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Kasseler Neaeste Nachnchtm

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 256

Sonntag, 28. Oktober 1928

18. Jahrgang

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig

Einzelpreis: Wochentags l0 Pfennig.

Hur ein Vorschuß auf hie Gesaml-Röumung

r Neubau des Reichs und die Todesstrafe. Paris darf keinen Pfennig opfern

Der Neubau des Reichs und die Todesstrafe.

Der Dawesplan soll nur den Alliierten nützen. Frankreich soll es England nachmachcn.

1

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gestern zwei Titel im Werte von einer Million Lire zur Verminderung der Staatsschuld über­geben. Unter anderem sind auch vom Presse- v er ein nahezu für 200 000 Lire Staatstitel der Regierung zur Verfügung gestellt worden. Ein Faschist, welcher ungenannt bleibt, hat allein 100 000 Lire gestiftet.

Rom, 27. Oktober. (Eigene Drahtmeldung. > Heute werden vor dem Rationaldenkmal 440 Millionen Staatspapiere verbrannt, die Muffo lini zur Verminderung der Staatsschuld von Vereinen und Privaten gespendet worden sind. Die Sammer liest dem Regierungschef

Lustiger Verbrechersommer.

AlS die Heidger München unsicher machten.

München, 27. Oktober. (Privattelegramm.) Die Raubmörder Heidger und ihr Diebesgenoffe Lindemann, der vorige Woche unverletzt festge- nommen wurde kamen im Juni nach Bayern, mieteten sich unter falschemNamcnin See­hausen am Staffelsee ein und verblieben dort

bis zum 19. Juli. Sie vertrieben sich die Zeit, wie Lindemann angibt, mit GebirgStouren, Pi dein und Tanz. Am 19. Juli riefen sie in einer Wirtschaft einen Streit mit anderen Gästen her-

warum nur die zweite Zone? Die Franzosen schenken uns nur ein Räumunzs­jahr. Die dritte Zone bleibt Märtyrerland.

Berlin, 27. Oktober. (Durch Funkspruch.) Die interalliierte Rheinlandkomisflon hat, wie eine Linkskorrespondrnz meldet, sämtliche Pachtver­träge und sonstigen Abmachungen in Koblenz gekündigt und trifft alle Vorbereitungen zur Nebersiedlung nach Wiesbaden. Es liegen auch schon Anweisungen vor, in welcher Weise die Räumung der zweiten Zone erfolgen soll. Eine Ueberführung der Truppen in die dritte Zone scheint nicht geplant zu sein. Vorgesehen ist die etappenweise militärische Räumung. Die Offiziere haben bereits Befehle für dir Heimat oder Kolonien. Man spricht davon, daß die zweite Zone bis 10. Januar 1929 das wäre ein Jahr vor der vertraglichen Frist geräumt sein soll.

vor, über die sie herfielen. Ein Kaufmann er­hielt einen Messerstich in den Rücken. Lindemann wurde damals niedergeschlagen und er­hielt eine Kopfverletzung. Am 23. Juli erklärten sie, sie müstten nach Hause zurückkehren, da sich ihre Eltern um sie sorgten. Sie fuhren auch in einer Kraftdroschke weg. Ob sie erst am 29. August wieder nach München kamen wo sie auf der Polizeidirektion halbfertige Pässe, Pastfor- mulare und Stempel stahlen, ist noch nicht be­kannt. ES ist nicht ausgeschloffen, daß die drei auch bei elf schweren Einbrüchen in dieser Zeit alS Täter in Frage kommen.

Nicht leicht zu verkaufen.

Wenn Amerika die Obligationen aufnehmen soll.

