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Kasseler Neueste Nachrichtm

Kaffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 44

Sonntag, 14. Oktober 1928.

18. Jahrgang

EinrelvreiS Wochentags 10 Pfennig

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Der Wortbruch von Versailles gerichtet!

Zeppelinfluq unser einziger Gedanke. | Erst Sonntag mittag über Newyork

Ter Zeppelinfluq unser einziger Gedanke.

Zuerst über die Bermuda-Inseln. Der Himmel hellt sich auf.

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densfanal der Lüfte streitig machen würde,

Richtspruch erhalten hat.

F. R.

auswärtige Mleme Anzeigen die mm«

Cifertgebübt 95 A Ibci 8ustell uns

mittag Amerika zu erreichen. Wir fahren einer Geschwindigkeit von 85 Seemeilen.

Unter sonnigen Himmeln.

Wen« Eckener südlich ausbiegt.

Berlin, 13. Oktober. (Durch Funkspruch.^ In den Gebieten westlich der Azoren bis zum 25. Längengrad herrschen starke westliche Winde vor

würde sich selbst richten. Denn der Neid ist schließlich ein Begriff, der in den Jahren des großen Menschenelends seinen verdammenden

9Itn vvDfter Fahrt vorwärts

Newyork, 13. Oktober. (Funktelegramms Bei günstigen Winden erreichte das Luftschiff heute nacht zeitweise eine Stunvengcschwindiq- keit von 140150 Kilometern, sodaß alle Aus­sichten bestehen, das Graf Zepvelin die Ein­buße an Zeit zu Beginn der großen Fahrt teil­weise wieder aufholen dürfte. In Barmuda ist ms Barometer geO:"

Wie man ihn am vrft n hvn.

Berlin, 13. Oktober. (Durch Funkspruch.) Wie wir erfahren, hat die Deutsche Versuchsan­stalt für Luftfahrt um 10,25 Uhr gestern abend wieder mit dem Graf Zeppelin in Verbindung gestanden. Der Empfang war auch diesmal wie­der ausgezeichnet, sodaß schon jetzt angenommen werden kann, daß der Kurzwellenverkehr für die zukünftige Funkverbindung mit Luftschi,^en oe, gegebene ist

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Newyork, 13. Oktober. (Durch Funsprus Die hiesigen Meteorologen find über den Zeit­punkt des Eintreffens von Graf Zeppelin ver­schiedener Meinung. Möglicherweise könne ftar ker Gegenwind in der Nähe der amerikanischen Küste den Flug verlangsamen sodaß die Lan­dung erst am Sonntag abend zu erwarten wäre

Den Bermudainseln entgegen. Bei schönstem Wetter. Sonntag morgen in Newyork.

Newyork, 13. Oktober. (Durch Funkspruch.) Graf Zeppelin wurde aus der Strecke Gibral­tar-Madeira von fünf Dampfern gestchtet. Die Funkstation in Chatham (Massachusetts) hat um Mitternacht einen Funkspruch des Grafen Zep­pelin aufgefangen, in dem es heißt: DaS Wet­ter ist warm und sommerlich. Wir steuern un­mittelbar die Bermuda-Inseln an und hassen, falls das Wetter gut bleibt, am Sonntag vor-

London, 13. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Lloyd George bezeichnete auf der Liberalen Kon­ferenz die Fortdauer der Rheinlandbesetzung alS Verletzung eines feierlichen Vertrages. Deutschland, so erNärte er, hat alle seine Abrü­stungsverpflichtungen dem Buchstaben und dem Geiste nach erfüllt, aber vier Jahre hindurch Hai die englische Regierung n i ch t s g e t a n, um die von ihr 1919 übernommene feierliche Verpflich tung zu erfüllen. Der englisch-französische Pakt ist das verhängnisvollste Ereignis seit dem Kriege. Sich als Gegner Italiens auf zuspielcn, ist der Gipfel der Torheit, aber de> Segner Amerikas sein zu wollen, ist Heller

Wahnsinn. Lloyd George betonte, daß Frankreich, die Tschechoslowakei und Polen mor gen a ch t M i l l i» n e n Soldaten ins Feld fte! len könnten. Aber wenn man auf die Abrü­stungskonferenz geht, so fuhr der Redner fort, darf man darüber nicht sprechen und unsere Brr freier werden angewiesen, daß b:e riesigen Re fernen nicht in Betracht gezogen werden dürfen. DaS ist Betrug und Gaunerei.

und zwar Stärken von 4060 Km. Südlich des 35. Breitengrades sind die Winde schwächer. Ueber den Bermuda-Inseln liegt ein Hoch. Es wehen westlich des 35 Längengrades nur leichte östliche Winde. Das Wetter ist in diesen Gebie­ten heiter. Auf Grund dieses Wetterberichtes dürfte Graf Zeppelin von seiner bisherigen, an­scheinend fast westlichen Fahrtroute s ü d l i ch ab­fliegen müssen.

