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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Freitag, 26. Oktober 1928.

Nummer 254 Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

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18. Jahrgang

Oberst Bauer baut Chinas Armee auf.

Wie sie Raubmörder Heidger fingen / Bondiienschk ecken In aller Welt.

Durib tiefe Täler.

Nach der Dawesrevision die volle Souveränität.

Von

Staatsskr. z. D. Frhr. v. Rheinbaben (M. V. R.)

Je nüchterner und materieller die auf die Macht gestützten Forderungen der ehemaligen Kriegsgegner uns gegenüber sich darstellen, in um so fahlerem Lichte erscheint die Tätigkeit der Genfer Institution und ihre Tätigkeit in Rich­tung auf Stärkung des Rechts im Völkerleben. Denn für das, was nun in einer neuen Pe­riode äußerer und innerer Politik für Deutsch­land eingeleitet worden ist, brauchten wir eigent­lich keinen Völkerbund und alle schönen Reden haben mit unserer deutschen dringenden Forde­rung auf Wiederherstellung territorialer und fi­nanzieller Souveränität so gut wie nichts zu tun. Aber immerhin: Der deutsche Weg zur Freiheit ist lang und schwierig und wir dürfen den zwei­ten Schritt nicht vor dem ersten tun. Dieser erste und nächste Schritt ist, daß wir Franzosen, Engländer und Belgier von deut­schem Boden herunterkriegen und die fremde Finanzkontrolle^ bei gleichzeitiger Herabsetzung der Reparationszahlungen loswerden! Nach den jüngsten Besprechungen des Repcxationsagenten in Paris, London, Berlin befugen wir uns jetzt im vollen Aufmarsch zu einer neuen Taweskonferenz. Die ganze Sache geht selbst­verständlich keinesfalls ohne Amerika. In Frank­reich hat derTanz der Milliarden" begonnen und im munteren Wechsel werden wieder so große und unmögliche Summen genannt, daß man sich um sieben Jahre zurückversetzt fühlt. Da diesmal jedoch anders als damals die Her­ren Bankiers, die auf Grund der deutschen Kreditwürdigkeit eine internationale Anleihe emittieren sollen, von vornherein ein gewichtiges Wort mitz »sprechen haben, und wir schlimmsten­falls bei Abbruch der Verhandlungen auch nicht schlechter dastehen würden, als vor ihrem Be­ginn, brauchen wir diesmal ein ähnliches trau­riges Ende wie das der damaligen Verhandlun­gen Ruhreinmarsch nicht zu besorgen. Die Notwendigkeit einer freiwilligen deutschen Zustimmung durch eine genügende Mehrheit un­seres Volkes ist das beste Atout in unfern Händen.

Lloyd George lieferte Deutschland 1919 den Franzosen aus Lord Curzon erkannte 192223 die Gefahr der französischen Hegemonie. Im Herbst 1923 vermittelte die englische Politik in der Richtung auf den Dawesplan und Amerika. 1925 trug England fitf das Zustandekommen von Locarno weitgehende Verantwortung. Seitdem beherrschte der Gegensatz zu Rußland und die Flottenrivalität mit Amerika die Situation und England sucht bei Frankreich Rückendeckung ge­gen Amerika. Das ist Weltpolitik größten Stils und die Frage für Deutschland die, ob der Frie­de in Europa für England schwer genug wiegt, um in entsprechender Weise bei endgültiger Re­gelung der Reparationsfrage nickt nur seine ei­genen Interessen wahrzunehmen, sondern zum Ausgleich und' der europäischen Verständigung beizutragen. So wollen wir Deutsche als die Meistbetroffenen in erster Linie die Ohren steif halten. Wir wollen und müssen diesmal auch den Fehler von 1924 vermeiden und auf irgend einen vorschnellen Abschluß hindrängen Bei solchen Verhandlungen muß es auch dem Uniformierten oder dem mit falschen Schlag­worten Benebelten klar werden, daß es zwischen Deutschland und seinen Kriegsgegnern schon lan­ge nicht mehr um die Frage Krieg oder Frieden, Verständigung oder Nichtverständi­gung geht, sondern einzig und allein darum, w i e dieser neue Friede und diese Verständi­gung ausgestaltet werden sollen. Sechshundert Millionen Defizit im kommenden Etat, schwere Arbeitskämpfe und manch andere dunkle Stel­le in deutscher Wirtschafts-. Steuer- und Sozial­politik mahnen uns zu äußerster Vorsicht. Alle diese Fragen und überhaupt die innerpoli­tischen Kämpfe des kommenden Winters werden weitgehend unter dem Zeichen der Ver­handlungen zur Dawesrevision stehen müssen Aeußere und innere Politik, Politik und Wirt­schaft neben nun wieder so deutlich untrennbar ineinander über, daß kein Problem für sich allein betrachtet werden dürfte und kei­nes für sich allein gelöst werden kann.

