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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 262

Sonntag, 4. November 1928

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

18. Iahraarrg

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig

Dl« ffaffeltt iieticften Nachricht«» «riche'ncn wöchentlich «echSmal nachmittags Ter Advna«ment»prci» deiragi ffli den Monat 3.30 X bet freier Zustellung n® ,5?"® *" 6tl Geschäftsstelle abgcboll 3 - * Durch bi« Po" monatlich 3.20 Jt ausschließlich Zuftellungsgedübr ilernlorecher 951 nnb 953 ftifr unverlangt elngeianore Beiträge kann die Siebaktion eine 6erintroortnnfl ober Gewähr in feinem Kalle übernehmen Allckvrblnnaen beS BezugSgekdeS Sntorüche wegen etwaiger nicht orbnungSmästiger Vfefentn# ift ausge'cklollen Postscheckkonto Krinfftn^ q M WO (?fn*flnnmmer 10 A LonntagSnummer 20 A

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Abrüstungskonferenz schon im Sanuar.

Wie lange schleppen wir noch das Dawesjoch?/3m Schatten der Aibettskrlse an der Rude.

Or­der und

Lon-ons Ruck nach links

Gewinne links, Verluste rechts.

eolkn unsere Kinder nrth bezahlen t

London, 3 November. (Eigene Drahtmeldung.) Zur Reparationsregelung schreibt ein diplomati- cher Korrespondent, man könnte verstehen, wenn Deutschland flch gegen eine Zahlung von einer ^ahresfumme in Höhe von 2 bis 2,2 Milliarden Karl über die im Versailler Vertrag festgelegte dreißigjährige Frist hinaus wehren würde, um die Schuldenlasten der Alliierten zu decken. Man könne zum Mindesten im Zweifel darüber sein, ob auf Grund der Protokolle Deutschland verpflichtet fei, überhaupt noch etwas nach Ablauf eines Zeitraumes von 37 Jahren zu bezahlen, während welcher Zeit etwa die Hälfte der Reparationszahlungen auS den Eisenbahn- Einnahmen und den Industrie-Obligationen zu entnehmen find.

Heraus mit -er Sprache!

Abrüstungskonferenz schon im Januar?

London, 3. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Wie der Autzenpolitiker Pertinac aus Paris berichtet, beabsichtigt der Vorsitzende der vorbereitenden Abrüstungskommission für Ja­nuar n. I. die geplante Abrüstungskonferenz einzuberufen. Der Generalsekretär des Völker­bundes und ein Mitarbeiter hätten kürzlich m Paris die Lage erörtert. Namentlich im Hinblick auf die durch die Ablehnung des englisch-franzö­sischen Flottenabkommens durch Rom und Washington geschaffenen Veränderungen. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, daß es am besten wäre, die beteiligten Mächte zu zwingen, ihre Karten offen aufzulegen und sobald als möglich zusammenzutreten. Loudon werde als Vorsitzender der Kommission die Einberufung für Anfang nächsten Jahres verlangen.

die Unabhängigen einen Sitz. Es verloren die Konservativen 101, die Arbeiterpar- tei 18, die Liberalen 16 und die Unabhängigen 0 Sitze. In 19 Bezirken behielten die Konser­vativen die Mehrheit, die Liberalen erlangten In einem Bezirk die Mehrheit, die Vertreter der Arbeiterpartei find in acht Bezirken in der Mehrheit. In Greenwich find Arbeiterpartei und ihre Gegner gleich stark.

heim die Scheiben ein. Auch einige jüdische Geschäfte wurden demoliert Zum Schluß san­gen sie vor dem Mickiewicz-Denkmal das be­kannte polnisch-nationalistische HetzliedRota", «vnigove'a Miertwa- »en l$o ei m.i.inei

Berlin, 3. November. (Funktelegramm.) Die Mitteilung eines Demokratenblattes, daß an­scheinend direkte Verhandlungen angebahnt seien um den Konflikt in der nordwestdeutschen Eisen­industrie aus der Welt zu schaffen, wird weder von Arbeitnehmer- noch von Arbeitgeberseite bestätigt. Aus Esten wird bekannt: Es sind noch drei Betriebe vorhanden, die weiter produ zieren und zwar handelt es sich dabei um zwei Firmen, die dem Arbeitgeberverband der nord­westlichen Gruppe nicht angehören und eine Dort­munder Maschinenfabrik die weiterarbeitet, weil das Unternehmen größere Auslandsauf- träge auszuführen hat und sämtliche Konkur­renzfirmen außerhalb des Aussperrbezirkes ar­beiten. Die Werke zahlen ihren Belegschaften die Löhne nach den Sätzen des neuen Schieds­spruches.

