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Nr. 259.

Achtzehnter Zahrganq.

Kaffeler Neueste Nachrichten

2. Beilage.

Donnerstag, 1. Rovemder 1928.

3m Zeichen Lessings.

Jubiläen in deutschen Städten 1989.

Stand bas Jahr 1928 im Zeichen Dürers, dessen 400. Todestag m Nürnberg gefeiert »ui de, so wird das kommende Jahr imZeichen Les- sings stehen. Des 200 Geburtstages Gotthott Ephraim Lessings soll sowohl in seiner Ge burisstadi Kamen, i. S. wie in den Stadien in denen er seine Lebensarbeit beschloß: Braun­schweig bezw Wolfcnbüttel, durch besondereVer. anstaltungen gedacht werden Kamen, ha, be­reits eine Gedenkmünze prägen lassen, die aus der einen Seite das Porträt Lessings, aus der anderen das Kamenzer Geburtshaus und dar Wolfenbiinler Slerbehaus des Dichters zeig! An die Uraussührung der .Räuber", berübmi in der Literaturgeschichte durch Schillers heim­liche Flucht zu dieser Bübnenverkörperuna sei­nes ersten Werkes, wird das Jubiläum des Mannheimer Naiionalibeaters erinnern. daS im Juni aus ein 150jShrigeS Bestehen zurückblick'

Gleichzeitig begeht auch die Mannheimer Musikalische Akademie ihre 150jährige Jubel­feier. Schon im Mai kvom 15. bis 18 Mau feiert die Technische Hochschule Stuttgart die 100. Wiederkehr ihres GründungStages.

Zwei große Tausendsahrseiern deutschci Städte bringt das kommende Jahr: Pom 29. Juni begeht die Stadt des berühmten Domes und des vielleicht noch berühmteren Porzellancs Meißen t. Sa. ihr tausendjähriges Bestehen mit einem umfangreichen Festprogramm. Die Al- brcchlsburg wird in diesen Tagen beleuchtet, und ein großer historischer Festzug soll die wech­selreiche Geschichte Meißens den Menschen von heute vor Augen führen. Im August be­ginnen in Brandenburg a. d. Havel di« sestli- chen Veranstaltungen anläßlich des 1000jährigen Bestehens dieser einst in der Wendenzeit unter dem Namen Brennabor gegründeten ältesten Stad, der Mark Brandenburg.

Das kleine, unweit Kassels am Kaufunger Wald gelegene Städtchen Oberkaufungen blickt im nächsten Jahre bereits auf ein IlOOjähriges Bestehen zurück Auch hier wird festlich dieser Gedenktag begangen werden. DaS reizvoll an der Lahn gelegene Städtchen Diez ist 600 Jah­re alt und bereitet aus diesem Anlaß vom Ju­li bis September besondere Veranstaltungen vor

Die einsame Pappel

...über die schwere Akten geschrieben werden.

In Berlin steht eine Pappel. ES stehen noch mehrere dort, aber sie sind von minderer Be­deutung Diese unsere Pappel stehl in der Beusielstraße, und ihre Bedeutung ist insofern schwarz auf weiß verbrieft, als das Bezirksamt Charloitenburg und das Bezirksamt Tiergar­ten jedes für sich Schriftstücke über die Pappel anlegt. Immer eins aus das andere. Einen ganzen Stapel über die Pappel.

Wie kommt er. daß diese Pappel also die beamteten Gemüter erregt? Wir sind eigenS

in die Beusielstraße gefahren «nd haben unS die Pappel angesehen. Und wir müsien sagen, es ist eine schäbige und wenig repräsentative Pappel Sie würde in jeder Pappelallee einen Schandfleck abgeben. Aber Gott sei Tank sie steht allein. Und deshalb, weil diese Pappel so mutterseelenallein steht, zerborsten, verwit- tert, mit ein paar armseligen herbstlichen Laub, büscheln angetan im Häusermeer Berlins gerade deshalb entsteht eine Literatur über sie.

Gerade deshalb beschäftigen sich die beamteten Gemüter mit ihr. Auch ihre Art sreUich, ander- als die nicht beamteten Gemüter, die sich nun seit Jahr und Tag tntt einer angeblich am Rüdesheimer Schloß ste- henoen Linde beschäftigen...

Wenn die Pappel, von der die Rede ist, nicht allein so mutterseelenallein dastände, wie es nun tatsächlich der Fall ist, wenn noch ein paar andere oder wenigsten« eine einzige noch neben

Mord durch die Sippe?