London, 27. Oktober. (Eigener Drahtbericht, i In führenden amerikanischen Finanzkreisen wird nach Berichten aus Rewyork betont, daß der ame­rikanische Geldmarkt zu der Finanzierung des neuen Abkommens zwischen den Alliierten und Deutschland erst nach WegrSumung verschiedener Hinderniffe bereit sei. Eine der Voraussetzungen sei eine ständige internationale Organisation zum Studium der Markbewegungen in der ?anzen Welt und Festsetzung deS Diskontsatzes ür die Unterbringung der DaweS-Obligationen in den verschiedenen Weltmarkt-Zentren. Der Verkauf dieser Obligationen werde nur nach und nach im Laus von Jahren erfolgen können.

ihn im Gebüsch entdeckte. Wahrscheinlich hat ein Finder aus dem großen Zuschauerkreise in jener Belagerungsnacht das Geld an sich ge­nommen.

Millionen auf dem Scheiterhaufen

Wie Muffolini sich die Staatsschulden abbürdet. Ein Liebesopfer der Kapitalisten.

Die Raffelet Neuesten Nachnchlen ertoc-nen «Schern! ich 'echSmal nachmittags. Der Äbonnemenispreis beträgt für den Monat 8.30 Ji bet freier Einstellung -ns »aus in bet Geichäfwstelle abgebolt -2 - JI Durch bte «oft monatlich 3.20 JI ausichltekltch HustellungSaebübr Äernfttntbet 851 und 852 stür un»erlangt etngeunbte Beiträge kann bte Redaktion eine Berrniwortung ober (Semd 6t in feinem Kalle übernehmen Rückzahlungen be» BezugSgelbe» ober itnfvrüche wegen etwaiger nicht orbnungSmästiger Lieferung ist anSge'chlosten. Pofticheckkonto Rr inffun » M Nummer RSän Pinielntimmer in 4 LonittagSnummer 20 4

gnadigung als letzten Riegel neuen Verbrecher- tief in der gefühlsmäßigen Einstellung ;elüsten vorschieben möchte, werden erst die Ab- des Einzelnen verwurzelt, daß die scharfe Sonde timmungsergebniffc der nächsten Tage erkennen des Verstandes in diese unergründlichen Seelen- hssen. Jedenfalls liegt die ganze Materie so kammern überhaupt nicht mehr hinabreicht. F. B.

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ie sich Heidger unsichtbar machte

In der Dachrinne und hinter dem Schornstein. Der Durst trieb ihn weiter.

SchlimmesalsberXod

FrankreichsTrockene Guillotine".

Von R. W. Carey.

ES gibt wenig Plätze in bet Welt, wo bie menschliche ßreatnr so granfam leibet, wie in bem kleinen dreieckigen Gebiet an bet Nordost» küste Südamerikas, bas im Süden nnb Osten an Brasilien, im Westen an Hollänbifch- Gnaoauo nnb ans der dritten Seite an den atlantischen Ozean grenzt. Weiße vermögen das mörderische Klima kan« in ertragen. Die Luft ist infolge der fast nnnnterbrochenen Regengüste und der Feuchtigkeit bet Seewinde senchtbeitz. lohnst man in Anbetracht dieser un­menschlichen Gesangenenmartern säst von einer Knltnrfchande der gtanbe nation reden könnte.

Die ersten Kapitel aus Guyanas Geschichte er­zählen von Abenteurern, die auszogen, um Ruhm und Reichtum in dem neu entdeckten Eldorado zu suchen. Aus brutale Art zwangen sie die paar armen Weißen, die ihnen folgten, zur Arbeit und gegen die Eingeborenen waren sie um kein Haar besser. Es war eine Zeit der Plünderung und roher Willkür. Nach kurzer Blütezeit unter Col- bert kam die Katastrophe. Im Jahre 1763 warb der Minister Choiseul, der für sich und seinen Cousin einen Teil des Koureu Landes zum Ge­schenk erhalten hatte, etwa 12 000 Freiwillige an, die das Land besiedeln sollten. Sie wurden in Elsaß-Lothringen angeworben oder buchstäblich in den

Straßen von Paris aufgelesen.

