Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

$te Raffelet Neueste» Nachnchieu erfdx'nen md<btntltd> «echsmat nachmittag» Der ilbuunemenieprei» beuäoi für den Monat 2.20 X bet freier Aufteilung ne Haus in bei Gefchausitelle abaebolt 2 X Dur» btt Poft monatlich 2.2ti X austchlietzltch AnftellunasgebSbr Aetnfpmber B51 nnb #52 »ür unverlangt etnaeianbte Beiträge kann bte Redaktion eine Benniroortane obei Sewäbt t« keinem Äalle fibernebmen Rückmhlvnaen be» BemgSgelde» obei AnivrSche wegen etwaiger «ich« orbnungSmäktiger Aefernng fft anSse'chlokfen Pofttcheekkonto ürinffun a M Nummer Rftsn Einielnnmmei in A TonntagSnnmmer2» A

Hessische Abendzeitung

Lnaeigenptette: iiinbetmif»e Setchattsanietgen bte mm-Aelle 1U A auswärtige AetchättSan,eigen die mm.teile 10 A framilienanieleen bie mm-Actle 10 A «lerne Sujetgen au» Raffel ba» Son 6 A auswänige «letue Rnietgen bte mm. Aelle 10 T Reklamen bie mm-.teile *s A Cffertgebübi 35 A ibet Auftellung Ö At Rechnungsbeträge innerhalb 5 tagen tablbit itüi die Richtigkeit aller durch Fernsprecher auiaegebenen «»zeigen sowie für «ufnabmebaten und Slaee kann »ich, garantiert werden tdllr Rn teigen mit besonders fdtmiertnefn Latz lOk> «rotem Auf'chlig Druckerei- Sckl-ichtbosstt M'ÜN Geschäftsstelle- «öl» ®h 5

Nummer 248

Einzelpreis^ Wochentags 10 Pfennig

Frettag, 19. Oktober 1928.

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig

18. Iahraairg

England hintertreibt die Dawesrevision.

Gozialiftenkrach um Mfudski / Der Zeppelin meistert Voiitik und Laste.

Wer zulrstt lacht...

Das große Fiasko des Volksbegehrens.

Auch ohne endgültiges Ergebnis steht heute schon fest, daß die Kommunisten kaum die Hälfte der Stimmen zusammengebracht haben, die für ein Gelingen des Volksbegehrens .tätig gewe­sen wären. Dabet hatten ste auf Grund der Reichstagswahlzisfern nicht nur mit den für die Kommunistische Partei damals erzielten Stint» men.sondern darüber hinaus auch noch mit den Stimmen vieler Sozialdemokraten und Pazi- fisten gerechnet. Die Rechnung ist also gründ- lich daneben gegangen. Die Ursachen für diesen Fehlschlag dürsten verschiedener Natur sein. Zunächst einmal gehört jUtn Gelingen eines Volksbegehrens ein gewaltiger politischer Schwung, also auch eine besonders zugkräftige Parole. Gewiß wird der Panzerkreuzerbau von Millionen deutscher Staatsbürger nicht gerade als dringendste Aufgabe der Gegenwart betrach­tet. Aber auch diejenigen, die ihn ablehnen, glaubten deshalb noch nicht, des Volksbegeh­rens zu bedürfen. Man sieht auch noch andere Wege vor sich, um das Ziel zu erreichen. Man hat außervem gegenwärtig über die politischen Sorgen hinaus noch an so viele, dring­lichere Angelegenheiten zu denken. Die Erinnerung an den Ausgang des Fürsten­entscheids wirkt auch nicht ermutigend. Sicher­lich hat der damalige Mißersolg aus das dies­malige Volksbegehren lähmend gewirkt. Denn die damalige Parole war in weiten Kreisen sehr viel populärer, und die ganzen Schwierig­keiten der Durchführung eines Volksentscheids bis zum Erfolge waren damals den Politikern noch nicht bewußt. Eigentlich war die Lehre des Fürstenentscheids die, daß so ziemlich jeder Volksentscheid in Deutschland von vornherein zu einem negativen Ausgange verur­teilt ist. Aus Sorge vor allzuweit reichenden Konse.uenzen dieser bei uns noch nicht erprob­ten demokratischen Einrichtung haben die Ver­fasser der Durchführungsbestimmungen die Sicherheitsventile so scharf eingestellt, daß schließlich auch die gewaltigste Kraft wirkungs­los entweichen kann. Mit einer solchen Ma­schine zu fahren, die von vornherein nicht viel Aussicht bietet, ihr Ziel zu erreichen, hat aber naturgemäß der normale, vernünftige Mensch wenig Lust.

