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Ächtzeh iter Jahrgang.

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In dem kleinen slowakischen Dorf Podejin bei Neustadt an der Waag kam es bei Nacht zu

* Vor dem Ziel den Mut verloren. Der vor 40 Jabren nach Amerika ausgewanderte Bött- cvermeister Wilhelm Puth aus Mittelbuchen war mit einem Vermögen von etwa 40000 Mark jetzt in seine Heimat zurückgekehrt. Nun tauchten aber bei ihm Zweifel auf, ob dieser Betrag zur Gründung einer Eristenz genügen würde. Puth erschoß sich im D-Zug bei Langen «Hessen).

* Einer, der sein Todesurteil wünscht. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Heidelberg hatte sich der 20jährige Bäcker Walter Prinz aus Eisleben wegen erschwerten Diebstahls zu ver­antworten. Prinz hatte ent abenteuerreiches Le­ben hinter sich und wurde bei einem Einbruch in der Villa eines Dankdirektocs in Heidelberg entdeckt. Prinz hätte noch Zeit gehabt auszu­rücken. tat es aber nicht und wurde verhaftet Bei seiner Vernehmung erzählte er von seinen Einbrüchen in Waldau. Magdeburg und Augs­burg, von denen niemand hier etwas wußte und reiate sich wie früher schon einmal, selbst an. Auf eine einachcnde Schilderung .einer Misse­taten wollte er sich nicht einlassen,um dem Publikum keinen Stoff zu geben," und verlangte strenae Bestrafung, wie er meinteam liebsten ein Todesurteil", auf seden Fall aber Zucht­haus. Das Gericht war aber nicht so hilfsbereit sondern verurteilte den Anm'klagten zu zwei Jahren Gewngnrs und drei Jahren Ehrverlust.

* Ein 21 Pfund schwerer Weißkohlkovf Auf dem Felde des Besitzers Wolfram-Mewischfelde «Kreis Marienwerders ist em Weißkohlkovf im Gewicht von 21 Pkund gewachsen. Der Besitzer soll noch mehrere Erenchlare in fast gleicher Schwere geerntet haben.

* Irrsinnig und doch ins Gefängnis. Was so alles passiert. Da gebt der englische Baronet Sir Gerard Marwell-Willshire ein eleganter, 35 Fahre alter Aristokrat, reich, glücklich verheiratet. Vater mehrerer Kinder, hin und bittet ein 16jähriaes Ladenmädchen, es möge mit ihm eine Spazierfahrt machen. Er setzt das Mädchen in

Die Riemen Antigen kn den Raffel« Neuesten Nachrichten sind erfahrungsgemäß von auß«ordentlicher Wirkung, viele Tausende Rleiner Anzeigen erscheinen seden Msnat in unserem Blatte, viele Tausende Angebotsbriefe, die auf unter Ziffer erscheinende Antigen eingehen, werden allmonatlich durch unsere Geschäfts­stelle an die Auftraggeber dies« Anzeigen vermittelt.

Während der Manöver bei Sauteuburg (Pomerellenf hatte ein Artillerieregiment in der Umgegend von Langendors ein Scharfschießen veranstaltet. Nach jedem Schießen, suchte eine Militärabteilung das Schußfeld nach malt explo­dierten Geschossen ab. Auch die Bevölkerung wurde informiert, daß im Falle des Findens einer Granate dies sofort der Polizei gemeldet werden soll. Leider trug sich am Montag ein schweres Unglück zu. Beim Piehhüten fanden der zehnjährige Zawadski, der 16jährige Ptaszpnski und der 13jährige Blum eine Gra­nate. Z hob das Geschoß auf und warf es gegen einen Stein. Als die Knaben nun sahen, da nichts passierte begannen sie am Zünder zu schrauben. Plötzlich hörten sie ein Zischen und begannen zu fliehen. Sie waren jedoch nicht weit gekommen als die Granate explodierte. Dem Piaszynski wurde der Kopf abgerissen, Zawadzki wurde leicht verletzt, während Blum mit dem bloßen Schrecken davonkam.

*

25'uHe 3 aeunerKfiiaW.

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1 Beilage

Donnersta g 4. Oktober i-26.

Gin Geschäft ohne Kapital.

