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Kasseler NeUste Nachrichtm

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 23» Einzelpreis: WockentaqS 10 Pfennig Dienstag, S. Oktober 1928.__________Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig 18. Jahrgang

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Polenwut gegen den Reichspräsidenten.

Heute letzter probrstart / Australiens Fluren unter der Gturmwalze.

Nicbt über die Kraft.

Endsumme und Milliarden-Mobilisterung.

Von

Neichsminister a. D. Dr- Jng. Gothein.

Frankreich hat im August 1929 an die Ver­einigten Staaten 400 Millionen Dollars und von da bis 1967 pro Jahr durchschnittlich 110 Mil­lionen Dollar = rund 450 Millionen R.-Mark zu zahlen. Die Gründe sind also sehr durchsich­tig, weshalb es aus finanzielle Gegenleistungen für die frühere Räumung bei zweiten und drit­ten Rheinlandzone drängt. Die vielgenannte Endsumme der deutschen Verpflichtungen von 132 Milliarden R.-Mark nimmt heute selbst in Frankreich kaum irgendwer noch ernst. Man will sich aus eine für Deutschland tragbare Summe beschränken, sich aber glclchezitig durch Verlängerung der herabzusetzenden Da­wesleistungen davor schützen, daß den franzofl- schen Zahlungen an die Vereinigten Staaten von 1965 ab keine deutschen Zahlungen an Frankreich mehr aegenüberstehen. Freilich mochte man auch die für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete aufgewendeten Summen von Deutschland weitgehend übernommen sehen Et­was maßvoller sind schon die Vorschläge von Sevdoux, der verlangt, daß Deutschland den Schuldendienst Frankreichs an Amerika über den Endpunkt der Dawesleistungen hinaus vis 1987 übernähme oder ihn kapitalisiert durch di« zu mobilisierenden Obligationen ablöse.

Die Frage würde sich also dahin zuspitzen: Lasten sich sechzehn Milliarden 31 deutscher Ob­ligationen in absehbarer Zeit mobilisieren? Ein bekannterFingerspitzen-Bankier' hat kürzlich gemeint, daß der Kapitalmarkt der Welt wohl für acht Milliarden Mark deutsche Obliga­tionen aufnahmefähig sei. Ich selbst habe vor wenigen Monaten die Schwierigkeiten schon einer Molilisterung von zwei bis drei Milliarden dargelegt: die Aussicht auf das Folgen weiterer Milliarden würde deren Kurs ständig unter star­kem Druck halten. Die amerikanische haute finance begeistert sich freilich heut für dieses rie­sige Milliardengeschäft .indeffen doch nur, weil sie daran enorme Emisstonsgewinn^ zu machen hofft. Seit dem Frühjahr ist aber der amerika­nische Markt für neue Ausländsanleihen ganz besonders deutsche nicht mehr aufnahmefähig gewesen und das amerikanische Publikum kauft Ausländsanleihen nicht als Kapitalsanlage, son­dern will Spekulationsgewinne daran machen. In England steht man der Mobilisierung der deutschen Reichsbahn- und Industrieobligationen recht spektisch gegenüber. Ihm ist am besten solange es seine Kriegsschuldzahlungen an Ame­rika leisten muu mit der Fortzahlung der deut­schen Reparationssummen gedient. Auch Belgien empfindet kein Bedürfnis nach einer raschen Mo­bilisierung der deutschen Obligationen.

