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Donnerstag, 18. CTtober 1928.

Staffelet Neueste Nachrichten

18. Jahrgang. 9lt. 247.

Triumphfahrt durch Newyork.

Eckeners Besatzung wie Helden gefeiert.

Newark, 17. Oktober. Bei der gestrigen feier­lichen Einholung der Zeppelinbesatzung durch die Stabt ließen alle Schisse im Hasen ihre Sire­nen ertönen und über dem Empfangsboot frei, sten viele Flugzeuge. Die Autofahrt über den Broadway gestaltete sich zu einem wahren Tri­ll m p h z u g. Auf dem Broadway und in den Seitenstraßen staute sich eine unübersehbare Menge; die Fenster und Dächer der

Wolkenkratzer waren dicht von Menschen besetzt, die Tücher schwenkten und tausende von Papierschlangen auf die Straßen niederflattern ließen. Im Rathaus pries der stellvertretende Bürgermeister beim Willkommensgruß die be­wundernswürdige Leistung des Luftschiffes und seiner Führung. Die kühne Pioniertat sei in so großem Maße deutschem Fleiß, deutscher Tüch­tigkeit und Unerschrockenheit zuzuschreiben. Die Bürger Newyorks fühlten sich stolz, einer solchen heldenhaften Tat ihren Tribut zollen zu dürfen.

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Noch nie erlebt.

Im Jubel der Hunderttausende.

Hebet den begeisterten Empfang bei der Lan­dung wird noch folgendes bekannt:

Lakeburft. 17. Oktober. Als derZeppelin" endlich in Sicht kam, brach ein Jubel der Hun- oerttausende los. wie ihn selbst Amerika noch nicht gehört hat. Die Leute tobten, schrien, fangen und warfen ihre Hüte in die Luft, während gleichzeitig die vielen wartenden Autos ein ohrenbetäubendes Hupen anfingen. DerZeppelin" kam in langsanier Fahrt maje­stätisch heran. Er flog verhältnismäßig nie­drig. Noch eine Schleife und dann ging er wei­ter herunter. Unweit der Halle senkte sich zu­nächst aus dem Bug des Schiffes das erste gro­ße Landungstau, das im Nu von den Landemannschaften ergriffen wurde. An einem zweiten Tan begann man denZeppelin", der noch etwa fünfzig Fuß über dem Erdboden war, herunterzuziehen. In diesem Augenblick war die

Menschenmasse nicht mehr zu halten.

Sie durchbrach alle Absperrungen, unter dem Zeppelin" ballte sich ein Menschenknäuel, der das Schiff zusammen mit den Landungsmann­schaften hcrunterzog. Trotzdem gelang es, den sich mühsam durchkämpfenden Landüngsmann- -chaften, die Taue an dem neuartigen Lan­dungsmast zu befestigen und das Sch ff gänzlich herunterzuziehen. Es dauerte noch eine Weile, bis es vom Landemast, der fahrbar ist, in die Halle gezogen wurde. Inzwischen war es auf dem Flugfelde so dunkel geworden, daß beinahe nichts mehr zu sehen war. Trotzdem ließ die Menge immer wieder Dr. Eckener hoch­leben, bis die Paffagiere von den Behörden in Empfang genommen wurden. Tas Schiff wurde am Dienstag morgen in die Halle gezogen.

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Vergeben... Vergessen.

Grobe Zollkontrolle bei der Zeppelin-Landung.

Newyork, 17. Oktober. Wie jetzt bekannt wird, mußten die Zeppelinpassagiere nach der Lanbung vier Stunden unter recht ärgerlichen Umständen auf die Zollabfertigung warten und Ministerialdirigent Brandenburg, der eine Prothese trägt, hatte unter dem gewalt­samen Vorgehen der Polizei, die die Passa­giere vor der Zollabfertigung von jeder Berüh­rung mit der Außenwelt abschließen wollte, be­sonders zu leiden. Herr Brandenburg erklärte jedoch einem Pressevertreter lachend, daß diese bürokratische Entgleisung u. Schwer­fälligkeit nn Flughafen Lakehurst gar nicht ins Gewicht falle gegenüber der überwältigenden Begrüßung durch die überflogenen Großstädte

und gegenüber der außerordentlichen Lie­benswürdigkeit der hohen amerikani- ;chen Beamten, die sich ebenso wie der gastfreie Kommandant des Flughafens bemüht hätten, cinzugreifen. Die tiefe Dunkelheit habe sie aber daran verhindert, durchzudringen. Alle ver- antwortlichen Personen hätten wiederholt ihr Bedauern ausgesprochen. Die ganze leidige Angelegenheit sei unerheblich gegenüber dem maßlosen Jubel der Bevölkerung und dem inajestätischen Empfang.

