Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag, 1 November 1928. '

Staffelet 9teae» > vrachrichste»

Wer ist der Mörder?

Auf nen tau.

Pflanzen noch der fleischfressende Sonnen- Der größte Rebstock des Kontinents.

Hur (le wäfdif DJeifoeug und Sarbiges fo vollkommen (dienend, nur fie ifl rein und [o fparfam, die gute, gilbe« sm/? währte Sunlidit Seife.

begrenzten Möglichkeiten kommt man allmählich zu der Ueberzeugung, daß, wie die Bäume, auch ihre erdentrücktcn Wolkenkratzer nicht ganz bis in den Himmel wachsen können. Man schaut sich bereits nach einer Ausdehnung in die Brei­te um. In Amerika werden die hohen Turm Häuser fast ausschließlich.mit Hilf« eines Eisen- gerüstes gebaut. Bemerkenswerte Turmbauten die Anspruch auch auf schönheiilich befriedigende Wirkung erheben können, sind daS Telephone- Building und das Shelton-Hotel in Newyork Inwieweit Amerika Einfluß auf den Bau deut- cher Hochhäuser gewann und in welcher Weise die Errichtung derselben konstruktiv und künst­lerisch gelöst wurde, soll später besprochen wer- den. Friedr. Saarland.

Nr. 259. 18. Jahrgang.

wer mutz zahlen?

Brandstiftung und Haftpflicht. WaS daS Reichsgericht sagt.

Wer durch sein Verschulden einen Schaden verursacht hat, der ist zum Ersatz dieses Scha­dens verpflichtet. Wie weit ist aber der Be­griff der Verursachung zu fassen? Die Beant­wortung der Frage ist im täglichen Leben na­türlich von ganz eminenter Bedeutung, hängt eben von ihr doch die Möglichkeit der erfolgrei­chen prozessualen Geltendmachung des Schaden­ersatzanspruches ab. Zugunsten der von dem Schaden Betroffenen legt daS Reichsgericht diesen Begriff der Verursachung. des sog. Kau­salzusammenhanges sehr weit aus. Das be­weist ein erst in neuester Zeit vom Reichsge­richt gefälltes Urteil.

ES handelte sich um einen Fall von Brand- stifmng. Für den dadurch entstandenen Scha­den ist naturgemäß der Brandstifter verant­wortlich. Als nun in dem betreffenden Falle der Brand fast gelöscht war, ließ die .Einreitz- mannschaff unter dem Warnungsruf: .Ob­acht. Vorsicht' einen an der Straßenseite be­findlichen Balken, der sich gelockert hatte und herÄbzustürzen drohte, herunter. Der Balken traf einen zufällig auS der Tür der Hauses mit einem geborgenen Gegenstand Tretenden so an- alücklich. daß er an den Folgen der erlittenen Verletzung verstarb. Die Witwe des Verstor­benen klagte gegen den Brandstister. der den Tod ihres zu ihrem Unterhalt verpflichtet ge-

Modische Kleinigkeiten

Dem Siraßenanzug der eleganten Frau fehlt der letzte Schliff, wenn die Details ntcht mit al­lem übrigen auf gleicher Höhe stehen. Die Hand­tasche z. B. muß stets ganz besonders tadellos sein Es gibt in dieser Saison eine unendliche Fülle an Formen und Arten, große und kleine flache und gebauschte, solche aus Leder und an­dere aus Seide; sehr beliebt gleichviel ob Leder oder Seide, ist die Zusammenstellung von zweierlei Material, eines gemusterten und eines glatten. Auch die Glacehandschuhe zeigen eine vornehme Kombination; an den weißen Hand­schuhen sind durch schmale Einschnitte schwarze Lederstreifen "gezogen. ~-