Ohne Kenntnis der Verhältniffe, denen sie ent­gegengingen, machten sie sich auf den Weg nach jenen Sümpfen, von denen sie niemals wieder­kehren sollten. Für ihren Empfang waren kei­nerlei Vorbereitungen getroffen. Ihre Lebens­mittel und Kleidungsstücke wurden von Regen Seewasser vernichtet. An Stelle höchst notwen­diger Küchenutensilien fanden sie Kisten voll Schlittschuhe unter ihrer Ausrüstung... Nach zwei Jahren waren noch knapp tausend am Le- den. Fieber und Hunger hatten ihre Reihen ge­lichtet, denn Gelbes Fieber, Malaria und Ruhr wüten in diesen sumpfigen Niederungen. In der Zwischenzeit waren sechzehn Royalisten, Opfer des Staatsstreichs von 1797 nach Cayenne, der Hauptstadt von Guyana, deportiert worden. Ihnen folgten bald weitere 600 nach. Wenige dieser Verbannten sahen ihre heimatliche Küste wieder. Einer schrieb damals von feinem Aufent­halt:Kein Europäer war wohl jemals in einen derartigen Kerker geworfen und einem solchen Klima ausgesetzt worden, wo man den

Skorpionen, Tausendfüßlern, Mücken und Moskitos

und anderen Arten von Insekten hilflos ausge- setzt war. Am meisten quälten uns die Checa oder Miguas, eine Jnsektenart, die in die Po­ren der Haut eindringt und dort, wenn sie nicht sorgsam entfernt werden, ihre Eier ablegen und das Gewebe rasch zerstören, sodaß eine Amputa­tion unvermeidlich ist". Er war mit den letzten der acht Ueberlebenden auf einem selbstgezimmer- ten Boot und mit Hilfe eines amerikanischen Ka­pitäns der Hölle entkommen. Nordamerika wurde in vielen Fällen die Zufluchtsstätte dieser Armen, die den Schrecken des Strafdienstes entflohen. Mit der Zett wurde systematisch versucht, die Kolonie mit Verbrechern zu besiedeln. So im­portierte oder vielmehr exportierte man die herabgekommenen Weiber Frankreichs, um zu­künftige Heime für die Kolonisten zu gründen. Es war ein verfehltes Unternehmen und die Ur- fache von grauenhaften und namenlosen Schrek« ken. Diejenigen, die zu acht Jahren oder toent« ger verurteilt wurden, mußten und müssen> denn diese Regel gilt noch heute dieselbe Anzahl Jahre alS Freie oder Freigelassen« dort zubringen; wer zu mehr als acht Jahre der- urteilt wurde, mußlebenS länglich drüben bleiben. Aber alle Bedingungen sprachen gegen ein Gelingen des PlaneS. Die Verbannung nach Guyana bedeutete

fast immer den sicheren Tod.

Es war, wie ein Gefangener sich auSdrückte,die trockene Guillotine". Unter dem mörderischen Klima dieses Landes bricht der Mensch bald kör­perlich und geistig zusammen. Keinerlei Rah- rungsmittel, deren der Europäer bedarf, können in diesem feuchten Boden gedeihen. Und so muß alles eingeführt werden. Obgleich es eine üppige Vegetation gibt, sind die Wälder doch Brutstätten der Keime tödlicher Krankheiten. Die Truppen, die die Sträflinge beaufsichtigen, werden alle zwei Jahre abgelöst. Sie sind gegen die ständige Sonnenhitze geschützt und werden gut verpflegt, während die ganze Arbeitslast auf die Sträflinge ällt. Die Verbrecher sind in drei Gruppen ein- geteilt, die Deportierten, die Wegelagerer, Räu- ber, Mörder, die zu mindest fünf und höchstens

Köln, 27. Oktober. (Privattelegramm.) Einem Pressebericht zufolge hat der Raubmörder Jo­hann Heidger noch kurz vor seinem Tode sol- gende deutliche Auskunft über seine Flucht ge­geben: Rach Ueberklettern der Gartenmauer turnte der Mörder an einem Regenrohr in die Höhe bis aus das Dach eines Nachbar­hauses. Dort legte er sich in die Dachrinne, die sehr breit und ziemlich lief ist. Daher konn­ten die suchenden Spiegel der Feuerwehrschein­werfer ihn nicht finden. Von dort aus konnte Heidger alle Bemühungen der Polizei genau übersehen, da auch das Publikum den gan­zen Tag über rings um den Villenblock zog. Am Dienstag abend stieg Heidger auf das be­nachbarte Dach der Colonia-Versicherung und klemmte sich dort hinter einen Schornstein. So blieb er

hockend bis Mittwoch abend.