Und selbst wenn das Volksbegehren die Pan­zerkreuzerfrage noch einmal vor den Reichstag gebracht hätte, was hätte dann das Parlament damit anfangen sollen? Die Formulierung des dem Volkshegehren zugrundegelegten Gesetzes- Vorschlages war so ungeschickt wie möglich. Er verbot ohne jede zeitliche oder sonstige Beschrän­kung den Bau von Panzerschiffen und -Kreuzern Auch wer für eine durchaus friedsame deutsche Potilik ist, würde trotzdem die Verantwortung nicht auf sich nehmen können, der deutschen Poli­tik für alle Ewigkeit und unter allen Umständen in dieser Weise die Hände zu binden. Wenn z. B das kommuni st ischeRußland im Gegen­satz zu dem Volksbegehren der deutschen Kom­munisten einen Panzerkreuzer nach dem anderen in die Ostsee entsendet, wie könnte es da in Ber­lin verantwortet werden, sich grundsätzlich jeder Gegenaktion zu enthalten? Würden nicht am Ende gar die deutschen Kommunisten selbst für deutsche Panzerkreuzer sein, wenn irgend eine politische Konstellation dazu führen sollte, daß Deutschland einmal anderSeiteRußlands im Kampf gegen andere Mächte stände? Die deutsche Politik spielt mit solchen Möglichkeiten gewiß nicht, aber der Mentalität der Urheber des Volksbegehrens sollten sie eigentlich nicht ganz fernliegen. Doch eS ist ja öffentliches Ge­heimnis, daß die Kommunisten selbst ihre Unter­nehmen garnicht ernst genommen haben. Es ging ihnen garnicht, um den Panzerkreuzer, we­der um den jetzigen noch um die zukünftigen, sondern um die Schädigung der Sozialde­mokratie.

Für die Sozialdemokratie war die Situation wegen der iinistee anfang - fatal. Konnte man doch .licht übersehen, wi» die v-rärgerten Wäh­ler sich verhalten w'rd-n. Aber was ur­sprünglich eine Gefahr für die Partei war, ist letzt zu einer Befestigung für sie geworden Die Kommunisten werden sich von der großen Enttäuschung nicht so bald erholen. Ihre Kam- pfesweise hat wahrscheinlich viel dazu beigetra­gen, die Leute a b z u s ch r e ck e n. Die Absetzung ihres Parteiführers Thälmann feine We dereinsetzuna durch Rußland, offenbarte doch seltsame Zustände innerhalb der Partei und eine so beschämende Abhängigkeit von Moskau, daß

die Stimmung für das Volksbegehren in den eigenen Anhängerkreisen stark gedämpft wurde. Es find ja nid), einmal die kommunistischen Wähler von 1828 zur Einzeichnung gekommen. Die Revolver-Köpenikiade beim Berliner Rundfunk konnte auch nur in gewissen, für solche Dinge empfänglichen Kreisen Sympathien erwecken. Man pflegt zu sagen, daß in der Po­litik jede Partei weniger von den Schönheiten ihres Programms als von aen Dummheiten ihrer Gegner lebt. Zunächst sah es so aus, als hätte die Sozialdemokratie, bezw. ihre Minister, die verhängnisvollste Dummheit gemacht. Das Resultat des Volksbegehrens zeigt, daß zuletzt die kommunistischen Dummheiten die größe­ren waren. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Das dürften jetzt die Sozialdemokraten sein. Aber schließlich ist es auch für das deutsche Volk im ganzen kein Schaden, wenn solche den inneren Gesund-ngsprozeß nur störenden, auf­wühlenden Methoden zu abschreckenden Mißer­folgen führen.

England geht auf nichts ein.

Erst soll Amerika die Schulden herabsetzen. Verschleppung bis zum nächsten Frühjahr.