Die Saffeiet Weueften jiatbtidjten entbe'nen roötbentlttb 'etbemal «uchmmagS. Der Aboouemeuisvreis bcudai für den Monat 2.90 X bet freier Zustellung ne »nue in »et (tzelckättsttelle abaebolt 2 - X Durch ine Poft monotlick 2.20 X uuSfchtiekti» 3uftellun»saebüt>r iternfpretbet 951 und 952 Äür unverlangt etnaetandte Beiträge kann die Nedaktton eine Bertniwortttng vdet Arwäbt in keinem ,>alle übernehmen Bfick^hiungen des BezngSgeldeS oder Änfvritche wegen etwaiger nicht ordnttngSmäftiger Lieferung 'ft ausae'cklnftcn Boftlckeckkonto Äranffun a M Aummer R1W tSin-einttmmer in A Sonntaa8nummei 20 A

pünktlich wie Ozeandampfer Amerikas felsenfestes Vertrauen. Eckener fliegt bald zurück. Ein zweiter Rundflug.

Latehurst, 13. Oktober. (Funkdienst.) Die Hotels beginnen sich zu füllen. Ter Zeppeiin- ,lug bildet das einzige Gesprächsthema lieber- all aus den Straße« und in den Läden stehen Gruppen beisammen, die die Flugberichtr mit größter Zuversicht besprechen. Alle Leute, auch die Offiziere des Lufthasens, sind d>vou über zeugt, daß das Luftschiff genau so fahrplanmä­ßig wie ein Ozeandampfer eintreffen wird. der Umgebung schießen Verkaussstände pilzartig aus dem Boden, in denen Erfrischungen Erin­nerungsartikel, besonders Miniatur-Zeppelme schon jetzt starken Absatz finden. Dr. Arnstein, der frühere Zeppelin-Konstrukteur und jetzige Vizepräsident der Zeppelin-Gesellschaft Akron (Ohio), erklärte, der Graf Zeppelin dürste sehr bald seine Rückreise antreten, den« soviel er wiffe, hoffe Dr. Eckener, noch in diesem Jahre einen zweiten Rundflug zu unternehmen. Auch auf seiner Rückreise werde das Luftschiff wahr­scheinlich einige Passagiere mitnehmen.

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Hamilton (Bermuda-Inseln). 13. Oktober. (Funkdienst) Angesichts der Möglichkeit, daß der Zeppelin die Bermuda-Jnscln überfliegen wird, hat man hier damit begonnen an einem günstigen Aussichtspunkt eine Beobach- inngsstation einznrichten Man nimmt an, daß derGraf Zeppelin" die Bermudas am Sonntagmorgen voraussichtlich bei gutem Wetter erreichen wird. Trotz Wolken und Nord- westwind ist das Barometer im Steigen begriffen. Der Funkspruch eines Passagiers an Bord an feine Familie in Newyork lautet: Wir find wohlauf und hoffen, Newyork am Sonntag vormittag zu erreichen."

* * *

Die Räumung längst fällig.

Lloyd George geißelt den Wortbruch. Wahn- stnnspolitik.

S5 Ai RerbnnngSbetrSge innerhalb 5 Lagen tablbir stift die Ritbngketi aller durch sttrnfpreebet aufaegebenen Antigen fotpfe für flufnabmeöaten und Plätze kann nicht flarantierf werden $tüt Antetgen mit befonders ftbmieriqem Satz 100 Pro«ni Anffchlna Ttndrret: Scklackibofftr Mefckäflsftellet Köln Str 5.

Schande auf Großbritannien!

Lloyd George entlarvt die Scheinheilige«.