Dann glitt et herunter zur Dachrinne und stieg aus dieser bis zum geöffneten Fenster des Fremdenzimmers im Hause des General­direktors Dr. Oertel. Entsetzlicher Durst quälte ihn mehr noch als Hunger. Von Durst ge­trieben hielt er das Dienstmädchen an, das am Donnerstag morgen herauflam. Er verlangte Wasser und streckte dem Mädchen gleichzeitig die Pistol« entgegen. Die Brieftasche des Heid­ger mit viertausend Mark Raubgel­dern ist noch nicht gefunden. Der Koffer, in dem sich das Geld befand, war geöffnet, als man

Paris, 27. Oktober. Der in Berlin weilende Pariser Berichterstatter Sauerwein äußert sich auf Grund amtlicher Informationen über die Reparationsverhandlungen: Jeder vernünftige Mensch müsse zugeben, daß eine unendliche Sum­me absurd sei, weil ein Volk nicht ewig zahlen könne um sich zu befreien. Der Sachverständigen- Ausschutz habe nur den Auftrag, die Zahl der Jahreszahlungen und ihre Beträge festzustellen. Parker Gilbert denke nicht an eine grundlegende Revision des Dawessysiems, sondern er wolle nur den Dawesplan vervollständigen, wie es die Sachverständigen von 1924 vorgesehen hät­ten und zwar in der

Festsetzung der Schuld.

Das System könne nicht aufgegeben werden Deutschland werde durch seine Zahlungen nicht erdrückt, sondern erfreue sich eines wachsenden Wohlstandes. Warum solle man darum eine fruchtbare Methode in ihrem Fundament erschüttern? (!) Bis zur Vornahme größerer Kreditoperationen müsse der Dawesplan mit leichten Aenderungen bestehen bleiben. Die Bal- four-Doktrin (England zahlt nut soviel als es von seinen Schuldnern erhält) sei nicht die ein­zige Grundlage der französischen Ansprüche in Deutschland. Frankreich habe ein großes In­teresse daran

das gleiche Kriterium anzunehmen.

Die Verbindung, die man zwischen den franzö­sischen Zahlungen an England-Washington und den an Frankreich geleisteten Zahlungen Herstel­len wolle, sei für Frankreich nicht vorteil­haft. Wenn die französischen Erklärungen zu sehr auf sich warten ließen, würde sich die deutsche öfsentliche Meinung auf halbem Wege verirren und die Politik der Annäherung zwischen den beiden Völkern könnte darunter stark leiden.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, scheint es mit der Neu- und Umgestaltung des Reichs nun doch Ernst zu werden. Aus dem Gewoge wohl­gemeinter Resormphaniasien, aus dem Wust von 26 maßgeblichen und unmaßgeblichen Entwürfen hat das Reichskabinett einen soliden und klaren Grundriß herausgesischt, aus dem der Einheits­staat sich S t u s e f ü r S t u f e hochtürmen kann. Nicht als ob man in Jahrhunderten gewachse­nes, vielgestaltiges, kostbares Kulturgut deut­scher Stämme mit einem Federstrich Hinweg­dekretieren oder die schöpferische Eigenart des Volkslebens ein für allemal in eine Reichs­schablone nach Berliner Format pressen wollte: Die beiden Arbeitsausschüsse der Länderkonfe­renz sollen mit behutsamen Händen, ohne die leistungsfähigen Länder anzutasten, namentlich kostspielige Verwaltungsgebiete einheitlicher gliedern, sowie die Machtbefugnisse zwischen Reich und Ländern neu abgrenzen. Das Reich will seinen Gliedern lebenswichtige Funk­tionen durchaus selbst überlassen und ihnen auf Wunsch auch reichsetgne Verwaltungsausgaben übertragen. Unmöglich ist natürlich auch fürder der Regierungs-Doppelkopf in Ber­lin, der Preußen und Retch schon feit Jahren gegeneinander ausspielt, indem er meist mit dem einen Gesicht nach rechts, mit dem anderen nach links weist, sodaß oft weniger fruchtbare Staatsarbeit als sterile Partei- quengelei zustandekommt. Uns haben Aus­wüchse ber Partei-Rivalität bei Kendell-Braun zu ost peinliches Mißbehagen verursacht, als daß wir nicht mit Wohlgefallen die Uebernahme der preußischen Ministersessel in die Regie der Reichsverwalter geschehen lassen würden.

