Meler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Di« Hantlet Neuesten Nachrichten ertche'nen wöchentlich 'echsmal nochmttla»«. Der «bonnementepteie btiraei iiit den Siotwt 1.90 X bei kreier SuiteCun« in« vaue in bei Gelchattelteüe -bg-doit i.- X Durch bt« «oft monatlich 1.90 X auSIchlleblich duftenunaeflebübt j^ernivrecher »51 und »51 Für un »erlangt etngefanbfe BeitrSge kann die Redaktion eine tBenntroortune oder Serodfrt in keinem fVade übernehmen iHOdnahtunaen bei BejugSgetbeb ober Nnforüch« wegen etwaiger nicht ordnnnasmSbiger Sieferung i» aubge chlosttn — Potzfckeltkontv Rronffuti g M Nnmmer W l?fnie(nnmmeT in A Sonntaabnummer 90 A
Hessische Abendzeitung
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Freitag, 12. Oktober 1^28.
Äkummer 242 Einzelvrefs Wochentags 10 Pfennig.
EinzelvrelS: Sonntags 20 Pfennig.
18. Jahrgang
Der Zeppelin steuert jetzt dem Atlantik zu.
Der Zeppelin fliegt.
©ein Start bedeutet eine Zeitenwende.
Von Dr. l|5aui Rohrbach.
Schon nachAmerika abgeflogen!
Eckener nimmt Kurs auf Basel / Vermutlich wieder über die Azoren.
Die Zahl der Luftfahrzeuge in der Welt wird gegenwärtig mit etwa 20 000 angenommen und zwar meistens Flugzeuge, Etwa 15000 davon sind bewaffnete Milttäuflugzeuge. Poi> dem verbleibenden Rest an Zivilflugzeugen besitzt Deutschland nach nicht 700 Trotzdem ist eg ohne Frage „In der Luft voran" Erst recht gilt das vom Bau großer Luftschiffe. Amerika hat jetzt bei der Goodyear-Gesellschaft zwei Riesen-Zeppelin in Auftrag gegeben, und zwar deshalb, weil deren Ingenieur« und Techniker alle in Friedrichshafen ausgebildet worden sind. Deutschland hat mit seiner verhältnismäßig geringen Zahl von Flugzeugen das ausgedehnteste und entwickelteste Luftver- kehrSnetz der Welt, namentlich was die Regelmäßigkeit und Sicherheit der Flüge und di« Zahl der Luftp-asiagiere betrifft. Deutschland K ferner, trotz aller Chitonen und trotz aller Bers'tche, die Luftschisswerft in Friedrichshafen 4»,gründe zu richten, so sehr an der Spitze bei Luftschiffbaues, daß auch außerdeutsche Wersten kein stärkeres Argument für ihre Leistungsfähigkeit Vorbringen können, als daß sie sagen: Wir arbeiten mit deutschen Ingenieuren. Aber der heutige Zeppelinstart erweckt noch andere Perspektiven.
Das deutsche Volk ist fast als einziges der Erde keine souveräne Nation Dies Schicksal haben die Deutschen schon einmal, vor etwa- über hundert Jahren durchgemacht. alS der große Korse uns im Tilsiter Frieden den Fuß auf den Nacken setzte. Damals aber konnte em Mann wie Ernst Moritz Arndt noch ein Vater- landSlied dichten, in dem eS hieß:
Der Gott, der Tisen wachsen ließ Der wollte keine Knechte!
Damals waren es Männer, die mit dem Eisen, das sie aus der Erde gruben und zu Waffen umschmiedeten, die Kriege entschieden, vor allem die Freiheitskriege. Heute sind alle Kriege zu Maschinenkriegen. Geldkriegen und. was dar Schlimmste ist: GistgaSkriegen aus der Lust geworden, und dadurch hat der Krieg alS solcher eine entscheidende Einbuße von der Seite deS sittlichen Wertes her ersahren. Man mag zum Kriege an sich stehen wie man will — der Krieg zur Befreiung aus nationaler Unfreiheit im Sinne Ernst Moritz Arndt's ist nach dem Urteil aller Jahrtausende immer ein sittliches Unterfangen gewesen.