Geheimnisvoller Mord an einer reichen Chine sin. Mit dünnen Fäden erdrosselt. Chine, stsche Geheimbünde.

Bei dem Städtchen Keswick der englischen Grafschaft Cumberland wurde am 19. Juni des Jahres in einem Walde die unter seltsamen Umständen ermordete junge Chinesin Fra» Chung Miao ausgefunden Ihr in der Nähe des Tatorts angetrossener Mann Mr Chung Ji Miao, ein Stuben, der Rechte, wurde da­mals des Mordes verdächtig sestgenommen Die Kriminalpolizei. es wurden sogar beson­ders tüchtige Beamte von Scotland-Nord. Lon­don, beigezogen stellte fest daß die Frau mit Hilfe dünner, aber starker Bindfäden, die ihr fest um den Hal» gebunden waren, stranguliert wurde. Der Tod trat also durch Erstickung ein

DaS junge Chinesenpaar hatte erst wenige Wochen vorher in Rewvork geheiratet und hatte dann seine Hochzeitsreise aus einem Lurus- dampser über den Atlantik gemacht, um die Flitterwochen in England zu verleben Die junge Frau war überaus reich und Tochter eines hohen chinesischen Mandarinen aus ange­sehener Familie.

Nun wurde der Fall vor dem Gericht zu Carliste in der Grafschaft Cumberland verhan- delt. Die Geschworenen entschieden sich für die Todesstrafe, die vom Gericht dann feierlich ver­kündet wurde. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Jackson, hatte in seinem Plaidoyer u. a. ge­sagt: .Wenn Miao fein« Frau töten wollte, warum reiste er dann zu diesem Zwecke über den Ozean bis hierher nach England. Oder wa­rum erfaßte et nicht eine Gelegenheit an Bord b«8 Dampfers, um seine Frau in einem günsti­gen Moment in das Meer zu werfen. Wirkliche Verbrecher werden doch solch' günstig« Situa­tionen stetS für ihre Zwecke benutzen. Mein Klient erklärt, daß er auf Schritt und Tritt in diesem Lande verfolgt und beobachtet wurde. Der Zweck dafür konnte doch wohl nur em längst geplanter Raubüberfall auf daS junge Paar ober di« reiche junge Erbin, bi« man viel­leicht auch anderer Gründe wegen auS der Welt schaffen wollte, sein. Aber mit Bezug auf diese Erklärungen über Ausländer, die ihn versolH- ten haben die Geschworenen es nicht einmal für nötig befunden, meinen Klienten zu verhören.

In der Begründung des Urteils sagte der Richter, durch Zeugen sei hier der Beweis er- bracht, daß die letzte Persönlichkeit in Deglci- lung der Ermordeten ihr Mann war. Der aber wurde unweit des Tatortes selbst gesehen. Natürlich genüge dies« Tatsach« an sich allein wohl nicht, um die Geschworenen zur Fällung des Schuldigspruches zu bewegen. Die Ver­teidigung behaupte, daß der Mord sicherlich durch Räuber verübt sei: Di« Tote fand man ourch dünn« Bindfäden «rdrosielt am Boden liegen. Wer könnte das getan haben? Hatten di« Geschworenen da noch eine Möglichkeit, sich Umstände vorzustellen, unter denen Raubmör­der auf solch« Weis« «ine Frau um'S Leben bringen könnten? So bleib« als Schuldiget offenbar nur der Beklagt«. Dann fällt« der Richter das Todesurteil.

Seltsamer FallI Unwillkürlich entsteht die Frag«: Kann ein Richter, der das Leben, die Welt, die Psyche des fernen Osten» überhaupt nicht kennt, in einem derartig eigenartigen, für europäische Begriffe beinah« unfaßbarem Fgll überhaupt die Geschworenen belehren, unb kön­nen diese, da ebenfalls unaufgeklärt. übet jene ferne Welt, überhaupt sich ein Urteil bilden?