London, 18. Oktober. (Eigener Drahtbcricht.) Einem diplomatischen Korrespondenten hat der Reparationsagem Parker Gilbert dem Schatz- kavzler Churchill eine Herabsetzung der Repara­tionssumme auf etwa zweieinhalb bis dreiein­halb Milliarden und die Abänderung des Trans­ferkomitees vorgeschlagen. Man betrachte in eng­lischen Kreisen die Revision des Dawesplanes, die einer Herabsetzung der Reparationssumme gleichkomme, nichtalsdringend (!), wenn nicht gleichzeitig damit eine Herabsetzung der alliierten Schulden bei den Verei­nigten Staaten verknüpft fei. Parker Gilbert habe selbst zugegeben, daß zurzeit keine Aus­sicht für eine Herabsetzung der interalliierten Schulden durch Amerika bestünde. Er gebe fer­ner zu, daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der gegenwärtigen Daweszahlungen mobili­siert werden könne und daß eventuelle Anleihen nur zu einem hohen Diskont auf den Markt ge­bracht werden könnten. Andererseits hält es auch England für ratsam, die Transserklausel des Dawesplanes zu beseitigen, wenn Deutsch­land eine entsprechende Garantie bieten kann. Wahrscheinlich werdedie Frage nach Er­ledigung der amerikanischen Präsident- schastswahlen wieder erörtert werden. Bis dahin müffe die ganze Frage in der Schwe­be bleiben.

* * *

Der Dollar will verdienen.

Gute Vorboten für das Reparationsgeschäft.

London, 18. Oktober. (Eigene Drahtmeldung) Nach Meldungen ans Rewyork empfiehlt das Komitee für ausländische Anleihesicherheiten dringend die Herbeiführung einer befriedigen- den und großzügigen Repnrations- und Schul­denregelung zu unterstützen und zwar unter an- gemessener Berücksichtigung der Wohlfahrt der Rationen, da im anderen Falle die wirtschaftli­che Entwicklung der Welt behindert wür­be. Die Banken werden anfgeforderi, in ihrem eigenen Jntereffc und dem des Landes eine g e - mäßigte Haltung in beiden Fragen einzu- nehmen. Die amerikanischen Ausländsanleihen beliefen sich zurzeit auf rund 7,2 Millard. Doll, non Dr. Paul Zaunert-Kaflel.

* * *

wir müssen Luft fahren!

Ehren über Ehren. Eckeners Voraussage.

Rewyork, 18. Oktober. (Durch Funkspruch.) Auf dem Ehrenbankett der Handelskammer für die Zeppelinbesatzung brachte der Präsident einen Trinkspruch auf Präsident Coolidge und Reichspräsident von Hindenburg aus. Oberbür­germeister Walker erklärte, der Zeppelinflug soll nicht nur die Verständigung, sondern die deutsch-amerikanische Freundfchaft fördern. Ge­neral Allen erflärte: Er habe es im Rheinland als seine Aufgabe betrachtet, wieder gute Be­ziehungen zu Deutschland herzustellen. Ministe­rialdirigent Brandenburg erinnerte an die entsagungsvolle Arbeit der Zeppelinwerft und ihrer Ingenieure und Arbeiter. Aber nicht Luft­schiffe und Flugzeuge fördern die Verständi­gung. sondern Männer von der Art Dr. Ecke­ners und Commander Rosendahls. Professor Hötsch dankte im Namen des ganzen deutschen Volkes der Besatzung für diese gewaltige Leistung. Schließlich meinte Dr. Eckener: Die Betriebs­sicherheit des Luftschiffes sei soweit fortgeschrit­ten, daß keinerlei Heldentum dazu gehöre, es

zu benutzen. Endgültig werde man di« Lüfte erst meistern, wenn

größere Schiffe mit mehr Motoren gebaut würden, die selbst unter normalen Wet- lerverhältniffen bie Fahrt über den Ozean in längstens drei Tagen, unter günstigen Ver­hältnissen sogar in zwe' Tagen bewerkstelligen könnten. Auch große Ozeandampfer hätten in­folge des schlechten Wetters bis zu 30 Stunden Verspätung gehabt. Die Handelskammer über­reichte Dr. Eckener eine goldene Uhr als Er­innerungsgabe. _____

Hlinemd noch dem S'wmetflug am Siel.

Tokio, 18. Oktober. (Funktelegramm.) Frei­herr von Hünefeld und Lindner mutzten heute um 14 Uhr 30 eine Notlandung in einem südli- chen Vorort von Tofto vornehmen. Hünefelds Flugzeug war bei dem Dauerflug durch ein Ge­witter schwer beschädigt worden. Die Flieger sind unverletzt.

Aufregende Stunden.

Mit dem Zepelindefett vorwärts.