Die großen geschichtlichen Zeitwenden sind an der entscheidenden Stelle moralischer Natur. Obne Frage erleben wir heute durch bu ungeheuren Fortschritte in der Technik, von denen die Beherrschung der Luft nur ein einziges Gebiet umfaßt, eine solche Zeitenwende Räumliche und zeitliche Entfernung sind immer mehr im Verschwinden begriffen, und die Folgen davon für das menschliche Leben werden in absehbarer Zukunft größer sein, als heute jemand auszudenken imstande ist Deutschlanr aber ist von der Luftherrschaft auSgeschlosieu Das bedeutet, daß eS zwar seine Erfindungskraft und seine Fädigkeit des Organisierens da zu benutzen darf, um die SuftverkehrSmittel immer vollkommener zu machen, daß es aber mit gebundenen Händen zu sehen mutz, wie der Raub seiner Souveränität gerade durch die Luftfahrzeuge zu einem unabwendbaren und dauernden Schicksal gemacht werden soll Tic Luftfahrieuae sind es, mit denen zukünftig die massenmörderischen Giftgase über ein Land, das mit Krieg überzogen wird. auSgebreitet werden sollen. Eine direkte Abwehr oeaen sie. ein Entkommen von ihnen — gibt es nicht, denn wenn ein entrechtetes Volk an keinerlei Deraeltungs- maßreqeln denken kann, wenn jedes Freiheits- kied für seine Söhne zu einer inhaltlosen Lusterschütterung wird, wenn der Ovtergedanke. bisher der selbstverständliche Hintergrund der Frei- heitSidee, für sie seinen Sinn verliert, so wird aus der technischen Zeitenwende auch eine moralische.
Bei allem Stolz auf das, was unsere führenden Männer im Gebiet der Luft geleistet haben und waS sie noch leisten werden, bleibt unter den heutigen Verhältnissen doch etwas von dem Gefühl übrig, daß die Deutschen in so manchem Teil der Welt den Kulturdünger für daS Aus kommen von Wirtschaftskraft und Zivilisation geliefert haben, und daß sie jetzt mit ihren Luit leistungen etwas AehnlicheS erleben. Von den deutschen Erfindungen vom deutschen Können, macht die außerdentfche Welt den Gebrauch, der ihr bettebt Die Amerikaner bauen auf Grund der deutschen Konstruktionen und mit deutschen Ingenieuren ihre neuen Marinelustkreuzer und verbessern damit ihre weltbeherrschende Stellung. Der „Graf Zeppelin" aber, der neulich
Friedrichshafen, den 11. Oktober (Sonderberichterstattung). Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute früh 7.50 Uhr bei wottigem, aber windstiücm Wetter zvr Fahrt nach Amerika aufgestiegen.
AlS daö Schiff sich in die Höhe hob, brachen die Zuschauermassen in ungeheuren Jubel aus. Dr. Eckener will zunächst Kurs auf Basel nehmen und bann die südliche Route im Einzelnen bestimmen.
(Sicdenaeläut ai< letzter Gruß
Konstanz, 1L Oktober. (Privattelegramm.) DaS Luftschiff „Graf Zeppelin" hat um 8.10 Uhr die Stadt passiert. Sämtliche Kirchenglok- ken der Stadt läuteten ihm einen Abschieds, grüß. Dem über den Hasen hinwegfliegenden Luftschiff winkten unzählige Personen begeistert zu.
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Draußen braust der Orkan.
Eckener will wieder auSweichen. — Sonntag früh schon in Newyork.
Friedrichshafen, 11. Oktober. (Sonderberichti Schon in frühen Morgenstunden strömten ungeheure Menschenmengen nach dem Werftgelände hinaus. Ein Heer von Photographen und Kameramännern batte um das Schiff Aufstellung genommen. Dr. Eckener und die üb»'/.en Führer deS Schiffes, Kapitän Lehmann und Kapitän Flemming standen im Kreuzfeuer. Bereits um 7% Uhr gingen die ersten Fahrtteilnehmer an Bord. Die Mannschaft hatte bereits ihre Posten eingenommen. Immer wieder kamen neue Blumensendungen. Die Führergondel glich bei der
Abfahrt einem Blumenladen.