-Bcgfou ves Unternehmerfonfum#

Esten, 3 November. (Telegramm.) In einem Aufruf ordnet der christliche Metallarbeiterver­band an, nchit mehr in den Werkskonsumanstal­ten der Unternehmer, sondern nur noch in den eigenen Konsumvereinen zu kaufen.

öireitmunn ipitii wteoer mu,

Berlin, 3. November. Außenminister Dr. Stresemann traf heute morgen wieder in Berlin ein. Der Minister, der außerordentlich wohl und erholt aussah, wurde von seiner Gat­tin und Herren des Auswärtigen Amtes empfangen.

Hochspannung im Gerichtssaal

Was erwartet Obregons Mörder und die Nonne?

San Angelo, 3. November. Unter großem Andrang begann in dem Prozeß gegen den Mör- der Obregon, Toral, und seine angebliche Mit- schuldige, die Ordensschwester Conrepeion, die Wahl der Geschworenen. Ein Mikrophon überträgt die Verhandlungen durch ganz Mexiko Unter dem Saalboden wurden Stützen ange- bracht, um einen Einsturz zu verhindern. Poli­zei durchsuchte im Gerichtssaal jeden auf Waffen Der Hauptverteidiger S o d i wurde vor dem Gc- >äude von einer zahlreichen Menschenmenge be- ubelt und mit Blumen beworfen. Im Gerichts­saal wurde er teils mit Beifall, teils mit Zischen empfangen.

wannen die Konservativen 6, die Vertreter Arbeiterpartei 95, die Liberalen 33

Die Arbeit stockt.

Wie läuft die Ruhr-Aussperrung aus? Lohnkrisen großen Stils gehören heute

phantastische Zumutungen.

Nach 37 Jahren noch . . . Sachl<eserungenl

London, 3. November. (Eigene Drahtmel­dung. >Daily Telegraph" hält die ablehnende Haltung Deutschlands eine Jahresleistung von 2 oder 2,3 Milliarden Mark für sechzig Jahre zu übernehmen, für begründet. Trotzdem trage man sich mit dem Gedanken, nach dem Wegfall der Eisenbahn- und Industrie-Obligationen nach 37 Jahren, auch auf die für die Repa- katwnszahlungen herangezogenen inneren Staats abgaben, Liköre, Tabak usw. zu­rück- u gre I fe n. Man wolle jetzt vor allem die deutschen Ansichten sondieren.

London, 3. November. In den gestrigen Ge­meindewahlen in den Londoner Bezirken

schränkung des Schlichtungswesens hinauslau­fen, teilt ein Blatt mit, daß das Reichs arbeitsministerium erst die Beilegung des Konfliktes in der Eisenindustrie abwarten will, ehe es sich mit dem Plan emer ReichS- schiedsftelle befaßt.

_ , _ . , . zu

den Formen des Wirtjchasistempos und kaum ein Industrieland bleibt von ihnen verschont. Uno wenn z. B. der Diktator am Tiber als

Die Ruhrkrise hält an. Keine direkten Verhandlungen. Rur drei Werke arbeiten. Die Lage ruhig

Die Mastkur.

Sie können die Reparationen nicht verdauen.

14 311 ®a<blieferttttg8oerfräat. Was Re alles

sehbare Einbuße an materiellen und morali­schen Werten verantworten will, läßi sich ge- reckckerweise nicht eher entscheiden, bis die ange­rufenen Arbeitsgerichte gesprochen haben Sie haben über die heftig umstrittenen Ansichten zu befinden, ob mit billigen Gründen die Ver­bindlichkeitserklärung der letzten Instanz ange­fochten werden kann und der Ministerspruch auch künftig Geltung behalten soll.

