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Dienstag, 6. November 1928.

vor der Wahl die Veröffentlichung der für die Durchführung ver Kampagne angesetzlen Geldmittel auferlegt. So erfuhr man, daß jede der Parteien etwa fünf Millionen Dollar in den Kampf geworfen hat, von den .privaten" Liebesgaben ganz ;n schweigen. Auch ist es ge­wiß nicht billig, wenn kich ein Präsidentschafts­kandidat mit einem Teil seiner Familie, Freun­den und Beratern, seinem Sekretariat und dem ganzen Stab von Pressechefs. Stenographen. Privatphoiographen, Dienerschaft und Detekti­ven und dazu noch etwa vierzig Zeiiungsrepor- tern in einem Sonderzug auf Reisen begibt, deren erste ihn allein über zehntausend Kilo­meter durch das Land führt. Die letzten beiden der elf Wagen beherbergen den Kandidaten mit Frau und Tochter sowie seine nächsten Freunde und enthalten neben den Schlafzimmern, dem Arbeitsraum des Governors und einem großen Salon auch eine besondere Küche. Am Ende des letzten Wagens befindet sich eine offene Platt­form, die bei kurzen Aufenthalten an kleineren Orten

als eine Art Schaubühne dient.

auf der sich der Kandidat zur Begrüßung der Menge zeigt. Nur ein einziges Riesenplakat kennzeichnet die Bestimmung unseres Zuges nach außen hin. Der drittletzte Wagen ist drei­geteilt, hinten ein großer, offener Klubraum, in dem während der Fahrt die Pressekonferenzen abgehalten werden und der allabendlich der be­vorzugte Versammlungsraum der Pokerspieler und der Gesellschaft ist, in der Mitte dasAte­lier" des Friseurs und nach vorn ein großer, leerer Raum, in dem die Vervielsältigungsab- teilung und die Photographen ihr Hauptquar­tier haben. Dann folgen noch der Wagen für die Journalisten und Schreibmaschinen, mehre­re Schlafwagen und der

Packwagen, in dem bei der Ab°ahrt vier Tons Propagandamaterial

itn Gestalt von Broschüren, Plakaten und An­stecknadeln der verschiedensten Art gespeichert liegen. So durchreisen wir Amerika kreuz und quer, in jeder Stadt halten wir für einen hal­ben bis dreiviertel Tag, und verbringen meist die Nacht int Hotel. Auf die Abende dieser Tage sind die großen Versammlungen mit den Reden Governor Smiths angesetzt. Die ganze übrige Zeit der Reise leben und schlafen wir im Zug. (Ein weiterer Artikel folgt. D. Red.)

wenn die Ruhröfen erkalten.

Noch keine Aussicht aus Beilegung. Arbeiterdisziplin.

Berlin, 5. November. Einem Linksblatt zu­folge wurde bisher noch keine Feststellungsklage beim Reichsarbeitsgericht oder bei den Arbeits­gerichten darüber eingereicht, ob der Schieds­spruch vom 27. Okt. rechtsgültig ist oder nicht Die Wohlfahrtspflege und Unterstützung der Nichtorganisierten Arbeiter wird im ganzen Ruhrrevier durch eine Versammlung der Ober­bürgermeister, der Finanz- und Wohlsahrtsde- zernenten einheitlich geregelt werden. Die freien Gewerkschaften ermahnen in einem Aufruf die Arbeiterschaft zu strengster Disziplin: Versammlungen und Demonstrationen, die nicht von der Organisationsleitung veranstaltet sind, entschieden zu meiden. Wir lehnen jede Ver­antwortung für entstehende Schäden ab. Der Stillegungsprozeß nimmt seinen Fortgang. Während die Hochöfen der Hüttenwerke noch nicht ausgeblasen sind, sondern vorläufig unter Dampf gehalten werden, sind bei den meisten Hüttenwerken inzwischen die Martinöfen erkaltet. Sie stehen vor dem Zusammenbruch Der neue Aufbau der Martinöfen wird minde­stens sechs Tage in Anspruch nehmen.

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Die Hintergründe der ^Aussperrung.