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Die Polizei noch rückständig.

Grzestnksi und alle Passagiere empört.

Newyork, 17. Oktober. Heber die unliebsame Behandlung bet der Zollkontrolle äußerte sich Innenminister Grzesinski zur Presse: Wir wur­den abgeführt, als ob wir Schmuggler absichten hätten. T'.ibei legte die amerikanische Polizei befremdende Maniere« an den Tag. Berschicdenl- lich wurden die Reisenden geschuppst und häu­fig gestoßen. Ja. einer erhielt sogar einen

Fauftschlag ins Gesicht.

Unter den derartig Behandelten befand sich auch der deutsche Generalkonsul Lewinski. Der amerikanische Flottensekretär wurde sogar mit Arrest bedroht. Der Zeitungsvertreter Rolf Brandt erklärte ebenfalls, bei der Landung des Luftschiffes geschlagen worden zu fein, an­geblich, weil er zu langsam gegangen sei. Der Zeichner Matejko erklärte, er sei in Alba­nien und Bulgarien gewesen, und habe dort eine höflichere Behandlung durch die Eingebore­nen gefunden. Alle Passagiere zeigten das höch­ste Erstaunen über diese Vorfälle. Das Ver­halten der amerikanischen Polizisten veranlaßt mich zu der öffentlichen Erklärung, daß, wenn Derartiges in Preußen vorkommen würde, die Beamten noch am

gleichen Tage entlassen würden.

Trotzdem werde ich von einer Beschwerde abse­hen.' Es handelt sich jedenfalls nicht um böse Absicht, sondern nur um mangelhafte Schulung Der amerikanischen Polizisten.

Eckeners vescvetbener Stolz.

Dr. Eckener erwiderte auf die Begrüßung: Er habe trotz Der Wetterungunst die Fahrt unter­nommen, um den Beweis für die Fahrtüchtig­keit des Graf Zeppelin zu erbringen. Man habe einen großen Umweg machen müssen, ober er glaube, daß das Luftschiff die Probe gut be­standen habe. Nach einer Rundfahrt durch die Stadt werden sie einem Bankett und einer Thea­tervorstellung beiwohnen. Inzwischen räumen die Stratzenreiniger die ungeheuren Papier - massen hinweg, die Über die Besatzung nie­dergerieselt war. Noch immer hängen unge­zählte Papierschlangen wie Eiszapfen von den hohen Häusern herab.

S ne Tafelrunde von Lusthelden.

Berlin, 17. Oktober. Die Deutsche Lust-Hansa gab dem schon am Sonntag festlich ausgenommc- nen Ozeanflieger Chamberlin mit seiner Gattin auf der Jla ein Frühstück, an dem eine Reihe der hervorragendsten Flieger teilnahmen. An­wesend waren Köhl und Fitzmaurice, ferner der Ostasienflieger von Schröder, der Schweizer Afri­kaflieger Mittelholzer und die Kunstflugmeiste- rin Thea Rasche.

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Sovltbgks < re im Weißen Haus.

Washington, 17. Oktober. Präsident Coolidge hat Dr. Eckener und andere Zeppelin-Passagiere für Freitag zum Frühstück im Weißen Hause eingeladen.

nommen und über Mittag behalten. De Roblek habe es unterlassen, sich, bevor er wcgging, da» von zu überzeugen, daß die Dokumente nicht sei­nen Schreibtisch verlassen hatten.

Auch Sn lands Skheimatten verschwunden.

London, 17. Oktober. Laut Pressenotiz be­ziehen sich die seit Mitte voriger Woche verschun» denen geheimen Marinedokumente aus Schnelligkeitsprüfungen von Kriegsschiffen, die durch Marinefachvcrständige angestellt wurden. Es Handl« sich um wichtige Originaldokumente von denen keine Abschriften vorhanden seien.