In Deutschland selbst hat man solch« schwere Bedenken. Einmal geht für sie der Transfer­schutz des Dawesplans verloren, was sogar unsere Währung in Gefahr bringen könnte. Bezüglich der einmal mobilisierten, also in Privathände übergegangenen deutschen Schuldverpflichtungen ist aber auch ein zukünf­tiger Schuldennachlaß ausgeschlos­sen. Wir können uns daher nur dann auf eine Revision des Dawesplans einlafsen, wenn sie uns so wesentliche Erleichterungen bringt, daß wir die uns verbleibenden Lasten ohne Ge­fährdung unserer Währung zu tragen hoffen können. Die Vorschläge ton Jacques Sevdoux könnten für die diesbezüglichen Ver­handlungen eine brauchbare Grundlage abgeben. Aber er hat sie als Privatmann gemacht und eS ist recht zweifelhaft, ob sich Poincark mit ihnen irgendwie identifizieren wird. Und daS ganze Problem der internationalen Verschuldung und der Reparationen läßt sich nicht obne di« Vereinigten Staaten lösen. Die aber wollen sich bei den Beratungen nur durch einen .Beobachter" vertreten lasten; wollen deren Er­gebnis abwarten und erst zu den von der Ronfe * renz vereinbarten Vorschlägen Stellung neh­men. Die ohnehin nickt große Bereitwilligkeit Amerikas, seinen europäischen Schuldnern Ent­gegenkommen zu beweisen, ist durch das englisch- französische Flottenabkommen, das man in Washington mit Recht alS gegen sich gerichtet empfindet, nock stark vermindert worden. Allzu große Hoffnungen wird man also auf die Kon- serenz nicht setzen dürfen. Immerhin ist Deutsch­lands Stellung in ihr ungleich besser als

sie es bei dem Londoner Abkommen über den Dawesplan war.

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Schachts Name gilt viel

London, 8. Ottober. In einer Artikelreihe überPfeiler der kontinentalen Finanz" schreibt ein Blatt, der Einfluß des Reichsbankpräsiden­ten Schacht auf der internationalen Finanz­bühne werde wahrscheinlich in den kommenden Jahren noch wachsen. Aber auch jetzt sei Dr. Schacht der einstimmig anerkannte führende Geist der deutschen Bankwelt.

wer ist -er tan-rimber?

Polen hetzt gegen den Reichspräsidenten.

Warschau, 8. Ottober. (Eigene Drahtmel­dung.) Gestern Abend fand in Warschau eine große Protestver,a>..mlung des Westmarkenver- einS statt gegen die Reden des Reichspräsidenten von Hindenvurg in Oppeln, die ihrer Tendenz und ihrem Inhalte nach eine Drohung gegen den polnischen Staat seien Die polnische Regie­rung müsse sich solchem deutschen Appetitaus polnisches Staatsgebiet (!) auf das Entschiedenste widersetzen. Hinter der deutschen Grenze und aus deutschem Gebiet lägen noch 800 000 Polen, auf deren Gebiete Polen un­zweifelhaft Anspruch habe.

Vetzueder vor Dem deutschen Konsulat

Warschau, 8. Ottober. In Thorn fand gestern ebenfalls eine Kundgebung deS Westmarkenver­eins gegen die vom Reichspräsidenten in Oppeln gehaltene Rede statt. Rach der Ver­sammlung bildete fich ein Zug, der in Stärke von mehreren taufend Personen vor das deutsche Konsulat zog, wo das deutschfeindliche Hetzlied Rota gesungen wurde.

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Keinen Zentimeter abtreten r

Ein Hatz-Echo aus polnisch Oberschlesien.

Kattowitz, 8. Ottober. (Privattelegramm) Auf der Tagung polnischer Eisenbahningenieure, an der auch Generalstäber teilnahmen, äußerte sich der schlesische Wohwode wie folgt: Ober- schtefien hat seine Freiheit mit den größten Opfern erkämpft und die teuere Erde ist polnisch und wird immer polnisch Kleiden. Hier auf diesem Gbit tobt ein Kampf um die Seele des Volkes und diesen Kampf müssen und werden wir gewinnen, wenn das gesamte pol­nische Volk aus den anderen Gebieten hinter uns stehen wird. Eine solche Antwort geben wir auf die Bestrebungen die Grenzen Schle­siens und Pommerellens abzuändern.

Gin schlechter Sozialist.