Düsseldorf, 5. November. In einer Ent­schließung der christlichen Metallarbeiterschaft heißt es u. a. Eine Nichtbeachtung der Verbind­lichkeitserklärung des Schiedsspruches ist ein Ver­stoß gegen die Staatsautorität. Hätte sich die

Raffelet Neueste Nachrichte«

18. Jahrgang. Nr. 263.

Arbeiterschaft gegen den verbindlich erklärten Schiedsspruch aufgelehnt und wäre in einen Streik getreten, wäre ihr bestimmt der Vorwurf des Tarisbruchs und Verstoßes gegen die Staatsautorität gemacht worden. Denselben Vorwurf machen die Versammelten dem Arbeit­geberverband Nordwest. Die Arbeitgeber haben diesen Kampf von langer Hand vorbereitet und kämpfen gegen die Staatsautorität um die Besei­tigung des Schlichtungswesens, der Gewerkschaf­ten und des Tarisgedankens. Es wird von der Reichsregierung erwartet, daß sie die Arbeitgeber zur Anerkennung von Gesetz und Recht zwingt. Die Mitglieder werden aufgesorderr, sich von den Straßen und Plätzen fern zu halten und nicht die Wirtshäuser zu besuchen^ Die Kon­sumgenossenschaft-Selbsthilfe will ihre Mitglie­der unterstützen.

Olnmachteanfan auf dem .Rednerpult.

Duisburg, 5. November. In einer Versamm­lung des Christlichen Metallarbeiterverbandes in der zur Aussperrung Stellung genommen wurde, brach der Abg. Nieber-Duisburg plötzlich während seiner Ausführungen infolge großer seelischer Erregung bewußtlos am Redner­pult zusammen.

polen angelt nach Litauen.

Die deutsche Presse mit Zaleski beim Tee.

Königsberg, 5. November. Zu der vom polnischen Außenminister Zaleski ergangenen Einladung der Presse zu einem Tee verlautet: Nachdem Zaleski eine befriedigende Erklärung bezüglich seiner bekannten Aeußerungen über die deutsche Presse abgegeben hatte, bestand für die öeutfdjen Journalisten kein Grund mehr zur Ablehnung. Zaleski äußerte sich u. a.: Polen wünschte die Verständigung mit Litauen etap­penweise zu verwirklichen. Er werde für den Fall, daß Litauen bereit wäre, das Abkommen über den direkten Bahnverkehr zu un­terzeichnen, anerkennen, daß die Unterzeichnung dieses Abkommens Litauens Stellungnahme in der Wilnasrage nicht präjudiziere.

Blumenstein geht frei aus.

Ein harmloser Abschluß der Rentenaffäre.

Paris, 5. November. (Europapreß.) Der Prozeß in der ungarischen Rentenfälscher-Affäre wurde gestern sofort bei der Eröffnung auf unbe­stimmte Zeit vertagt, da die Angeklagten eine proviforifche Freilassung gegen Kaution bean­tragt hatten. Die ungarische Regierung hat da­mit durchgesetzt, daß Blumenstein die von ihm in Paris vorgenommene Abstempelung der ungarischen Rentenstücke als formal nicht recht­mäßig rückgängig macht, ohne daß ihm jedoch die Möglichkeit genommen wird, die Rekupouierung aus regelmäßigem Wege neu vorzunehmen und also genau denselben materiellen Endeffekt zu erreichen. Herr Blumenstein hinterlegt eine Kaution als Garantie für die Ausführung der Bestimmungen dieses Vergleichs und ersetzt der ungarischen Regierung die ziemlich hohen Pro­zeßkosten. Es handelt sich also um einen versteck­ten Rückzug der Ungarn womit die von der fran­zösischen Polizei sensationell aufgemachte Affäre ihr harmloses Ende gefunden haben dürfte.

Die Nationalen schlagen dte Sozialisten.

Paris, 5. November. Bei der Kammernach­wahl in Dünkirchen wurde in der Stichwahl der Kandidat der nationalen Einigung, Vincent, mit 10 318 Stimmen gewählt. Der Gegenkandi­dat, Valentin (Soz.) erhielt 10 034 Stimmen.