Schon jetzt wird den Arbeitgebern vorgehal­ten, daß flch ihre schroffe Ablehnung gegen daS Prinzip des Schlichtungswesens selbst kehre womit sie offen die Art an die Wurzel der Staatsautorität legten. Tatsächlich versuchen denn auch die Gewerkschaften die Werkleitungen für den Schaden haftpflichtig zu machen, der den Hunderitausenden durch den Ausfall der Löhne entsteht. Die Unternehmer wiederum führen suristische Gründe sowie die untragbare Mehr­belastung von fünf- bis sechshundert Millionen für die im schärfsten Ausland swettbewerb stehende Ei'enindustrie an und ziehen zugleich gegen die Schlichtungsmethoden selbst zu Felde, die den springenden Löhnen und damit der all- oemeinen Verteuerung Tor und Tür öffneten Die Antragsteller brauchten nur bei jedem Kün­digungstermin neue Forderungen anzumelden, um sie auf einer mittleren Linie sicher geneh­migt zu erhalten. Uns will es als verfehltes Beginnen und schlechter Liebesdienst am Wohl der breiten Mittelstandsmasien bedünken, solche einschneidend-n Gegensätze in Form von Nie- senwirtschaftskämpfen aus ihrem Rücken austu- tragen. Es haben sich doch nicht nur in der Po­litik die svmpatbischeren Methoden sachlich- friedlichen Schiedsausgleichs Wider­strebender Jntrreflen alS die heilsameren und fruchtbareren erwiesen. Oder sollte der Ge- Wiflensavvell des Weitblickenden Jndustriefüh- rers Silverberg, der Kapital und Arbeit diesen Weg mit feurigem Finaer in eine bessere Zukunft wies, unaebört verhallt sein? Jeden­falls dürften die Reichstreubänder In der Wil- h-ckmstrnße allen Gritnd haben, die Kampfstim- Mung an der Ruhr flch nicht versteifen und ver­schärfen zu lassen, wenn die erzwungene Ar- j beitsrube sich nicht zum schweren Schaden für - Volk und Regierung selbst auswachsen soll. F. R .

.Reform des <*<hlicb«unnah)effn' fpäter ( Berlin, 3. November. Zu den Borschlägen < der Arbeitgeberverbände, die auf eine Ein- <

Einziger oas Evangelium Der Arbeit nicht nur preötgt, sondern es mit der Energie und dem Weitblick des genialen Organisators auch in die Tat umsetzt und es zur ersten Richtschnur seiner Staatskunst macht, wenn fein Eäsaren- wille Industrieanlagen und gewerbliche Werke anläßlich des Jubtläumsmarschs auf Rom wie Pilze aus dem Boden stampft, ro darf man doch nicht übersehen, daß das Edikt feiner Arbeils- gesetze die Wohltaten auch wieder zur Plage der davon Beglückten macht, weil die Faschistenrute jedes Aufbegehren und Verantwortungsgesühl der Gewerkschaften erstickt. Allerdings pflegen die Kraftproben zwischen Kapital und Arbeit bei den andern nicht gleich oie gigantischen Ausmaße anzunehmen wie bei uns, weil die deutsche Organisationsmaschinerie auf Arbeiter- wie Unternehmerfette Die letzien Energien und Hilfsquellen sich nutzbar machen und gegenein­ander ausspielen kann. So ist z. B. Die General- streikwelle in Polen nicht zuletzt am Gegenstoß des Militärs zerstoben und auch die größeren und kleineren Teilstreiks bei Den Nachbarn im Westen haben sich rasch einrenken lassen.