Paul Bonrour ein Trabant PoincareS.

Paris. 8. kwber. Eine sozialistische Ent­schließung deS Rorddepariements richtet fich ge­gen Paul Boneours Verhalten in der Abrü­stungsfrage, das in vollkommenem Widerspruch zur Politik des internationalen Sozialismus stehe und eine Rechtfertiaung der Regierung Poincare-Briand darstelle. Die Bereinigung er­klärt, daß unter den gegenwärtigen Umständen ein Sozialist kein französisches Mandat beim Bölkerbund übernehmen könne. Der Soziali­stische Parteitag hatte bereits auf Grund einer ähnlichen Entschließung die Ausübung deS Mandats durch Paul Boneour von den Be­schlüssen der Internationale abhängig machte.

Schatten Moskaus.

Ein radikaler Wahlzug im Osten.

Riga, 8. Oktober. Die Wahlen zum lettischen Sejm find bei sehr reger Beteiligung im ganzen Lande ruhig verlausen. So übten zum Beispiel in Riga 88 Prozent ihr Stimmrecht aus. Rach den bisherigen Ergebnissen weisen die bürgerli­chen Gruppen keine nennenswerten Veränderun­gen auf. Dagegen ist eine beträchtliche Abwan­derung sozialdemokratischer Stimmen zu den ommunistischen Gewerkschaftlern wahrzunehmen, oie zum ersten Male an der Wahl beteiligt find. Dir neue Unabhängige Sozialdemokratische Par- lei scheint einen Mißerfolg erlitten zu haben.

Sport vere-elt -ie Raffe.

So hilft der Dittator Italien auf.

Rom, 8. Oktober. Mussolini hat für Mittwoch die Direktoren aller großen sportlichen Tages­zeitungen nach Rom geladen, um ihnen per­sönlich nähere Weisungen über die Aufgaben der faschistischen Presse zu geben. Die Einladungen wurden auch auf die Städte­

zeitungen ausgedehnt. Das zeigt, welch große Bedeutung die Regierung dem Sport als Mittel zur Verbesserung der Raffe beimitzt.

wenn -er Glutorkan weht.

Fliegende Dächer und Bäume. Straßen- und Brandunglück.

Sidney, 8. Oktober (Durch Funkspruch.) Ein heißer, mit enormer Geschwindigkeit wehender Sturm wütete gestern in New-Süd Wales. Er ritz hunderte von Häuserdächern ab und entwur­zelte Bäume. Verschiedentlich brachen Wald­brände aus, die die Gefahr noch erhöhten. Einige Autos stießen infolge der schlechten Sicht auf den von Rauch und Staub eingehüllten Straßen zu­sammen. Eine Papierfabrik wurde vernichtet. Der Schaden ist bedeutend. Es steht noch nicht fest, ob auch Menschen ums Leben gekommen find.

2hi$ 2lu, rauen schürft Die Luftwaffen

Camberra» 8. Oktober. Luftmarschall Sir John Salmond erklärte in einem Bericht, in­folge des veralteten Typs der Flugzeuge und des völligen Fehlens von Reserveaus­rüstungen seien die australischen Luftstreitkräfte nicht in der Lage, an militärischen Ope­rationen wirksam teilzunehmen. Er empfiehlt energische Verbeflerungsmaßnahmen und tritt für ein Programm ein, das sich über neun Jahre erstreckt und 1139 000 Psd. Stert kostet.

Heute letzte Probefahrt.

Der Zeppelin übt für Amerika.

Friedrichshafen, 8. Ottober. Privattelegramm.) Die letzte Probefahrt des Grafen Zeppelin fin­det nach Den Berbefferungsarbeiten schon am heutigen Nachmittag, und zwar um 13.30 Uhr statt. Die Wetterlage ist zurzeit äußerst günstig. Die Fahrt, die sich über das Bodenseegebiet er­streckt, dient hauptsächlich der Abstimmung des Peilgerätes und dürfte sich wohl bis in die Abendstunden ausdehnen.

