevölkerten Gebiete im srüheren Oesterreich-Ungarn gegen das Belgra­der Regiment protestieren. Freie Wahlen wür­den in Iugoslavien den Vertretern der neuen Gebiete di« Mehrheit über die Altser­ben, die f»genanntenSerbianer", geben und damit der bisber herrschenden radikalen Par­tei, der Schöpfung des verstorbenen Diktators Paschitsch. die Herrschaft kosten. In Rumänien wie in Serbien sind die neuen Gebiete kulti­vierter als die alten, ausgenommen etwa Ma­zedonien. wo dafür die Erbitterung gegen Bel­grad besonders groß ist. Man sagt den Radi­kalen nach, daß sie lieber ganz auf Kroatien ver­zichten würden, als sich, nach einer Neuwabl, durch die .Leute von Drüben" in Verbindung mit unzufriedenen altserbischen Elementen in

die Minderheit versetzen lassen. Es fehlt auch nicht an Gerüchten, die Mussolini den Plan zuschreiben, aus einer Trennung Kroa­tiens, der Slovenien aus geographischen Gründen automatisch folgen müßte, Kapital für Italien zu schlagen, und zwar so. daß ein Teil von Slovenien italienisch, ein anderer kroatisch würde. Bei diesen Kombinationen dürfte aller­dings Paris auch noch ein Wörtchen mitreden.

Wo England sterblich ist.

Gigantische Luftrüstungen in Sicht.

London, 8. Noveinber. (Eigene Drahtmel- dung.) Auf Grund der Luftmanöver wird das Luftministerium die Mittel für die Errichtung von mindestens zwei neuen Fluggeschwa­dern, das eine für die Grafschaft York, das an­dere für den Süden Englands, anfordern. Drei weitere Geschwader für die nahe Zukunft werden weiter benötigt, da die Angrifsfe beim letzten Lustmanöver erfolgreich gewesen sind. Auch die Presse hatte nachdrücklich der Verstär­kung der britischen Lnftstreitkräfte gegen An­griffe aus der Luft das Wort geredet.

poincarö ober Briand?

Katze- und Mausspiel um das Kabinett.

Paris, 8. November. Ein Blatt will wissen, daß Poincars die Kabinettsbildung ablehnen wird und schon seinen Auszug vorbereitet. Aehn- lich äußert sich der journalistische Vertrauens­mann Poincares Marcell Hutin, da Poinre-is von keiner seiner Programmforderungen abgehen könne. Poinrars finde außerdem, daß die Hal­tung der Finanzkommisfion und die Haltung des Parteitages von Angers es nicht ermöglichten, von dieser Seite her Erleichterungen zu erhoffen. Ein anderes Blatt

glaubt, daß auch Tardieu

der von Poinrars selbst als sein Nachfolger be­trachtet wird, ein Angebot ablehnen werde. In diesem Falle dürfte B r i a n d mit der Bil­dung eines Ministeriums der breiten republika­nischen Konzentration beauftragt werden. Erst wenn B r i a n d scheitern sollte, dürfte sich Poin- cars wieder zur Neubildung bereitfinden. Einem weiteren Blatt zufolge dürste auch Briand erst nach dem Scheitern von zwei oder drei Persön­lichkeiten bei einem neuen Appell seine Meinung ändern.

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Die nächsten B Werber.

Paris, 8. November. Ein Blatt ist der An­sicht, daß der Staatspräsident heute an den Patriotismus Poincarss appellie­ren wird, von dem das ganze Land die Krönung des Werkes erwartet, dem er alle feine Kräfte gewidmet hat. Wird Poineare sich aber überzeugen lassen? Und wenn sein Nachfolger Henry Tardieu wäre, wird dieser die Aufgabe übernehmen? Wir glauben es nicht. Dann würde Briand und der Gedanke eines Ministeriums weitgehender republikanischer Kon­zentration übrig bleiben.