London, 13. Oktober. Lloyd George erklärte noch auf der liberale« Konferenz. Lord CuS- hendun sei nur eine ausgestopfte und aufgezo­gene Figur. Er wiederholte nur die Mitteilun­gen, diein sei« Grammophon" gesetzt werden". England habe, um ein Abkommen zu erreichen, das Frankreich ermöglichen werde, den Kanal mit Unterseebooten zu füllen, etwas bewilligt, was de« Friede« in Europa und in der Welt unmöglich machen werde. Dies bedeute ein völ­liges Abgehe« vom feierlichen Friedensvertrog

der von Deutschland erpreßt wurde undvon dem wir damals sagten, daß wir es tun werden und von dem wir jetzt sa­gen. daß wir es nicht tu« werden". Lloyd Ge­orge rief:Schande auf ein großes Land" und fuhr fort: Großbritannien hat einen Fetzen Pa. Pier unterschrieben, Großbritannien hat niemals in seiner großen Geschichte sein Wort gebrochen Jetzt aber reißt es den «ertrag in Stücke Er kündigte an, daß eines TageS Rußland wie­der auferstehen werde. Wenn der augenblickli- chen Politik nicht Halt geboten werde, fei die

Völker bundssatznng eine Komödie und Locarno eine Falle.

Man ist ja heute selbst in der Politik nicht immer in der besten Gesellschaft. Und wenn mal für eine Woche keine üblen Gerüche aus wü­sten Parteihetzen, aus Korruptions- und Schic- bersümpfen, aus Besatzungs und Bedrückungs- skandalen ausgesttegen sind, jo sorgt zum minoe- sten eine Köpenikiade wie der hahnebüchene Rundfunkstreich unseres Zeitgenossen und Kom­munistenheros Schulz dafür, daß man sich in die­ser buntscheckigen Gesellschaft und besten aller Welten nicht langweilt. Aber während die rostige Maschinerie hinter den Kulissen der großen Welt- . bühne nur schwerfällig weiter stampft, da weder Regisseure, noch Mimen, noch Statisten Anstal­ten zur Einstudierung der Räumungs- und Re- parationsoperette treffen, rollt im politischen Kleinkunst-Kabarett ein Sketsch nach dem andern ab. War nicht der Ritter von der traurigen Ge­stalt Wilson mit all seinen moraltriefenden Nach­betern in unzähligen Traktätlein gegen die Windmühlenflügel der Geheimdiplomatie ein» hergesprengt s Mit dem Erfolg, daß die Augu­ren sich schon hinter seinem Rücken zuzwinkerten und die allergeheimsten Schachergeschäftchen ab- fchlossen. Mit dem blutigen Hob« auf seine Weltbeglücker - Mission, daß auf dem Kompost­haufen von Versailles die Giftblüten der aller- verschwiegensten .Militär-Schutz- und Trutzbünd- niffe ins Kraut schoflen. Mit dem schmählichen Ende, daß jetzt ein solcher lichischeuer Seepaktver­rat an den Völkerbund- und Locarnofreunden n-e Neue Welt gegen die Alte aufwiegelt und Ita­lien gänzlich von Mariannens Seite drängt.

Und damit in dieser finstersten Abrüstungs- und Friedenspofle der letzten Zeit doch auch der Pferdefuß deutlich sichtbar wird, vergreifen sich Poincar.e und seine Strohpuppe Briand an dem findigen Kundschafter der Dollarprefle H o r a n, dem für die Veröffentlichung des geheimen Flot- tenrundschreibens Briands der Dank der gesam­ten Weltöffentlichkeit gebührt. Die maßlos ge­reizte Yankeeprefle wird dieser fünften Blamage der Pariser Militärklique die Quittung nicht schuldig bleiben. Darüber hinaus aber sollte die gesamte Weltpresse, wie kürzlich schon bei den Verleumdungen der deutschen Schriftwelt durch den Polenminister, gegen die brutale Vergewal­tigung eines Berufsgenoffen Front machen, der einwandfrei und pflichtgemäß von einem unter der Hand ergatterten Schriftstück den der Welt­aufklärung dienenden Gebrauch machte. Ande­rerseits können wir uns ja dieses jüngsten dop­pelten Mißgriffs Poincarsscher Staatskunst nur von Herzen freuen. Sein durch die neue englische Militär-Entente aufgekitzelter Machtdünkel soll nur ruhig fortfahren, durch Eskapaden, wie sie ja auch unserer Vorkriegspolilik nicht fremd wa­ren, den Vertrauenskredit gerade der Dollarban­kiers zu belasten. Vielleicht läßt sich daraus noch gelegentlich bei dem großen Reparations-Reine­machen für den deutschen Schw.ndfuchtsbentel Kapital schlagen.