Wir wollen den besten Mann für die Da­wesverbandlungen aussuchen und müssen zu Hause innerhalb der Ministerien denjenigen ein­fachen. aber gründlichen Avvarai schaffen, der zur erfolgreichen Durchführung der überaus schwierigen Verhandlungen dringend notwendig ist. Wann und in welcher Form die Fragen der territorialen Souveränität, d. h.

der völligen Räumung von Rhein und Saar von uns wieder in die Debatte geworfen werden wird, das ist eine Frage der Diplomatie und klu- er politischer Entscheidung. Nur über das Ende der ganzen Aktion, soll sie überhaupt gelingen, haben wir schon heute eine feste und klare Idee: Soll die deutsche Wirtschaft in ihrem heutigen Zustande bei passiver Handelsbilanz und weite- er Abhängigkeit von ausländischen Krediten ndgültige Lösungen aus sich nehmen und aner­kennen, dann kann sie das nur in einem wieder voll souveränen deutschen Staat, der gegen falsche Vertragsauslegung und Ein­griffe irgendwelcher Art von Außen vollständig und einwandfrei gesichert ist, und der das un­anzweifelbare Recht besitzt, sich aus Konflikten Anderer herauszuhalten!

Oberst Bauer -rillt China.

Ludendorffs rechte Hand lenkt den Genxralstab.

London, 25. Oktober. Nach einer Meldung aus Schanghai ist der deutsche Oberst Max Bauer, früher im Generalstab Ludendorffs, von der chinesischen Regierung mit der Reorga­nisierung der Mprstschen Armee beauftragt wor­den. Außkyd-lt mt er zum zur Zeit ersten mili­tärischen Sia'ih-uK. beim chinesischen General- stab ernannt worden. Oberst Max Bauer be­findet sich zur Zeit auf dem Wege nach China, begleitet von mehreren deutschen Offizieren.

Verschärfte Lohnkrisen.

Enste Parolen in Essen.

Essen, 25. Oktober. (Privattelegramm.) Der christliche Metallarbeiterverband beschloß nach einer erregten Aussprache, alles daran zu setzen, um eine endgültige Lösung der strittigen Lohn­fragen zu erreichen. Sollte jedoch der angedroh­te Kampf unvermeidlich sein, so werden die Mitglieder aufgefordert, nur den Anweisungen des Verbandes Folge zu leisten. Am Sonnabend soll in eine Versammlung Stellung zu dem augenblicklichen Wirtschaftskampf in der Westdeutschen Industrie genommen werden.

Jahre hundert Reisende eines Zuges tötete, einen neuen Handstreich verübt hat. Seine Bande zog die U n i f o r m e n von Soldaten an, die sie getötet hatte. Dann begaben sich die Banditen in eine Stadt bei Mexiko und warben Frei­willige unter dem Vorwand, daß sie beabsich­tigten, die Banditen zu verfolgen. Nachdem die 27 Angeworbenen die Stadt verlassen hatten wurden sie von den Banditen niedergemet­zelt und beraubt. .