Episoden aus dem Bergmann-Prozeß.

Im Bergmann-Prozeß in Berlin wurde am Dienstag der Konkursverwalter Schuster al» Sachverständiger über den Wert des Lombaro- warenlagers bei Bergmann vernommen. Er be­rechnete, daß das Lager nur einen Wert von etwa 160 000 Mark gehabt hätte, während 1215 Mil­lionen als Deckung für die lombardierten Gelder notwendig gewesen wären. Bei dem bevorstehen­den Konkurs wurde die Quote voraussichtlich 6,< Prozent für die Gläubiger betragen. Der Satz könne sich aber auch bis auf 16 Prozent steigern, weil verschiedene Geldgeber aus begreiflicher Scham ihre Ansprüche vielleicht nicht anmelden würden.

Bei der Vernehmung des Angeklagten Kraatz, der schon Bergmanns Angestellter bei dem ersten verkrachten Bankunternehmen war, und sich dann an der Gründung des Lombardhauses beteiligt hat, stellte sich heraus, daß Bergmann und Kraatz das große Lombardhaus eigentlich ohne Kapital gegründet hat. Der Vorsitzende stellte bei dieser Gelegenheit auch fest, daß die Eröffnungsbilanz unmöglich stimmen könne.

Die Angeklagte Frau Wustrow, die häufig die Geldgeber bei Bergmann abzufertigen hatte, er­klärte bei ihrer Vernehmung, sie habe eigentlich nur den von ihr auswendig erlernten Inhalt der Werbeschreiben den Kunden gegenüber wieder­holt. Die Ausstellung mehrerer Lagerscheine für dieselbe Ware sei ihr bedenklich vorgekommen und sie habe auf den Rat ihres Mannes, der bei Bergmann Buchhalter war, und jetzt ebenfalls angeklagt ist, ihre Stellung gekündigt. Bergmann habe sie aber mit dem Hinweis beruhigt, daß seine juristischen Berater diese Geschäftspraxis für einwandfrei erklärt hätten. Die Verhand­lung wird am Freitag fortgesetzt

Aus aller Welt.

Lias Urteil im vrozetz «mm

Das Schwurgericht in Weimar sprach in dem Strafprozeß gegen den Posträuber Lärm und seinen Komplizen Salzmann folgendes Urteil: Gegen Lärm wurde wegen vollendeten schweren Diebstahls in 23 Fällen und vier Versuchen da­zu, wegen eines schweren Raubes (Ueberjall auf das Postamt in Klosterlausnitz) und eines Fal­les wegen Hehlerei, außerdem wegen verbotenen Wafsentragens auf eine Gesamtstrafe von vier­zehn Jahren Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und aus Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Salzmann wurde als Mittäter bei einem schwe­ren Diebstahl (Einbruch in eine Weimarer Koh­lenhandlung) und bei dem Postüberfall in Klo- terlausnitz zu fünf Jahren und einem Monat Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verur­teilt. Aus der Urteilsbegründung ergab sich u a., daß Lorm in keinem Falle mildernde Umstände zugebilligt wurden, weil bei feinen Straftaten sich zweifellos ein starker verbrecherischer Wille ausgewirkt habe. Lärm Hai seine Strafe sofort angenommen. *

Explosion einer jnanCberaranote.

liofje Mengen von Schleudersteinen aus, die aus gebranntem Ton gemacht und durchs chnittlich 2*/3 lentimeter dick waren. In Karthago hat man größere Schleudersteine aus Blei gefunden, die das Zeichen ^er furchtbaren Göttin Tanit trugen und zuweilen noch mit Flüchen und Beschimpfun­gen versehen waren. In der Nähe der Brenn­öfen stieß, man auf putzige Figuren, die vermut- lich Spielsachen für Kinder waren Als die menschlichsten Urkunden bertih-m al r die vielen Milchflaschen für Säuglinge. Es sind kleine, etwa 15 Zentimeter hohe Tonkrüge mit einem lsnsatz zum Lutschen, üe manchmal mit Augen einem lachenden Mund ber tert sind.

fein Auto, fährt mit ihm Vr den Wald, mudet ez nadt an einen Baum und streicht es mit Stiefelwichse von oben bis unten an.