Einstweilen hängen aber Millionen Augen auf zwei Kontinenten an den Funkfprüchen und Wetterkarten, die den neuen Triumpfflug unseres silbernen Luftriesen bezeichnen. Und wenn gestern noch bange Sorgen aus aller Gemüter drückte wie die Sturmwetter, auf die Eckener los zusteuern schien, so wissen wir heute, daß die bösesten von ihnen vielleicht umflogen oder schon durchstoßen sind. Denn über den Bermuda in- fetn lacht sonniger Himmel und ein leichte Ost wird den stählernen Koloß auf seine Schw ngen nehmen. Wahrscheinlich wird der große Bogen nach Süden die Fahrtzeit sogar auf hundert Stunden hinauffchrauben, womit ein neuer Weltrekord geschlagen und dem Ozeanluftverkehr ungeahnte Perspektiven eröffnet würden. Denn soviel können wir schon heute sage«: Die Luft­schiffe der Zukunft werden noch schneller und wei­ter fahren. So schnell, daß sie jedes noch so große Tief ohne sonderliche Zeiteinbuße umsliegen DerGraf Zeppelin' aber, der feine Mängel gerne eingesteht, weil Armut keine Schande ist, vollbringt eine besondere Mission; er erfliegt sei- nen Nachfahren die Mittel. Das Geld, das not- wendig ist. um größere, schnellere Schiffe zu bauen.

Und auch das stehl schon heute fest: Unser Zep­pelin will nichts alS den Friedensradius der Welt erweitern. Er ist kein Kriegs-Luft- fregatte wie die vor vier Jahren von Eckener ab­gelieferte Reparationsarbeit, nicht mit Maschi­nengewehren und Bomben gespickt wie Mussoli­nis und John BullS Schreckgespenster der Lüfte. Und deshalb ist heute unsere Freude und unser Stolz umso Heller und unbeschwerter, weil uns diesen Zeppelin doch keine der hochmütige« Siegernationen nachmache« nnd fortstehlen

kann. Und wer dem deutschen Volk dieses Frie-k Unter riesigem Beifall schloß Lloyd George: Ma« muß für de« Friede« dieselben Opfer bringen, die man für den Krieg bringen würde. Dies wird die größte, edelste und heiligste Auf- gäbe sein, deren Bollendung sich der Liberalis­mus zur Aufgabe gemacht hat.

K 100 fliegt 1929-

Engla^ läßt de« Zeppelin scharf beobachten.

koniti«, 13. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der kanadische Luftkommandant Stedman ist in Begleitung des Chefingenieurs aus dem Mi­nisterium von Ottava nach Lakehurst abgereist, um dort die Ankunft des Grafen Zeppelin zu erwarten. Sie wollen den Landungsvorgang des Luftschiffes sorgfältig beobachten, um Infor­mationen zu bekommen, die bei dem Empfang der britische« Luftschiffes R 100, das im nächste« Jahre von England nach Montreal fliegen soll, nützlich fein werden.

DkNoreneMMionkN.

Wen« der Welsenschatz verkauft wird.

Die Nachricht, daß der berühmte Welfenfchatz, eine Sammlung alter nnd höchst wertvoller «nnstgegenitäude. «ach der Schwei, gebracht wurde, um in Amerika auf dem Kunitmarkt ausgeboten ,» werde«, bat tu na«, Deutsck- land beträchtliches Aussebe« erregt. Unser Mit» arbelter gibt uns »ädere Ausschlüsse über daS Millionenobjekt.