Rewyork, 18. Oktober. (Funkdienst.) Com­mander Ro, udahl legte heute im Rundfunk Amerika dringend ans Herz, mit dem Bau von Luftschiffen zu beginnen. In t n ersten Stun­den habe das Leben an Bord fa\ dem auf Ozean­dampfern geglichen. Dann aber, als man in stürmisches Wetter geriet und die Stabili­sierungsflosse zerriß, habe ffa) das Bild etwas aufregender gestaltet. Die Fahrtgefchwindigkeit wurde verringert, um die Reparaturen auszufüh­ren .andererseits mußte das Luftschiff eine ge­wisse Fahrt behalten, um den gewaltigen Schiffs­körper int Sturm die Steuerfähigkeit zu erhalten. Dr. Eckener hat keinen Augenblick gezwei- felk, daß er im Stande fein werde, das Schiss in der Luft zu halten. Seit dem Vorfall wag- ten wir niemals wieder, die Maschine volle Kraft laufen zu lassen. Fast bis zum Schluß der Fahrt hatten wir dabei mit G e g e nw i n d zu kämpfen.

(Siehe auch Depeschen 2. Seite.)

* * *

Verfeindete Linkspartetter.

Parteispaltung um Pilsudski?

Warschau, 18. Oktober. (Eigener Drahtbe­richt.) Ter oppositionelle Vollzugsausschuß der Sozialdemokraten hat gestern daS p i l s u d ski- freundliche Warschauer ArbeiterbezirkS- komilee in feiner Tätigkeit suspendiert. Das Ar­beiterbezirkskomitee nahm diese Verfügung nicht zur Kenntnis. Damit ist der Kampf inner- halb der polnifchen fozialdemokratifchen Par­tei in eine neue entscheidende Phase getreten.

Beamtenmorde in China.

Der mißliebige Kriegsminister.

London,. 18. Oktober. Rach Meldungen aus Peking macht sich in der Provinz Schantung eine allgemeine Mißstimmung gegen den neuen Kriegsminister Feng geltend. In der Gegend von Tsckasu feien dreiundvierzig Beamte Fengs ermordet worden. Die Kanonenboote der verschiedenen Mächte halten sich zur Verteidigung der Ausländer bereit.

Bankerott deUu-lllux-lllan.

Auch ein Opfer deS Wahlkampfes.

London, 18. Oktober. (Eig. Drahtbericht V Wie aus Rewyork berichtet, hat der Ku-Klux- Klan Bankerott angemeldet. Der Grund liegt in den hohen Kosten des Kampfes gegen den demo­kratischen Präsidentschaftskandidaten Smith. Ter Ku-Klux-Klan hatte mehr aI8 vierhundert Mil­lionen Mark von feinen Mitgliedern eingesam­melt.

Stecherei im Schlachthaus.

Generalstreik-Szenen. Auch Warschau droht.

Warschau, 18. Oktober. (Eigener Drahtbericht. Bei einem heftigen Zusammenstoß im Lodzer Schlachthaus zwischen der Streikkommission und einigen Schlachtarbeitern wurden mehrere Per fönen durch Stichwunden verletzt, darunter auch der diensttuende Tierarzt. Die Polizei mutzte eingreifen und verhaftete einige Mitglieder der Streikkommission. Gestern wurde der Betrieb in einigen Läden und Lokalen teilweise wieder ausgenommen. Auf der heutigen Schlichtungs tonfereuz in Warschau wollen die Arbeiter nach wie vor auf einer Lohnerhöhung von 20 vom Hundert bestehen. In Warschau, wo die Textilarbeiter streiken, versuchen die Kommuni­sten. gleichfalls einen Generalstreik herbei­zuführen.

Früchte des Haises.

Glück und Ende der Zarinmutter.

Von iSiai Valerien OÄourl;.

Unser Mitarbeiter maifit in folg. lebenbiaen Betrachtungen deutlich, wie der matzlole Deut- scheufiatz der kürzlich als Achtzigerin in Rooen« bogen verstorbenen Aarenmutter selbst den Untergang des Rieieureichs belchleuuigt bat.