Um Uhr wurden bereits die Sandsäcke ,dte daS Schiff am Boden hielten, abgenommen. Langsam bewegte sich der Rtesenleib hinaus ins Freie: langsam setzten die Motore ein, daS Schiss drehte sich mit dem Bug nach Westen. Kurz darauf ertönte die Startglocke. Alle Hände ließen los und das Schiff erhob sich unter brausen- demJubelindieLüfte. Wie Dr. Eckener mitteilte, rechnet er anfangs mit günstigen Wot- terverhältnissen. Eine genaue Fahrt-Route wird sich also erst im Laufe der nächsten zehn Stunden festlegen lassen. Heber dem Ozean zieht fett gestern ein neues schweres Tief heran. Zur Zeit herrscht über dem Atlantic Windstärke 10.
Man wird also wahrscheinlich einen bestimmten Kurs nicht einhalten können und dieses Tiefdruckgebiet zu umfahren versuchen. Trotz- dem glaubt man, daß es gelingen wird, Lake- hurst in 78 Stunden zu erreichen. Dr. Eckener läßt allen Gratulanten durch die Presse besonderen Dank sagen.
Friedrichshafen, 11. Oktober. (Privattelegramm.) Im Hellen Sonnenschein überflog Gras Zeppelin um 9,30 Uhr die Stadt Basel. Das Luftschiff flog ziemlich niedrig und entschwand in Richtung bet Bogefen schnell ben Blicken.
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Eckener wird es schaffen.
Vielleicht bis nach Afrika hinunter.
Friedrichshafen, 11. Oktober. (Sonderbericht.) Zu einem Pressevertreter äußerte sich Dr. Eckener: „Ich rechne damit, das wir Sonntag früh in Rewhork sind. Wegen der schweren
Atlantikstürm« läßt sich die Route natürlich nicht vorher genau bestimmen. Im allgemeinen werden wir uns aber an den südlichen Kurs halten müssen. Das heißt, zunächst über Basel nach Frankreich fahren, dann über dem Ozean südlich die Tiefe umgehend, bte sich zwischen Neufundland und Irland hin» und herztehen. Jedenfalls haben wir das starke Vertrauen, daß unser schönes Schiff eS schon schaffen wird.
Diplomingenieur Lehmann, wies daraus hin. daß daS interessanteste an dieser Fahrt angesichts der ungeklärten Wetterlage die Na» vigation sei. Die Fahrt werde den Sachverständigen Gelegenheit zu interessanten Beabachlun- gttt geben, die große Bedeutung für den zukünftigen Ozeanverkehr haben würden Es sei möglich, daß das Schiff bis zur afrikanischen Küste hinuntergehen muffe, um bann erst auf die Azoren loszusteuern.
Friedrichshafen, 10. Oktober. (Sonderbericht 1 Ministerialdirektor Brandenburg äußerte sich, er «erde seinen Aufenth^t in Amerika zu wichtigen Fachstudien benutzen. Commander Rosendahl, 4er Führer der LoS Angeles unterstrich die herzliche Aufnahme in Deutschland. Die Fertigstellung des Graf Zeppelin schließe nicht nur technische Probleme in sich. Umsomehr sei daS Verdienst der Nachfolger deS Grafen Zeppelin hervorzuheben, die an ihrem Glauben an die Zukunft der Luftfahrt festhielten. Der Graf Zeppelin werde ohne Zweifel ein wichtiger Faktor in der Entwicklung zu einem ständigen LuftschiffS- verkehr sein.
Schon über Frankreich
Bafel, 11. Oktober. (Privattelegramm.) Rach, dem daS Luftschiff die Stabt Basel überflogen hatte, nahm eS scharfen Kurs nach Westen, her burgunbifdjen Pforte zu, begleitet von zwei Flugzeugen de» Baseler Flugplätze». Um 9,40 Uhr befand e» sich bereits auf französischem Boden.
Otetogoff er-bi den Slug mit.
Newyork, 11. Oktober. (Durch Funkspruch.l Die Zeitungen veröffentlichen in Extraausgaben die Startnachricht von Graf Zeppelin.