Safmenraub bei 6er Faschistenseier.

Paris, 5. November. In Toulon begaben sich gestern die dort ansässigen Faschisten nach der Kirche, um eine Gefallenen-Gedenkfeier zu ver­anstalten. Während der Feier stürzte sich ein Antifaschist auf die italienische Fahne, entriß sie dem Träger und entfloh. Der italienische Vize-

konful hat eine Klage bei den französischen Be Hörden eingereicht.

Rumänien sucht ein Kabinett.

Wirrwarr nach dem Rücktritt BratianuS.

und Banzetti zu protestieren. Die Polizei mußte einschreiten und nahm 20 Verhaftungen vor.

Aus Politik und wirtschaft.

Massenverhaftung vor der Kaiferkrönung.

In Tokio wurden wegen der bevorstehenden Krönung des japanischen Kaisers 600 Mitglie­der der oppositionellen Parteien, darunter viele Koreaner, verhaftet.

Mussolini hält sich die Bauern warm. Bet einer großer Ansprache vor etwa 65 000 Bauern und Landwirten betonte Mussolini am Fuße des Nationaldenkmals, er werde noch mehr für die Bauern tun. Der Ackerbau müsse in den Vordergrund gestellt werden, denn Völker, die den Ackerbau aufgäben, seien zum Nieder« gang verurteilt. Der Faschismus wäre nur durch den großen Zuzug vom Lande mög­lich gewesen.

Beim ersten direkten Telephongespräch Wien. Amerika, das durch Kabel bis London und von dort drahtlos nach Washington geführt wurde, unterhielten sich gestern Bundeskanzler Seipel und Staatsekretär Kellogg.

Neues aus Kaffe!.

Bukarest, 5. November. Das Kabinett Bra- tionu ist wegen der Anleihe- und Stabilifie- rungsschwierigkeiten zurückgetreten. Man er­wartet, daß der Regentschaftsrat heute den Füh­rer der Nationalen Bauernpartei, Dr. Julius M a n i u, mit der Regierungsbildung beauftra­gen wird.. Die liberale Bauernpartei des Ar­beitsministers Lupu, beschloß das Wahlbündnis mit den Liberalen abzulehnen und mit den So­zialdemokraten ein Wahlbündnis einzugehen. Die Lage ist überaus verworren, da die Ratio­nale Bauernpartei nur mit einet Regierung ar­beiten will, die das Parlament auflöst und Neu­wahlen ausschreibt, während die Liberalen eine Konzeutrationsregierung anstreben und eine Auf­lösung vermeiden wollen.

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Xituit0cu toteötr Außenminister.

Loudon, 5. November. Der rumänische Ge­sandte Titulescu wurde nach Rumänien zurück­gerufen. Man hält es für wahrscheinlich, daß er ersucht werden wird, seine frühere Stellung als Außenminister in einem Kabinett Maniu zu übernehmen.

Deutsche Musik als Dölferbrütfe.

London, 5. November. Für alle Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters waren schon seit Wochen sämtliche Karten ausverkauft. Die Albert-Hall, die rund zehntausend Personen faßt, war gestern bis auf den letzten Platz gefüllt, was man nur sehr selten bei musikalischen Ver­anstaltungen erlebt. Dirigent Furtwängler und sein Orchester wurden stürmisch begrüßt. Die Vorführungen (Werke von Schumann, Weber, Strauß, Wagner) lösten begeisterten Beifall aus; auch die besonders straffe Disziplin des Orche­sters hinterließ einen guten Eindruck. Furtwäng­ler war am Sonntag nachmittag Gast der öster­reichischen Gesandtschaft. Die Wiener Staats­oper hat Furtwängler ein Angebot gemacht.

Negierungsneubau in Thüringen.

Weimar, 5. November. Der Thüringische Landtag verabschiedete gestern gegen die Stim­men der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Gesetz über die Neugliederung der Mini­sterien. Hiernach werden fünf Ministerien ge­bildet mit der Maßgabe daß einem Minister meh­rere Ressorts übertragen werden können. Die neue Regierung wird nächsten Dienstag gewählt.

Die jüngste Sacco-vanzeNiparoie.