~ Dieser Schatz, der aus ein paar Dutzend Stücken besteht, ist z. T. von unersetzbarem kunsthistorischem und geschichtlichem Wert und es wäre darum nicht genügend zu bedauern, wenn er wirklich für immer aus Deutschland verichwinden sollte Allerdings wäre das nicht das erste Mal. Schon einmal befand sich diese wertvolle Sammlung auf einer großen Wan­derung, die mehr als vier Jahrzehnte andau­erte Das war nach 1866, wo diese Sammlung den entthronten Welfen, oder richtiger Cumoer» ländern, als Privateigentum zugesprochen wurde, von ihnen mit nach Gmunden gebracht und zeitweilig öffentlich in Wten und an an­deren Orten ausgestellt wurde. Als dann 1913 der regierende Cumberländer Schwiegersohn des deutschen Kaisers wurde und nach 47 Jah­ren die formale Aussöhnung zwischen Hohen» zollern und Welfen erfolgte, da kehrte auch der Welsenschatz mit seinem Besitzer nach Braun­schweig zurück und so kam die Hauptzahl dieser Kunstgegenstände wieder an den Ort. von dem sie ursprünglich stammten. Der Wclsenschatz nämlich nur lum geringsten Teil ältestes Etb- stück der welsischen Familie, die im Gegensatz zu anderen Herrscherhäusern des Mittelalters und der Renaissance

nie sehr viel für Kunstwerke übrig

hatte. Einige Stücke mögen sich wohl schon in altem Privatbesitz des Welsenhauses befunden haben, der Hauptteil der Sammlung aber kam erst unter dem 1679 gestorbenen Herzog Johann Friedrich von Hannover in den Besitz der Stiel» fensamilie. Dieser kriegerische Herr unterwarf 1671 die protestantische und wegen seines katho­lischen Glaubens ihm aus'äflige Stadt Braun­schweig. Zu den Kriegsrcprcssalien. die die un­terworfene Stadt leisten mußte, gehörte auch die Auslieferung dieses großen Schatzes, der da­mals in den Speichern und Kellern des Do­mes und anderer Kirchen ein wenig günstiges Dasein fristete Die Reformierten hatten für die alten katholischen Kultgegenstände keineBer« Wendung und in jenen kriegerischen Zeiten ach­tete man wenig auf den kunsthistorischen Stiert von Kirchengeräten. Der katholische Fürst hin­gegen

eignete sich sofort den Schatz an,

soweit er nicht inzwischen Räubern und Dieben zum Opfer gefallen war Unter der Zahl der so in den Besitz des Welsenhauses gekommenen Kunstgegenstände ragt besonders das sogenann­te Welsenkronz hervor, ein italienisches Kruzifix auS dem 11 Jahrhundert. Daneben ist vor allen Dinge« ein Tragaltar nennenswert, der als Stiert des Eilbertus aus Köln gilt (1335). Vielleicht aber der wertvollste Gegen­stand des ganzen Schatzes ist ein R e l i q u i e n» schrein in Gestalt einer byzantinischen Kup­pelkirche. aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Er wurde angeferligi für das Haupt des Hei­ligen Gregor von Mazianz und soll durch Otto IV. nach Braunschweig gekommen fein. Insgesamt besteht der Welfcnschatz aus 11 Tragaltären. 11 Kreuzen und 46 Reliquiaren, davon 14 in Kästchensorm, zwei in Form von Büsten. 11 in Armform und 19 in Gestalt von Monstranzen. Seil jenen Tagen Herzog Johann Friedrichs blieb der Welfenfchatz ununterbro­chen in Hannover, bis er dann 1866 mit dem Herrscherhause zusammen außer Land kam Als damals die Auseinandersetzung zwischen Hohen- zollern und Welfen erfolgte, wurde dieser Teil des großen welsischen Gesamtvermögens ihnen als Privatgut zuaesvrochen. Vor dem Kriege schätzte man den Marktwert aller dieser Kunst- gegenstände auf etwa 10 Millionen Mark und wenn beute von der doppelten Summe gespro­chen wird, so ist das ebensosehr auf die allge­meine Entwertung des Geldes zurückzuführen wie auf die gesteigerte Nachfrage «ach Antiqui- äten. UebrigenS kennt die Geschichte noch

einen zweiten Welfenfchatz,

der mit diesem ersten. auS Kunstwerken defi»' ftenden, nicht viel mehr als den Namen gemetro am hat. DaS ist der sogenannte Reptiliensond

der aus dem 1866 sequestrierten Privatvermö«! aen deS Welsenhauses von 48 Millionen Maw gebildet wurde, darunter große Uebertoeifungel) au« England Dieses ungeheure Vermöge«) wurde zwar durch Vertrag dem früheren RS nig Georg V. von Hannover wieder überlassen aber 1868 legte Preußen wieder seine Hand atj*