wesenen Ehemannes verursacht hatte, aus Zah­lung einer Rente. , ,

' Entgegen der Ansicht des Oberlandesgerichts das sich bereits mit dem Fall beschäftigt und den Anspruch abgelehnt hatte, hat das Reichs­gericht den Anspruch der Witwe anerkannt. Es ührt dabei aus, daß eben die Ansicht des Ober, landesgerichts rechtswidrig sei, das den ursäch­lichen Zusammenhang zwischen der Brandstif­tung und dem Tod des Mannes verneine. Es sagt dann weiter, daß der ursächliche Zusam­menhang keineswegs unterbrochen sei, wenn selbst das Herabstürzen des Balkens auf grobe Fahrlässigkeit der .Einreißmannschaft' zurnck- zuführen sei. Nach reichsgerichtlicher Rechtspre- chung ist vielmehr in solchen Fällen, in denen «ine bestimmte Berussausübung oder die Maß­nahmen bei gewissen Arbeiten erfahrungsgemäß mit Fehlern verbunden sind, notwendigerwetse mit groben Verstößen zu rechnen. Die mit die­sen Fehlern verbundenen nachteiligen Folgen ind demjenigen anzurechnen, der die Hand­lung verursachte, welche die betrefsenden Ar­beiten notwendig machte. Zu den Handlun­gen, bei denen grobe Fehler begangen werden, gehört in ganz besonderem Maße die Tätigkeit der freiwilligen Feuerwehr, deren Mitglieder ohne jede Berufsbildung die gefahrvollsten Aus­gaben erfüllen.

Das schöne Deutschland.

Ein thüringisches Naturwunder.

Das schöne Thüringerland besitzt bei dem Orte Dönges dicht bei Marksuhl an der Straße von Eisenach nach Frankfurt am Main ein selt­sames Naturwunder: den Hautsee mit der

In dem Park des Schlosses MonrepoS bei Geisenheim am Rhein wachsen viele seltene Pflanzen, so u. a. ein Gingkobaum, Tamaris­ken, Paulownien usw. Hier ist auch ein Reb- stock, der als die größte Reb« des europäischen Kontinents bezeichnet wird Sie ist etwa 200 Fahre alt und stammt noch aus der Zeit, da der heutig« Park als Garten zu einem Kloster gehörte. Die einzelnen Zweig« der Rebe be­decken eine über 130 Quadratmeter Spalier- fläch« und hatten als Höchstleistung einmal in einem Herbst 2500 Weintrauben hervorgebracht. Auch im Park deS weinberühmten Schlosses Johannisberg, das oberhalb Geisenheims liegt und dem Fürsten Metternich gehört, gibt es eine eigenartige Sehenswürdigkeit: hier wach- sen zahlreiche echte Libanonzedern, die mehr als 200 Fahre alt sind und einen Stammum- fang bis zu 5 Metern haben!

Die Kirche von Schönbruch.

Fm nächsten Jahre feiert das Städtchen Schönbruch in Ostpreußen ein seltenes Jubilä­um. Man will in festlicher Weise das 600jäh- rige Bestehen der Kirche von Schönbruch bege- hen. Fm Laufe der Jahrhunderte ist das Got­teshaus natürlich oft verändert worden Die ietzige Innenausstattung stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. An dem Beichtstuhl fin. det sich die Zahl 1699 verzeichnet Die schöne Orgel wurde 1713 von dem damaligen Schön- brücher Schloßherrn Dietrich von Tettau «r- errichtet.

Das verlorene Ach.

Warum man vas Gedächtnis verliert.

Die Fälle mehren sich in neuester Zeit, in denen Menschen aufgefunden werden, die auf den Straßen der Städte und auf den Landstraßen unchcrirren und ihr Gedächtnis verloren haben. Wie kommt es nun zu einem Geisteszustand, tu dem der Mensch nichts mehr von seiner Vergan­genheit weiß, in dem er nicht einmal mehr sei­nen Namen und seine Adresse anzugeben ver­mag? Der Psychologe Dr. C. Standford Read hat sich mit diesem völligen Gedächtnisschwund eingehend beschäftigt und gibt dafür folgende Erklärung: »Unser Gedächtnis spielt uns manche merkwürdige Streiche. Wir vergessen alle, und das ist für uns sehr heilsam, denn es sind mei­stens gerade die unangenehmen Gedanken, die wir aus unserm Bewußtsein entfernen. Wie leicht fällt es uns, nicht mehr an die Schulden zu denken, die wir haben und wie gern erinnern wir : uns an alles, was wir noch zu bekommen haben!