Mit Hoover nichts gewonnen.

Wie Paris sich zum neuen Präsidenten stellt.

Paris, 8. November. (Eigener Drahtbericht) Zur Wahl Hoovers schreibt die Morgenpresse: Hoover neigt überaus dazu, Europa als einen schlechtorganisierten Kontinent und wegen sei­ner nationalen Denkweise als einen ständigen wirtschaftlichen Skandal anzufeheu. Er möge nicht vergessen, daß neben den Schul­den gewisse zivilisatorische Eigenschaften vorhanden sind. Hoover ist jetzt nicht mehr der Handelsminister Coolidges. Er ist Herr seiner Initiative. Er sei durch nichts gebunden als durch fein Temperament und durch sein Gewis­sen. Seine Politik wird, wenn möglich,

noch amerikanischer .-ein als die Coolidges. vielleicht sogarYankee-Politik" schlechtweg. Tie Monroe-Doktrin wird die allmähliche Bevor­mundung Mittel- und Südame- rikas legitimieren. Europa wird immer mehr als eine ferne Kolonie erscheinen, der man seine Waren aufzwingen muß und in der man seine Kapitalien anlegen kann. Das Gewerk­schaftsblatt meint, Hoover müßte eigentlich aus Grund seiner Lebensmittelversorgungsaktion im Kriege für Europa zugänglicher sein. Man läuft da Gefahr, sich eine neue Illusion nach so vielen anderen zu machen. Was man von Hoo- der eknnt, berechtigt kaum zu solchen Illusionen. Hoover gehört zu den Amerikanern, die die Prosperität als eine

Rechtfertigung für Amerikas Isolierung ansehen. Ein anderes Matt erinnert daran, daß

Hoover sich gegen die Herabsetzung der ameria- nischen Ansprüche an die europäischen Schuldner ausgesprochen hat. Nur ein Blatt urteilt: Hoo­ver ist zu verbunden mit den wirtschaft­lichen und finanziellen Fragen, um nicht zu er­kennen, daß früher oder später die Prosperität Amerias von der Wiederherstellung eines nor­malen Austausches mit dem neuen Kon­tinent abhängen wird.

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Borah wird Außenminister? Moskau scheidet ihn von Hoover.

Paris, 8. November. (Eigene Drahtmeldung.! Einer Meldung aus Newyork zufolge, gedenkt Hoover Senator William Borah, den Vorsitzen­den der Auswärtigen Senats-Kommission, zum Staatssekretär zu ernennen, obwohl ihre außenpolitischen Ansichten bekanntlich in man­chen Punkten auseinander gehen. Borah setzt sich zum Beispiel für die Anerkennung Sowjetrußlands ein, der Hoover abhold ist. Auch über die Rolle Washingtons in Mittel­amerika gehen ihre Ansichten auseinander. Dem Pariser Platt zufo'ge dürfte Mellon Staats­sekretär bleiben. Kriegsminister bleibt Davis.

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Hwver noch mächtiger als Eoolidge.

Newyork, 8. November. Man errechnet, daß im Senat in Zukunf. 57 Senatoren von 96 Re­publikanern sein werden. Das Repräsen­tantenhaus dürste in Zukunft mindestens 269 Republikaner von 345 Mitgliedern zählen Die Regierung Hoovers wird somit auf eine weitaus kompaktere Mehrheit in beiden Häusern zählen als Coolidge.

Neue Steuern unvermeidlich.

Hilferding mutz 600 Millionen austreiben.

Berlin, 8. November. Im Reichskabinett herrschte gestern Uebereinstimmung darüber, daß der Etat für 1929 ein solcher der Sparsamkeit werden und daß olle nicht unbedingt notwendi­gen Ausgaben vermieden werden müssen, um das unvermeidliche Defizit möglichst niedrig zu halten. Das Defizit im Haushalt für 1929, das durch neue Steuern gedeckt werden mußte, wird erheblich über sechshundert Millionen lie­gen. Durch welche Steuern neue Einnahme­quellen erschlossen werden sollen, darüber liegen Beschlüsse des Reichskabinetts noch nicht vor. Sie bleiben späterer Beratung Vorbehalten.