Newyork, 5. November. In Boston veranstal­teten die Kommunisten eine Massendemonstra­tion vor dem Palast des Gouverneurs Fuller, um neuerdings gegen die Hinrichtung von Saeco

Turnen für Jedermann.

Neue Wege zu Kraft und Schönheit.

Die seit Jahren bestehende einzigartig» Kasseler Einrichtung, die von San.-Rat Dr. Möhring ins Leben gerufen wurde, kann auch für die kommenden Wintermonate nur em­pfohlen werden. Die praktische Leitung des vielseitigen tGesundhettsturnens hat Der Sportwart der Kasseler Turngemeinde 1844, oer erst beim letzten Schauturnen in der Stadthalle mit demTurnen für Jedermann« großen Erfolg hatte. Als ständiger Teilneh­mer und Berater steht Dr.Steinhardt, der Lei­ter der neueingerichteten, sportärztlichen Bera­tungsstelle zur Verfügung. Die Turnstunden der Männer sind jeden Dienstag und Freitag morgens von 7%8 Uhr, ab Hessenkampfbahn bei jeder Witterung. Teilnahme zu jeder Zeit gegen ein Entgeld von 20 Psg. ohne vorherige Anmeldung.

Eine feste Burg...

Die Reforumtionsfeier vor dem Philipps- denkmal.

Der Sonntag stand auch in Kassel im Zei­chen des Reformationssestes. In allen evange­lischen Kirchen waren die Predigten der Bedeu­tung des Tages angepatzt und überall machte sich der ernste Unterton der gegenwärtig kritischen Lage der evangel schen Kirche geltend.

Nach Beendigung der Gottesdienste traf sich eine große Versammlung aus dem Martins- Platz, wo die Arbeitsgemeinschaft evangelischer Verbände in einer schlichten Feier der Bedeu­tung des Reformationsfestes gedachte. Die ver­einigten Posaunenchöre leiteten die Feier mit mehreren Chorälen ein, dann stand der Präsi­dent der Landeskirche, Dr. Karl Bähr, an dem von Lorbeerbäumen flankierten Rednerpult und zeichnete in scharfen Strichen ein Lebensbild des hessischen Reformationsfiirsten, Landgraf Philipp dem Großmütigen. Wohl habe auch dieser Fürst, wie jeder Mensch, Schwächen gehabt, doch werde er für die evangelische Welt Deutschlands seine Bedeutung nie verlieren. So wie er unerschrocken und unermüdlich für das einmal als richtig Er­kannte eintrat, sollte auch die evangelische Be­völkerung unserer Tage für ihre Ueberzeugung leben und kämpfen.

Unter allgemeinem lebhaftenBravo" for­derte der Führer der Landeskirche von Hessen- Kassel vom Staat die Gleichberechtigung mit den katholischen Christen. Wenn der Staat mit der katholischen Kirche zu einem Konkordat lamme,, müsse auch die evangelische Kirche auf einen Staatsvertrag mit gleichem Inhalt bestehen.

Schwarz-Weiß.

Der Theaterball in der Stadthalle.

NachdeistSchminke und Feder" sich in Schminke" undFeder" getrennt hatte, und das vorjährige Pressefest derClou der Saison" geworden war, beschlossen die Solomitglieder des Staatstheaters, in diesem Winter der Presse zuvorzukommen und das Publikum mit einem Festprogramm zu überraschen, das nicht zu über­bieten wäre. Da die meisten Vorbedingungen zum Gelingen solchen Vorhabens gegeben wa­ren, da kein Festgeber so viele und so billige Kräfte zur Verfügung hat, da vom Regisseur über Sänger, Schauspieler bis zum Ballett alles da ist, war das Publikum (u. auch diePresse") gespannt, was der TheaterballSchwarz-Weiß" bieten würde.

Zur Sache: Das äußere Bild des großen Festsaales der Stadthalle war natürlich schwarz­weiß, am originellsten verwandte man denpreu­ßischen" Kontrast im Podiumprospekt, der hin­ter der Kapelle mit dem Schlagzeugmann im Zentrum riesenhast schwarz-weiß ausstrahlte. Nie war der Bühnenbildner des Theaters so schlicht und stark.