Was der Zeppei n miischirovk.
Friedrichshafen, 11. Oktober. (Privattole- gramm. An Bord befinden sich fünfzehn Post- sacke, die zusammen ein Gewicht von 450 Kilogramm ausmachen und 66000 Postsachen ent< halten. Die Speisekarte für die Gäste kann sich wohl sehen lassen.
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Gegenflng nach Rom?
Zwei Amerikaner wollen heute starten.
Rewyork, 11. Oktober. Der Flugzeugfabrikant Charles Lewine erklärte, dntz fein Flugzeug „Miß Columbia" am Donnerstag zum Flug nach Rom starten werde. DaS Flugzeug wird von dem Piloten Williams geführt werden «l» Navigationsoffizier befindet sich Bornelli an Bord.
DerSoldatcnmSrder bricht zusammen
Wie er seinen Kameraden auf bet Land firaße erschlug. — Der Magen al» Beträtet.
Berlin, 10. Oktober. (Durch Funkspruch.) Der Obergefreite Lubwig Dumberg hat heute Rächt im Berhör gestanden, seinen Kameraden Gelfert am 11. Oktober in Nedlitz ermordet zu haben Nachdem ihm mehrfach vorgehalten worden war, daß sein Alibi nachweisbar nicht stimme, und daß er dadurch besonders belastet werde, daß er am Tage deS Mordes Kantinenschulden in Höhe von 140 Mark zu zahlen in bet Lage war, brach Dumbert zusammen, sank in bie Knie unb legte unter Tränen sein Geständnis ab.
Potsdam, 11. Oktober. (Privattelegramm.) Die Ueberführung beS Dumpert gelang in bet Hauptfach, durch bie Untersuchung be» Ma
gen» be» getöteten Gelfert. Aus dem Befund tonnte man schließen, baß ©eifert schon am Montag mittag nicht» gegessen hatte unb vorher erntorbet fein mutzte. Aus Grunb biefer Zeitbestimmung verwickelt« sich Dumpert in Widersprüche unb sein, Aussagen konnten erschüttert werben. Er behauptet, im Laufe einer erregten Auseinandersetzung soll Gelfert bas Wort „Schuft" gebraucht haben. Dumpert schlug darauf Gelfert mit einem Knüppel über ben HintetkoPs. Als bet Geschlagene sich umdrehte, traf der zweite Schlag die Stirn. Die Klaffwunden am Schädel bestätigen bie Angaben. Er bleibt strikt dabei, daß er den von ihm niedergefchlngenen Gelfert nicht deroubt hat.
ein Stück von England überflog und der nunpin Werkzeug deutschen Willen» zur Rückerobe- nach Amerika fährt, braucht n i e m a n b e mpung unserer verlorenen Souveränität werden eine Sorge einzuflößen, als ob er einmal>könnte
Verflkflemnasmorb.
In Deutschland gottlob eine Seltenheit.
BorgSnge wie der Fall Treiber geben leicht Anlatz ,« einer VertranenSkriie In der Familie. Denn auch über den heiterste« Himmel ranjcht einmal ei« Gewitter. Und die äfftet« l«6e Erregung über eine« wirkUcke« eher vermeintliche« Bersicheruagsmard kahl manchmal sogar a« dem sorgsamen Hausvater »wtistl«. d" Frau oder «luder versichert. Dabei werde« solch« VerNchtrunat» heute in Milli-««« Sülle». »b«e eint »ober« Ntbtnabsichf »13 dit 6er Erwar« S -°n Prämie« tiegeleiieL Unter Mitarbeiter schreibt:
Die Versicherung allein auf den Todesfall ist sehr, sehr selten geworden. Die gewaltige Ueber- ;ahl bet Lebensversicherung wird auf den Er» l e b e n S f a l l abgeschlossen, ist also weiter nichts als eine Form der Sparkasse, die im al- (erungünftigften Fall, dem Tod deS Versicherten. die Endsumme zu einem früheren Zeitpunkt fällig werden läßt. Mit diesem ungünstigsten Fass wird aber bei der gewaltigen lieber- zahl bet Versicherungen niemals gerechnet. Man bars beShalb wohl bet Meinung eines über ben Fall Treiber unb ähnliche Vorkommnisse vom Verfasser befragten Versicherungsfachmannes folgen, daß die Riesensumme von mehr als dreihundert Millionen Mark an LebenSver- sicherungSprämten In Deutschland jährlich von einer Millionenzahl besonders