Das Auto als Symbol.

Die Ausstellung zei.' unseren Wiederaufstieg

Berlin, 8. November. (Funkdienst.) Bei Eröffnung der Internationalen Automobil- Ausstellung teilte der Vorsitzende des Reichs- Verbandes der Automobil-Industrie Allmer mit daß der Reichsverband für die Gründung eines Forschungsinstitutes für das Kraftfahrwesen als erste Rate einen Betrag von 500000 Mark bereitstellen werde. Die Ausgaben des In­stitutes sollen Vereinheitlichung und Verbilli­gung der Auto-Industrie sein. Die ausländi­schen Gäste mögen daheim berichten, daß alle, vom Wirtschaftsführer bis zum Arbeiter am deutschen Wiederaufbau arbeiten. Der Prä­sident des Automobilklubs Graf Arnim-Mus­kau betonte: Der heutige Tag gibt der deut­schen Automobil-Industrie, die seit dem Kriege nur aus nationale Produktion beschränkt war, ihre

internationale Haltung wieder.

Hersteller und Verbraucher treten gemeinsam als Äusstellende auf. Die Automobil-Industrie müsse, wie bisher, auch in Zukunft, den Anfor­derungen der Verbraucher gerecht werden. Oberbürgermeister Böß führte aus, obwohl Deutschland auf den zweitbesten Platz in Bezug auf die Zahl der auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Automobile siebe, empfinde man in den meisten Städten die Schwierigkeiten des Verkehrs als fast unüberwindlich, da die alten Städte der Verkehrsentwickelung nicht gewachsen seien. Berlin werde alle Anstrengun­gen machen, um sich dem gesteigerten Verkehr anzupasten.

Reichswirtschaftsminister Dr. CurttuS be­tonte: Kaum eine Industrie fei ihrem Zwecke nach so international eingestellt, wie bie Auto- Industrie. Die deutsche Industrie nimmt mit ihren neuen Modellen jeden Vergleich mit dem Auslan de auf. Von der erfreuli­chen Ausdehnung des WeltwirtfchaftsverkehrS wird die Auto-Industrie aller Länder schließlich reichen Nutzen ziehen können. Die Ausstellung möge die Auswärtsentwicklung der An- «omobil-Industrie in Deutschland und in der Welt Weiter fördern.

Schon fast vergessen.

Im Wald von Compiegne u. Schloß Versailles.

Von

Josef von Greilinger.

Unter Mitarbeiter hat bie GolaatbaftLtten deutschen Leids nochmal betreten, bei deren Klang uns Erinnerungen wie graue Nebel überfallen. Aber auch biet bat bie Seit geheilt, was anfangs unbeilbar und unvergeblich fchien.

Ein Wald in Nordfrankreich wie andere auch. Ungefähr das Gegenteil vom üppigen Dschun­gel. Wirklich das Gegenteil: da und dort zeigen sich bedenkliche Lichtungen in der ansonsten sehr korrekten und sehr normalen und ein biß­chen schäbigen Vegetation. Zwei Dinge unter­scheiden diesen Wald von allen anderen Wäl­dern. Ein Schienenstrang durchschneidet ihn, der nicht recht zur Natur ringsumher Passen will. Das ist das eine. Und hier, wo der Schie­nenstrang eine plötzliche Biegung macht, ent- schied sich, in einer Nacht von Sonntag auf Montag, das Schicksal Deutschlands. Das ist das andere Es ist jetzt genau zehn Jahre her, daß auf dieser Biegung ein kleiner Salonwagen hielt. Hier hauste ein eiskalter, kleiner Mann mit maskenstarrem Antlitz, von dicken Tränen­säcken durchfurcht und einem kleinen Knebel­bärtchen umrahmt. Der Marschall. In diesen Tagen war er kein Sterblicher mehr. Foch war ein mystischer Begriff, nicht der Name ei­nes Menschen. Der Sieger, der Retter, der Ab­gott einer halben Welt. Vor ttirzem saß ich ihm in seinem Büro im Pariser Palais des Inva­lides gegenüber. Wir haben von allen mögli­chen Dingen gesprochen, nur von denen nicht, die nun genau ein Jahrzehnt zurückliegen. Der maskenstarre Halbgott ist zu taktvoll, um den deutschen Besucher an diese Zeit von Glanz und Elend zu erinnern. Aber deutlich sichtbar ist, daß er immer noch in ihr lebt. Er hat nicht vergessen und wohl auch nicht verziehen.