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was -er Deutsche anfaßt.

Auch Frankreich lernt vom Zeppelin.

Paris, 8. Ottober. Zu den Zeppelinflügen schreibt ein Blatt: Man könne nicht umhin, dieses methodistische Flugstudium mit jener Sorglosig­keit zu vergleichen, die im Gegensatz zu Deutsch­land, bei den Luftveranstaltungen in Frank­reich feit Monaten geherrscht zu haben scheine. Die Ergebnisse der deutschen Technik seien zu be­wundern. Sie sollten Frankreich eine Lehre fein.

3)1« Miß ist Der (Berlinerin noch über.

Paris, 8. Oktober. Auf dem internationalen Schreibmaschinen-Wettschreiben errang in der Abteilung Handelskorrespondenz die Berli. nerin Olga Fischer den ersten Preis. Europameisterin wurde die Engländerin Eliuor Mitchell.

Die Ra-io - Villa -es Spions. Verhaftung eines Jtalienerspitzels an der Riviera

Paris, 8. Oktober. In Nizza wurde gestern ein Italiener Namens Perfezzi verhaftet, der angeblich eine geheime Radiostation eingerichtet hatte. Perfezzi war befreundet mit dem verstorbenen Turati. Die Station war in einer Villa auf einem Hügel eingerichtet und hatte eine Reichweite von 250 Kirn. Perfezzi wohnte in Nizza unter einem Decknamen.

Fast siebzig Jahre Zuchthaus.

Wie Mussolini den Kommunisten zu Leibe geht. Das Ende der Mailänder Zentrale.

Rom, 8. Ottober. Das Sondergericht zum Schutze deS Staates hat die beiden Kommunisten, die in Mailand angeblich eine kommunistische Zentrale einrichten sollten, zu je fünfzehn Jahren Zuchthaus verutteilt, zwei andere Mailänder Kommunisten zu zehn und dreizehn Jahren und vier andere zu zwei bis vier Jah­ren Zuchthaus

Fleisch-oernonfiranttn Im «vetto SonDone.

London, 8. Oktober. Im östlichen Stadtteil Loudons kam es zu einer Demonstration von rund eintausend Juden vor einem Re­staurant. Di« Kundgebung war aus ein Gerücht zurückzuführen, daß dieses jüdische Restaurant kein koscheres Fleisch verkaufe. Es mutzte Poli­zei aufgeboten werden, um die Menge zu zer­streuen.

Untere Steuersünden.

Wie sich die Drückeberger im Reich verteilen.

Nur der 20. Teil au Strafe» kommt ei». U». öl«'»- Si»a»wolitik. - Jeder Deutichr beravvt 20 Pfennig «strafe. Wo die meiste» Sünder »se«. Reform«« unumgänglich.

Von den rund 240 Millionen Mark aller Steuer- und Zollstrafen, die das Reich auf Grund der sehr abänderungsbedürstigen Straf­gesetzgebung alljährlich verhängen läßt, kommen im wesentlichen nur rd. 12 Millionen Strafen bei Besitz- und Verkehrssteuern, also besonders bei der Lohnsteuer, Einkommensteuer, Umsatz­steuer und Vermögenssteuer tatsächlich ein. Bei diesen Steuerarten sind im letzten Haushalts­jahr genau 31580 Steuersünder sestgestellt, die rechtskräftig zur Zahlung einer Strassumme von 13 538 369 Jt verurteilt wurden, von denen in 2491 Fällen Strafen in Höhe von