Sln Spion bei der Reichswehr.

Magdeburg, 17. Oktober. Der Reichswehr­schütze Prinz wurde unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Prinz soll während seines Urlaubs mit feinem Bruder nach Mainz gefah­ren sein und dort dem französischen Spionage­büro Material über die Reichswehr mitgeteilt haben.

(Sin Lichtvoll iur die Blinden.

Berlin, 17. Oktober. Die dreiiatige Veranstal­tung »Berlin im Licht" wurde mit einem Festball zum Besten der armen Berliner Blinden abge­schlossen. Im großen Ballsaal 1, der neben sei­ner prachtvollen Beleuchtung durch die größte Glühlampe der Welt mit einer Intensi­tät von sechzigtausend Kerzen indirekt bestrahlt wurde, herrschte bald dichte Fülle. Die Tanz- Pausen wurden mit künstlerischen Darbietungen Berliner Prominenter ausgefüllt.

Aus Politik und wirtschaft.

Eine Viktoria-Konfirmandenstiftung. Zum siebzigsten Geburtstag der verstorbenen Kaiserin Viktoria wird zu einer Stiftung aufgerufen, aus deren Erträgnissen eine Anzahl bedürftiger und würdiger Kinder beiderlei Geschlechtes am Einsegnungstage in der Friedens'irche in Potsdam ausgestattet werden sollen. Ein Kura­torium, dessen Vorsitzender der jeweilig erste Geistliche Der Friedenskirche sein würde, soll nach den jeweils vorhandenen Mitteln die Zahl der Kinder bestimmen, und aus den ihm gemachten Vorschlägen die Kinder auswählen. Es wird angestrebt, die betreffenden Kinder neben einer Sonntagskleidung mit einem Arbeitsanzug, Stiefeln und Wäsche ausustatten. Beiträge wer­den von der Stadtsparkasse Potsdam (Bankab­teilung) oder auf das Postscheckkonto Berlin 125 940 enigegengenommen.

Der Ozeanflieger als Luftmarfchall. Der Süd­amerikaflieger de Pinedo wurde zum General­stabschef der italienischen Luftschiffahrt ernannt.

Neues aus staffel.

Religion und Gegenwart.

Dr. Plachte-Kiel im Arbeitskreis zur Erneue­rung des Gemeindelebens.

Im zweiten Vortrag, den der Arbeitskreis zur Erneuerung des Gemeindelebeus am .Dienstag abend im kleinen Saal des Evange­lischen Vereinshauses veranstaltete, sprach Dr. Plachte-Kiel überDie religiöse Lage der Gegenwart". Anschließend an seinen ersten Vortrag betonte Dr. Plachte, daß wir in einer Zeit des Ein- und Umsturzes lebten, in der die Frage berechtigt sei, ob es wirklich noch besonderen Mutes bedürfe, gegen Formen an­zugehen, die schon längst abgestorben seien. Da­bei lasse aber die Fragwürdigkeit unserer gei­stigen Armut doch bereits nach neuen Wegen suchen. Und immer würden bei diesem Suchen Die geistig Armen die Besruchier sein.

Auf der Suche nach der Tiefe kehrten die Menschen zurück zum Primitiven. Wenn aber die Rückkehr zum Primitiven nicht zu einer Flucht aus der Gegenwart werden solle. Dann müßten wir vor allem erkennen, daß das Pri­mitive nur der »Weltangst" entspringe, die

unverzüglich die Konsequenzen aus den ge­machten Erfahrungen ziehen. Daß

Verbesserungen und Vervollkommnungen notwendig und möglich sind, ist gesagt worden. Es handelt sich darum, die zukünftige Gestaltung des TransozeanluftverkehrS aus der richtigen Grundlage auszubauen. Träger dieses Verkehrs können nur Lustschisse fein. Es wäre zu erwä­gen. ob nicht auch für derartige Riesenstrecken, wie etwa MoskauTokio, Luftschiffe geeigneter «'Ören, als Flugzeuge, für die ein autzrrordent- ch kostspieliger Apparat (Zwischenlandeplätze, Streckenbefeuerung für Nachtflug usw.) notwen­dig wäre, da ein Flugzeug nicht, wie das Luft­schiff einen genügend starken Radioapparat für Orientierung, durch Radiopeilung mit sich fuh­ren kann.