Um zehn Uhr stieg die RevueScherz, Sa­tire, Ironie ohne tiefere Bedeutung", eine Bil­derfolge von Carl Randt. von der Idee eines bunt sich aufblätterndenKasseler Magazins" lose zusammengehalten. Wer erwartete, daß die Künstler sich hier über das Kasseler Publikum glossierend heranmachten, wurde enttäuscht. Tiefe fehlende Beziehung erklärt sich vielleicht daraus, daß anscheinend die Revue ursprünglich nicht für Kastel verfaßt war und man sie wohl erst nachträglich mit einigen Kasteler Witzen ak­tualisiert hatte: In einem lustigen Schlager auf den Volksentscheid wurde die Kasteler Jntendan- tenfrage glossiert, und in einer Rundsunknurn- mer kündigte man den Vortrag eines beim Staatstheater besondersbeliebten* Kritikers an:Wenn ich Intendant des Staatstheaters wäre".

Im übrigen zogen die vierzehn Bilder flott und bunt vorüber. Fast alles war unterhaltend

und gut etnftubiert. Am geistvollsten fand ich eine Parodie auf denRoman in Fortsetzun­gen": Der Schrei aus dem Nord-Süd-Expreß. Von den Tänzen war am besten eine Groteske des Ballettmeisters Godlewskv und seiner Part­nerin. Als drei schwarzlackierte Sänger zwei Niggersongs vonDinah" und einemKlein- gartenparadies" mit Zungenakrobatik und etzli- chen Mätzchen exakt vortrugen, raste der Beifall, womit Kreneks Jonny seine Beliebtheit beim Kasteler Publikum nachträglich bewies. Die Theatervereinskomik eines verkleideten Männer­balletts sand bet der guten Gesellschaft mehr Beifall als die wirklich komische Tanz-Parodie Wege zu Kraft und Schönheit", in der Trude Tandar als Turnmutter Jahn ihre eminente ko­mische Begabung erwies.

Obgleich die Revue mit den eben genannten Einschränkungen für einen offiziellen Ball voll­auf genügt hätte, weil sie eine allgemein gelöste Stimmung für den Gesellschaftstanz schuf, folgte nach Mitternacht noch eine Parodie auf Schillers Don Carlos imStil" eines Schmie­rentheaters, das in diesem Fall unter Pickerts Intendanz sich als Hos- und Kurtheater Nieder­zwehren vorstellte. Trotzdem man hier in er­götzlicher Weise den billigen Sport der Verrückt­heit betrieb und trotzdem die Parodie vorbild­lich einstudiert und von den Darstellern mit hin­reißender Komik gespielt wurde, waren die zu Nachtvorstellungen nicht trainierten Kasselaner für fünf noch so tolle Akte nicht mehr aufnahme- fähig, sodaß die Wirkung der Parodie durchaus nicht dem Aufwand entsprach.

Daß die späte Prämiierung der besten schwarz-weißen Damenkostüme nicht sonderlich Sehenswertes vorwies, erklärt sich aus dem zu frühen Termin des Theaterballs. Anfangs No­vember pflegt man in Kastel noch nicht Kostüme und Balllotletten zu erneuern. Daß die Frau eines Kunstgewerbeschulprofestors den ersten Preis erhielt, war immerhin sinn- und bedeu­tungsvoll. Zum Tanz spielte die Kapelle Wisotzky auf, die in der durch Refraingesang belebten Wiedergabe keiner Grotzstadtkapelle nachstand.

lieber die Gesamtstimmung de» Festes läßt.

sich wie bei allen Kasteler Festen nichts objektiv Richtiges berichten. G. M. Vonau.

Siir Las deutsche Lied.

Eine imposante Kundgebung des Mitteldeutschen Sängerbundes.