Dann fährt er heim und läßt das Mädchen hilflos im Walde stehen. Jetzt hat man ihn für sechs Monate ins Gefängnis geschickt. Vor Ge­richt wußte er keinen Grund für feine 'ctt an­zugeben. Warum also Gefängnis, wozu gibt es Denn Heilanstalten?

* Glückliche Bohrung. In dem Städtchen Soden-Salmünster ist ein neuer Sprudel er­schlossen worden, der von außerordentlicher Be­deutung fein kann, da er der größte fein soll, den wir bisher als Sole in Deutschland begtzen.

* Großfeuer auf einer Ausstellung. Ern Großfeuer Hai im Pavillon der Keramik aus der Turiner Ausstellung gewütet. Der Pavillon ent­hielt u. a. eine Ausstellung antiker Möbel und wurde vollständig zerstört. Der Sachschaden ist sehr hoch.

* Sterbend auf der Chaussee gefunden. ~et 50 Jahre alte Fleischermeister Dunst aus Alt- Friedrichsfelde wurde in der Nahe von Dies­dorf bei Berlin schwer verletzt aufgefunden. Das Fahrrad, mit dem er unterwegs gewesen war, war verschwunden. Dagegen war seine Bar­schaft im Betrage von 10 Mark noch vorhanden. Tunft ist kurz nach seiner Auffindung gestorben, ohne über die Angelegenheit Aufklärung gegeben zu haben.

Feldpost im Frieden. Am 8. Novencker 1917 hatte die Schwester eines Feldgrauen Geburts- iag und sandte ihr ein Pfundpäckchen, das nie eintraf. Dm 12. Oktober 1927. also zehn Jahre später, kam das Paket endlich cm. Was es nr dieser Zeit gemacht hat, war nicht aus ihm herauszubekommen. Da aver bte Schwester des ehemaligen Feldgrauen auch am 8. November 1927 Geburtstag hat, hätte die Post wirklich so­lange warten und ihr erst dann die knochenharte Schokolade auShändigen können.

chätze in drei bis vier Wochen. Was sind es tir Fälle?*

Vier Exemplare von endemischem Kreki- nisnius aus dem Berner Oberland, und zwei maligne Strumen.*

Schön. Dr. Carpenter wird sie brauchen können. Vergessen Sic auch nicht, daß noch Schimpansen besorgt werden müssen."

Wieviel?"

Soviel Sie bekommen können. Aber nur Männchen. Mindestens zehn Stück."

Sehr wohl, Herr Doktor."

Dann schwiegen die beiden.

Sander griff sich an den Kopf.Was ist das für ein Durcheinander? Aktien, Trypanosomen, Untersuchungshaft und Schimpansen? Wo sind da die Zusammenhänge? Bin ich verrückt, ober sind es bte beiben? Wer ist biefer Chauffeur, Der mit mebizinischen Fachausdrücken um sich wirft? Und der andere, dieser Mr. Devil? Wa­rum trägt er heute einen Bart von einer Far­be, die weh tut?" In Peters Kopf drehte sich ein Karussell.

Das silberne Auto fraß die Landstraße. Türme, Schlote. Häuserhaufen schoben sich aus der Ferne heran. Eine Stadt versperrte den Ho­rizont. MaUand.

Peter überlegte:

Was hie ich? Uebergebe ich die zwei der dortigen Polizei? Soll ich ihnen zu entfliehen versuchen? Soll ich es auf einen Faustkampf ankommen lassen?" Dann fiel ihm ein, daß er in keinen Paß habe. Daß der andere ihn zum Geisteskranken gestempelt habe.

Mutlosigkeit überfiel ihn. Er erinnerte sich der Szene vor dem Zollbeamten und sagte sich refianiert:

Es ist alles umsonst. Es gibt kein Entrin­nen Es ist alles viel zu schwer."

Dann fuhren sie durch die Stadt. Als sie den Cimitero Monumentale passiert hatten, drosselte Hürlimann den Motor ab und erklärte:

Ich muß hier Benzin fassen."

Fortsetzung folgt.