Dieser psychologische Vorgang liegt letzten Endes auch dem Gedächtnisverlust zugrunde, der manche Personen befällt. In solchen Fällen ist der betreffende Mensch das Opfer peinigender Eindrücke und schwerer Konflikte geworden, deren Lösung ihm unmöglich war. Je unerträg­licher seine Lage wird, desto stärker wird auch die Belastung seines Geistes, bis dieser sich dadurch zu schützen sucht, daß er die Erinnerungen im­mer mehr aus dem Bewußtsein verdrängt Schließlich werden nicht nur alle die Gedanken ins Unterbewußtsein geschafft, sondern alle da­mit verknüpften Erinnerungen, die das ganze frühere Leben des Menschen ausmachen, versin­ken ins Nichts. Der Unglückliche verliert völlig die Erinnerung an seine wirkliche Person und irrt ohne bestimmte Beweggründe umher oder wird von einer einzigen unkontrollierbaren Idee zu langen Wanderungen und unberechenbaren Handlungen getrieben. In diesem Geisteszustand kann der Betreffende auch verbrecherische Taten begehen, ohne daß er die volle Verantwortlich­keit für sein Tun besitzt.

Der Verlust des Gedächtnisses ist also eine Art Schutzmaßnahme, die der Geist ergreift, es ist eineFlucht in die Krankheit', um sich vor größeren Schädigungen zu retten. Wissenschaft­lich könnte man daher diesen Vorgang als eine Art Hysterie bezeichnen, obwohl man sich ge­meinhin darunter etwas ganz anderes vorstellr. In seltenen Fällen erscheint der Gedächtnisver­lust auch als eine Folge von Kopfverletzungen, in anderen ist ein epileptischer Einschlag festzustel- len. Durch sorgfältige Analyse eines Sachver­ständigen kann häufig die Ursache festgestellt wer­den, bie schließlich zum Verlust des Gedächtnisses führte, und dann muß der Kranke langsam wie­der dazu erzogen werden, den Kampf mit dem Leben aufzunehmen und seine geistigen Kon­flikte aus der Welt zu schaffen. Tas moderne Leben mit seinen vielfältigen Anforderungen und Gefahren macht die Anpassung d-L. Geistes immer schwieriger, aber geschickte psychologische Erziehung kann auf manche Weise dazu helfen, ^unseren Geist für dieses Ringen zu stärken, sodaß er nicht einfach durch Ausschaltung des Gedächt­nissesftreitt*.

Alles wird organisiert.

Es gibt sogar ein Syndikat der Landstreicher.

Die französische Polizei verhaftete in der Nähe von Perigeur in der Dordogne einen Landstreicher, der mit Stolz zu Protokoll gab: Ich bin der Präsident des internationalen Syndikates der organisierten Landstreicher'.

Die Papiere, die die Behörde bei dieser prominenten' Persönlichkeit vorfand, erwie­sen, daß diese Vereinigung über 1000 Mitglie­der zählt. Der Jahresbeitrag betrug bisher 1 Franken, soll jedoch, wie auS den Notizen des Prästdemen hervorgeht, In nächster Zeit verdoppelt werden, da dieVerwaltungskosten' stch erheblich erhöht hatten. Ein Geheimbuch wurde gleichfalls mit Beschlag belegt, das die Zeichen enthielt, die die Syndikatsmitglieder auf ihren Reisen mit Kohle oder Kreide an die Wände Der von ihnen besuchten Wohnstätten anmalen, um dieFachkollegen' darüber zu unterweisen, ob das jeweilige Haus gastfreie Bewohner beherbergt, und wie weit es zur nächsten Polizeistatton wär«. Ferner wird ge­nau Aufschluß gegeben, ob die LandiLgerer in dieser Gegend häufig Streifen unternimmt und anderes für Männer auf der Walze wichti­ges Nachrichtenmaterial.

Die Gendarmerie ist bemüht, auch daS Syn­dikatsbüro aufzufinden, worüber einige Andeu­tungen in den Papieren »es Herrn gefunden wurden. M. L.

lersuchung weitergetrieben werden. Die Blut­lecke auf Husmanns Schuhen sind noch immer nicht getilgt.

* * *

Keine stichhaltigen Beweise.