Mordbrenner am Balkan

Greueltateu int Bauernhaus. Feuergefecht und Gefangennahme.

Sofia, 25. Oktober Im Dorfe Senebier (Be­zirk Warna) überfiel abends eine Bande von acht bewaffneten Männern das Haus eines rei­chen Bauern. Die Räuber begossen das Haus mit Petroleum und zündeten es an, sodaß der Bauer bei lebendigem Leibe verbrannte. Seine Frau, seine Tochter und fein Sohn wur­den bestialisch mißhandelt. Nach Entwendung von 200 000 Lewa flüchteten die Banditen. Sie wurden von Gendarmen verfolgt und nach ein­stündigem Feuergefecht wurden vier gefangen ge­nommen, während die anderen entkamen.

mtse^-gers letztes Stim-leiir.

'inem-Dur^ Handgranaten schwer verletzt.

e Köln, 25. Oktober. (Privaltelegramm.) Der Raubmörder Johann Heidger wurde heute vormittag in demselben Häuserblock, in dem er dieser Tage verschwunden war, entdeckt. Die mit Karabiner, Handgranaten usw. ausge­rüstete Polizei nahm eine förmliche Belage­rung des Hauses vor, und nach einem länge­ren Feuergefecht wurde Heidger, vermutlich durch eine Handgranate, getötet. (Siehe auch Aus aller Welt". D. Red.).

Köln, 26. Oktober. '(Privattelegramm.) Nach einer weiteren Meldung ist der Raubmörder Heidger bei dem heftigen Feuerkampfe nicht, wie anfänglich angenommen wurde, getötet, sondern lebensgefährlich verletzt worden. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Auch ein Polizeibeamter wurde lebensgefährlich verletzt.

Siirairzgeiries an -ie Front!

Das große Reparations-Kopfzerbrechen.

London, 25. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Wie ein diplomatischer Korrespondent berichtet, hält man es für wahrscheinlich, daß die Alliier­ten vor Abschluß der Besprechungen Parker Gil­berts mit der deutschen Regierung, weitere Schritte für die Bildung eines Fi nanz- ko mite es zur Prüfung der endgültigen Re gelung der Reparationsfragen tun werden. Die betreffenden Finanzsachverständigen seien inzwi­schen eifrig tätig gewesen, um den notwen­digen Gesamtbetrag für die Deckung der Schuldverpflichtungen zu ermitteln.

Ott JRinlütr t>?iieat zu f n rjen.

London, 25. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Schatzkanzler Churchill äußerte in einer Rede, das Rüstungsabkommen mit Frankreich bedeute einen Fortschritt in Richtung auf eine eventuelle Einigung über die Weltabrüstung. (!) Die Nei­gung, den Rüftungsfragen einc internationale Wichtigkeit zu geben, sei angesichts der jetzigen friedlichen Weltlage gar nicht berechtigt. (!)

Rache eines Verschmähten.

Er sticht die frühere Braut mit dem Schlächtermesser nieder.

Essen, 25. Oktober. Der 25 Jahre alte Berg­mann Eckholt tötete gestern abend die 28jährige Hausangestellte Grete Bergmann, die das Ver­löbnis mit ihm gelöst hatte, während der Ab­wesenheit der Dienerschaft durch 40 Stiche mit einem Schlächtermeffer. Der Täter hatte das be­nutzte Messer vor einer Woche in das Haus ein, geschmuggelt und dort unter einem Sofa ver­steckt. Nach der Tat hat er seine blutigen Klei­dungsstücke an der Wasserleitung gereinigt und sich auch die Hände gewaschen. Als er im Be­griff war, das Haus zu verlassen, wurde er festgenommen. Nach anfänglichem Leugnen hat er die Tat eingestanden und zugegeben daß sie bereits längere Zeit vorbereitet war

Greuel einer Räuberban-e.