Astes Mon damweftn

In einem Fabrikviertel der alten Phönizier

K-rtbaqo, di« «rotze Gegenspiel««» Roms, ift unter bett weltgeichichtli««» Hnlttttjetrtren am ieäietten mit dem «Voten erforitot wsrSea Wir tu Troja, io liegen biet immer neue Sui- ftttiäidtten übeteluauber. dir die Geschichte die­ser Stabte durch viele Jahrtausende oerlolnen lallen. Durch amerikanisch« nn> sranzöniche Forscher ift in bett letzten Jabren bie Ausgra­bung Kartbaaos und seiner Ustflebun« auher- orbeutlick gekördert worben nub ein« ganz neue geschichtliche Welt würbe erschlossen. Diele Gra- bungsarh-it schildert einer der Exvedtiionslet- ter Grak Ulm» de Prorok in seinem neuen Werk Göttersnche in Afrikas Erde".

Neben den Funden tn Karthago erregen be­sondere Aufmerksamkeit die Entdeckungen in der Stadt lltica, deren Namen uns hauptsächlich aus der Römerzeit bekannt ist, die aber eine altphö­nizische Gründung war und in manchen Dingen des Handels und Wandels sogar mit Karthago wetteiferte. Die Ausgrabungen deckten neben reichen Gräberfunden ein ganzes Fabrikviertel auf, in dem sich die Töpfereien der alten Phöni­zier und andere Fabriken befanden. Die Punier sind ja die ältesten Bankiers der Menschheit ge­wesen und haben mit ihrem Geschäftsgeist die Welt beherrscht. Die ersten Schecks und Wechsel aus Leder und Papier wurden von ihnen ausge­geben, ihre Schiffe befuhren alle Meere, um Die beiden Städte Karthago und Uttca zu bereichern, die einst die Wunder Afrikas waren und jetzt nur dürre Ebene oder schillernde Sümpfe sind.

Aus diesem Kulturbereich stammt die älteste Anzeige, die man auf einer Lampe gefunden, deren Jnfchrift lautete:Bitte, kaufen Sie unsere Lampen, die billigsten in Karthago, nur einen Groschen! Es sind die besten." In den Scher­benhaufen der Töpfereien von Uttca fand man auch eine Sparbüchse, in der noch die Münzen klirrten. Die schlauen Punier hatten die Büchsen so gestaltet, daß man die Ersparnisse nicht leicht herausholen konnte. Man wollte schon die Kin der zum Festhalten des Geldes zwingen. Die Brennöfen der Töpfereien von Utica waren aus roten Ziegeln gebaut; darüber erhob sich ein run­der Schornstein, zu dem die Röhren von dem

einer wahrest Schlacht der Dorfbewohner gegen die dortige Zigeunerkolonie, bei der fünf Zigeu­ner getötet und sieben schwer verletzt wurden. Die Zigeunerkolonie des Dorfes hatte schon seit längerer Zeit die Bevölkerung durch Diebstahle in Zorn versetzt. Als vor einigen Tagen zwei Zigeuner wegen Diebstahls verhaftet wurden, drohten die Zigeuner den Dorfbewohnern, das Tors in Brand zu stecken. In der nächsten Nacht gingen tatsächlich zwei Scheunen in Flammen auf. In der folgenden Nacht rottete sich nun eine Anzahl der Dorfbewohner, unter ihnen die angesehensten und reichsten Familien, unter der Führung des Bürgermeisters zusammen und überfielen mit Sensen und Heugabeln die Zi­geunerkolonie. Es kam zu einem furchtbaren Blutbad, bei be-p ein Zigeuner, brd Zigeune­rinnen und ein sechsjähriges Zigeunerkind er­mordet wurden: zwei Zigeunerinnen liegen im Sterben und fünf weitere Zigeuner wurden schwer verletzt in das Krankenhaus von Tren- cin gebracht. Die Kolonie ift ein Trümmerhau­fen. Eine amtliche Kommission ist zur Unter­suchung der Vorfälle nach Podejin abgegangen.

kuppelüberwölbten Herde führten.