Der Dom als Wahrzeichen

Treugelübde im schwergeprüften Ma ist z.

Mainz, 17. Oktober. Nach einem feierlichen Gottesdienst anläßlich der Wiederherstellung des Doms im Beisein der Erzbischöfe und des Rhein­land-Ministers von G u e r a r b brachte bei einer späteren Feier im fürstlichen Schloß Staatsprä­sident A d e l u n g die tiefe Anteilnahme des gan­zen hessischen Volkes an dem herrlichen Bau­werk. Minister von Gnerard betonte, die Ge­schicke der Stadt Mainz waren die des Domes, waren immer verbunden mit dem Geschick des Deutschen Reiches. Wie Mainz leidet ja

keine andere Stadt unter der BesatzungSnot Wie gemeinsame Arbeit den Dom wieder ge­festigt habe, so könne auch nur elnträchtiges Zusammenwirken dem Deutschen Reich wieder eine bessere Zukunft sichern. Der Erz­bischof von Freiburg wünschte, daß diese Zu­sammenarbeit ein Wahrzeichen sein möge dafür, daß auch in Zukunft die beiden Gewalten Kirche und Staat zum Wohle des Volkes, jede in ihrem Bereich, selbständig zusammengehen mögen. Der hessische Minister Kirnberger feierte die Schön­heit des Domes und unterstrich seine Bedeutung als Symbol des menschlichen Lebens.

Verschaffen Sie uns für Ehorzow Aecht ?

Haag, 17. Oktober. Der Internationale Ge­richtshof ernannte auf Grund der Entscheidung über die Chorzower Stickstoffwerke zwei norwe­gische und einen Schweizer Sachverständigen, welche die Höhe der polnische« Ersatzleistung zu untersuchen haben werden. Beide Prozetzparteien sollen ihre eventuellen Beisitzer zu diesem Sach verständigen-Komitee bis zum 1. November an­melden.

Generalpar-on in Athen.

Wird auch der Diktator begnadigt?

Athen, 17. Oktober. Die griechische Regie- tuna hat entschieden, für alle politischen Ver­gehen seit 1925, eine Amnestie zu erlasse«, und zwar auch für solche, die mit der Diktatur deö ~^Generals Pangalos zusammenhängen Ein» parlamentarische Kommission wird den Unter schied zwischen politischen und gemeinen Ber- gelzen im Einzelnen seftlegen.

Der Fall Heran geklart.

Wie Amerika das Flottengeheimnis erfuhr.

Paris, 17. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt, daß der amerikanische Journalist Horan für die Beschaffung der Flottendokumente dem Pariser Journalisten Deleplanque 10 000 Francs ver­sprochen hatte. Letzterer habe dann das Flotten- kompromitz durch den Konsul de Roblet beschafft und der amerikanifche Verleger Hearst habe dann Horan beauftragt, damit in Amerika foviel Auf­sehen wie möglich zu machen. Ein Blatt be­richtet, Konsul de Roblet habe dem mit ihm be freundeten Journalisten Delaplanque erlaubt, in seinem Büro die beiden Dokumente d u r ch z u - - lesen, ohne sich dabei Notizen zu machen. Aber Delaplanque habe beide Dokumente an sich ge-

Eine Herrensrage.

Wie spreche ich eine Dame a«? Von Lothar Sachs.

Wir wollen uns nichts vormachen: die Me­thoden, eine Dame mit den Worten anzuspre­chen »Gestatten Sie, daß ich Sie ein Stück be­gleite ?" ober »Dars ich Sie zu einer Tasse Kaffee ober ins Kino entladen?" simMteraltei, banal, langweilig . . . Man muß sich^chon et­was Originelleres ausbenken. wenn man heut- gutage bas Interesse einer schonen Unbekann­ten erwecken will. Das Ueberraschungsmoment spielt babei eine große Rolle. Ich habe hier einige gute ausprobierte, bestens bewährte Tips Wenn Sie meinen Leitsaben benutzen und trotz­dem keinen Erfolg haben, liegt es an Ihnen, mein Herr, nur an Ihnen . . .