Der Todeswerber in der Mexikanerstadt. Nach 100 Reisenden 27 ahnungslose Bürger

Newyork, 25. Oktober. (Durch Funkspruck > Bus Mexiko wird gerne!?--' daß der Bond-nfüh rer Benjamin Bcndoza, dessen Bandc im letzten

Der To- am rNinisterbett.

Was Svehla noch heilen könnte.

Prag, 25. Oktober. Rach Pressemeldungen ist der Ministerpräsident Svehla so schwer erkrankt, daß jeden Augenblick mit feinem Ableben gerechnet werden kann. Die Krankheit ver­lange einen längeren Aufenthalt im Süden, doch lasse fein Gesundheitszustand eine lieber- fiebelung nicht zu. Jede Prognose für die Zukunft sei unmöglich.

Gekränkte Ehre.

Nach dem Parlamentsduell zwei richtige.

Budapest, 25. Oktober. Heftige Lärmszenen und Zusammenstöße int ungarischen Abgeordne­tenhaus haben zu einer Duellforderung geführt. Zwei demokratische Abgeordnete verlangten vom Staatssekretär des Inneren Sztramiavszky im Namen des Abgeordneten Fabian ritterliche Genugtuung. Ter Staatssekretär nahm die Forderung an.

Der Zeppelin fährt erst heute.

Wegen der Wrtterungunst verschoben.

Newyork, 25. Oktober. Die Rundfahrt des Grafen Zeppelin mußte gestern auf heute Don­nerstag nachmittag 5 Uhr (23 Uhr mitteleuro­päischer Zeit) verschoben werden, weil das Luft­schiff die Fahrt unter schwerem Gewitter und starken Gegenwinden hätte antreten müssen. Die Fahrtteilnehmer find bereits in Lakehurst ver­sammelt.

Bayern schon ängstlich.

Aber der Einheitsstaat noch weit.

München, 25. Oktober. Ein Blatt äußert sich zum Abschluß der Länderkonferenz, daß die Be­fürworter der Reichsreform an Boden gewonnen haben. Die Probleme feien zwar nicht gelöst, fandern nur vertagt worden. Das Damokles Schwert der Vernichtung schwebe aber drohender denn je über den Ländern. Auch die eingefleisch­testen Unitaristen seien jedoch belehrt, daß die Zeit noch nicht gekommen fei, um den auf purem Zentralismus aufgebauten Einheitsstaat zu errichten Ein radikaler Verfaffungsumsturz würde mehr Schwierigkeiten als Erleichterungen bewirken.

DieweißeBettelnonne.

Geheimnisvolle Erlebnisse in Tibet.

Was ist das für eine Fra«, bie beinahe zwei dabnebnte ihres Lebens in ben himmelhohen Bergen Tibets als Beitelnonne nttb Eremitin gelebt hat? Die znm ersten Mal, als Fran, ohne Karawane, oftmals sau, allein, verklei» bet, inmitten eines abgeschlossenen, frembeu« feindlichen Volks gewanbert ift nnb nach man­chem Mitzerfoly nnb bösen Gefahren des Kli- >n feine ben Fremden »erbotene un­verschlossene Hanvtftadt Lhasa vordrang!? Nnr ein paar Fachleute und Forscher, wie der am 6. November im Evangelischen Bereinshans Kassel auftreienbe Tibetabenteurer Dr. Fisch, «et, kennen heute in Deutschland ihren Na­men Madame Alexandra David-Nee k. über die unser Mitarbeiter folgendes berichtet: Dr. Filchner erzählte eines Tages von dieser geheimnisvollen Frau, die Buddhistin Wurde und berichtete, daß sie zurzeit in Berlin zu Be­such alter deutscher Freunde Weile. Dort in ei­nem bürgerlichen Wohnzimmer herrschen plötz­lich zwei dunkle, gespannte und klare Augen Schwarze südländische Haare, eine von dem milden Klima Tibets bräunlich gegerbte Haut und in einem durchaus europäischen Antlitz die Züge einer fremden asiatischen Welt. Und nun geschieht das Unerwartete: In das ganz von ihrer tatenfrohen Lebendigkeit erfüllte Zimmer tritt kaum bemerkbar Lama Uongden. In europäischer Kleidung, untersetzt der Super­lativ einer leisen Existenz. Tas ist Mme. Neels Adoptivsohn, 29 Jahre alt. Man ist gespannt.: Was wird gesprochen werden? Mme. Neel be­weist ihre Aktivität, sie erzählt gern und leb­haft, zog zu Fuß, wie noch keine Frau vor ihr und auch kein Mann über die himmelho­hen, die Alpengipfel überbietenden Pässe auf endlosen Karawanenstratzen, ohne Zelt, weit und breit keine Hütte, von China in acht Monaten tief in das Land hinein. Und es gelang ihr, verkleidet, mit