Tausende von pumschen Scherben wurden ; hier gefunden; es war der Ausschutz, den man weggeworfen hatte, aber diese Scherben erzählen uns eine Geschichte. Solch ein Bruchstück ermög­licht es oft, weit auseinanderliegende Kulturstät­ten zu verknüpfen oder die Geschichtszahl einer Stadt zu ermitteln. An den Henkeln wurden 80 verschiedene Fabrikmarken festgestellt, von denen manche so klar sind, als ob sie erst gestern geprägt wären. Viele dieser Siegel sind von hoher künstlerischer Vollendung; am schönsten war das Zeichen der Bergstadt, die den Delphin zur Warenmarke erkoren hatte. Auch griechische Buchstaben waren als Marken verwendet, wohl die Krüge von Oel- und Weinhändlern, die ihre Hausmarke für bie Ausfuhr nach fretnben Län­dern eindrücken ließen.

In der Nachbarschaft wurde eine Werkstatt für Knochen- und Elfenbeingeräte ausgegraben, die man infolge der großen Mengen von Haar­nadeln die Haarnadelfabrik nannte. In zehn Tagen wurde hier eine große Fülle von Nadeln, Löffeln, Kämmen, Knöpfen, Klammern, Federn, Ringen, Musikgeräten usw. herausgeholt. Auch Rohstoffe wurden gefunden, Knochen und Elfen­bein, aus denen die Waren oft sehr kunstvoll ge- fchititzt wurden. Dazwischen lagen tn wirrem Durcheinander Moioitsteinchen, Ton- und Glas­scherben. Die meisten Nadeln, die etwa 715 Zentimeter lang sind, tragen an einem Ende einen runden Knopf: andere zeigen einen weib­lichen Kopf. Die Federn sind lange Stiele, an einem Ende spitz und gespalten wie bei einem Gänsekiel, am andern flach; das flache Ende mag als Papier- oder Radiermesser g*b: nt haben.

Eine anbere Anlage kann wohl als Waffen­lager aufgefaßt werbe i, denn wat grub hier

Häufer-Spalier des Städtchens, eine Wolke von Gestank zurücklassend. Sie gewannen eine breite Chaussee, die nach Süden führte.

Mindestens hundert Kilometer!" schoß es Peter durch den Kopf. Er vertrug das schnelle Fahren nickt und preßte die Hände an bte hup- ienben Schläfen. Die beiben vor ihm begannen ein Gespräch. Peter schloß bie Augen, um bes­ser zu hören. Wenn er auspaßte, konnte er ie- ves Wort verstehen, ba der Wind von vor­ne kam. m

Der Rote, dem der Luftzug den dichten Bart nach hinten peitschte, befahl dem Chauffeur:

«assen sie, das Tempo, Hürlimann, bis wir in" Mailand sind. Wann kommen wir nach Genua?"

Gegen Abend, Herr Doktor."

Ich will um acht Uhr dort sein, Horen Sie? Punkt 8 Uhr. Ich habe vorhin ein Telegramm an Jshi aufgegeben, daß er uns am Hafen er­wartet. Dann noch etwas: Von Genua fahren Sie auf dem kürzesten Wege nach Zürich. Bet Daetwyler und Co. habe ick fünf Millionen Dollar in amerikanischen Schatzwechseln depo­niert. Sie werden für das Geld Aktien kauten. Und zwar für den halben Betrag deutsche I. G. Farbenindttstrie. Kaufen Sie aber vorsichtig in deinen Posten. Braun in Berlin und Brett­schneider in Frankfurt fallen Ihnen helfen Die Börse muß das Geld schlucken, ohne zu ahnen, daß alles in eine Hand geht, verstanden? ?zur den Rest nehmen Sie Buderus. Gelsenkirckener und Harpener. namentlich letztere. Im übrigen Wünsch- ich nicht, daß Sie sich selber bei dem Geschäft beteiligen! Ich kann Zaungäste nicht ausstehen. Sie kennen mich. Was verdienen Sie eigentlich an mir, Hürlimann?"

Im letzten Monat waren es zwanzigtausend Schweizer Franken," erwiderte der andere zo- °°^Jch denke, das genügt," meinte der Rote bissig.

Sie schnellten durch eine kleine Stadt. Va- i refe. Ein Polizist konnte sich gerade noch out den Gehsteig retten. Der Bärtige sab um und - konstatierte, daß der Polizist den Wagen no- ; tierte.

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sOOöOiOOÖCJiOOOOOC

Sie haben hoffentlich eine falsche Nummer hinten, Hlirtlimann?"