Einer, der wortlos hassen kann.

Ein anderer, ein lieber Kerl", der ganz be­stimmt nicht hassen konnte, hat die schwere Mis­sion gehabt, ihm den Frieden abzuringen. Dun­kel steigt des zu Tod gehetzten Matthias Erzberger Schatten über den herbstlichen Wald von Compisgnes auf. Hier, zwischen die­sen entlaubten und ein wenig schäbigen Bäu­men ist er spazieren gegangen. Nur im Um­kreis von zwei Kilometern. Französische Posten bewachten jeden seiner Schritte. Immer noch haben sie den Verrat militärischer Geheimnisse gefürchtet.Es waren die schwersten Stunden meines Lebens," hat Erzberger später gesagt. Schwerer noch als die Fahrt zum Totenbett meines einzigen Sohnes, der vier Wochen frü­her gestorben.war." Vergessen sind Fachs Wor­te, mit denen der Halbgott die Keine deutsche Deputation empfing.Ich habe Ihnen keine Vorschläge zu machen. Mein Generalstabschef wird Ihnen meine Bedingungen vorlesen . . ." Vergessen sind auch andere Bitternisse. Und daS ist gut so. Der Haß dieser fürchterlichen No­vembertage verschwindet immer mehr ans der Welt. Der Wald von Comvisgnes ist keine Stätte des deutschen Zusammenbruches mehr* ist ein Forst von Nordsrankreich wie andere auch . Da und dort zeigen sich bedenlliche Lich­tungen dec ansonsten sehr normalen und ein bißchen schäbigen Vegetation. Und wenn der Schnellzug die Biegung macht, auf der genau vor einem Jahrzehnt der Salonwagen de- Marschalls stand, schauen die Reisenden nicht einmal von ihren Zeitungen auf.

WaS uns Versailles zuraunt.

Potsdam bei Paris deutsche HochzeitS- reisende können den tradittonellen Abstecher in das Museum, daS Versailles heißt, ruhig tote* der unternehmen. Man kommt ihnen genau so freundlich entgegen, wie allen anderen Besu­chern. Man zeigt ihnen das Prunkbett einer amourösen Königin, die Apotheose desRoi Solei!", Napoleon-Schlachtenbilder, die Spie­gelgalerie. Nur auf den Ansichtskarten steht im­mer noch der alte TextDie historische Galerie, in der 1871 das Deutsche Reich begründet und 1919 vernichtet wurde " Wir wollen hoffen, daß die Ansichtskartenhändler rund um die Spie- gelgalerie doch nur das Kaiserreich vernichtet haben .. . Ein riesiger rechteckiger Raum. Ganz leer ist er. Kein Tisch und kein Stuhl, der diese beängstigende Leere füllen würde. Durch eine ganze Front aus Fensterglas sieht man hinaus auf die unendlicku'n Parks. Sie ziehen sich bis Trianon um, St. Germain. Auch dar, Namen, die uns schauem machen . . .Die schönten Parks der Welt," stellt der Saalhüter