Dagegen scheint Der lähmende Aussperrungs­druck in der Eisenindustrie an der Ruhr sich so­bald nicht abschütteln zu lassen und die Viertel- Million unfreiwillig Feiernder kann vielleicht noch Zuzug aus den Randbezirken erhalten, wo die Arbeiter der Schwesterindustrien von sich aus in Massen gekündigt haben. Der erstorbene Wald von Schloten und Essen im Zentrum deutschen Wiederaufbaus kann seine Schatten sehr bald auch aus oie Kohlenzechen und den ge­samten deutschen Erport werfen und ist sicher kein besonders zugkräftiges Aktivum für unser Dawes- und Befreiungskonto. Auch der absin­kenden Konjunktur und steigenden Arbeits­losigkeit wird durch den Stillstand der Ruhr­räder nicht gerade ausgeholfen, wie uns über­haupt dieser neue Leidenskelch besser erspart geblieben wäre. Wer und tote man die nnab-

Seit Beginn des. Dawes-VertrageS sind bis heute insgesamt 14 311 Sachlieferungsverträge mit den Partnerstaaten des Dawesvertrages ab- geschloffen worden. In dieser gewaltigen Ziffer sind aber die Verträge über Lieferung von Brennstoffen aller Art, für Farbstoffe usw., für über anderthalb Milliarden Mark, nicht enthal­ten; ebenso gehören dazu nicht die Sonderver- trage im Werte von 123 Millionen Mark. Die 14 311 eigentlichen freien Sachlieferungsverträge der gesamten Daweszeit im Werte von 1,540 Milliarden Mark stellen den Wert dar, den die beteiligten Staaten viel lieber in bar genommen hatten, der aber in Form von Sach liefe- rungen transferiert wurde, um durch Barzahlungen die deutsche Wirtschaft nicht voi lends zu zerstören. Sie stehen jetzt im Mittet punkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, weil auf Drangen der Vertragsstaaten dieser Transfer­schutz durch Sachlieferungen bei der Neucmslam der Reparationsabmachungen, die bekanntlick durch den Reparationsagenten selbst in Fluß gebracht worden ist, in Fortfall kommen soll.

Das Riesengeschenk von 1,5 Milliarden Mar tn Form von Sachlieferungen, das Deutschland vertragsmäßig abgezwungen worden ist, Hai sic für dte Empfänger als höchst unerwünschtes Da­naergeschenk erwiesen, da es der industriellen Ar. beit rn den Ländern der Gegenseite die schwer sten Erschütterungen bereitete. Wenn Waren­mengen zu Hunderten von Millionen plötzlich in eine ausländische Wirtschaft hineingesteckt wer Den, dann hat dort eben die Industrie weniger i.u Eun und gerät auf ihrem eigenen und wich, testen Markt, dem Binnenmarkt, in Absatz- ichwterigkeiten. Je länger dte DaweSverträge ^irken, desto fchwieriger wird es natürlich, die Nachlieferungen Deutschlands unterzubringen. Die Empfangerstaaten greifen deshalb zu den änderbarsten Mitteln, um mit dem vertragsmä- Jtgen Segen überhaupt fertig werden zu können Heute werden seitens der Regierungen der an deren Seite schon Verträge zugelaffen von 100 'JJlarf aufwärts. Schon für Verträge von fo ge­ringem Wert wird also der Sta »tsappara des Auslandes und Deutschlands für die erfor- derliche finanztechnische Abwickelung in Bewc gnng gesetzt. Jnfolgedeflen kommt es zu schlecht- htn belustigenden Lieferungen für dieindu- triette und wirtschaftliche Wiederherstellung." Frankreich rechnet dazu sogar R i e ch sto ffe, in denen es doch selbst so leistungsfähig ist, Belgien Kognakol und Serbien Mottenpulver Vielleicht ist der Bedarf Serbiens an Motte: Pulver tatsächlich sehr dringlich, es ist aber do - kaum anzunehmen, daß es damit seine Jndustr und Wirtschaft wiederherstellen muß. Serbic: ist ein Schulbeifpiel für den Infam m e n b ruch der ganzen Sachlieferungspoliti und damit für die Unmöglichkeit der Ernpfän- gerstaaten. die deutfchen Jahreszahlungen bar oder in Sachwerten überhaupt auszunehmen, es fei denn, daß man einen wefentlichen Teil Der ausländischen Bevölkerung in ein Rentne- Dasein aus Kosten deutscher Arbeit hineintrans- feriert. Serbien hat bis zum 1. Oktober 447 Lachlieferungsverträge abgeschloffen. In bei furjen Zeit bis heute ist die Ziffer der abge chloffenen Vertrage aber fchon auf über sieben­hundert hlnausgeschnellt. Das bedeutet, daß die serbische Wirtschaft und die serbischen Staats- etnrichtungen aller Art mit deutschen Sachliefe­rungen übersättigt sind und daß nun der Ser- uch gemacht wird, die Lieferungen tn die kleiti­cken Kanäle zu teilen; infolgedessen gibt eS mit fernen ebenjene Verträge über Mottenpulver, panbturf)eT. Bettlaken, Sprecbmaschinen, Koch- loffel und Klaviere, die sich als Reparationsver­träge nicht gerade stattlich ausnehmen.