Tas Plaidoyer des Verteidigers.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Ruschen ging noch einmal die Einzelheiten der Mordnacht durch. Er verjvies u. o. darauf, daß Husmann ein Auto nehmen wollte. Das tut man nicht, wenn man einen Mord vorher geplant hat. Be­züglich der Zeitangaben über den Weg verläßt man sich auf die Angaben einzelner Zeugen, ohne deren Richtigkeit garantieren zu können. Sämtliche Uhren müßten dann stimmen. Dr. Lutter teilt Husmann die Ermordung Daubes ; mit. Der Angeklagte fragt zurück:Was, H?l- muth Taube. Mit dem war ich doch noch zuletzt zusammen', so fragt der Schuldbeladene! Ein Beamter holt ihn zur Mordstelle und dieser ist Der einzige, der nichts Auffallendes an Hus­manns Wesen bemerkte. An der Leiche sollen nun alle Beamte bemerkt haben, daß der Ange­klagte nicht in die Blutlache getreten ist. In Wirklichkeit hat es keiner beobachtet, sondern es sind Rückschlüsse.

Wie kommt das Blut an die Schuhe?

Es gibt tausend Möglichkeiten, aber wir wissen nichts. Es kann ein Beamter in die Lache ge­treten fein und einige Spritzer trafen Husmanns Schuhe. Niemand kann es beweisen. Ueber die Feuchtigkeit der Schuhe gehen die Zeugenaussa­gen auseinander. Die Gladbecker Polizisten ha­ben gewiß den besten Willen gehabt, aber ihre Qualitäten reichten für diesen Fall nicht aus. Für den Kommissar Klingelhöller stand fest, daß Husmann der Mörder sei und die Beamten er­innern sich jetzt aller möglichen Dinge. Der Ver­teidiger totes auch die von dem Messer und dem Taschentuch hergeholten Argumente zurück und erinnerte daran, daß Husmann nach dem ersten Hafttage wieder entlassen wurde, weil man ihn für völlig unschuldig hielt. Dann folgte Die zweite Verhaftung und nun war alles vorbei. Darüber sind sich alle klar, daß hier wertvolle Gelegenheiten zur Aufklärung des Mordes ver­säumt wurden. Die Berliner Kommissare stan­den vor einem Scherbenhaufen. Ueber die ho­mosexuelle und sadistische Richtung in der Ver­anlagung Husmanns

ist garnichts bewiesen.

Die Aussagen der Primaner sind fast wertlos, da sie ja noch garnicht in der Lage waren, die Veranlagung ihres Mitschülers zu beurteilen, und sie mußten ja alle ihre ersten Aussagen vor Der Polizei hier vor Gericht einschränken.

In seiner Replik führte der Staatsanwalt­schaftsrat Rosenbaum aus, daß der Verteidiger auf die schweren Indizien nur sehr wenig einge­gangen sei. Die Zeit der Mordtat um 3,30 Uhr stehe fest, und durch die Angaben zweier Zeugen sei auch ganz klar erwiesen, wann der Angeklagte am Rathaus war.

Das allerschwerste Indizium

sei das Blut. Im Fall Ostendorf fei durch die Aussage der Frau Ostendorf jeder Verdacht ent­kräftet und die übrigen Spuren seien zum Teil phantastisch. Es bliebe keine andere Annahme als das der Angeklagte schuldig sei. Nach einer Erwiderung des Verteidigers sagte der Ange­klagte Husmann, der bleich und erregt war, nur: Ich bin an Helmulh Dahbes Tod unschuldig.'

1 Es erfolgte Dann der oben gemeldete Freispruch

Dienstag um 19.45 Uhr wurde das Ur- teil im Husmann-Prozetz gesprochen. Es lautet:Im Namen des Bottes wird für Recht erkannt, daß der Angeklagte aus Ko­sten der Staatskasse freigesprochen wird.

Der Ausgang des Essener Moro-Prozesses mit dem Frerspruch Husmanns entfprrcht Den Erwartungen, Die allgemein gehegt wurden. Aber befriedigen kann er wohl niemanden Ter Schleier des furchtbaren Geheimnisses tft nicht gelüftet, Der menschlichen Gerechtigkeit ist nicht Genüge getan worden,oer Prozeß und bie i ganze Riesenarbeit, Die er verkörpert, die Lei- denichasten, die er zum Ausbruch brachte, all das ist wirkungslos verpufft. Man ist seil den ersten Recherchen der Kriminalbeamten in Gladbeck nicht um einen Schritt wettergekom­men. Der Mord an dem Primaner Daube ist ungesühnt.