Als die Zarinmutter im Jahre 1918 in der Krim weilte, wo sie in einem Schloß unter der Bewachung der bolschewistischen russischen Sol­daten lebte, lehnte sie mit Verachtung da- An­gebot des deutschen Besatzungsgenerals Eich­horn ab, zu ihrem Schutz eine deutsche Wache zu stellen. Mit dieser Geste offenbarte ste noch in den Tages des Unglücks ihre Einstellung zu Deutschland, die während ihrer Regierungszeit die russische Politik bestimmt hatte, soweit sie sich auf Deutschland und alles Deutsche innerhalb des russischen Zarenreiches bezog. Als regie­rende Kaiserin, Gemahlin des Zaren Mexander des Dritten, schloß sich Maria den panslawisti- fchen Tendenzen der damaligen Regierungs­politik durchaus an. Die Tatsache, daß vor den Toren Petersburgs ein blühendes deutsches Kul­turzentrum wie die baltischen Provinzen mit der deutschen Universität Dorpat existierte, stellte für die Zarin Maria eine Unmöglichkeit dar. Als dänische Prinzessin, die bie Ereignisse von Schleswig-Holstein miterlebt und daher alles

Deutsche hassen gelernt

hatte, unternahm sie daher mit Unterstützung des Zaren und der panslawistischen Drahtzieher in der Regierung auf die Autonomie des Äalti-- kums einen Angriff nach dem anderen, bis eS ihr schließlich gelang, daS Land ganz unter die russifche Knute zu bekommen; eS sind Fälle be­kannt, daß für den Uebertritt zur griechisch-ortho­doxen Kirche sogar Kopfprämien ausgesetzt wur­den. Die deutschen Volksschulen und die deutsche Universität in Dorpat wurden russifiziert, rus­sische Gesetze und landfremde Verwaltungsor­gane auch im Baltikum eingesührt. So wurden schließlich Wohlstand und deutsche Kultur deS Landes immer mehr herabgedrückt, wozu sogar Polizei und Gendarmerie aufgeboten wurden. Alle diese Bestrebungen der panslawistischen Ele­mente fanden in Kaiserin Maria eine tatkräf­tige Förderin und Beschützerin. Was Fin» land anbelangt, so ist das Schicksal dieses Lan­des, wo die russischen Generalgouverneure schlimmer als die römischen Prokonsuln in ihren Provinzen hausten, hinreichend bekannt, Der Tod Merander des Dritten vermochte den Ein­fluß der Zarin Maria nicht zu brechen, im Gegenteilt der

schwächliche Nikolai, der letzte Zar, war in ihren Händen ein Werkzeug, daS ste nach ihrem Gutdünken gebrauchen konnte. Unter ihrem Schutz wurde die panslawistische Politik auch während der Regierungszeit ihres Sohnes fortgesetz, obwohl die regierende Zarin Alexan­dra diesen Tendenzen keineswegs huldigte. Aul diesem Grunde kam es zwischen Alexandra, die zudem ja noch ihrer Abstammung nach eine deutsche Prinzessin war, und der Kaise­rinmutter bald zu Mißhelligkeiten, die schließlich zu einem förmlichen Bruch führten. Die re­gierende deutschfreundliche Zarin wurde der Za­rinmutter immer verhaßter, weshalb diese schließlich ihre Residenz von Petersburg nach Stieto »erlegte. Es ist kein Wunder, daß diese Stadt infolgedessen während des Weltkrie­ges zum Mittelpunk aller Intrigen wurde, die sich gegen einen eventuellen Friedensschluß zwi­schen dem Zaren und Deutschland richteten. Der Schritt der russischen Großfürsten beim Zaren tm Dezember 1916, um

Rasputin zu beseitigen, und die Regierung deS angeblich friedenS- ireundlichen Kammerherrn Stürmer durch eine andere zu ersetzen, wurde In Kiew durchberaten und beschlossen. Ter Zusammenbruch überraschte die Zarinmutter in Kiew. Wie ein Mann trotzte sie den neuen Gewalthabern und verließ die Stadt nur, um den Sommer in der Krim zu verbringen, wo ste auch die bolschewistische Revo- lution erlebte, um dann nach Dänemark zu fliehen Beim Kriegsausbruch hatte ste ihrem Haß gegen Deutschland nun end­lich freien Laus lassen können. Wer hätte damals geahnt, daß dieser Tag auch ihren eigenen Untergang besiegeln würde!

Stoitn verfügen über Danzig« Hafen.

Danzig. 18. Oktober. Der Präsident bei Danziger HasenausschusseS. der schweizerische Oberst de Loes hat entschieden, daß die Stelle des Lotsenkommandeurs abwechselnd mit einem