Im Festsaale der Stadthalle veranstaltete am Sonntag der Mitteldeutsche Sängerbund einen Werbeabend für das Deutsche Lied", der in Wort, Bild und Gesang für die Idee des welt­umspannenden deutschen Liedes werbe» sollte. Wir greifen aus der Fülle der Darbietungen zu­nächst die Liedervorträge der Männerchöre her­aus. Außer dem Kasseler Lehrergesangverein, der mit dem 23. Psalm von Schubert und fünf Balladen von Moldenhauer den ersten musikali­schen Teil deS Abends füllte, brachten sieben Männergesangvereine aus dem Kreis eine Reihe a capella-Chöre zum Vortrag. Die fünf Mol- denhauerschen Balladen, in Nürnberg uraufge- führt und in Wien mit großem Erfolge wieder­holt, verfehlten auch hier nicht ihre Wirkung. Es ist fein ziselierte Arbeit, die Moldenhauer hier vollbracht hat und es gehört ein pttgeschulter Chor dazu, um da« feine Rankenwerk dieser Balladen nicht zu zerstören.

Der Männergefangverein Wickenrode (Chor­meister Saul), der mit Schubert (SanktuS, Der Entfernten, Gondelfahrer) und Heuser» Lied Eine Wiese voll weißer Marguerite»" den zwei­te» Teil des Abends einleitete, besitzt vorzüglich geschulte Stimmen, die einen vollen, einheitli­chen Klangkörper vo» warmer Tonfärbung bil­den. Kahse» Singkränzchen errang mit dem fein abgestimmten Schweinauer Tanz von Molden- Hauer einen Sondererfolg. Der Männergesang, verein Zennern (Chormeister Ester) verfügt über besonder- gute Tenvre, die in allen Lage» von gleich schönem Schmelz sind. Der Männer- gesangverein Frohsinn-Meerholz (Thormeister Schirmer) litt anfänglich an Befangenheit, konn­te aber im Laufe seiner Darbietungen zu einer beachtlichen Höhe emporklimmen. Von den Lei­stungen be» Erler-OuartettS de» Kasseler Bür­gerlichen Gesangvereins konnte man »och kein

ttareS Bild gewinnen. Die einzelnen Stimmen sind gut durchgebildet, der Zusammenklang ist noch nicht abgeftimmt. Die Volkslieder des Quartettvereins Helsa (Chormeister Franke) wurden mit Ausdruck und Wärme vorgetragen. Der Kasseler Liederverein als letztes Glied der Kette der Sänger erfreute noch einmal durch sei­nen harmonischen Klangkörper. Meister Möller leitete mit einem Präludium, Idylle und Toc­cata von Rheinberger den Abend in gewohnt virtuoser Weise ein.

Ein Vortrag des Marburger Universitäts­musikdirektors Prof. Dr. Stephani, führte die Gäste in die Geschichte des deutschen Män­nergesanges ein, der, wenn auch schon früher in anderen Formen vorhanden, doch erst kaum über bunbert Jahre alt ist. 1809 gründete Zelter die ältere Berliner Liedertafel und legte damit den Grund zum Werden des Deutschen Männercho- reS. Durch gute und schlechte Zeiten hindurch hat sich der Männergesang in hundertzwanzig Jahren entwickelt zu seiner heutigen Bedeutung. Eine halbe Million Sänger gehört heute dem Deutschen Sängerbünde an, dem der Deutsche Arbeiter-Sängerbunb und der Sängerbund der Jugendbewegung als Organisationen gegen« überstehen. Men vereint wird es gelingen, das Ziel zu erreichen: Die Erfüllung vaterländischer Aufgaben, die Sorge für das Auslandsdeutsch­tum, die Versinnbildlichung deutschen Volks- lebens im Chorgesang. Der erste geschäfts­führende Vorsitzende des Mitteldeutschen Sän­gerbundes, Echzell, leitete zum Schluß des Abends mit kurzen Worten den Film des Wie­ner SängerfesteS ein. Der Film selbst zeigte interessante Bilder deS Festes, vor allem des Festzuge-, dessen Gruppen von den Tausenden in der Stadthalle mit spontanem Jubel begrüßt wurden. Mit der Filmvorführung fand die im­posante Kundgebung ihr Ende. M-dt.

Das Bersteck.

Wo wollen wir Hänschens Geburtstagsge­schenk verstecken?" fragt der Papa.Ich denke, am besten in der Badestube," sagt Mama, die ihren SprößUng leimt