Es wäre nicht daS erst« Mal, daß ein Ver­brechen unaufgeklärt und ungesühnt bliebe. Die Methoden der modernen StrimmalpotU z«j sind von einer überraschenden Vollkom­menheit, und der Prozentsatz unaufgeklärter Verbrechen wird von Jahr zu Jahr geringer, Aber ganz wird sich dieser Ueberreft aus recht­lich weniger sicheren Seiten niemals austilgen lassen. Und in diesem geringen Prozent,atz un­aufgeklärter Verbrechen werden die Serualver- brechen immer eine bedeutende Rolle spielen Der mobeme Kriminalist sucht vor allem nach Den wahrscheinlichen Motiven einer Tat, um bann erst die Person des Täters zu bestimmen. Bei einem Verbrechen, dessen Triebkräfte fo blitzartig, unvermittelt aus unergründlichen Tiefen der Menjchenseele hervorbrechen, dessen Motive niemals auch nur oem Täter selbst be­wußt werden können muß diese Methode versagen. Das hat der vierzehntägige Riesen- prozetz in Essen klar und deutlich gezeigt.

Die Motive, bie der Staatsanwalt in feinem Plädoyer oem Angeklagten unterschob, standen auf schwankenden Fußen. Sie konnten niemals die Voraussetzung für eine Verurteilung im Sinne der Anklage schaffen, nämlich die siche­re Ueberzeugung auf selten der Volksrichter, baß die angeführten Beweggründe für eine Tat ausreichend seien. Die Staatsanwaltschaft stand während des ganzen Prozesses aus einem verlorenen Posten, und ihre wlängsten Stiit» zen fielen in dem gleichen Maße, als das Ver­trauen zu Den Untersuchnngs-nelboden in Gladbeck fchw-ind Und Wenn man a-tdi den örtlichen Kriminalisten manches an ihrer Arbeitsweife auszusetzen hatte, sie können stch ja auch daraus berusen,daß namhafte Ver­treter der Berliner Kriminalpolizei die Angele­genheit gleichfalls nicht vorwärts brachten. Es war eben ein Fall, der nicht zu motivieren war Es blieb zum Schluß nur das Indi-zium Der blutbefleckten Schuhe übrig, uno das allein konnte niemals dazu ausreichen, einem Men­schen des furchtbarsten Verbrechens zu zeihen, das unfere Vorstellung kennt.

Es bleibt die Frage nach dem Täter. Wäh­rend der Verhandlung kamen Mutmaßungen auf. In jenem Schlächter Ostendorf, der vor Der VerhanDlung freiwillig aus dem Leben schied, sahen viele instinktmäßig den Täler. Man muß sagen, daß sich das Gericht mit die­ser Spur nicht allzu intensiv beschäftigt hat. Die wenigen Zeugenaussagen brachten keiner­lei Gewißheit. Aber man muß hoffen, daß das Ende des Falles Husmann nicht auch das End« des Falles Daubes ist. Schon um der Gerech­tigkeit dem Husmann gegenüber muß die Un-

Nur der Geschäftsmann wird tagsüber die i Wolkenkratzer, di« Kaufhäuser, die Mammuts Hotels bevölkern. Die Riesen-Theater und Vergnügungslokale werden nach Schluß ihrer Pforten die Besucher nach allen Windrichtungen entlassen, und dem wirbelnden Menschenkessel Dem Tohu-Wabohu, wird für kurze nächtliche Stunden ein Aufatmen gegönnt. Aber die Mil­lionen lauern auf bie ersten Anzeichen des Ta­ges. um stch erneut durch hundert Kanäle in bie City zu ergießen. Ein tollermenschlicher Ameisenhaufen'! Die Mieten für die Büro- und Arbeitsräume wuchsen ebenfalls ins lln- gemeffene I Sechs- und siebenstöckige Häuser