L

Kaufe ein Paar fabelhafte Wilblederhand- schuhe! Dann eile einer Dame nach, bie gerade dein Entzücken erregte und sprich sie mit den Worten an: »Verzeihung, meine Gnädigste, ha­ben Sie nicht soeben diese Handschuhe ver­loren?" Die Dame wird zunächst seststellen. daß sie ihre Handschuhe nicht verloren hat, aber sich in den meisten Fällen mit dir in eine Debatte darüber einlassen, wer die Verliererin fein könnte, was du mit de« Handschuhen machen sollst usw. Hast du Pech, nimmt sie bie Hand­schuhe mit einem kurzen «Danke schön" und läßt dich stehen. . .

2.

Wenn eine junge hübsche Dame in einen vollbesetzten Mutobus einfteigt bleibe sitzen! Rechne damit, daß der Herr neben dir Kavalier genug ist, um ihr feinen Platz anzubieten. Was hast du davon, wenn du ausstehst! Du mußt dann auf dem Hinterperron stehen und ver­lierst sie aus dem Gesichtsfeld. So aber hast du sie an deiner Seite in drangvoll fürchter­licher Enge und ich wette, wenn sie ihr Fahr­geld zahlt, läßt sie eins ihrer sechs Pakete fal­len. Du hast Gelegenheit, eS aufzuheben und kannst bie Unterhaltung mit einer scharfen Kri­

tik ber einer Großstabt unwürdigen Verkehrs- Verhältnisse beginnen. Dein Verkehr ist baburch angebahnt und bie Verhältnisse liegen für bich sehr günstig.

S.

Die schönste Gelegenheit, eine Dame anzu­sprechen, bietet sich bir, wenn sie allein in einer Konbitorei sitzt und Kreuzworträtsel löst. Salb wird sie an ihrem Bleistift tauen und sich den Kopf zerbrechen, wie der ägyptische König heißt, ber mit »R" beginnt, mits" aufhört und 6 Buchstaben hat. Das ist ber Moment, wo bu ihr mit beinern universalen Wissen imponieren mußt. Sie wird deinen Beistand dankbar an- nehmen. Da ich aber an deinem universalen Wissen zweifle, rate ich dir, bie Kreuzworträtsel­ecke aller einschlägigen neuen Zeitschriften vor­her zu ftubieren und dich auf den großen Augenblick, wo bu mit deinen Kenntnissen prot­zen kannst, würdig vorzubereiten. Es lohnt sich bestimmt einmal!

4.

Sehr günstig ist auch die Situation, wenn bie Dame, bie bu ansprechen willst, einen Hunb hat. Da hast du schon halbgewonnenes Spiel. Mit einem Stück Zucker lockst bu bie Mischung von Dackel, Schnauzer unb Rehpinscher an dich, bewunderst mit begeisterten Worten bie Rasse, den Adel des Wuchses, die Klugheit des Auges, erzählst, bu habest ein ähnliches Tier zu Hause unb fragst, ob man bie beiben Hunde im In­teresse ber Zuchtwahl nicht einmal zusammen­bringen könne. Die Dame wird sich zwar sehr wundern, wenn bu bann am nächsten Tage bei ihr mit einem Neufunbländer in ber Größe eines Kalbes erscheinst, aber es kann dir ja egal sein, wie sich dein Neufundländer in seinem Ge­fühlsleben auf den Schoßhund deiner Herzens­dame einstellt. Die Hauptsache ist, baß du keine Enttäuschung erlebst. . .

5.

Nimmt in einem Lokal eine nette Dame an deinem Tische ober gegenüber Platz, dann ziehe einen Notizblock und fange zu zeichnen an Die Dame, die bald merkt, daß du sie zeichnest, wird schon aus Neugierde die Zeichnung in Augen­schein nehmen wollen. Kannst bu wirklich zeich­

nen, geht bie Sache in Ordnung, kannst bu aber nicht zeichnen unb zeigt daher bas Porträt nicht eine Spur von Aehnlichkeit, bann sage ein­fach lächelnb: »Ich bin ein berühmter Kari­katurist".

6.