Ein völliger Zusammenbruch derAuf- nähme fähigkei t ist aber auch schon für Belgien festzustellen oder ist etwa Münchener B i e t für Die wirtschaftliche und industrielle Wiederherstellung Belgiens unentbehrlich? Oder uud es Hutstumpen, Rosenscheren. Handschuhe Glühstrümpfe. Gelatine u. Seidenlumpen nebst Packpapier? Aber auch Frankreich ist bei dem ungeheuren Sachlieferungsanteil schon zu eigen* artigen Verfahren für die Unterbringung der Lachlieferungen genötigt. Für seine industrielle und wirtschaftliche Wiederherstellung verlangt eS unter anderem auch Badewannen. Kochgeschirre, Reißzeuge. Kindersvielzeug, Turngeräte und ebenso wie Belgien Mundharmonikas. Frank-

Königsberg, 3. November. (Eigener Draht­bericht.) Die polnische Delegation für die polnisch-litauischen Verhandlungen mit Au­ßenminister Zaleski ist heute früh hier einge­troffen u. vom polnischen Gesandten in Berlin sowie Vertretern deutscher Behörden empfan­gen worden.

In -er Zwangslage.

Paris gibt halb nach, um Amerika zu gewinnen.

Paris, 3. November. (Eigener Drahtbericht.) Etn Blatt glaubt, daß nach den Rücksprachen des italtenifchen Finanzsachverständib n Pirelli mit Churchill in London und Gilbert in Paris Die Rcparationskommifsion in Paris zusammen, treten wird. Die französische Regierung ist jetzt bereit, keine Beamten, sondern Sachverständige zu ernennen, die jedoch begrenzte Instruktionen erhalten sollen, damit die französischen Forde­rungen nicht auf ein Niveau heruntergedrückt werben, das sich unter Den französischen Zah­lungen an EnglanD und Die Bereinigten ©tau­ten stellen würde, sondern auch noch Den Ersatz der für den Wiederaufbau aufgewendeten Be­trage ausmachen soll. Dieses Verfahren würde nach Ansicht Parker Gilberts die T e i l n a h m e Amerikas an Der Konferenz ermöglichen, damit Die Kommerzialisierung Der deutschen Obligationen vorgenommen werden könnte.

Es steht -en polen ähnlich.

Wie sie gegen die Ukrainer wüten.

Warschau, 3. November. In Lemberg rissen bei erneuten Zusammenstößen polnische Stuben- ten Den ukrainischen Studenten Die Mützen vom Kopfe, Da sie sich Durch Deren Farben provoziert fühlten. Dann schlugen sie in Den Ge­bäuden Der ukranischen Unternehmungen und deren Zeitung Fensterscheiben ein. Eine andere Polengruppe zertrümmerte Die Einrichtung einer andern ukrainischen Redaktion. Eine weitere Gruppe warf in Den Räumen Der ukrainischen Genossenschaft und im ukrainischen National-

wenn -er Aetna faucht.

Ein feuriges «bendschauspiel im Süden.

Rom, 3. November. (Eigene Drahtmeldung.) Die Morgenblätter berichten, daß gestern abend aus Dem Krater des Aetna, der lange Zeit kein Zeichen von Tätigkeit gegeben hatte, plötzlick schwarze Rauchwolken aufftiegen, Denen auch bald rote Fenergarben mit Steinregen und Lavaabflutz folgten. DaS großartige Schauspiel dauerte aber nur kurze Zeit. Gegen 7 Uhr abends mar der Vulkan wieder ruhig. Der Lavaabfluß kam bereits 50 Meter unterhalb De« RraterS tum Stillstand. In den umliegenden Ortschaften verspürte man leichte Eiderschütterungen.