Kenner des OstenS müssen diese Frage mit einem Rein beantworten. Die geheimen Ber- bände der Dippen in China haben eine unge­heure Macht, eine Macht, die dort sogar der Richter fürchtet. Heute reicht diese Macht schon weit über die Grenzen Chinas hinaus Dar vielleicht ber Tod dieser jungen, reichen Erbin nicht schon längst beschlossene Dache? War es nicht etwa so, daß der junge Mongole mi, dem Liebsten, daS et auf der Welt besaß, nach Ame- rika ging, unb dann beide, da ste die Rache- pläne kannten, schließlich Zuflucht in einer entfernten Grafschaft Englands suchten? Hat nicht vielleicht ber junge Mann, da ber Dippen- Eid ihn den Mund schloß, deshallb über die wahren Gründe unb den wirklichen Hergang gesMviegen und erst am Ende mit voller lieber» zeugung feinem Richter zugerufen: ^Jch bin un­schuldig!"

ihr postiert wäre ja, dann läge der Fall be­deutend einfacher. Dann würde nämlich unte­re einsame Pappel in den Machtbereich desje­nigen DtaatsbezitkS gehören, bet auch über die anbete Pchtpel gebietet, weil eS doch nahelie- gend ist, baS alle Pappeln von der gleichen Macht in die Erde gefetzt wunden, auf daß sie, so gut es eben geht, auf dem Berliner Pflaster gedeihen mögen So aber geht die Grenze zwi­schen den beiden Bezirken just durch das Wur- zelwerk ber einsamen Pappet unb sie können unb können sich nicht darüber einigen, wem nun die Pappel eigentlich gehört. Unb eS ist garnicht unmöglich, daß Charlottenburg der Pappel wegen ben Tiergarten ntit Krieg über» zieht. Ober auch umgekehrt.

Da« krautige Ende kommt aber noch. Die Bezirksämter von Chatlottenburg unb Tier­garten raufen sich nämlich nicht etwa deshalb um die Pappel, weil sie sie gar so lieb haben, well sie diesen guten alten Baum hätscheln unb pflegen u. möglichst lang erhalten wollen. Ta wäre ja di« wahre Mutter durch einen salomo­nischen Urteilsspruch bald gefunden. Nein, die Tietgattenet und die Charlottenburger wollen den Baum gerade loSwerden, weil er ihnen im Wege steht unb jeder behauptet, der andere müsse die Arbeit bezahlen. Unb des­halb legen ste Schriftstück auf Schriftstück. Die Pappel aber kennt ihre Pappenheimer. In ihren armseligen Zweigen lispelt eS ftohlok- kend: wenn ihr erst mit Schriftstücken anfangt, bann weiß ich bann darf ich noch lange le­ben. Unb sie rüstet sich zum hundertsten geruh­samen Winterschlaf... *rt.

waldeckse Rrrriosa.

Denkwürdigkeiten au8 der Geschichte Waldecks. Zusammengestellt von Max Beck.

Die waldecksche Kirchenorbnung von 1556 bestimmt, daß die Kirchenvisttatoren jährlich einmal die Kirchen besuchen, um die Lehre, Sitten und Lebenswandel der Pfarrer zu un­tersuchen. Bor allem sollen ste darauf achten, daß keinerlei Zauberei, verbotene Wallfahrten und Wucher geschehen. Dies schien also, trotz­dem die Reformation schon über 30 Jahre in Waldeck «ingesührt war, noch immer zu blühen.

Wie nötig übrigens vorgenannte Bestim­mung hinsichtlich ber Pfarrer unb Lehrer war, ergibt sich aus vielen waldeckschen Pfarr- unb Schulchroniken. So ergibt sich z. Ä. aus ber Psarrchronik zu Affoldern, daß ber erste evan­gelische Pfarrer bortfelbft wegen eines sterile conjuzium und Herabwirtschaftung seine» Pfarrgute» deshalb seinem Nachfolger großen Schaden bereitet. Unb ber Pfarrer Wagener (um 1680) mutzte wegen verschiedener Delikte undallzu großer unb andauernder Trunksucht auf der Synode zu Wilbungen auf einstimmi­gen Antrag des gesamten Konsistoriums vom Dienste entfernt" werden.

Typ S, die Standardmarke Diese neue Greiling-Zigarette nimmt eine ganz hervorragende Stellung unter allen Zigaretten- markenein.JVicht nur, daß sie durch das gesetzlich geschützte Edelweiß-Mundstück aus hauch­dünnem Film, vor allem gegenüber Zigaretten ohne Mundstück, im Vorteil ist, bedeutet darüber hin­aus die Tabakmischung dieser Zigarette, als deren wichtigster Faktor, eine Höchstleistung, wie sie eben nur durch Standard- Marken geboten werden kann.