Jawohl. In Ponte Tresa frisch ausge­wechselt "

Gut. Was macht unser Prtvatdozent tn Bern?" ...

Aelpli? Er wird demnächst mit ferner Ar­beit fertig. Es wird eine große Sache. Der Er­reger des Pappatacifiebers soll eine Trypono- fomenart fein," antwortete Hürlimann.

Well. Ueberwachen Sie den Mann weiter. Sobald seine Untersuchungen abgeschlossen sind, wirb er gekappt unb ich erhalte bas Manu­skript. Am besten lassen Sie es stehlen. Der Mann selber ist für mich wertlos, eine fleißige, aber beschränkte Arbeitsbiene."

Ter wir den Honig Wegnehmen--" grin­

ste Hürlimann.

Er konnte nicht ausreden; denn der andere schlug ihm das Weitere von den Lippen weg und schrie rot vor Zorn:

Wer. wir? Habe ich mit Ihnen die Schweine gehütet? Habe ich mit Ihnen im Zuchthaus gesessen, weil Siew i r" sagen? Lassen Sie sich das nicht noch einmal einsallen! Ich habe Sie aus dem Dreck aufgelesen und lasse Sie wieder in den Dreck zurückfallen, wenn Sie noch einmal so familiär werden!"

Entschuldigen Sie. Herr Doktor," würgte der Hüne mit kalkigem Gesicht hervor und duckte sich über die Steuerung.

Der Bärtige sagte kurz:

Was ist mit Fürbrtnger?"

Er sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Der bestochene Gefängniswärter berichtet mir fortlaufend."

Schärfen Sie Fürbringer ein, nichts zu ver­raten! Beim ersten unrechten Wott lasse ich ihn fallen. Wenn er aber dicht hält, kann er sich darauf verlassen, daß er in wenigen Wochen frei ist. ES ist schon alles vorbereitet. Sonst noch etwas?" , ,

Ja. Maraini in Marseille hat ein halbes Dutzend Kropfraritäten beisammen. Wann kön­nen sie eingebotet weiden?"

»Sobald Jefferson Marseille anläuft Ich

Luzifers Ende. ;

7) Roman von W. Klöpffer.

Der andere hakte ihm ein. und Peter spürte einen muskulösen Männerarm sich über seinen legen. An der Zollbrücke zeigte der Rotbärtige zwei Pässe vor und wechselte mit ben Beamten einige Worte, bie Peter nicht verstaub. Den ei­nen Paß unterschieb ber Professor ganz beutltch als fein Eigentum, weil an bet Ecke etwas vw° leite Tinte über ben Umschlag gelaufen war. Er grübelte:

Wie kommt dieser Mensch zu meinem Reise­paß und zu dem Sichtvermerk des italienischen Konsuls? Gestern abend noch hatte ich das Pa­pier in Händen.--- Wieder eine ungelöste

Frage mehr, die ihn zermürbte! Er hätte gern oe fragt; aber der Befehl von vorhin schloß ihm die Lippen. Eine Idee schlich ihm durch den Schädel:Reiß' diesem $antee das falsche Zeug herunter, entlarve ihn dann kann noch alles gut werden!",

Er kratzte ein winziges Restchen Energie atomweise zusammen. Es langte gerade soweit, daß er den Mund zu einer hilflosen Grimasse verzog, die den Zollbeamten'lachen machte.

Signor, ber Mann ist verrückt," bestätigte ber Beamte bem Begleiter SandersSehen Sie zu, daß er keinen Unfug anrichtet."

Keine Sorge!" entgegnete der Rotbart unb nahm Peters Arm.

So überschritt Professor Sauber bie italieni­sche Grenze. Zum Irren gestempelt. .

Hinter der näcksten Straßrnbiegung hielt etn Auto Der Chauffeur, ein Hüne in Lederjoppe und Staubmantel, griff an die Mütze und er­stattete Peters Begleiter im Flüsterton eine Meldung. Tann nahm er hinter dem Steuer ^"Steigen Sie ein!" sagte der Rote zu Peter. Ziefer gehorchte, als habe er Aether getrunken. Der Bärtige setzte sich neben den Lenker, dem Professor die beiden Rücksitze überlassend, unb knallte ben Schlag zu Der Wagen stob mit ei­nem Sitz in die Straße und tobte durch das