1564 074 Mark niedergeschlagen

wurden. Offenbar hat das Reichsfinanzmini­sterium so weitgehend wie möglich Milde wal­ten lassen, und dieser Möglichkeit hat es unge­fähr die im Haushalt fe st gelegte Grenze gesetzt, i"dem . >- rauf bedacht war, an Strafen die Summe zusammenzubringen, die dem Reichstag bei der Aufstellung des Haushalts als Strafeingang in Aussicht gestellt war. Diese Tatsache lenkt die kritische Betrach­tung in zwei Richtungen: Entweder hat daS Reichsfinanzministerium bei der Niederschla­gung eine Großherzigkeit bewiesen, die zu den Höchstleistungen menschlicher Nachsicht und Rück­sichtnahme auf begreifliche Schwächen des Menschengeschlechtes gehört, oder aber das Reichsfinanzministerium hat die gesetzlichen Schlingen so fest gezogen, bis die haushalts­mäßig vorveranschlagte Strafsumme herausge­drosselt war, und auf die darüber hinausschie­ßenden Summen keinen Wert mehr gelegt. Vielleicht ist es dem Reichsfinanzministerium geglückt, den Rhythmus der Steuer­drückebergerei von Jahr zu Jahr so ge­nau zu beurteilen, daß es daraus mit einer so gut wie feststehenden Einnahme rechnen kann. Die Vorausbestimmung von Strafen im Haus­halt wird so unwillkürlich zu einer Sonder- steuer, bei deren Verteilung leicht auch die Will­kür eine Rolle spielen kann. Auch von diesem Gesichtspunkt aus mutz man es begrüßen, daß im Reichsfinanzministerium selbst die ©teuer« strafgesetzgebung als erneuerungsbedürftig be­trachtet wird. Die Beteiligung der Deutschen an der Steuerstrafe ist außergewöhnlich ver­schieden. Durchschnittlich ist

jeder Deutsche mit 20 Pfennig

jährlich beteiligt. Es gibt aber Finanzämter, deren Bevölkerung sehr erheblich über diesen Durchschnitt hinauskommt, und andere, die in der glücklichen Lage sind, sehr tief darunter zu bleiben. Allerdings muß man sich mit Annähe« rungsziffern begnügen, die ober, auch wenn sie sich nicht aus den Pfennig genau berechnen las­sen, dennoch das richtige Bild vermitteln. Die tatsächlich höchste Zahl aller Steuerstrafen wird durch das Landesfinanzamt Stuttgart ver­hängt. Es führt mit 2872 Fällen vor M ü n - fter i. W. mit 2826, Berlin mit 2551, Breslau mit 2181 Fällen, während in Bran­denburg, Dresden, Düsseldorf,

Hannover, Kassel, Magdeburg, München, Thüringen über tausend Steuerstraf­fälle vorgekommen find, und Darmstadt, Köln, Königsberg, Leipzig, Mecklenburg, Lübeck, Nürnberg, Stettin, Unterelbe und Unterweser z. T. sehr weit unter tausend bleiben. Völlig anders gestaltet sich aber die Reihenfolge der Landesfinanzämter in der Höhe der fest­gesetzten Strafen. Stuttgart mit feiner Riefenziffer an Bestrafungen kommt, gemessen an der Gesamtsumme mit 665 000 Ian 8. Stelle, während Münster i. W. die Führung mit 1,7 Millionen vor Berlin mit 1,4 Millionen M hat, und die Million an Strafen auch noch von Dresden und Magdeburg erreicht wird. Die anderen Städte bleiben meist unter 100000. Be­rechnet man die Steuerstrafen auf den Kopf der Bevölkerung bann kommen zahlreiche Bezirke über den Reichsdurchschnitt von 20 Pfennig Steuerstrafe für jeden Deutschen weit hinaus. Den höchsten Stand erreichen die Sachsenim Freistaat mit 43. die Berliner mit 38, die Westfalen mit 35 Pfennig und die Sacksen in der Provinz mit 33 Pfennig Steuerstraf« auf den Kopf der Bevölkerung. Schwer mitgenom­men werden auch die Württemberger mit 28 und die Thüringer mit 25 Pfg. Steuerstraf«,