geschwärztem Gesicht, festvcrklebten Haaren, das einzige Gepäck tagelang allein in der dün­nen Höhenluft auf bgm Rücken schleppend, in Tibets Hauptstadt Lhasa, die sich allen Fremden hermetisch verschließt, unerkannt mit Lama Pongden als Bettelnonne einzudringen. Sven Hedin, der dasselbe Wagnis mit denselben Mit­teln unternahm, wurde zurückgewiesen:Keinen Schritt weiter oder den Kopf ab!" Auf Photo­graphien, ihres demnächst auch bei Brockbaus erscheinenden Buches:Arjoge, der Bettelpilger" sieht man sie in ihrer Verkleidung an den Mau- ern Lhasas. Zuvor hatte sie als lamaistische Ere­mitin in einer

Höhle in 3900 Meter Höhe gelebt, vier Monate hindurch, ohne eine Menschenstim- me zu vernehmen. Warum diese Opfer? fragt man sich, wenn man sie erzählen hört, wie sie zu anderer Zeit zu Gast gewesen ist, bei der Mut- ter des Taschi Lama, des anderen hohen Herrn von Tibet neben Dalai Lama. Sie sagt es selbst: Der Zweck der Reise war nicht wie bei Sven Hedin oder Filchner vor allem die geographische Forschung. Sie wollte das Leben und besonders seine religiösen Erscheinungen studieren und an sich selber erleben. So nahm sie, die Fünfzigerin, das Eremitendasein in der Winterkälte auf sich, um in einer ArtLabora­torium der Seele" die Ergebnisse monatelanger Meditationen an sich selber zu erproben. Aus dieser Zeit kennt sie die seltsamen und geheim­nisvollen Hebungen der eingeborenen Eremiten, die zum Beispiel ihren Körper auf irgendwelche mystische Weise bei größter, eigentlich unerträg­licher

Kälte zu stärkerer Wärmeentfaltung bringen. Auf allen diesen Wanderungen in vier­zehn Jahren durch Tibet, die sie in nächster Zeit durch eine neue Reise in die Mongolei ergänzen will, versucht sie, die Geheimnisse der noch fast ganz unbekannten rätselhaften und ihrer Her­kunft nach ungewissen Religion in ihren Urfor­men zu erforschen. Noch heute leben einzelne tolerierte Anhänger dieser uralten, in ihren jetzigen Formen wahrscheinlich sehr verzerrten Pön-Religion in zwei Sekten gespalten in Tibet. Aber niemand kennt die Herkunft dieses magischen Glaubens, der mit Tieropfern. Zau­berkünsten und seltsamen Vorstellungen einer ArtTransmigration" verbunden war. Aber auch heute noch begegnen dem Reisenden in Tibet, der sich, wie Mme Neel in das Volk ein- fügt, die

seltsamsten und mystischsten Erscheinungen.

Sie erzählt von der Begegnung mit einem Sän­ger. Er fang die Geschichte eines großen er­obernden Kriegers und tibetanischen König- aus dem achte« Jahrhundert, dessen SSiebir"'