ehrenhafter unb zuverlässiger Mitbürger aufgebracht werde. Nun gibt es eine Furcht vor dem Versicherungsbetrug in viel ausgeprägteren Formen als bei ben Versicherungsnehmern: bei den Gesellschaften selbst. Sie verfügen über einen sehr entwickelten Apparat mit kriminalisti- schem Beigeschmack schon in der sorgfältig geführten Kartothek, durch die jede Versicherung», gesellschaft sich in jedem Augenblick über alle irgendwie einmal abgeschlossenen oder sogar etn- geteiteten Versicherungen eines Teilnehmer» unterrichten kann, ausdrücklich auch über alle Versuche bei allen anderen Gesellschaften, mit betten sie in schärfstem Wettbewerb steht. Sie kann sich dabei gleichzeitig auch über Ablehnung»- ober AuStrittsgründe, Krankheiten, Zahlungsgewohnheiten unb andere Einzelheiten klar werden. Der gefürchtete Versicherungsbetrug ist zunächst nicht der VerstcherungSmord, sondern bie — vielleicht aus sehr edlen, aber irregehenden Beweggründen entspringende
Verschweigung schwerer, den Tod beschleunigender Erkrankungen, die den Versich«. rungsfall für die Gesellschaft gefahtenreicher gestaltet, al» sie in Hinblick auf die Prämie und vi« Aufnahme erkennen soll. Kurz, bie «er- itcherung betätigt sich mit kriminalistischem Ein- ichlag schon bei der Aufnahme, und ihre sorgfältig geschulte Beamtenschaft wird erst recht beim Eintreten de» VersicherungsfallS, beson- der» wenn ihn auffallende Umstände begleiten, mit ihren kriminalistischen Fähigkeiten auf dem Posten sein. Versicherungsbetrug und Versich«. rungsmord gehören also zu den planmäßig er- Ichwerten Verbrechen. Bei nüchterner Ueberle- gung gibt aber auch der durch peinliche Erfahrungen sehr mißtrauisch gemachte Versicherung», sachmann ohne Einschränkung zu, daß Versi» cberungsmord eine glücklicherweise feite- Ns Einzelerscheinung gewesen ist und sicherlich bleiben wird. Die Auffassung, daß in gewissem Grade jeder verdächtig sei, der eine hohe Versicherung einqehe, wenn der Per« ücherungsfall überraschend auftritt, wird von allen seriösen Verstcherungsfachleute» und Kriminalisten mit Entschiedenbeit zurück, gewiesen. Ein sehr erfahrener Kriminalist erklärte dem Verfasser rund heraus: „Man tonnte in Deutschland
selbst das Leben von Hunden, Katzen, Vögel« und anderem HauSgetter versichern, ohne eine besondere Gefahr von Versicherungsmorden, wie denn der Versicherungsbetrug, gemessen an der riesenhaften Zahl aller Versicherungen, überhaupt zu den seltenen VerbrechenSvorgäw- gen zu rechnen ist. Davon macht auch die Feuer» Versicherung keine Ausnahme." In der Tat sagt unS die Kriminalstatistik, daß alljährlich in Deutschland rund sechshundert« Brand» "t i s t u n g s sä ll e zur Anzeige gelangen und rund vierhundert Verurteilungen ausgesprochen werden! Eine sehr niedrige Zahl; denn Brandstiftungen sind heute leicht nachweisbar. Oben« oretn sind fast zwölf Prozent der verurteilte« Brandstifter Jugendliche zwischen vierzehn und achtzehn Jahren, die gewiß keinen Versich«- tungSb«trug mit ihrer Straftat verbunden haben. Von allen zwanzig Verbrechrnsarten, über die eine pefonberte Statistik geführt wird, kommt Brandstiflnna überhaupt am wenigsten vor. Mord und Totschlag gehen an Zahl ebenfalls