waren nicht mehr imstande, «ine entsprechende Verzinsung zu gewährleisten. Zu gigantischer Höbe, hoch wie Domtürme, schossen alsbald d'e Turmhäuser förmlich aus der Erde. Immer höher und höher. 20-. 30stöckig! Während vor dem Kriege im Innern Rewyorks, Dem Man- hattan-Jsland. nur eine geringe Anzahl von Wolkenkratzern entstand und die übrigen Staat* teile fast frei waren, haben stch heute die Turm­häuser ungeheuer vermehrt. Selbst in den äuße­ren Bezirken Rewyorks ragen bereits Turm­häuser bis in die Wolken hinein, gleich Säulen des Himmels. Die amerikanischen Riesenstädte haben alle den Wottenkratzer-Fimmel. Vierzig, fünfzig Stockwerke hohe Häuser wetteifern ei- folgreich mit den Höhen unserer Domtürme Man projektiert bereits Häuser, die bis zu 60 ja 70 Stockwerken gehen. Die übermäßige- hen-Entwicklung hatte große verkehrStechnischc und hygienisch« Mißstände tm Gefolge _Dic unteren Geschosse sind der Luft und dem Son­nenlicht entzogen. Die Hunderttausend«, die morgens in die Turmstadt e i n z i e h « n und abend in kompakten Massen ge­radezu ausgespien werden, können in den meist engen Straßen durch die unzureichenden Ver- kehrsmittel nicht ohne ernstlich« Störungen ge­nügend schnell' abtransportiert werden. Ameri­ka trägt nun allmählich die unangenehmen Kon­sequenzen erster Versuche, die Milliarden Dol­lars verschluckten. In künstlerischer Hinsicht kön­nen nur die neueren Turmbauten befriedigen Die Amerikaner kritisieren selbst ihre Mammut- Häuser scharf und heftig, namentlich war die ästhetisch-künstlerische Seite angeht: die techni­schen Erfordernisse sind dagegen fast durchgän­gig meisterhaft gelöst. Auch im Land« der un-

wolkenkratzer.

Wie in Amerika die Turmhäuser aus der Erde schossen.

Die ersten Turmhäuser wurden in Amerika. Newyork, errichtet, sie sind entstanden au8 Dem Zwange bet wirtschaftlichen Entwicklung Arne- rikas. Die Zusammenballung bes Wirtschafts­lebens im Conzentrations- und Centripunkt. in der City', ließ Bobenpreife u Bauten zu fabelhafter Höhe emporschnellen So beträgt der Preis für den Quadratfuß Boden in Der City Rewyorks 370 Dollar; tm Fahre 1927 wurde eine Front von 40 Fuß für 187500 Dol­lar jährlich vermietet, ein Teelokal zahlt 137 Dollar Miete täglich! Ti« fünfte Avenue, btt berühmteste Straße der Wett, in der bie Mät- chen-Paläste ber Oberen Vierhundert, bl« Re- sidenzen der Gelbfürsten Astor. Rockefeller. Mor- gatt, Vanderbilt, Carnegie, Gotttb u a. in vornehmer Stille, eingebettet in den Blumen­wundern aller Erdteile, einem traurnhatt schönen Dafein stch binaaben. liegt heute im Sterben Nichts bleibt übrig von der Poesie vergangener Tage. Die Paläste, kaum zu tun ft» leriftbem Leben erweckt, veröden, werden nieder- gerissen. Ungeheure Gefühlswerte werden tofa« lisch demoliert und d-vastteri. Der Gefchätts geist erobert die Luxusstratzen; frühere Ge- scdättSviertel werden Gewerbe- oder Wohnbe­zirke und nicht allzufeme wird der Tag sein da auf ber ganzen Insel Manhattan (Zen­trum von Rewyorks ntemanb mehr wohnt.

A» W* non WM Mellt WM.

Freispruch im Husmann-Prozeß. Der Staatsanwalt beantragte acht Jahre Zucht­haus. Die Plaidoyers. Wer ist ber Mörder?

schwimmenden Insel! Der See ist rings von dichtem Wald umgeben, aus dem er wie ein blitzendes Auge hervorleuchtet. Aus dem stil­len Wasser schwimmt eine kleine Insel, die sich von Zeit zu Zeit bewegt. In diesen Tagen hat stch der Wasserspiegel um ca. 1 Meter gesenkt und ein Stück der Insel abgelöst, so daß nun zwei schwimmende Inselchen vorhanden sind, den Eilanden wächst neben anderen feite-