Der Hauptwiderstand gegen diese unaufhalt­bare Reichsreform an Haupt und Gliedern ballt sich einstweilen noch in München zusammen, dessen Vertreter sich zwar nicht mehr wie im Anfangsstadium völlig ablehnend verhalten, die aber doch in Süddeutschland zum Sammeln ge­blasen haben, um zu retten, was noch von den unumschränkten, eigenmächtigen Hausherren­rechten südlich des Main zu retten ist. Die Be­auftragten des Reichs werden von vornherein den sich versteifenden ®cgenfä$en und einem et­waigen Zerfall zwischen Nord und Süd derart die Spitze abbrechen müssen, daß sie den Wei­sungen Berlins gemäß den Ländern den Lebens­nerv der Selbstverwaltung nicht gleich völlig abbinden. Vielleicht wird aber der Druck aus den Geldbeutel auch den bajuvarischen Trotzkopf mit der Zeit zu der Einsicht bekehren, daß man dem Reich auch geben muß, was des Reiches ist, und daß in einem durchrationalisier­ten Staatswesen nicht aus die Dauer die sich selbst im Höchstmaß einschränkenden benachbar­ten Volksgenossen für den kostspieligen LuxnS bayrischer Eigenstaatlichkeit aufkommen können. Dieser eiserne Zwang zur Sparsamkeit ist der beredteste Anwalt für die durchgreifende Vereinheitlichungsaktion, wenn wir nicht zulassen wollen, daß durch neue Stenerbelastungen der soziale und kulturelle Lebensstandard der Mas­sen noch tiefer gedrückt und auch die WirtschaftS- gesundung hintangehalten wird.

Nicht minder heftig ist der Streit der Mei­nungen auch zur Stunde.um das Für und Wider der Todesstrafe entbrannt, deren Beseitigung belanntliu, der alte Reichstag ab» lehnte, und deren Schicksal noch eine Belastungs­probe für die neue Regierungskoalition bedeu­ten dürste. In den tagelangen, leidenschaft­lichen Debatten scheinen die Befürworter der Ab­schaffung von links gegenüber den Anhängern der Todesstrafe von rechts etwas an Boden ge- Wonnen zu haben, wenn sich über das Abstim- mungsresnltat auch noch nichts Voraussagen läßt.Die Todesstrafe schreckt ab. Wir können auf sie als ultima ratio der Staatsführung und wirksamsten Schutz der Gesellschaft nicht ver­zichten!" psalmodiert der Chor zur Rechten. Noch nie hat einen Mörder das Schaffott ge­schreckt. Und wer will die unmenschlichen Qua­len wochenlanger Todesängste länger mit seinem Gewissen verantworten?" schallt es ans den Reihen mitleidsvoller Seelen von links zurück. Wenn sich auch nicht leugnen läßt, daß das Hen­kerbeil vielleicht schon ein unschuldiges Haupt getroffen hat, so will doch selbst der Demokra­tenführer und Justtzminister Koch nicht auf die Anwendung der Tortur in Zeiten äußerster Ge­fahr verzichten. Cb aber der Vorschlag des greifen Volksparteiführers und Lenkers von vielen Strafreckttsschlachten. Kahl, einen Aus­weg aus dem Dilemna bahnt, der die l e b e n S - längliche Sicherheitsverwahrung für Verurteilte auch nach ihrer eventuellen Be-