Kommst bu mit deinem Freunde in ein Cafe unb sitzt eine charmante Frau allein an einem Disch, so zögere nicht, dich mit einem höflichen »Gestatten Sie?" an diesem Tisch niederzulas­sen. Es wäre aber verkehrt, nun krampfhaft auf den Augenblick zu warten, wo bu ein Ge­spräch anknüpsen kannst. Im Gegenteil! Nimm vorläufig gar keine Notiz von ber Dame. Lasse erst deinen Freund von deinem neuen Auto erzählen, von deiner Segeljacht, deinem Be­sitztum am Gardasee, unterhalte dich mit ihm über Einsamkeitsgesühl unb Sehnsucht . . . unb du brauchst die Dame am Tisch bestimmt nicht mehr anzusprechen. Sie spricht jetzt bich an. Wetten?

Schlager, Tanz und Lieder.

Die Schallplatte spiegelt 1>en Zeitgeschmack.

Wir wissen, längst ist bie große Jazzwelle, die von Amerika her über Europa toste unb bis in ben letzten Winkel ber Kleinstadt brang, abge­ebbt, ber Schlagzeugmann in der Jazzband hat seine Herrschaft an mildere Instrumente abgetre­ten. Die Melodie tritt aus dem entfesselten ChaoS der Tanzmusik wieder heraus unb mit ber Be­sinnung auf klare Linie unb erkennbaren Rhyth­mus zieht auch bas langfame Tempo unb der wiegende Takt wieder in ben Tanzsaal: auf Char­leston folgte der englische Walzer und auf dem Umwege über Newyork unb Lonbon ist in dieser Saison ganz unversehens auch ber deutsche Wal­zer wieder modern und salonfähig geworden.

Wer diese Wandlungen der Mode und des Geschmacks nicht nur theoretisch verfolgen will, der braucht nur jeweils zur neusten Schallplatte zu greifen, bie sowohl international als auch aktuell ist. Seit die Deutsche Grammophon-Ge­sellschaft sich eine amerikanische Gesellschaft (Brunswick) angegliedert hat, bringt Grammo­

phon eine vollkommene Ueberstcht-cher Schlagct- unb Tanzmusik zweier Erdteile. Die letzten Neuheiten der beiden Firmen zeigen, baß vor allem die Instrumentierung ber Schlagermusik immer reizvoller, farbiger wirb, daß auf gute Solisten für ben Refraingesang Wert gelegt wird unb baß enblich auch bie toieber erwachende Freude des Publikums an ber Musik, bie unsere Eltern liebten, ihre Beachtugn findet. Nehmen wir Beispiele für Worte: Die gute alte Zeit lebt in einem vorn Grammophon-Orchester ge­spielten Stubentenlieberpotpourri auf, ober in ben von Paul Gobwin zärtlich birigierten »Cha­rakterstücken" (Heinzelmännchens Wachtparade etc.), in denen Spieluhren Geigenschmelz und süßer Flötenton sich »lieblich" mischen. Daß übrigens auch ber Amerikaner Sinn für solche Tonspielerei hat, beweist ber »Japansy Waltz" (Brunswick), unb ber von bem kultivierten Re- gent-Club-Orchester gespielte Walzer »Auf Wie­dersehen!" Selbst das wildere California-Or­chester läßt mitten in den schmissigen Schlager »Among my souvenirs" die Melodie schmachleiid von einem Fagottfolo vortragen. Ganz köstlich ist dann Harry Richmann, der mit prächtigem Baß den bekannten Schlager »Mir gehts gut" (Aint sh- sweet) flüstert, si t, und spricht. Wghre Sorgenbrecher sind auch bie »Six jumping Jacks", die sechs hopsenben Jakobe, bie einem so viel Synkopen, Laune, Gesang und Rhythmus ins Ohr wirbeln, baß einem Ängst und Bange würde, wenn es nicht verblüffend exakt ge­schähe. »Grammophon" hat in Max Hansen und Franz Baumann zwei erstklassige Schlagersän­ger. Unvergleichlich wie Hansen fein »Ich küsse ihre Hand Madame" singt, ein Schlager, ben man auch (mit bloßem Refraingesang) von ben »Del- phians" schmissig gespielt Horen kann. Bau­mann, der beliebte Runbfunktenor schmelzt hin­reißend das Tango-Lieb ,8eila. das Schachmei­ster in eine kühne Polyphonie hebt Daß Tanz- melobien auch seriöse Musiker anregen zeigt die Variation über ben berühmten Hallelujah-For- trott den Hermann Bick für Klavier schrieb und am Steinway-Flügel in ein rauschendes Ton- tleib legt v.